Nr. 98 Dienstag dm 26*. April 1LL7. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. & Schulstr°ß° 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. gbÄTlX”8^5? Amtlicher Hheil. Bekanntmachung. Den nachstehenden Aufruf bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß. Gießen, den 22. April 1887. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. vr. B o e k m a n n. Von einem Kunstfreunde ist zur Hebung der Freskomalerei eine Stiftung gemacht worden, deren jährliche Zinsen 3000 Jl. betragen. Davon sollen in jedem Jahre ein oder mehrere Bilder in Freskomalerei ausgeführt werden. Der leitende Gedanke ist der, daß Privatleute in ihren Wohnräumen Bilder gemalt erhalten, zu welchen sie selbst den Gegenstand bestimmt haben. Es haben die fünf Akademien zu München, Berlin, Düsseldorf, Karlsruhe und Dresden ihre Zustimmung zugesagt, und wird abwechselnd in jedem Jahre eine derselben bte Ausführung durch einen hervorragenden Schüler oder jungen Künstler leiten. In diesem Jahre trifft es die Kunstschule zu Karlsruhe, und werden Kunstfreunde, welche in Württemberg, Baden, Hessen, Hohenzollern, Elsaß- Lothringen wohnen und dort ein Haus besitzen, in welchem sie einen Raum durch Freskomalerei geschmückt haben möchten, aufgefordert, sich bis zum ersten Mai bei der unterzeichneten Behörde schriftlich zu melden und derselben Mittheilung zu machen über 1) den darzustellenden Gegenstand und die gewünschte Art der Darstellung (Figurenbild, Landschaft, Dekoration), 2) Größe, Gestalt, Lage des Raumes, bez. der Wandfläche, durch Einsendung eines Grund- und Aufrisses, 3) die Höhe der Summe, welche sie etwa bei größerer Ausdehnung der Arbeit, beizusteuern gewillt sind. Die Kosten für Vorbereitung der Wandfläche, Herstellung der Gerüste und der nöthigen Requisiten hat der Besteller zu tragen. Aus diesen Meldungen wählt die Kunstschule die am passendsten scheinende aus und beauftragt einen ihrer Schüler mit deren Ausführung. Die geehrten Vorstände der Stadt- und Landgemeinden sowie die Herren Künstler und Kunstfreunde werden ergebenst gebeten, in ihren Kreisen dieser Aufforderung möglichst weite Verbreitung zu verschaffen. Karlsruhe, den 23. Februar 1887. gez.: Direction der Großh Kunstschule. Deutschland. Darmstadt, 23. April. Se. Känigt. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen und Ihre Großh. Hoheit Prinzessin Irene empfingen gestern Nachmittag im Neuen Palais im Beisein Sr. König!. Hoheit des Gcoßherzog» eine Deputation der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt, bestehend aus den Herren Oberbürgermeister Ohly und den Beigeordneten Riedlinger und Hickler. Oberbürgermeister Ohly hatte die Ehre, vor den Höchsten Herrschaften folgende Adceffe zu verlasen: Durchlauchtigster Prinz! Durchlauchtigste Prinzessin! Als die frohe Kunde von dem Herzensbunde unserer vielgeliebten Für- stentochler mit dem erlauchten Sproß des Hohenzollernhauses unsere Stadt erreichte, da war es das einmüthige Gefühl reinster und innigster Freude, das unser Aller Herzen mächtig durchströmte. Wir fühlten, daß dieses beglückende Ereigniß die engen und herzlichen Beziehungen, die unser Fürstenhaus und das hessisch; Volk mit dem erhabenen Deutschen Kaiserhause verbinden, noch fester und inniger gestalten, daß sie durch den gottgesegneten Bund zweier erlauchter Seelen, die sich in treuer Liebe und Hingebung zu einander fanden, eine erhöhte Bedeutung und eine neue Weihe erhalten würden. Wir sind hoch beglückt, daß wir Ew. König!. Hoheit hier an der Hei- mathstätte der allgeliebten fürstlichen Braut unsere ehrfurchtsvollen Glückwünsche darbringen dursten und werden das Gedenken an diese Tage, die von der aufrichtigen Freude des treuen Hefferivolkes durchleuchtet sind, stets in hohen Ehren halten, gleich wie wir es uns noch in fernster Zukunft gegenwärtig halten werden, daß unser allverehrter Kaiser, als hoher Schirmherr des Hohenzollernhauses, diesen Herzensbund mit segnendem Worte geweiht hat. Wenn in das volle Glücksgefüh! dieser Tage sich eine leise Wehmuth mischt, die wir nicht zurückdrängen können, so entspringt sie aus dem tiefen Bedürsniß, gerade jetzt inniger als jemals unserer unvergeßlichen Großherzogin zu gedenken, deren leibliche Augen diese Freudentage nach des Ewigen Rathschluß nicht mehr schauen sollten. Aus tiesinnerstem Herzen aber flehen wir zu dem Allmächtigen, daß er dm schönen Herzensbund für alle Zeit segnen und aus demselben eine reiche Fülle reinsten Menschenglücks erblühen lasten möge. In tiefster Ehrerbietung verharren rc. rc. im Namen der Stadt Darmstadt rc. Se. König!. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen erwiderten Folgendes: Tief ergriffen und bewegten Herzens stehe ich vor Ihnen, mit besonderer Freude die Gelegenheit begrüßend, um an dieser Stells im Namen der Prinzeß und in meinem Namen, Ihnen und somit der treuen Hestenstadt Darmstadt für die freundlichen und herzlichen Gesinnungen zu danken, welche Sie uns in Ihren soeben gesprochenen Worten entgegengetragen haben! Ein neuer Beweis deutscher Treue und deutscher Zusammengehörigkeit, erwacht und fortgedeihend unter der Regierung unseres heißgeliebten Kaisers, leuchtet mir aus Ihren Worten entgegen und fesselt mich mit neuen Banden an die Heimath der Prinzeß und an das Haus unseres geliebten Großherzogs! Um so wohlthuender berühren die letzten von Ihnen gesprochenen Worte, und finden einen lauten Wiederhall in meinem Herzen, denn unzertrennlich ist das Andenken an die verewigte Großherzogin mit den Erinne- ! rungen an die vielfachen und so glücklichen Stunden meiner Kindheit ver- knüpft, welche ich hier verbringen durste! Mein künftiges Leben, welches von nun -an der Prinzessin, meiner heißgeliebten Braut angehören soll, lege Zeugntß ab von meinen dankbaren Gefühlen, welche ich gegen das treue Heflenland und im Besonderen gegen die Stadt Darmstadt hege. (D. Ztg.) X DMrmstadt, 23. April. [II. Kammer der Landstände.j Die Verhandlungen beginnen heule um 3/410 Uhr, da die Kammer vorher nicht beschlußfähig war. Zur Tagesordnung stehen heute nur Interpellationen und Besprechungen derselben, und zwar: 1. Die Interpellation des Abg. Wolz betr. die Regulirung des MainflusseS bei Seligenstadt. Ministerial-Präsident Weber beantwortet dieselbe dahin, daß Großh. Regierung Verhandlungen mit der Königl. bayer. Regierung über die Regelung der bestehenden Mißstände gepflogen habe und daß sich die bayerische Regierung bereit erklärt Habe, an der Herstellung der Regulirung Theil zu nehmen. Es würden aber die Vornahmen der Verhandlungen an Ort und Stelle nöthig sein. Um diese aber vornehmen zu können, müßte ein besserer Wasserstand eingetreten sein. - Abg. Wolz richtet nochmals dringend die Bitte an Großh.Regierung, jetzt aber die Verhandlungen doch ernsthaft zu betreiben, damit der nun seit Jahren bestehende Mißstand beseitigt werde. Ministerialratb Horst gibt die Versicherung, daß die Beseitigung der Mißstände raschestens stattfinden werde. Hiermit ist die Interpellation erledigt. 2. Interpellation desselben Abgeordneten, die regelmäßige Abgabe von Waldstreu aus den Staatswaldungen betr. ist die Regierung bereit, diese Angelegenheit demnächst nach stattgehabter Regelung mit der Forstbehörde in Erwägung zu ziehen. 3. Interpellation der Abgg. Weith, Vogt und Sturmfels, die Schnee- calamitäten des letzten Winters auf den Staatsstraßen betr. Ministerial-Präsident Weber erklärt: Nach den Erhebungen Großh. Regierung seien im letzten Winter umfassende Vorkehrungen getroffen worden, um die Staatsstraßen auf rascheste Weise wieder fahrbar zu machen. Sollten aber dennoch Mißstände sich ergeben haben, so würde selbstverständlich auf Grund gemachter Angaben und an- gestellter Erhebung eine Fernhaltung derselben Seitens Großh. Regierung angestrebt werden. 4. Interpellation der Abgg. List und Hansl ein, die Revision des Gewerbesteuertarifs betr. gibt Ministerial-Präsident Weber die Erklärung, daß neuerdings Erhebungen hierüber Seitens der Centralstelle für die Gewerbe ftattfiudet und hiernach Großh. Regierung eine andere Tartfisirung in Erwägung ziehen werde. Die Interpellation Jöst wurde wegen Nichtanwesenheit desselben vertagt. Hierauf wird die Sitzung wegen Beschlußunfähigkeit abgebrochen und auf Dienstag 9 Uhr festgesetzt. Berlin, 23. April. Se. Majestät der Kaiser nahm Vormittags mehrere Vorträge und militärische Meldungen entgegen, arbeitete dann mit Albedyll und machte Nachmittags eine Spazierfahrt. Um 4 Uhr erscheint Staatssecretär Bismarck zum Vortrag. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in dritter Lesung unverändert die Gesetzentwürfe, betreffend die Heranziehung der Fabriken zu Wegebauten in der Provinz Sachsen, wegen Vertheilung der Grundstücklasten in Hannover und die Haubergordnung für den Dillkreis. Bei der darauf folgenden zweiten Lesung des Volksschulleistungsgesetzes beantragen Friedberg und Genossen, die Geltung des Gesetzes bis zum Erlaß eines Dotationsgesetzes, längstens aber auf 5 Jahre, zu beschränken. Im Laufe der Debatte spricht sich der Cultusmtnister unter Hinweis auf den provisorischen Charakter des Gesetzes gegen diesen Antrag aus. Das Haus nahm schließlich die Vorlage nach den Commissionsanträgen an. Montag Kirchenvorlage. Irankreich. Pari-, 23. April. Der Bericht über die stattgehabten Erhebungen, betreffend die Verhaftung des Polizeicommissärs Schnäbele, soll nach einem Beschlüsse des Ministerraths durch den Minister Flourens dem hiesigen deutschen Geschäftsträger, sowie auch dem Botschafter Herbette in Berlin zur Mittheilung an die deutsche Regierung zugestellt werden. . «xn„wrr — Der „Temps" sagt, eine von Seiten der deutschen Regierung dem i JJ ’ des Aeußern, Flourens, gewordene spontane Mittheilung in Betreff oe » Schnäbele nehme diesem durchaus den Charakter einer absichtlichen Provoia g ß über Frankreich. Telegraphische Depeschen. Wolff s telegr. Correspondeur ° Bureau* Leipzig, 24. April. An der heute hier abgehaltenen, sehr zahlreich besuchten nationalliberalen Parteioersammlung nahmen u. A. viele Mitglieder «ber nationalliberalen Reichstagsfraktion Thetl. Der Abgeordnete v. Bennigsen war im letzten Augenblicke am Erscheinen verhindert worden. Es nahmen die Abgeordneten Dr. Buhl, Marquardsen, Oechelhäuser, Meyer (Jena), Dr. Bötticher und Dr. Sattler das Wort. Der Erstere sprach die bestimmte Erwartung aus, daß der Patriotismus des deutschen Volkes nicht versagen werde, wenn es jetzt gelte, die für die Befestigung der deutschen Wehrhaftigkeit erforderlichen Opfer zu bringen. Redner gab ferner der Hoffnung Ausdruck, daß die Reform der Zuckersteuer noch in der gegenwärtigen Session erfolgen und daß auch die Frage der Branntweinsteuer in zweckmäßiger Weise werde geregelt werden. Dr. Bötticher betonte, man solle auch in der schwierigen kirchenpolttischen Frage zu dem Fürsten Bismarck das Vertrauen hegen, daß die Interessen des deutschen Reiches gewahrt würden. Ludwig Ubland. Ein Gedenkblatt zu seinem hundertjährigen Geburtstage. (Nachdruck verboten.) Das Bild eines echten deutschen Mannes, treu und selbstlos, milde und entschlossen, liebevoll und ohne Furcht, bietet uns die Gestalt des Dichters dar, der am 26. April 1787 zu Tübingen das Licht der Welt erblickte und dessen Säcularfeicr das deutsche Volk mit inniger Antheilnahme begeht. Der Name Ludwig Uhland wird uns vertraut von Kindheit an, denn unter den Gedichten, die wir seiner Muse verdanken, giebt es manche, die wir kennen lernen, wenn wir kaum den Fuß über die Schwelle der Schule gesetzt haben. Wer erinnert sich nicht an jenen „Wirth, wundermild", dessen herrliche Gastfreundschaft er in frühem Alter in Uhlands Versen feiern hörte, oder an den guten Kameraden — „einen bessern findst du nit" — oder an die verschlafenen drei Jäger, die dem weißen Hirsch nachstellten und so trauriges Fiasco mit ihrer Waidmannskunft machten. Und weiter begleiten uns Uhlands Poesien auf dem Wege durch das wechselreiche Leben. Mit Interesse lauschen wir den Klängen seiner Balladen, und wenn später, nach absoloirter Schulzeit, im Kreise froher Zecher der gefüllte Becher anklingt und manch wacker Lied aus feuchten Kehlen emporsteigt, dann klagen wir mit ihm „'Das ist das für ein durstig Jahr" oder stimmen, obgleich man es uns ansehen könnte,'noch ganz besonders in seine Versicherung ein „Wir sind nicht mehr beim ersten Glas". Wie dem Jüngling, so schreitet auch dem Manne die Muse Uhlands zur Seite, ja, erst der Mann, der thätigen Antheil nimmt an den Strebungen und Kämpfen des Tages, kann den charakterfesten, makellosen, uneigennützigen, schwäbischen Sänger so würdigen, wie er es verdient. Daß er doch recht Vielen ein Vorbild wäre! Uhlands Lebenslauf ist, obgleich er in das politische Treiben seiner Tage mehr als einmal hineingezogen wurde und darin voll und ganz seine Pflicht gethan hat, doch ein ruhiger, von keinen gewaltsamen Erschütterungen getrübter gewesen. In Tübingen wurde er als der Sproß einer Familie geboren, die in geordneten, wenngleich nicht glänzenden Verhältnissen lebte, und das Gymnasium seiner Vaterstadt war es, auf dem er seinen Bildungsgang begann. Ernstes, ruhiges und besonnenes Streben zeichnete schon den Knaben aus, der bereits in dem jugendlichen Alter von 14 Jahren sich bet der juristischen Facultät der Universität Tübingen einschreiben lassen mußte, um bei seinem Studium durch ein Stipendium sich Unterstützung zu verschaffen. Achtzehn Jahre war er alt, als er die Universität bezog, aber das Brststudium, das er erwählt hatte und das der von starkem Pflichtgefühl durchdrungene Jüngling nicht vernachlässigte, konnte allein seinen Geist nicht fesseln. Das Wunderland der Poesie zog diesen mit unwiderstehlicher Gewalt an und namentlich waren es die dichterischen Schöpfungen des Mittelalters, in die er sich mit hingehender Liebe versenkte. Was er dort sand und in sich aufnahm, konnte nicht unfruchtbar bleiben. Auch sein Genius rang nach Ausdruck, und eine Reihe tief empfundener Gedichte verdankte dieser Periode ihre Entstehung. Wir nennen nur „Schäfers Sonntagslied", des Knaben Berglied", „Der blinde König", „Der Sänger", „Das Schloß am Dieer", „Der Wirthin Töchterlein" u. s. w., Schöpfungen, deren Mehrzahl der romantischen Schule angehören, aber, Zeugen wahren und kernigen Gefühls, sich von jeder sentimentalen Verschwommenheit frei halten. Eine wesentliche Ergänzung wurde seinen Studien über mitlelhochdeutsche Dichtung auf einer Reise zu Thetl, die er im Jahre 1810 nach Paris unternahm, um auf der dortigen Bibliothek aus werthoollen, deutschen und französischen Quellen zu schöpfen. Auch als er nach Tübingen zurückgekehrt und in die Advokatenpraxis eingetreten war, blieb die Beschäftigung mit der Poesie seine Lieblingsthätigkeit und diese bob ihn auch über die seiner inneren Anlage so fremden Verhältnisse hinweg, die er kennen lernte, als er einige Jahre auf der Kanzlei des Justizministeriums in Stuttgart arbeitete. Im Jahre 1814 trat er aus dem Staatsdienst, der seine Gedanken und seine freie Meinung fesselte, und stellte sich in den Dienst der Bürger seines Vaterlandes, an dessen Verfassungskampfen er sich mit Begeisterung betheiligte. Aber die Verhältnisse brachten es mit sich, daß ihm die innere Befriedigung in diesen Kämpfen versagt blieb. „Wenn aber nun vom Scheine Das Herz sich abgekehrt Und nur das Echte, Reine, Das Menschliche begehrt, Und doch mit allem Streben Kein Ziel erreichen kann, Da muß man auch vergeben Die Trauer wohl dem Mann" so sagt er in dem aus jen;r Zeit stammenden Gedicht, das den Titel „Rechtfertigung" -trägt. Wenige Jahre später aber, als König Wilhelm v»n Württemberg seinem Volke eine neue Verfassung zugestand — 1819 — da gab Uhland, obgleich bei Weitem noch nicht alle seine Wunsche erfüllt waren, seiner Befriedigung darüber Ausdruck daß „doch wieder ein Zustand der Ordnung und des Rechts im altherkömmlichen Wege des Vertrages hergAellt" sei. In demselben Jahre schloß er mit Emilie Vischer den Ehebund, der eine Stutze seines heiteren Lebensglückes wurde. Mit seiner Thäliakeit auf politischem Gebiete verband er unausgesetzt die ihm so vertraut gewordene Arbeit auf seinem Lieblingsfelde; 1822 erschien seine ausgezeichnete Schrift über „Walther von der Vogelweide", in der er einen Theil seiner literarwissenschaftlichen Studien niedergelegt hat. Außerdem verdanken dieser Periode eine Reihe seiner besten Gedichte namentlich Balladen, ihre Entstehung, und ebenso zwei Dramen „Ernst, Herzog von Schwaben" und „Ludwig der Baier", die bei aller ihnen innewohnenden poetischen SWnhelt doch des rechten dramatischen Kerns entbehren und deren Erfolg daher hinter demjenigen seiner anderen Schöpfungen zurückblieb. 1830 folgte er einem Rufe an die. Universität seiner Vaterstadt und las dort über mittelhochdeutsche Poesie und aer- U?? romanische Tagesgeschichte. Allein lange währte seine Thätigkeil im Staatsdienste auch d esmal nicht; der ehrenfeste Mann, auf den sein Volk und die Deutschen über die Grenzen seines engeren Vaterlandes hinaus mit Verehrung und Llebe blickten, wurde von Neuem in das politische Getriebe hineingezogen, in welchem sein Platz nicht anders als auf den Banken der Opposition sein konnte. Das vertrug sich mit seiner Anstellung nicht und so theuer ihm seine Lehrthätigkeit geworden war die ihm gestattete, sich feinen Lieblingsstudien zu widmen, die Pflicht gegen sein Vater' landstand ihm höher, er erbat und erhielt ohne Weiteres seine Entlassung. Seine Wähler jubelten ihm zu und zahlreiche Ovationen waren der Lohn für den überreua- nngstreuen, charaktervollen Mann. Wie sein politisches Glaubensbekenntniß war das zeigt sich in den Worten „Warum uns das Ausland mißachtet, was wir beim Äeste missen und noch leidiger in der Stunde des bitteren Ernstes, das ist die politische Einigung, nicht in einer starren Centralisation, sondern in der lebendigen Gemeinschaft einer vernünftigen Volksfreiheit". Schon 1816, an der Jahreswende batte er geschrieben: ' v „Ja! soll der Mensch im Leibe leben, So brauchet er fein täglich Brot, Und soll er sich zum Geist erheben,' So ist ihm seine Freiheit noth." Jahre stillen und liebevollen Studiums folgten, bis das „tolle Jahr", 1848, hereinbrach. Uhland wurde in die Nationalversammlung gewählt, gab dort seine Stimme gegen das Erbkaiserthum ab, machte die Auflösung der Nationalversammlung mit, ging noch mit dem Rumpfparlament nach Stuttgart, zog sich aber, in feinen edelsten und schönsten Hoffnungen getäuscht, 1850 wieder nach Tübingen zurück, m er, der alloerehrte und allgeliebte Mann, noch zwölf Jahre reger literarhistorischer Arbeit durchlebte, „lieber den Mythos von Thor" und „Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder" sind die hauptsächlichsten Werke, welche diesen letzten Jahren seines Lebens entstammen. Am 13. November 1862 schloß Ludwig Uhland sein Helles Dichteraug?. Lokale». Gießen, 23. April. Am letzten Donnerstag fand in Frankfurt im Saale des evang. Vereinshauses die Jahresversammlung der Allgem. Missionsconferenz statt, zu welchen sich gegen 100 Theilnehmer eingefunden hatten. Jnspector Oehler von der Basler Missionsanstalt hielt einen überaus lichtvollen und klaren Vortrag über die Frage: „Was ist zur Förderung des Missionssinnes ui der Heimath zu thuni" woran sich eine kurze Discussion anschloß. Das Hauptinteresse des Tages erweckten jedoch die nun folgenden Berichterstattungen über die neuen Missionsunternehmungen der Barmener und der Basler Missionsgesellschaft in den neuen deutschen Eoloniecn. Was Pastor Spieker vom Barmener Missionshaus über den Stand der Dinge in Kaiser - Wilhelmsland (Neu-Guinea) und Jnspector Oehler über die Mission in Eamerun mittheilten, war durchaus erfreulich und hoffnungsreich. Möchte nur ihr Aufruf zur kräftigen Unterstützung dieser wichtigen neuen Unternehmungen nicht vergebens sein. — Bei der schließlich erfolgenden Neuwahl und Constituirung des Vorstandes wurde Professor Dr. Gottschick-Gießen zum Vorsitzenden der Eonferem erwählt. s. Gießen, 25. April. Am Samstag Abend 9 Uhr entstand in der Wohnung eines Tapezierers in der Neustadt ein Zimmerbrand, indem eine Parthie Abfälle in Brand geriethen, nachdem der Bewohner seine Wohnung kaum verlassen hatte. Das Feuer wurde bald entdeckt und gelöscht, sodaß ein weiterer Schaden außer der schwär; gewordenen Lambris nicht zu verzeichnen ist. . — Ein zweiter Zimmerbrand entstand gestern Mittag in der Wohnung eines Schlossermeisters in der Südanlage. Das Feuer wurde ebenfalls an der weiteren Ausdehnung durch rasche Hilfe gehindert und kam auch hier ein weiterer Schaden außer dem Anbrennen der Lambris und mehrerer Kleidungsstücke, nicht vor. In' beiden Fällen scheint Unvorsichtigket obgewaltet zu haben. — Bei dem Umzuge des Radfahrervereins gestern Mittag durch hiesige Stadt verunglückte ein Wetzlarer Radfahrer dadurch, daß er in der Südanlage mit dem Rad zur Erde fiel und sich den einen Arm derart verstauchte, daß er genöthigt war, dic Rückfahrt nach Wetzlar bald anzutreten. ß n m i f $ t t 4. △ Mainz, 24. April. In Bezug auf die Massenverhaftung von Social- o emo neu en erlaßt der Abgeordnete Jöst eine öffentliche Erklärung, in der es rücksicht- lich des Grundes der behördlichen Maßnahmen heißt, daß bei denjenigen Personen wo eine Haussuchung stattfand, eine Verfügung deö Amtsgerichts vorgezeigl wurde, dah dieselben socialistischer Umtriebe verdächtig seien. Von geheimer Verbindung, mit vielfach in der Presse behauptet, sei in der Verfügung kein Wort enthalten, obgleich nicht zu bezweifeln sei, daß seitens der Behörde ein Versuch in dieser Richtung gemach, werden wurde Was den Thatbestand selbst betrifft, so kann ich, schreibt der socialistischt Abgeordnete, die beruhigendsten Versicherungen geben. Es hätten doch auch im vorigen Jahre Haussuchungen und gerichtliche Untersuchungen wegen geheimer Verbindung statt- gefunden, deren Resultat gewesen, daß sämmmtliche Angeklagte außer Verfolgung gesetzt wurden Ebenso - glaubt Herr Jöst - wie der vorjährige Proceß dürfte auch bei bieömalt0e enden. Außer verbotenen Schriften, deren Besitz nicht strafbar sei, hätten die Behörden nichts gefunden, was irgend eine Strafe nach sich ziehen könne. Auf des Bestimmteste versichernd, daß in Mainz unter den Socialisten keine Verbindung besteht, die eme Strafe im Sinne der Paragraphen 128 und 129 nach sich ziehen könne, wendet sich Herr Jost zum Schluß an alle edeldenkende Menschen mit der Bitte, ihr Scherflein zur Linderung der großen Noth, in welche die Familien der Verhafteten gerathen, beitragen zu wollen. A B o m Rhein, 24. April. Am verflossenen Donnerstag wurden auf bei Stromstrecke Rudesheim - Coblenz die ersten Maififche für Rechnung des Fiskus gefangen. Das Ergebniß, welches bis jetzt noch ein sehr mäßiges ist, wird an jedem Tage nach Beendung des Fischfanges an der Fangstelle Nachmittags 4 Uhr öffentlich versteigert, wozu die Liebhaber mit der Schelle eingeladen werden. Mit Rücksicht, daß m diesem Jahre auch in Holland Schonung stattgefunden, hofft man Heuer einen ergiebigen Fang. Mineral-Pastillen baden ihre Probe bestanden. Katarr»- leioenden als Lindernngs- und Heilmittel empfohlen, von Allen, welche Heiserkeit stets mit Nutzen angewandt, bilden diese Pastillen ein $ s s ^tte G*e^n, sorgsam auS den besten Quellen Sodens genoiuiMt Lqr1™ °Cn D^5aÜ.Vnr0§n)rülbiö^en Merzten approlurt. Erhältlich in allen ApoihM Heinrich Göttinger, Opernsänger in WürM, A^ibt. Der Wahrheit gemäß kann ich Ihnen nur bezeugen, daß die Wirkung bic r Mmeral-Pastillen auf den Kehlkopf und die übrigen Halsorgane eine geradlM cE^ ?"elle lst. Einige Pastillen genügten, um das stark belegte Organ zu bewcikv. Ich ziehe Ihre Pastillen dm sonst ausgezeichneten Asche's vor und kann dieselben i«dM Collegen empfehlen. 1506 Bremen, 23. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampstr Saale, Capt. H. Richter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 1-i>. April von Bremen und am 14. April von Southampton abgegangen war, ilt gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. &aai>ei rrns Gerkehr. rL;23, Weizen ** 18.00, Korn JL 14.20, Zerste 1'4 Rm BuÄen- Schektholz, la. Qualität, abzugehen Bahnhof Nieder Gemünden Adressen F. P- postlagernd dafelbst. 320& Heinrich Heines säniiuliiche Werke Verlag von &tto Hendel in Halle a. S. ' <^1 Um stille Theilnahme bitten. Gießen, 24. April 1887. nata Verpstegüng, bilNgite Preist. 1 3275 Maurermeister UoLhe Siern Linie .^Eig. Velg. Postdantpfer dm Auf meine Eingabe vom 9. Februar sorcche tch den Herren Stadtverordneten sur den Beschluß vom 21. April hierdurch memen besten Dank aus, und bemerke ferner daß ich dem Rath des Herrn Stadtbaumeisters Stief längst gefolgt bin und somit wohl das Verbot hochlöblicher Polizer für mich nicht in Ausführung zu kommen braucht. Gießen, den 25. April 1887. 3145 Eine Parthie Wein- tu Svrit- fässer billig zu verkaufen bei L. Mühlhausen, Neuenweg 10. Nähere Angaben über die m Müe- Jenen Preise (Harmonium, 'affinen, Zither, Flöte etc.) u. zu beobachtende Bedingung, enthält d. eben erschien. Nr. 7, welche d. a. Buch- u. MusikhdL gratis zu beziehen ist. Bentelliiiigen a 80 Pfö, >- «. «che,»«. - »ru» «nb Vnl«, b«r »r«h,-fchn, Drucks (Fx. Ehr. P««t,ch) in »iegex Jermischte Anzeigm. Haushälterin r£?2K.au5,~öllter ^b. Familie,, wchr selbstständige Stellung zur Führung eines Haushalts bei einem alleren Herrn oder SBdtrocr. Auskunft ertheilt Herr Pastor Schlo sser und Herr Th B rück m Gießen. 3283- 3.278, Ein junger Hund, Rattenfänger, billig abzugeben. Seltersweg 21. Akademischer Gesangverein. Die Vereinsübungen finden an jedem dNontag und Donnerstag von S-972 Uhr Abends in der kleinen Aula statt und beginnen am Donnerstag den 28. April. * Anmeldungen neuer Mitglieder nimmt der akademische Musikdirector am Dienstag den 26. April, von 2-3 Uhr in der kleinen Aula entgegen. 3259 Der Vorstand Ludwig Thiele. Hermann Thiele. Jacob Ellinger Wwe. 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