Ar. 121 Freitag dm 27 Mai 1887. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vitrearrr Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps. genommen. Es folgt die dritte Berathung der Novelle zum Quartierleistungsgesetz. Abg. Rintelen (Centr.) beantragt die Aufnahme einer Bestimmung, welche besagt: „Der Rechtsweg gegen die Feststellung (der durch Truppenmärsche zc. verursachten Schäden) ist nur binnen sechs Monaten nach dem Schätzungstermin zulässig. Es ist ausgeschlossen, wenn nur die Höhe des festgestellten Betrages streitig ist und die Feststellung nicht darauf sich gründet, daß ein Verschulden des Eigenthümers odcc Gcspannführers bezw. des Besitzers oder Schiffers vorliege." Bundescommissar Generalmajor Blume bittet, den Antrag abzulehnen, da für denselben ein Bedürfniß nicht vorliege. Abg. v. Rheinbaben (Reichspartei) erklärt sich gleichfalls gegen den Antrag. Es werde bei Feststellung der Entschädigung erfahrungsgemäß die allergrößte Rücksicht genommen. Nachdem sich noch Staatssecretär v. Bötticher und Abg. v. Unruhe-Bomst (Reichsp.) gegen den Antrag Rintelen ausgesprochen, wird derselbe gegen die (Stimme des Antragstellers abgelehnt und die Vorlage nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genheiten hinzuwirken und sollen die Mächte den Bulgaren einen ober zwei Thron-Candldaren vorschlagen. Zeit wäre es freilich, daß die bulgarische Frage aus ihrem gegenwärtigen Stadium der Versumpfung endlich einmal herauskäme! Die Pforte hat ihre vor einiger Zeit ausgesetzte diplomatische rlction, um die bulgarische Frage wieder in Fluß zu bringen, von Neuem ÄAb angewiesen worden, ■ ber Einnahme aus der Zuckersteuer und mit dem financiellen «eour^mr Det den Mächten auf einen Meinungs-Austausch über die bulgarischen Angele- ■ Das Ziel der Zuckersteuerresorm müsse sein, daß der Fiscus wieder zu seinem Rechte angenommen. Hierauf wird in die erste Berathung der Zuckersteuervorlage eingetreten. Staatssecretär Dr. Jacobi begründet eingehend die Vorlage mit dem Rimgang der Einnahme aus der Zuckersteuer und mit dem financiellen Bedürfnisse des Reiche. Reichstag. P. Berlin, 25. Mai 1887. (36. Sitzung.) Die Declaration zum internationalen Kabelschutzvertrag, sowie der Gesetzentwurf betreffend die Ausführung dieses Vertrags werden in dritter Lesung debattelos an- Politifche Ueberficht. Gießen, 26. Mai. Der Kaiser besichtigte am Montag Mittag das erste Garbe-Jnfanterie- Megiment im Brigadeverband mit dem Garde-Jäger-Bataillon, der Unterofficiers- Schule und dem Lehr-Infanterie-Bataillon auf dem Bornstäbter Felde bei Potsdam. Die Besichtigung entwickelte sich zu einem intereffanten militärischen Schauspiele, das mit einigen Exercirübungen begann, dann za einem ausgedehnten Feuergefechte wurde und mit einem brillanten Parademarsch der bethei- ligten Truppen schloß. Der Kaiser folgte den einzelnen Momenten der Truppen-Bewegungen mit ungemindertem Interesse; das Aussehen des greisen Monarchen war vortrefflich. Wieder einmal tauchen allerhand Gerüchte über das angeblich ungünstige Besinden des deutschen Kronprinzen auf, die namentlich in Pariser Blättern ihre Ablagerungsstätte finden. Namentlich wird die Fabel von einer schweren Operation, die jüngst an dem Kronprinzen vorgenommen worden sei, eifrig colporlirt und knüpft man hieran Commentare, die fich selbstverständlich hier nicht wiedergeben laffen. Dem gegenüber wird aus Berliner Hofkreisen versichert, daß sich der Kronprinz körperlich vortrefflich und in bester Stimmung befindet, nur ist die Heiserkeit trotz der Emser Kur doch noch nicht gänzlich geschwunden. Aus diesem Anlässe fand denn auch im kronprinzlichen Palais in Potsdam eine ärztliche Berathung statt, welcher die Professoren Gerhardt und Bergmann, der Leibarzt Dr. Wegner und ein berühmter Londoner Specialist für Halsleiden, Dr. Mackenzie, beiwohnten. Wahrscheinlich hat diese ärztliche Conserenz das Gerücht von der vorgeblichen Operation entstehen laffen. Der Reichstag geht an diesem Donnerstag in die Pfingstferien und man kann wohl sagen, daß er diese abermalige Ruhepause in seiner langen und angestrengten Thätigkeit redlich verdient hat. Die Pfingststimmung ist allerdings in der letzten Zeit bei Den Reichsboten mehr und mehr hervorgetrcten und die Bänke wiesen immer bedenklichere Lücken auf, während die Arbeiten selbst meist wie im Fluge erledigt wurden. Auch die Montags-Sitzung stand offenbar schon ganz unter dem Eindrücke dieser Ferienstimmung, denn die meisten Gegenstände der Tagesordnung — es handelte fich nur um kleinere Vorlagen — wurden fast debattelos erledigt; lediglich die zuletzt vorgenommenen Wahlprüfungen veranlaßten noch eine etwas längere Discussion. Für Dienstag stand die zweite Lesung des Entwurfes, bett, die Unfallversicherung ber bei Bauten beschäftigten Arbeiter, am Mittwoch und eventuell auch am Donnerstag die j erste Lesung der Zuckersteuer-Vorlage auf ber Tagesordnung. Die Branntweinsteuer-Commission des Reichstages nahm in ihrer Montags-Sitzung die noch restirenden Straf- und Control-Vorschriften der Entwurfes im Wesentlichen nach den Beschlüssen der Sub-Commission an. Die Frage der Nachbesteuerung soll in der ersten Sitzung nach Pfingsten zur Erledigung gelangen, und zwar unter Beibehaltung der Oeffentlichkeit für die Verhandlungen. Zum Berichterstatter wurde Abg. Gamp (Reichspartei) ernannt. Die umlaufenden Meldungen über die bevorstehende Abberufung des I russischen Botschafters in Berlin, Grasen Schuwalosf, erhalten durch die abermalige Urlaubsreise, welche derselbe nach Petersburg angetreten I hat, eine größere Wahrscheinlichkeit. Die „Nordd. Allg. Ztg." selbst bemerkt, daß Gras Schuwaloff zwar den Urlaub nur zur Ordnung von Prioat-Angele- I genheiten erhalten habe, daß aber doch die Annahme keine verfehlte sein dürste, | bafc die Reise des Botschafters mit einer späteren anderweitigen Verwendung I desselben in gewissem Zusammenhänge stehe. — Als die Rücktritts-Gerüchte be- züglich des Herrn v. Giers noch stark im Schwünge waren, wurde der jetzige I Botschafter Rußlands am Berliner Hofe als ber eventuelle Nachfolger Gier's I bezeichnet,--welche Kombination fich inbeffen roieber zerschlagen hat, Da die I Stellung des gegenwärtigen leitenden russischen Staatsmannes als einstweilen wiebe^ befestigt betrachtet werden muß. Nunmehr gilt Graf Schuwaloff als I zum (Statthalter des Kaukasus designirt und heißt es, er werde bereits im I Laufe des Sommers seinen neuen Posten in Tiflis antreten. ar oon Oesterreich traf am Montag zu einem kurzen I alte in München ein und stieg in dem „Hotel zu den Vier Jahres- I zetten" ab. Im Pariser „Figaro", hat Der frühere französische Botschafter in! Petersburg, General Leslö, wie telegraphisch schon gemeldet, diplomatische! Actenstucke veröffentlicht, welche die alte Fabel von der Bedrohung Frankreichs durch einen deutschen Angriff im Jahre 1875 und der rettenden Intervention I Je« Czaren Alexander II. wieder aufwärmen. Die Publication soll wahrschein- | U« bie tmmer mehr verblassende franco, russische Äl'Aiz wieder ein bischen auffrischen. Das russische Kaiserpaar ist mit dem Großfürsten Alexander und I ®eorg von der Reise nach Südrußland am Sonntag Abend wieder wohlbe- I halten in Gatschina eingetroffen. Falls wirklich, wie bei früheren Reisen des I Sparen, nihilistische Anschläge geplant gewesen waren, so sind dieselben in Folge I ber ausgedehnten Vorsichtsmaßregeln, welche man diesmal zur Sicherung des kai- | «erlichen Zuges getroffen hatte, jedenfalls unterblieben. Deutschland. Darrsrstadt, 24. Mai. Der Gesetzentwurf über die Besteuerung der I größeren Weinemlagen von Privatpersonen ist von der Regierung zurückgezogen worden, nachdem die Zweite Kammer ber Stände zwar (mit Stimmengleichheit) I die Steuer grundsätzlich gebilligt, über den Steuersatz aber zu einem Mehrheit-- I beschlusse nicht hatte gelangen können. (Darmst. Ztg.) Berlin, 25. Mai. Der Kaiser begab sich Vormittags nach bem Tem- pel&ofer gelbe, begrüßte daselbst den heute früh eingetroffenen Großherzog von Toscana und besichtigte mit demselben die exercierenden Truppen; nach dec Rückkehr arbeitete der Kaiser mit Wilmowski. Zu Ehren des Großherzogs von Toscana findet um 5 Uhr ein größeres Diner bei dem Kaiser statt, an dem gegen 40 Personen theilnehmen. Berlin, 25. Mai. Die hier tagende General-Versammlung des Vereins der Rübenzucker-Industriellen des deutschen Reichs beschloß mit großer Majorität eine Resolution, welche sich gegen das Inkrafttreten ber neuen Zuckersteuer- Vorlage vor dem 1. August 1888 ausspricht, weil sonst bk Jnbustrie unb die Landwirthschast, die bereits ihre Einrichtungen für die nächste Campagne auf Grund des bestehenden Gesetzes getroffen habe, benachtheiligt würden. Berlin, 24. Mai. Die gestrige Mittheitung des „W. T. B." über das Befinden Sr. Kaiser!, und Königl. Hoheit des Kronprinzen hat bereits allge- I mein beruhigt, nachdem Durch unzutreffende Gerüchte sich in weiteren Kreisen ! irrige Vorstellungen über den Gesundheitszustand des hohen Herrn gebildet ' hatten. Heute bringt nun die „Kreuz-Ztg." folgende Darstellung: „Richtig ist, daß ber Kronprinz an einer starken anhaltenben Heiserkeit leibet; richtig ist auch, daß die ärztliche Untersuchung das Vorhandensein einer Wucherung ergehen ; dagegen ist es nicht zutreffend, wenn mitgetheilt wird, baß diese Wucherung einen bösartigen Charakter trage oder daß sie durch Operation entfernt worden sei. Es hat vielmehr die auf Grund gemeinsamer Berathung ärztlicher Autoritäten, an welcher die Professoren Bergmann und Gerhardt, sowie der Leibarzt Wegner und ein englischer Specialist Dr. Morell Mackenzie theilgenommen haben, dahin entschieden, daß die im Halse constatirten wucherischen Bildungen bösartiger Natur nicht seien und daher von einem operativen Eingriffe abgesehen werden könne. Das Allgemeinbefinden des Kronprinzen ist fortgesetzt ein befriedigendes. Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit hat guten Appetit und Schlaf; nur ist ein Sichfernhalten von öffentlichen Acten angerathen, sonst geht unb fährt der Kronprinz mit den ©einigen spazieren." Rußland. Petersburg, 24. Mai. Ein heute veröffentlichter Ukas an den Senat enthält die Bestimmungen über die Erwerbung und Benutzung des unbeweglichen Eigenthums durch Ausländer in Polen, Bessarabien, Dem Wilna'jchcn Witebski'fchen, Wolhynischen, Grodnow'schen, Kiewffchen und Kowno'schen Gouvernement, in Kurland, Livland, Minsk und Podolien. Danach können Am- länder nicht außerhalb der Hafenplätze und Städte Immobilien und Rechte auf Benutzung derselben erwerben. In Polen dürfen Ausländer außerhalb Der Städte nicht als Verwalter fungiren. Die Begrenzung der Rechte der Ausländer erstreckt sich nicht auf das Miethen von Häusern, Quartieren und Villen; die Erbschaft von Immobilien in gerader Descendenz-Linie und zwischen Eheleuten ist gesetzmäßig gestattet, falls der Erbe in Rußland vor Veröffenllichung des Ukas angefledelt war; andernfalls muß ber Ausländer nach dreijähriger Frist seinen Besitz an einen Russen verkaufen. Geschieht dies nicht, so wird sein Eigenthum meistbietend verkauft und ber Erlös den Erben übergeben. gelange, ohne daß die Zuckerindustrie dem Ruine entgegengeführt werde. Andererseits werden aber die Interessenten auch keine besonderen Zuwendungen erwarten dürfen. Um dieses Ziel zu erreichen, werde eine Reform der Materialsteuer in Verbindung •mit einer Verbrauchssteuer vorgeschlagen. Man habe gesagt, diese Combination sei nur rin Uebergang zur reinen Verbrauchssteuer; dann sollten aber die Freunde der letzteren diesen Weg mit der Regierung betreten. Durch die Reform der Zuckersteuer hoffe man einen Mehrertrag von 46 bis 52 Millionen zu erzielen. Steigere sich der Consum, so werde auch die Steuer etwas steigen. Die verbündeten Regierungen hofften, daß das Gesetz der Zuckerindustrie förderlich sein werde. Deutschland stehe in Bezug auf den Rübenbau und die Fabrikation an der Spitze der Zucker producirenden Länder und es werde aus dieser Stellung nicht sobald verdrängt werden können. Die Prämie habe indirect und direct eine Herabsetzung erfahren; sie ganz zu beseitigen, sei unmöglich angesichts der Thatsache, daß das Ausbeuteverhältntß in verschiedenen Jahren verschieden sei, sowie angesichts der hohen Zuckerprämien der Nachbarländer. In letzterer Beziehung würden internationale Vereinbarungen angebahnt; ob solche zu Stande kommen werden, sei freilich noch zweifelhaft. Die verbündeten Regierungen seien bemüht gewesen, eine allen Interessen Rechnung tragende Vorlage zu machen. Wie lange freilich das auf Grund derselben zu Stande kommende Gesetz in Kraft sein werde, stehe dahin. Einzelheiten würden in der Commission zu erörtern sein. Abg. Witte (freis.) erkennt an, daß mit dieser Vorlage wenigstens ein ernstlicher Versuch gemacht werde, dem Verfall der Zuckersteuer entgegenzutreten. Beibehalten werde das durchaus unwirthschaftliche Prämiensystem, allerdings eine Consequenz der Materialsteuer, mit der man noch immer nicht brechen wolle. Der Hinweis auf den Umstand, daß andere Staaten hohe Prämien zahlen, führe schließlich zu einer Schraube ohne Ende, indem ein Staat mit dem andern wetteifern wolle; es zeige sich da dasselbe, was wir bei den militärischen Rüstungen erleben. Redner wendet sich ferner gegen die vorgeschlagene Consumsteuer und bemängelte die der Ertragsberechnung zu Grunde liegenden Ziffern. Er gebe zu, daß mit dem Prämiensystem nicht plötzlich abgebrochen werden^ könne und sei bereit, für einen Uebergang einzutreten. Staatssecretär Dr. Jacobi hält die vom Vorredner angegriffenen Ziffern -aufrecht. Abg. v. Puttkamer-Plauth (cons.) dankt der Regierung, daß sie vorsichtig und schonend gegenüber den Interessen der Zuckerindustrie vorgegangen sei, da es sich hier in der That um sehr wichtige volkswirthschaftliche Interessen handle. Man behaupte, den Zuckerfabrikantcn würden durch die Ausfuhrprämien unberechtigte Zuwendungen zu Theil; in Wirklichkeit seien aber die Erträge aus der Zuckerindustrie nichts weniger als übermäßig hoch. Tausende von landwirthschaftlichen Arbeitern seien gerade in der Zuckerindustrie beschäftigt; diese würden durch eine Rothlage der ^ucker- induftrie in Mitleidenschaft gezogen. Aber auch dem Körnerbau und der Viehzucht würden durch den Rückgang der Zuckerindustrie schwere Wunden geschlagen. Die Vorlage bilde gleichsam ein Correlat zur Branntweinsteuervorlage, die mehr die Eonsumenten des Ostens treffe. Seine Freunde erblickten in der Vorlage eine gute Basis, auf welcher sich eine Verständigung erzielen lassen könne. Die Beibehaltung der Materialtteuer empfehle sich dringend. Die Prämie sei nothwendig,, wenn man nicht dre Zuckerindustrie schwer schädigen wolle. Der in der Vorlage zugeslandene Satz sei zu gering, um wirksam zu sein. Eine Consumsteuer sei berechtigt, der Zucker könne eine solche sehr wohl tragen. , Abg. v. Bennigsen (natlib.) hofft gleichfalls, daß auf der Grundlage der Vereinigung von Material- und Consumsteuer eine befriedigende Verständigung werde herbeigeführt werden. Er sei damit einverstanden, daß gegenüber den Bemühungen des Auslandes, gegen die deutsche Concurrenz aufzukommen, schonend oorgegangen werden müsse. Der Entwickelung unserer Zuckerfabrikation habe das consumirende Publikum billige Zuckerpretse zu danken. Welche Preise müßten wir heute für Colonial- zacker zahlen, wenn wir auf diesen angewiesen wären. Die Vorlage bringe eine möglichste Ausgleichung der Interessen mit sich. Wenn auf der einen Seite behauptet werde, die Prämie sei zu hoch und von der anderen, sie sei zu niedrig, so werde die Prüfung in der Commission vielleicht ergeben, daß die Vorlage gerade das Richtige treffe. Die Annahme der Vorlage hindere nicht, daß man später einmal zu einem reinen System auf Grund internationaler Abmachungen übergehe. Für jetzt treffe die Vorlage das Richtige, welche die Angelegenheit in umfassender Weise zu einer glücklichen Losung bringe. At>g. Robbe (Reichsp.) anerkennt, daß die Vorlage dem seit Jahren auf große Bedenken gestoßenen System der Erhöhung der Materialsteuer entsagt und dieselbe vielmehr herabsetzt^ Die Fehler einer falschen Steuer treten nur um so schärfer her- BDJ;_ V hoher die Steuer ist. Man werde schließlich zur reinen Consumsteuer kommen müssen. Dre Vorlage habe in vielfacher Hinsicht seine Sympathie; die Bedenken, die gegen die Materialsteuer an sich beständen, könnten allerdings durch die Vorlage nicht veseitrgt werden. Aber die Regierung habe, das sei anzuerkennen, doch stichhaltige Grunde dafür auf ihrer Seite und so sei die Vorlage acceptabel. Abg. Dr Barth (freis.): Davon, daß die Zuckerindustrie bei ihrem heutigen Stande noch Nutzen von der Materialsteuer haben könne, könne doch keine Rede sein. In Wirklichkeit wolle man die Materialsteuer nur beibehalten, um die Prämien bei- behallen zu können, d. i. die Zuschüsse zu den Produktionskosten der Zuckerindustriellcn aus den Taschen der übrigen Steuerzahler. Die Debatte wird geschlossen, die Vorlage an eine 28er Commission verwiesen. Aus der Tagesordnung steht endlich noch erste Berathung der Novelle zum Post- dampsergesetz. «..Auf eine Anfrage deS Abg. Bormann (Rchsp.) erwidert Staatssekretär v. Bötticher, daß am 30. Juni das Jahr, für welches Antwerpen probeweise als Anlaufhasen gewählt sei, ablaufe, daß er aber außer Stande sei, jetzt Aufschluß darüber V ^bel bleiben werde. Bisher sei über die Wahl Antwerpens aus dem Handelsstande keine Klage eingegangen. o s. Vertagung wird beantragt; bei der Abstimmung ergiebt sich Beschlußunfähtgkeit, es smd nur 137 Mitglieder anwesend. 9 ha. dEdmt setzt die nächst- Sitzung auf Dienstag den 7. Juni Nachmittag? Postdampfergesetz^^ iUm Nahrungsmittelgesetz, Unfallversicherung der Bauarbeiter, Telegraphische Depeschen. Wolff'S trl-gr. «torrespoiUnmz - ährmtu _ , . * 2 3 *®' Mai Di- Branntweinsteuer - Kommission nahm den Re» de? (Gesetzes wesentlich in der Fassung der cesten Lesung und mit vorwiegend redactionelleu Aenderungen an (abge eben von der Bestimmung über die Nachsteuer, worüber nach den Ferien am 7 Ium berathen werden soll», nahm ferner mehrere Resolutionen an daruMer eine aus die reichsgesetzltche Bestimmung abzielei.de, wonach der bisherige Handelsverkehr in Branntwein nach dem Rauminhalt durch obligatvri che Ein ühruna ies Branntweinhandels nach Gewicht ersetzt werde, iowic eine Resolution welche den Pr-8he,e,abr.k-n eine Rückvergütung der Steuer in. Exportfalle gewähren Ivill endlich eine Relolution, welche die durch die Novelle zum Strafgesetz verschiedenen m verkommenden Strafen mit der Strafgesetzgebung in Einklang , ”, Das Verdikt der Geschworenen gegen ten Stadtreisenden Güntzel fber h,- kanntlrch beschuldigt ist am Osterfeste seinen ehemaligen Principal, Kreis in dellen Wohnung ermordet und dann beraubt zu haben) lautet auf Schuldigt -war nickt des Mordes, aber des Todtschlags unh schweren Raubes nach $ 251 des StrafaeseKbnckE beides begangen ourch eine selbstständige Handlung. Entsprechend 9In^ «SS Urtheil auf lebenslängliche Zuchthausstrafe unkdW-n , _ Berlin, 25. Mai Auf der morgigen Tagesordnung des Bundesratbs fielst Lothringen.' ^Nfuhrung bcr d-uischen Gewerbeordnung in El" Paris, 25. Mai. Bärdoux, Ferry und der Führer der Rechten Rornn , statteten gestern Greoy einen Besuch ab und wiesen auf die Unmtraatt^^Ä"' welche die Berufung Floquet's hinsichtlich der auswärtigen BeUehunaen protesttrem $Otri°fi§mU§ lEßC i[,nen unb i6ren Freunden die Pflicht auf, dagegen zu Flauet setzt seine «csvr-chungen mit den Opportunisten fort, welche daraus bestehen daß General Boulanger dem Cabinet nicht angehöre; namentllch tehm ^°u”icr Eur diesen Fall das Finanzministerium ab. Bleiben die Opportunisten ablehnt" aBC 8CrUI’6 *' f0 ßtIt c5 al§ möglich, daß Flouquet die CabinetsbUdung _,_ns '. 25- Mai. Floquct vermochte sich mit den Opportunisten nicht zu verständigen und zeigte daher Greoy an, daß er das Mandat zur Cabinetsbiidung - .. ~ Das °°n den Zeitungen veröffentlichte Communiqu« der „Agence Havas« "Flaauet constatirte, daß der Mangel an einer sicheren Unterstützung ihm nicht gestattete, ein Cabinet der aufrichtigen Versöhnung aus dem Boden demokratischer Re- ;67"en i“ bilden. Er habe außerdem die Ueberzeugung gewonnen, daß die früher versuchte Kombination nicht definitiv ausgegcben sei. Unter diesen Umständen habe er die Mission, ein neues Cabrnet zu biiden, ablehnen müssen. — Di- Abendblätter sprechen von der beabsichtigten Bildung eines neuen Ga= mn-ts, worin Duclerc den Vorsitz, Nibot das A-ußerc, Sau,fier das Departement n-hmkuwürde SiaBnaI obet ^°urgc°«s die Marine, Tisard die Finanzen übcr- eingcladen^^' 25‘ mat ®re”9 6at Freycinct für heute Abend zu einer Besprechung ®«t-rSb«rg, 25. Mai. Der russischen .Petersburger Zeitung" zusolge ist nunmehr beschlossen, die neuen Einfuhrzölle auf Steinkohle, Torfkohle, Holzkohle und 8t sestillsetzen: In den Pontusbäfen und Azowhäfen aus 3, an der roeffhdten Landesgrenze aus 2, in den baltischen Häfen auf 1 Goldkopeken per Pud. Die neuen Einfuhrzölle auf Cokes sollen resp. 4b-r Wetzen JL 17.00, «Stet 1ÄÄ öoioa 6afcr ■* 5-70' ÄartoffeIn *100 * ■* 0.M, Schiffs nachrichte u C?Ibe tSBcr transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer 11 sinÄ « ®’ a”epJr’ Dom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am o4n^asn>D°n ""d am 15. Mai von Southampton abgcgangen war ist heute 9 llhr Morgens wohlbehalten in' N-wyork angckommen. V - drein en, 24. Mai. sPer transatlantischen Telegraph) Der Postdamvier N Mai H' Supmer, vom Norddeutschen Llond >n Bremen, welcher am ÄoVaÄ^a 6E6aWn roQr' lft 8 Uhr Morgens wohlbehalten in mrl?rcn"l>m^- fT' m6-,”? e,tn4ailtll6tde ,nt8f war, weil ich dreißig Fronen Ofen zum ?it dreißig Francs verlieren, werfen Sie Ihres btion dcs „(Hit-ßcner Ariz-iaicr", sowie bei den ZeiLudiKsträger« zu haben Preis 20 Pfg. 40J6 Ein braves MädihcNp welches i 4097 Für die Sommerwirthschaft auf gut kochen kann, auf sofort gesucht. i Textor's Hardt 2 Kettnet Sonntags ge- Näheres bei der Exped d. Bl j sucht. . Fr. Lony. Hamburger Fisch-u. Delik. Handlung A Koch Nachf. empfiehlt heute und für die Feiertage ein- treffend: Frischen ächten Rheinsalm, Hechte, Zander, Seezungen, Forellen, leb. 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