Nr. 181 Erstes Blatt. Sonntag den 1. Juli 1888. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Jr- Bureau r Schul st raße 7. □ Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn, Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlich er Hßeil. Gefunden: 2 Strumpfbänder, 1 Hammer, 1 Pferdeteppich, 1 Ledertasche, 1 Regenschirm, 1 Trauerflor, 1 Ballnetz, 1 Kinderschuh, 1 Lesebuch, 3 Taschentücher, 1 goldene Broche, 2 silberne Vorstecknadeln, 1 Schuhmachermesser, 1 Sonnenschirm, 1 Kindersonnenschirm, 1 Handschuh, 1 Spielpserd, 1 Strohhut. Gießen, 30. Juni 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Politische Rundschau Gießen, 30. Juni. Mit dem am Donnerstag Nachmittag in vereinigter Sitzung beider Häuser erfolgten Schlüsse des preußischen Landtages hat zugleich die außergewöhnliche parlamentarische Epoche im Reiche und Preußen anläßlich des abermaligen Thronwechsels ihren Abschluß gesunden. Sie brachte im Reichstage wie in der parlamentarischen Vertretung des preußischen Volkes jene sich gegenseitig ergänzenden hochbedeutsamen Kundgebungen des Kaisers und Königs Wilhelm II., in denen der jugendliche Monarch sein künstiges Regterungsprogramm nach Außen wie nach Innen entwickelte und diese Erklärungen, sie sind nicht nur von den versammelten Parlamenten, sondern auch vom ganzen Lande mit begeisterter Zustimmung begrüßt worden, während sie sich auch die sympathische Anerkennung des Auslandes errangen." Die ersten Thronreden Wilhelms II. haben es zudem klar vor aller Welt erwiesen, daß er bei der Vollkraft der Jugend doch auch ganz erfüllt ist von dem Bewußtsein seines hohen Berufs, ganz gewillt, seine Pflicht zu thun. Kaiser Wilhelm will sich stets das Wort seines großen Ahnen Friedrich gegenwärtig halten, daß „der König des Staates erster Diener ist", wie er in der Thronrede vor dem preußischen Landtage erklärte, im Geiste des großen Friedrich wird er die Regierung im Reiche und Preußen führen und somit kann das preußische und deutsche Volk im Vertrauen auf Kaiser WUHelm getrost in die Zukunft schauen. Während die Frage der Neubesetzung des preußischen Ministeriums des Innern noch immer ihrer Erledigung harrt, hat sich auf einem anderen Mtnisterpdsten ein etwas überraschender Personenwechsel vollzogen. Der Hausmtntfter des preußischen Königshauses, Oberstkämmerer Graf ONovon Stolberg-Wernigerode, ist von diesem Posten zurückgetreten und an seiner Stelle wurde der bisherige Reichstagsprasident Herr v. Wedell-Piesdorf zum königlichen Hausmtnister ernannt. Graf Otto v. Stolberg hatte das Hausministerium seit dem Ableben des Freiherrn o. Schleinitz nur intermistisch geführt und schon wiederholt die Absicht zu erkennen gegeben, von der Leitung desselben zurückzutreten, um sich ganz der Verwaltung seiner Güter widmen zu können. Trotzdem konnte man nicht annehmen, daß sein Rücktritt so plötzlich erfolgen würde und anderseits kommt auch die Ernennung Herrn v. Wedell-Piesdorf's zum Nachfolger des Grafen Stolberg ein wenig überraschend. Jedenfalls besitzt aber dieser Ministerwechsel keinerlei politische Bedeutung, denn „Minister des königlichen Hauses" ist nur ein Titel, dessen Träger dem Staatsmtnistelium nicht angehört. Herr v. Wedell-Piesdorf vertritt seit dem Jahre 1884 den Wahlkreis Mühlhausen- Langensalza im Reichstage, dessen Verhandlungen er seit vier Sessionen mit ebensoviel Tact als Umsicht geleitet hat; außerdem ist er Regierungspräsident in Magdeburg. Durch seine Ernennung zum Hausmtnister erlischt sein Mandat und ist es noch unbekannt, ob sich Herr o. Wedcll-Piesdorf wiederwählen lassen wird. Der „Rat. Ztg." zufolge sind abermals Gerüchte über eine bevorstehende Veränderung in der Stellung des Chefs der Admiralität o. Caprivi im Umlauf. Worauf dieselben zielen und ob sie begründet sind, muß jedoch abgewartet werden. In Oesterreich begrüßt man das Project einer Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem Czaren mit besonderer Wärme. Die „Presse" sieht in dieser eventuell bevorstehenden Begegnung eine hochbedeutsame practische Betätigung der ernsten Friedenspolitik Deutschlands und auch verschiedene der andern tonangebenden Wiener Blätter äußern sich sympathisch über das Project. Diese Sympathie der Oesterreicher ist freilich auch sehr erklärlich, denn eine Begegnung zwischen dem deutschen und dem russischen Kaiser würde vermuthlich auch auf die österreichisch-russischen Beziehungen günstig zurückwirken und in Wien sähe man eine Besserung dieser Beziehungen offenbar ganz gern. Das Ministerium Floquet hat in der Donnerstagssitzung der französischen Depulirtenkammer eine nicht unbedenkliche Schlappe erlitten. Von der Rechten war beantragt worden, daß künftig die Anwesenheit der wirklichen Mehrheit der Mitglieder der Budget-Commission und anderer parlamentarischer Commissionen zur Gültigkeit der Commissions-Abstimmungen erforderlich sein müsse. Obwohl der frühere Cabinetschef Rouvter und auch Floquet selbst den Antrag als eine Verzögerung der parlamentarischen Arbeiten bezeichneten, wurde er schließlich doch angenommen und die Rechte kann hiermit einen unerwarteten parlamentarischen Triumph über das Ministerium Floquet verzeichnen. Der französische Nationalfesttag, der 14. Juli, wird in Paris auch diesmal unter besonderen Feierlichkeiten begangen werden. Unter Anderem werden die 2900 Bürgermeister der Hauptcantonsorte von der Regierung eingeladen werden, der üblichen Revue und dann einem auf dem Marsfeld abzuhaltenden großen Banket betzuwohnen. Zu letzterem werden auch alle Deputirten, Senatoren und Gemeinderäthe von Paris Einladungen erhalten. In der Agitattonskasse der Boulangisien soll bedenkliche Ebbe herrschen und wenn dem Boulangismus der nervös rerum anfängt zu fehlen, dann dürfte es mit diesem Schwindel bald Matthäi am letzten fein. Vor Kurzem brachten österreichische Blätter zuerst einen Bericht über einen blutigen Kampf, der sich in Lonstantinopel zwischen der arabischen und der arnau- tischen (albanesischen) Leibgarde des Sultans abgespielt haben sollte. Nachfolgende Meldungen aus der türkischen Hauptstadt bestätigten diesen Bericht durchweg und nunmehr vernimmt man aus Constantinopel, daß dreißig Offiziere der meuterischen Regimenter verbannt worden sind, weil sie nicht im Stande gewesen waren, die Dtsciplin unter ihren Mannschaften aufrecht zu erhalten. Das gesammte Personal im Palast des Sultans ist einem strengen Verhör unterzogen worden, da sich der Verdacht verbreitet hatte, daß zwischen einzelnen der im Palast angestellten Personen und den Meuterern ein gewisses Einverständniß bestanden habe. Selbstverständlich erregte dieses Gerücht im Palast ziemliche Beunruhigung, da das Scharmützel zwischen den Albanesen und den Arabern in diesem Fall den Charakter einer wirklichen militärischen Emeute mit politischem Hintergrund getragen haben würde. Indessen hat das angestellte Verhör mit unzweifelhafter Gewißheit ergeben, daß von dem Palastpersonal Niemand um den Zusammenstoß gewußt hat, letzterer war lediglich die Folge einer zwischen den beiden Parteien schon längst bestandenen Spannung. Telegraphische pepeschen. Wolff's telegr. Correspondenz. Bureau. Berlin, 29. Juni. Der Kaiser machte Morgens in Begleitung seines Flügeladjutanten einen Spazierritt nach Wannsee und nahm Vormittags Vorträge und mehrere militärische Meldungen entgegen. — Prinz und Prinzessin Heinrich reisten Nachmittags nach Kiel. — Die Krönung in Königsberg werde als aufgegeben angesehen. — Die „Nattonalzeitung" bezeichnet die Tage vom 10. bis 15. Juli als wahr scheinltch für die Zusammenkunft des Kaisers mit dem Czaren. Der Ort der Begegnung und der Weg des Kaisers Wilhelm stehe noch nicht fest. Potsdam, 29. Juni. -Der Kaiser und die Kaiserin empfingen Nachmittags Uhr das Präsidium des Herrenhauses. Der Herzog von Ratibor überreichte die ' Adresse des Herrenhauses, welche der Kaiser huldvollst dankend entgegennahm. Der " Empfang dauerte eine Viertelstunde. Hierauf begab sich der Herzog von Ratibor allein nach Friedrichskron, um der Kaiserin - Wiltwe das Beileid des Herrenhauses auszudrücken. — Das Präsidium des Abgeordnetenhauses wurde heute Nachmittag 21/» Uhr vom Kaiserpaar gemeinschaftlich empfangen. Präsident v. Köller überreichte mit einigen Worten die Adresse, die der Kaiser huldvoll entgegennahm, indem er.für den einstimmigen Beschluß seinen Dank aussprach. Das kaiserliche Paar unterhielt sich darauf leutselig mit den Mitgliedern. Der Kaiser berührte vor Allem die Ueberschwemmungen und drückte seine Theilnahme über die von dem Leid Betroffenen aus. Er habe theil- wetse selbst das Elend gesehen und hoffe, daß mit Hilfe des Staates und Privater der Noth gesteuert werde. Nach der Verabschiedung begab sich das Präsidium nach Friedrichskron, um der Kaiserin-Wtttwe Victoria das Beileid des Abgeordnetenhauses anläßlich des Heimganges Kaiser Friedrichs auszudrücken. Die Kaiserin dankte tiefbewegt und gerührt. Berlin, 29. Juni. Der Reichskanzler begibt sich um 2 Uhr Nachmittags zum Kaiser nach Potsdam. — Die „Berliner Polit. Nachr." schreiben: Der Reichskanzler dürfte in nächster Zsstt Berlin verlassen. Wenn einige Zeitungen melden, derselbe würde im Gefolge des Kaisers bei der eventuellen Zusammenkunft mit dem Czaren sich befinden — ob und wann eine solche ftattfindet, vermögen wir übrigens nicht zu sagen — so widersprechen die getroffenen Dispositionen dieser Angabe. Wenn man erwägt, welche Aufregungen, Mühen und Sorgen, welche schmerzvollen und erschütternden Ereignisse der Reichskanzler seit seiner Hterherkunft aus Friedrichsruh durchgemacht hat, bedarf es nicht erst des besonderen Hinweises, daß Fürst Bismarck im 74. Lebensjahre steht, und der Noth- wendigkeit, darzulegen, daß seine Kräfte der Schonung, er selbst der Ruhe dringend bedarf. Ob der Reichskanzler diese Erholung in Varzin oder Friedrichsruh sucht, steht ebensowenig fest, wie seine etwaige Badereise nach Kissingen. Bern, 29. Juni. Die beiden gesetzgebenden Räthe haben die Uebereinkunft mit dem Vatikan, betreffend den Anschluß von Tessin an die Dtöcese Basel, genehmigt, ebenso den Vertrag mit Italien in Betreff der gegenseitigen Zulassung des an der Grenze wohnenden Medictnalpersonals. Morgen findet der Schluß der dermaliaen Session statt. London, 29. Juni. Das Oberhaus nahm in seiner heutigen Sitzung den Antrag Wemyß an, welcher die Vorschläge der Regierung für die Landesverteidigung billigt, sowie weitere Maßregeln zur genügenden Sicherung des Reiches, sowie zur Erweckung des vollen Vertrauens des Landes erwartet. Salisbury acceptirt den Antrag, sowie das darin ausgedrückte Vertrauen. Im Laufe der Debatte widerlegte Salisbury die Ausführungen Wolseley's, daß zur Beförderung einer völlig equipirten Armee von hunderttausend Mann eine Dampferanzahl von insgesammt nur 170,000 Tonnen Rauminhalt nothwendtg seien; der Premier drückte den Wunsch aus, daß Wolseley seine große amtliche Kenntniß eher zur Berathung der Regierung als' zu deren Kritik verwenden möge. Ehrisiiania, 29. Juni. Der Präsident des Storthings, Steen, beantragte ein Mißtrauensvotum gegen das Ministerium. Wahrscheinlich finden die Verhandlungen darüber am Samstag statt. Madrid, 29. Juni. Das neue Branntwetnsteuergesetz ist heute nebst Aus- führungsbesttmmungen publtcirl worden. Belgrad, 29. Juni. Graf Schlieffen überreichte heute Mittag in feierlicher Audienz dem Könige ein Handschreiben Kaiser Wilhelm's, worin die Thronbesteigung angezeigt wird. Am Abend findet zu Ehren Schlieffen's ein Galadiner statt. Durban, 29. Juni. Einer Meldung des „Reuter'schen Bureaus" zufolge erhielten sämmtliche disponiblen Truppen in Natal die Ordre, sich zum Marsch in das Gebiet der Zulus bereitzuhalten. Morgen wird ein Bataillon von Kapstadt aus abgehen. Lokales. Gießen, 30. Juni. (Delegiertentag des Landeslehreroereins und General- Versammlung der Ludwig- und Alice-Stiftung.) Montag 2. und Dienstag 3. Juli er. werden im Stein'schen Saale hier zwei größere Lehrervcrsammlungen tagen. Am ersten Tage finden sich daselbst die Delegirten des Landeslehreroeretns behufs Besprechung von Veretnsfragen ein. Der zweite Tag bringt uns die General-Versammlung der Ludwig- und Alice-Sttftung. Da auch hier nur rein Geschäjiliches seine Erledigung finden soll, so nehmen wir von einer Mittheilung der Tagesordnung, als nicht im allgemeinen Interesse liegend, Abstand. Nach Schluß der General-Versammlung gemeinschaftliches Essen im selben Locale. Sieben, 30. Juni Den Grasen Almaviva in der Oper „Der Barbier von Sevilla" gelegentlich des Gastspiels der Casseler Königlichen Oper am Montag Abend wird Herr Hermann Mathias vom Opernhause in Frankfurt a. M. fingen, da Herr d. Milder von einer heftigen Heiserkeit befallen ist. Wir wollen noch darauf aufmerksam machen, daß die Zwischenakte der Oper 10 Minuten dauern werden. Gießen, 30. Juni. Eine recht reiche Auswahl interessanter Sehenswürdigreiten bietet die in Oswald's Garten aufgestellte Nauscher's Gallerte und ist em Besuch derselben bestens zu empfehlen, zumal die Eintrittspreise sehr billig gestellt smd. vermischtes. Großen-Buseck, 29.Juni. Auch in unserer Gemeinde wurde am vergangenen Sonntag, wie allgemein angeordnet, eine Trauerfeter für den verstorbenen Kaiser Friedrich abgehalten und Jedermann konnte sich dabei überzeugen, daß die Verehrung und Trauer für unseren leider zu früh dahingeschiedenen Kaffer bls in die kleinsten Hütten gedrungen ist. Das geräumige Gotteshaus mar bts aus den letzten Platz gefüllt. Der Kriegeroerein versammelte sich vollzählig mit seiner umflorten Fahne um den Altar der Kirche, um seinem gewesenen obersten Kriegsherrn die letzte Ehre zu erweisen. Der Ortsgeistliche hielt eine einfache aber ttefergreifende Trauerrede, welche bet allen Anwesenden einen tiefen, dauernden Eindruck hinterließ. Jedermann ging mit dem Bewußtsein nach Hause, einer hehcen, feierlichen Handlung betgewohnt zu haben. Möge Gott geben, daß es dem neuen deutschen Kaiser lange Jahre vergönnt sei, zu Deutschlauds Ehre und Ruhm die Krone der deutschen Nation zu tragen. W. _ [UeBcrboten.] Lieutenant A.: Fahre jetzt öfter nach Epernay, blos um Sect an der Quelle zu trinken. B.: Ist gar nichts. Neulich Rheuma gespürt, sofort nach Madrid gefahren, blos um ecbte spanische Fliege austegen zu lassen. Literarisches. Von Jac. Moleschott, dem weltberühmten Physiologen und Verfasser des unsterblichen Werkes „Der Kreislauf des Lebens" find soeben in dem Verlage von Emil Rolh in Gießen zwei neue Schriften erschienen, welche das Interesse eines jeden Gebildeten im höchsten Grade in Anspruch nehmen müssen. „Franctskus Cornelius D anders" betitelt sich die eine Schrift und handelt in markiger Werse den Bildungsgang dieses weit über die Grenzen des Vaterlandes bekannten Augenarztes und Freundes Moleschotts, der wie kein Anderer dazu geeignet ist, die großen Verdienste des Gefeierten, der vor wenigen Wochen seinen 70. Geburtstag beging, zu würdigen. Ueber die zweite Schrift „Zur Feier der Wissenschaft", Rede bei Wiedereröffnung der Universität zu Rom am 3. November 1887 gehalten, sagt unter vielen anderen begeisterten Beurtheilungen die „Prager medictnische Wochenschrift": Ein wahres Meisterstück oratorischer Kunst! Voll Wärme und Begeisterung schildert M. in lichtvoller Weife von erhabenem, idealen Standpunkt in seiner bei der Wiedereröffnung der Universität zu 9tom am 3. November 1887 gehaltenen Rede den Entwicklungsgang der sämmtlichen Zweige des menschlichen Wissens, zeichnet in großen Umrissen ihr gegenseitiges Verhältniß zu und ihre gegenseitige Einwirkung auf einander, zeigt, wiesle einander Hilfe leisten, die Arbeit erleichtern, regeln und vervollständigen, und so alle einer einzigen, der „Wissenschaft der Wissenschaften" zustreben, ein Beweis, daß die Ueber- reugung von der Einheit der Wissenschaft sich mächtig entwickelt hat. Mit einer Verherrlichung des Ideals schließt diese wahrhaft klassische Rede des als krasser Materialist verschrieenen Gelehrten. Handel und Verkehr. — (Aufschrift der Postsendungen.) Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müssen auf denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabei sind namentlich folgende Punkte zu beachten: 1. Bei Postsendungen nach größeren Orten ist in der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugeben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich unten rechts, unmittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge. 2. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Postbeztrk (0., N., NO. rc.), tu welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbezeichnung „Berlin" zu vermerken. 3. Gibt es mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung betzufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Postverkehr als maßgebend anzusehen sind, ergibt sich aus dem „Ver- zetchniß gleichnamiger oder ähnlich lautender Postorte", das zum Preise von 10 Pfg. durch Vermittelung jeder Reichs-Postanstalt bezogen werden kann. 4. Wenn der im Reichs-Postgebiet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, Io empfiehlt es sich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Sendung noch des Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten des politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, ober auch die Angabe von größeren Flüssen s(Odcr), (Elbe), (Rhein), (Main) zc.], ober von Gebirgen s(Harz), (Rtesengebirge) rc.j Nicht minder sind zusätzliche Bezeichnungen, wie (Thüringen), (Altmark), (Lausitz) für den Zweck geeignet. 5. Auf Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer dem eigmt- lichen Bestimmungsorte noch diejenige Postanstalt anzugeben, von welcher aus bte Bestellung der Sendung an den Empfänger bewirkt werden bz. die Abho/mg erfolgen soll. 6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden PostMete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch das betreffende Land bz. der Landestheil auf der Sendung anzugekn. Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleuniger Ueber- kunft der Sendungen an die Empfänger wesentlich beitragen und es liegt tcher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Sendungen hiernach gemu anzu- ferttgen. Gießen, 30. Juni. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 0.85—0.90, Hühnereier pr. St. 5 H, 2 Stück 9 H, Enteneier 5—6 H, Gänseeier St. 0—00^, Käse vr. St. 4—7 Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 17 Linsen per Liter 28 Tauben per Paar X 0.70-0.80, Hühner per Stück X 1.00 bis 1.40, Hahnen per Stück X 0.80—1.70, Enten per Stück X 1.80—220, Ochsenfletsch per Pfund 56—64 H, Knh- und Rindfleisch 45—50 Schweinefleisch 50—60^, Hammelfleisch 54—64 H, Kalbfleisch 40—46 Kartoffeln per 100 Kilo X 4 20—5.00, Zwiebeln per Centner X 9 00-12 00, Milch per Liter 12—18 Weißkraut Stück 00 —00 H, Kirschen per Pfund X 0,12—0,18. Farbig, schwarz und weiß Seiden Moiree von Mk. 2.65 iis Mk. 10.30 per Met. (antique und fran^ais) versendet rohen» und stückweise porto- und zollfrei das Fabrik-Däpöt G. Henneberg (K. u. K- Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe 20 Pf. Porto- 2377 Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgases. Juni 1888: i9a/< vorschriftsmäßige Kerzen. (gez.) Buchner. >■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen- Aufgebote. Juni: 26. Friedrich Klinkel, Schmelzmeister dahier, mit Henriette Luise Wilke von Usseln, wohnhaft dahier. 27. Heinrich Brück von Groß-Erda, Taglöhner dahier, mit Elisabeth Krombach von Krofdorf, wohnhaft dahier. 27. Karl Peter, Schreiner dahier, mit Marie Bellof von Bersrod, wohnhaft dahier. 29. Eduard Julius Christian Engeler von Holle, Schuhmacher dahier, mit Elisabetha Carle von Nteder-Ohmen, wohnhaft dahier. 29. August Karl Friedrich Joseph Haggenmüller, Lehrer dahier, mit Emma Zimmer zu Hungen. Eheschließungen. Juni: 27. Karl Sier von Lich, Müller dahier, mit Katharine Hamel von Vadenrod. 27. Karl Sommerkorn von Londorf, Schneider dahier, mit Marie Pfeiffer von Laubach. 29. Johann Daniel Beimborn von Hartenrod, Kreis Biedenkopf, Bäcker dahier, mit Elisabeth Hai tmann von Groß-Altenstädlen, wohnhaft dahier. 29. Friedrich Eduard Worm, Fabrikarbeiter zu Schalke, mit Leopoldine Elisabeth Schäfer von Braunfels, wohnhaft dahier. 29. Adam Amend von Reichelsheim i. W., Schuhmacher in der 6. Compagnie Infanterie-Regiments Nr. 116 dahier, mit Maria Amalia Keßler hterselbst. Geborene. Juni: 21. Dem Taglshner Johannes Kampf ein Sohn, Valentin Otto. 22. Dem Taglöhner Konrad Schmidt eine Tochter, Elise. 24. Dem Kaufmann Ernst Blödner eine Tochter, Emma. 25. Dem Schächter David Jacob eine Tochter, Helene. Gestorbene. Juni: 21. Louis Jahres, 45 Jabre alt, Taglöhner dahier. 23. Anna Melanie Becker, IIV2 Jahre alt, Tochter von Kasernenwärter Friedrich Conrad Becker dahier. 25. Adam Schmidt, 48 Jahre alt, Rentmeister von Echzell, Kreis Büdingen. 27. Marie Wilhelmine Karl, 4 Jahre alt, Tochter von Küfer Eberhardt Karl Wittwe dahier. 28. Margarethe Krug, geb. Schlauderaf, 50 Jahre alt, dabier, Wittwe von Bergmann Heinrich Krug. 29. Leopold Atzelhöfer, 34 Jahre alt, Maschinenschlosser dahier. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 27. Juni. Karl Sier, Müller, und Katharina Hamel, Tochter des Ackersmanns Johannes Hamel von Vadenrod. Dm 29. Juni. Daniel Beimborn, Bäcker, und Elise Hartmann, Tochter des verstorbenen Oeconomen Peter Hartmann von Altenstetten. Denselben. Eduard Worm, Fabrikarbeiter zu Schalke in Westfalen, und Leopolffne Elisabeth Schäfer, Tochter des verstorbenen Küfers Wilhelm Schäfer von Braursels. Getaufte. Den 24. Juni. Dem Metzger Georg Müßing ein Sohn, Theodor, geboren den 15. Nai. Denselben. Dem Kaufmann Christian Reiber eine Tochter, Henriette Elisabeth, gehren den 15. April. Denselben. Dem Fuhrmann Wilhelm Wilke eine Tochter, Anna Elise, geboren bei 12. April. Denselben. Dem Schreinermeister Hermann Koch ein Sohn, Karl Wilhelm, schoren ben 18. April. ~ Denselben. Dem Metzger und Gastwirth Jean Eberhard Georg Tobias Boller dn Sobn, Justus Eberhard Karl, geboren den 17. Mai. Denselben. Dem Schreiner Karl Ruppel eine Tochter, Anna Elise, geboren den 19. Mai. Denselben. Dem Schlosser Ludwig Kreuter eine Tochter, Lina Sophie Hermine Elsa, geboren den 28. April. Denselben. Dem Tapezier Konrad Leisler ein Sohn, Friedrich Heinrich Rudolf, geboren den 19. Mai. Den 25. Juni. Dem Schneider Clemens Narz eine Tochter, Elisabeth Johanna, geboren den 16. Juni. Beerdigte. Den 23. Juni. Ludwig Jahres, Taglöhner, alt 45 Jahre, starb den 21. Juni. Den 25. Juni. Melanie Becker, Tochter des Kasernenwärters Friedrich Konrad Becker, alt 11 Jahre, starb den 23. Juni. Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 14, Wasser 16 Gr. Gießen, den 30. Juni 1888. Rübsamen. Allgemeiner Anzeiger. J. H. Fuhr, Sonnenste 25, empfiehlt -Stricfifiiiiimtnoffe in den neuesten u. courantesten Farben; weiße und farbige Damen- und Kinderflrümpfe und Socken. NB. Stricken von Strümpfen und Beinlängen in bester Ausführung wird billigst besorgt. 3782 Iämmtliche Ml,eiten in Besatzartikeln in großer Ausmaß und zu billigsten Pmsen; Damen- u, Kinderkragen, Mschen. .. : MW Corsetten! Spezialität! Spefialität! Anna Noch Neuenweg 30, 1 Treppe, neben dem Löwen. 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Utvhe, Berstadt, Wohnbach, Obbornhosen und Bellers- | heim verkehrenden Landpost eine zweite tägliche Landpostsahrt eingerichtet, welche von Wohnbach ausgeht und folgenden Gang erhält: Wohnbach 822 X Durch langjährige Erfahrung bin ich in der Lage, den Wünschen X eines verehrlichen Publikums vollständig entsprechen zu können. V Unter Bezugnahme hieraus erlaube ich mir, um wohlgeneigten O Zuspruch zu bitten. (Snrhnrhfimn&nnn 5395 ViiiMi'r Ittat-FaliriilM aller in Gießen ankommenden und abgehenden Eisenbahnzüge in der Expedition des „Gießener Anzeiger", sowie bei den ZeitungSträgern zu haben. Preis 20 Psg. Bekanntmachung. Das 1. und 2. Ziel der Communalsteuer pro 1888/89 kann in den nächsten 8 Tagen an 'den Zahltagen Dienstag, ^onn^t ■S Q X Fr. Hewel, GieÄ*eii, Grünbergerstrasse Nidda, am Friedhof. M 'N l-d o ' GO 2 5 <2 o"5 Mill y O ä Ö O m •S ö , 0) Y 7; oi.i Ch I - GO 0)