Pr. 22S Mittwoch den 28. iLeptember 1887. Siebener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureaur Schulstraße?, u—i ........... — Erscheint täglich mit Aufnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher HHeiü Kriegsgerichtliches Erkeuutnift. Durch-kriegsgerichtliches unterm 12. September d. I. bestätigtes Erkenntniß vom 2. September d. I. ist der Musketier Adolf Krämer der S. Kompagnie Infanterie-Regiments Nr. 116, geb. am 20. Juni 1864 zu Gießen, sowie der Füsilier Wilhelm Schnepp der 9. Kompagnie desselben Regiments, geboren am 23. Februar 1861 in Gießen, Kreis Gießen, in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und jeder in eine Geldstrafe von 200 Mark verurthellt worden. t Darmstadt, den 24. September 1887. Gericht der Großherzoglich Hessischen (25.) Division. Politische Ueberficht. Gießen, 27. September. Der Erlaß der Ausführungs-Bestimmungen zum Branntweinsteuer-Gesetz durch den Bundesrath gestaltet sich allgemach zu einer brennenden Angelegenheit. Am kommenden Samstag tritt das Gesetz in Kraft, aber noch sind die Ausführungs-Bestimmungen nicht erlaffen, während über den vom preußischen Finanzminister verfaßten Entwurf derselben sich Producenten wie Händler der Interessentenkreise mit wachsender Unzufriedenheit äußern. Die Brenner sind der Meinung, daß durch den Grundgedanken des Entwurfes, wonach die Steuerabfertigung des Spiritus in erster Linie zu dem Abgabensatze von 50 Jt zu bewirken ist, sich eine Preisbildung ergeben werde, welche die den Brennern seitens des Gesetzes zugedachten Vortheile illusorisch machen dürste. Anderseits besürchten auch die Branntwetnhändler von den Aussührungs- Bestimmungm zu dem Branntweinsteuer-Gesetz in ihrer jetzigen Gestalt bedeutende Schwierigkeiten für das Spiritusgeschäst und find die Händler zur Wah- rung ihrer Jntereffen beim Bundesrathe dahin vorstellig geworden, daß die Versteuerung zu dem einheitlichen Satze von 70 JL erfolge. Jedenfalls wird sich der Bundesrath nun endlich entscheiden müssen. Die bayerische Abgeordnetenkammer erledigt bis jetzt ihre Arbeiten, ohne die Zeit mit ödem Parteigezänk zu verlieren. In der Freitagssitzung wurde der Gesetzentwurf, betr. Abänderung der Verfassung, ohne besondere Debatte einem Ausschuß überwiesen und alsdann die Vorlage über den Ausbau der strategischen Bahnen nach ebenfalls unerheblicher Discusfion in erster Lesung angenommen. Den Kaiser-Manövern in Ungarn find Kaisertage in Siebenbürgen gefolgt- Am Freitag traf Kaiser Franz Josef, von Deva kommend, in der Comitats-Hauptstadt Klausenburg ein, von der Bevölkerung begeistert empfangen. Die Begrüßungs-Ansprache des Metropoliten Roman gab dem Monarchen zu einer bemerkenswerthen Erwiderung Anlaß, in welcher er betonte, jede Confefsion ohne Unterschied habe fich von politischer Agitation fernzuhalten und solle die Geistlichkeit ihren Einfluß im Volke nur zur Pflege wahrhaft nationaler Tugenden benutzen. Im Lager der französischen Royalisten hat das Manifest des Grafen von Paris eine begreifliche Bewegung hervorgerufen. In der Provinz wird von den Anhängern des Prätendenten ein förmlicher Adreffensturm orga- nisirt, um dem Grafen von Paris die Zustimmung seiner Getreuen zu seiner jüngsten Kundgebung auszudrücken. Es verlautet bis jetzt noch nichts davon, daß die französische Regierung dieser Bewegung entgegensetzen fei, man darf aber überzeugt sein, daß sich das Ministerium Rouvier die royalistische Agitation gewiß nicht über den Kops wachsen lassen wird. Die abermalige Schnäbele-Assaire wird von der Pariser Presse im Allgemeinen sehr ruhig beurtheilt und findet man, daß es fich hierbei im Grunde genommen, nur um einen Dummen-Jungenstreich handelt. Nur die prosessto- nellen Hetzblätter, wie z. B. die „France", suchen die Verhaftung von Schnäbele jun. zu einem politischen Ereignisse ersten Ranges auszubauschen, ohne indessen hiermit besonderen Eindruck beim Publikum zu erzielen. Was mit Schnäbele jun. geschehen wird, ist noch ungewiß; das Wahrscheinlichste ist, daß die deutschen Behörden den grünen Jungen mit einem paffenden „Rüffel" wieder laufen lassen werden. Der sprüchwörtlich gewordenen „polnischen Wirth sch ast" könnte man getrost eine „spanische Wirthschaft" zur Seite stellen. Wenigsten« scheinen in den spanischen Kolonien nette Zustände zu herrschen; so sollen mehrere Soldaten der Besatzung auf den Palaos-Jnseln, der westlichen Abtheilung der Karolinen, verhungert sein, weil es der Gouverneur der Karolinen einfach — vergessen hat, rechtzeitig Proviant nach dieser entlegenen Inselgruppe zu senden! Die ministeriellen Madrider Blätter leugnen zwar, daß so etwas vassirt fei, aber das republikanische „Manifest de Cadix", welches das sonderbare Geschichtchen zuerst brachte, hält seine Nachrichten vollständig aufrecht. Merkwürdig ist nur, daß auch Niemand aus der näheren Umgebung des Gouverneurs der Karolinen fich der Besatzung der Palaos-Jnseln erinnert haben sollte. In England wendet sich das politische Interesse dem Processe O'Brien zu, welcher in voriger Woche in der durch die neulichen blutigen Unruhen bekannt gewordenen irischen Stadt Mitchelstown begonnen hat. O'Brien steht unter der Anklage, die Pächter zum Widerstande gegen die Staatsgewalt aufgereizt zu haben und kann der Proceß unter Umständen einen unangenehmen Ausgang für ihn nehmen. Zahlreiche irische Deputirte, unter ihnen auch Dillon und Pickersgill, sind in Mitchelstown eingetroffen, wodurch der Proceß gegen O'Brien eine erhöhte politische Bedeutung gewinnt. Es sind seitens der Behörden alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um etwaigen Unruhen der National - Liga anläßlich des Proceffes O'Brien sofort energisch entgegentreten zu können. Die Araber am oberen Congo scheinen der Regierung des Congo- staates das Leben sehr sauer zu machen. Sie haben vor einiger Zeit die wichtige Station „Stanleysälle" überfallen und sich darin festgesetzt, um gelegentliche Raubzüge von hier aus in den Congostaat zu unternehmen. Die Regierung beffelben ernannte nun den bekannten Araber-Häuptling und Sclaven- Häuptling Tippu Tip zum Gouverneur dieser Station, aber die dortigen Araber weigern sich, Tippu Tip in seiner neuen Eigenschaft anzuerkennen und wollen ihn nicht hereinlaffen. Die Congo-Regierung wird also die Araber im Besitze der Stanleysälle-Station laffen und froh fein müssen, wenn dieselben nicht weiter am Congo herabdringen._____________________________________________________ Deutschland. Darmstadt, 26. Septbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 22. September den Landgerichts-Secretär Dr. Max Mayer zn Darmstadt zum Secretär des Vereins zur Unterstützung und Besserung der aus den Strafanstalten Entlassenen zu ernennen; am 24. September den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I Eberhard Weller zum Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, ferner: mit Wirkung vom 1. October 1887: den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach, Dr. Wllhelm Berchelmann, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß-Gerau, Dr. Emst Werke, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Schotten, Eduard Wei big, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Vilbel, den Gerichtsaffeffor Ludwig Gottwerth aus Darmstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß-Gerau und mit Wirkung vom 2. October 1887 den Gerichtsaffeffor Karl Ta sch 6 aus Gießen zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Herbstein zu ernennen. Stuttgart, 26. September. Ein Telegramm der Königs an Bismarck bei dessen Minister-Jubiläum lautet nach dem „Staats-Anzeiger": „Ich kann mir nicht versagen, Ihnen, hochverehrter Fürst, Glück zu wünschen zu dem Doppel-Jubiläum, welches Sie In diesen Tagen feiern. Möchte Ihnen stet- treue Anhänglichkeit zu Thell werden in Anerkennung der Verdienste um Kaiser und Reich in so schweren Zeiten." Der Reichskanzler erwiderte: „Ew. Majestät bitte unterthänlgst, für da» huldreiche Telegramm ehrsurchtvollsten Dank in Gnaden entgegennehmen zu wollen." Kesternich. Toblach, 26. September. Die Kronprinzesstn reist mit ihren Töchtern am Dienstag ober Mittwoch nach Venedig ab und der Kronprinz ist gestern Vormittag nach Triest gereist; Mackenzie begleitete den Kronprinzen ein Stück und ging Nachmittags nach Meran. Sara, 25. September. Zu Ehren des Mlttelmeer-Gefchwaders gab die Stadt gestern ein Fest, das glänzend verlief und mit der englischen Nattonal- Hymne eröffnet und beschloffen wurde. Belgien. Brüssel, 26. September. „Etoile belge" vernimmt, die Regierung werde die Initiative für eine Gesetzes-Vorlage ergreifen, wodurch die Einjührung der persönlichen Dienstpflicht und die Errichtung zweier weiterer Artillerie* Regimenter beantragt wird._________________________________________________ Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondeuz-Bureau. Baden-Baden, 26. Sept. Se. Majestät der Kaiser ist heute Vormittag 91/« Uhr im besten Wohlsein hier eingetroffen und auf dem Bahnhofe, wo der Kaffer von Brasilien zum Empfang anwesend war, von dem preußischen Gesandten v. Eisendecher und von den Spitzen der Behörden begrüßt worden. Die Kurkapelle spielte bet der Ankunft des Zuges die Nationalhymne; den ganzen Weg vom Bahnhofe bis zum Meßmer'schen Hause entlang hatten sich die Schulen und alle Korporationen und Vereine mit ihren Fahnen zum Empfang aufgestellt. Sr. Majestät wurden vielfach Blumenspenden dargebracht, die gesammte Bevölkerung begrüßte Se. JJiaieftat mtt begeisterten Zurufen. Die Stadt hatte festlichen Flaggenschmuck angelegt. Karlsruhe, 26. September. Zur Verhinderung des Mißbrauchs des Namenz „Rothes Kreuz" nahm die Conferenz den Vorschlag des belgischen Counts s mit de^ Amendement Knesebeck dahin an: Die Conserenz spricht den Wunsch aus, in jedem zur Genfer Convention gehörigen Hause möge eine Gesellschaft vom „Rothen Kreuz" bezeichnet werden, der allein das Recht zustehe, das Veretnszeichen zu führen. — Hinsichtlich der Errichtung von Museen für Ambulenzenmaterial beauftragte die Con- fermz das Genfer ComitS mit einer Enquete und mit dem Berichte an die nächste Conferenz. @$ren foer Conferenz vom „Rothen Kreuz" fand im Hoftheater eine Festvorstellung (Lohengrin) statt. Rach der Vorstellung empfingen das Grotzh. Paar die Theilnebmer der Conferenz im Foyer. Danzig, 26. September. Bet Koppalin (Halbinsel Hela) ist gestern in Folge schweren Sturmes die deutsche Barke „Helene" aus Stettin, nach Memel bestimmt, gestrandet und total zerschlagen worden. Von der Mannschaft wurden 7 Personen gerettet, ein Mann ist ertrunken. Kolmar, 26. September. Einer Depesche des Generalprokurators in Nancy zufolge ist an der Grenze bei Verincourt ein französischer Bürger getödtet, ein anderer verwundet worden. Von deutscher Seite wurde eine genaue Untersuchung angeordnet. Es verlautet, ohne daß Genaues festfteht, ein auf der Jagd unmittelbar an der Grenze befindlicher Franzose habe, von dtesiettigen Förstern angerufen, nicht geantwortet. Die Förster hatten Wilddiebe vermuthet und ihre Waffen gebraucht, wobei ein Jäger am Bein verwundet, ein Piqueur getödtet wurde. Straßburg, 26. September. Authentische Meldungen bezüglich des Zwischenfalles an der Grenze bestätigen, daß der zum Forstschutz kommandtrte Jäger die Schußwaffe gebrauchte, da er einen Wilderer vor sich zu haben glaubte, welche wegen der Jagd auf das Hochwild in dortiger Gegend sehr zahlreich sind und gegen das Forst- personal sehr verwegen und schonungslos austreten. Straßburg, 26. September. Nach eingegangenen weiteren Nachrichten heißt der zum Forstschutz kommandtrte Soldat vom Jagerbataillon in Zabern, welcher am Samstag vom Donou auf deutschem Boden aus mehrere Schüsse abgegeben hat, Kaufmann, der getödtete Franzose heißt Brignon und ist aus Raon l'Etape, der Verwundete soll der Cavallerie-Lieutenant v. Wangen aus Luneville sein. Wo letztere gestanden haben, als die Schüsse abgegeben wurden, ist bis jetzt nicht bekannt, ebenso wenig die näheren Umstände. Die Grenzlinie ist da, wo der Vorgang sich zutrug, sehr winkelig. Wien, 26. Sept. Der hygienische Kongreß ist heute durch den Kronprinzen Rudolf feierlich eröffnet worden. Nach einer Ansprache des Präsidenten des Organi- sationscomite's ergriff Kronprinz Rudolf zu nachfolgender Rede das Wort: „Dem Präsidenten, der soeben freundliche Worte an mich gerichtet, herzlich dankend, bitte ich die Versicherung entgegenzunehmen, daß ich es mir zur Freude und Ehre anrechne, an der Spitze des Kongresses zu stehen. Das kostbarste Kapital der Staaten und der Gesellschaft ist der Mensch; jedes einzelne Leben repräsentirt einen bestimmten Werth; diesen zu erhalten, ihn bis an die unabänderliche Grenze möglichst intakt zu bewahren, ist ein Gebot der Humanität und auch Aufgabe aller Gemeinwesen. Der Einzelne, wie groß auch die ihm zu Gebote stehenden Mittel seien, um das eigene Wohl zu schützen, bleibt doch machtlos gegenüber den nachtheiligen Einflüssen, die uns alle umgeben ; hier muß daher gemeinsames Wirken helfen. Dieser großen Aufgabe dient die auf wissenschaftlicher Grundlage fußende, von der Demographie unterstützte Hygiene. Ueberblicken wir die Referate der einzelnen Berichterstatter dieses Kongresses, so erstaunen wir, daß diese Wissenschaft alle Bereiche umfaßt: Haus, Schule, Produktion, Krieg, Stadt, Dorf, Verkehr und Industrie. Die Theilnahme fo illustrer Vertreter aller Nationen und Staaten ist ein Beweis von der wahrhaft internationalen Bedeutung der Hygiene. Es erfüllt mich mit wahrer Genugthuung, Sie in dieser Stadt zu begrüßen, welche der Mittelpunkt reger, wissenschaftlicher Arbeit und ernsten Forschens ist. Namens des Kaisers erkläre ich den Congreß für eröffnet." Paris, 26. September. Flourens empfing Nachmittags den Botschafter von Münster und theilte demselben das bisherige Resultat der französischen Erhebungen wegen des Zwischenfalles an der Grenze mit. — Den Abendblättern zufolge erhielt der französische Vertreter in Berlin den Auftrag, der deutschen Regierung Mittheilung über die Vorfälle, sowie über den Fortgang der französischerseits angestellten Untersuchung zu machen. — Der „Temps" sagt, die öffentliche Meinung würde Unrecht haben, sich allzu lebhaften Eindrücken wegen des Ereignisses an der Grenze hinzugeben; es könne sich dabei zweifellos um ein Uebermaß im Dienste handeln, indeß erscheine es nothwendig, solchem Uebermaß vorzubeugen, indem die Regierungen die Dienstanweisungen milderten und nur fähige, umsichtige Beamte für solche Stellungen wählten. London, 26. September. In Fermoy, Grafschaft Cork (Irland) wurde eine Volksmenge, welche eine Rede des Abgeordneten Tanner hörte, von der Polizei mit Stöcken angegriffen; 14 Personen wurden verwundet und mehrere Polizisten durch Steinwürfe verletzt. Die Polizei wurde gestern Abend aus Mitchelstown verstärkt. Die Volksmenge griff dieselbe heftig an und zertrümmerte die Fenster des Hotels, wo der Richter wohnte. In Folge der drohenden Haltung der Menge schritt die Polizei ein. Mehrere Personen wurden verwundet. — Wie die „Times" erfährt, hat die englische Regierung im Einverständniß mit der kanadischen Regierung beschlossen, eine Subvention für die Herstellung eines monatlichen Postdampferdienstes zwischen Vancouver auf der einen und China und Japan auf der anderen Seite zu bewilligen, wodurch ein neuer Verbindungsweg zwischen England und dem fernep Osten hergestellt werden soll. Mitchelstown, 26. September. Nach seiner Freilassung war O'Brien nach Limrick abgereist, wo er die Nacht verblieb. Gestern früh kehrte er nach Mitchelstown zurück, jedoch auf Umwegen, um nicht in die Hände der Polizei zu fallen. Dann hielt O'Brien eine Rede auf einem verbotenen, aber dennoch bet Mitchelstown im Hause eines Pächters abgehaltenen Meeting. Das Haus war gegen Polizisten verbarrikadirt. O'Brien sagte, die Versammlung sei einberufen, um die Unmöglichkeit zu beweisen, die Liga zu unterdrücken, ohne die irische Nation einzukerkern. Der Redner tadelte die Richter und die Polizei und forderte zur Mäßigung auf, um der Polizei keine Gelegenheit zum Angriffe zu geben. O'Brien drückte Vertrauen zu Gladstone und zum englischen Volke aus, welches ihm während der Haft große Beweise seines guten Willens gegeben habe. Nichts könne der steigenden Fluth der englischen Sympathie für Irland widerstehen. O'Brien schloß mit der Aufforderung, Meetings abzuhalten, trotz Militär und Polizei. Rom, 26. September. Die „Riforma" sagt: Die Depesche des Königs vom 20. September, die Antwort auf ein Telegramm des Bürgermeisters von Rom, drücke die Politik aus, welche die italienische Regierung bereits bei anderen wichtigen Gelegenheiten befolgte und zweifellos auch bei dem demnächstigen Papstjubtläum befolgen werde. Bei dem Tode Pius IX. vollzog sich Alles ordnungsgemäß, weil beide Parteien ihre Pflicht mit Verständniß und Liebe gethan. Das müsse auch diesmal geschehen. Wir machen schon jetzt das Publikum hierauf aufmerksam, weil uns scheint, die klerikale Presse wage sich auf ein Gebiet vor, wo es der Regierung unmöglich wäre, sie vor- schreiten zu lassen. Solche Freiheit würde zu einer Erniedrigung Roms führen, welches der König als unantastbar und als die Hauptstadt eines freien, starken Königreichs bezeichnete. Die Regierung werde nicht gestatten, daß der ruhige Verlauf der Feier im Vatikan gestört und nach der Feier die Störung zum Vorwande antinationaler Kund- gemacht w«de. Man müsse auf die Weisheit des Papstes rechnen, welcher 1878 selbst die Weisheit der italienischen Regierung würdigte. Kopenhagen, 26. September. Der König wohnt Mittwoch dem Manöver beirr wird vom Kronprinzen, dem Könige von Griechenland, dem russischen und griechischen Kronprinzen begleitet. w w , ,, Madrid, 26 September Es bestätigt sich, daß auf der zu den Karolinen- inseln gehörigen Insel Ponape ein Auf stand der Eingeborenen gegen die Spanier ausgebrochen ist Die Besatzung der Insel beträgt nur 50 Mann. Die Eingeborenen ermordeten den Gouverneur und verwundeten einen anderen Officter; Über das Schicksal der übrigen Mannschaften ist noch nichts bekannt. Bombay, 26. September. Zufolge einer Depesche des Bureau Reuter aus Kabul vom 16. dss. Mts. begab sich Abdullah Khan Btrjandi, der Befehlshaber der Zamtndwar-Armee, mit 2000 Mann heimlich nach Staijaimani, um sich Ejub Khan anzuschließen; der Emir fet krank und außer Stande, sich von seinem Landsitze Vaa- haman nach Kabul zu begeben. b Straßburg, 27. September. sPrroatdepesche.j Die deutscherseits ein» , u Untersuchung wegen Erschießens eines Franzosen an der deutschen Greme Ck Betreten deutschen Gebiets Seitens der französischen Jägergesellschaft. ? h.Q- heutigen diesbezügl. Nachrichten unter den Wolff'schen Depeschen. Red.) v rßL die Die Nachsteuer von Branntwein. Von den Ausführungsbefttmmungen zu dem mit dem 1. October I . tretenden Gesetze, betreffend die Besteuerung des Branntweins vom 24? welche seiner Zeit im „Reichsameiger" veröffentlicht worden waren und üorauäftffi gegenwärtig dem Bundesrath des Deutschen Reiches zur Beschlußfassung vorli-n sind zunächst diejenigen über die Erhebung einer Nachsteuer von allgemeinerem weshalb es sich empfehlen dürfte, dieselben nach ihrem Hauptinhalt zur nnriV..E; ' Kenntniß der betheiltglen Kreise zu bringen. 8 D°riaufi0eR Der Nachsteuer von 0,30 Jü für den Liter reinen Alkohols unterließt aller im freien Verkehr befindliche inländische wie ausländische Branntwein in oder versetztem Zustande. Es gehören hierher: Spiritus, Liqueure, Punschess,« sonstige mit Ingredienzien irgend welcher Art vermischte geistige Getränke Obst wein, parfümirter Spiritus, Branntweinessenzen, Arrac, Rum und doannc ui Mischungen von Branntwein mit anderen Flüssigkeiten. ' ‘Oro*c Von der Nachsteuer bleibt befreit der Branntwein, welcher zu Heil-, wissenschaftlichen, Putz-, Heizungs-, Koch- oder Beleuchtungszwecken dienen zur Ausfuhr gelangen soll. In diesen Fällen hat eine sachgemäße steuerliche ßnntT? einzutreten und ist die Steuerbefreiung an eine bestimmte Frist gebunden. Die C liche Controle erstreckt sich auch auf den in Reinigungsanstalten befindlichen Brann? wein, welcher nach besonderen Bestimmungen zu behandeln ist. nni: Ebenso ist der bereits amtlich denaturirte und der nachweislich geaen der inzwischen eingestellten höheren Zollsätze eingeführte Branntwein von der steuer befreit und genießen die gleiche Begünstigung alle diejenigen Branntm-^ vorräthe, welche bei Gewerbtretbenden 40 Liter und bei Privaten 10 Liter rein* Alkohols nicht überschreiten. Bei größeren Vorräthen bleiben die gedachten Menaen gleichwohl steuerfrei. 0cn Die Anmeldung des nachsteuerpflichtigen Branntweins und die Entrichtung der Nachsteuer liegen dem Inhaber, bezw. bei dem auf dem Transporte befindlichen Branns wein, dem Empfänger desfelben ob und hat die Anmeldung unter Benutzung amtlich ausgegebener, doppelt auszufertigender Deklarationen spätestens bis zum 3. October 1887 bei der zuständigen Steuerhebestelle, nach Menge, wahrer Alkoholstärke und Aui- bewahrungsort zu erfolgen. Bet den mit Zucker versetzten geistigen Getränken braucht die Stärke nicht deklartrt zu werden. Von der Anmeldung sind die steuerfrei zu belassenden Mengen von 40 Liter, bezw. 10 Liter befreit, insofern die Vorräthe über diese Mengen nicht htnausgehen. Im anderen Falle ist der gesammte Vorrath einschließlich der steuerfrei bleibenden Mengen zu deklariren. Ebenso bleiben die Par- sümerien in kleineren Umschließungen von der Anmeldepflicht ausgeschlossen. * Die abgegebenen Deklarationen werden durch die nachfolgenden Revisionen auf ihre Richtigkeit geprüft. Die Betheiltglen haben hierbei den Revisionsbeamten die nöthigen Hilfsdienste zu leisten oder leisten zu lassen. Im Besonderen wird durch das Vorhandensein geaichter spundooller oder spundooll zu machender Gebinde, sowie geaichter Waagen und Alkoholometer, durch das zuvorige Ordnen der Flaschen und Gläser nach dem Inhalte und durch die Bereithaltung von Geschäftsbüchern und Fakturen das Revisionsgeschäft wesentlich gefördert werden. Die Reoisionsfeststellungen sind von den Betheiligten durch Namensunterschrift anzuerkennen. Die bekannt gegebenen Steuerbeträge sind, sofern nicht Stundung eintrttt, innerhalb 8 Tagen bei der Hebeftelle einzuzahlen. Die Nachsteuer kann auf Antrag des Zahlungspflichtigen, in der Regel gegen Sicherhettsbeftellung, jedoch nicht über sechs Monate, gestundet werden. Die Hinterziehungen der Nachsteuer (unrichtige Angaben Über die Menge und den Stärkegrad des Branntweins u. s. wJ oder sonstige Zuwiderhandlungen gegen die erlassenen Vorschriften werden nach Maßgabe der in dem neuen Branntwein- steuergesetz für die Hinterziehung der Verbrauchsabgaben festgesetzten Strafbestimmungen: geahndet. Lokales. Gießen, 27. September. Vergangene Nacht, kurz nach 2 Uhr, ertönte Feuer- allarm. In einem hinter der Berger'schen Gärtnerei an der Grünbergerstratze gelegenen Hause war im Dachstuhl Feuer ausgebrochen, welches sich rasch über denselben verbreitete. Der herbeigeeilten Feuerwehr gelang es, im Verlauf einer Stunde dasFcuec zu löschen, lieber die Entstehungsursache ist bis jetzt noch nichts bekannt. * Gießen, 27. September. Die Grummeternte ist vorüber und die Stadt hat allen Grund, mit dem Jahre 1887 zufrieden zu sein. Anders der Gießener Eisverein. „ Das Vereinsjahr ist zu Ende und die Kasse zeigt ein erhebliches Deficit dessen Höhe die an die Stadt zu zahlende Pacht von 200 JL noch etwas übersteigt Daß das Erträgniß der Wiesen, und ganz besonders jener, auf denen im Winter der G. E. V. sein Wesen treibt, ein so befriedigendes war, ist an und für sich schor, erfreulich, für die 1600 Mitglieder des G. E. V. aber um deßwillen noch mehr, wd' es die gänzliche Hinfälligkeit der leider immer noch nicht ganz ausgerotteten Ansicht erweist, als ob die allwinterliche Benutzung jener Wiesen als Eistetch deren Ertragsfähigkeit vermindere. Daß aber der populärste Verein Gießens, der bei einem jähr lichen Umsatz von nahezu 3000 JL etwa 2000 JL unter die Geschäftsleute der Stadt bringt und im Winter an sonst Beschäftigungslose über 1000 JL an Arbeitslöhnei auszahlt, daß dieser Verein mit einem Deficit schließt, das muß doch in hohem Maß- bedauerlich erscheinen. Hoffen wir. daß sich im kommendm Jahre trotz der steigender Anforderungen, die mit Recht an den G. E. V. gestellt werden, feine Lage günstige gestaltet und daß die Erkenntniß sich immer weiter Bahn bricht, wie nützlich für aü Schichten der Bevölkerung dieses Unternehmen ist und wie sehr es jede Art IhatkrSftige und wohlwollender Förderung verdient. Vermischtes. △ Aus dem Rheingau, 26. September. Nach längerer Unterbrechum wurden gestern in Biebrich wieder zwei Reblausherde entdeckt, der eine in bei Gärten des Hoftapeziers Holz in der Adolphstraße und der andere bei dem Küfer Ehrni am Friedhofsweg. Handel und Derkehr. . Gießen, 27. September. Auf dem heutigen Martt kostete: Butter per Mm JL 1.10—1.15, Hühnereier pr. St. 5-6 H, Enteneier St. 0—0 Käfe vr. St. 4-8-2 KLsematte 3-0 Erbsen pr- Liter 18 H, Linsen 28 H, Tauben per Paar 40 btt 55 H, Hühner per Stück 0.85-1.70, Hahnen pr. Stück JL 0.45-0.7(1 ®ntet Per Stück JL 1.30—1.80, Gänse per Pfund 00-00 Ochsenfleisch per >62J b. 64 H, Kuh- und Rindfleisch 54-56 .A, Schweinefleisch 54—60 H, Hammelfleisch 50 d»-. 62 Kalbfleisch 40—45 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 5.00—6.00, Milch per Liv' 12—18 H, Zwiebeln per Centner ** 5.00—6.00. Frankfurt, 26. Septbr. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger n. Wettera^ X 16,50-16,75, fremder JL 16,50-18,75, Roggen eff. hief. JL 13,00-00,00, fremd- 00,00—,00,00 Gerste effectiv hiesige und Wetterauer JL 15,00—17,00, freme X 00,00—00,00, Hafer eff. hief. JL 12,75—13,00, fremder JL 00,00-00,00. Frankfurt. 26. Septbr. Der heutige Viehmarkt war stark befahrem Auftrieben waren 499 Ochsen, ca. 41 Bullen, ca. 635 Kühe und Rinder, ca. 342 Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. JL 58-60, 2. Qual. JL 50-54, Kühe inö Rinder 1. Qual. JL 48 —52, 2. Qual. JL 40—46 per 100 Pfund Schlachtgewsie., Kälber 1. Qual. 45—50 H, 2. Qual. 40—45 H per 1 Pfund Schlachtgewrchtz Herborn (an der Köln - Gießener Eisenbahn), 26. Septbr. Auf den beunjn hiesigen Markt wurden gebracht 834 Stück Rindvieh und 907 Schweine. Der naant Markt ist am Montag den 14. November d. I., zugleich Flachsmarkt. Gottesdienst der israelitischen ReligionsgeseUschsfl. Dienstag Abends 5» Uhr, Mittwoch Morgen 7 Uhr. Ende der Tag-sf.sr 630 Uhr. Lieferung tum Mumpsühlen. Die Lieferung von Baumpfählen auf die nachstehenden Kreisstraßen soll im Wege schriftlichen Abgebotes vergeben werden; es werden erforderlich auf Strecke Kleinlinden—Lützellinden 91 Stück, Großenlinden—Lützellinden 58 „ Leihgestern—Steinberg 44 „ Watzenborn—G arbenteich 186 „ Grüningen—Langgöns 100 „ Reiskirchen—Hattenrod 220 „ Göbelnrod—Grünberg 42 „ Die Pfähle sollen 2,8 m Länge und 6—8 cm Durchmesser haben, und sind geschält, an den Enden gespitzt, unten überdies angekohlt bis längstens 1. November d. I. auf die betreffenden Strecken anzuliefern. Angebote auf die ganze Lieferung oder auf einzelne Strecken sind bis längstens 1. October d. I., Vormittags 10 Uhr, bei dem Unterzeichneten verschlossen einzureichen. Gießen, am 26. September 1887. Der Kreisingenieur: 7130 Gnauth. Mversteigerung7 Donnerstag, 29. September, von Vormittags 9 Uhr an soll das der Gemeinde Bersrod gehörige Obst, bestehend in Aepsel, Birnen und Zwetschen, meistbietend an Ort und Stelle versteigert werden. Die Zusammenkunft ist im Ort. Bersrod, den 26. Sept. 1887. Großh. Bürgermeisterei Bersrod. ___________Bocher._______7162 Mittwoch den 28. September, Vormittags 10 Uhr, wird in der Nenze! und May'schen Fabrik (Lohmühle) eine Parthie 7132 Nußkohlen gegen sofortige Baarzahlung versteigert. , Hoffmann, Konkursverwalter. 7193] Fr. Schellfische, Salm, ger. Lachs, Kieler Bücklinge, Wests. Pumpernickel, ächte Franks. Würstel empfiehlt C. G. Kleinhenn. Packkisten g billig abzugeben. Westanlage 15. Restauration Taunus, Brandgasse. Von heute an gutes Lagerbier _ im Zapf, Vr Liter 12 Pfennig. 7156 Löhr. Allgemeiner Anzeiger. Versteigerung eleganter Möbel. Donnerstag den 29. September, Nachmittags 2 Uhr W. A- M W iw* ■ ää Mß Iy M Ms. werden im Auftrag des Herrn Lach mann Bismarckstraße 6 nachbenannte Gegenstände versteigert nämlich: mehrere Silber- und Spiegelschränke, ChlffonierS, Wasch- und Nähtische mit Marmorplatten, ovale und runde Tische, Kommoden, Sophas, Etagöre, Spiegel, Vorhangs-Galerien, Teppiche, Porzellan- und Glaswaaren, Lampen, verschiedene Lüster, Secretär, l Garnitur in Fantafiestoff, (Chauseuse, 6 Stühle, 2 Sessel, Teppich, Tisch und 2 Schemel), mehrere hochfeine Betten mit Sprungfeder- und Roßhaarmatratzen, Gesindebetten, Waschbütten, Fäffer, Weißzeug, vollständige Küchenünrichtuna, Küchenschrank u. s. w. Sämmtliche Gegenstände sind nur kurze Zeit im Gebrauch, größtentheils wie neu. Die gröberen Gegenstände kommen von 3f/2 Uhr an zum Ausgebot. Nähere Auskunft ertheilt Taxator Louis Rothenberger, Neuenweg, der auch Aufträge entgegennimmt. Hoffmann, Ortsgerichtsmann. Ferner wird Donnerstag den 29. September, Nachm- 3 Uhr, ebendaselbst ein Haustelegraph versteigert. 6931 717o Zu verkaufen sind zwei hochfeine Bettstellen mit Sprungfeder - Rahmen (neu) durch H. Werner, Bismarckftraße 6. 6665] Einige gut erhaltene Ladcn- schränke sind billig abzugeben. Mäusbura 4 Julius Klipstesn, Lindenplatz Ausstattungen, ßettfedern und Daunen, Weisswaaren, fertige Betten. CO CD 6625 s s Cfi