Ur. 422 * Samstag den 28. Mai 1887. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigebtatt für den Kreis Gießen. Bureau r S ch u l st r - ß - 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Q He V ■WWMiMMClUjMPBMg ''IIHJ'IBI M MMJEIIIMBIII I I -nTIMI—l ll IU |]|| I I II Amtlicher Hheil. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Tapezier Heinrich MalkomefiuS von hier als Hülfsfchütze heute verpflichtet worden ist und seinen Dienst angetreten hat. Gießen, am 27. Mai 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Freseniu Politische Uebersicht. Gießen, 27. Mai Der Reichstag hat nun endlich seine wacker verdienten Psing st- serien angetreten. Vorher ertheilte er noch dem Entwürfe über die Unsall- * Versicherung der bei Bauten beschäftigten Arbeiter in zweiter Lesung seine Zustimmung, meist nach den Commissions-Vorschlägen und verwies die Zuckersteuer-Vorlage, sowie die Novelle zum Postdampsergesetz an je eine Commisston. Die erwähnte Novelle hebt die subventionirte Mittelmeer-Linie Triest-Brindisi- Nlexandrien wegen ihrer schwachen Frequenz auf und schlägt dafür die Errichtung einer Linie Brindisi-Port-Said mit Genua als Anlaufe-Hasen vor. Von den wichtigeren Commissionen des Reichstages ist die Branntweinsteuer-Commission mit ihren Arbeiten im Wesentlichen ebenfalls vor Pfingsten fertig geworden; nur die Bestimmungen über die Nachbesteuerung bleiben noch durch- zuberathen. Die zweite L?sung des Entwurfes ist im Großen und Ganzen unverändert nach den Beschlüssen der ersten Lesung erfolgt. Nur bei einzelnen Paragravhen wurden noch Amendements beliebt, so z. B. bei dem neu geschaffenen § 3a, welcher bestimmt, dcß nur gereinigter Trinkbranntwein in den Handel kommen darf. Hier nahm die Commission ein vom Abg. Huene beantragtes Amendement an, welches bei der Rectification den einzelnen Bundesstaaten das Recht der Einmischung giebt. Ferner ist ein neuer § 10a geschaffen worden, wonach bei der Ausfuhr von Fabrikaten, wozu im freien Verkehr befindlicher Branntwein verwendet worden, oder bei Niederlegung solcher Fabrikate in Niederlagen nach der Bestimmung des Bundesrathes pro Liter reinen Alkohols, der in den Fabrikaten enthalten ist, eine Vergütung von 50 gewährt wird. Die Branntweinsteuer-Commission gedenkt am 6. Juni den Bericht sestzustellen, an welchem Tage auch die Zuckersteuer-Commission zusammen tritt, während das ReichLtags-Plcmun selbst seine Verhandlungen am 7. Juni wieder aufnimmi. Die elsaß-lothringischen Angelegenheiten, von denen es in letzter Zeit wieder ziemlich still geworden ist, werden in der Nachsesston des Reichstages nach Pfingsten voraussichtlich zu einer eingehenden Erörterung führen. Den Anlaß hierzu wird der dem Bundesrathe zur Zeit vorliegende Entwurf g.ben, welcher sich auf die Anstellung und Besoldung der Bürgermeister und deren Beigeordneten in Elsaß-Lothringen bezieht. Bis jetzt herrschte daselbst das noch aus der französischen Verwaltung mit herübergenommene System, wonach die genannten Communal-Beamten aus der Milte des gewählten Gemeir.de- rathes durch die Regierung ernannt werden. Mannigfache Erfahrungen der letzten Jahre haben nun gezeigt, daß die Mitglieder zahlreicher elsaß-lothringischer Gemeinderaths-Collegien fast sämmtlich der Protestpartei angehören und hieraus ergiebt sich von selbst die politische Haltung der aus ihrer Mitte entnommenen Bürgermeister und Beigeordneten. An letzteren sand daher auch die Protestpartei immer eine wesentliche Stütze und um diesem Zustande, welcher das Germanistrungswerk h Elsaß - Lothringen sehr erschwerte, ein Ende zu machen, beschloß die Reichsregierung, die erwähnte Bestimmung der elsaß- lothringischen Verfassung hinsichtlich der Wahl der Bürgermeister aufzuheben. Die von ihr eingebrachte Vorlage verleiht dem Straßburger Ministerium das Recht, dre erwähnten Communal-Beamten unbeschränkt zu ernennen und selbstverständlich ist da, daß die Wahl nicht aus Persönlichkeiten fällt, deren politische Gesinnung jedenfalls höchst zweifelhaft erscheint; außerdem soll den Bürgermeistern und Beigeordneten eine Besoldung gewährt werden, während die betr. Aemter in Elsaß-Lothringen bislang Ehrenämter waren. Der Entwurf bedeutet einen ^orstoß gegen die sranzösirende Richtung im Reichslande und die Haupt- lächlichsten Vertreter derselben, gegen die besonders in den Gemeinde-Verwaltungen das große Wort führenden „Notabeln" und es steht nicht zu b-zweiseln, daß dre Vorlage die Zustimmung des Reichstages finden wird. In der Dienstags-Sitzung der württembergischen Abgeordnetenkammer ließ sich Minister Mittnacht in bemerkenswerther Weise gegen den Antrag des Abg. Goez aus, zwei Millionen directe Steuern zu streichen, da die Matrrcularbeiträge Württembergs voraussichtlich um so viel weniger betragen würden. Der Minister bezeichnete den Antrag als unannehmbar, da die Zucker- lteuer.Erträgnisse noch in weiter Ferne stünden und vom Reiche vermuthlich selbst aufgebracht werden würden, die Branntweinsteuer aber eine Aenderung württembecgischen Reseroatrechts voraussetze, worüber den Ständen noch eine Mittheilung zugeben würde. Der Antrag Goez wurde denn auch, und zwar debattelos, mit 77 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Prinz-Regent Luitpold von Bayern hat seinen Aufenthalt in Wien, woselbst er den herzlichsten Verkehr mit den Mitgliedern des Kaiserhauses pflegt, bis nach Pfingsten verlängert. Die Arbeiter-Bewegung in Belgien flammt in immer neuen Theilen des Landes auf, doch hat sie ihren Hauptsttz im Süden, in den Be- | zirken von Mons und Charleroi, die ja schon in der belgischen Arbeiter-Revolte vom vorigen Frühjahre eine hervorragende Rolle spielten. Zu größeren Zusammenstößen zwischen den Sinkenden und der bewaffneten Macht ist es bis jetzt glücklicher Weise nur an vereinzelten Punkten gekommen und wenn es auch nicht an Versuchen fehlt, Tumulte und Excesse zu provociren, so sind dieselben mit Hülse der Bayonette bislang noch immer im Keime erstickt worden. Immerhin bleibt die Lage precär genug und Niemand kann sagen, ob nicht die nächsten Tage eine Wiederholung jener blutigen ©eenen bringen werden, wie sie der belglsche Arbeiterstrike vom März 1886 im Gefolge hatte. Vom Papste liegt wiederum eine politische Kundgebung vor, zu welcher das am Montag ftattgefundene Consistorium den äußerlichen Anlaß gab. In derselben gedenkt Papst Leo XIII. mit Germgthuung des wieder hergestellten Friedens in Preußen, woran er die Hoffnung auf die Erlangung des gleichen Zustandes auch in anderen Theilen Deutschlands, namentlich in Hessen, knüpft. Der Papst geht dann auf Italien über und spricht den Wunsch aus, daß auch Italien seinem verhängnißvollen Streits mit dem Papstthum ein Ende machen möge. In Hinblick auf die neuerdings ausgetauchten Gerüchte über eine angebahnte Annäherung zwischen Vatikan und Quirinal ist die Schlußwenvung in der päpstlichen Allocution immerhin bemerkenswerth. AeutMand. Darmstadt, 26. Mai. Die Krankheit Ihrer Großherzoglichen Hoheit Prinzessin Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, wurde zuerst der hohen Patientin gegenüber und in der „Darmstädter Zeitung" gastrisches Fieber genannt, ein Name, mit welchem man leichtere Fälle von Typhoi'dfieber öfters im gewöhnlichen Leben zu bezeichnen pflegt. In dem ersten Bulletin der „Darmstädter Zeitung", welches von dem behandelnden Arzte unterschrieben war, wurde die Krankheit mit ihrem wissenschaftlichen Namen als Typhoi'dfieber bezeichnet. Es ist dies dieselbe Krankheit, welche auch Abdominal- oder Darmtyphus, zuweilen auch einfach Typhus genannt zu werden pflegt, aber mit dem eigentlichen Typhus, dem exanthematischen oder Flecktyphus, nicht verwechselt werden darf. Letzterer ist im südwestlichen Deutschland schon seit längerer Zeit nicht mehr vorgekommen. Der Verlauf des Typhoidfiebers, an welchem die Prinzessin leidet, war bis zum 21. Mai in der That ein sehr bedrohlicher; seit diesem Tage ist jedoch eine günstige Wendung der Krankheit eingetreten, so daß die Aerzte den gegenwärtigen Zustand der Patientin in Anbetracht des L-tadiums, in welchem sich die Krankheit befindet, als nahezu zufriedenstellend bezeichnen. Durch die ärztlichen Untersuchungen ist zweifellos festgestellt, daß die Infektion nicht in Darmstadt, sondern auswärts stattgefunden haben muß. Typhoidfieber ist seit den letzten Jahrzehnten in Darmstadt selten. In der Mehrzahl der Hierselbst vereinzelt vorgekommenen Fälle hat sich die Einschleppung von auswärts nachweisen lassen. (Darmst. Ztg.) Berlin, 26. Mai. Der Kaiser hielt heute, von dem Großherzog von Toscana, den Prinzen Wilhelm und Albrecht, und glänzender Suite gefolgt, die Frühjahrs-Parade über die Truppen der Berliner und Spandauer Garnison auf dem Tempelhofer Felde ab. Die Großherzogin von Baden und die Erb- prinzessin folgten zu Wagen. Der Kaiser fuhr zunächst die Front der in zwei Treffen aufgestellten Truppen entlang und ließ dieselben dann in Parade vor- übermarschiren. Der Kaiser wurde aus dem Hinwege und Herwege von den dichtgedrängten Menschenmassen mit jubelnden Zurufen begrüßt. — Der „Reichs-Anz." meldet: „Der Kronprinz erkrankte im Januar an einer Halsentzündung, welche in ihren äußeren Erscheinungen, einem geringen Husten und intensiver Heiserkeit, durch die bisher in ähnlichen Fällen bei dem Kronprinzen erfolgreich angewendeten Mittel sich nicht beseitigen ließ. Auch eine mehrwöchige Kur in Ems, welche übrigens auf das Allgemeinbefinden des Kronprinzen von bester Wirkung war, vermochte das örtliche Leiden nicht zu heben, so daß die im Laufe der Erkrankung neben dem Leibarzt zugezogenen ärztlichen Autoritäten sich damit einverstanden erklärten, daß der englische Spe- cialist Morell Mackenzie mit feinem Urtheil gehört werde. Derselbe ist vor einigen Tagen hier eingetroffen; er sand nach wiederholter Untersuchung des Kronprinzen Zustand nicht so besorgnißerregend, daß er nicht hoffte, durch zweckentsprechende Behandlung das Uedel in nicht zu langer Zeit beseitigen zu können." — Die Vorlage über Einführung der Gewerbeordnung in Elsaß-Lothnn- gen umfaßt sieben Paragraphen und bestimmt, daß die Gewerbeordnung zu Neujahr 1888 in Elsaß-Lothringen in Kraft tritt. Die Landergesetze bleiben maßgebend für die Herstellung, den Umsatz und die Verbreitung von Schriften, Drucksachen und bildlichen Darstellungen, sowie in Betreff der THeaterpoltzei, der Schließung von Wirthschaften und der Besugniß zur Abhaltung öffentlicher Versteigerungen. Die höhere Verwaltungsbehörde kann gestatten, daß die vor dem Inkrafttreten in den Fabriken bereits beschäftigten jugendlichen Arbeiter daselbst bis Neujahr 1890 in bisheriger Weise weiter beschäftigt werden. Die Bezeichnung der nach den Landesgesetzen zuständigen Behörden und nähere Bestimmung über die der Genehmigung bedürfenden gewerblichen Anlagen erfolgt durch kaiserliche Verordnung. — Der Bundesrath überwies den Gesetzentwurf wegen Einführung der Gewerbeordnung in Elsaß-Lothringen den zuständigen Ausschüssen und stimmte dem Ausschußberichte, betr. den Entwurf eines Vertrages zur Unterdrückung des Branntweinverkaufs an Nordfeestscher aus hoher See, zu. Netgien. Brüssel, 26. Mat. Ein gerichtliches Verbot untersagt den Verkauf von verbotenen Waffen. In dem Kohlenbecken von Seraing macht sich ein unerhebliches Nachlaffen der Strikebewegung bemerkbar. — In Lrlouviöre wurden zwei weitere Dynamit-Attentate gegen die Wohnungen von Gruben-Arbeitern ausgesührt; der dadurch verursachte Schaden ist unerheblich. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenr-Bureau. Leipzig, 26. Mai. Am 13. Juni d. I. beginnen die Verhandlungen gegen die wegen vorbereitender hochverrätherischer Handlungen und Theilnahme an einer geheimen Verbindung angeklagten acht Elsässer, den Fabrikanten Emil Köchlin-Claudon aus Mülhausen und sieben Genossen, vor dem für Hoch- und Landesoerrath bestellten Gerichtshöfe des Reichsgerichts unter dem Vorsitz des Präsidenten Drenkmann. Die Verhandlung wird wegen der größeren Zahl der Betheiltgten wieder in den Räumen des Landgerichts hier stattfinden. Verthetdiger der Angeklagten sind die Rechtsanwälte am Reichsgericht Dr. Neuling und Sachs, ferner die Rechtsanwälte Ott und Freiherr Schott von Schottenstein aus Straßburg. Paris, 26. Mai. Heute Vormittag fand bei Grevy eine Conferenz statt, an welcher Freycinet, Deoes, Jules Ferry, Rouoier und Raynal theilnahmen. Dieselbe dauerte bis Mittag. — Dem Vernehmen nach wird Freycinet im Laufe des heutigen Abends dem Präsidenten Grevy seinen Entschluß mittheilen, ob er die Cabinetsbildung übernimmt. Man nimmt an, daß er wegen Spaltung der Parteien ablehnen werde. Paris, 26. Mai. Freycinet übernahm die Bildung des neuen Cabinets. Paris, 26. Mai. Das Feuer in der „opera oomique“ ist noch den angestellten Ermittelungen in den Soffitengardinen des Hinteren Bühnenraumes ausgebrochen. Die Zuschauer hätten das Theater daher leicht verlassen können, da aber das Gas erlosch, bevor das Theater vollständig geräumt war, so fürchtet man, daß einige Zuschauer der oberen Ränge, von der Dunkelheit überrascht, den Ausgang nicht gewinnen konnten. Das Feuer dehnte sich schnell über die Bedachung aus und der Plafond stürzte bald nach dem Ausbruch des Feuers ein. Es verlautete heute früh, daß einige 60 Personen verwundet und 19 todt seien. (In unserem gestrigen Telegramm waren 90 Todte genannt. Es scheint demnach ein Fehler beim Telegraphircn vorgelegen zu haben. Red.) Man fürchtet jedoch, daß die Zahl der Opfer größer sein werde. Heute Vormitiag 9 Uhr wurden drei Todte mittelst Seilen aus dem vierten Stockwerke herabgelassen. Genauere Details sind noch nicht festzustellen. Die Rettungsarbeiten dauern noch fort. Das Gebäude der opera ist vollständig zerstört. Die Aufräumungsarbeiten werden kaum vor morgen beginnen können. — Die Anzahl der bis jetzt aus den Trümmern der „opera comique“ herausgeschafften Leichen beträgt 40, doch fürchtet man, daß die Zahl der Opfer eine noch größere sein werde. — Die Zahl der beim Brande der „opera comique“ Umgekommenen wird amtlich auf 56 angegeben, es werden aber immer noch neue Leichen aufgefunden. Die meisten Todten sind junge Damen in feiner Toilette. Viele Leichen sind sehr entstellt und nur an den Schmuckgegenständen erkennbar. In der Bevölkerung herrscht große Bestürzung und Trauer. Die Theaterzugänge sind unausgesetzt von dichten Menschenmassen besetzt. Rom, 26. Mat. Im heutigen öffentlichen Consistorium präconisirte der Papst i mehrere Erzbischöfe verschiedener Länder und nahm die Eeremonien der Mundschließung s und der Mundöffnung an den neu ernannten Eardinälen vor. Vermischte — Die in Rio de Janeiro erscheinende „Rio Post" veröffentlicht folgende Warnung vor Auswanderung nach der Provinz S. Paulo in Brasilien: Die Regierung hat mit dem bekannten speculativen Eonselheiro Antonio Pedro da Costa Pinto einen Contract behufs Einführung von 5000 Einwanderern aus Nord- europa abgeschlossen. Da es sich diesmal hauptsächlich um Verleitung Deutscher zur Auswanderung als Arbeiter für Pflanzungen nach S. Paulo handelt, so machen wir sämmtliche deutschen, österreichischen und schweizerischen Behörden auf den Fall aufmerksam und lassen hier im Wortlaut den officiösen Bericht aus dem „Journal do Commercio" in Uebersetzung folgen. Derselbe lautet: „Der Contrahent (Pinto) erhält von der Regierung 60 JL für jeden mehr als 12jährigen Einwanderer, 30 für jeden Einwanderer im Alter von 8—12 Jahren und 15 JL für jeden von 3-8 Jahren unter der Bedingung, daß er von den Einwanderern nicht mehr als eine gleiche Summe für ihren Transport bis zu einem der Häfen Rio de Janeiro oder Santos in der Provinz S. Paulo verlangt. Führt er Einwanderer ein, ohne diese nach Alter und Nationalität abgemessene Bedingung einzuhalten, so ist er verpflichtet, dieselben auf ihren Wunsch wieder in ihr Geburtsland zurückzuführen. Sodann hat der Contrahent sich verpflichtet, für den Preis von 120 X für jede Person über 12 Jahre, 60 JL für jede solche von 8-12 Jahren und 30 JL für solche von 3—8 Jahren diejenigen Einwanderer einzuführen, denen die Regierung Freipassage gewährt, in welchem Falle der Contrahent von den Einwanderern keine Zahlung annehmen darf. Der Contract kann mit Zustimmung der Regierung an irgend eine Transport-Gesellschaft übertragen werden. Uebertretungen der Klauseln werden mit Strafen von 1-3 Contos belegt die im Wiederholungsfälle verdoppelt werden." Hierzu bemerkt die „Rio Post" folgendes: „Die Strafen sind für den vorliegenden Fall vollkommen bedeutungslos Den Einwanderern mit theilweiser Freipassage wird im Rio- und Santos-Hinterlande kein Kleingrundbesitz gewährt, weil dort noch keine Colonien nach deutschen Begriffen exlstiren. Volle Freipassage wird nur denen gewährt, welche Arbeitscontracte eingehen Letztere einzugehen muß entschieden wtderrathen werden, theilweise Passagierermäßiguna kann unter gewissen Vorsichtsmaßregeln von Personen, die bereits wissen, wie sie in Brasilien ihre Zukunft finden, angenommen werden, jedoch von Landwirthen die nach den drei Südprovinzen wollen, nur bis zum Hafen Rio, weil nur von ihm aus eine Weiterbeförderung der Einwanderer nach Rio Grande do Sul, Santa Katharina oder Parana hinreichend gesichert ist. Zum Schluß machen wir darauf aufmerksam daß die brasilrantsche Regierung bereits einen Agenten nach den drutschiebenden Gerieten Europas abgesandt hat, der in deutschen Zeitungen für die Auswanderung nach'der Provinz S. Paulo Propaganda machen soll." △ Mainz, 26. Mai. Die Frage, inwieweit ein hessischer Büraernieist-^ berechtigt ist, ihm anvertraute amtliche Personalakten dritten Personen zurEinsicht »u wird demnächst der Entscheidung der Mainzer Gerichte unterbreitet werden Anläßlich der gestern in Kastel stattgehabtcn Gemeinderathswahlen wurde nämlich in' einem Flugblatt zur Bekämpfung eines der Candidaten ein amtliches Actenstück im Auszug mttgetheilt. in welchem dem Betreffenden in seiner Eigenschaft als ftircftpn- rechner eine behördliche Rüge ertheilt wurde. Da das Aktenstücknurinbie Ä des Bürgermeisters gekommen, glaubt der Angegriffene auf dem Wege einer mHa}- lichen Klage gegen den Bürgermeister Genugtuung zu erhalten. 9 ner 0Cr A Worms, 26. Mai. Der Bau des für unsere Stadt projectirten Rolk«- theaters ist jetzt vollständig gesichert. In einer vorgestern Abend stattgehabten Sttzuna des Ausschusses wurde em fertiges Project vorgelegt, nach welchem die Gesammtkosien für den Bau auf 450 000 X berechnet sind. Von diesem Betrag finb 0 Opferwilligkeit der Wormser Bürgerschaft bis jetzt 200 000 Jt fond nerdu gebracht, eine 3Vr procentige Hypothek von 150 000 X ist durch die Sparkasse zugesagt^ i 30 000 ^ hofft man aus dem Erlös einer projectirten Lotterie zu erübrigen und her noch sehende Rest von etwa 70 000 wird durch einen Garantiefmids^lcheneinl Anzahl Burger zu beschaffen übernommen, sichergestellt. Der Ausschuß entschied sick dafur, daß die Ausführung für die Detailpläne des Projects, das durch einen in Aussicht genommenen großen Garten mit Musikpavillon eine Erweiterung erfahren hat Herrn Archrtect March m Berlin übertragen werde. Man hofft, daß die Detailpläne so rasch fertig gestellt werden, daß man Ende August d. I. schon mit den Arbeiten beginnen und die Fnndamente noch vor Eintritt des Winters fertigstellen kann ~ Der Hypnotiseur Herr Theo Böllert schreibt, daß der angebliche Arbeiter welcher am 14. Mai die hypnotische Sitzung in der Philharmonie zu Berlin störte' "n ..arbeitsloser „Zauberkünstler" sei, der Jahrmärkte zu beziehen pflegte. Herr Böllert erklärt, daß er die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben habe. — sEin Eivilmensch.) Lieutenant zu einem Kameraden: „Sehen Sie nur m,0D dort drüben geht der bekannte Schauspieler P. - Ist zwar Civilmensch, hat aber trotzdem em leidlich menschenähnliches Aussehen." — sDer „Todtenkopf" ein Honigräuber.^ Wie der „Todtenkopf" genannte große Schmetterlmg(8pdir»x atropoe) in die Bienenstöcke eindringt, um Honig zu saugen, darüber brlngt die „M.Z." folgende naturwissenschaftliche Mittheitung: Der „Todtenkopf" fliegt in der Morgen- und Abenddämmerung oder in nicht allzu dunklen Nächten, saugt aber wohl selten nur mit seinem kurzen Rüssel aus einer flachen Blüthe Honigsaft. Er ruht auL rr^t s"ben, von Wespen angeschnittenen Frucht, hängt am Ahorn-, Weiden- unv Etchenstamm, um sich an dem aussickernden Saft zu erlaben. Mehr aber als diesen aus Rißwunden fließenden Saft liebt er den Zellenhonig in den Bienenstöcken welcher an feuchtwarmen Abenden so stark und stärker duftet als die Blumen. Wie s^A^Obrmaus schwirrt der große düstere Schmetterling hart vor dem Stande, wohl scharf nach den Einfluglöchern der Stocke lugend, hin und her. Mit einem Male bricht er durch die Wachen in das Innere. Die treuen Hüterinnen der Pforte geben in diesem Moment schon die Zeichen, daß ber Räuber eingefallen. Das Ohr vernimmt deutlich den Allarm zur Abwendung der Gefahr. Eine kleine Schaar von Immen wirft sich auf den honiggterigen Gesellen. Mit den scharfen Mandibeln schneiden sie ihm eilig dre Spitzen von den Flügeln und tiefe Scharten in den Vorderrand, damit er nicht mehr entfliehen kann, und bohren die giftgefüllten Stachel in die weichen Fugen der Ringel des Hinterleibs. Befindet sich das Flugloch in einiger Höhe an der Seite des Stockes, so wird der Leichnam des überwältigten Räubers mit Klebewachs am Boden feftgektttet und ganz damit umhüllt. Ist es, wie neuerdings ja meist, am Grunde des Korbes oder der Beute, so wird der Leib des unglücklichen Schwärmers ungesäumt htnausgeschlerft und vom Stande hinabgeworfen. UniversstütS - Ghronik. IN 25. Mai. Die „Oberh. Zig." schreibt: Der tausendste Student ist gestern für das gegenwärtige Sommersemester an unserer alma mater Philippio» Ärftlrs ^°rden ~ ,ein ebenso freudiges Eretgniß für die Universität wie für die Stadt ist es doch fett der Gründung der Universität das erste Mal, daß sie ein Semester von solcher Frequenz zu verzeichnen hat — möge sie ihr allezeit erhalten Kirchliche Auzeiueu der Stadt Gieste«. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Samstag den 28. Mai. Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dingeldey. Pfingstsonntag, den 29. Mat. Vormittags 9Vz Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. x n .. Nachmittags 2V- Uhr: Pfarrer Schlosser. Nach betden Gottesdiensten Kollekte für die „hessische Lutherstiftung". Kinderklrche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser. Pfingstmontag, den 30. Mai. Vormittaas 9V2 Uhr: Pfarrer Dingeldey. der Mädchen und Feier des heiligen Abendmahls. Mrtn.nhVnrS Dankreihen von dem Altar m der Kirche aus sind für die Angehörigen der Confirmandinnen bestimmt. m , - Nachmittags 2l/3 Uhr: Pfarrer Schlosser. Nach belden Gottesdiensten Kollekte für die Armen der Gemeinde. Pfarre? vr.^Naumann.^^ f" aBodtie vom 29‘ Mai bis 4. Juni besorgt Katholische Gemeinde. P f i n g ft f e ft. Von 6 Uhr an Beichte. Um, ? Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. „ V-10 Uhr. Hochamt und Festpredigt. „ 2 Uhr: Festandacht. II. Von 6 Uhr an Beichte. Um, 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der 61. Communion. W V-10 Uhr: Hochamt. „ 2 Uhr: Andacht. Mittwoch, Freitag und Samstag sind Ouatemberfasttage. - c>,r. . Boitesdienß in der Synagoge. Freitag Abend 7^ Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Ubr. Wochenfest. — Adend 8^Uhr, Sonntag Morgen 8 Uhr, Sonntag Mittag 4 Uhr, Abrnd^^Uhr^ 8 ^ontaß borgen 8 Uhr, Montag Mittag 4 Uhr, Montag Zahresfest des überliess. Vereins für innere Mission am 8. Zum 1887 in der Stadtkirche zu Giessen. I Festgottcsdienst: Vormittags 10 Uhr. Festpredigt: Professor vr. Köstlin aus Friedberg. Jahresbericht: Pfarrer Schlosser. II. Verhandlungen um ll1/2 Uhr: 1) Ueber die Fürsorge für die Epileptischen im Großherzogthum Hessen. Referent: Dekan Dr. Stromberger aus Zwingenberg. 2) Ueber den Stand der Naturalverpsiegungsstationen in Oberhessen. III. Vorstand-wahl. Um 3 Uhr gemeinschaftliches Mittagessen im Hotel zum Einhorn (trocken Couvert 2 jl). 3974 Der geschristgsührende Ausschuß: »r. Gottschick, E. Kausfmann, Schloss«», Stamm. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Um anläßlich des gesteigerten Personen-Verkehrs zu Pfingsten einem zu großen Andrange des Publikums zu den Billetschaltern bei einzelnen Zügen vorzubeugen, werden vom 28. bis 31. d. MtS. auf den Stationen Caffel, Gießen und Frankfurt a. M. (Main-Weser-Bahn- Hof) in der Zeit von 6 Ubr Vormittags bis 6 Uhr Abends die Billetschalter ununterbrochen geöffnet gehalten, so daß die Billets unabhängig von den zu benutzenden Züzen ausgegeben und gleicherweise während dieser Zeit die zu expedirenden Gepäckstücke angenommen werden. Die an den fraglichen Tagen innerhalb der vorbezeichneten Tagesstunden gelösten Fahrbillets werden nur mit dem Datum der Ausgabe, unter Beifügung von V oder N (Vor- oder Nachmittag) abgestempelt. Die mit V abgestempelten Fahrbillets können zu beliebigen in der Zeit von 60 Vorm. bis 12° Mittags, die mit N sbgestempelten zu beliebigen in der Zeit von 121 bis 6U Abends abgehenden Zügen benutzt werden; hierbei wird jedoch ausdrücklich bemerkt, daß Tourbillets für Personenzüge keine Gültigkeit haben für die Schnellzüge. Cassel, den 20. Mai 1887. Königliches Eisenbahn-Betriebs-Amt. (Main - Weser - Bahn.) 4085 Bekanntmachung. Vom 1. Jnni ab wird eine Landpost zwischen Niedergemünden und Großfelda über Elpenrod, Hainbach und Ermenrod eingerichtet, welche zugleich zur Personenbeförderung für Rechnung und Gefahr des Herrn Postagenten Völzing in Großselda zu dienen hat. Die Landpost verkehrt Wochen» täglich einmal und erhält folgende Kurszeiten: 430 Vm. Großfelda 4öO „ Ermenrod 5L2 „ jf Hainbach 600 „ Ä Elpenrod 610 „ P Niedergemünden Ort 6d0 „ Niedergemünden Bhf. Vom gleichen Tage ab tritt in dem zum agentur in Niedergemünden gehörigen Orte Hainbach eine Posthülfstelle in Wirksamkeit, deren Verwaltung dem Herrn Gastwirth Heinrich Musch daselbst übertragen worden ist. Darmstadt, den 23. Mai 1887. N. der 910 85o n u M ff 740 7Ü0 650 Der Kaiserliche Ober-Postdirector. In Vertretung: Plaz. Bekanntmachung. In dem Conkurse über das Vermögen des Joseph Katz von Gießen ist der Schlußtermin auf Mittwoch den 22. Juni L I., Nachmittags 3 Ahr, anberaumt. Gießen, am 24. Mai 1887. Großherzogliches Amtsgericht, gez. Gebhardt. F. d. A.: Glässing, ___________Gerichtsschreiber. 4114 Lieferung^ Für das Großherzogliche akademische Hospital in Gießen soll die Lieferung von: ca. 2000 Ctr Anthracitkohlen, 2800 „ melirte Kohlen, 50 Kmtr. Tannen-Kcheit- l)ol$ aus dem Submissionswege vergeben werden. Offerten sind bis zum 4. Juni 1887, Vormittags 12 Uhr, auf dem Verwaltungsbureau obiger Anstalt, mit entsprechender Aufschrift versehen, versiegelt einzureichen. Die Bedingungen liegen an Wochentagen von 3—6 Uhr auf genanntem Bureau zur Einsicht offen. Gießen, den 26. Mai 1887. Großherzogliche Direction des akademischen Hospitals. __________Riegel._______4113 Arbeitsbersteigmmg. Donnerstag den 2. Juni, Nachmittags 1 Uhr, soll auf dem Gemeindehaus das Uwpflastern von etwa 250 L Meter AbzugSrinnen an den Wenigstnehmenden versteigert werden. Leihgestern, am 26. Mai 1887. Großh. Bürgermeisterei Leihgestern. Heß. 4117 Ieilgeöotenes. 4125] Frischflebrannte Feldbrandsteine können vom 1. Juni ab nach vorheriger Bestellung geladen werden; auch kann eine Parthie Ofenbrandsteine, starkes Format, abgegeben werden- Heinr. Schomber. 4124 Ein Stamm Hühner (Italiener) zu verkaufen. Näheres in der Exp. d. Bl. Große Auswahl in Rüschen neu eingetroffen. 4102 G-eschw. Feth, __Schulstraße 4.__ | Ladenkassen mit Amerik. Patent-Verschluß und Glockenfignal, um Unberufene von der Kaffe fern zu batten, bieten die beste Sicherheit für Tageskassen. Zu beziehen durch Nic. Valentin, kleine Hochstr 16, Frankfurt a/M. Gegen Hals- & Brust-Leiden sind die Stoll wer ck’schen Honig-Bonbons, Malz-Bonbons, Gnm- mi-Bonbons, ä Packet 20 Pfg., sowie Stollwerck’sche Brust - Bonbons, ä Packet 50 Pfg., die empfehlenswer- theeten Hausmittel. 371 Archlrn Emmknthsler Schweizerkäse frisch im Anschnitt. 4106 Carl Petri, Marktplatz. Eis n. Eisschräuke das neueste, feinste, beste und billigste bei 3524 H. Schmall, Hess. Hof. Mein Eiswagen geht täglich. Bitte Bestellung per Postkarte. 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Der Vorstand des Gesellschaftsvereins. ________________Gebhardt.___________________ 4118 Emcm geehrten Publikum von Gießen und Urn- gcgend die ergebene Mittheilrrng, daß ich die Wirthschaft im Kloster Arnsburg übernommen habe und wird es mein Bestreben fein, meinen werthen Gasten mit guten Speisen und Getränken zu mäßigen Preisen aufzuwarten. Achtungsvoll 1111__J- Thörner. I Freude*rg’scte Coflservatoriiuu für KaslT in Wiesbaden (Rhenistrasse 50). , D. „ Vollständ'ge Ausbildung für ausübende Künstler sowie Musik- aLitn nre.nnnen c'aviersP'el, Violine, Violoncello, Gesano a len Orchesterinstrumenten, Harmonielehre, Contrapunkt, Composition durchEprnsnArt«rafte" am * October und > April. AlIeSPNähere umvii rruspecio. 3783 tiescEäfts-Eröffiinn& Ich eröffnete heute ® — Schweiz. =— Vierwoian?e! Meii, Tüssw?ätfc 197« — Beziehung beruhigt fern können. Jeoer 3,® ifi °"SS"iesen wenn gewünscht, die Badewäsche gegen verkauft eme festgesetzte Taxe zu trocknen und aufzubewahren. 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