-2 Donnerstag dm 28. Juli 1887. neljener Anzeiger Anüs- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. t 5 r I l I & S 2 S *■ il 0* Mureanr Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Nr. 27 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 21. d. M., enthält: sNc 1738) Gesetz, betreffend die Unfallversicherung der Seeleute und anderer bei der Seeschifffahrt betheiligter Personen. Vom 13. Juli 1887. Nr. 28 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 21. d. M., enthält: (Nr. 1739.) Gesetz, betreffend den Verkehr mit Ersatzmitteln für Butter. Vom 12. Juli 1887. Nr. 29 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 22. d. M., enthält: sNr 1740.) Gesetz betreffend die Anwendung abgeänderter Reichsgesetze auf landesgesetzliche Angelegenheiten Elsaß-Lothringens. Vom 7. Juli 1887. Gießen, den 26. Juli 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen. vr. Boek mann. Politische Uebersicht. Gießen, 27. Juli. Im Bundesrathe sind die Arbeiten ungeachtet der bis zum September Wählenden Vertagung des Plenums nicht gänzlich eingestellt, da die Ausschüffe von Z.it zu Zeit Sitzungen abhalten. Erst in voriger Woche fand wieder eine Ausschuß-Sitzung statt, in welcher die nicht unwichtige Vorlage über die Uri* urstützung der Familien der in den Dienst getretenen Mannschaften mr Vocberathung gelangte; über den Inhalt des Entwurfes verlautet jedoch nichts Specielleres. Im Uebrigen herricht in den innerpolitischen Angelegenheiten nahezu vollständige Ruhe, die sich schon darin widerspiegelt, daß von den Mitgliedern des preußischen StaalSministeriumS zur Zeit nur drei in Berlin uruvefend sind, nämlich der Cultusminister, Dr. v. Goßler, der Finanzminister, Zerr v. Scholz, und der Minister für Landwirthschaft, Dr. Lucius. Was i'peciell den Finanzminister anbelangt, so halten ihn die Berathungcn über die Kursührungs * Bestimmungen zum Branntweinsteuergesetz noch in der RcichS- Lrup'stadr zurück und werden dieselben wohl erst gegen Mitte August zum Ab- Wuß gelangen. Die Frage der russischen Werthe bildet noch immer ein vielerörtertes Tages-Thema, nur daß jetzt die Dlscussion hierüber in ein ruhigeres Fahrwasser seingelenkt ist. Die Abstoßung der russischen Werthe aus den Händen des deutschen Kapitals geht glatter vor sich, als erwartet worden war und wird ver- schert, daß die russische Regierung Finanzgruppen in Petersburg und Paris gewonnen habe, um die von dm deutschen Börsen abgegebenen Papiere auszunehmen und im Cours zu halten. Die Einlösung derselben durch das russische Finanzministerium soll bis diesen November erfolgen, gewiß ein sehr löbliches Vorhaben, ob daffelbe aber zur Durchführung gelangt, erscheint bei dem Stande der russischen Finanzen noch fraglich. Vor Allem muß da der Erfolg der An- ! leihe abzuwarten sein, die Rußland auf dem französischen Geldmärkte unter# bringen will, doch scheinen die bezüglichen Verhandlungen zwischen Paris und Petersburg noch nicht zum Abschluß gelangt zu sein. In den Wiener ossiciösen Kreisen versucht man, aus dem bekannten Gruße, welchen KaiserWtlhelm bei seiner Abreise aus Innsbruck dem Statthalter v. Widmann für den Ministerpräsidenten Grasen Taafse mitgab, Kapital zu schlagen und ihm eine tiefere politische Bedeutung zuzuschreiben. Die „Polit. Corresp." z. B. widmet dem Vorgänge eine eingehende Betrachtung, an deren Schluffe das allerwelts osfictöse Blatt zu der Ueberzeu- gunz gelangt, Kaiser Wilhelm habe durch seinen Gruß zu erkennen geben wollen, daß ec das deutsch-österreichische Bündntß als nicht im Geringsten durch die vom Grasen Taaffe eingeschlagene innerösterreichische Politik gefährdet erachtet. Nun, es ist gewiß, daß der Gruß, welchen der deutsche Herrscher dem leitenden österreichischen Staatsmanns hat übermitteln lassen, für letzteren eine ehrenvolle Auszeichnung ist. aber diese Kundgebung nun gleich für die flavophile Politik der Grasen Taaffe zu verwerthen, ist denn doch ein wenig stark. Dem österreichischen Ministerpräsidenten ist der Gruß Kaiser Wilhelms zu Theil geworden, wen ec sich wegen seiner persönlichen Eigenschaften der Sympathien des greisen Monarchen erfreut und weil ihn Kaiser Wilhelm als treuen Diener seines ^ouverains kennt- Wenn aber die „Polit. Corresp." in den Gruß des Kaiser- Wilhelm gar eine stillschweigende Anerkennung der Leitung der innerösterreichi# Angelegenheiten durch den Grafen Taaffe hineinprakticiren will, so ist das eine Absicht, die nur verstimmend wirken kann. In den maßgebenden Berliner Kleissn betrachtet man offenbar die Bedrückungen, denen das Deutschthum in ^erreich feit dem Beginne der Taaffs'schm Aera ausgesetzt ist, als ein ',K:äutlem-rühr-mich-nicht-an" für Deutschland und dies vom staatsrechtlichen Me politischen Standpunkte aus mit Recht, aber daß man in Berlin der Laaye'schen „Versöhnungs-Politik"' so sehr sympathisch gegenüberstehe, das glaubt die „Polit. Corresp." selber nicht I Die große Frage, welches französische Armee-Corps der Ehre der -vrobe-Mobilisirung theilhastig werden solle, ist jetzt im Allgemeinen beant- wortet: Wie die „Agence Havas" meldet, würden das 10., 11. und 12. Armee- ~orP$ zu dem Mobilisirungs-Versuche destgnirt werden. Das 10. Armee-Corps M seinen General-Commandositz in Renms, das 11. in Nantes und das 12. tar lr°öe8' 66 würde nur noch abzuwarten sein, welches der 3 Armee-Corps & ? mobilisirt werden soll. Der Mobilisirungs-Versuch wird also im Persien Westen Frankreichs vor sich gehen und für Deutschland entfällt somit le Aothwendigkeit, seinerseits besondere militärische Vorsichtsmaßregeln zu treffen, ^"Zweifelhaft geschehen wäre, hätten die Franzosen die „Probe" in die i ltzen Departements verlegt; auch so wird man deutscherseits noch ein scharses 9"f den französischen Mobilisirungs-Versuch haben, Ue&er den Stand der Cholera-Epidemie in ©teilten hat sich der italienische Telegraph bis jetzt, ausgenommen die ersten fluchtigen Andeutungen, hartnäckig „ausgeschwiegen." Nunmehr scheint es mit dem beliebten „Ver- tuschungs.Systeme" doch nicht mehr weiter gehen zu wollen; eine römische Depesche besagt, daß seit dem 17. d. MtS. in Catania täglich 15 bis 20 Personen an der Cholera erkrankt seien, am 20. ds. habe die Zahl der Erkrankten 25 betragen; auch aus Francoforte, Paterno (Palermo?) und Gtrgenti würden „mehrere" Cholerafälle gemeldet. Diese osficielle Mittheilung ist noch kärglich genug, denn über die Zahl der Todesfälle enthält sie kein Wörtchen; dafür erfährt man aber aus privaten Berichten, daß speciell in Catania, dem Haupt- seuchenheerd, die Zahl der Todesfälle an Cholera ungefähr die Hälfte der Erkrankungen beträgt und daß die Zahl der täglichen Cholera-Erkrankungen eine weit höhere ist, als nach den osfictellen Angaben. Man befürchtet, daß die Epidemie leicht nach Neapel überspringen könne und da Neapel in Folge Versiegens der städtischen Leitung schon seit Wochen an Wassermangel leidet, in Folge dessen Krankheiten drohen, so fände hier die Cholera einen nur zu günstigen Bo^en. Das bekannte Rundschreiben des Cardinal-Staatssecretärs Rampolla an die päpstlichen Nuntien, in welchem das Festhalten an der Forderung, betr. die Wiederherstellung der weltlichen Souveränität des Papstes, so energisch betont wurde, wird jetzt von dem „Osservatore Romano" als keineswegs für die Oeffentlichkeit bestimmt bezeichnet. Vielleicht ist diese post festum kommende Erklärung des osfictellen vatikanischen Organs mit dazu bestimmt, den befremdlichen Eindruck, den dis entschiedene Sprache Rampolla's an den europäischen Höfen gemacht, etwas zu verwischen; übrigens erfährt man aus den weiteren Erklärungen des „Offerv. Romano", daß Rampolla auf birecte Initiative des Papstes bin handelte. ____________________ Deutschland. Homburg v. d. H25. Juli. Ihre Maj. die Kaiserin ist heute Abend 9 Uhr 50 Min. hier eingeltoffen und begab sich vom Bahnhose im offenen Wagen durch die reichqeschmiickten Straßen nach dem Schlosse. Berlin, 26. Juli. Die „Polit. Nachrichten" bemerken zu der von den Blättern erörterten Frage, ob Schuwaloff während seines jüngsten hiestgen Ausenthaltes mit Finanzkretsen in persönliche Beziehungen getreten, um beruht« gende Versicherungen über die russische Finanzpolitik zu geben, daß die Frage müßig sei. Wäre Schuwaloff in der Lage gewesen. Mittheilungen von that- sächlichem Werthe über die russische Finanzlage zu machen, so würde er dieselben in politischen Kreisen zur Sprache gebracht haben. Daß ein Botschasler in privater Unterhaltung nicht anders als beruhigend über die Finanzlage der von ihm vertretenen Lander sprechen könne, sei selbstredend. Westerland auf Sylt, 25. Juli. Staatrminister o. Puttkamer ist mit Familie heute Nachmittag zu mehrwöchentlichem Kurgebrauche hier einge- troffen. Der Minister wurde an der Landungsbrücke van dem Landrathe. dem Hardesvogte und dem Badedireetor begrüßt. Arankreich. Paris, 25. Juli. Jules Ferry hielt gestern in Spinal eine Rede, in welcher er sagte, man müsse die Fortschritte loben, welche die Armee seit 17 Jahren unter der thätigen Leitung der jeweiligen Minister, welche nicht für sich, sondern für das Vaterland arbeiteten, gemacht hätte; man müsse aber die Absicht, die Dienstzeit zu verkürzen, tadeln. Frankreich bedürse nicht einer Nationalgarde, sondern einer Defenstv-Armee. Es fei anzuerkennen, daß die Armee sich stets von der Politik fern gehalten habe. Diejenigen müßten getadelt werden, welche die Regierung anklagten, daß sie antinational fei, nur weil sie nicht an die Stelle der überlegten freien Action der öffentlichen Gewalt eine Action Der Massen, welche nicht zur Verantwortung gezogen werden könnten, treten lassen wolle. Anstatt die Republik zu verschließen, solle man sie lieber allen Männern, welche guten Willen zeigten, öffnen. Was Frankreich in den Augen Europas am meisten schade, seien die inneren Spaltungen und das Hervortreten einer gouvernementalen Anarchie. Die Republik stehe für etne Einigung aller Republikaner und aller Franzosen unter der Fahne des Z5aiet* lanbes offen. _ __ - Telegraphische Depeschen. Wolff s lelcgr. Korrespondenz -»«reaa. »astein, 26. Juli. Der Kaiser nahm heute Morgen ein Bad und mach daraus eine Spazierfahrt aus dem Böcksteiuwege, Paris, 26- Juli. Die Regierung beschloß, der Kammer nach deren Wieder- zusammenlrilt ein Gesetz, betreffend die Beendigung der großen Arbeiten an der Seine in Havre, vorzulegen. Die Kosten hierfür betragen 100 Millionen Francs, welche von der Handelskammer Havre beschafft oder vorgestreckt werden sollen. — Nach Anordnung der Regierung soll das Theater „Gatte" provisorisch der Komischen Oper zur Benutzung überwiesen werden. Petersburg, 26. Juli. Heute Mittag fand im Beisein des Kaiserpaares auf der hiesigen Marinewerft der Stapellauf des Panzerschiffes „Alexander II." statt. Das Schiff faßt 8440 Tons, führt vierzehn schwere Geschütze, darunter zehn Hotchkis- fanonen. ___________________________ Gegen das Trinkgeld. (Eine Reisepredigt.) Ein Deutsch-Amerikaner, welcher nach mehreren Jahrzehnten wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, hat sich jüngst über die in Deutschland inzwischen immer schlimmer gewordene Unsitte des Trinkgeldergebens bitter beschwert und versichert, daß ihm und vielen Amerikanern dadurch das Reisen in Deutschland ganz verleidet werde. In Amerika sei diese Unsitte fast überall verschwunden. Man würde dort selbst ein Dienstmädchen durch das Anerbieten eines Trinkgeldes beleidigen. Es seien ihm Fälle bekannt, daß sich Dienstmädchen bei ihrer Herrschaft über Gäste, welche Trinkgelder anqeboten, bitter beschwert hätten. Nur auf einer amerikanischen Eisenbahn sei das Trinkgeldgeben an Schaffner und andere Angestellte noch üblich gewesen. Darüber habe sich jedoch das Publikum und die amerikanische Presse so beklagt, daß die betr. Eisenbahngesellschaft kürzlich unter Erhöhung der Gehalte und Löhne der Angestellten das Trinkgeldnehmen streng untersagt und auch das Aufhören der Unsitte dadurch bewirkt habe. Die Sitte des Trinkgeldgebens an Kellner haben wir Deutschen von den Franzosen und Oesterreichern angenommen. Die Engländer und Amerikaner sind darüber meist empört und halten das Trinkgeld für eine Herabwürdigung des Trinkgeld- nehiners. Im Grunde ist es auch eine Beleidigung des Wirthes und Gastgebers, von dem man doch voraussetzen sollte, daß er seine Angestellten anständig bezahlt und nicht auf Trinkgelder vertröstet. Unser wirthschaftltches Leben wird durch den Grundsatz von „Leistung und Gegenleistung" beherrscht. Der Wirth leistet dem Gaste Speisen und Getränke, Raum und Bedienung und der Gast har die Speisen und Getränke mit einem Aufschlag für Mitgewährung von Raum und Bedienung zu bezahlen. Das Trinkgeld verstößt ganz gegen den sonst doch überall herrschend werdenden Grundsatz der festen Preise. Wo der Kellner auf Trinkgeld angewiesen ist, wird dem Gaste ein in's Belieben gestellter Zuschlag zugemuthet. Kellner und Gast werden einer ganz unsicheren willkürlichen Abschätzung unterworfen. Nicht Verdienst und Leistung, sondern Zufall, Laune und oft auch Zudringlichkeit und noch andere Nebenrücksichten entscheiden. In den ganzen Reise- und Wirthshausverkehr wird durch das Trinkgeld unendlich viel Aerger und Verdruß hineingetragen, und es ist unbegreiflich, daß die Wirthe nicht schon lange in ihrem eigenen Interesse das Trinkgeld in ihren Gasthöfen und Lokalen durch würdige Besoldung oder Gewinnbetheiligung ihrer Kellner und Dienstboten abgeschafft haben. Alle unwürdigen Zumuthungen und Zurücksetzungen würden dadurch aufhören. Der Kellner würde die allgemeine Rücksicht auf seinen Beruf und auf seine Pflicht zur Richtschnur seines Handelns nehmen müssen und nicht die korrumpirende Spekulation auf zufällige Trinkgelder, welche so oft getäuscht wird und eine ganz falsche, unlautere, ungerechte Behandlung und Bezahlung des so wichtig gewordenen Kellnerstandes zur Folge hat. Dreierlei Vereine werden hoffentlich die Abschaffung der Trinkgelder bewirken: Vereine der Kellner, Vereine der Gasthofs- und Schankbesitzer und Vereine von Reisenden und Wtrthshausbesuchern. Die deutsche Presse kann der Agitation gegen das Trinkgeld ebenfalls wesentlich nutzen und sie wird damit ein patriotisches Werk thun. Ein Deutschland ohne Trinkgelder wird ein größerer Anziehungspunkt für Fremde werden und wir Deutschen werden uns gegenseitig im öffentlichen Verkehr viel Aerger und übermüthiges Benehmen bei Gebern und Nehmern von Trinkgeld ersparen. Es bestehen gegenwärtig schon mehrere Vereinigungen zu diesem Zwecke. Die von denselben seit mehreren Jahren betriebene Agitation zur Hebung des Kellnergewerbes namentlich durch Regelung des Einkommens der Gasthofbediensteten und Abschaffung der Trinkgelder scheint immer mehr Boden zu gewinnen. Der „Berliner Verkehrs-Verein" z. B. hat jetzt unter dem Titel „Gegen das Trinkgeld" ein alphabetisches Verzeichniß von Gasthäusern der meistbesuchten europäischen Städte und Ortschaften, mit besonderer Berücksichtigung aller Verkehrspunkte, Kurorte rc. in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz herausgegeben. In diesem sind mehrere Hundert Hotels, die sich den Reformvorschlägen des Vereins anschlossen, mit * bezeichnet, auch Preise für Zimmer, Mittagessen, Pension rc. angegeben, was in sehr willkommener Weise eine vorläufige Berechnung der ungefähren Reisekosten erleichtert. Nur der Hausdiener ist für Leistungen zu entschädigen. — Das Büchlein ist für 30 $ von A. Kießling in Berlin S, Brandenburgerstraße 64, zu beziehen. Univerfitäts - Ghronik. Marburg, 24. Juli. Heute fand die Wahl des Rectors unserer Universität für das Amtsjahr vom 15. October 1887 bis dahin 1888 statt. Gewählt wurde der Dr. phil. Herr Professor Ferdinand Justi, Lehrer der vergleichenden Grammatik und germanischen Philologie. Derselbe ist ein geborener Marburger. — vr. Theodor Ziehen, Hausarzt derLandes-Jrrenhetlanstalt in Jena, hat sich in der medtcinischen Fakultät der dortigen Universität mit einer Dissertation über „Sphygmographtsche Untersuchungen an Geisteskranken" habilitirt. — Der National - Oekonom Dr. Lujo Brentano, ordentlicher Professor in Straßburg, hat einen Ruf nach Wien erhallen, sich jedoch noch nicht für Annahme desselben entschieden. Berlin, 26. Juli. Professor Schm oller hat den von der Universität Wien an ihn ergangenen Ruf abgelehnt. Lokale-. Gießen, 26. Juli. Am Freitag Abend gegen 10 Uhr traf bei dem Gewitter ein Blitzstrahl eine der höchsten Eichen im Philosophenwalde in der Nähe der Leib- schen Wirthschaft. Hoch interessant ist es zu beobachten, wie der Strahl vom Wipfel bis zur Wurzel an dem Baume herunterfuhr, einen daumendicken Spahn aus demselben herausretßend, als wenn solches mit einem Metsel geschehen. Herr Leib im Philosophenwald hat die Freundlichkeit, seinen Gästen diesen Baum zu zeigen. Auch dürfte für die Herren Lehrer die Gelegenheit eine günstige zu nennen sein, an diesem Objekt die ungeheure Gewalt eines Blitzstrahls ad ooulos ihren Schülern zu zeigen. BrrratfchteS. A Mainz, 26. Juli. Der Senior unseres Stadtverordneten - Collegiums, Professor Dr. Vogel, feiert heute sein 50jähriges Doctorjubiläum. Nicht nur Schüler und Zöglinge des sowohl als Mensch wie als Gelehrter hochgeschätzten Mannes brachten aus diesem Anlaß Dr. Vogel ihre Glückwünsche dar, sondern das ganze officielle Mainz wetteifert, zuerst als Gratulant bei dem greisen Gelehrten vorzusprechen. An der Spitze der Gratulanten standen der Bürgermeister mit den Beigeordneten, Bischof Haffner, Vertreter des Domkapitels, die meisten Stadtverordneten und sämmtltche noch lebende Lehrcollegen des Jubilars. Die philosophische Fakultät in Gießen, bei welcher Professor Vogel die Doctorwürde erlangte, übersandte Glückwünsche und erneuerte zugleich das Doctordiplom. A Aus Rheinhessen, 26. Juli, lieber das Vermögen des vor Kurzem flüchtig gegangenen Stattonsgehilfen von Alzey ist auf Antrag der Gläubiger Concurs verhängt worden. Der inzwischen zurückgekehrte Beamte ist von der Verwaltung der Ludwigsbahn an die Güterexpedttton nach Sachsenhausen versetzt worden. In Mainz wurde gestern ein Schneider wegen Bigamie verhaftet. Derselbe ist schon eine lange Reihe von Jahren mit der Zweiten verhetrathet, bis endlich vor einigen Tagen aus seinem Heimathlande Sachsen ältere Eheansprüche erhoben wurden. — Man berichtet von der Elbe: „Im Beisein mehrerer Techniker, Sachverständiger und höherer Beamten veranstalteten die auf Steinwärder wohnhaften Ge- — sBierprüfungen einst und jetzig Wenn zu unserer Altvordern 3e,ftcn,^ Brauer oder ein mit Braugerechtigkeit ausgestatteter Bürger ein neues Gebräu h l hatte und mit dem Ausstoß desselben beginnen wollte, dann hatte er jedesmal a ehrsamen Rathe der Stadt Anzeige davon zu machen. Alsbald erschien, unter Fuy Nh Heute Vormittag öerlow i i uü raris. Ein junger WW Dieselbe behauptete, sie habe Frankfurt a. M., 24. Juli. sUnangenehm.^j U- Steinweg eine vornehm aussehende Dame einen Cal de Paris, hob denselben auf und trug ihn der Dame nach. ,» Ding nicht verloren. Der Finder erklärte jedoch unter dem Gelächter der Mng c » habe den Cul fallen sehen, sie solle ihn nur nehmen. In ihrer Verzweiflung eilt*®» Dame nach einer Droschke und fuhr davon. brüder Lüders eine Probefahrt mit der erst kürzlich in der t Schiffswerste von I. Reck auf Steinwärder erbauten, lediglich durck unbc Bewegung gesetzten Barkasse „Elektra". Das elegante Boot, welches ^rtzital inr Sitzplätzen versehen, Raum für 41 Passagiere bietet, hat eine Länae vön^ ^Memenr Brette von 9 Fuß und mitschiffs einen Tiefgang von 2,5 Fuß nmhrpnh eins Tiefgang 2,6 Fuß beträgt. Die Einrichtung für den electrischen Betrieb mer b nJcr® Ingenieur I. L. Huber in Hamburg geliefert und besteht aus mehreren Sitzbänken angebrachten Akkumulatoren, in welchen die zum Betriebe notbm-n^ bem trizität für eine fünfstündige Fahrtdauer ausgespetchert und nach Belieben Elek. werden kann. Die Speisung der Akkumulatoren geschieht jedesmal nnr durch eine an Land befindliche Dampf- und Dynamomaschine. Die Probesab^^,^'^ zur allgemeinen Zufriedenheit sämmtlicher Betheiligten; das graziöse wegte sich behend und geräuschlos durch das Wasser uni) schließt dabei was unterschätzen ist, jegliche Gefahr einer Explosion oder dergleichen absolui aus." iu — sNeunter deutscher Turntag zu Coburgs Am verflossenen Dienste = Mittwoch tagten in unserer Stadt 259 Vertreter aus allen deutschen und österreichischen Turngauen behufs Abhaltung des neunten deutschen Turntaaes ov^ Stadt war reich beflaggt und bereitete den Turnern einen recht herzlichen * Am Montag Abend war gemüthliches Zusammensein in dem Garten der brauerei, wobei der Vorsitzende der hiesigen Turnerschaft, Herr Leuthäuser die geordneten an die historische Bedeutung Coburgs für das deutsche Turnwefen'erfi^ — es wurde hier im Jahre 1860 das erste deutsche Turnfest abgehalten — her?? begrüßte, wechselnd mit Ansprachen von Langer-Biberach, Kallenberg-Stuttgart £, ■ Eßlingen und prachtvollen Chören des Männergesangvereins. Der Turntag w, ? am Dienstag Vormittag um 91/« Uhr von dem Vorsitzenden der deutschen Turners2 Herrn Rechtsanwalt Theodor Georgi-Eßlingen, der die ganzen Verhandlungen fit eröffnet. Im Namen der Stadt begrüßte Herr Oberbürgermeister Muther die Turne!'' Nachdem alsdann die einzelnen Abgeordneten verlesen waren, erstattete der (MetoiE führer Dr. Götz den Jahresbericht, der fast nur höchst Erfreuliches enthielt % £ Kasse der deutschen Turnerschaft befanden sich am 18. d. M. 17118 41 1 sF Stiftung für die Errichtung deutscher Turnstätten enthält einen Capitalstock «« 18 217 JL 10 H. Die Abrechnung wurde von Hoppe-Berlin, Bock-Frankfurt a M und Kietzlich-Prag geprüft, richtig befunden und dem Geschäftsführer dieserhalb Sn* lastung ertheill. Der seitherige erste Vorsitzende der deutschen Turnerschaft ßL"' hatte eine Wiederwahl abgelehnt; in Anerkennung seiner ungeheuer großen Perdünsy in einem Zeitraum von 27 Jahren um das deutsche Turnwesen wurde er einftimm a zum Ehren-Vorsitzenden ernannt. An seine Stelle wurde durch Zuruf Herr ftirpcd Alfred Maul in Karlsruhe gewählt und als Geschäftsführer Herr Dr. Ferdinand Gök aus Lindenau-Leipzig. Zu Beisitzern in den deutschen Ausschuß wurden Schmidl- Berlin, Zeitler-Chemnitz und Schmidt-Bonn gewählt. Als Kampfrichter für das Münchener deutsche Turnfest im Jahre 1889 gingen aus der Wahl hervor: Anaerftein- Berlin, Weber-München, Wüst-Tübingen, Hausmann-Weimar, Lion-Leipzig, Frohbera- Dresden, Leuenberg-Berlin, Buley-Linz, Puritz-Hannover und Dr. Euler-Berlin. £ wurde beschlossen: Vereine, welche mit den Beiträgen zwei Jahre im Rückstand bleiben und gegen die Gesetze des Gaues, des Kreises und der deutschen Turnerschaft verstoßen, können von dem betreffenden Kreisausschuß aus der deutschen Turnerschaft ausgeschlossen werden. Von jetzt ab wird auf 100 steuerzahlende Mitglieder ein Abgeordneter zum deutfchen Turntag gewählt. Vereine von 750 Mitgliedern und darüber haben das Recht, einen eigenen Abgeordneten zu wählen, jedoch wird deren Zahl an der Zahl des Kreises in Abzug gebracht. Die Steuern zur Kasse der deutschen Turnei- schaft müssen bis zum 1. Juli entrichtet sein. Der Antrag des Vorsitzenden, anstatt 4 Pfennige 5 Pfennige zu erheben und den fünften für die Errichtung der Turnstältm zu verwenden, wurde zurückgezogen. Ferner war beantragt worden, die 12 besten Musterriegen eines deutschen Turnfestes durch Diplome auszuzeichnen, derselbe sand aber nicht die Genehmigung des Turntages. Wer bei einem deutschen Turnfest fi$ am Ringen beteiligen will, muß beim Wettturnen mindestens 25 Punkte erlangt haben. Für die Folge geschieht der Stabhochsprung wieder ohne Sprungbrett, auch werden jetzt bei allen volkstümlichen Uebungsarten halbe Punkte gewerthet. Tci deutsche Ausschuß wurde beauftragt, an die zuständigen Behörden das Bittgesuch zu richten, den Vereinen die miethssreie Mitbenutzung der Schulturnhallen zu gestaltm. Sodann wurde noch beschlossen, die Turner möchten sich so viel als nur mögliH deutscher Ausdrücke bedienen und Fremdwörter thunlichft vermeiden, die Schriflleilunr der „Deutschen Turnzeitung" möge dasselbe tun. Die ganzen Verhandlungen air beiden Tagen währten ca. 14 Stunden. Von den Abgeordneten des Mitlelrhüns warm erschienen: Rothermel-Darmftadt, Demuth-Gießen, Geibel-Kesselstadt, Wchaur- St. Johann, Thierolf-Darmstadt, Pöpperling-Mainz, Bock-Frankfurt, Schmidr-Fiand surt, Knöcher-Kreuznach, Stahl-Offenbach, Jffland-Eltville, Roth-Bockenheim, Heivecker- Wiesdaden und Uhl-Gießen. Am Dienstag Abend um 7 Uhr führten die drei hiesigen Turnvereine auf bei Anger ein großes und wohlgelungenes Schauturnen aus, nach dessen Beendigung ba Abgeordneten unter der Leitung des Kreisoertreters Bier-Dresden sich als praklisch Turner zeigten, indem sie Freiübungen Vornahmen. Ein Sonderzug brachte die Al- geordneten und Bürger am Mittwoch um 4 Uhr nach Schloß Rosenau, von wo an5 um 7 Uhr auf die Veste Coburg marschirt wurde, woselbst das Abschiedsfest ftattfan). Ein Theil der Abgeordneten reifte am Donnerstag ab, ein Th eil machte einen Ansslcg nach Kloster Vierzehn-Heiligen und Schloß Branz. Wohl befriedigt über den Verlars der Verhandlungen und ebensowohl befriedigt über das Entgegenkommen der Mrg«- schaft Coburgs haben die Herren Abgeordneten unserer Stadt Lebewohl gesagt, die hn verlebten Tage sicherlich nicht vergessend. (O. Z.) — sWindhose auf dem RheinZ Die „K. Z." berichtet unterm 23. Juli: 5i< Passagiere des gestern Abend zu Thal fahrenden Halbsalondampfers „Hohenzollm* haben eine große Gefahr bestanden. Zwischen Bonn und Widdig entlud sich flt(P 9 Uhr ein furchtbares Gewitter mit strömendem Regen. Um den vielen auf D.k befindlichen Passagieren Schutz zu bieten, hatte der Capitan Castor einen Theil bs Sonnenzeltes ausspannen lassen. Der Rhein war vollständig ruhig. Plötzlich W-< der „Hohenzollern" von einer orkanartigen Windhose erfaßt, das Schiff krachte in ato Fugen und wurde durch die Gewalt des Windes gedreht und zur Seite geneigt. D? hierdurch unter den Passagieren eine furchtbare Angst entstand, ist felbfiöeiftänblt- Tifche, Stühle, Gläser, Lichter und die auf ersteren stehenden Speisen flogen zu oder wurden in den Rhein geschleudert. Es galt nun, die Passagiere von Deck in U Kajüten zu schaffen und den umsichtigen beruhigenden Worten des Capitäns Cat: und des Steuermannes Schelaski gelang dies schließlich, wenn auch mit vieler Mi* Auf der Treppe entstand in dem Dunkeln ein Gedränge von den nach Deck ftrömeroh Passagieren. Die Maschine arbeitete mit vollster Kraft gegen das Unwetter und 2 durch wurde ein schlimmeres Unglück vermieden. Nach langen bangen AugendlU i neigte sich das Schiff wieder zurück. Es wurde Anker geworfen und in den b.ajüu war schon wieder von den Insassen Licht angezündet worden. Verschiedene Fahrgih! ließen sich in Nachen an's Ufer fetzen, um in Widdig oder anderen Orten zu Ü l^ nachten. Der Capitän liefe, nachdem sich das Unwetter gelegt hatte, das Schift n® Widdig zurückfahren und ging dort vor Anker. Verschiedene eiserne Stangen, das Sonnenzelt hielten, waren gebogen und umgebrochen; auch die Traglatte des Zeü« brach ab. Nach Verlauf etwa einer Stunde setzte sich das Schiff wieder in BewM8 und fuhr nach Köln. Allen Betheiligten wird die Fahrt unvergeßlich fein; es iß Umsicht des Capttäns und feiner Leute zu danken, daß kein Menschenleben zu gegangen und Niemand verletzt wurde. Die Beschädigungen sind indessen bei nicht so erheblich, wie es auf die Passagiere den Eindruck machte und bereits wuc« ausgebessert, so daß das Schiff heute ^kachmittag um 4 Uhr seine Bergfahrt rvn*1 antreten kann. rine Commission „geaichter" Biersachverständigen zur Prüfung des Brauberr rückte "einen langen Tisch mit einer langen hölzernen riüuen Bräus, eigenhändig mehrere Kannen des zu prüfenden Bieres Sitzbank zurecht u mu61e s^ts — „ihren Beruf verfehlen", denn sie wurde hrbet. .^„Vn^Lnbern nuf der Holzbank ausgegossen, und gerade auf die bierbenetzte die Sachverständigen. Der Zweck dieser Procedur wird bald klar E^nk fetzten n« bie Herren Bierprüfer durch Leerung verschiedener Kannen Hrtbeil übet ©efcbmact un& „Vollmündigkeit" des neuen Gebraus zu Wer N« e'm ur 'i etlichen Stunden mit diesem Urtheil im Reinen waren, gab ^Lrükende der Bierprüfungs-Commission ein Zeichen, worauf sich sammtliche Herren t Vorsitzenoe ^on ^ank erhoben. War das Brer kräftig und gehaltvoll, bann J* S hie Bank an den ledernen Unaussprechlichen der Herren Bierprufungscommtssare ®TU?/Ln imb mit ihnen in die Höhe gehen; anderen Falls galt das Bier nicht für Püma-Qualitat Je nach dem Ausfall dieses Bierbank-Experiments fiel auch das ^^7n Ät7n Zeiten das Bier untersucht. Seitdem aber das Bierbrauen s,br complictrter chemifcher Proceß geworden ist, rächen die primrttven Hrlfsmtttel Bierbank und Lederhosen dazu mcht mehr aus. Es mußte die Chemie zu Hllfe .s-n werden und auch dieser gelang es erst nach vielfachen vergeblichen Versuchen, k^Lptaneten untrüglichen Piüfungsmethoden zu finden. Als im Anfang der 70er Magen über schlechtes Bier laut wurden, ließ das Königliche Polizeipräsidium E, ersten Bierprüfungen in Berlin durch vereidigte Chemiker vornehmen, seitdem Meles besser geworden, das Bier sowohl wie die Braumethoden, und bte93rauereb 'mteressenten machten die Erfahrung, daß sie am besten fahren wenn sie ein gutes Ärefern. Gleichwohl sind die amtlichen Bierprmungen fett 1882 wieder auf- c i worden und es dürfte für alle Biertrinker von Interesse sein, das amtliche S über die Berliner Bierverhältnisse zu vernehmen, rote es im dritten und in ^ soeben erschienenen vierten Generalbericht über das Gesundheitswesen der Stadt Nnlin als Ergebniß der amtlichen Prüfung der Berliner und der sog. echten bayrischen $krC Se?ammU&en hiesigen Bayrischbier-Brauereien wurden im Ganzen 23 Proben etwa 4 Litern im Geheimen angekauft und dem polizeilichen Chemiker Or. Bischoff ^ Untersuchung übergeben. Diese Bierproben waren aus folgenden Brauereien ent- mmmn: 1) Schneider u. Hillig, Pfefferberg, 2) Actiengeseüschaft Kontgstadt, '' Schultheiß, 4) Humboldtshatn, 5) Adler-Brauerei, 6) Friedrichshain, Lchs '' ^rtedrichsdöhe vormals Patzenhofer, 8) Bürgerliches Brauhaus, 9) Böhmisches Maubaus, 10) Breslauer Weizenbier-Brauerei, 11) Moabiter Actiengesellschaft (em- ,-uckes Lur und Klosterbräu), 12) Bötzow, 13) Münchener Brauhaus, 14) Norddeutsche fcLei 15) Bockbrauerei, 16) Tivoli, 17) Habel, 18) Bergschloß-Brauerei, 19) Umons- Äraueiei' 20) Happoldt, 21) Victoria-Brauerei, 22) Josty. Die Prüfung erstreckte sich zunächst auf die Feststellung giftiger Zusätze^und ^trügerischer Fälschung mit fremdartigen Zusätzen (Glycerin rc.); in keinem ^alle 3aren gisttge Zusätze nachweisbar. Weiter wurde die Güte des Bieres geprüft, welche .amtlich" dahin definirt wird: „Ein gutes Bier soll neben einem angemessenen Gehalt -'n Alkohol ein natürliches Aroma, Klarheit, Schaumbeständlgkeit und VoUmundigkelt, "3IDie erfrischenden Geschmack besitzen." Die Vollmundigkeit wird durch die Extracttv- loffe des Malzes bedingt, der Alkoholgehalt durch die in der Gahrung vor sich gehende Umwandlung des Malzzuckers in Alkohol und Kohlensäure. Der Wer h eines Bieres ächtet sich vorzugsweise nach dem Gehalt an Stammwürze,-wobei als Norm die in »aschiedenen bayerischen Städten geltende Bestimmung angenommen wird, daß zwolf- ■irocenttge Würze etngebraut werden soll. Dabei werden drei Gruppen unterschieden. !) ärmere Biere mit 10—11,9 Procent Würze, 2) mittelreiche Biere mit 12—13 Procent, 18) gehaltvolle Biere mit 13-14 Procent. Von den untersuchten Berliner Bieren iMten sechs zur ersten Gruppe, zehn zur zweiten und sechs zur dritten, ^.as Wammtergebniß dieser Untersuchungen ging dahin, datz die in Berlin gebrauten Niere im Durchschnitt als gute zu bezeichnen seien. Dieselben lassen als aromatische Westandtheile und Bitterstoffe nur Hopfenbestandtheile erkennen. Die Eigenschaften der Kierertracte, ihr Gehalt an Mineralstoffen, speciell an phosphorsauren Salzen, erheben fast zur Gewißheit, daß Surrogate für Malz gar nicht oder in sinter geordnetsten Mengen verwendet werden. Der Gehalt an Glycerin lag nur in drei Fallen über Der inormalen Grenze von 0,3 Procent und überstieg diese nur unwesentlich. Sammtliche «untersuchten Biere tragen den Charakter fachgemäß hergestellter Gebraue, die Ver- Whrung ist eine vollkommene, die Säuerung nur geringfügig und das Bier gegen früher ! haltbarer geworden. Dieses wahrhaft glänzende Zeugniß, das hiermit den Berliner Brauereien von amtlicher Seite ausgestellt wird, ist sehr beachtenswerth, namentlich aber, wenn man damit die Analysen der echten Biere vergleicht. Von den in den letzten Jahren hier sehr ev-vogas gekommenen echten Bieren wurden 1883 untersucht: Nürnberger Bier von Wagner, Olbrich und Siechen, Pilsener, Culmbacher, Erlanger, Münchener Hosbrau, Pschorr, Spaten, Augustiner, Leistbräu und Weihenstephan. Der Extractgehalt dieser Biere schwankte beträchtlich, ist aber im Wesentlichen nicht abweichend von dem Gehalt der gewöhnlichen Berliner Lagerbiere. Der Gehalt an Stammwürze, welcher vorzugsweise den Werth der Biere bestimmt, lag zwischen 11,96 Procent und 15,98 Procent. Nach ihrem Würzgehalt zählen zu den sogenannten ärmeren Bieren Pilsener mit 11,96 Procent Würze, zu den mittelreichen Bieren Spaten mit 12,84 Procent und Pschorr mit 12,94 Procent, zu den gehaltvollen Bieren Nürnberger (Olbrich) mit 13,06 Procent Würze, Weihenstephan 13,51 Procent, Nürnberger (Wagner) 13,72 Procent, Leistbräu 13,82 Procent, Augustiner 14,25 Procent, Nürnberger (Siechen) 14,31 P'.ocent, Erlanger 14,47 Procent, Münchener Hosbräu 14,68 Procent und Culmbacher nut 15,98 Procent Würze. Nur das Culmbacher ist als besonders stark zu bezeichnen, während — wie der amtliche Bericht betont — 8 Biere nichts und 3 Biere nicht mehr als i/t Procent Extract vor den hier gebrauten einfachen Lagerbieren vormls haben, wobei die in Berlin gebrauten Exportbiere noch nicht eingerechnet sind. Auffällig ist endlich die nachgewiesene Thatsache, daß — während die Berliner Biere als gut verrohren bezeichnet werden — von den untersuchten 12 echten Bieren nicht weniger als 8 unvollkommen vergohrene, jüngere Biere waren, welche noch unabgeschiedenen Kleber enthielten. Auch das patriotische Lokalgetränk der Berliner, das Weißbier, wurde der Gemischen Analyse unterzogen, zu welchem Zwecke 10 Proben Weißbier und zwar sog. Doppelweißen und einfache Weißen aus den 5 Weißbierbrauereien von Engel u. Bootz, Möwes, Landrä, Joseph Böhm und Hilsebein angekauft wurden. Die Doppelweitzen wurden aus den Ausschankstellen der Brauereien selbst, die einfachen Weitzen bei Bierverlegern und aus Kellerwirthschaften entnommen. Der Gehalt an Stammwürze betrug bei dem Weitzbier von Böhm 10,33 Procent, Engel u. Bootz 10,83 Procent, Medem 11,83 Procent, Möwes 12,025 Procent und Landrö 13,5 Procent. Der Ahalt an Glycerin war normal, und aus dem Alkoholgehalt, bezw. aus dem Zer- setzungsproduct des vergährenden Zuckers in Alkohol, Kohlensäure, Glycerin rc. erklärlich. Der Gehalt an Mineralstoffen entsprach dem Extractgehalt und die Quantität war normal. „Man darf aus derselben den Scklutz ziehen" — sagt der amtliche Bericht — „daß lediglich Malz den Extractgehalt bedingt, Surrogate für Malz jedoch fehlen." — Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industriellen belief sich die Roheisenproduction des Deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat Juni 1887 auf 320 760 Tonnen, darunter 151025 Tonnen Puddelroheisen und Spiegeleisen, 39 270 Tonnen Bessemerroheisen, 87 372 Tonnen Thomasroheisen und 43 093 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im Juni 1886 betrug 275 596 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. Juni 1887 wurden producirl 1848 481 Tonnen gegen 1703 168 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Literarische-. — In Nr. 29 bringt die „Gartenlaube" eine ausführliche, mit vielen Illustrationen geschmückte Biographie ihrer verstorbenen Mitarbeiterin Eugenie John, welche unter dem Pseudonym E. Marlitt so überraschende Erfolge errungen hat. Aus dieser ersten authentischen Biographie erfahren wir, daß E. Marlitt eine bisher noch nicht gedruckte Erzählung, und zwar ihr Erstlingswerk, hinterlassen hat. Dieselbe führt den Titel „Schulmeisters Marie" und ist eine Dorfgeschichte. Marlitt's letzter Roman „Das Eulenhaus" ist zwar nicht vollendet, aber, wie wir in der „Gartenlaube" lesen, doch so weit gefördert, daß derselbe von einer dazu berufenen Kraft vollendet werden kann. Der Roman wird spätestens zu Anfang des nächsten Jahres in der „Gartenlaube" erscheinen. Schiff-' Bewegung der Post-Dampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft. „Hammonia", von 9tew-Aork, am 18. Juli in Hamburg angekommen. „Lessing", von Hamburg nach New-Aork, am 19. Juli von Havre weitergegangen. „California", am 20. Juli von Hamburg nach New-Aork abgegangen. „Gothia", von New-Aork, am 20. Juli in Stettin angekommen. „Rhaetia", am 21. Juli von New-Iork nach Hamburg abgegangen. „Hungaria", am 22. Juli von St. Thomas nach Hamburg abgegangen. „Bavaria", von St. Thomas nach Hamburg, am 23. Juli in Havre angekommen. „Teutonia", von Hamburg nach St. Thomas, am 23. Juli in Havre eingetroffen. „Rhenania", von Hamburg, am 23. Juli in St. Thomas angekommen. „Borussia", am 24. Juli von Hamburg nach Colon abgegangen. „Rugia", am 24. Juli von Hamburg nach Dtew-Aork abgegangen. „Slavonia", von Stettin, am 18. Juli in New-Uork angekommm. „Moraoia", von Hamburg, am 21. Juli in New Aork an- gefommen. „Gellert", von Hamburg, am 23. Juli in New-Bork angekommen. Schiff-nachrichten. Bremen, 22. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Aller, Capitän H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 13. Juli von Bremen und am 14. Juli von Southampton abgegangen war, ist heute 10 Uhr Vormittags wohlbehalten in 'Newyork angekommen. Landwirrhschaftliche Nachrichten. — sAnleitung zur Obstoerwerihung. Das Conserviren.) Nachdem durch die Beschaffung der Buchsen und die Abkochung der Zuckerlösung die nothwendigen Vorbereitungen für das Conserviren des Obstes getroffen find, kann dieses je nach der Zeit vorgenommen werden. Im Allgemeinen ist darauf zu achten, daß die nachstehend beschriebenen Arbeiten und Verrichtungen möglichst schnell hintereinander ausgeführt werden, so daß zwischen dem Füllen der Büchsen, dem Verlöthm und dem Erwärmen nur eine kurze Zeit vergeht. Das ist nothwendig, damit irgend welche Aenderungen an den Früchten, die ihre Haltbarkeit beeinträchtigen könnten, nicht entstehen können. Denn die Zuckerlösung allein schützt die Früchte vor dem Verderben nicht, sie hat in erster Linie den Zweck, dem Obste Wasser zu entziehen, soll dasselbe haltbar werden, so muß ein Abschluß der Lust vorgenommen werden, da diese immer Zersetzungskeime in sich trägt, und durch eine Erhitzung müssen die etwa vorhandenen Keime zerstört und eine Gährung verhindert weiden. Die sorgfältig ausgewähiten Früchte, die je nach der Art der Obstsorte halb oder ganz reif, geschält oder ungeschält, halbirt oder ganz zu conserviren sind, werden nun trocken in Die Büchsen gelegt und zwar so, daß die Büchse fast ganz gefüllt ist. Wenn der ganze Vorrath auf diese Weise verpackt ist, gießt man den kalten Zucker sehr langsam über die Früchte. Dieselben müssen mit der Zuckerlösung vollständig bedeckt sein, aber zwischen dem Zucker und der Deckelnute muß ein Raum von ca. 1 Ctm. vorhanden sein, damit beim Zulöthen die Hitze des Löthkolbens nicht schädlich auf den Zucker wirkt. ' Sind alle Büchsen gefüllt, so drückt man die Deckel in die Nuten. In jedem Fall ist es gut, diese Deckel schon vorher auf die leeren Dosen aufzupassen, damit man den Unannehmlichkeiten entgeht, die entstehen, wenn auf eine gefüllte Dose der Deckel nicht paßt. Nunmehr sind die Dosen zu verlöthen. Die Arbeit lasten bte Hausfrauen am besten durch einen Spengler ausführen, der kaum mehr als 10—15 Pfg. für das Verlöthen einer Dose beanspruchen wird. Im Uedrigen ist das Verlöthen bei einiger Aufmerksamkeit gar nicht so schwer und von Jedermann selbst auszuführen; es empfiehlt sich dies, wenn größere Poften Dosen zu verlöthen find, also wenn die Conserven für den Verkauf hergestellt werden. Wir werden deshalb nächstens eine Anleitung für das Verlöthen geben. Wie schon gesagt, sollen die Büchsen möglichst rasch nach dem Füllen verlöthet werden, das Haupterforderniß ist aber, daß die Zulöthung sauber und dicht ist, denn eine noch so kleine Oeffnung führt unbedingt das Verderben des gesummten Inhalts herbei. — Dem Begießen der Gemüse- und Blumenbeete wird in Hausgärten sehr oft nicht die nöthige Beachtung geschenkt. Damit soll nicht gesagt sein, daß in solchen Gärten die Pflanzen nicht genügend bewässert werden, im Gegentheil wird des Guten oft zu viel gethan, aber das Begießen wird leider vielfach in unzweckmäßiger Weise ausgeführt. Häufig wird nämlich das falte Wasser, so wie es vom Brunnen kommt, zum Begießen verwendet. Das ist zu vermeiden, denn die Erde wird durch so kaltes Wasser zu sehr abgekühlt, was das Wachsthum namentlich junger Pflanzen in hohem Grade behindert. Zum Bewässern sollte daher in jedem Falle wenigstens abgestandenes Wasser genommen werden, welches womöglich 24 Stunden im offenen Gefäße gestanden hat. Am besten ist freilich zum Begießen der Gartenbeete das Wasser ans Gräben, Teichen und Flüssen und zwar nicht allein weil es selbst die richtige Wärme hat, sondern weil in solchem Wasser eine Menge pflanzlicher Nährstoffe enthalten ist, welche den Pflanzen vorzüglich zu Statten kommen. Handel und Berkehr. Berlin, 24. Juli. Die Eisenbahnleitung schickt sich an, die Lehren des Eisenbahnunglücks von Wannsee für praktische Verbesserungen zu Nutz und Frommen des reisenden Publikums zu verwerthen. Durch eine soeben an die königlichen Eisenbahndirektionen ergangene Verfügung hat der Minister der öffentlichen Arbeiien Bestimmungen über die an den Fenstern der Durchgangswagen zu treffenden Aenderungen uita Schutzeinrichtungen erlassen. _ Wärmegrade der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 27. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 19 Grad, Luft im Schatten 22 Grad. L. Ehr. Rübsamen. Münchener Bürgerbräu. Heute beginne ich mit dem Versandt des in Frankfurt beim Schützenseste 10 berühmt gewordenen = Schützenbieres ■— ^bem es mir gelungen ist, mir hiervon eine größere Quantität zu sichern. Hochachtungsvoll Emil Schmal! („Zum Frankfurter Hof"). Nkkqemeiner Anzeiger. Hingen a» Rh Hotel zum deutschen Haus. Vollständig neu hergerichtet. Bei mässigen Preisen gute und reelle Bedienung. Reine Weine. 4952 Weber, Weinhandlung. 5608 Ein Hausbursche gesucht. I 5606] 2u^r Haus»«»^ ßC,u4t< Stein's Garten. I Näheres in der Exped- D. A- Bramm. 5645 Carl Stfirkratia empfiehtt größte Auswahl in 849 WS risiB- 5635 Mädaille 1878 n ! la. neue holl. { 5613 fei es L I einqetroffen bei 5306 Carl Bieler, Kreuzplatz 6. bei 1111 Emil Elschbach 5 Wenn 5639 5570 Neuenweg 15. Relecttin: U. Gcheyd«. * *"b Verlag der «rü» lachen ä 1 Pfg. bei 8. Elsoffer. in pikantester Sau^e, empfiehlt II. I-\ lassauer Möbeln jeder Art ou ßergewöhnlich billi gen Preisen. Gedot der Zuschlag sofort erlheill. Gießen, Juli 1887. Großh. 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