Nr. ZOT Samstag den 31. December 1887. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gieße». Vureanr Schulstraße 7. mH nruäÄ(1Rm, . Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«. mtt ^«saahme des Durch die Poft bezöge» vierteljährNch 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheil. m rp L Gießen, am 23. December 1887. Betreffend: Die Ernennung von Vertrauensmännern für die Nahrungsmittel-Jndustrie-Berufs-Genossenschast. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen SN Großh. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises Gieße«. Wir benachrichtigen Sie hierdurch, daß die NahrungSmittel-Jndustrie-Berufs-Genossenschaft den Herrn Franz Kupferberg in Firma Eh. Ad. Kupferberg in Mainz, „ , I. B- Falk jun-, Metzgermeister in Mainz, zu Vertrauensmännern ernannt hat. Auf Grund des § 54 des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 weifen wir Sie hierdurch an, die Benachrichtigung über die Einleitung einer Untersuchung über die bei Mitgliedern der genannten Genossenschaft eingetretenen Unfälle an den vorbemerkten Vertrauensmann, beziehungsweise deffen Stell- vertreter, zu richten._____________________________________________________I V-- Jost. _________________________________________________________________ Nr- 48 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 23. d. M. enthält: (Nr. 1759.) Gesetz, betreffend die Abänderung des Zolltarifs. Vom 21. December 1887. Gießen, am 27. December 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___________________________________3 V.: Jost. Politische Jahresüberficht. Gießen, 30. December. Im raschen Wechsel der Zeit ist wiederum ein Jahr zur Rüste gegangen und die Morgensonne einer neuen Jahres steigt herauf. Ehe aber der neue Zeitabschnitt beginnt, geziemt es auch dem Politiker, nochmals einen Blick auf das zurllckgelegte Jahr mit seinen mannigfachen Ereignissen zu werfen und die» selben vcr dem geistigen Auge Revue passiren zu laffen. Fassen wir da zunächst die allgemeine Lage in'r Auge, so muß leibet constatirt werden, daß sie während der ganzen verflossenen Jahres wehr oder weniger umdüstert erschien und mehr wie einmal drohte die allenthalben in der politischen Atmosphäre herrschende electrische Spannung sich in einem furchtbaren Kriegsungewitter zu entladen. Wenn es trotzdem noch immer gelang, der Welt den Frieden zu erhalten, so ist dies in erster Linie der deutschen Politik zu verdanken, welche die stch zuspitzenden europäischen Jntereffen-Gegensätze immer wieder bis zu einem gewissen Grade auszugleichen wußte. Dankbar wendet sich daher der Blick den Männern zu, in deren Händen die Geschicke des Reiches ruhen ur.b vor Allem bleibt er an der greisen Heldengestalt Kaiser Wtlhelm's haften. Trotz seiner mehr als neunzig Jahre sorgt der edle Herrscher in jeder Beziehung, von seinen erprobten langjährigen Beralhern treu unterstützt, für die Wohlfahrt de» Reiches und die Vollendung seines neunzigsten Lebensjahre» gab der gesammten Nation eine willkommene Gelegenheit, dem greisen Monarchen aus'» Neue ihre unwandelbare Liebe und Verehrung zu bezeugen. Obwohl Kaiser Wilhelm im Laufe de» Jahres wiederholten Krankheitsanfällen ausgesetzt war, haben dieselben doch keine tieferen Spuren hinterlassen und es ist dem kaiserlichen Herrn vergönnt, in erfreulicher körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische in den neuen Zeitabschnitt einzutreten. Dasselbe läßt sich Don seiner erlauchten Gemahlin sagen und hat die hohe Fran das Leiden, von welchem sie während ihres Herbstaufenthalte» am Rhein befallen worden, ebenfalls zur Zeit wieder völlig überwunden. Mit innigster Thetluahme aber wendet sich der Blick des deutschen Volkes zum Jahreswechsel seinem allgeliebten Kronprinzen zu, den ein herbes Geschick nöthtgt, noch immer fern der Heimath int Süden zu wellen. Hier, in der milden Luft San Remo'», hofft der ritterliche Kaisersobn die Genesung zu finden, die ihm in der Seeluft England» und in dem kräftigeren Klima der schottischen Hochlande wie Tyrol'r nicht werden sollte. Bei dem wechselvollen Charakter der Krankheit de» Kronprinzen ist deren Ausgang allerdings nach wie vor ein ungewisser, aber doch klingen die Meldungen aus San Remo seit Wochen wieder tröstlicher und da auch die Aerzte über die Natur des Leidens des Kronprinzen noch immer nicht einerlei Meinung zu sein scheinen, so darf das deutsche Volk an der Hoffnung festhalten, daß es ihm doch Noch vergönnt sein werde, den allverehrten Kronprinzen in früherer Kraft und Gesundheit wieder in seiner Mitte begrüßen zu können. — Von freudigen Er- eigniffen im deutschen Kaiserhause, welche das alte Jahr zeitigte, ist die Geburt eines vierten Söhnchens des Prinzen Wilhelm von Preußen und die Verlobung des Prinzen Heinrich von Preußen mit seiner Cousine, Prinzessin Irene von Hessen, zu registriren. Durch den am 21. Februar neugewählten Reichstag erhielten einige mehr oder minder wichtige Gesetzentwürfe ihre Genehmigung. An ihrer Spitze standen die Septennatsvorlage und das Unfalloersicherungsgesetz für die Seeleute und Bauarbeiter, womit das socialpolitische Reformwerk wieder um einen bedeutenden Schritt gefördert wurde. Seinen Abschnitt soll dasselbe bekanntlich durch die Alters- und Jnvaliditätsverficherung erhalten, die wahrscheinlich noch in der gegenwärtigen ReichStags'Session zur Erörterung gelangen wird; als das bedeutsamste bisherige Ergebniß der jetzigen Session stellt sich die Annahme der etwas modificirten Kornzoll-Vorlage dar, womit der Agitation für und wider die weitere Erhöhung der Getreidezölle ein vorläufiges Ziel gesetzt worden ist. — Aus kirchenpolitischem Gebiete brachte die Genehmigung der neuen Kirchen- Vorlage seitens des preußischen Landtages den endlichen Friedensschluß zwischen der preußischen Regierung und dem Vatican und auf Rechnung diese» Einverständnisse« ist die rasche Neubesetzung der erledigten preußischen Bischofsstühle wie die Rückkehr einer Anzahl Orden zu setzen. — Leider waren auch im Jahre 1887 Hoch- und Landesverrathsprozeffe, wie Verhandlungen gegen Socialisten und Anarchisten keine ungewöhnlichen Erscheinungen in unserem öffentlichen Leben und lieferten sie den Beweis, daß fortgesetzt dunkle Elemente an der Erschütterung des Reiches arbeite«, glücklicher Weife ohne sonderlichen Erfolg. Aus den einzelnen Bandesstaaten sind die Landtagswahlen in Bayern, Baden und Sachsen zu erwähnen, die indessen keine besonderen Veränderungen in den betreffenden parlamentarischen Körperschaften hervorbrachten. Schließlich sei noch des Beginnes der Arbeiten zum Nord-Ostsee-Canal gedacht, al« eines da» Interesse ganz Deutschlands beanspruchenden Ereignisses, welches durch die Thellnahme des Kaisers noch eine besondere Weihe erhielt. In der auswärtigen Politik des Reiches spielten die Zwischenfälle mit Frankreich — die Schnäbele-Affatre und der Fall Kauffmann — eine hervorragende Rolle und wesentlich der Mäßigung Deutschlands ist es zuzuschreiben, wenn diese Vorfälle wieder in friedlicher Weise beigelegt wurden. Bedauerlicher Weise trübten sich die alten freundschafllichen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland mehr und mehr, panslavistische Hetzereien und geheime Zettelungen, die in der Fälschungs-Affaire der Bismarck-Depeschen gipfelten, trugen das chrige hierzu bei und auch der Besuch Kaiser Alexanders III. in Berlin hat an dem bedauerlichen Stande der Dings nichts geändert. Um so fester steht das deutsch-österreichische Bündniß da, welches durch die Einbeziehung Italien» einen markanten Machtzuwachs erhielt; indessen hat Deutschland durch da« neue Sep- tennatrgesetz wie durch das neue Landwehr- und Landsturmgesetz deutlich zu erkennen gegeben, daß es nöthigenfalls ganz aus eigener Kraft feindliche Angriffe zurückzuweisen wissen wird. Werfen wir nun den Blick zunächst auf das uns so treu verbündete Oesterreich-Ungarn, so sehen wir, daß dasselbe ebenfalls den drohenden Zettoerhältniffen Rechnung zu tragen wußte. Die diesmal in Wien versammelt gewesenen Delegationen bewilligten in patriotischer Einmüthigkeit bedeutende außerordentliche Kredite für die Verstärkung der Schlagfertigkeit de» Heeres und daß das Donaureich alle Ursache hat, fortgesetzt auf dem militärischen: „Halt, wer da?" zu stehen, beweist der Zwischenfall wegen der russischen Truppenansammlungen an der galizischen Grenze. Dieselben haben zwar keine besondere Gegenmaßregeln Oesterreich-Ungarns hervorgerufen und sind auch inzwischen von Petersburg aus in Halbweg befriedigender Weise erklärt worden, jedenfalls beweist aber der Zwischenfall, wie sehr sich für unser« österreichischen Verbündeten Wachsamkeit an seinen Ostgrenzen empfiehlt. In den inner-österreichischen Angelegenheiten markirte sich der Austritt der deutsche» Abgeordneten aus dem böhmischen Landtage als einen Beweis sür den fortglimmenden Nalio- nalitäten-Zwist in Böhmen, sonst trat aber der Oesterreich durchwühlende unglückselige Nationalitäten - Hader während des zur Rüste gehenden Jahres nicht so schroff, wie früher hervor. Von den Czechen wurde in Sachen der oielberufene» Mittelschul-Angelegenheit ein heftiger Ansturm gegen den Unterrichts-Minister v. Gautsch infcenirt, indessen von dem fich für solidarisch erklärenden Ministerium Taaffe entschieden zurückgewiesen. Italien, die dritte im Bunde der Friedensmächte, sah im vergangenen Jahre in Folge der das englische Prestige am Rothen Meere so schrecklich erschütternden Vorgänge bei Saati und Dogali eine Ministerkrtfis. Dieselbe ward durch die Reconstruction des Ministeriums Deprelis, in welches die bis- herigen Oppositionsführer Crispi, Saracco, Zanardelli und Viale eintraten, beseitigt. Nach dem Tode Depretis', einem Ereigniß, welches zu einer großen nationalen Trauerfeier führte, übernahm Crispi die Leitung des ital:em,chen Ministeriums und unter feiner Minister-Präsidentschaft hat der »peninuenstaat nach Innen wie Außen bereits neue Fortschritte zu verzeichnen. In letzterer Beziehung ist namentlich der Anschluß Italiens an die deutsch - österretchische Allianz und die energische Foctsetzut'g seiner Colonialpolit'ck durch die neue Afrika«Expedition hervorzuheben. Im Vatikan vollzieht sich zum diesmaligen Jahreswechsel die Feier des sünfzigjähi igen Priester-Jublläums Papst Leo XIII, unter der lebhaften Thesi- nähme der gesammten katholischen Christenheit, Die auswärtige Politik des EzarenreicheS ward auch in dem ablaufenden Jahre hauptsächlich durch die bulgarische Frage beeinflußt, ohne daß es den russischen Staatsmännern gelungen wäre, dieselbe für die LnfchautMgen Rußlands wesentlich günstiger zu gestalten. Die inneren Angelegenheiten Ruß- landS wurden zumeist durch den Machtstreit zwischen GierS und dem Panslavisten- Führer Katkow beherrscht, der eigentlich erst mit dem Tode Katkow « seine Erledigung gefunden hat. Viel Aufsehen erregte der noch nicht ganz aufgeklärte Attentats versuch gegen den Czaren im Parke von Grischina, während auch bei dem Aufenthalte Alexander HL im Lande der dänischen Kosaken ein Mordanfall gegen den Czaren geplant gewesen sein soll. Im Urbrigen waren NuMsten- processe, Studenten-Unruhen, Zollerhöhungen, DeutschenoerfolgiriWN — in dm Ostsee-Provinzen — und Ausweisungen ausländ.scher llnterthanen charakteristisch- Erscheinungen für die inneren Verhältnisse Rußlands. Sehr eigenthümlich nahmen sich im Jahre 1887 auch die inneren Zustände Frankreichs aus. Die finanzielle Krists und dis ewigen Partei-Jntriguen führten zum Sturze des Ministeriums Goblet und ward letzteres durch das Ca- binet Rouvier ersetzt. Unerhörte Scandal-Affairen, die auf den Fäulnißproceß, an welchem die franzöfische Republik krankt, ein Helles L.cht warfen, führtenu« einer weit ernsteren Krisis, die schließlich nicht nur den Rücktritt des Ministeriums Rouvier, sondern auch den des Präsidenten Grevy veranlaßte. Des Letz- teren Stelle nahm Sadi Carnot ein und nach längerem Bemühen gelang es demselben, ein neues Ministerium unter dem Vorfitze Tirard's zu bilden; ihre Lebensfähigkeit wird die neue Regierung indessen erst noch zu beweisen haben. Für die Fortdauer des Revanche-Gedankens jenseits der Vogesen zeugten die Boulanger-Demonstrationen und die Probemobrlifirung eines Armee-Corps; doch muß aberkannt werden, daß Frankreich in den großen Fragen der europäischen Politik eine gewisse Reserve beobachtete. Die letzte der Großmächte, England, nahm in den continentalen Fragen im Allgemeinen ebenfalls eine reservirte Stellung ein, doch lehnte sich in der bulgarischen Affaire England offenbar an den Dreibund an. Mit Rußland ver- einbarte England einen Ausgleich in den centralastatischen Händeln, wahrend er zügle!ch Conventionen mit der Pforte wegen Egyptens und mit Frankreich wegen der Neuen Hebriden und der Neutralisation des Suez-Kanals obfchloß. Im Innern trat im Cabinet Salisbury durch die Ersetzung Churchill'« durch den Unionisten Goschen eine bemerkenswerthe Veränderung ein. In Irland blieb fich die Lage ungeachtet des schärferen Vorgehens der Regierung gegen die Anhänger Parncll's gleich und will eine Besserung der dortigen Verhältnisse noch immer nicht eintreten. In der Hauptstadt London fanden bedenkliche socianstifche Unruhen und Kundgebungen der Arbeitslosen statt. Das 50jährige Regierung«- Jub läum der Königin Victoria ward im ganzen britischen Weltreiche festlich begangen. Wir kommen zum Schluß zu den europäischen Staaten zweiten und dritten Ranges. In Dänemark brachte das abgelaufene Jahr eine Wiederholung des alten Kampfes zwischen dem Ministerium Estrup und der radikalkn Parkei. In Schweden trat noch gegen Ende des Jahres eine noch ungelöste Ministerkrifis ein.; Belgien und die Schweiz beschäftigten fich vor- wiegend mit Rüstungsfragen; in Holland ward die Verfaffungs-Reoiston durchführt; in Spanien ward eine revolutionäre Bewegung entdeckt und niedergeschlagen; in Portugal fanden der Regierung günstige Neuwahlen zur Deputirtenkammer statt. Von der Balkan-Halbinsel find als die wichtig- strn Ereignisse die Wahl des Prinzen Ferdinand von Coburg zum Fürsten von Bulgarien und die hiermit zusammenhängende Bildung des Ministeriums Swmbuloff. sowie die Ersetzung des Ministeriums Garaschanin in Serbien durch da» Ministerium Ristics zu verzeichnen. Deutschland. Berlin, 28. December. Die „Magd. Ztg." schreibt: Die Weihnacht«- berichte aus San Remo heben als das Erfreulichste an der Festfeier hervor, daß das Befinden de» Kronprinzen ein ganz vorzügliches war. Die von Deutschland und England eingegangenen Erweisungen zarter Aufmerksamkeit find kaum zu zählen; ihren Zweck haben fie erreicht, denn ste haben den hohen Patienten um der Gestnnung willen, die aus ihnen sprach, in die beste Stimmung versetzt. Angesicht» der übereinstimmenden Kundgebung innigster Verehrung und Liebe werden in San Remo gegentheilige Bestrebungen, fie mögen Formen irgend welcher Art annehmen, mit vornehmer Gelassenheit übersehen. Der Kronprinz und seine Gemahlin wissen nicht erst seit heute, wie fich ganz bestimmte Kreise und Personen zu ihnen stellen, und es wäre in der Villa Zirio als befremdlich empfunden worden, wenn gewisse Unterströmungen aufgehört hätten, fich bemerkbar zu machen. Man ist an versteckte Befehdungen und doppelzüngige Nachreden gewährt, und wie diese kleinlichen Dinge in früherer Zeit nie vermocht hatten, auch nur eine Meinungsäußerung zu veranlassen, so bleiben fie jetzt vollends außer Betracht. Als gewichtiges Material zur Beurtheilung von Menschen und Verhältnissen behält das Vorgefallene feinen Werth, mag hinterher auck Jeder, der an den kleinlichen Hin- und Herzerrungen beiheiligt war, versichern, er sei unbetheiligt gewesen oder gar, er wisse von nichts. — Nach den Andeutungen, die vom Staatsiecretär im Reichejustizamte, Dr. v. Schelling, bereits in der vorigen Session gemacht wurden und die auch in den Erläuterungen zum Etat der Reichsjustizverwaltung für das Jahr 1888 bi« 1889 eine Bestätigung fanden, wurde vielfach angenommen, daß der von der Commission zur Ausarbeitung eines bürgerlichen Gesetzbuches fertiggestellte Entwurf noch im Verlaufe dieses Jahres im Druck erscheinen würde. Diese Erwartung hat fich nicht erfüllt und wird in den wenigen Tagen, dis vom alten Jahre noch übrig sind, auch wohl schwerlich in Erfüllung gehen. Die generelle Revision, die nach den Erläuterungen des dem Reichstage jetzt vorliegenden Etat» noch übrig bleiben sollte, scheint danach langsamer von statten gegangen zu sein, als angenommen wird. Man wird indessen nach den Ferien, bei der zweiten Lesung iea Etats, Veranlassung nehmen, vom Herrn Staatssecretär v. Schelling genauere Angaben über den nunmehr in Aussicht genommenen Zeitpunkt für die Veröffentlichung des ersten Entwurfs zu erbitten. Berlin, 29. December. In Betreff der Theilnahme des Prinzen Wilhelm an der Versammlung beim Grasen Waldersee Ichreibt die „Poft": Das, was in der Presse glaubhaft über die Auslassungen des Prinzen Wilhelm bezüglich der an seine Person sich anknüpfenden öffentlichen Diskussion verbreitet wird, bestätigt vollinhaltlich unsere Ausführungen vom 24. d. Mt». Nichts habe ihm — so wird berichtet — ferner gelegen als die Parteinahme für eine politische oder kirchliche Richtung. Er sei peinlich berührt davon, daß er in das Partetgetriede hineingezogen worden sei. Gerade Rücksichten der letztgedochtcn Art waren es, welche uns bewogen haben, so lange als möglich Zurückhaltung zu beobachten. Erst als aus zahlreichen Einzel- Wahrnehmungen unabweisbar der Schluß gezogen werden mußte, daß die klerikalckonser- vattve Partei, insbesondere die Richtung Stöcker, die Person des Prinzen Wilhelm genau in derselben Weise als Vorspann für ihre Partcizwecke mißbrauchen will, wie dieS seitens der deutschffreisinuigen Partei mit seinem erlauchten Vater geschieht, als selbst kaum mehr daran zu zweifeln war, daß, als man Prinz Wilhelm für die Stadtmission interessirte, in der Hauptsache der Zweck verfolgt wurde, für die Fruklificirung seines Namens in majorem gloriam jener Richtung dle Möglichkeit zu gewinnen, haben wir unsere Abneigung gegen eine Betheiligung an der öffentlichen Diskussion überwunden und alsdann uniere Meinung mit der gewohnten Deutlichkeit ausgesprochen. Denn es kann in einer Zeit voll äußerer und innerer Gefahren nichts im monarchischen Interesse Bedenklicheres geben, als wenn das Königshaus in das politische Parleigetriebe hinetngezozen, als wenn man die künftigen Träger der Krone als Träger oder Schützer einer politischen oder kirchlichen Partei darstellen, ihre Namen und ihre Autorität |ür spectfische Parteiinteressen mißbrauchen will. Dank der königstreuen Gesinnung unseres Volkes ist es ohne Zweifel ein mächtiger Hebel für die Bestrebungen einer politischen Partei, wenn sie dieselben an den Namen eines Erben der Krone Preußens und des Reiches anknüpfen kann; diesem aber und dem Katserhause kann kein schlechterer Dienst erwiesen werden, als wenn man sie zu Schirmern einer einseitigen Partetpolitik und selbst einer solchen extremster Richtung in der öffentlichen Meinung zu stempeln sucht. Nicht nur schädlich, sondern geradezu verwerflich ist es, wenn dies, wie bezüglich des Kronprinzen und seines Sohnes, ohne thatsächliche Unterlage und selbst wahrheits- widrig geschieht. Am moralisch verwerflichsten aber ist ein solcher Mißbrauch von Seiten einer Richtung, welche die königstreue und monarchische Gesinnung vorzugsweise im Munde führt und sich mit einem besonders hohen Maße derselben brüstet. Ein solches Gebahren geht noch weit über jenes Wort: „Und der König absolut, wenn er unseren Willen thut" hinaus. Es ist ein Akt der schlimmsten Heuchelei, daß man die Nothwendigkeit mit Emphase betont, das Königthum gegen den Anarchismus zu vertheidigen und sich eine Art besonderen Vorkämpferthums in diesem Kampfe vin- dicirt, zugleich aber die Autorität und das Vertrauen thatsächlich erschüttert, indem man das Königshaus als Deckung für die eigenen Partei- und Herrschastsgelüste mißbraucht. Gegen einen derartigen Mißbrauch mit aller Entschiedenheit Front zu machen, ist die Pflicht jedes Mannes von aufrichtig ivyalistischer Gesinnung. Gerade die Interessen der Monarchie und des Königshauses erheischen gebieterisch, daß demselben rechtzeitig uud wirksam gesteuert wird. So weit ersichtlich, dürfte diese Wirkung für jetzt nach allen Richtungen erreicht sein; es wird hoffentlich unnölhig sein, auf dle Sache zurückzukommen. Karlsruhe, 29 December. In Folge des eingetretenen Eisganges wurden heute die Eiseubahn-Schlffbrücken bei Maxau und Speyer abgeführt. Ter Bahnverkehr nach der Pfalz wird über Germersheim vermittelt. (F. Z.) i Kesterreich. Budapest, 29. December. Auf den ungarischen Staatsbahnen ist in Folge der Schneefälle der gelammte Personenverkehr von hier aus eingestellt. (F. Z.) Isrankreich. Pari-, 29. December. In politischen Kreisen herrscht im Gegensatz zu den Börsenkreisen eine optimistische Stimmung über die politische Lage vor. Man glaubt an die Friedensliebe Rußlands. Die „France" versichert aber, Frankreich werde Rußland nicht allein lassen, wenn es gezwungen sein würbe, mit Deutschland und Oesterreich gleichzeitig Krieg zu führen. (Fr. Ztg.) Italien. Rom, 27. December. Gestern Morgen überreichte der Herzog von Norfolk dem Papste die Geschenke der Königin Victoria: Einen großen Goldpokal mit Schale zum persönlichen Gebrauche des Papstes beim Lesen der Messe. Beide Objecte sind eine Copie des im Schlosse von Windsor befindlichen Pokals und Schale und sind in Hautrelief ausgeführt. Der König von Württemberg überschickte dem Papste ein in Gold und Silber nach dem persönlichen Entwürfe deS Königs ausgeführtes Kreuz; der Herzog von Cumberland überschickte einen kostbaren Reliquienbehälter; der Präsident der Vereinigten Staaten von Venezuela überschickte einen goldenen mit Edelsteinen verzierten Becher; der Präsident der Republik von Ecuador eine prunkvolle, mit Rubinen, Saphiren und Smaragden verzierte Urne aus Bergkrystall. Die vatikanische Palastwache schenkte einen silbernen ciselirten Thron mit der Statue Leo'S XIII. darauf, der mit der Tiara und den Pontificalgewändern den Segen ertheilend dargestellt ist. Als Geschenkgeberin hat sich auch Die Mutter des Bulgarenfürsten, Prinzessin Clementine, eingefunden. sie spendete einen Keich mit der stolzen Widmung: „Eine Tochter des heiligen Ludwig dem Nachfolger des heiligen Petrus". Rom, 29. December. Die vatikanischen Blätter veröffentlichen eine Encyclica des Papstes an die bayerischen Bischöfe, ein langes Schriftstück, das mehr allgemein historisch-scholastisch als konkret gehalten ist. Ter Papst erwartet darin von der politischen und religiösen Gesinnung des Prinzregenten, als des Erben der Herrschaft und der Gesinnungen Maximilian's I. und II, daß er die Kirche im Sinne jener beiden Herrscher fördern und die Schwierigkeiten htnwegräumen werde, auf die die Kirche thatsächlich gestoßen sei. Je mehr die Angelegenheiten der Kirche gefördert würden, desto patriotischer würden die Katholiken, die die Majorität der Bevölkerung Bayerns blldeten, ihre Pflichten erfüllen. (F- Z-) „ Rom, 29. December. Heute traf hier Graf Brühl-Pforten mit einem Glückwunschschreiben des deutschen Kaisers an den Papst ein. Herr v. Schlözer erwartete ihn am Bahnhof. — Einige Blätter melden, daß sich der Papst müde fühle und vielleicht T>ie Jubiläumsmesse verschieben werde.(F- Z-) Lelegravhiskhe -Depeschen. Wolss'S telegr. Eot^svvtrdenr-Kurea«. Berlin, 29. December. Se. Majestät der Kaiser empfing im Laufe deS Vormittags den militärischen Vortrag durch den Kriegsminister und durch den Obersten v. Brauchitsch vom Militärcabinet. Um 1 Uhr machte die Kaiserin, um IV« Uhr der Kaiser eine Spazierfahrt. Um 3 Uhr empfängt der Kaiser den Prinzen Joseph Windischgrätz. — Gestern Abend war eine kleine Theegesellschaft, zu der auch der Minister v. Maybach und Graf Radolinski eingeladen waren. — Nach den nunmehrigen Bestimmungen findet am Neujahrstage bei Ihren Majestäten um IOV2 Uhr Gottesdienst statt, um llVi Uhr kommen die Glieder der königlichen Familie zur Gratulation, um 1IV« Uhr die Hofchargen und Flügeladjutanten, um 12V« Uhr die aktiven Generäle, die Commandeure der Leibregimenter, um 1 Uhr die Minister und Präsidenten des evangelischen Oberktrchenraths und um l8/« Uhr bi* anwesenden Botschafter. Berlin, 29. December. Ein hier eingetroffenes, von den Aerzten Mackenzfi Schrader, Krause und Hovell unterzeichnetes Bulletin aus San Remo von früh 7 Uh 25 Min. sagt: „Die zuletzt aufgetretene Wucherung am linken Taschenbande hat »ich weiter um sich gegriffen, sondern sich in Geschwürflocke umgewandelt, welche sich zr benarben beginnt. In der Nähe derselben bleibt eine dauernde Verdickung des Taschenbandes, sowie eine Neigung zur Schleimabsonderung, welche jedoch auch im Nachlassen begriffen ist. Das Allgemeinbefinden Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen ist, wie schon immer seit Wochen, durchaus befriebigenb. Crefeld, 29. December. Das Rheintrajekt Griethausen-Welle der Strecke Cleve- Zevenaar iit wegen Eisganges auf unbestimmte Zeit tür den Verkehr gesperrt. Die Rettend n nach und von Holland rnüsten die rechtsrheinische Bahnstrecke Köln-Ober- hausen-Zevenaar oder die Strecke über Nymwegen benutzen. Hirschberg i. Schl., 29. December. Seit gestern Abend herrschen hier heftige Schncestüruie mit bedeutendem Schneefall. Die Eommunikatton in der Stadl und mit der Umgegend ist wegen meterhohen Swnees sehr erschwert. Der Bahnverkeür auf der Strecke nach Breslau stockt. Der Frühzug von hier sitzt in Jaunowitz fest, der Zug von Breslau, welcher um 9 Uhr 48 Minuten früh hier eintreffen sollte, befindet sich noch in Merzdorf. Die Richtung nach Görlitz ist vorläufig mit großen Verspätungen noch frei. Würzburg, 29. December. Landtagswahl für Würzburg Stadt. Zu dem heute anberaumten 11. Wahlgange erschienen die liberalen Wahlmänner nicht und es kam daher Mangels Anwesenheit von zwei Ditttheilen der vorhandenen 90 Wahlmänner eine Wahl nicht zu Stande. Die Wahl ist nunmehr auf unbestimmte Zeit vertagt. Paris, 29. December. Der neue englische Botschafter Lord Lytton überreichte dem Präiloenlen Carnot heule sein Beglaubiguligsschreiben. — Aus dem Südosten Frankreichs wird große Kalte gemeldet; in Bar- celonette (Departement Basses Alpes) fiel der Thermometer 25 Grad, in Nizza hat es geschneit. Belgrad 29. December. Ta die Radikalen auf die Demission des Ministers des Innern, Milojkovtc, drängten, das Cabinet aus Solidaritätsrücksichten diese Forderung entschieden zurückwtes'und in Folge dessen das liberal-radikale Bündniß unter Umständen gelöst wurde, welche jede Annäherung dieser beiden Parteien unmöglich gemacht, überreichte Ristic die Demission des Cabtnets. Der König nahm dieselbe an und beauftragte das bisherige Ministerium mit der Fortführung der Geschäfte bis zur Bildung des neuen Cabtnets. Lokales. Gießen, 31. December. [Theater.] Unsere Lustspiclfreunde werden die neueste Erscheinung des Herrn Franz von Schönt Han, das ganz allerliebste Stück „Goldfische", welches am zweiten Neujahrstag über unsere wellbedeutenden Bretter gehl, mit wahrem Vergnügen begrüßen. Der gefeierte Dichter, welcher bereits in seinem berühmten „Krieg im Frieden" das flotte Offiziersleben auf die Bühne brachte, hat in seinem neuesten Werke „Goldfische" wiederum einen der liebenswürdigsten Offiziere der deutschen Armee gezeichnet. Und um diesen schneidigen Lieutenant gruppiren sich eine Schaar der reizendsten Mädchen, welche in allerhand drollige ©eenen verwickelt, dem Stücke den Charakter eines wirklich seinen Lustspiels verleihen. Da unserem Publikum „Der Stabstrompeter" so außerordentlich gefallen hat, so wird die Theaterdirection am ersten Neujahrstage ein Schwesterstück dieser lustigen Posse zur Aufführung bringen, nämlich den Nachfolger des „Stabstrompeter", genannt „Der Waldteufel", welcher in Berlin Hunderte von Malen mit sensationellem Erfolge gegeben wurde. Da viele Abonnenten ihre Btllets bereits verbraucht haben, so wollen wir darauf aufmerksam machen, daß für den Rest der diesjährigen Tbeatersaison noch ganze und halbe Abonnements in der W. Ferber'schen Buchhandlung ausgegeben werden. Gegen Ende Januar wird uns die Rudolph'sche Gesellschaft bestimmt verlassen, da dieselbe contractlich verpflichtet ist, um diese Zeit die Vorstellungen im neuen Unions-Theater in Göttingen zu beginnen. @ « ui« i H t i A Mainz, 28. December. Aus der ganzen Umgegend laufen Meldungen über durch den Schneefall verursachte Verkehrsstörungen ein. Die Züge der Rheinischen Bahnen, der Nahebahn und der Riedbahn treffen alle nur mit sehr großen Verspätungen ein. x Die Verwaltung der Ludwigsbahn mußte heute Morgen auf verschiedene Strecken Reservemaschinen senden, um die eingeschneiten Züge flott zu machen. — Den verurtheilten Mainzer Socialisten ist heute die ablehnende Entscheidung des Reichsgerichts über ihr Revtsionsgesuch zugestellt worden. — Die hiesige Strafkammer oerurtheilte heute einen Ackersmann, Jakob Blaß von Gau-Wembeim, wegen fortgesetzter körperlicher Mißhandlung seines 81jährigen Schwiegervaters zu 3*/s Monat Gefängniß. Der nette Schwiegersohn hat den alten Mann, der seine ganze Habe dem Unhold schon abgetreten, fast tagtäglich mit Peitsche und Mistgabel traettrt. — Der im vorigen Jahre gegründete Erziehungsverein für Hessen hielt heute hier seine erste Generalversammlung ab, welcher als Ehrenmitglied auch Bischof Dr. Haffner anwohnte. Aus dem erstatteten Geschäftsbericht geht hervor, daß der Verein 356 Mitglieder zählt. Als Redner traten Lehrer Schorn und Dr. Selbst auf. Der Erstere schilderte die Pflichten der Eltern, Schule und Kirche in der Erziehung der Jugend und erging sich des Längeren über das Verhällniß der genannten Factoren bei der Jugenderziehung, der Letztere entwarf eine Biographie von dem Leben und dem Cbarakter des Pädagogen Carberg. Den Schluß der Versammlung bildet die Aus- loosung der Vorstandsmitglieder. — Laut Mittheilung des „M. I." sind dermalen in Hessen noch 16 katholische Pfarreien zu besetzen, welche eben durch Pfarrverwalter paftorirt werden. In Rheinhessen 5, in Starkenburg 9 und in Oberhessen 2. Wie das genannte Blatt mittheilt, herrsche noch eine große Priesternoth und fehlten in der Diöcese noch 36 Priester. A Mainz, 29. December. Der Rhein geht feit heute Morgen mit starkem Treibeis. An den flachen Ufern unterhalb der Stadt und auf der Jenseits haben sich bereits große Eisflächen gebildet und ist es für die Trajcctboote schon mühsam, sich durch das Eis zu schaffen. Die größte Kälte in verflossener Nacht herrschte gegen Uhr, um welche Zeit man im Freien 16 Grad Reaumur beobachtete. A Mainz, 29. December. Bei der bevorstehenden Feststellung des städtischen udgets wird von der Bürgermeisterei beantragt werden, für die Folge den 3 Beiordneten eine jährliche Nepräsentationsgebühr von je 1200 JL auszuwerfen. Seither 00 nur der Oberbürgermeister eine solche Gebühr im Betrage von 3000 Mit .cksicht auf die ständige Heranziehung der Beigeordneten zu allen möglichen Veranstaltungen, die nennenswerthe Ausgaben verursachen, glaubt die Bürgermeisterei obigen Antrag vor den Stadtverordneten rechtfertigen zu können. — Alle anderen Fragen, welche je nach der treibenden Kraft eine mehr oder minder lebhafte Bewegung in den Versammlungen und Gemüthern der Jünger Mercurs । während der letzten Jahre hervorgerufen haben und welche in der Fachpresse eifrig «hu ,ro,orbcil s^, wie Arbeitsbauer, Sonntagsfeier, KündigungsverhäUniß. Rechts- ,chuy, Lehil ngsfrage, ^ortbildungswesem kranken-, Sterbe-, UnfaUfaffen, Versicherung Ä*ßen SnimliMtat und Stellenlosigkeit, Wittwen- und Waisenversorgung, so zeitgemäß ihre Erörterung und so wunschenswerth auch ihre Verwirklichung größtentheilS erscheinen mag, stehen an Bedeutung weit hinter der der Stellenvermittelung zurück, weil auf ihr w erster Linie bte Existenz beruht. Von einer den Ansprüchen der Jetztzeit angepatzten Vermittelung für den stellefuchenden Kaufmann muß gefordert werden, daß sic auf die vrelfach herrschende Rothlage bei Normirung des Einschreibgeldes Rücksicht nimmt und daß dieses nur für eine Dauer gefordert wird, rnnerhalb deren sich der Stellenwechsel in der Regel vollzieht, daß sie dem Engagcmenlsuckendcn durch zahl- reiche Vacanzen jeher Art Aussicht für baldiges Unterkommen bietet und daß die Gebühr für Besorgung einer Stelle dem Placirten keine drückenden Opfer auferleat. Jrur bann kann allmalrg der Freibeuterei der unreellen Vermittelungsagenten über bereu unqualiftärbareS Treiben vielfach bie Tagespressc berichtet, ein Riegel vor- gefchoben werden. — Es will uns fchcinen, als wenn der Kaufmännische Verein in Frankfurt a. M., dessen erfolgreiche Thätigkeit in Bezug auf Stellenvermittelung hlnretchend bekannt ist, durch fein kürzlich revidirtes Statut dem gekennzeichneten Beburfmß in weitestem Umsange Rechnung getragen hätte, wenn er von dem Bewerber um eine Stelle für drei Monate nur das bescheidene Honorar von 2 50 4 fordert und erst nach Vermittelung eines Engagements den Beitritt zum Verein auf die Dauer von 2 Jahren bedingt. Landwirthschaftliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) — sDer Beginn der Gemüsetreiberei.j Jetzt, Ende December, ist der Zeitpunkt gekommen, mit der Treiberei verschiedener Gemüse zu beginnen. Als solche nennen mir in erster Linie Carotten. ES ist ein Vorurtheil, zu glauben, daß die im Mistbeete getriebenen frühen Carotten nicht denen im freien Lande gezogenen gleich kämen sie übertreffen, wenn zur Treiberei geeignete Sorten gewählt wurden und sonst richtig versahren wurde, an Zartheit und Feinheit des Geschmacks die im freien Lande gezogenen. Hierzu kommt noch, daß die getriebenen Carotten naturgemäß einen wett höheren Marktwerth haben und schon aus dem Grunde die Treiberei der Carotten da ein lohnendes Geschäft ist, wo auf leichten Absatz zu rechnen ist, also immer in der Nähe der Städte. Zur Treiberei geeignete Carolten sind die Carentan- und die Douwicker Carotte, deren Samen in jeder größeren Handlung zu haben sind Rur Treiberei benutzt man ein frisch eingerichtetes Mistbeet, dessen Mist nach dem Abdampfen gut festgestampfl ist. Erde giebt man etwa 10 Zentimeter hoch auf de» Mist, säet dann, nachdem die Erde ein wenig festgedrückt ist, die Carotten aus und bedeckt die Samen leicht mit Erde. Der Mistbeetkasten ist dann wie gewöhnlich zu behandeln bei zu erwartendem Frost sind die Fenster 'Nachts zu bedecken, namentlich aber ist öfter zu lüften, damit der Dunst entweichen kann, versäumt man dies, so wird man mehr Kraut als Carotten ernten. Bei mildem Wetter kann man sogar Nachts etwas Luft in den Kasten lassen. Auch ist immer für eine gleichmäßige Feuchtigkeit, am besten durch Gießen mit erwärmten Wasser, zu sorgen. Da die Carotten nur langsam wachsen, so empfiehlt es sich, zur besseren Ausnutzung des Mistbeetes eine Zwischenfrucht zu säen. Dazu eignen sich Radieschen und Salat. Beide sind später natürlich in einen anderen Kasten zu piquiren, wenn sie die ersten Triebe zeigen. Die Kästen, in die sie ausgepflanzt werden, brauchen indeß nicht frisch angelegte, warme Kästen zu sein. Sonst ist die Behandlung der Radieschen und des Salats nach dem Auspflanzen dieselbe. Sie müssen auch mit lauwarmem Wasser gegossen werden. Nach der Herausnahme der Zwischenfrucht, deren Anbau sehr zu empfehlen ist, entwickeln sich bann bte Carotten bei sorgsamer Pflege, wozu, wir betonen es nochmals, oftmaliges Lüften gehört, allmälig; ein im December angelegtes Beet liefert gewöhnlich Enbe März, Anfang April brauchbare Carotten. Kirchliche AuzeiHe« der «ieOeu. Evangelische Gemeinde. _ Gottesbien st. Samstag, ben 31. December: Abenbs 6 Uhr: Sylvestergottesbien st, Pfarrer Dingeldey. Sonntag, ben 1. Januar 1888: Vormittags 9'/r Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser. Nach beiben Gottesbiensten Kollekte für bie Armen ber Gemeinbe. Am Donnerstag, den 5. Januar, Abenbs 8 Uhr: Missionsstunbe in der Kirche, Pfarrer Schlosser. Am Sonntag, den 8. Januar, wird das Landes-Missions fest gefeiert und dabei eine Kollekte für bie äußere Mission erhoben werden. An demselben Sonntag findet Beichte und heil. Abendmahl im Abendgottesdienst statt. Die Pfarrgeschäfte in ber Woche vom 1. bis 7. Januar besorgt Pfarrer Schlosser. Katholische Gemerrrde. Am Sylvester-Abenb um '/,6 Uhr: Anbacht und Predigt. Neujahrstag. Von 7 Uhr an Beichte. Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Kommunion. „ VilO Uhr: Hochamt und Predigt. „ 2 Uhr: Andacht. Nach dem Gottesdienste ift^eine Kollekte zur Aufbesserung des Armenfonds. Gottesdienst in der Synagoge. Freitag Abend 4W Uhr, Samstag Morgen S3* Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 511 Uhr. Allkstholischer Gottesdienst. Durch plötzliche Verhinderung des Geistlichen kann ber am 1. unb am 2. Januar angefünbigte altkatholische Gottesbienst nicht ftattfinben unb muß auf einen späteren Sonntag und Montag aufgeschoben werben. Allgemeiner Anzeiger. Alice-Schirle für Frauenbildrmg und Erwerb eröffnet am 9. Januar 1888 den im Herbste bereits annoncirten Bügelkursus. Auskunft ertheilt und Anmeldungen nimmt entgegen Gießen, im December 1887. 9564 Der Vorstand. 9566[ Suche Logis nebst Lager oder Kellerräume. Bevorzugt wird etwab, waS später käuflich übernommen werden kann. Off. sub X. an die Exped. d. Bl. 9571 Ein Mitltser zum Frankfurter Journal wirb in ber Neustabt ober Reichen- sand gesucht. Näheres bei Frau Petri auf dem Seltersweg, ber Ausgabe bes Journals. Gratulationskarten in eleganten Ausführungen. 9428 Gratulationskarten mit Ansichten von Giessen Postkarten „ ...... Witzkarten in reicher Auswahl Photographien und Albums von Giessen und Umgegend en,pfiehlt Brngl Balger, 9559] Eine freunbl- Wohnung mit 5 Zimmern unb Zubehör zum 1. April von einem auswärtigen Beamten zu iethen gesucht. (Sef- Offerten an die Exp. b. Bl. erbeten. | 9568 In ein hiesiges ^menbesatz- ; geschäft wird eine LadMrtn unb ein i Lehrmädchen sofort gesMt. | Off. an bie Expeb. d fBI^unter Nr. 9568- Infolge Stadtverordmtenbeschlusses soll für unser Bureau eintüchtigerSchreibgehilfe baldigst angenommen werden. Derselbe muß eine geläufige Handschrift besitzen und sollte möglichst im Rechnungswesen einige Gewandtheit haben. Als Anfangsgehalt sind JC. 600 vorgesehen Selbstgeschriebene Meldungen sind innerhalb 8 Tagen auf unserem Bureau einzureichen. Gießen, 28. December 1887. Städtisches Gas- u Wasserwerk Gießen. 9537 Otto Bergen. Jeikgevotenes. Carl Sdjwaah’s Delieateffen- handlung empfiehlt zu Neujahr: Arrac-Purrfch Rum-Punsch Burgunder Purrsch in feinen Qualitäten. Arrac-Rum und Cognac in allen Preislagen. Billige, feine und aller- feinste deutsche Weißweine und französ. Rothweine. 14 Sorten selbst iurpor- tirte spanische Roth- und Weißweine. Große Auswahl in deutschem u. französtschem Champagner. Depots und Lager der Schaumweinkellerei Feist Söhne, Frankfurt a. M. und der Champagnerfabrik Schloß Rheinberg, Geisenheim, zu Origtnalpreifen. 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Pietsch sNchrungsberg) empfiehlt sich in der Anfertigung aller Arten Herren-, Damen- und Kinderstrümpfe, Socken, Beinlängen, Knieftaucheu, Unterjacken re. Anstrichen von Strümpfen und Socken. Antonie Fuhr, geb. Leo. bei II. Schmidt II., | Grünbergerstraße. 1 Fechtverband Giessen. Sylvesterabend 8 Uhr r Abend - Unterhaltung im Rheinischen Hof. NB. Die Fechtschulen pro 1888 sind an- gekommen und können beim Bcrbands- rechner, Herrn Weiler, Schulstr. 5, in Empfang genommen werden. 9567 1 7908 Stellensnchende jeden Berufs placirt schnell Heuler** Bureau i Dresden, Reitbahnstr.25. T ödes-Anzeige Theilnehmenden Freunden und Bekannten die schmerzliche Mittheilung, dass unsere innigst gehebte Gattin, Mutter, Grossmutter und Schwiegermutter Fran Rechtsanwalt Briei, geb. Metzler, heute Nacht 1/2^ Uhr in ihrem 82. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Giessen, den 29. December 1887. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Infolge Verfügung Großherzoglicher Bürgermeisterei machen wir hiermit bekannt, daß gemäß § 1 der „Bestimmungen über die Anlage der HauSeinrichtuugeu zur Benutzung des städtischen Wasserwerks zu Gießen" die nachstehend bezeichneten Geschäftsinhaber sich im Besitze der zur Anlage von HauSwafferleitungen nöthigen Einrichtungen, insbesondere einer Probirpumpe nebst Manometer, befinden und daß die Genannten das betreffende Regulativ zum Zeichen der Anerkennung unterschrieben haben Herr Konrad Hamel, Asterweg, Wilhelm Hamel, Bleichstraße, Chr. Rosenberg, Seltersweg, Heinr. Schaffstaedt, Bahnhofstraße, Peter Walter, Kaplansgaffe, Jermietyungen. 9261 Ein Logis frei. «. Elsoffer. Coursbericht Oer frankfurter Börse. Reichsbank-Disconto 3% 29. December 1887. Franks. Bank-Dtsconto 3% 3 schwere Arbeitspferde mit Geschirr, sowie 3 zweispännige und 2 einspännige Wagen, ferner 3 Brodwagen, ein- und zweispännig gefahren, sowie übercompletes Pferdegeschirr verkauft aus der Hand 9562 Karl Müller. Mühlhof b. Ltßberg, _ben 29. December 1887.______ Schellfische 8520] Laden zu oermiethen _____________ Wallthorstraße 6. 9162 Einer meiner Lüden zu oer- miethen.S. Elsoffer. Vermischte Anzeigen. Zasclineide-Unterricht im Kleidermachen, Maaßnehmen, Freihandzeichnen, sowie Richten uno Raffen der Costüme nach neuester engl. und franz Methode. Elegante Fa?on und gutsitzende Taillen zugesichert. Auch werden Costüme, Paletots, Schlafröcke, Kinderkleider u. s. w. nach Bestellung prompt angefertigt. Der Cursus beginnt am 2. Januar und können Theilnehmer Anfang jeden Monats eintreten. Auf Wunsch Pension im Hause. Achtungsvoll [9411 Johanna Vogel, Modes, Sonnenstraße 3 (Kanzletberg) parterre. 4°/o Preußische Consols 106.40 3V3% do. 100.20 4% Nassauer Oblig. — 4% Bayerische Oblig. 105.20 4% Badische Oblig. 104.40 4% Hessische Oblig. 104.90 4% Franks. Hypothbk.-Pfandbr. alte 100.80, Neue 102.20 3‘/a°/o do. 97.30 4i/a°/o Franks. Landwsch. Creditbk.- Obltg. 102.60 4% Hamb. Hypothbk.-Manbbr. 102.*) W/o do. 97.20 5% Buderus Oblig. —— 3VzO/g Solms-Brau nf. Oblig. — 4% Gießener Oblig. 103.90 4% Oesterr. Goldrente 85 70 41/s°/o Oesterr. Silberrente 62.40 5o/o Portugiesen Oblig. 94-00 Darmst. Bank-Actien 132.20 Geldsorten» 20 Francs-Stücke 16.09-16.12 do. in Vi 16.06-16.10 Engl. Souvereigns 20.26—20.31 Dollars in Gold 4.16—4.19 soeben öjngetroffen bei 9573 Medacstvn: A. Scheyda. Ferd. Drebes,' Marktplatz 21. 9565 Ein Lvagner-Geselle auf sofort gesucht von Carl StorkX Rodhcim a. d. Bieber. ------M-----—-- Telegraphischer CourSbericht der Berliner Börse vom 30. December 1887 186-50 89.10 77.10 91.75 429.00 340.75 77 50 74.00 bereits vor Disconto-Com-Antheile Laura-Actien 4% Ungar. Goldrente 5®/0 Gemischte Russen Die an dieser Stelle sicherungen _ des Botschafters - Drnck «nd Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Di, heutige Nummer enthält 1 Blatt uod 1 Beilage Oesterr. Creditactien Oesterr. Staatsbabn-Actien 1880 40/0 Russen Oblig. 4% unif. Egypter Oblig. ... einigen Tagen erwähnten friedlichen Ver- - --- r—'T--"-? Schuwaloff werden jetzt auch officios bestätigt, was zu enormen Kaufen des Publckums Anlaß bietet.