Nr. 102 Mittwoch den 2 Mai 1888. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. * Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf, Amtlicher HHeit. Betreffend: Die Bildung der für das Jahr 1888/89 nöthigen WeinsteuersEinschätzungs-Commissionen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen Gießen, am 1. Mai 1888. an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 12. v. Mts. — Anzeiger Nr. 88 — noch nicht entsprochen haben, werden an Erledigung derselben mit Frist von 3 Tagen erinnert. Dr. Boekmann. Politische Ueberficht. Gießen, 1. Mai. j Die im Befinden Kaiser Friedrichs eingetretene Wendung zunl Besseren macht jetzt sichtliche Fortschritte. Namentlich zeigt die tägliche Ftebercurve eine stetige Abnahme, ja, in den Morgenstunden ist das Fieber an manchen Tagen bereits ganz verschwunden und hoffen die Aerzte, in ein paar Tagen die Fiebererscheinungen ganz beseitigt zu haben. Zu diesem Zeitpunkte würde es auch möglich sein, dem hohen Patienten den Genuß der frischen Luft, deren er so sehr bedarf, wiederum zu gestatten und steht zu erwarten, daß die gegenwärtige prächtige Frühlingswitterung das ihrige mit zur Hebung des Allgemeinbefindens des kranken Monarchen beitragen wird. Dagegen werden alle bisherigen, mehr oder weniger bestimmt auftretenden Meldungen von einer bevorstehenden Uebersiedelung des Kaisers und seiner Familie nach Schloß Friedrichskron bei Potsdam oder gar nach Wiesbaden von zuständiger Seite als unbegründet erklärt,* da der Zustand des erlauchten Kranken trotz der eingetretenen Besserung noch keineswegs ein derartiger ist, um schon jetzt einen Frühjahrsaufenthalt des Kaisers in bestimmte Erwägung zu ziehen. (S. indeß „Telegr. Dep.") Der letzthin durch kaiserliche Cabinetsordre vorgenommene ,®enera!6fd)iib* hat nicht weniger als 14 Generallieutenants zu Generälen der Infanterie, resp. der Kavallerie befördert. Ueberraschend kommt indessen dieses Massenavancement höherer Offieiere keineswegs, denn sämmtliche Beförderten befanden sich bereits in Stellungen, welche mit Officieren in der Charge der Generäle besetzt zu werden pflegen oder welche bereits früher öfter mit Generälen besetzt gewesen sind. Die beförderten Offieiere sind die Commandeure des 2., 4., 5., 6. und 15. (elsaß-lothringischen) Armeeeorps — v. d. Burg, v. Grolmann, v. Meerscheidt-Hüllessem, v. Boehn und v. Heuduck — die Gouverneure von Straßburg, Ulm und Mainz — v. Verdy du Vernois, v. Guretzky- Cornitz und v. Winterfeld — ferner die Generaladjutanten Graf Lehndorff, Fürst Radziwill und Graf Waldersee, welch letzterer zugleich Generalquartiermeister ist, und endlich der preußische Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf, der Chef der Admiralität, v. Caprivi, und der Präses der Ober-Militär-Examtnationseommission, Generallieutenant des Barres. j Das preußische Abgeordnetenhaus wird sich in diesen Tagen nach Er- j ledigung der Weichselregulirungsvorlage und der Kreis- und Provinzialordnung für Schleswig Holstein vertagen, um frühestens am 14. Mai nochmals zusammenzutreten. Es wird sich alsdann in der Hauptsache nur nochmals mit dem Volksschullastengesetz zu befassen haben, da dasselbe nach dem Mehrheitsbeschlüsse des Abgeordnetenhauses eine Verfassungsänderung bedingt und in Folge dessen über das Gesetz nochmals ab- gestimmt werden muß. In der Zwischenzeit wird auch das Herrenhaus Stellung zu dem Schullastengesetz nehmen und ob die „Pairs" die Beschlüsse der Abgeordneten allenthalben billigen werden, erscheint noch keineswegs als ausgemacht, so daß das Schicksal des Gesetzentwurfes nach wie vor in der Schwebe ist. lieber die im Wahlkreise Altena i. W.-Jserlohn stattgefundene RetchstagS- ersatzwahl liegen noch keine abschließenden Daten vor. Da sich indessen nicht weniger als vier Candidaten — ein nationalliberaler, ein freisinniger, ein eleriealer und ein soeiatistischer — gegenüberstanden, so dürfte die hierdurch bedingte Stimmenzersplitterung vermuthltch eine engere Wahl nöthig gemacht haben. Das Mandat ging bekanntlich bei den Reichstagswahlen des vorigen Jahres aus den Händen der freisinnigen Partei in den Besitz der Nationalliberalen über. In Bordeaux hielt Präsident Carnot auch am Sonntag bei einem offietellen Dejeuner einen kleinen Speech. Er erklärte u. A., daß es einer Politik der Klugheit, der Vorsicht und der Freiheit bedürfe, um dem Gesetze die erforderliche Achtung zu sichern. Eine solche Politik müsse dem Lande seine Sicherheit geben, solche Politik gewährleiste den Frieden nach Außen wie im Innern und eine solche Politik werde er befolgen. Der Abzug der italienischen Expeditionstruppen aus Ostafrika scheint den Vorläufer zu erneuten ernstlichen Friedensoerhandlungen zwischen Italien und dem Negus von Abyssinien zu bilden. Der italienische Oberbefehlshaber in Massauah, General San Marzano, hat dem hervorragendsten unter den den Italienern freundlich gesinnten abyssinischen Häuptlingen, Kantibai, auf dessen Ersuchen die Ermächtigung ertheilt, mit dem König Johannes wegen Herbeiführung des Friedensschlusses zu unterhandeln. Nach der Versicherung Kantibai's soll der Negus ernstlich zum Frieden geneigt und gewillt sein, zu dessen Herbeiführung Vertrauensmänner nach Massauah zu entsenden. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß General San Marzano den Friedensoertrag mit den Abyssiniern in seiner Reisetasche mit nach Hause bringt, denn daß die italienische Regierung froh sein wird, in nur einigermaßen „anständiger" Weise mit dem Abyssinierfürsten auseinanderzukommen, ist sicher. Aber auch dem letzteren liegt augenscheinlich an einer baldigen friedlichen Auseinandersetzung mit den Italienern, denn derselbe befindet sich in einer sehr mißlichen Lage, da ihm in Folge der reooltirenden Haltung seines ersten Vasallenfürsten, des Königs Menelik von Schoa, und des offenen Abfalles vieler Soldaten eine militärische Aetton augenblicklich ganz unmöglich ist. Die Lage ist um so bedenklicher für den Negus, als die Schaaren des '< Mahdi, welche sich nach ihrem Einfall in die Provinz Gendar nach Norden zurück- . gezogen hatten, mit beträchtlichen Streitkräften wieder gegen das Innere Abyssiniens ! vordringen. — Jedenfalls wird aber die den Italienern so günstige Situation in Ost- f afrika dem Ministerpräsidenten Crtspi bei seinen an diesem Mittwoch in der Deputirten- kammer stattfindenden Darlegungen über die afrikanische Politik seines Cabinets eine recht erwünschte Stütze abgeben. Amlschland. (YVXI Berlin, 30. April. Der Kaiser hat, wie der „Reichsanzeiger" mittheilt, an den Minister der öffentlichen Arbeiten einen Erlaß gerichtet als Antwort auf einen Bericht desselben über die Entwickelung und die Ergebnisse der Verwaltung dieses Ministeriums in den letzten 10 Jahren. Es heißt darin: Mit besonderer Befriedigung habe ich daraus ersehen, daß die von meinem in Gott ruhenden Herrn Vater etngeleitete Eisenbahnpolitik unter Ihrer umsichtigen Ausführung die Hoffnungen nicht blos erfüllt, sondern auch übertroffen hat, welche von derselben für die Verkehrsverhältnisse und die Förderung der Volkswohlfahrt, wie für die Landesvertheidigung und nicht minder für die Finanzen des Staates gehegt worden sind. Diese bedeutsame Maßregel, welche Dank der angemessenen Verwaltungsorganisation in vortrefflicher Wirksamkeit ist, hat sich hiernach in jeder Beziehung als segensreich erwiesen. Es gereicht mir zur hohen Freude, für die Durchführung jenes bedeutungsvollen Gedankens meine ungetheilte Anerkennung auszusprechen. Auch die Ab- theilung für das Bauwesen hat in diesem Zeitraum erhebliche Resultate aufzuweisen, welche in beredter Weise für die wirksame Unterstützung der Bedürfnisse des Landes Zeugniß oblegen.^ Die Schwierigkeiten, mit welchen die Berg-, Hütten- und Salinen- Verwaltung zu kämpfen gehabt hat, lassen Ihre trotzdem erzielten Ergebnisse um so verdienstlicher erscheinen. — Ich kann nicht umhin, hervorzuheben, daß die Sorge für das Wohl der zahlreichen, Ihrem Ministerium untergebenen Beamten und Arbeiter mich besonders wohlthuend berührt hat. Ob und in welcher Art Sie den gedrängten Inhalt Ihres Berichts weiteren Kreisen, welche sich gewiß dafür interessiren, zugänglich machen wollen, will ich Ihrem Ermessen überlassen. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenz - Brrrearr. Berlin, 30. April. Der Kaiser nahm Vormittags Vorträge Wilmowski's und Winterfetd's entgegen und war Mittags außer Bett am Fenster eines nach dem Park htnausgehenden Zimmers. Die Uebersiedelung des Kaisers dürfte, sobald Witterung und Befinden es gestatten, nach Potsdam (Schloß Friedrichskron), nicht nach Wiesbaden erfolgen. — Der Kronprinz erschien heute zum Frühstück bet den Majestäten. — Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge beschäftigte sich der Kaiser gestern mit leichter Leetüre. Die Temperatur war gestern Abend und heute früh nur wenig über normal. Die letzte Nacht brachte fast ununterbrochenen sechsstündigen Schlaf. — Der Kaiser empfing heute Abend 5,/2 Uhr den Reichskanzler zu einem halbstündigen Vortrag. — Der Direetor der chirurgischen Klinik des Krankenhauses Charitö, der Geheime Medieinalrath Professor Bardeleben, ist jetzt definitiv an die Stelle des Geh. Medieinalrathes Professor v. Bergmann in der Behandlung Seiner Majestät des Kaisers getreten. Berlin, 30. April. Das Abgeordnetenhaus nahm nach einer mehrstündigen Berathung die Vorlage, betreffend die Wetchselregulirung, durchweg in der in der ersten Bcrathung der Commission festgesetzten Fassung, demnach ohne die Kuptrung der Nogat, an. Der Minister v. Maybach hatte die Vorlage der jetzigen Commissionsberathung für unannehmbar erklärt, der Minister Dr. Luetus trat für die Vorlage der Regierung ein und hielt dieselbe eventuell auch in der in der ersten Commissionsberathung fest- gestellten Fassung für annehmbar. Zum Schluß wird der Antrag Rintclen und Genossen, die Position der Eisenbahnoortage über die Verlegung des rheinischen Güterbahnhofes in Aachen abzusetzen und die Regierung zu einer nochmaligen Prüfung des Projeetes aufzufordern, abgelehnt und die Position nach der Vorlage angenommen. In der morgen um 11 Uhr stattfindenden Sitzung wird über die Kreisordnung für Schleswig-Holstein und über kleinere Vorlagen berathen werden. Berlin, 30. April. Bei dem gestrigen Festessen zu Ehren des Senators Carl Schurz aus Amerika im Kaiserhofe, welchem außer mehreren Abgeordneten und Nota- bilitäten auch der Staatsmtnister Graf Herbert Bismarck beiwohnte, brachte der Professor von Gneist einen Toast auf Schurz aus, der als Volksredner, als Führer von Armeeeorps in dem Freiheitskriege, als Senator und als Minister in der mustergtltigen Verwaltung immer derselbe geblieben sei. Schurz erwiderte, er stehe hier als ein einfacher amerikanischer Bürger von deutscher Geburt. „Wir Deutschgeborenen in Amerika haben für unser großartiges Gemeinwesen Liebe zur Braut, welche aber die Liebe zur alten Mutter nicht beeinträchtigt; wir begrüßten mit einer warmen Begeisterung die Vollendung und Einigung des deutschen Vaterlandes unter der Führung des mannhaften Geschlechtes der Hohenzollern, so begrüßten wir auch, wie sich der Kanzler als Kolossalfigur der Weltgeschichte über die Staatsmänner seiner Zeit erhob, Deutschland als Macht erster Größe in die Familie der Völker stellte und die Stege der Waffen zur Erhaltung des VölkecfriedenS ausbeutete. Den Deutschen Amerikas liegt vor allem die Erhaltung des freundschaftlichen Einvernehmens zwischen dem deutschen Vaterlande und der amerikanischen Republik am Herzen. Wenn es Meinungsverschiedenheiten über handelspolitische Interessen gibt, so ist doch zu hoffen, daß weise Maßnahmen beiderseits dieselben im Laufe der Zeit überwinden werden." Der Geschäftsträger der Vereinigten Staaten, Colemann, betonte darauf in einer Rede das einträchtige Verhältniß, das zwischen Preußen und der transatlantischen Republik von Anfang an bestanden, und sich zum Heile beider Nationen im Reiche weiter entwickelt habe. Der Staats- Minister Graf Bismarck versicherte, es sei das unablässige Bestreben der Reichsregierung die Stärkung der gegenseitigen freundschaftlichen Beziehungen zu fördern. Berlin, 30. April. Die von Ihrer Durchlaucht der Fürstin zu Hohenlohe- Schillingsfürst, Gemahlin des Kaiserlichen Statthalters in den Reichslanden, zur Linderung der durch die Ueberschwemmung in den deutschen Stromgebieten entstandenen Roth in Elsaß-Lothringen eröffnete Gaben-Sammlung hat einen überaus erfreulichen Ertrag geliefert. Aus den bis jetzt eingegangenen Geldspenden sind, dem Vernehmen nach, dem Comitt zur Unterstützung der Ueverschwemmten in den deutschen Stromgebieten zunächst 140 000 JL durch Vermittelung der Reichsbank überwiesen worden. London, 30. April. Der Text der päpstlichen Bulle in Betreff der irischen Nationalltga wird heute hier veröffentlicht. Die irischen Bischöfe werden darin instruirt, vorsichtig aber eindringlich Klerus und Laien zu ermahnen, daß sie die Grenzen der Ehrtstenliebe und der Gerechtigkeit in ihrem Bestreben, Heilmittel für ihre traurige Lage ausfindig zu machen nicht überschreiten. Rochefort, 30. April. Der Präsident Carnot traf hier um 1 Uhr 30 Minuten Mittags ein. Trotz heftigen Regens wurde er von einer zahlreichen Volksmenge begrüßt, welche Hochrufe auf den Präsidenten und die Republik ausbrachten. Carnot besuchte alsbald nach seiner Ankunft das Arsenal und das Hospital; er überreichte der Schwester im Hospital das Kreuz der Ehrenlegion, indem er sagte, er beabsichtige damit den ganzen Orden zu ehren. Sofia, 30. April. Der Fürst Ferdinand ist heute in Loftscha eingetroffen. In Plewna gab ihm zu Ehren die Stadt ein Bankett. Berlin, 1. Mai, 11 Uhr 20 Min. sPrivatdepesche.] Bulletin von 9 Uhr Vormittags. Die letzte Nacht war im Befinden des Kaisers etwas weniger gut als die vorhergehende. Das Fieber hat sich ein wenig gesteigert, sonst ist keine wesentliche Veränderung zu verzeichnen. Lokale-. Gieße«, 1. Mai. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Dormer-tag den 3. Mai 1888, Nachmittags 4 Uhr. 1. Abhaltung von Gottesdiensten in der Friedhofskirche. 2. Verpachtung des Rathhauskellers. 3. Gesuch des Maurermeisters Wilhelm Steinbach wegen Wasserabführung. 4. Desgl. des Commerzienraths Ed. Silbereisen. 5. Desgl. des Gastwirths Philipp Schwinn. 6. Anlegung eines Brunnens und einer Latrine auf dem Militärschießplatz. 7. Straßenreinigung bett. 8. Straßenbeleuchtung betr. 9. Festsetzung von Richtlaternen. 10. Das Octroiwesen. 11. Das Feuerlöschwesen betr. 12. Gesuch des Dienstmannes Philipp Müller um pachtweise Ueberlassung städtischen Geländes. 13. Gesuch des August Hauck um Erlaubniß zum Wirthschaftsbetrieb. 14. Errichtung einer Badeanstalt für Die städtischen Volksschulen. 15. Uebernahme der Vorschule des Gymnasiums durch Die Stadt. 16. Die Bureaulokalitäten der hiesigen Handelskammer. 17. Verpachtung der Wieseckböschungen. 18. Unterbringung des August Hofmann in eine Besserungsanstalt. 19. Die Fassung des Sladlringgrabens in eine Steinsohle. 20. Klage gegen den Ortsarmenoerband Friedberg. Gießen, 1. Mai. Wie aus den Mittheilunqen der Centralstclle für die Landes- statistik ersichtlich, betrugen im Rechnungsjahre 1886/87 die gejammten Einnahmen der Oberhessischen Eisenbahnen 969 043.58 JL, wovon 437 696.51 JL auf den Personen- und Gepäckoerkehr und 531347.07 JL auf den Güterverkehr kommen. Von den 592 780 beförderten Personen benutzten 1481 die erste, 48 230 die zweite und 525 400 bie dritte Wagenklasse, in welcher letzteren außerdem noch 17 669 Militärpersonen befördert wurden. — An Monats-Abonnementskarten für Schüler, Lehrlinge rc. wurden 584 Stück für 35 140 Fahrten ausgegeben. Die ausgegebenen Wochenkarten beliefen sich auf 1279 Stück zu 10 668 Fahrten. — Sonntagsbillets, welche für den einfachen Fahrpreis Hin- und Rückfahrt gestatten, wurden ausgegeben: 1) von allen Stationen nach Gießen 21598, 2) von Alsfeld, Lauterbach und Fulda nach Salzschlirf 718, 3) von verschiedenen Stationen nach Fulda 3556. — Hinsichtlich des Personenverkehrs der einzelnen Stationen nimmt Gießen die erste Stelle ein mit 296 232 Personen, dieser folgt Alsfeld mit 64 939 Personen, den geringsten Personenverkehr weisen auf die Stationen Angersbach (3592) und Lieblos (1589). — Die Einnahme aus Reisegepäck betrug 6439.38 JL — Die Zahl der beförderten Hunde betrug 3121. — An Gütern wurden in dem Rechnungsjahre 1886/87 auf den Oberhessischen Bahnen befördert 228 507 Tonnen und zwar 1395 Tonnen Eilgut, 24 048 Tonnen Stückgut, 3958 T. Wagenladungsgut der Classen A« und B, 114 766 desgl. nach den Specialtarifen, 69 198 nach den Ausnahmetarifen, 228 Tonnen Postgut, 80 Tonnen Militärgut, 5218 Tonnen frachtfreies Dienstgut, 60 Tonnen Leichen, 9556 Tonnen Vieh. Hierunter befanden sich 743 Pferde, 4328 Ochsen, 13 011 Kühe und Rinder, 7972 Kälber, 5331 Schweine, 10 797 Ferkel, 4824 Schafe. — Hinsichtlich des Güterverkehrs der einzelnen Stationen nimmt Stockheim mit 35 185 Tonnen die erste Stelle ein, Garbenteich mit 40 Tonnen die letzte. Gie ßen, 1. Mai. Die heute zur Ausgabe gelangte Nr. 5 der Verwaltungsblätter hat folgenden Inhalt: 1. Sechzehnte öffentliche Sitzung des Prooinzialtags der Provinz Oberhessen vom 7. April 1888. 2. Oeffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen vom 6. April 1888. 3. Entscheidung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz in Sachen betr. den Recurs Des Herrn Fürsten v. Solms-Hohensolms-Lich, Durchlaucht, gegen einen Polizeibefehl Großh. Kreisamts Gießen wegen Absperrung eines Weges durch ein Parkthor. 4. Die finanziellen Wirkungen des Weggesetzes. Abonnements auf die Verwaltungsblätter nimmt die Expedition des Gießener Anzeigers entgegen und zwar für die Abonnenten letzteren Blattes zum ermäßigten Preise von 50 H pro Quartal. UniverfitätS-Chronik. Berlin, 27. April. Durch den Tod des Professors der Kirchengeschichte Semi sch ist die Frage der Neubesetzung dieses Lehrstuhls brennend geworden. Bekanntlich war schon eine Ersatzprofessur geschaffen worden und wenn die erste Kraft dieses Faches für Berlin gewonnen werden sollte, so konnte die Wahl — darüber war in wissenschaftlichen Kreisen kein Zweifel — nur auf den jetzigen Vertreter des Faches in Marburg, Professor Adolf Harnack, fallen, der einer freieren Richtung angehört. Infolge dessen begann schon seit einiger Zeit in Berliner orthodoxen Kreisen eine lebhafte Wühlerei gegen diese Berufung, der Oberkirchenrath gab ein entsprechendes Gutachten ab und es schien fast, als ob der theologischen Facultät in Marburg derjenige Lehrer erhalten bleiben sollte, dem die starke Vermehrung der Theologie Studirenden in erster Linie zu verdanken war. Wir erfahren aber neuerdings aus zuverlässiger Quelle, daß es die Absicht des Cultusministers ist, Der Berliner Hochschule eine solche Lehrkraft nicht entgehen zu lassen, daneben aber einen zweiten Vertreter des Faches aus den Reihen der Orthodoxen zu nehmen, damit auch diese zufriedengestellt werden. Vermischte-. + Wieseck, 1. Mai. Die angeblich so viel Aufregung hervorrufende Beigeordnetenwahl hat gestern in aller Stille stattgefunden. Sämmtliche abgegebene Stimmen haben sich auf den vorgeschlagenen Candidaten Daniel Textor vereinigt. Es kann somit von Leidenschaft und Parteigetriebe keine Rede sein. Neu-Ulrichstein, 1. Mai. sMonats-Bericht der Arbeiter - Colonie pro April 1888.] Ultimo März sind in Der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 83. Hiervon waren landw. Arbeiter rc. 18, Bäcker 4, Barbiere 1, Bureaugehilfe 1, Bergleute 2, Böttcher 1, Buchbinder 2, Cigarrenmacher 1, Commis 2, Dachdecker 1, ConDitor 2, Färber 2, Gand, theol. 1, Former 1, Gärtner 1, Graveur 1, Hutmacher 1, Knecht 1, Kaufleute 1, Kellner 1, Kupferschmiede 1, Mühlenbauer 1, Maurer 1, Metzger 2, Müller 2, Musiker 1, Seifensieder 1, Schlosser 1, Schmiede 3, Schneider 5, Schuhmacher 5, Schreiber 1, Tuchmacher 2, Weber 1, Zimmerleute 1, Photograph 1, Ziegler 1, Gürtler 1, Schriftsetzer 1, Techniker 1, Pflasterer 1, Porzellandreher 1, Lithograph 1, Papiermacher 1, Strumpfweber 1. Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 19, Nassau 12, Thüringen 3, Bayern 7, Sachsen 5. Von Preußen auf die Provinzen: Brandenburg 3, Mecklenburg 1, Posen 1, Westpreußen 10, Schlesien 3, Rheinland 16, Schleswig 2. Schweiz 1. Abgegangen sind im Laufe des Monats April 42. Davon gingen auf eigenen Wunsch 32, durch die Colonie in Stellung 8, durch Entlassung 1, zur Familie 1. Im Ganzen wurden seit Eröffnung der Anstalt ausgenommen 916 Colonisten. Verpflegungstage 2696. — Arbeitstage 2178, hierunter 415 Tage für fremde Rechnung. A Mainz, 30. April. Ueber eine heitere Geschichte, die sich am Samstag hier abspielte, wissen die „M. N." folgendes zu berichten. Ein hiesiger junger Mann hatte sich mit einer nicht mehr sehr jugendlichen aber immer noch begehrenswerten Wittwe verlobt und sollte am Samstag die Hochzeit ftattfinden. In großer Toilette und im beseligenden Vorgefühle künftigen Glückes fuhr der Bräutigam am Hause der Geliebten vor, um sie von da zu dem Altar zu führen. Aber, ach, mit des Geschickes Mächten ist rc. — die Braut war mit all' ihrem Hab und Gut und mit einem Advokatenschreiber über Berg und Thal entflohen! In Verzweiflung über den Verlust zu seinen Freunden eilend, fand er hier zu seinem Schaden auch noch reichen Spott. A Aus Rheinhessen, 30. April. Das Gespenst der Silberdiebe soll sich auch in Nieder-Jngelheim und zwar zum zweiten Male in der v. Erlanger'schen Besitzung, gezeigt haben. Wie man dem „M. T." erzählt, hatten die Diebe in dem in dem Garten gelegenen Kegelbahnhäuschen alles Brauchbare mitgenommen, die imitirten Sachen in der folgenden Nacht aber wiedergebracht und nur die ächten Stücke behalten. — In Rheinhessen sind für die Ueberschwemmten im Norden schon über 100 000 JL zusammengebracht worden. — Am Samstag entstand in Der Nähe von Worms in einem Eisenbahnwagen Feuer und zwar durch Selbstentzündung zweier Colli's gepreßter und geölter Schiffssetle. Das Feuer wurde rasch entdeckt und größerer Schaden verhütet. — Die 15. ordentliche Hauptversammlung des „Vereins deutscher Zeichenlehrer" findet am Dienstag und Mittwoch der Pfingstwoche in Wiesbaden statt. Die Vorträge und Verhandlungen beginnen an jedem dieser beiden Tage Vormittags 9 Uhr im Realschulgebäude, Oraniensttaße 7. Von den Vorträgen seien erwähnt: Handfertigkeits-Unterricht und Zeichen-Unterricht; über das Verständniß beim Zeichnen und die daraus für den Unterricht zu ziehenden Folgerungen; über den Leitfaden für den Zeichenunterricht in der Volksschule rc. Für Montag Abend ist Vorversammlung im „Schützenhof", für Dienstag 3 Uhr gemeinschaftliches Essen daselbst und Abends Besuch des Gartenfestes im Kurhause, für Mittwoch Nachmittag Fahrt nach dem Niederwald in Aussicht genommen. Mit der Versammlung ist auch eine Ausstellung von Schülerarbeiten der gewerblichen Zeichenschulen des Regierungsbezirks im Gewerbeschulgebäude, sowie eine solche der städtischen Realschule verbunden. Zur Theilnahme an dieser interessanten und lehrreichen Versammlung sind alle Lehrer und sonstigen Freunde des Zeichenunterrichts freundlichst eingeladen. Gingefandt. Könnten diejenigen Herren, welche in der letzten Zeit ihre Singstunden wieder in der Bleichstraße früh zwischen 12 und 3 Uhr abgehalten haben, diese ihre schätzens- werthen Hebungen nicht vielleicht an einen anderen Ort oder, wenn das nicht angehen sollte, auf eine andere Zeit verlegen? Manchen Bewohner der anliegenden Häuser würden sie damit zum Danke verpflichten. Denn nicht allein schwelgt die Bleichstraße schon während des Tages in der Fülle musikalischer Genüsse, es gibt dort auch Menschen, die der vielleicht bedauerlichen, aber immerhin entschuldbaren Gewohnheit nächtlichen Schlafens nicht ohne Nachtheil für ihre Gesundheit zu entsagen vermöchten. Gießen, im April 1888. Der 31. März 1888 hat uns das Finanzgesetz für die Finanzperiode 1888—91 und der heutige Tag den Steuerzettel gebracht und hiermit eine Ueberraschung, die namentlich für den kleinen Kapitalisten eine recht unliebsame sein dürfte. Denn es soll nach Art. 1 des Gesetzes an Grundsteuer der Betrag von 14 H, an Gewerbesteuer und Einkommensteuer der Betrag von 16 H, an Kapitalrentensteuer der Betrag von 17 H auf die Mark Steuerkapital ausgeschlagen und erhoben werden. — Auf der Mark Steuerkapital aus der Kapitalrente ruhen hiernach drei Pfennig mehr Steuer als auf der Mark Steuerkapital aus Grundbesitz. Diese Belastungen sind also ungleich und dürften sich in dieser Ungleichheit kaum rechtfertigen lassen. Die Vorlage der Großh. Staatsregierung enthielt dieselbe nicht, sie sind aus den Anträgen und den Verhandlungen in der zweiten Kammer der Landstände hervorgegangen. — Es dürfte nützlich sein, die Beschlüsse der Landstände etwas näher zu beleuchten. Bekanntlich bestanden im Großherzogthum Hessen früher nur drei Arten directer Steuern: die Gewerbsteuer, die Einkommensteuer (vordem die Personalsteuer) und die Grundsteuer. Zu diesen wurde die Kavitalrentensteuer vor einigen Jahren eingeführt, über bereu Zweckmäßigkeit viel hin und her gestritten wurde. Sie sollte hauptsächlich dazu dienen, das bewegliche Kapital in der Besteuerung dem unbeweglichen Besitz gleichzustellen. Es wurden nun alle Arten von Renten der Besteuerung unterworfen, auch solche aus Actien, deren Inhaber an auswärtigen Geschäften belheiligt waren, nur das Einkommen aus gewissen inländischen, d. h. hessischen Actien (Ludwigsbahn, Darmstädter Bank u. s. w.) wurde von der Kapitalrentensteuer ausdrücklich ausgenommen. Bei Erlaß des Finanzgesetzes für die Etatsjahre 1885—88 wurden 15 H auf die Mark Grundsteuerkapital und 17 H auf die Mark Gewerbe-, Einkommen- und Kapitalrentensteuerkapital ausgeschlagen. Diese Ungleichheit sollte sich aus der angeblichen Belastung der Landwttlhschaft rechtfertigen. Vielleicht könnte man mit Grund sagen, daß durch die Befreiung der reichen Ludwigsbahn und Bankactionäre von der Kapitalrentensteuer und die ungleiche Belastung der Steuerzahler der Grundsatz: daß alle Hessen vor dem Gesetz gleich seien — zweimal verletzt worden ist. Im neuen Finanzgesetz tritt, wie gezeigt, Die Ungleichheit der Belastung der verschiedenen Steuerobjecte noch schärfer hervor. Die Grundsteuer ist um 1 H, von 15 auf 14 H, die Einkommen- und die Gewerbesteuer um je 1 H, von 17 aus 16 H, die Kapitalrentensteuer gar nicht herabgesetzt worden. Und doch haben sich die Verhältnisse Der vier Gruppen von Steuerzahlern nicht zu Gunsten der Kapitalisten geändert. Während früher der Normalzinsfuß fünf Procent betrug, so ist derselbe jetzt auf dreieinhalb Procent gesunken, der Grundbesitzer hat bei hypothekarischer Belastung seines Gutes höchstens noch vier Procent zu zahlen und der Credit für das Gewerbe läßt sich für drei Procent leicht beschaffen. Grundbesitz und Gewerbe sind also ungefähr um 1 Procent von 4 und 5 Procent weniger belastet als früher, ihre zu zahlenden Zinsen sind um 20 bis 25 Procent herabgesetzt. — Umgekehrt ist um ganz den gleichen Satz das Einkommen aus Kapital vermindert. Den Kapitalisten, welcher mehr einnimmt als er nöthig hat, trifft diese Umwandlung nicht hart, wohl aber den kleinen Mann, die Wittwen und Waisen, deren Renten den Aufwand für den Lebensunterhalt kaum decken, die also durch den niedrigeren Zinsfuß in Roth gerathen sind. Und gerade diesen Leuten gegenüber läßt sich die höhere Besteuerung um so weniger rechtfertigen, als sie zumeist in Städten wohnen, wo sie hohe Miethen, höheres Schulgeld und auch meist hohe Communalsteuern zahlen und alle Lebensbedürfnisse kaufen müssen. dem Voranschlag des 10,000 X, 40,665 Ge- 156,350 175,739 3,486 7,465 45,086 55,000 6,700 20,033 10,450 85,000 883,371 327,780 Hinanzgesetzes: 1. Entschädigung für getödtetes Vieh in Seuchefallen 2. für die Landwirthschaft und die Beförderung der Bodenmelioration 3. Landgestüt 4. für Regulirung von Bächen rc. . 5. Handelskammern 6. Centralstelle für die Gewerbe rc. . 7. Landesbaugewerkschule rc 8. Fabrikinspector 9. Bergwesen 10. Geologische Landesanstalt .... 11. Beitrag zur Erbauung von Kreisstraßen 12. Unterhaltung der Staatskunststraßen . 13. Territorial-Fluß- und Dammbauten . Dazu kommt, daß die Staatsausgaben am wenigsten im Interesse dieser kleinen Kapitalisten, am meisten aber im Interesse der Grundbesitzer und Gewerbetreibenden gemacht morden, so daß die ersteren für Staatseinnahmen nicht aufkommen müssen, welche ihnen zu Gefallen ganz Hinwegfallen dürften mit den correspondirenden Ausgaben. — Dahin sind u. A. zu rechnen die Ausgaben nach 14. Unterhaltung der Schiffbrücken und Ueberfahrten -rv,wo „ Es sind also rund 1,700,000 X, deren Verausgabung im Interesse des rverbes, des Ackerbaues und des Verkehrs erfolgt und woran das Kapital gar kein oder nur ein sekundäres Interesse hat. Es sei hier gleich bemerkt, daß sich im Staatswesen die Interessen einzelner Gruppen nicht wohl von denen anderer Gruppen trennen lassen und es ist hier auch nicht beabsichtigt, zu fordern, daß obige Posten den Staatsbürgern, zu deren Gunsten sie vorzugsweise verausgabt werden, mit einer entsprechenden Separatsteuer belastet werden. Dian will den Landboten, welche die Mehrheit in der zweiten Kammer gegen die Vorlage der Großh. Staatsregierung bildeten, nur einen Spiegel vorhalten, damit sie einsehen, daß sie doch mindestens mit gleichem Maß hätten messen sollen, als sie das Finanzgesetz modificirten, zunächst im Interesse der Landwirthe, die ja wohl jene Mehrheit gestellt haben. Zu Gunsten der Landwirthe ist nun auch eine neue Behörde eingesetzt worden, deren Wirken lediglich im Interesse der Landwirthschaft erfolgen soll, das aber nur dann ein ersprießliches sein kann, wenn die Mitglieder dieser Behörde überall persönlich eingreifen. Das aber kostet Geld und das Geld wird aus der Staatskasse entnommen und in diese zahlen die Kapitalisten 17 $, die Landwirthe aber nur 14 H Steuer von der Mark Steuerkapital. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß die Kapitalrente voll und ganz declarirt, also von ihr auch die Einkommensteuer voll und ganz bezahlt wird, während das Einkommen von einem Bauerngut durch eine Schätzung festgestellt wird, keinenfalls der Wirklichkeit entspricht. So wird einem Bauer, der ein ganzes Haus mit den ©einigen bewohnt, der Miethwerth dieses Hauses nur sehr gering angeschlagen, während der Kapitalist in der Stadt für eine gleichwerthige Wohnung viele hundert Mark je nach ihrer Größe bezahlen und eine dieser Ausgabe entsprechende Einnahme gleichwohl versteuern muß. Diese Betrachtungen ergeben, daß für die künftige Finanzperiode 1891—94 eine gerechtere Verthetlung der Steuern angestrebt werden muß. Daß die erste Kammer der Landstände der gerügten Verkeilung der directen Staatssteuern ihre Zustimmung erthetll hat, ist Übrigens wunderbar; sie hat hiermit ihre Aufgabe nicht erfüllt. Alle Groß- und Klein-Bauern haben aber pro domo volirt. Literarische». — Eine Extranummer für unsere Jugend — zum Besten der Ferienkolonien — ist weben im Verlage der „Jllustrirten Zeitung" (I. I. Weber in Leipzig) erschienen. Dieselbe enthält 40 reich illustrirte Foltoseiten, deren textlicher Inhalt durchaus dem Verständniß und Geschmack unserer Jugend angepaßt ist. Der Preis dieser Separatausgabe beträgt 2 X Voraussichtlich wird dieses gelungene und geschmackvoll ausgestattete Heft viele Käufer finden, was schon in Anbetracht des guten Zweckes in reichem Maße zu wünschen wäre. Handel und Verkehr. — sZusammenftellbare Rund f abrtkarten.] Die Vorschriften für die Ausgabe und Benutzung dieser Karten erleiden vom 1. Mai d. I. ab verschiedene Aenderungen. Die neuen Beförderungsbedingungen, welche auf die Umschläge der Kartenbüchelchen aufgedruckt werden, erhalten folgende Fassung: „1) Gültig . . . Tage (bis einschließlich . . . Mitternacht) zu allen fahrplanmäßigen Zügen mit entsprechender Wagenclasse. 2) Die aufsichtführenden Beamten der Eisenbahn sind berechtigt, behuss ^■eftftellung der Persönlichkeit des Reisenden von dem letzter» die Wiederholung seiner auf der Außenseite des Umschlages gegebenen Namensunterschrift zu fordern. 3) Freigepäck wird nicht gewährt. Gepäckabfertigung über Berlin hinaus findet nur dann statt, wenn die Ueberführung des Gepäcks durch Berlin vermittelst der Stadtbahn bewirkt werden kann. Ist dies nicht der Fall, so hat der Reisende für die Ueberführung von Dem einen nach dem andern Babnhof in Berlin selbst zu sorgen. 4) Die Reise kann innerhalb der Gültigkeitsdauer Der Billette zu jeder Zeit in der einen oder der andern Richtung angetreten werden, wobei jedoch gestattet ist, die in dem Billette enthaltenen Coupons für eine oder mehrere in sich abgeschlossene wirkliche Rundfahrten von dem Punkte ab, wo diese Rundiahrten ausgehen, auch in umgekehrter Reihenfolge zu benutzen; zu diesem Zwecke muß aber der erste der für die Rundfahrt geltenden Coupons von dem Stattonsvorstande der betreffenden Abzweigestation mit dem Vermerk versehen werden, daß diese Coupons in umgekehrter Reihenfolge benutzt werden dürfen. 5> Auf Dampfschiffe gleichlautende Billelcoupons müssen entweder auf dem Dampfschiffe oder auf der Bahn benutzt werden. Eine Unterbrechung bezw. Ueber- gehen von Schiff auf Bahn oder umgekehrt ist unzulässig. 6) Dem Reisenden steht es frei, außer den Coupon-Endstationen einmal auf jeder Couponstrecke auf einer beliebigen, in dem Coupon nicht genannten Station sich aufzuhalten; in letzterm Falle ist jedoch das Billet sofort nach dem Verlassen des Zuges dem Stationsvorstande o.unerkung vorzuweisen. Bei Benutzung der Rhein-, Maas- und Donau-Dampfschiffe ist jedoch eine Fahrtunterbrechung innerhalb der Couponstrecke nicht gestattet. 7) Eine Verlängerung der Gültigkeitsdauer findet nicht statt, auch ist die nachträgliche Einfügung muer Coupons in Billette, mit welchen die Reise bereits zum Theil ausgeführt worden, oder der Umtausch von Coupons ausgeschlossen. 8) Für in Verlust geratene Billette wird kein Ersatz geleistet. 9) Der Billetumschlag wird bei Abnahme des letzten Coupons durchlocht und verbleibt in Händen des Reisenden. Zu den Orient-Expreßzügen haben die combinirten Rundreisebillette nur insoweit als Platz vorhanden ist und gegen einen Zuschlag Gültigkeit; auf den österreichisch-ungarischen Bahnen jedoch überhaupt nicht. Gießen. 1. Mai. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund JL 0.90—0.95, Hühnereier pr. St. 5 2 Stück 9 Enteneier 5— X Gänseeier St. 9—00 H, Käle dt. (St. 4—7 Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 16 A, Linsen per Liter 30 H, Tauben per Paar X 0.70—0.80, Hühner per Stück X 0.9Ö, bis 1.10, Hahnen per Stück X 1.40—1.80, Enten per Stück X 1.80—2.40, Ochsen- steisch per Pfund 56—54 Kuh- und Rindfleisch 45—50 Schweinefleisch 50—60 Ä Hammelfleisch 54—64 H, Kalbfleisch 40—46 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 4 00—6.00, Zwiebeln per Centner X 13.00—14.00, Milch per Liter 12—18 H, Weißkraut Stück 0—00 H. Frankfurt. 30. April Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren 388 Ochsen, ca. 16 Bullen, ca. 419 Kühe und Rinder, ca. 394 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 56—58, 2. Qual. X 48—50, Kühe und Rinder 1. Qual. X 50—52, 2. Qual. X 40—46 per 100 Pfund Schlachtgewicht Kälber 1. Qual. 52—55 2. Qual. 45—48 H per 1 Pfund Schlachtgewicht. Frankfurt, 30. April. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer X 19,00—19,50, fremder X 18,50—20,50, Roggen eff. hies. X 14,00—14,25, fremder X 00,00—00,00 Gerste esfectio hiesige und Wetterauer X 15,00—17,50, fremde X 00,00—10,00, Hafer eff. hies. X 14,25-14,75, fremder X 00,00—00,00. Wöchentliche Aederficht der Todesfälle in der Statt Gießen. 17. Woche. Vom 22. April bis 28. April 1888. Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 21,9 %c. Kinder Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom Lungenschwindsucht 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: 2 (2) 2 (2) — — Krebs 1 1 — — Bright'scher Nierenkrankheit 1 1 — — Selbstmord durch Ertrinken 1 1 — — Lebensfchwäche 1 — 1 — Magengeschwür 1 — — 1 Halsbräune 1 (1) — 1 (1) Summa: 8 5 1 2 Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgase-. April 1888: i91/2 vorschriftsmäßige Kerzen. (gez.) Buchner. - - ----- Für die Ueberschwemmten gingen ferner bei uns ein: Löwen-Scat 1.50 X, Gemeinde Bellersheim 50 X, Mannergesangverein Lollar bei einer Abendunterhaltung gesammelt 23.22 X, zusammen 74.72 X, mit den bereits früher quittirten Beträgen nunmehr 3760 94 X Weitere Gaben nimmt gerne entgegen Die Expedition des Gießener Anzeigers. MrhesMe Eisenbahnen. Am 1. Mai d. I. gelangt der Nachtrag I zum Anhang A. unseres Lokal- Gütertarifs, enthaltend anderweit redigirte Vorschriften bezüglich des Ausnahmetarifs für bestimmte Stückgüter zur Einführung. Nähere Auskunft ertheilen die Güter- erpebitionen. Gießen, den 29. April 1888. 3684 Großherzogliche Direction Oberhesßslhe Eisenbahnen. Von Montag, den 7. Mai, an wird versuchsweise, unter Voraussetzung genügender Benutzung, bis auf weiteres an allen Wochentagen, mit Ausnahme also der Sonn- und Feiertage, ein Arbeiterzug von Reiskirchen nach Gießen abgelassen werden. Abfahrt ab Reiskirchen 520 Vormittags, „ „ Großen-Buseck53o „ Ankunft in Gießen 547 „ Der Zug führt nur Wagen dritter Klasse. Wochenkarten für denselben müssen am Samstag oder spätestens am Sonntag vorher gelöst werden. Gießen, den 30. April 1888. 3685 Großherzogliche Direction- Aeilgeöotenes. 3566 Eine noch gut erhaltene Podest- treppe zu verkaufen. Franksurterstraße 89. Allgemeiner Anzeiger. S7 5 [3701 Verkaufsstellen, sowie durch den S L Weimar-Lotterie» In zwei Ziehungen 2500 Gewinne t W. v. 75,000 Mark. Erster Hauptgewinn i. W. v. m 25,000 Mark, i iMark. ^ls des loobcb, Mark! für beide Ziehungen gültig. »-»• k«uni Nächste Ziehung »•-«• Loose sind zu haben in den allerorts durch Plakate kenntlichen Wasserdichte Gummissoss-Regenmäntel für Damen in Rad-Form von 6 X 50 an, „ Herren „ Paletot-Form „ 12 „ 50 „ „ „ Knaßen „ „ „ „10 „ 50 „ „ „ Mädchen,, Havelock-Form „ 12 „ — „ „ empfiehlt in reicher Auswahl 3725 H. Kübsamen. Auch werden dieselben in jeder Form nach Maaß angefertigt. Muster von Stoffen sowie Zeichnung der neuesten Formen zur gefälligen Ansicht bereit. 3689 Ein noch gutes Klavier baldigst zu verkaufen gesucht. Näheres in der Expedition d. Bl. \ 3707] Gemüse-Pfianzen, Lattig, ’ Stiefmütterchen unb avgeschnittene Marschall Mel'Rosen bei Schaum Wittwe. Gras- u. Obst-Ernte des Bootplatzes der Gießener Rudergefellfchaft billig zu vergeben. 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April 1888. 3717 Coursvericht der frankfurter Börse Reichsbank-Disconto 3% ä ä ä Elegante Herren- und Knaben-Garderoben Personen-Billets Kaffenpreis 10.— 8.50 3.50 —.50 Für die vielfach bewiesene innige Theilnahme an dem uns betroffenen schweren Verluste sagt herzlichsten Dank „Der Mai ist gekommen rc." Wormser Loose a ® Mk. 3M5* Ziehung ohne Verschub bereits 3v. Mai. Nur 75,f'00 Loose und doch Hauptgewinne von 20,000 Mark und 10,000 Mark in Gold 7 bis 9 Uhr und Mittags eine Stunde. Sonnenstraße 32. 3704 Für einen Vertrauens-Posten wird ein junger Mann aus guter Familie gesucht. Schone Handschrift erforderlich. Selbstgeschriebene Offerten besorgt die Exped. d. Bl. unter A. B. C. Aermietyungen. 1759 Ein mittleres Familienlogis zu vermiethen. Restauration Herbert, Mäusburg. 3697 Kl. Familienlogis zu vermiethen, am 1. Juni deziehb. Schützenstraße 9. 3698 Der 2. Stock, 5 Zimmer mit Zubehör, per 1. 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