Nr. 178 Donnerstag den S. August 1888. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bitte Alt t Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Eurch Amtlicher HHeit. An sämmtliche ^rtsgerichte unseres Be;irks. Nach höchstem Erlaffe vom 28. v- M. haben Sie 1) in den Eheverlrägen die Brautleute darüber Erklärung abgeben zu lasten, ob das beiderseitige Vermögen, aus welche« sich der Ehevertrag erstreckt, nicht mehr oder mehr als 2000 beträgt; und in der Fragenbeantwortung haben Sie sich jedesmal zu äußern, ob jene Erklärung richtig ist, — etwa mitübernommene Schulden kommen jedoch in Abzug. 2) Ferner haben Sie, wenn Sie eine Vollmacht in protokollarischer Form ausnehmen oder die Genehmigung der Vollmacht beglaubigen, den Stempelbetrag von 1 JL zu verwenden, — nicht aber, wenn Sie nur die Vollmachtsunterschrift beglaubigen. Gießen, den 25. Juli 1888. Großherzoglicher Amtsgericht. Langsdorfs. Politische Rundschau (Ziehen, 1. August. Die epochemachende Meeresfahrt Kaiser Wilhelms ist zur Stunde beendigt, aber vor ihrem Ausgange entrollte sie mit dem Besuche Kaiser Wilhelms in Kopenhagen noch ein letztes glänzendes Bild. Der offictöse Telegraph überstürzt sich fast in langen Meldungen über die erste Begegnung zwischen dem deutschen kaiserlichen Geschwader und der dänischen Flotille mit König Christian an Bord, über den wahrhaft großartigen Empfang des deutschen Monarchen in Kopenhagen und über seinen Aufenthalt daselbst. Nach der überraschend warmen, ja begeisterten Aufnahme, welche dem deutschen Kaiser in der dänischen Hauptstadt von Anfang an zu Theil geworden ist, zu urtheilen, scheint man in Dänemark in der That von dem Bestreben beseelt zu sein, in ein aufrichtig freundschaftliches Verhältniß zu Deutschland zu treten und der Besuch unseres Kaisers in Kopenhagen bildet die Grundlage, auf welchem sich dieses Verhältniß, zum Segen für beide Theile, hostentlich gedeihlich weiter entwickeln wird. — König Christian verlieh dem Prinzen Heinrich von Preußen den Clefanten- orden und dem Staatssecretair Grafen Herbert Bismarck das Großkreuz des Danebrog- Ordens. Nach dem Galadiner in Schloß Amalienborg nahm der Kaiser den Thee im engeren Familienkreise, der dänischen Majestäten ein und begab sich Nachts gegen 11 Uhr nach herzlicher Verabschiedung von der dänischen Königsfamilie wieder an Bord der „Hohenzollern". Dieselbe lichtete am Dienstag gegen Tagesanbruch die Anker und ist der Kaiser in den Abendstunden des Dienstag wieder in Kiel eingetroffen und sofort nach Friedrichsruh weitergereist. Die Nachricht, Kaffer Wilhelm, welcher ein warmer Verehrer der Wagner'schen Musik ist, gedenke sich demnächst nach Bayreuth zum Besuche der dortigen Wagner- Aufführungen zu begeben, wird jetzt von mehreren Seiten bestätigt. Die betreffenden Anordnungen sind bereits ergangen und dürfte man auch über den Zeitpunkt der Reise des Kaisers nach Bayreuth bald Näheres erfahren. Die Ccntenarfeier König Ludwigs I. ist in München in erhebendster und glänzendster Weise verlaufen und gilt dies namentlich von dem am Dienstag stattgefundenen feierlichen Festzuge, dem Mittelpunkte der ganzen Feier. Ganz Deutschland Hal im Geiste diese dem Gedenken des kunstsinnigen und patriotischen Bayernkönigs geweihte Erinnerungsfeier mitbegangen, denn wenngleich König Ludwig I. die Verwirklichung der Ziele, die ihm vorgeschwebt und sozusagen seinem gesammten Schaffen und Wirken die Richtung oorgezeichnet, nicht erlebt, so lebt er doch als Vorkämpfer deutschnationalen Wesens, als Vertreter und Förderer des nationalen Gedankens im Herzen des deutschen Volkes unvergessen fort. Daneben hat der erlauchte Fürst als begeisterter Verehrer antiker Kunst wie als Beschützer und Förderer der deutschen Kunst namenrlich seine Haupt- und Residenzstadt zum Mittelpunkt einer neuen Cultur, zum Vororte elastischer Schöpfungsthätigkeit und zu einer Heimstätte deutschnationaler Kunst gemacht und auch hierdurch zur Erweckung des idealen Sinnes und jener Begeisterung in der deutschen Nation betgetragen, die späterhin auch nach anderen Richtungen hin so fruchtbringend gewirkt hat. Der Pariser Arbeiterstrike droht nach Stimmungsberichten aus der französischen Hauptstadt ein allgemeiner zu werden und wird zugleich die Haltung der Stri- kenden eine immer bedenklichere. Ganz abgesehen von den bisherigen Zusammenstößen zwischen den feiernden Erdarbeitern einer-, der Polizei und dem Militär anderseits, bemühen sich die Strikenden, ihrer Sache einen politischen Anstrich zu geben, außerdem scheint es, als ob das revolutionäre Central-Comtto die Hand mit im Spiele habe. In einer Versammlung von 4,000 strikenden Erdarbeitern wurde eine Resolution gefaßt, welche beim Ministerpräsidenten Floquet gegen die Verwendung von Truppen gegen die Strikenden Protest einlegen soll und welche der Polizei alle Schuld an den stattgefundenen Zusammenstößen beimißt. Die Bauplätze in Paris und in den Vororten müssen von Polizei und Truppen fortwährend bewacht werden, da die Strikenden die noch arbeitenden Genossen an der Weiterarbeit verhindern wollen. Auch dehnt sich die Arbeitseinstellung von der Hauptstadt nach der Provinz aus, da aus verschiedenen Gegenden des Landes ebenfalls Arbeitseinstellungen gemeldet werden. Auch gegen die von der Regierung beschlossene Ausweisung der am Pariser Strtke bethetligten und wegen ihres tumultuarischen Verhaltens verhafteten ausländischen Arbeiter haben die strikenden Arbeiter wenigstens in der Commission ihrer Führer Stellung genommen. Die Commission erhob Widerspruch gegen die signalisirte Maßregel und erklärte, die französischen Arbeiter fühlten sich Eins mit ihren Brüdern von auswärts. Die italienische Regierung hat sich genöthigt gesehen, infolge der Steuerverwickelungen in Massauah den Brächten in zwei Noten officiell die förmliche Besitzergreifung des Massauah-Gebietes durch Italien bekannt zu geben. Herr Crispi führt in diesen Noten eine sehr scharfe Sprache gegen Frankreich, denn es wird mit dürren Worten erklärt, daß den Italienern in ihrem ostafrikanischen Colonialbesitz nur immer von französischer Seite Schwierigkeiten bereitet worden seien und scheine es, daß Frankreich in den friedlichen Fortschritten Italiens nur eine Verringerung seiner eigenen Macht erblicke. — Diese Kundgebung des italienischen Ministerpräsidenten läßt die italienisch-französischen Beziehungen auf's neue in nichts weniger als erfreulichem Lichte erscheinen. In der Montagssitzung des englischen Unterhauses sand unter heftigen Debatten die Wahl der Richter-Commission statt, welche die bekannten Anklagen der „Times" gegen den Führer der irischen Nationalpartet, Parnell, untersuchen soll. Die Zahl der Mitglieder wurde hierbei auf drei festgesetzt; zwei der vorgeschlagenen Richter wurden unter Zustimmung des ganzen Hauses gewählt, gegen das dritte Commissionsmttglied Day, protestirten aber die Gladstonianer und Parnelliten, vermuthltch, weil Day schon in mehreren Processen gegen Parnelliten mitgewirkt hat. Schließlich genehmigte indessen das Haus doch die Ernennung Day's mit 269 gegen 180 Stimmen. Telegraphische Depeschen. Wolsi's telegr. Correspondenz. Bureau. Berlin, 31. Juli, 9 Uhr Abends. Der Kaiser verweilt von heute bis morgen als Gast beim Reichskanzler in Friedrichsruh. Man darf annehmen, daß er durch diesen Besuch nicht nur seinem, von ihm besonders verehrten, ersten Rathgeber eine Eh^e erweisen will, sondern daß ihn auch der Wunsch leitet, mit demselben die Erfahrungen und Ergebnisse seines Besuches in Petersburg persönlich zu besprechen. Dieser Aufenthalt in Friedrichsruh wird von politischen Persönlichkeiten thatsächlich als ein besonderer Beweis dafür aufgefaßt, daß es sich bet der russischen Reise des Kaisers doch um etwas mehr als eine Antrittsvisite gehandelt hat. Berlin, 31. Juli. Den Berliner „Politischen Nachrichten" zufolge haben die Bundesrathsausschüsse für den Zollanschluß Hamburgs und Bremens den Beschluß gefaßt, dem Reichskanzler vorzuschlagen, den Zollanschluß Mitte October in Aussicht zu nehmen. Potsdam, 31. Juli. Bulletin von 6 Uhr Abends. Die Kaiserin ist fieberfrei und erfreut sich andauernd des besten Wohlseins; der junge Prinz ist ebenfalls wohl. Kiel, 31. Juli. Das Kaisergeschwader hat um 8 Uhr 25 Min. Friedrichsort passirt, die „Hohenzollern" warf um 8 Uhr 45 Min. dem Schloß gegenüber Anker, um 9 Uhr 30 Min. fiel auf ihr die Kaiserstandarte. In einer Schaluppe landeten der Kaiser und Prinz Heinrich an der Barbarossabrücke und fuhren zum Bahnhof, überall enthusiastisch begrüßt. Die Abreise erfolgte um 9 Uhr 45 Min. Kiel, 31. Juli, 10.30 N. Gegen 8 Uhr gelangte das Geschwader bei Laboe in Sicht. Um 8 Ubr 25 Minuten dampfte die „Hohenzollern" bei Friedrichsort vorüber. Prinz Heinrich stand auf der Commandobrücke, der Kaiser, an dessen Seite sich der Flügeladjutant v. Seckendorff befand, grüßte sehr freundlich. Die Strandbatterien salutirten. In größerer Entfernung folgten „Baden", „Bayern", „Kaiser", „Friedrich der Große", „Ziethen" und dann das Schulgeschwader. Um 8 Uhr 40 Min. salutirte „Blücher", dann „Württemberg". Die Sprengung des Kanonenboots „Drache" wird erst im Herbst erfolgen. Die „Württemberg" beleuchtete die Barbarossabrücke, an der der Kaiser landete, electrisch. (Fr. Z.) Hamburg, 31. Juli. Es verlautet, der Kaiser werde in Friedrichsruh heute Abend zwischen 10 und 11 Uhr eintreffen. In Friedrichsruh sind Ehrenpforten errichtet und Kränze gewunden, Lampions zur Beleuchtung werden vorbereitet. Friedrichsruh, 31. Juli, 12.55 N. Um 12 Uhr Nachts traf Kaiser Wilhelm mit Extrazug von Kiel via Schwarzenbeck hier ein. Schon seit 8 Uhr war der Bahnhof glänzend illuminirt. Der Zudrang von allen Gegenden ist ungeheuer, Bahnhof und Schloßpark wurden von Tausenden belagert, die Stunden lang geduldig ausharrten. Der Kaiser stieg in Marine-Uniform mit Mütze vor dem Parkthor aus, wo ihn der Reichskanzler und Graf Rantzau erwarteten; er begrüßte zunächst den Reichskanzler und dann die anderen erschienenen Herren. Er faßte den Fürsten am Arm und zog sich mit ihm in den Park zurück, wo die Gräfin Rantzau sich anschloß. Die Volksmenge sang „Heil dir im Siegeskranz", „Deutschland, Deutschland über Alles" und die „Wacht am Rhein". (Fr. Z.) Karlsruhe, 31. Juli. Die gestrige Untersuchung der Augen der Großherzogin ergab keine wesentliche Veränderung, das Allgemeinbefinden hinsichtlich der Zunahme der Körperkräfte ist erfreulich fortgeschritten. Augsburg, 31. Juli. Der Kronprinz von Italien ist von Lindau kommend hier eingetroffen, die Wetterfahrt erfolgt morgen nach Berlin. Wien, 31. Juli. Die Kronprinzessin ist heute Abend nach München abgereist. — Numir Pascha ist heute Abend nach Berlin gefahren. Kopenhagen, 31. Juli. Als Kaiser Wilhelm sich gestern Abend um 11 Uhr an Bord des „Hohenzollern" begab, wurde er vom König und sämmtltchen Prinzen begleitet. Der Landungsplatz und die angrenzenden Gebäude waren prachtvoll erleuchtet. — Das Kaiser-Geschwader passirte Morgens 5Va Uhr Dragoer, der „Hohenzollern" um 71/2 Uhr. Paris, 31. Juli. Die Versammlung der strikenden Erdarbeiter berieth heute Mittag über Mittel und Wege, den Strike auf die Arbeiter auf den Holzplätzen und die Zimmerleute zu übertragen. Nachmittags veranlaßten Schaaren strikender Erdarbeiter die Zimmerleute auf einzelnen Bauplätzen die Arbeit niederzulegen. Bitz jetzt find 9800 Strikende im Centralbureau eingezeichnet. Der Gouverneur von Paris beauftragte einen Offizier, die angeordneten Vorsichtsmaßregeln genau zu überwachen. London, 31. Juli. Das Unterhaus hat nach 8stündiger Debatte die Fortsetzung der Berathung des § 1 der Bill, betr. die Parnell'sche Untersuchungs-Commission, auf heute vertagt. Rom, 31. Juli. Der Afrikareisende Casald theilt in einem Schreiben aus Ginara vom 5. December (?) mit, keine Nachrichten von Stanleu bekommen zu haben, und legt dar, wegen der Anarchie in den dortigen Gegenden könne Stanley vor dem März kaum ankommen. Lokales. Hießen, 1. August. Die hiesige Rudergesellschaft richtet sich für ihr alljährlich wiederkehrendes Sommerfest, welches am Sonntag den 12. August, Nachmittags 3 Uhr, an ihrem Boorsplatz abgehalten werden soll. Auf Veranlassung der dieses Jahr errungenen mehrmaligen Siege wird das Fest in erweiterter und großartigerer Weise wie seither gefeiert werden. Ein am Vorabend (Samstag) in Stein's Garten stattfindender allgemeiner großer Biercommers, zu welchem Einladungen in ausgedehnterem Maße ergehen werden, wird dasselbe eröffnen. Sonntag Nachmittag werden sich die diesigen acliven Ruderer, sowie Mitglieder auswärtiger Vereine auf ihrem Element, der Lahn, in Auf- und Wettfahrten präsentiren,während für Abends großes Brillant-Feuerwerk, lebende Bilder, Concert und eventuell sich anschließender Tanz in Stein's Garten in Aussicht genommen ist. Den musikalischen Theil des Festes hat die hiesige Regimentskapelle übernommen, welche gleichzeitig, da das Regiment am 14. August zu den Manöoern ausrückt, ihr Abschiedsconcert geben wird. Zahlreicher Besuch und schöner Erfolg wird unseren Ruderern nicht ausbleiben, aber besseres Wetter und endlich Sonnenschein mochten wir denselben wünschen. Gießen, 1. August. Am Abend des 30. Juli wurde auf der Vicinalstraße Gießen—Rodgen ein Bursche von Rödgen mittelst Messerstichen lebensgefährlich verletzt. Zwecks Feststellung des Thatbestandes ist gerichtliche Untersuchung eingeleitet und wird dieselbe den Beweis liefern, daß der Thäter zur gehörigen Bestrafung herangezogen werden kann. Vermischtes. Darmstadt, 31. Juli. Bei dem ärztlichen und veterinärärztlichen Personale haben sich im Verlause des 2. Quartals d. I. die nachfolgenden Veränderungen ergeben. Es haben sich niedergelassen die Dr.Dr. Hamacher in Mörfelden, Dahlem in Neckar-Steinbach, Woltemas in Offenbach, Wisier tu Gimbsheim, Brosch in Michelstadt, Reichmann in Gießen, Keller in Urberack, Mogk in Gießen, Siepmann in Osthofen, Hartung in Mainz, Riegel und August Hoffmann in Gießen, Kremer in Wald-Uelversheim und Albrecht Weber in Darmstadt, die eilijährig-freiwilltgen Aerzte Dr.Dr. Beyerle, Machenhauer, Lauteschläger und Ludwig Orth in Darmstadt und Jourdan in Mainz. Verzogen sind die Dr.Dr. Pollak von Monsheim nach Forbach, Strubel von Langen und Linden von Ober-Ingelheim nach Bingen, Albrecht Stammler von Roßdorf nach Darmstadt, Brandenburg von Gießen nach Trier, Stimme! von Darmstadt nach Hamburg und Grosser von Darmstadt nach Cassel. Zum Kreis- affiftenzarzt für den Kreis Heppenheim mit dem Sitz in Hirschhorn wurde Dr. Ferd. Schwarz in Erbach ernannt. Gestorben sind die Dr.Dr. v. Löhr in Gießen, Schröter in Osthofen, Kreis-Assistenzarzt Dr. Baur in Hirschhorn und Oberstabsarzt t. P. Fuchs in Darmstadt. — Der practische Veterinärarzt Garth hat sich in Pfungstadt niedergelassen, Sehrt hat seinen Wohnsitz von Gernsheim nach Ober-Ramstadt und Theodor Grewe von Ober-Ramstadt nach Borke verlegt. Verstorben ist der practische Veterinärarzt Hisserich in Pfungstadt und Stabsoeterinärarzt i. P. Zimmer in Darmstadt. Darmstadt. Die jetzt bekannt werdenden Resultate der am 1. October v. I. zur Feststellung gelangten Einnahme an Branntwein-Nachsteuer im Großherzogthum Hessen sind: in der Provinz Starkenburg im Hauptsteueramtsbezirk w Darmstadt rund 81181 JL Offenbach „ 59 796 „ in der Provinz Oberhessen im Hauptsteueramtsbeztrk Gießen rund 235 592 „ In der Provinz Rheinhessen im Hauptsteueramtsbezirk Mainz rund 71150 „ Worms „ 27 778 „ Bingen „ 8 571 „ im Ganzen also rund 484 068 A Mainz, 31 Juli. Das oft erwähnte traurige Vorkommniß in einer hiesigen Badeanstalt wird morgen den Kreisausschuß des Kreises Mainz beschäftigen und zwar in Form einer Reclamation, welche die Besitzerin der betreffenden Badeanstalt gegen die polizeiliche Schließung ihres Gewerbes erhoben hat. Bei der Verhandlung dürften die schweren Vorwürfe, welche sowohl in der Presse als im Publikum gegen die polizeilichen Organe laut geworden sind, denen die Beaufsichtigung der Badeanstalten oblag, zur Sprache gebracht worden. Allgemein ist man hier der auch von den richterlichen Behörden getheilten Ansicht, daß die Schuld an dem traurigen Vorkommniß einzig und allein den Personen zur Last fällt, welche amtlich die Beaufsichtigung zu be- thättgen hatten. — Hier hat gestern eine Frau ihr Stieftochterchen, ein Kind von 8 Jahren derart mißhandelt, daß das Mädcken in ärztliche Behandlung in's Spital verbracht werden mußte. Gegen die liebevolle Mutter hat der Spitalarzt bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erhoben. △ Aus Rheinhessen, 31. Juli. Der gestern erwähnte Brand in Nierstein ist wahrscheinlich aus eine vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen und wurden heute nach einem kurzen richterlichen Verhör der Eigenthümer der betreffenden Gebäulichkeiten, sowie dessen Sohn verhattet. Zu der Verhaftung gab hauptsächlich Veranlassung, daß man in den Geschäftslokalitäten mehrere mit Petroleum getränkte Holztheile, Stroh rc. entdeckt, welche jedoch in Folge des raschen Einschreitens der Feuerwehr von den Flammen geschützt blieben. — Frankfurt, 31. Juli. Die gestern hier mit aller Bestimmtheit auftretende Nachricht, der Postdefraudant Haag von Homburg v. d. H. sei in Basel ergriffen worden, bestätigt sich nicht. Man glaubt jetzt sogar, der Durchgänger werde entweder nicht ober nur sehr schwer abgefangen, da er bis zur Entdeckung seiner Veruntreuungen volle 2 Tage Vorsprung hatte. Daß er nach Basel hin geflüchtet, wird nicht geglaubt, da er auf der Strecke von Frankfurt nach Basel durch seinen Dienst als Postambulant bekannt war. — Die gestern etngetroffene Locomotive für die Lokalbahn Frankfurt- Eschersheim wurde noch am selbigen Tage probirt. Der Dampfbetrieb soll für die Früh- und Abendzüge eingerichtet werden, Dagegen für die Zwischenzeit des Tages der Betrieb mit Pferden bestehen bleiben. — Wie Ihnen schon gemeldet, findet am Sonntag den 5. August im Palmen- flarten großes Velociped-Wettfahren statt. Die Nennungen zu demselben sind sehr zahlreich eingelaufen, nur für das Zweirad-Hauptfahren bat sich fein Gegner des Herrn Aug. Lehr, der bekanntlich die Meisterschaft fast aller Länder inne bat und auch die Meisterschaft von Europa in Berlin errang, eingefunden. Die Sportleute scheinen hiernach mit diesem Fahrer den Kampf nicht mehr aufnehmen zu wollen. — Wie sehr das anhaltende Reg en w etter viele Geschäftsleute schädigt, mag ein Exempel beweisen, das alle hiesigen Blätter der Curiosität halber melden. Ein hiesiger Restaurateur vereinnahmte im Juli 1887 nahezu 63 003 JL, in dem heute zu Ende gegangenen Juli hat er es nicht einmal bis auf 20000 JL gebracht! — Der Centralbahnhof wird bestimmt am 18., nicht am 15. August eröffnet. Die Verschiebung des Eroffnungstermins um 3 Tage wird mit dein Gerücht, daß der Kaiser der Feier beiwohnen werde, in Verbindung gebracht. In der That scheint die Nachricht von der Hierherkunft Kaiser Wilhelms nicht unbegründet zu sein und man beschäftigt sich hierorts bereits eifrig mit darauf bezüglichen Fragen. München, 31. Juli. König Ludwig I. (Zentenarfeier. Der Festzug, welcher sich schon früh am Morgen an verschiedenen Punkten der Stadt versammelt hatte setzte sich Vormittags 9 Uhr vom Karlsthor ausgehend, in folgender Reihenfolge in Bewegung: Eine Abheilung Reiter, ein Herold zu Pferde mit einer Tafel, auf welcher des Königs Geburtstag geschrieben steht, foftümirte Männer, Stangen mit Lorbeer- kränzen tragend, eine Ablheilung Trompeter zu Pferde mit bekränzten Helmen, des Königs Insignien, getragen von fünf reich foftümirten Männern zu Pferde, Pagen mit Lorbeer bekränzte Windlichter tragend, abermals foftümirte Männer, Stangen mit Lorbeerfränzen tragend, die Turner und die Fahnen und Embleme der Turn-, sowie verschiedener Vereine und Verbindungen, singende Kinder, die Wiege des Königs begleitet von Kindern in Kostümen des Jahres 1786, die Schüler sämmtlicker Schulanstalten, die studentische Jugend der Befreiungsfämpfe, dargestellt von Mitgliedern des akademischen Gesangvereins, Die Studierenden der Hochschulen, der Zug der Gewerbe (des Kunstgewerbcs, Des Handels und der Industrie, der Baugewerbe und der Baukünste in prachtvoll geordneten Gruppen), die Schüler der kgl. Akademie der bildenden Künste, sowie Deputationen hiesiger und auswärtiger Kunstvereine und Künstlerkor- porationen, die Abgesandten von 26 Städten, Deputationen des Konig-Ludwigs-Denk- mal-Comil6s in Straßburg und des Vereins der Bayern in Berlin, die Zeitgenossen aus der Umgebung König Ludwig L, das Festzugscomtt6 zu Fuß, die Fachausschüsse, die Gruppen der Stadtoertretung und des großen Comilss und zum Schluß berittene und nicht berittene Veteranen, eine Ablheilung von Turnern und der Feuerwehr. — Fast allen Gruppen und Abtheilungen des prachtvollen Festzuges marschierten Musik- korps ^raus. Alle Gruppen, die zahlreiche und prächtige Banner und Embleme mit sich führten, waren auf das Reichste, einzelne mit historischer Treue foftümirt, überall trat das künstlerische Arrangement des Festzugs hervor. Die den Odeonsplatz abschließende Feldherrnhalle war roth drapirt, auf einer in der Nähe des König Ludwig- Denkmals errichteten prachtvollen Zelteftrade hatten der Prinzregent und alle SDHtglieber der königlichen Familie Platz genommen. Gegen 10 Uhr traf die Spitze des Festzugs, in welchem gegen 10 000 Personen theilnahmen, auf dem Festplatze ein. München, 31. Juli. Bei leidlichem Wetter bedeckten sich die Straßen schon am frühen Morgen mit zahllosen Menschen. Um 8 Uhr waren die Tribünen voll be'etzc. Die Prinzen des königlichen Hauses fuhren kurz nach 9 Uhr vor, der Regent kurz oor 10 Uhr. Der großartig schone Zug nahte um 10 Uhr aus der Residenzstraße dem Ludwigs-Denkmal an Odeonplatz. Die einzelnen Gruppen wecken die laute Bewunderung der Menge. Die Gewerbe in ihren mannigfachen Formen, die Industrie, der Handel, die Kunst, die Gemeinde Sendling, boten farbenreiche, prächtige Gruppen. Alles vollzog sich in schönster Ordnung. Die getroffenen Einrichtungen funftiontren ausgezeichnet. Da, um 12 Uhr, ertönte ein schriller Angstschrei durch die Lüfte. Die Elephanten Hagenbeck's, die in der prachtvollen Gruppe des Handels, geführt von ihren Afrikanern, daher zogen, waren vor dem ungeheuren Dampfthier, welches die Gruppe der Industrie darstellte, scheu geworden und davon gelaufen. Eine Panik ergriff das Publikum, das sich angstvoll zusammendrängte und flüchtete. Nur wenige Mmuten und der Zug setzte sich fort. Die Cheoeauxlegers hatten mit blankem Säbel die Elephanten zuruckgetrieden und größeres Unheil verhindert. Aber leider scheint das, was geschehen ist, schon arg genug zu fein. Der Oberarzt Brunner, Leiter der Station am Odeonplatz, versicherte mir, daß auf seiner Station 15 Verwundete ein- gebracht wurden, darunter eine schwer Verletzte, welche an die Wand gedrückt worden ist. Auch die anderen Stationen, es sind deren sechs, haben Verletzte. Das Unglück selbst ist noch nicht ganz zu übersehen. Noch zweimal wiederholte sich die Panik in kleinerem Umfange. Der Zug wurde gleichwohl zu Ende geführt. Aber das Interesse war dahin. Die Hochs kamen nur gepreßt heraus. Die Haltung des Publikums blieb trotzdem eine ruhige. Gegen 1 Uhr begann Eugen Stieler seine Huldigungsrede, ein furjer treffender Dank der Künstler an den Gefeierten. Bürgermeister Wiedenmayr sprach Namens der Stadt und des Vaterlandes und schloß mit einem Hoch auf Den Regenten. Die Kränze wurden am Denkmal niedergelegt. Damit schließt um 1V2 Uhr die öffentliche Feier. (F. Z.) München, 31. Juli. Die Panik durch die scheu gewordenen Elephanten entstand, als von der linken Seite vom Siegesdenkmal her ein laut dampfender drachen- artiger Maschinengewerkswagen an der orientalischen Handelsgruppe vorüberkam, deren vier Dromedare und acht Elephanten scheu wurden. Drei an Hals und Füßen fch- gefettete Elephanten durchbrachen das Zuschauerspalier, wobei circa 20 Personen schwer verletzt wurden. Die Elephanten rannten bis zum Residenzplatz, wo sie wieder eingefangen und weggeführt wurden. In Der Ludwigstraße, Residenzstraße und Dienerstraße brachen mehrere leicht erbaute Tribünen zusammen, wobei einige Personen leicht verletzt wurden. München, 31. Juli. Von den Elephanten, die die heutige Panik während des Festzugs verschuldet haben, ist nach polizeilicher Mittheilung ein Theil ruhig fortgeführt worden, der andere bei der Universität ausgebrochen und schließlich, nachdem er durch den Englischen Garten wieder in die Stadt gelangt war, in ein Haus gesperrt worden. Auf der Polizei ist bisher eine Frau als tobt gemeldet. München, 31. Juli. Polizeilich conftatirt sind bisher 10 Unglücksfälle als tyolge der durch die Elephanten hervorgerufenen Panik. Zwei Frauen sind tobt, eine davon in Folge eines Tritts von einem Elephanten. Die Elephanten selbst sind erst vor co. einer halben Stunde in die Sicherheit des Circus gebracht. Im Publikum herrscht große Erbitterung. Gerüchtweise verlautet, der Polizcidirector habe im Comili ZU den Gegnern der Elephanten - Betheiligung gehört, dem Drängen Anderer nachgegeben, wenn Hagenbeck die Verantwortung übernähme. Das klingt geradezu unglaublich und wird hier nur conftatirt, damit der wirkliche Sachverhalt bekannt wird. Lübeck, 28. Juli. Im Jahre 1886 wurden, wie man sich erinnern wird, im Oeresund zwischen Falsterbo und Dragor ein altes Schiffswrack, sowie auf dem Meeresgründe mehrere Metallkanonen aufgefunden. Nachdem man das Wrack durch Dynamit gesprengt hatte, kam eine weitere Anzahl Kanonen und Bruchstücke, theils aus Guß- und Schmiedeeisen, zum Vorschein. Der ganze Fund wurde damals im Kopenhagener Zeughause untergebracht. Erst jetzt ist eine Beschreibung der Kanonen von dem Artillerie-Oberftlieutenant Blom erschienen. Die Kanonen tragen fast alle das Lübecker Wappen. Man nimmt an, daß sie zu dem am 31. Mai 1565 auf- gebrannten Lübecker Admiralschiff „Der Engel" gehört haben. Eine Metallkanone tragt die Inschrift: „De wile Ionas us dem Walfisch rrebber bebe leven, heft man im als einem Verloren finen Namen gegeoen. Anno 1564 Jar Godt mi Mathies Bennick. Dat is war." - (Kaiser Friedrich in ftpbnif.] Als Kronprinz Friedrich Wilhelm Ende 1866 zur Jagd nach Pleß fuhr und der „unseren Fritz" bringende Zug in Rybnik einlief, spottete das Volk aller Absperrmaßregeln, und die Empfangs-Commiffion, aus deren Mitte der Bürgermeister, alle Mitglieder überragend, hervorsah, war plötzlich von seinem Wagen roeggebrängt. Lachenb sah ber Kronprinz bie Noth und als plötzlich bie Deputation Bahn fanb unb ber erschöpfte Bürgermeister bas Wort ergreifen wollte, da streckte ihm ber Kronprinz die Hand entgegen unb rief: „Lassen Sie's gut sein, lieber Fritze (so hieß nämlich ber damalige Bürgermeister), ich weiß ja, was Sie mir sagen wollen, und ich danke Ihnen herzlich." Dann führte er bie Herren in bas kleine Wartezimmer; mitten in ber Unterhaltung sah er an ber Wanb ben bekannten Stahlstich, den Moment verewigend, in welchem König Wilhelm dem zu Fuß auf ihn zu- eilenben Kronprinzen am Abend von Koniggrätz den Orden „pour le m6rite“ umhängt. Einen Augenblick stand er vor diesem Bilde sinnend, dann drehte er sich zu der Magistratsgruppe um und sagte mit seinem bekannten Lächeln:' „Sehen Sie, gerade so war es! Nur waren wir beide zu Pferde." — Man sah bisher hier und da an Scheunenthoren getöbtete Nachteulen angenagelt. Dies darf künftig nicht mehr geschehen, ba bas mit bem 1. Juli b. I. in Kraft getretene Reichsgesetz bas Fangen unb Tobten aller Eulen — mit alleiniger Ausnahme bes Uhu — und ebenso das Eierausnehmen mit Geldbuße bis zu 150 A ober Haft bestraft. — Der Stolz beutscher Hausfrauen, ber wohlgefüllte Wäscheschrank, findet im 15. Hefte ber „Wiener Mobe" eingehenbe Würbigung. Unter bem Titel „Wiener Wäschebericht" erörtert eine fachkunbige Feder alle einschlägigen Fragen in anregendster Weise. Daneben wird aber auch ber eigentliche Mobetheil voll berücksichtigt, rnie nicht minber bie biesmal besonberS reich ausgestattete Rubrik ber Hanbarbeiten, so baß man mit Recht sagen Fann, baß dieses Heft jedem Geschmack unb Bebürsnisse gerecht wird. — Im Beiblatte „Im Bouboir" beginnt eine Novelle des feinsinnigen Dichters Ferdinand von Saar „Die Troglodytin"; wir finden ferner landschaftliche Ansichten aus „Madonna di Campiglio, dem durch den Aufenthalt der Kaiseiin-Wittwe berühmt gewordenen südtyroler Bade, und vieles Andere. — Der farbige Umschlag scheint uns diesmal in seiner vornehmen Stimmung besonders gelungen zu sein. — [Seminaristen-Rache.] In einem Seminar stand die Menge der Speisen mit dem Appetit der Zöglinge andauernd in Widerspruch. Eine directe Beschwerde wagte Niemand und so verfiel man auf folgenden Ausweg. Bet der nächsten Revision bemerkte der Schulrath, dah eine der Bibelstellen an den Wänden des Spetsesaales mit dem Hinweis auf Sirach, Kap. 31, Vers 13 frisch überklebt war. Man schlug nach und da stand denn: „Und denke nicht, hier ist viel zu fressen." ZlniverstLLLs - ßhrorrik. Marburg, 31. Juli. Herr Professor Dr. Enneccerus hat nach eine ehrenvolle Berufung an die Universität Bonn abgelehnt. dem Vernehmen Literarisches. — Die Nummern 29 und 30 der »Gartenlaube* zeichnen sich durch mehrere interessante aktuelle Illustrationen aus. Hierzu zählt in erster Reihe das schöne Reiter- btld „Kaiser Wilhelm II auf dem Exercierfelde" von F. Wittig, das von allen uns bekannten Reiterbtldern des jungen Kaisers entschieden und weitaus das beste ist. Auch die „Bilder von der deutsch - nationalen Kunstgewerbe - Ausstellung in München von H. Bartels, ein vorzügliches doppelseitiges Tableau, dürfen auf das Interesse der Leser rechnen, da gegenwärtig die Münchener Kunstgewerbe - Ausstellung die Aufmerksamkeit weiter Kreise in Anspruch nimmt. Hermann Vogel erfreut mit einem hübschen Mädchenbild „Voigtländerin", I. G. Stefian bietet ein treffliches Landschastsbtld „Am Reichenbach", L. Blume-Siebert ein stimmungsvolles „Schäferidyll". Von den Artikeln find besonders zu nennen: „Münchener Ausstellungsbilder", „Der Hypnotismus, sein Nutzen und seine Gefahren" (Der Hypnotismus in Pforzheim, ein Beitrag zur Geschichte des hypnotischen Unfugs in Deutschland), „Eine Etsenbahnrelse im Jahre 1893 u. s. w. — Die eigenartige Novelle „Am Leuchtthurm" von Gerhard Walter findet in Nummer 30 einen so befriedigenden und originellen Abschluß, daß man wünschen darf, dem Verfasser bald wieder in der „Gartenlaube" zu begegnen. — Das „Leipziger Tageblatt" schreibt: Dflanrenleben. Von Professor Kerner von Marilaun. Erster Band mit 553 Abblldungen im Text nnd 20 Aquarelltafeln. Lextkon-Octav. Bibliographisches Institut, Leipzig. Preis in Halbfranz geb. JL 16. Mit vorliegendem stattlichen Bande stellt sich dem berühmten „Brehm s Thierleben" ein Hausbuch allerbester Art ebenbürtig zur Seite, welches gleich jenem die hohe Aufgabe übernommen hat, ein Naturreich dem allgemeinen Verständniß näherzubrrngen und die hervorragenden Eigenthümlichkeiten des Brehm'schen Werkes mit großem Erfolge auf das Pflanzenreich überträgt. Wie dieses, vermeidet auch „Kerner's Pflanzenleben" die trockene Aufzählung und Beschreibung der Arten und Gattungen und macht feinen Anspruch auf ein botanisches Lehrbuch für Fachschulen. Lebendig und anschaulich führt uns der Verfasser (Director des botanischen Gartens in Wien) rm ersten Bande die Entwickelung. den Bau und die Gestalt der Organismen und deren Thelle vor Wir beobachten die geheimnißoollen Vorgänge der Ernährung, der Wandlung und Wanderung der Stoffe und folgen dem Wachsthum und Aufbau der Pflanze bis zur fertigen Gestalt. Scharfe Beobachtungsgabe und gewandte Darstellungsweise haben in der fleißigen Arbeit des bekannten Forschers eine glückliche Vereinigung gefunden, em seltener Vorzug, der durch die prächtigen Abbildungen und Aquarelltafeln der ausgezeichneten Künstler noch um Vieles erhöht wird. Es ist uns noch kein Werk über Pflanzenkunde zu Gesicht gekommen, welchem ein so reicher und künstlerischer Bilderschmuck zu Theil geworden wäre unb welches bei aller wissenschaftlichen Treue dieses Naturreich uns so fesselnd und klar zugänglich gemacht hätte. Wenn mit dem für das Frühjahr 1888 in Aussicht gestellten zweiten Bande das Werk abgeschlossen sein wird, können wir au* eine kostbare Bereicherung unserer populär - naturwissenschaftlichen Literatur stolz sein. — Prof Fr. Ratzel's Meisterwerk, die dreibändige »Völkerkunde", lieg fertig vor. Nachoem in den beiden ersten Bänden die Naturvölker eine lichtvolle Darstellung gefunden, schließt der soeben erschienene dritte Band mit einer umfassenden Schilderung der Eulturoölker der Alten und der Neuen Welt das Werk ab. Wir haben früher über die beiden ersten Bände eingehend berichtet. Der dritte Band setzt dem Ganzen die Krone auf. Sein erstaunlich reicher Inhalt ist von einer Klarheit in der Anordnung und gedanklichen Durchdringung des Stoffes, seine Form von einer Harmonie und einem Adel der Sprache, wie wir sie in anderen Werken ähnlicher Natur vergeblich suchen. Wir bewegen uns in diesem dritten Bande auf einem vor allem andern geweihten Boden, auf welchem seit Jahrtausenden die Cultur ihre höchsten Entwickelungen in solcher Fülle getrieben hat, daß ein Cullurgebiet am anderen einen herrlichen Gürtel vom Mlttelmeere bis zum Stillen Ocean schlingt. In den einzelnen Hauptabschnitten durchwandern wir den arabisch-afrikanischen Völkerkreis, den innerasiatischen, den indischen, den ostasiatischen Völkerkreis, die Sphäre der allamerikanischen Eulturoölker und den mittelländisch-atlantischen Völkerkreis. Immer kommen wir auf den in der Natur der Länder bedingten Gegensatz von Nomaden und Ansässigen, von Hirten und Ackerbauern, und von jedem der Cullurkreise lernen wir feine Entstehung, seine Ausdehnung und Wanderung, feine endliche Ausgestaltung zu seiner heutigen Form und Inhalt kennen. Das Buch ist außerordentlich reich an geistvollen Eonceptionen, an neuen Gesichtspunkten und an tiefen Einblicken in die Psychologie der Eulturoölker. Die äußere Austtaltung ist Dank den verdienstvollen Bestrebungen der Verlagshandlung (Bibliographischem Institut in Leipzig) wiederum musterhaft. Der bildliche Apparat des ganzen dreibändigen Werkes erreicht nun die imposante Höhe von 5 Karten, 30 Ehromotafeln und 1120 Holzschnitten, sämmtltch nach besten Originalen wiedergegeben, von denen jedes in seiner Art ein Kunstwerk genannt werden kann. Schiff-nachrichten. Bremen, 31. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Werra, Capttän R. Bussins, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. Juli von Bremen und am 22. Juli von Southampton abgegangen war, ist gestern 11 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. an der Erhaltung einer reinen Kopfhaut und schönen Haarwuchses etwas AvkkN gelegen ist, der kaufe 958 Retter’s Haarwasser (München). Dasselbe staatlich geprüft und begutachtet sowie von ersten Autoritäten empfohlen, verkauft zu 40 H und JL 1.10 J. H. Fohr, Sonnenstraße. Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemeßen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 15Vz, Wasser 14 Gr. Gießen, den 1. August 1888. Rübsamen. Allgemeiner Anzeiger. Oeffentliche Zustellung. Der Georg Stöcker und dessen Ehefrau Elisabeths, geb. LHwald, zu Ilschhausen, vertreten durch Rechtsanwalt Holzapfel zu Gießen, klagen gegen die Martin Peter Ehefrau Maria Elisabeths, geb. Oßwald von Rüd- dingshausen, jetzt unbekannten Aufenthaltsortes, sowie gegen zwei Geschwister und vier Kinder einer verstorbenen Schwester derselben, alle als Erben der verstorbenen Heinrich Oßwald Eheleute zu Rüd- dingshausen, aus einem lt. Urkunde vom 25. Januar 1862 von den genannten Eltern der Beklagten, der kläger. Ehefrau gegebenen Dotalver- sprechen mit dem Anträge auf Ver- urtheilung der Beklagten zur Zahlung Don 274,29 JC. nebst 5 9/0 Zinsen seit dem Tage der Klagezustellung, eventuell die Beklagten zu verurtheilen, nach ihrer Wahl an die Kläger entweder 274,29 nebst 5% Zinsen seit dem Tage der Klagezustellung zu zahlen oder denselben Grundstücke der Gemarkung Rüddingshaufen im Werthe von 274,29 JL zu Eigenthum zu verschaffen und laden die Beklagte Martin Peter Ehefrau zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor das Grobherzogliche Amtsgericht zu Homberg a. d. Ohm auf den 19. Oktober 1888, BormittagS 9V2 Uhr Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht. Becker, Gerichtsschreiber des Großherzoglichen Amtsgerichts. 6185 5994 Etwas vortrefflichen neuen Bienenhonig aus Linden-, Klee- und anderen Blüthen, besonders feinen weißen, habe zn verkaufen. Rödelsperger, Sonnenstraße 25. Hierdurch die ergebene Mittheilunq, daß wir unser Weingeschäft nach hiesigem Platze verlegt haben. Gießen, den I. August >888. •J* Kann Söhne, 6191 Frankfurterstraße li. Zu bet Dommstag, dcn s. August, stattfindeiidkn Israel. Vorstandswahl schlagt» wir Hcrru «»> Nathan Rosenthal vor. Biele Wähler. EoWeränöcrung. Meinen geschätzten Kunden sowie einem »1 p. t. Publikum beehre ich mich ergebenst * anzuzeigen, daß ich mein seither Wak-H,/rums- M xUthorstraße 21 betriebenes » Möbel- und Polgerwsaren- D Geschäft 1 am 15. Juli in meine eigenen, neu erbauten Localitäten Asterweg 47 (Gartfeld) verlegt habe. J* Durch Ersparung der Ladenmiethe bin ich in Stand'gesetzt, zu J enorm billigen Preisen zu verkaufen und empfehle mein^reich assor- tirtes Lager aller Möbel-Specialitäten bestens., Aj Hochachtungsvoll Jr Carl Slückralh, Asterweg 47, n Möbelfabrik und -Magazin. EMT Freie 1/ieferung* 'WG 5924 Freitag, den 3. d. 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