AK. 197. Freitag den 26. August 1887. Gießener Anzeiger Amts- und Anzkigeblatt für der? Kreis Gießen. Durearr: Schulst raße 7. i ii um iw ■» Erscheint täglich mit Ausnahme des MonLagS. Amtlicher Hheit. Bekanntmachung. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Großherzogliche Kreisveterinärarzt Professor Dr. Winckler zu Gießen auf die Dauer von 4 Wochen vom 20. d. M. an beurlaubt und mit seiner Vertretung der Großherzogliche Kreisveterinärarzt Mai zu Nidda beauftragt worden ist. Gießen, den 24. August 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. Kommenden Sonntag den 28. l. M., Nachmittags 3 Uhr, wird eine Versammlung des landwirthschaftlicheu Lokalvereins Hungen unter dem Vorsitze des Herrn Gutspachters v. Oven zu Hungen im „Solmfer Hofe" stattfinden, in welcher Herr Landwirthfchaftslehrer Ullmann von Büdingen einen Bortrag über Herbstsaat und Beschaffung guten Saatgutes halten wird. Alle Landwitthe und Freunde der Landwirthschaft sind zum Besuche dieser Versammlung freundlichst eingeladen. Gießen, den 25. August 1887. Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen. Nover. Politische Uebersicht. Gießen, 25. August. Das Project der Spiritus-Coalition steht fortgesetzt an erster Stelle ver innerpolttischen TagrSdiscussion. Berliner Börsenblättern zufolge soll nach den bisher erfolgten Beitritts'Erklärungen von Spiritusbrennern das Zustandekommen der signalifirten Actiengefellschaft als unbedingt ficher zu betrachten sein. Andere Nachrichten besagen freilich das Gegentheil und wenn die Leiter des Unternehmens an der Bedingung festhalten-, daß alle Kartoffelbrenner beitreten müßten, so wäre das Unternehmen höchst zweifelhaft, da bereits auch entschieden ablehnende Erklärungen vorliegen. Es ist allerdings nicht wahrscheinlich, daß jene Bedingung ganz wörtlich genommen wird; aber auch die Versicherungen, daß die Coalttton bereits als gelungen zu betrachten sei, dürsten nur agitatorische Bedeutung haben. Was die noch offene Frage des Beitrittes ter süddeutschen Brenner zu der Spiritus-Coalition anbelangt, so werden sich die in der laufenden Woche zu Regensburg, resp. Frankfurt a. M. stattfindenden Versammlungen der bayerischen und der hessischen Brenner hiermit befassen. — Es ließ sich erwarten, daß die Ankündigung des Spiritus-Consorttums, die Actiengefellschaft gedenke durch niedrigste Preisnotlrung dem deutschen Spiritus die Herrschast aus dem Weltmarkt zu sichern, itn Auslande volle Beachtung finden würde. Die Petersburger „Börsen-Zeitung" erwartet denn auch umfassende Gegenmaßregeln der russischen Regierung. Es genüge nicht — meint da» genannte Blatt — daß zu Anfang dieses Jahres in Warschau eine Actten- gesellschast für Sptritusaussuhr in's Leben trat und daß jetzt auch unter den baltischen Brennern eine denselben Zweck verfolgende Vereinigung besteht; man dürfe annehmen, daß alsbald nach dem Zustandekommen der deutschen Gründung russischerseits ein derselben gewachsenes Unternehmen im Anschluß an die Mono- polplüne des Ftnanzministers in's Leben gerufen werden dürfte. Die Jnthronifation des Bischoss Dr. Kopp als Fürstbischof von Breslau soll gegen Ende October erfolgen; seine Ernennung ist letzthin in Breslau eingetroffen. Eine wettere kirchenpolitische Nachricht ist diejenige vom Erlaß eines gemeinsamen Hirtenschretbens des preußischen Episcopats an seine Diöcesen anläßlich des bevorstehenden Priester-Jubiläums des Papstes. Das Schreiben soll am ersten Sonntage im September von allen Kanzeln der verschiedenen Diöcesen verlesen, vor diesem Zeitpunkte jedoch nicht' veröffentlicht werden. Der Text des Hirtenbriefes ist auf der heurigen Fuldaer Bischofs- Conferenz festgestellt worden. Der erst kürzlich zum Unterstaatssecretär im elsaß-lothringischen Ministerium ernannte ehemalige Bürgermeisterei-Verwalter von Straßburg, Dack, gedenkt demnächst aus seiner Stellung wieder auszuscheiden, sobald seine desinitive Ernennung zum Bürgermeister von Straßburg erfolgt sein wird. Als Nachfolger im bisherigen Poften des Herrn Back nennt man den Geheimen Oberreginungsrath Schraut in Berlin, welcher schon früher im elsaß'lothringi- Landesdtenst beschäftigt war und dürften sich die vor Kurzem ausgetauchten Gerüchte über abermals bevorstehende Personal-Veränderungen im Ministerium für Elsaß-Lothringen auf diesen vereinzelten Fall beschränken. Die in Wien kürzlich stattgefundenen Minister-Besprechungen in der Repetirgewehrfrage haben sehr rasch zu einer vorläufigen Verständigung ge- Wrt. Es wurde beschlossen, für das Repetirgewehr 3Vr Millionen Gulden zu bewilligen. Außerdem hat der ungarische Landesoertheidtgungs-Minister, um den Bedarf von Repetirgewehren für die Honveds zu sichern, besondere Verhandlungen mit der österreichischen Waffensabrik in Steyr eingeleitet. Die Zahlungen sollen, damit keine jährlichen Mehrbelastungen durch die Gewehranschaffungen ^lstehen, auf mindestens 10 Jahre vertheilt oder die für diesen Zweck nöthigen Summen unter möglichst günstigen Bedingungen gegen mehrjährige ratenweise Nückzahlung beschafft werden. Die Entscheidung hierüber werden aber erst die. Ende September in Pesth stattfindenden Minister-Conserenzen bringen. , Unter der vlämischen Bevölkerung Belgiens ist schon seit Jahren eme Bewegung im Gange, welche den Zweck verfolgt, der im Staatsleben wie im Unterrichtswesen und geselligen Verkehr in Belgien mehr und mehr zu vor- wlegender Geltung gelangenden französischen Sprache zu Gunsten des vlämischen ? Moms durch Wort und Schrift entgegenzuwirken. Dieses Bestreben hat schon ’ gesetzlich seine volle Berechtigung, indem die belgische Verfassung bestimmt, daß keiner der beiden im Lande gesprochenen Sprachen besondere Vorrechte einzu- räumen seien; außerdem muß aber berücksichtigt werden, daß von der eingeborenen Bevölkerung Belgiens über 3 Millionen vlämischen Ursprunges sind, gegenüber nur 2 300,000 französisch sprechenden Wallonen. Die belgische Regierung brachte der vlämischen Bewegung nie große Gunst entgegen, trotzoem gewann sie, namentlich in der Provinz Flandern selbst, immer mehr an Kraft und hat jetzt endlich zu einem großen vlämischen Congreß, Der in den ersten Tagen dieser Woche in Brügge staltfand, geführt. Auf demselben forderten zahlreiche Redner, daß der Unterricht in den vlämischen Landestheilen in allen Klassen in vlämischer Sprache zu ertheilen fei, daß das Criminalrecht an den Universitäten Gent, Brüssel und Löwen in derselben Sprache vorzutragen und daß im Verwaltungsfache kein Beamter in vlämischen Gebieten zu ernennen sei, der nicht diese Sprache beherrsche. Endlich wurde die Einbringung eines Gesetz- Entwurfes in der nächsten Kammersession gefordert, durch welchen der Unterricht im Vlämischen auch in der Milttärschule einzuführen ist. — Das Ministerium Bernaerts wird nicht umhin können, diesen an sich berechtigten Forderungen der Vlämen ernstlich näher zu treten, denn es hat allen Grund, feine ohnehin schwierige Lage nicht noch durch eine schroffe Behandlung der vlämischen Wünsche und Forderungen zu vermehren. Uebrigens scheint es, al« ob die Rede König Leopolds bei der neulichen Denkmals-Einweihung in Brügge, in welcher die Tapferkeit und der Patriotismus der Vlämen so gefeiert wurden, nicht wenig zur Erhöhung des Selbstbewußtfeins der Vlamänder beigetragen hat. In Frankreich ist am Montag die Session der Generalräthe eröffnet worden, welche Institution in diesem Lande bekanntlich hervorragend politische Bedeutung besitzt. Indessen scheinen bei Eröffnung der Generalräthe nirgends Reden von allgemeinerem Interesse gehalten worden zu sein. Entgegen den bisherigen Meldungen, nach denen das 10. oder 12. französische Armee-Corps für die Probemobilifirung ausersehen sein sollte, berichten Pariser Privatmeldungen, daß der Mobilistrungsbefehl an das 17. Corps (Toulouse) ergehen würde. PaulD6roulöde, der bekannte „Revanche-Dichter" und Ehrenpräsident der Patriotenliga, weilt zur Zeit in Rußland, vermuthlich, um für das noch sehr embryonenhaste russisch-französische Bündniß Propaganda zu machen, lieber die Erfolge des Herrn D^roulöde in dieser Richtung liegen indessen nur sehr spärliche Erfolge vor; allerdings hat ihm zu Ehren in Petersburg ein panslavistisches Banket stattgesunden, auf welchem die russisch-französische Freundschaft jedenfalls mit Strömen von Champagner begossen worden ist, sonst aber scheint die Ausnahme in der russischen Hauptstadt den Wünschen des Revanche- Apostels von der Seine gerade nicht entsprochen zu haben. Speciell die russische Geheimpolizei ließ den „interessanten" Gast aus Schritt und Tritt beobachten und in der osficiellen Petersburger Welt scheint man Döroulöde mit mehr als kühler Zurückhaltung behandelt zu haben. Das wird aber nicht verhindern, daß Dvroulöde bei seiner Rückkehr nach Frankreich nicht genug Rühmens von der glänzenden Ausnahme, die er bei den russischen „Brüdern" gesunden, zu machen wissen wird — da kennt man den Herrn schon genugsam, Babelsberg, 24. August. Gestern Nachmittag machte das Kaiser- paar eine Spaziersahrt und empfing Abends die anwesenden Mtglieder des Königshauses zum Thee. Heute nahm der Kaiser den Vortrag Perponcher's entgegen. Nachmittags wohnen der Kaiser und die Kaiserin dem Adlerschießen des Osficier-Corps de» ersten Garde-Regiments im Katharinenholze bei. Potsdam, 24. August. Der Kaiser traf um 4Va Uhr im offenen Zweispänner ein, von dem enthusiastischen Hoch des zahlreichen Publikums begrüßt, und schritt nach dem Empsang durch den RegimentS-Commandeur, Oberst v. Lindequist, die Schützensront unter den Klängen des Schützenmarfche« ab. Bald darauf traf die Kaiserin im offenen Vierspänner ein. Prinz Wilhelm geleitete dieselbe zu dem Schützenstand, wo ein Polstersessel für sie bereitstand. Der Kaiser gab den ersten Schuß ab und traf dem Adler. Um öVi Uhr kehrte die Kaiserin, bald danach der Kaiser nach'Babelsberg zurück. Außer den genannten Fürstlichkeiten nahmen an dem Feste noch die Prinzessin Wilhelm, der Prinz Friedrich Leopold und die Prinzessinnen Amalie und Lmse von Schleswig-Holstein Theil. Telegraphische Depeschen. Wolff»- telegr. Correspondenz • Bureau. Berlin, 24. August. Der „Nordd. Allgem. Ztg." wird aus Sofia geschrieben: Es ist hier ausgefallen, daß der bulgarische Text der Proklamation vom 14. August mtt der amtlich verbreiteten französischen Uebersetzung nicht genau überetnftimmt. Der Vrin» wendet sich bulgarisch an sein „freies Volk", während französisch der Ausdruck %euple bien aimd“ übersetzt ist. Dieselbe Verschiedenheit findet sich in den bulgarischen Texten insofern die durch Maueranschlag verbreitete Proklamation vom „freien Volke", der Abdruck im Amtsblatt nur vom „vielgeliebten" spricht. Es kann sich hier also nicht um ein einfaches Versehen handeln; es scheint vielmehr, daß man in den Mtt- tbeilungen an die fremden Mächte und im Amtsblatt den dem bulgarischen Volke aeaenüber gebrauchten Ausdruck habe abschwächen wollen. Der große Unterschied zwischen der Proklamation und der Note, welche der Prinz bei seiner Abreise aus Ebenthal an die Botschafter der Mächte in Wien richtete, wird in den dortigen Kreisen nicht unbeachtet geblieben sein. Damals betonte der Prinz sein Vasallenverhältntß zum Sultan, suchte die Streitfrage wegen der Rechtsbeständigkeit der Wahl mit einem Sophismus zu umgehen; in der Proklamation ist weder von dem Sultan noch von den Mächten die Rede und an mehr als einer Stelle wird die Unabhängigkeit Bulgariens so wenig verblümt ausgesprochen, daß das Schriftstück wie eine formelle UnabhängigkettSerklärung erscheint. Heber den Text der von der Donau auS und, wie es heißt, auch aus Tirnowa seitens des Prinzen an den Sultan gerichteten Telegramme ist hier nichts bekannt, ebensowenig, ob dieselben beantwortet worden sind.' London, 24. August. Das Unterhaus setzte gestern die Berathung über die Ausgabe-Posten für die diplomatische Vertretung fort. Jm>Laufe der Debatte erklärte der Unterstaatssecretär des Aeußeren, Fergusson, daß bezüglich Egyptens gegenwärtig keinerlei Unterhandlungen stattfänden, auch sei es nicht wahrscheinlich, daß solche in Kürze wieder ausgenommen würden. Dublin, 24. August. Gestern fand unter dem Vorsitze des Dubliner Lordmayors und unter Betheiligung mehrerer irischer und englischer Unterhausmitglteder eine Protestkundgebung gegen die Proklamirung der Rationalltga als staatsgefährliche Verbindung statt. Einstimmig wurde eine Resolution genehmigt, welche die Pro- klamirung als einen gewissenlosen Versuch bezeichnet, das irische Volk vom Pfade eines friedlichen und verfassungsmäßigen Kampfes für seine Rechte abzudrängen. Ostende, 24. August. Die Ausschreitungen hiesiger gegen englische Fischer haben sich heute noch schlimmer wiederholt. Die Artillerie der Bürgergarde war ge- nötbigt, einzuschreiten. Zwei Fischer wurden getödtet, vier schwer verwundet. Die Fischer beobachten trotzdem andauernd eine drohende Haltung. Rom, 24. August. Der Papst theilte den Eardinälen mtt, daß viele Dörfer in Macedonien zur katholischen Kirche zurückzukehren verlangen und um Entsendung von Priestern zu ihrem Unterricht bitten. Falmouth, 24. August. Das deutsche Schiff „Mathilde" traf heute mit sieben Paffagieren und sechs Mann Besatzung des auf der Reise von Rewyork nach Queenstown verbrannten Dampfers „Eity of Montreal" hier ein. Es sind dies die Insassen des bisher noch vermißten Rettungsbootes. Lokale-. Gießen, 25. August. Zur Feier des Namenstages unseres Landesherrn fand gestern Abend ein großer Zapfenstreich und heute früh 6 Uhr Reoeille statt. Die Easernen und öffentlichen Gebäude sind beflaggt. — Auf den Hauptstraßen und Plätzen der inneren Stadt herrschte gestern Abend ein buntes Treiben/ Wenn schon gewöhnlich ein öffentlicher Auszug eine Menge Volks auf die Straßen lockt, so war dies gestern, am Vorabende des Auszugs unserer Soldaten in noch größerem Maße wie sonst der Fall und während des Abends zeigte sich noch einmal ein colossales Menschengewoge unserer nun recht stille werdenden Stadt. —* Nach der heute Morgen stattgehabten Reveille erfolgte der Ausmarsch des Regiments zu den Herbstübungen der Großherzoglichen Division. Von dem Regimente werden zunächst für die Zeit vom 25. August bis 8. September 5 Compagnien in Grünberg, je 1 Compagnie in Beltershain, Ettingshausen, Göbelnrod, Harbach, Queck- born, Saasen, Vs Compagnie in Reinhardshain und Vs Compagnie in Winnerod einquartiert. Der hier verbleibende Theil der Garnison, sowie die am 20. August eingezogenen Ersatzreservisten stehen unter Commando des Herrn Premier-Lieutenant Tarnogrocky. — Die Wafferleitung für die klinischen Neubauten ist bereits bis zu dem Bahnwärterhaus an der Schiffenbergerftraße vorgeschritten. Augenblicklich erfolgt die Röhrenlegung längs des Aulwegs nach dem Reservoir bei der Schönen Aussicht. Gießen, 25. August. In einem hiesigen Gasthaus wurden einem Kellner von seinen Ersparnissen 44 JL entwendet. Der Verdacht lenkte sich auf ein im selben Hause bedienstetes Mädchen, welches denn auch nach längerem Leugnen gestand, das Geld gestohlen und im Keller versteckt zu haben. Die Diebin wurde in Haft genommen. Gießen, 24. August. Heute Nachmittag fand eine von dem hiesigen Zweigvereine des Verbandes deutscher Ltqueurfabrtkanten anberaumte Besprechung hiesiger Ltqueurfabrikanten statt, um gegen die Branntweinmonopol-Bank Stellung zu nehmen und eine Bereinigung zu bilden, die sich verpflichtet, nur von den Brennern zu kaufen, die der geplanten Koalition nicht beitreten. Ein dahingehender Beschluß wurde einstimmig gefaßt und gleichzeitig Schritte in Aussicht genommen, um sich die Selbstständigkeit behufs Erlangung des nöthigen Spiritus zu wahren. Wenn dieser Vereinigung, die ihre Entstehung dem eigenen Erhaltungstriebe verdankt, sämmtliche Ltqueurfabrikanten des Großherzogthums bettteten, und bet der nur Vorthetl bietenden Sachlage kann dies als sicher angenommen werden, können wir In Ruhe der Monopol-Bank-Constituirung entgegensehen und deren Betheiligten wünschen, daß ihnm nicht, statt der erhofften goldenen Berge, öde Exportgebtete erschlossen werden. Beitrittserklärungen sind zu richten an den Vorstand des hessischen Zweigvereins deutscher Ltqueurfabrikanten, Gießen. L. vermischtes. A Aus Rheinhessen, 24. August. Von mehreren Seiten wird bestätigt, daß auch verschiedentlich Reben aus der nassauischen Hofgärtnerei nach Rheinhessen gewandert sind und solche zum Theil in dem Biebrich gegenüber gelegenen Mombach Anpflanzung gefunden. Mit Rücksicht auf diese eben erst bekannt gewordene Thatsache erachten es bedeutendere Weinproduccnten Rheinhessens für dringend geboten, daß Seitens der hessischen Regierung ohne Verzug eine Begehung und Durchsuchung der rheinhessischen Weindistrtcte angeordnet wird. Wie wir hören, sollen in dieser Beziehung von Nackenheim und Nierstein aus nächster Tage Schritte bet dem Ministerium geschehen. — Trotzdem es gegen das Spätjahr geht, regt sich dte Auswanderungslust noch ziemlich bedeutend. Heute konnte man wieder große Schaaren Europamüder — zumeist aus Schwaben stammend — mtt verschiedenen Dampfschiffen zur Reise über den Ocean fahren sehen. Größtenteils waren es jüngere Familien mit 2 bis 3 Kindern. — Die hessische Regierung hat zu der Errichtung eines Schwesternhauses des Ordens der „Barmherzigen Schwestern" in Kastel dte Erlaubniß ertheilt. — Auf der Fahrt nach Bingerbrück stürzte gestern Abend in Kreuznach ein Passagier von einem hohen Eisenbahndamm herunter, wobei er sich derart verletzte daß er alsbald verstarb. — Am 15. September lassen die Erben Zwirnlein in Geisenheim eine kleine Parthie Weine aus den Jahren 1783, 1784 und 1804 versteigern. Karlsruhe, 21. August. Gestern ist hier ein 30jähriger, kräftiger, von Gesundheit strotzender Mann, der Metzger Hermann Metzger an Blutvergiftung nach unsäglichen Schmerzen gestorben. Derselbe war vor ungefähr fünf Tagen von einer Fliege auf die Oberlippe gestochen morden. Obwohl sofort ärztliche Hilfe geholt mar und am kommenden Tage noch zwei Aerzte zugezogen wurden, konnte der Aermste dessen Frau vor der Entbindung steht, nicht mehr gerettet werden. Pest, 19. August. Aus Nagy-Maros wird unter dem Heutiaen F>,rLM Drei Knaben, Söhne hiesiger Bürger, spielten heute Nachmittag im Frtten mS’1 fie die übrigen Spiele satt hatten, spielten sie „Henker", wobei dnTber Ä*” M Namms Franz Atnzinger, mit einem Stricke regelrecht gehenkt wurde Als ibn s' W kleinen Henker wieder herabnehmen wollten, gelang es zu ihrem Entsetzen, nirftt ä i h Schlinge, die sie fest um den Hals des „Delinquentm" gewunden hatten nÄr lösen. Sie schrieen um Hilfe, doch als diese anlangte, war der bedauernswertbe^^ 1' bereits tobt. M ? — [Die sparsame Patti.) Adel,na Pattr ist vor vierzehn Tagen dem Mappleson, der mit ihr für mehrere Gastrollen abgeschlossen, noch am erst«? entflohen, weil Mappleson es unterlassen, ihr das zweite Auftreten im Voraus TuS zahlen. Der Director hat nicht nur Frau Patti auf Schadenersatz in der fmFu/« 10 000 Pfund Sterling verklagt, er erzählt auch in den Zeitungen kleine Cbaratt/r>^ derselben. So verräth er, daß sich jeder Director in Europa verpflichten m,,6k8e Künstlerin, wenn sie an seiner Bühne gastirt, drei große Blumenspenden nrr oh,?? zu reichen; diese Blumen aber müssen von dem Gärtner der Künstlerin ber^» um den dreifachen Preis bezahlt werden. Ferner erzählt Mappleson, er sei vervffiÄ gewesen, die Hotelrechnungen der Künstlerin zu zahlen, dabei warm auSbrürfn* ? Flaschen Bordeaux für das Diner und zwei Flaschen Champagner sür das {SJ.®f bedungen. In letzterer Zeit hat jedoch Frau Patti aus Gesundheitsrücksichten Genuß geistiger Getränke verzichtet, traf jedoch mit dm Hoteliers ein Wommen welchem diese die Weine trotzdem auf dte Rechnung setzten und ihr dcn erkalt-^ Betrag ausbezahlen solltm. 9alter gedeckt werden, während dieselben möglichst lange offen bleiben unb auslusteu i besonders aber im Sommer, wo der Körper mehr ausdünstet. Dagegen in ।* auch frischer Luftzug — das Lüften in der Sonnenhitze schädlich, da die Fevern « starker Sonne zu sehr austrocknen. — Daß zu viele Federv, zu kurze und zu ' J Bettstellen vom Hebel sind, weiß wohl Jeder; leider ledoch pfl^t Wissen uno oft sehr zweierlei zu sein, — auch in Bezug auf unser fcdernes GefanMV - a § - [Kameradschaftliche Bosheit.) ‘Major: Premierlieutenm.t ME^ um die Erlaubniß zum Heirathen cingefommen, Herr.Oberst. 4 sie ihm ab!" - „Aber warum nicht gar, lieber Major! Weshalb soll ver es haben als wir!" Wärmegrade der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 25. August, Mittags zwischen 11 und 12 Ubr • Wasser 14 Grad, Luft im Schatten 19«/, Grad. — ,„,L_______ L. Ehr. Rühsamen. Golkrsdienst brr israelitischen Rrligionsgesrllschaft. S°ms§g°A^en?7» ubrUbr' @am§ta8 $ormitta8 8 Uhr, Samstag Nachmittag 4 Uhr, Zur «Haarpflege! . Don unübertroffener Wirkung ist das vom königl. Staatsministerium u. Ober- medicivalausschuß geprüfte u. genehmigte, sowie von allen Autoritären begutachtete „ . n „ . Haarwasser v. Retter, München. 1989 « k rlatt £cI obL Pomade täglich gebraucht, das Haar bis in's höchste Alter alän- ^rch, geschmeidig und Scheitel haltend macht, die Kopfhaut von allen Unreinigkeiten Schuppen rc befreit und dadurch die Thätigkeit der Kopfhaut und Haarwurzeln erhöht' __ -gu 6Q6en um 40 $ und J4 1,10 bei I. H. ^uhr, Sonnenstraße, Gießen. - sZwei berühmt- B-rlin-r A-rzt-s Im Zeitgeist' erzählt Prof. Wichmann in Rom Anekdoten über die beiden berühmten Berliner Acrzte Heim und Schönlein Heim hielt Hypochondrie für Krankheit, dennoch unterschied ei den Nörgler von dem wirklichen Kranken. Als er in jüngeren Jahren noch auf Praxis ritt, sah er einst aus dem obersten Fenster eines thurmhohen Hauses einen Mann herabschauen, von dem er wußte, daß derselbe ewig klagte. „Wie schaut's aus?" rief Heim hinauf. — „Bin sehr leidend", scholl s hinunter. — „Mal die Zunge rrr—aus!" befahl Heim.— Der Kranke zeigte vom fünften Stock aus seine Zunae. — In der jetzt abgerissenen Stechbahn begegnete dieser Arzt einer Dame von dem gleichen Genre des eben besprochenen Kranken. Abermals seine stereotype Frage: „Wie schaut's aus?" abermals die Antwort: „Bin sehr leidend!" — „Kopf hintenüber und Zunge heraus! — noch weiter!" Dann wurde es still, und als die Dame den weil nach hinten gebogenen Kopf ob eben dieser räthselhaften Stille wieder nach vorn wandte, bemerkte sie zu ihrem Schrecken, daß von Heim nichts mehr zu sehen war und sie mit au-gestreckter Zunge dastand. — Schonlein kehrte einmal den Grobian in höchster Potenz heraus, als er von einer hohen Dame gerufen wurde, die den Herrn Baron, ihren Gemahl, als in den letzten Zügen liegend schilderte. Ein immerwährendes Erbrechen hatte sich eingestellt, starr schaute das Auge, Todesblässe bedeckte das Antlitz. — Schönletn trat behutsam, fast geräuschlos ein. Da stand er vor dem Scheidenden. Plötzlich donnerte er los: — Katzenjammer! — Saurer Hering! — und verließ fluchend das Gemach. Richtig, dem war so. — Als es zum Sterben ging und seine beiden Töchter auf alle mögliche Weise an seinem Bette sich zu thun machten, da empfand er im 75. Jahre vielleicht die erste Angst in seinem Leben, denn er war eine Kernnatur und äußerte voller Furcht: „Daß Ihr mir nur nicht etwa einen Arzt in's Haus schleppt!" Es waren feine letzten Worte. - Ein nettes Pröbchen von französischem Chauvinismus läuft augenblicklich durch die Presse. Im Departement Haute-Saone lebt ein Präfekt Leroux, dem man tu einer Flugschrift und nach dieser in Pariser Blättern vorgeworfen hat, ein „schlechter Patriot" zu sein. Warum? Well Leroux „der Schwiegersohn eines Deutschen ist, der 1871 den deutschen Sieg von Sedan feierte". Eine solche entsetzliche Beschuldigung konnte Leroux natürlich nicht auf sich sitzen lassen und er verbreitet jetzt in Pariser Blättern folgende Vertheidtgung: Sein Schwiegervater sei kein Deutscher, sondern ein Engländer. Er habe außerdem seine Naturalisirung nach- aesucht, unterstützt durch Herrn Scheurer-Kestner, dessen Name wohl Bürgschaft genug sei. Auch habe Herr Floquet seiner Verheirathung als Zeuge beigewohnt, womit wohl gesagt sein soll, daß er das nicht gethan hätte, wenn die Braut eine Deutsche gewesen wäre. Leroux hofft, daß alle Blätter, welche die ihn betreffende Mitthetlung — eine Mittheilung, welche geeignet ist, die Ehre eines französischen Beamten zu verletzen — gebracht haben, sie nun auch richtig stellen werden. Dieser kleine Zwischenfall sagt mehr als lange Artikel über die jetzt gegen die Deutschen herrschende Gesinnung. l x “ „Zur Erbauung seiner Leser" erzählt der Pariser „Figaro" folgende Anekdote: Ein armer Kerl, dem Hungertode nahe, stürzte sich kürzlich aus Verzweiflung in Straßburg in's Wasser. Der schnelle Uebergang vom Trockenen in's Nasse gab ihm jedoch die Vernunft zurück und so schrie er denn, mit dem Tode ringend, um Hilfe. Zwei Gensdarmen sahen seinem Todeskampfe von der Brücke zu, ohne jedoch von ihrem Betrachtungsplatze zu weichen. Die Kräfte des Ertrinkenden erschöpften sich endlich vollständig, aber sein Wimmern und Hilferufe konnte die Gensdarmen nicht bewegen, ihn dem sicheren Tode zu entreißen. Da kam der Unglückliche zu einer genialen Idee. Mit dem letzten Reste seiner Kräfte schrie er: „Es lebe Frankreich!" sofort eilten die beiden Gensdarmen an's Wasser, machten einen Kahn los, zogen den Ertrinkenden aus dem Wasser, brachten ihn in's Spital und pflegten ihn, um ihn dann den Gerichten zur Aburtheilung zu überliefern. , ~ lEntführung.j Ein Münchener Bürger hat die Bremer Polizeibehörde tele- FAnahme seiner minderjährigen Tochter ersucht, welche von einem Gymnasiasten entfuhrt worden, nachdem sie der väterlichen Kasse 13 000 entwendet %mnfpr b^^r schon mehrere Tage mit dem nach Baltimore fahrenden Dampfer „Rhein auf hoher See, als die Meldung in Bremen eintraf. Literarisches. Deutscher Reichsbote. Kalender für Stadt und Land für 1888. Verlag von Ä6mi,L^LQ/Intin ?tclcfeIb "Nb Leipzig. Preis 40^. Diesen Kalender, welch.r ? Wanderung antritt und alljährlich von hunderttausenden von Lesern i buch empsthlen^^ Hausfreund begrüßt wird, können wir als ein wirklich gutes Volks- < Landwirthschaftliche Nachrichte«. richtige «eüCn,r™£?U von Stoppelfrüchten wird oft unterlassen, weil man glaubt, die in atataerttttam 58“»^ ,Ä‘n a[Iel" *" ©auMrtai, fonbtrn auch m.d Ä °L tu'"8' ^s°I^°^Endcu'unttauIc^das ttsti^droh^^Die$,r= ünnÄ“nb arbC“ fVat£" wM, der 'hatte auch' d.7°abge'-°rnttt^'B°E'tn S n / V und starkriechend fein, um die gewünschte Wirkung auszuüben D'u Manzen in den Beeten schadet eine solche Bedeckung des Bodens nicht im Geaen' eintrotfnUn8 und das Hartwerden des Bodens zum Nutzen der Handel und Verkehr. m ?other Weizen pro Malter JL 14.10, weißer Weizm Kartoffeln 5° 0M 10 00' ®erftc •* U0°- ^afer 6.35, Erbsen 00.(7, Wte'Ju 0 OO-ja)2 6eutiflen TOarft kosteten: Kartoffeln per ßt 6 R । ™ ^clb 12~A5^' Eier das Hundert JC. 5.00—7.00, da« S;'arÄ'r-butter im Großen 00.00—00-00, im Detail das Mund *1 nn t20, Weißkraut per Stück 20-00 Rothkraut per Stück 30—35 ,3» ° xTT4 kr' Ochsenfleisch per Pfund 70—00 H, Kuh- u. Rindfleis^45—00 Kalbfle^ Schw-in-fleisch 65-75 J,, Hammelfleisch 50-65 1 Hahfi Aiute &? ÄiffcSug1 ** 2'°°-2-50' ®°ns Pfund 60 7u X Bekanntmachung. Johannes Geißlers Eheleute wn Ruttershausen haben fol- gende Grundstücke: Gemarkung Ruttershausen: Fl. und Nr. 1/384, IV/358, Gemarkung Daubringen: Fl. und Nr. 111/338 f- Zt. käuflich erworben, und zwar: Gemarkung Ruttershausen, Fl. u. Nr. 1/384 von Georg Klinket von ^Uttershausen, It. Kaufbrief vom 12. April 1854, ©emarfung Ruttershausen, IV/358 W Margarethe Schmidt von ^Uttershausen, lt. Kaufbrief vom 1. April 1854. Geimrkung Daubringen, III/338 von Erhard Deibel II. in Lollar (t Kaufbrief vom 23. Septbr. 1853. ?ö We Zahlungen der Kaufschillinge genügend nachgewiesen werden f? ergeht hiermit Aufforderung °n alle Diejenigen, welche Ansprüche rtem-i? c-e ^aben sollten, dieselben so tu x nnen Monaten hier geltend 's.^chen, als sonst die Zahlungen rx^Lbschehen angesehen und die be- foöen Cn ^^"Eräge gelöscht werden Gießen, den 21. August 1887. Großh. Amtsgericht. Langsdorfs. 6326 gebe3n2ßp^&,d»cue Hobelbänke abzu- Z«cho?W. Schreinermeister, Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Nach Beschluß der Hauptversammlung des Spar- und Leihkaffenvereins zu Gießen vom 5. April d. I. sollen von den vorhandenen und den neuen Einlagen in die Sparkasse vom 1. Januar 1888 jährlich nur 3V2% Zinsen vergütet werden. . . -Nur die Einleger, welche durch Vorlage eines Dienstbuches nachweisen, daß sie Dienstboten sind, sollen von ihren Einlagen jährlich 4°/, Zinsen erhalten. Gießen, den 23. August 1887. Die Direction des Spar- und Lechkassen-Vereins zu Gießen. Haberkorn. Iortsehung der Möbelversteigerung im Hause der verstorbenen Frau Hofgerichtsadvokat Wteffell Wittwe. Westanlag« 4: Ireitag den 26. 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