Mr. 224. Dienstag dm 27. September 1887. (<>ii’ßi’ncr Anzeiger Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen. ---ul»,.«, 7. wt MM ml< »-.ch-, M »U.IW. W Amtlicher HHeil. Betreffend: Erhebung von Domanialgefällen. Grünberg, den 26. September 1887. Die Größtmögliche Mriktseinnehmerei Grünberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien de- Distriktseinnehmerei-BezirkS. Wir ersuchen Sie in Ihren Gemeinden alsbald bekannt machen zu lasten, daß die Berichtigung der Ende September 1887 fälligen Domanialgelder fir Holz, Heugras und Waldnebennutzungen bis zum 25. k. Mts. hierher zu erfolgen hat und daß, wenn die Abführung der Schuld in dem angegebenen Termin nicht erfolgt, den gesetzlichen Bestimmungen gemäß das Zwangsverfahren eintritt. Glock. Politische Aeberstcht. Gießen, 26. September. Die Vereinbarung, welche die Führer der Kartell-Parteien über die Verlängerung der Legislatur-Perioden getroffen haben, bezieht stch zwar vorläufig nur auf den Reichstag; doch wird auch an den preußischen Landtag, den „Hamb. Nachr." zufolge, die Aufgabe herantreten, stch ebenfalls über die Verlängerung seiner Legislatur-Periode schlüsstg zu machen. Erfolgt auch in Preußen die Verlängerung, so wird ste hier sogar früher praktisch werben, als im Reiche; denn das Mandat des gegenwärtigen Abgeordnetenhauses läuft im Herbst 1888 ab, die dann stattstndenden Neuwahlen würden also bereits für fünf Jahre erfolgen, während der Reichstag zum ersten Male Anfangs 1890 auf fünf Jahre zu wählen sein würde. Für die Eröffnung des orientalischen Seminars, welche Dienstag den 18. October erfolgen wird, sollen demnächst die erforderlichen Bestimmungen getroffen werden. Von den Lehrern, welche für den wiffenschast- lichen Unterricht in den Sprachen berufen wurden, befinden stch die Herren Dr. Lange (Japanisch), Dr. Reich (Hindostanisch), Andrea» (Perstsch und Türkisch) und Misstons-Jnspector Büttner (Suahelis bereits in Berlin. Auf der Herreise befinden stch Arendt aus Peking und Dr. Hartmann au» Beirut in Kleinasten, der Erstere zum Lehrer für das Chinesische, der Letztere für das Arabische und Türkische ernannt. Der Scheck, welchen der Khedive von Egypten zu den praktischen Uebungen im Arabischen empfohlen hat, ist nach etngetroffener Meldung ebenfalls abgeretst. Da derselbe des Deutschen nicht mächtig ist, so sind die Consuln unterwegs angewiesen, stch seiner anzunehmen; auch in Berlin wird ihm ein des Arabischen Kundiger zur Seite stehen. Die Anmeldungen für den Unterricht haben stch in letzter Zeit bedeutend gesteigert, ste stud auf über 100 angewachsen; allein für das Arabische erfolgten die Anmeldungen so zahlreich, daß von vornherein die Einrichtung von mehr als einem Cursus nöthig werden dürste, da die Zahl der Thetlnehmer eines solchen in der Regel nicht mehr als zwölf betragen soll. Besondere Sorgfalt wird auf die Einrichtung der Bibliothek des Seminars verwandt, für welche in dem Etat an außerordentlichen und ordentlichen Ausgaben über 20,000 JL ausgeworfen find. Wie es heißt, ist bereits ein Orientalist aus Marburg al» Bibliothekar berufen. Die englische Mittelmeer-Flotte weilt seit einigen Tagen an der istrischen Küste und ist ste daselbst ein Gegenstand ungewöhnlicher Aufmerksamkeiten. In Triest wie in Pola, dem Kriegshafen Oesterreichs, werden die englischen Gäste, an ihrer Spitze der fürstliche Commandeur des Geschwaders, der Herzog von Edinburgh, seitens der osficiellen Kreise in glänzender Weise gefeiert und durch die verschiedentlichen Banketreden erklingt immer wieder ein bedeutsamer politischer Ton. So auch auf dem Diner, welches die Hafenbehörden von Pola am Mittwoch den Officieren des englischen Geschwaders gaben. Der brfenadmiral Pötner und der Herzog von Edinburgh brachten die osficiellen Toaste aus und hierbei hob der Letztere den Fortbestand der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und England in nicht mißzuverstehender Weise hervor. In Wien wie in London folgt man den Flotten-Festlichkeiten in den österreichischen Hafenstädten mit besonderem Jntereffe; ob tndeffen die Folgerungen, welche namentlich die englischen Blätter aus diesen Verbrüderungrsesten an der Adria ziehen und denen zufolge es sich um einen förmlichen Eintritt in die deutsch - österreichische Allianz handeln soll, richtig sind, muß denn doch noch abgewartet werden. Die großen Herbstmanöver der österreichisch-ungarischen Truppen im südlichen Ungarn find am Mittwoch beendigt worden. Kaiser Franz Joses, welcher denselben von Anfang bis Ende beiaewohnt hatte, äußerte stch vor der Front der Manöver-Truppen in höchst anerkennender Weiss über die glänzende Ausbildung derselben. Als einen Prolog zu der bevorstehenden Reichstags-Session in Ungarn kann man die Rede betrachten, welche Ministerprästdent Tisza vor feinen Großwardeiner Wählern gehalten hat. Den Schwerpunkt derselben bilden die Aeußerungen über die Ftnanzsrage; Tisza meinte, daß die Regelung der Finanzen durch die Heereskosten erschwert werde. Er (Tisza) glaube begründete Hoffnung zu haben, daß der Friede nicht so bald gestört werde. „Wir find aber gezwungen, unsere Wehrkraft zu erhalten und zu entwickeln in einer Zeit, wo alle Staaten um uns nicht nur die Erhaltung, sondern auch die Vermehrung ihrer Heereskraft anstreben." — Dieser Gedanke dürfte stch vermuthlich auch in der Thronrede wiederfinden. In der diplomatischen Behandlung der bulgarischen Affaire ist ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen. Die Pforte hat eine Note an da» Petersburger Cabtnet gerichtet, in welcher ein neuer Meinungsaustausch der Mächte über die Krifis in Bulgarien angeregt wir; zunächst will aber die Pforte, um einen solchen herbeizuführen, stch wiederum mit Rußland in1« Vernehmen setzen. Da wird frellich etwas Rechte« heraussprtngen! Deutschland. Darmstadt, 24. September. (Ordensverleihung.) Das „Militär- Wochenblatt" meldet: Se. Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigft geruht, dem Secondlieutenant im 1. Großh. Hess. Ins.- (Leibgarde-) Regt. Nr. 115 Ernst Ludwig, Erbgroßherzog von Hessen und bei Rhein, Königliche Hoheit, die Erlaubniß zur Anlegung des von Ihrer Majestät der Königin von England ihm verliehenen Großkreuzes (Civilklaffe) des Bathordens, sowie der goldenen Jubiläums-Medaille zu ertheilen. Darmstadt, 22. September. Das Großh. Regierungsblatt (Beilage Nr. 25) enthält: 1. Ocffentliche AnerkenMng einer edlen That: Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Schifferknecht Heinrich Berns aus Essenberg, Kreis Moers (Königl. Preuß. Regierungsbezirks Düffel- dorf), in Anerkennung der von demselben am 30. Juli (. Js. mit Muth und Entschloffenheit und unter eigener Lebensgefahr vollbrachten Rettung des zwölfjährigen Karl Draut aus Gernsheim vom Tode des Ertrinkens die Rettungsmedaille zu verleihen geruht. 2. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That: Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Schiffner Ludwig Klöckner zu Mainz, welcher am 31. Juli d. Js., in der Abficht, die Insassen eines in der Mitte des Rheins nächst der Mainzer Straßenbrücke umgeschlagenen Kahnes zu retten, von der Höhe dieser Brücks in den Strom hinabsprang, in Anerkennung dieser mit ungewöhnlichem Muth und mit erheblicher Lebensgefahr unternommenen That, eine Geldprämie zu bewilligen geruht. 3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1887 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Mainz. 4. Ordensverleihungen. 5. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines ftemden Ordens. 6. Charatterertheilungen. 7. Namensveränderungen. 8. Abwesenheitserklärungen. 9. Dienstnachrichten: Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht: Am 12. Juli den von dem Herrn Freiherrn Schenk zu Schweinsberg aus bie evang. Pfarrstelle zu Ober-Breidenbach präsentirten evang. Pfarrer Heinrich Wolkewttz zu Gartrop für diese Stelle zu bestätigen; am 31. August dem evang. Pfarrer Heinrich Dietz zu Bielefeld die evang. Pfarrstelle zu Messel zu übertragen. Am 14. August wurde der von dem Kreisrath, dem kath. Pfarrer und dem Stadtvorstand zu Heppenheim a. B. auf die erste Mädchen-Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heppenheim a. B. präsentirte Schulamtsaspirant Peter Hofmann au» Ebersheim für diese Stelle bestätigt; an dems. Tage wurde dem Schullehrer Joh. Konrad Sturmsels zu Semd eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Babenhausen, am 17. August wurde dem Ministerial-Revisor bei dem Ministerium der Finanzen, Rechnungsrath Friedrich Wimmenauer die Stelle de» Secretär» bei der Civildiener-Wittwenkaffe-Commission, am 23. August wurde dem Schullehrer Friedrich Förster zu Nieder-Breidenbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiterstadt übertragen; am 24. Aug. wurde der Htlfsweisen- wärter Adam Hundsdorf aus Arheilgen zum Weichenwärter der Nebenbahn Eberstadt-Pfungstadt ernannt; am 27. August wurde dem Schullehrer Heimlich Völflng zu Ober-Seibertenrod eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Garbenteich, an dems. Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Ludwig Storck aus Spachbrücken eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wembach-Hahn ü^r* tragen; am 6. September wurde dem Philipp Schwabenland aus N^der- Hilbershetm das Patent als Geometer der 2. Klaffe für den Kreis Bin en ertheilt; an dems. Tage wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürst-nau aus die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hüttenthal präsentirte Schulaa.ts- aspirant Ludwig Roth au» Reisen für diese Stelle bestätigt, (Schluß folgt.) Darmstadt, 24. September. Se. Königs. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen ist heute zum Besuch der Großh. Famile hier eingetroffen. Berlin, 24. September. Se. Majestät der Kaiser empfing Vormittags den Generalmajor v. Winterfeld, welcher sich Abends nach Toblach zum Kronprinzen begibt, später den Vortrag Albedyll's, hierauf General Wißmann und viele militärische Meldungen. Nachmittags V/a Uhr fand im Beisein des Staatssecretärs Grafen Bismarck des Ober-Cercmonienmeisters Grafen Eulenburg und des Ceremonienmeisters v Romberg der Empfang des chtnefischen Gesandten Hsüchnigcheng, des Dollmetschers Krever und des Legationssecretärs Tschitsmtgtsang statt, welche dem Kaiser im Namen des chinesischen Kaisers Geschenke überreichten. Um 2 Uhr wurde Prinz Wilhelm vom Kaiser ^^^?^Reichsanzeiger" meldet, daß Dr. Morell Mackenzie, welcher sich auf einer Erholungsreise befindet, Se. König!. Hoheit den Kronprinzen in Toblach besuchte. Er constatirte ein erfreuliches Fortschretten der Besserung des Halslerdens Sr. Kömgl. Hoheit und stellte einen nochmaligen Besuch vor seiner Abreise nach England in Aussick^E^ 24. September. Der heule vom Kaiser empfangene neue chinesische Gesandte Hsü-Ching-Cheng überreichte noch nachträglich ein Glückwunschschreiben seines Herrn zum Geburtstage des Kaisers Wilhelm, welches in Uebersetzung lautet: „Der Kaiser des großen chinesischen Reiches entbietet dem Deutschen Kaiser und Könige von Preußen Seinen Gruß! Am achtundzwanzigsten Tage des zweiten Monats dieses Jahres begingen Eure Majestät das freudigsegenvolle Fest des neunzigsten Geburtstages. Als ich hiervon Kenntniß erhielt, war Ich darüber hocherfreut! Im Hinblick auf das sehr freundschaftliche Verhältniß und die ausgezeichneten Beziehungen zwischen China und dem Reiche Eurer Majestät sende Ich dieses Glückwunschschreiben nebst einigen Geschenken. Zur Darbringung Meiner Glückwünsche, sowie des Ausdruckes Weiner freundschaftlichen Gefühle habe Ich Meinen Beamten zweiten Ranges, Mitglied der Hanlin-Akademie und bet Eurer Majestät beglaubigten Gesandten, Hsü- Chtng-Cheng, beauftragt. Ich gebe Mich der angenehmen Hoffnung hin, daß Euer Majestät Regierung zu allen Zeiten von Glück und Segen begleitet sein — und zum Heile unseres beiderseitigen aufrichtigen Friedens gereichen werde!" Die Geschenke, welche mit dem Schreiben übergeben wurden, bestehen in kostbaren Gegenständen aus Jade, einer chinesischen Steinart, Porzellanvasen, Wandgehängen von Seide mit Stickereien, Theekisten u. dergl. Potsdam, 24. September. Se. K. H. Prinz Wilhelm ist heute Abend über Breslau nach Ungarn abgeretst, um auf den Gütern de2 Prinzen Philipp von Coburg an Jagden theilzunehmen. Karlsruhe, 24. September. Ihre Majestät die deutsche Kaiserin traf heute Mittag hier ein und begab sich in das Ständehaus, wo Ihre Majestät mit den Großh. Herrschaften in der Sitzung der vierten internationalen Conferenz der Vereine vom Rothen Kreuz erschien. Nach derselben empfing Ihre Majestät das Präsidium, sowie einzelne Mitglieder der Conferenz und kehrte gegen 2 Uhr nach Baden zurück. Karlsruhe, 24. September. Internationale Conferenz der Vereine vom Rothen Kreuz. Der heutigen Sitzung der Conferenz wohnten Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die Frau Großherzogin, sowie der Erbgroßherzog bet. Um 12 Uhr erschien Ihre Majestät die Kaiserin, welche von Baden-Baden hier eingetroffen war. Zur Berathung kam die Frage der Stellung des internationalen Comitö's und der Beziehungen der Centralcomitö's zu demselben. Die hierzu gestellten russischen Vorschläge, welche eine Aenderung in der Stellung des internationalen Comttö's bezweckten, wurden abgelehnt und die Beschlüsse der Commissionsmehrheit angenommen, welche die Beibehaltung des in Genf residirenden internationalen Comitö's in der bisherigen Art empfehlen. Nachmittags hielt Professor Kraske aus Freiburg einen Vortrag über Verbandgeschosse, die sodann bei den damit vorgenommenen Schießübungen praktisch vorgeführt wurden. Hesterreich. Wien, 22. September. Das „Wiener Fremdenblatt" sagt anläßlich des Minister- jubiläums des Fürsten v. Bismarck: „Wir Oesterreicher gratuliren unserem großen Freunde, dem Letter der Politik des engverbündeten Reiches, dem Mitbegründer einer Allianz, welche den Frieden Europas wahrt." Der Artikel rühmt dann die innere reformatorische Thättgkeit des Fürsten Bismarck und seine unerschöpfliche Arbeitskraft. Es wäre nicht leicht, einen Staatsmann zu nennen, der, mit so großer Machtfülle ausgestattet, seinen höchsten Ehrgeiz darin suchte, die Ruhe der Stationen zu wahren. Toblach, 24. September. Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz gedenkt morgen Vormittag 11 Uhr nach Venedig abzureisen und unterwegs im Hotel di Trento in Trient zu übernachten. Ihre K. u. K. Hoheit die Kronprinzessin wird erst übermorgen über Ampezzo nach Venedig sich begeben. Irankreich. Paris, 24. September. Der Finanzminister Rouvier hat der Budgetcommission durch ein Schreiben mitgetheilt, daß das ursprüngliche vom früheren Finanzminister Dauphin eingebrachte und nach seinen (Rouvier's) Vorschlägen auf 122 Millionen ermäßigte außerordentliche Budget in Folge neuer vom Kriegsminister und vom Marineminister vorgenommener Reductionen nur noch 100 Millionen betrage. Kngkand. London, 24. September. Die „Times" widmet dem 25jährigen Ministerjubiläum des Fürsten Bismarck einen sympathischen Leitartikel, in welchem sie sagt: Unsere Glückwünsche sind um so aufrichtiger, weil Niemaud daran zweifeln kann, daß die Stärke und die Einigkeit Deutschlands, welche die großen Errungenschaften des Fürsten Bismarck sind, die sicherste und solideste Bürgschaft für die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens bilden und stets gebildet haben. In dieser Hinsicht war die Dauer der ministeriellen Stellung des Fürsten Bismarck sicherlich von unermeßlichem Vortheil für Europa. Nichts in der jüngsten Geschichte der europäischen Politik läßt sich mit der einzigen Stellung vergleichen, welche der deutsche Reichskanzler einnimmt; am 25. Jahrestage seines Eintritts in das Ministerium steht er stärker und fester da als je vorher. Nur Fürst Bismarck konnte die deutsche Nation durch die Schwierigkeiten und Gefahren, welche ihren Pfad umlagerten, führen, und die Schöpfung des deutschen Reichs ist sicherlich die größte staatsmännische Leistung unserer Zeit. Schweden. Stockholm, 24. September. Bet den gestern hier stattgehabten Wahlen zur zweiten Kammer siegten durchweg die in der Liste der Liberalen (Freihändler) auf- gestellten Candidaten, die meisten Stimmen erhielt Professor Key mit 6670, Redacteur Gustafson, der unter den liberalen Candidaten die wenigsten Stimmen auf sich vereinte, erhielt noch 4800 Stimmen. Die höchste Ziffer der für einen Candidaten der rein vrolektionistischen Partei abgegebenen Stimmen betrug nur'2800, diejenige für einen Candidaten der gemäßigten Freihandelspartei nur 1820 Stimmen. Mit diesem Ausfall der Wahlen ist der Freihandelspartei die absolute Majorität in der zweiten Kammer gesichert. Telegraphische Depeschen. Wolsf'S telegr. Correspondenz-Bureau. Berlin, 25. September. Se. Majestät der Kaiser hat heute Abend 6V» Uhr mit großem Gefolge die Reise nach Baden-Baden angetreten. Frankfurt a. M., 25. September. Die heute hier tagende außerordentliche Hauptversammlung des Börsenvereins der deutschen Buchhändler, an welcher 395 Ver- einsmitglicder aus allen Theilen Deutschlands theilnahmen, nahm nach einer von dem ersten Vorsteher, Commercienrath Adolf Kröner (Stuttgart) gegebenen, die gegenwärtige Lage und die Bestrebungen des Buchhandels beleuchtenden und mit großem Beifall oufgenommenen Darlegung, die Vorlage, betreffend die Revision der Statuten an Dieselbe ist bestimmt, die Aufrechterhaltung und weitere Entwickelung eines gesunden Provinzial-Sortimentsbuchhandels zu gewährleisten und die Machtmittel des Vereins 3 gegen Schleuderei im Buchhandel zu vermehren. ; Magdeburg, 25. September. Der heutige Kongreß für erziehliche arbeit wurde im Beisein des Geheimen Ober-Regierungsrathö Lohmann als gSl . des Reichsamtes des Innern, von Vertretern des preußischen KultusministenumLtter anderer Ministerien, des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen, Herrn von \nt> Spitzen hiesiger Regierungs- und städtischer Behörden im .dichtg-MtL Saale des Furstenhoses hrerselbst abgehaltcn. Vertreter auswärtiger Verein, Schweden, Oesterreich, sowie Delegirte zahlreicher Communen hatten sich einatiii»?u5 Der Congreß wurde durch Herrn Oberbürgermeister Bötticher begrüßt. An her Sh beteiligten sich Lammers-Bremen, Dr. Götze-Leipzig, Oberrealschul-Direktor Brieg, Geh. Sanitätsrath Dr. Kristella-Berlin und im Schlußwort o. Schenkend Görlitz, worauf eine längere lebhafte Debatte folgte, welche sich in allen Theilen • stimmend zu der Bestrebung des Vereins äußerte. Paris, 25. September. Durch eine Mittheilung des Kriegsministeriums die Zeitungen wird die Blättermeldung, daß die Herstellung der Gewehre nach den, neuen Modell eingestellt worden sei oder langsamer betrieben werde, als unbearünb^t bezeichnet und erklärt, daß der Kriegsminister Ferron sofort bei seinem Dienstantritt eine beschleunigte Herstellung angeordnet habe und daß diese in sortwährend fteiaenhrr Progression vor sich gehe. Hinzugefügt wird, daß die mit Zustimmung des Krievs- ministers eingetretene Herabminderung der geforderten Credite ohne Einfluk (m s.7' Herstellung der Waffen und Patronen. b aur ötc Petersburg, 25. September. Der „Deutschen Petersburger Zeitung" iUfnrrt» wäre eine demnächstige allgemeine Erhöhung des Zolltarifs zu erwarten- Jn oji Positionen desselben sollen nur 88 intakt bleiben. ’ 1 E v k a l e s. Gießen, 26. September. Se. Majestät Kaiser Wilhelm traf heute Morgen 4< auf der Durchreise nach Baden-Baden begriffen, auf hiesiger Station ein. Nack ein-».' Aufenthalt von 7 Minuten dampfte der Zug weiter. nem Gießen, 24. September. sSchwurgericht.j Die letzte Verhandlung dieser Session gegen Heinrich Rieb von Rüddingshausen endigte mit Freisprechung desAngeklaoten Derselbe stand unter der Anklage des Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Die Ge- schworenen verneinten jedoch die Schuldfrage und erfolgte deshalb Freisprechung Gießen, 26. September. Am vergangenen Samstag Abend sprach itn ^nni, des Hotels „Prinz Karl" Herr C. Sänger aus Frankfurt a. M., Prediger der dortigen deutschkatholischen (freireligiösen) Gemeinde über die Grundsätze der freirdtaiöVn Gemeinden. Der Redner gab zunächst ein Bild der Entstehung und Entwicklung btt deutschkatholischen und freireligiösen Bewegung und verbreitete sich sodann über die Hauptgrundsätze der freien Gemeinden. Nach Schluß des Vortrags theilte Herr C. Braubach von hier mit, daß dahier die Gründung einer solchen Gemeinde im Aussicht genommen sei und forderte zum Beitritt zu derselben auf. Eine Anzahl Herren aus der zahlreich besuchten Versammlung leisteten dieser Aufforderung alsbald Folge. _____________ Universität- - Ghronik. — An die Stelle des nach Leipzig berufenen Lehrers der Musik an der Universität Rostock, Professor Dr. H. Kretschmar, wird der Musikdirector Dr. Alber: Thierfelder aus Brandenburg a. H. treten. De«u»i-chte-. △ Mainz, 25. September. In einem Theil der hessischen Presse wie auch in der „Frankfurter Zeitung" ist meine neuliche mir, wie ich wiederhole, aus zuverlässiger Quelle von Darmstadt zugekommene Mittheilung, daß zwischen Hessen und Preußen wegen des Erwerbs der Ludwigsbahn jüngst Verhandlungen gepflogen worden sind auf Zweifel gestoßen. Die „Frankfurter Zeitung", die nie verschmerzen kann, wenn andere Blätter besser unterrichtet sind, wie sie, hat zwar die behaupteten Tatsachen nicht bestritten, sondern nur in ihrem Aerger, weil beregte Mittheilung durch andere Organe zuerst in die Oeffentlichkeit gedrungen sind, die Fassung der Nachricht früifirt und mit einigen journalistischen Wendungen behauptet, Ihr Correspondent hätte eigentlich längst bekannte Dinge nur aufgebauscht, in einer neuen Version in die Oeffentlichkeit gebracht. Anders verhält es sich mit dem Zweifel einiger hessischer Blätter, welche am die Mittheilung, daß Hessen bereit sei, unter der Bedingung, daß Preußen gleichzeitig sämmtliche hessische Bahnen käuflich erwirbt, das Vorkaufsrecht auf die Hessische Ludwigsbahn aufzugeben, um deßwillen nicht glauben wollen, weil unter den Bahnen, welche Preußen sich hiernach käuflich zu erwerben verpflichten müsse, auch der sich gut rentirenbe hessische Theil der Main-Neckar-Bahn sei. Dieser Einwand eines Darmstädter Blattes, das, beiläufig bemerkt, keinerlei Fühlung mit Regierungskreisen bat, verräth eine ebenso große Naivität für Eisenbahnpolitik wie Unkenntniß der einschlägigen Verhältnisse, denn zum Ersten wird bekanntlich der Gewinn, den die hessische Staatskasse von der Main-Neckar-Bahn hat, durch die Zinsgarantie für die Ober- hessischen Bahnen fast ganz verschlungen und zum Zweiten werden sich die Einnahme» der Neckarbahn, wenn die Ludwigsbahn in Besitz Preußens ist, wesentlich anders gestalten, indem es Preußen alsdann ohne viele Mühe in der Hand hat, auf dieselbe Weise wie es jetzt die Ludwigsbahn in ihrem Güterverkehr beschränkt, auch die Neckarbahn auf der für Hessen in Betracht kommenden Linie im Personenverkehr zu schmälern. Dazu tritt noch als dritte Erwägung, daß die Entwickelung der Eisenbahnverhältniffe in Oberhessen nach Lage der Dinge ohne Verständigung mit Preußen nie fortschreiten kann. △ Aus Rheinhessen, 25. September. In Biebesheim herrscht unter der Schuljugend feit einiger Zeit derartig die ägyptische Augenkrankheit, daß die Schuler geschlossen werden mußten. In Heß loch grassirt in bedenklicher Weise das Scharlachfieber und zwar nickt allein unter den Kindern, sondern auch bei den Erwachsenen. Handel und Verkehr. Grünberg, 24..September. (Fruchtpresse.) Weizen 16.70, Äom M 14.4j Gerste 13.60, Hafer JL 11.10, Erbsen 00 00, Linsen JL 00.00, Lein JL OO-M Samen JL 21.60, Kartoffeln JL 0.00, Wicken 00.00. Frankfurt, 24. September. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln pe Malter JL 7.00-8.00, das Gescheid 10-12 Eier das Hundert JC 6 00-8.00, bml St. 6-8 Butter im Großen JL 00.00—00.00, im Detail das Pfund 1.3 bis 1.50, Weißkraut per Stück 12-20 H, Rothkraut per Stück 20-30 H, Kohlra» A^Stück 3—4 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45-to 4 ^^^ 40—50 ^, Schweinefleisch 65-75 H, Hammelfleisch 50-65 1 M JL 0.80—1.60, 1 Huhn 1.00—2.50, 1 Ente JL 2.00—3.00, Gans Pfund 60—70 H 1 Taube 40-60 Welsche JL 10.00—12.00. Repertoir der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt a. L!. Opernhaus. Dienstag den 27. September: Hernani. Hierauf: Coppelia. GroG Preise. Mittwoch den 28. September: Lohengrin. Große Preise. Auß;. Abonnement. Donnerstag den 29. September: Waffenschmied. Mittelpreise. Freitag den 30. September: Glocken von Corneville. Mittelpreise. 2kub- Abormement. Samstag den 1. October: Zum ersten Male: Cid. Oper in 4 Allen v D'Ennery, L. Gallet und Ed. Blau. Musik von Maffenet. Große Preise. Sonntag den 2. October: Fidelio. Große Preise. EchanspielhauS. Dienstag den 27. September: Gei er w ally.. Große Preise. Mittwoch den 28. September: Odette. Große Preise. f . Donnerstag den 29. September: Vorstellung bei ermäßigten Preisen, vam •- Außer Abonnement. Freitag den 30. September: Maria und Magdalena. Große Preye. Samstag den 1. October: Zum ersten Male: Die Liebesleugner Schauspiel in 4 Akten von R. Misch.' Sonntag den 2. October: Zum ersten Male wiederholt: Liebesleugne Große Preise. Allgemeiner Anzeiger. Lieferung von Baumpsähirn. Die Lieferung von Baumpfählen auf die nachstehenden Kreisstraßen soll im Wege schriftlichen Abgebotes vergeben werden; es werden erforderlich auf Strecke Kleinlinden—Lützellinden 91 Stück, Großenlinden—Lützellinden 58 „ Lechgestern—Steinberg 44 „ Watzenborn—Garbenleich 186 „ Grüningen—Langgöns 100 „ Reiskirchen—Hattenrod 220 „ Göbelnrod—Grünberg 42 „ Die Pfähle sollen 2,8 m Länge und 6—8 cm Durchmesser haben, und sind geschält, an den Enden gespitzt, unten überdies angekohlt bis längstens 1. November d. I. auf die betreffenden Strecken anzuliefern. Angebote auf die ganze Lieferung oder auf einzelne Strecken sind bis längstens 1. October d. I., Vormittags 10 Uhr, bei dem Unterzeichneten verschlossen einzureichen. Gießen, am 26. September 1887. Der Kreisingenieur: 7130 Gnauth. BbstnerfteWung7 Donnerstag, 29. September, Vormittags 10 Uhr, soll das der Gemeinde Grüningen zustehende Obst, bestehend in Aepfel, Birnen und Zwetschen, meistbietend versteigert werden. Die Zusammenkunft ist im Ort. Grüningen, den 25. Sept. 1887. Großh. Bürgermeisterei Grüningen. __________Gilbert. 7138 Dbftverftttgenmg. Mittwoch den 28. September von Vormittags 10 Uhr an soll das Obst der Gemeinde Bettenhausen, bestehend in Aepfeln, Birnen und Zwetschen an Ort und Stelle versteigert werden. Zusammenkunft im Ort. Bettenhausen, 24. September 1887. Großh. Bürgermeisterei Bettenhausen. __________Rücket. 7118 Mittwoch den 28. September, Vormittags 10 Uhr, rotTb in der Nenzel und May'schen Fabrik (Lohmühle) eine Parthie 7132 Nußkohlen Segen sofortige Baarzahlung versteigert Hoffmann, Konkursverwalter- Bekanntmachung. Mit dem 1. Oktober d. Js. wird der zwischen den Stationen Butzbach und Bad Nauheim errichtete Personenhaltepunkt ««heim (M.-W.-B.) eröffnet und halten daselbst bis auf Weiteres die Züge 315, 319, 321 bezw. 318, 322, 324. Eine direkte Personenbeförderung wird eingerichtet zwischen Ostheim (M-W.B.) einerseits und Gießen, Lang-Göns, Butzbach, Bad Nauheim, Friedberg und Frankfurt a. M. (Main-Weser-Bahnhof) andererseits. Gepäck wird nur nach, nicht auch von Ostheim (M.W.B) expedirt werden. Das Nähere ist bei den betreffenden Expeditionen zu erfahren. Hannover, den 19. September 1887. __Königliche Eisenbahn-Direction.__________________7148 'Bekanntmachung. Die Lieferung von 20 Gentner gebrochener Aepfel für das akademische Hospital in Gießen soll aus dem Submissionswege vergeben werden. Bewerber wollen ihre Offerten mit der Aufschrift „Submission auf Aepfel" versiegelt bis 7116 zum 30. September 1887 Vormittags 12 Uhr aus dem Verwaltungsbureau des akademischen Hospitals einreicheu. Gießen den 24. September 1887. Gr. Direction des akad. Hospitals. Mstverfleigerung. DienStag den 27. September, Vormittags 10 Uhr, soll das der Gemeinde Annerod gehörige Obst, bestehend in Aepsel, Birnen und Zwetschen, meistbietend an Ort und Stelle versteigert werden. Die Zusammenkunft ist bei der Kirche. Annerod, am 23. September 1887. Großh. Bürgermeisterei Annerod. Engelhardt. 7072 Aeifgeöolenes. Kiefern-Knüppel 1 Waggon L Jt. 4‘/a p. Rm. franco Station Gießen offenrt 7423 Nidda. H. W. Cloos 4 Hamburger 2 Fisch- u. Delik. Handlung ti A- Koch Nachf. empfiehlt heute und Dienstag früh ein- treffend: Leben-frische Helgol. Schellfische und Cabliau, Ostender Seezungen, frische Hechte und Zander, ächte Kieler Sprotten u. Bücklinge, Mündern, fst. Brathäringe, Deli- kätetzhäringe in Tomaten- und diversen Saucen, fst. rusfischen Caviar, Helgo- länder Hummer._____________7150 7151] Ast. ächte Franks. Würstel, täglich frisch eintreffend, Gothaer Cervelatwurst, pommersche Gänsebrust, div. seine Fleischwaaren u. Käse bei A. 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Habe die Ehre zu berichten, daß ich eine neue Sendung von diesem anerkannt guten Biere, hell sowie dunkel, in Zapf genommen habe. Gleichzeitig empfehle ich meine anerkannt gute Küche bei ausgezeichneter Frühstück- und Abendkarte in reicher Auswahl. Vom 1. October guten Mittagstisch um 12’/2 Uhr und ersuche höflichst Herren, welche daran theilnehmen wollen, sich bis dahin zu melden. Um vielfachen Wünschen meiner geehrten Gäste zu genügen, habe ich von heute ein Lager in Flaschenbier von diesem ausgezeichneten Stoff, hell wie dunkel, stets vorräthig; bitte höflichst um Bestellungen. Bei Abnahme von 12 Flaschen liefere frei üVs Haus. Hochachtungsvoll Bttresci», 7033 Sonnenstraße 14. Bier im Faß gebe ich aus meinem Lagerkeller bei billigster Berechnung ab. Schulhof