Ar. 196. Donnerstag den 25. August 1887. Gießener Anzeiger Amts- und Anzcigkbtatt für den Kreis Gießen. Bureau r Schulstraßc 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». n»—■■■■m WH ■ M1MIWIWW1HWI imiWX» Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Politische Uebeestcht. Kietzen, 24. August. Der Kaiser ist von seiner jüngsten Erkältung nahezu wieder hergestellt unb gedenkt er in diesen Tagen von Babelsberg nach Berlin üderzustedeln. Ueber die Spiritus-Coalition liegen neuere Meldungen nicht vor, nur wollen die hessischen Brennereibesttzer am nächsten Montag in Franksurt a. M. unb ihre bayerischen Collegen am Donnerstag in Regensburg zusammentreten, um die Frage ihre« Beitrittes zu der SpirituS-Actien-Gesellschaft zu erörtern. Bislang hat sich aus den Kreisen der süddeutschen Brenner noch keine einzige Stimme zu Gunsten des Anschlusses an die norddeutsche Coalition erhoben, weniger aber wohl aus prtncipieller Abneigung gegen das Project, als vielmehr, weil die süddeutschen Brenner den aus 130 JL normirten Lerkaussprei» noch nicht hoch genug finden und Vergütung der Fracht des von den norddeutschen Collegen bezogenen Spiritus fordern. Wahrscheinlich werden aus den Brenner- tagen von Regensburg und Franksurt die Bedingungen, unter denen die süddeutschen Brenner der Spiritus-Coalition beitreten wollen, bestimmt formultrt werden. Osficiöserseits werden nunmehr die im preußischen Finanzministerium entworfenen Bedingungen über die Branntweinsteuer veröffentlicht. Danach ist der zu gewerblichen Zwecken verwendete, der im Befitze von Schänkern und Kleinhändlern befindliche Branntwein bis zu 40 Liter, der im Besitze von Haus- haltungs-Vorständen befindliche Alkohol bis zu 10 Liter, der gegen Erlegung des Zolles vom Auslande eingeführte und der zum Export gekvngende Branntwein von der Nachsteuer befreit. Die Anmeldung des nachsteuerpflichttgen Branntweins liegt dem Inhaber defielben ob; die Anmeldung muß schriftlich, unter Benutzung der oorgeschrtebenen Formulare, bis zum 3. October erfolgen; bei Dem mit Zucker versetzten Branntwein wird der Alkoholgehalt auf 30 pCt. angenommen; Schänker, Kleinhändler und Haushaltungs-Vorstände brauchen ihren Vorrath, wenn derselbe die oben angegebenen, von der Nachsteuer befreiten Mengen nicht übersteigt, auch nicht anzumelden. Der Besuch der bayerischen Minister v. Lutz und v. Crailsheim in Kis sing en beim Fürsten Bismarck ist nur ein kurzer gewesen, denn die Minister kehrten bereits am Sonntag wieder noch München zurück. Der Verkehr zwischen dem Reichskanzler, in beffen Begleitung sich auch Gras Herbert BlSmarck befand, und den Herren v. Lutz und v. Crailsheim war ein sehr herzlicher; ob und welche politischen Fragen hierbei zur Erörterung gelangt sind, entzieht sich noch der Beurtheilung. Von der Begegnung zwischen Fürst Bismarck und dem Grasen Kalnoky ist es einstweilen wieder ganz still geworden, so daß das Gerücht nicht unbegründet erscheint, die Begegnung werde erst in Friedrichsruhe siattfinden. Sämmtliche Berichte über das Befinden des Fürsten Bismarck lauten durchweg befriedigend und bekommt ihm die Kissinger Kur bis jetzt vortrefflich. In diesen Tagen erfüllt sich ein Zeitraum von neun Jahren, daß dis Oesterreicher in Serajewo, die Hauptstadt Bosniens, einrückten, womit die Occupatton dieses Landes und der Herzegowina beendigt war. Damit war aber frethdj noch nicht viel erreicht, denn es galt vor Allem, das Jnsurgenten- und das hiermit enge zusammenhängende Räuberunwesen, das sich noch überall in den occupirten Provinzen bemerklich machte, zu unterdrücken, die durch den Lerrschastswechfel aufgeregte und von den türkischen, montenegrinischen u. s. w. Sendltngen in Athem gehaltene einheimische Bevölkerung zu beruhigen, mit dem Schlendrian der türkischen Verwaltung auszuräumen und dafür der Bevölkerung die Geflttung und Cultur des Westens zu bringen. Es galt da zahllose Schwte- TWeiten zu überwinden und in den ersten Jahren nach der Occupatton schien es manchmal, als sollte die ganze mühevolle Arbeit umsonst sein. Indessen, deute, nach 9 Jahren, beginnt die Culturarbeit Oesterreichs in den neuen Pro- vinzen sichtlich Früchte zu tragen. In der Bevölkerung ist längst das Vertrauen zu dem neuen Regime eingezogen, ein Netz ausgezeichneter Kunststraßen breitet flch über dar ganze Land, auch mehrere Eisenbahnlinien durchschneiden dasselbe und in administrativer und gesetzgeberischer Beziehung ist überhaupt Alles gethan, ®Q8 sich eben bet den eigenartigen Verhältnissen in „Neu-Oefterretch" thun ließ. Die Rrcrutirungen vollziehen sich in ordnungsgemäßer Weise, von Ausstands- versuchen ist längst keine Rede mehr und auch die Räuberbanden find im Großen und Ganzen ausgerottet, wenngleich freilich auch jetzt noch in den entlegneren Agenden Bosniens und der Herzegowina hie und da Banden austauchen. Nur die Entwickelung von Handel, Ackerbau und Industrie anbelangt, so hat in dieser Beziehung auch die österreichische Verwaltung noch keine nennen»* Akrthen Ersolge auszuweisen; bei den Zuständen indessen, wie sie unter der Herrschaft der Moslems in den beiden Ländern sich herangebildet hatten, war aber auch ein rascher Umschwung aus diesen Gebieten gar nicht zu verlangen, ^ebenfalls haben aber die neun Jahre österreichischer Verwaltung dargethan, aaß sich Bosnien und die Herzegowina unter den Fittichen des Doppelaares entschieden wohler befindet, als unter dem Glanze de» Halbmonds und gewiß Dird „Neu Oesterreich" noch einer besseren Zukunft entgegengehen. Die vor einiger Zelt signalisirte englische Vermittelung in dem italie* nisch-abyssinischen Stretthandel wegen Maffauah läßt noch immer aus sich warten. Es heißt, man habe in London gar nicht Neigung, diese 93er* unttler-Rolle ernstlich zu übernehmen, angeblich, weil eine Vermittelung bei den Wen Bedingungen, die Italien stelle, ausfichtslos fei. In Rom fordere man als Vorbedingung des definitiven Friedensschlusses, daß der Negus Johannes die Oberhoheit Italiens anerkenne, inoem er demselben die Vertretung Abyssi- Uten» nach Außen überlasse; überhaupt wolle Italien in Abyssinien eine solche Stellung einnehmen, wie etwa Frankreich in Tunis oder aus Madagaskar. — Es scheint hier indessen nur eine ganz willkürliche Combination vorzuliegen, denn von solchen Bedingungen Italiens ist seither noch nichts bekannt gewesen, im Gegentheil, dasselbe wird froh fein, wenn es sich mit dem Negus von Abyfsi- nien in friedlicher Weise auseinandersetzen kann, ohne hierbei besondere Ansprüche zu erheben. Ganz England wird von der regierungsseitig beschlossenen Unterdrückung der irischen Nation al-Liga beherrscht und mit größter Spannung sieht man den für Donnerstag im Unterhause hierüber angekündigten Debatten entgegen. Indessen scheint die Angelegenheit nicht den für das Ministerium Salisbury bedenklichen Verlauf nehmen zu wollen, den man zuerst befürchtete. Chamberlain, von dem es hieß, daß er mit seinen speciellen Anhängern Stellung gegen die Regierung in dieser Frage nehmen werde, hat in einer zu Birmingham gehaltenen Rede erklärt, daß er zwar mit der Unterdrückung der Liga nicht einverstanden sei, daß er aber dennoch sortsahren werde, die allgemeine Politik der Regierung zu unterstützen, ebenso werde er auch fernerhin für die Aufrechterhaltung der Vereinigung Irlands mit England eintreten. Der Adreffensturm, den die Opposition im Unterhause an die Königin zu Gunsten der Aufhebung der Proklamation, welche die Unterdrückung der irischen Landliga ausspricht, infceniren will, hat also von vornherein keine Ausstcht aus Erfolg, da die Unionisten auch weiterhin mit der Regierung gehen wollen. 93er* muthlich wird sich aber Mr. Gladstone die schöne Gelegenheit nicht entgehen lassen, abermals gegen die irische Politik der Regierung lcüzudonnern und stch hierdurch bei seinen irischen Freunden einen neuen Stein in's Brett zu setzen I Die ostrumelische Reise des Fürsten Ferdinand hat sich, wie seine Ankunft aus bulgarischem Boden, unter einem wahren Begeisterungstaumel der Bevölkerung abgespielt. Auch in Philippopel selbst, wo Fürst Ferdinand am Freitag Nachmittag eintraf, ist demselben die herzlichste Ausnahme seitens der Bevölkerung bereitet worden, die ihn immer mit erneuten Hurrahrusen begrüßte. Uebrigens berichtet der osficiöse Telegraph über den Verlauf der ostrumelischen Reise in denkbar knappster Weise uno in einem Tone, der deutlich verräth, daß die Huldigungen der Ostrumelioten für den Fürsten Ferdinand in den leitenden Wiener, Berliner u. s. w. Kreisen nichts weniger als mit Behagen betrachtet werden. Von Philippopel aus sollte die Fahrt birect nach Sofia gehen und erwartete man hier die Ankunft des Fürsten Ferdinand für Montag Nachmittag 3 Uhr. Deutschland. Nordhausen, 23. August. Eine Vereinigung hiesiger Branntwein- Fabrikanten beschloß heute, eine gemeinschaftliche Spiritus-Einkaufs,Gesellschaft zu bilden und mit denjenigen Brennereien und Spritsabriken in Verbindung zu treten, welche sich der Actiengesellschast für Spiritusverwerthung nicht an- schließen, unter Zusicherung der Abnahme des Gesammtverbrauchs. Bulgarien. Sofia, 22. August. Prinz Ferdinand ist heute hier eingetroffen. Er antwortete aus eine Ansprache des Bürgermeister», er habe die den bulgarischen Delegirten in Ebenthal gegebenen Versprechen, sich Bulgarien widmen zu wollen, erfüllt und sei jetzt hier. Er rathe den Bulgaren Weisheit, Mäßigung und Einigkeit an; wenn die Nation weise und einig stch verhalten werde, so werde er Bulgarien zu einem idealen und starken Staat machen. Die internationalen Beziehungen anlangend, so sei es wesentlich, gute Beziehungen zur Pforte, al» der suzeränen Macht, zu erhalten. Dank seiner Loyalität hoffe er, dem Lande die Geneigtheit der Pforte zu verschaffen. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Korrespondenz -Brrrearr. BabelSberg, 23. August. Das Befinden des Kaisers ist gut Derselbe empfing die Vorträge Perponcher's und Albedyll's. „ Zum Diner sind der General der Infanterie, Strudberg, und der Gesandte v. Schlözer geladen. Madrid, 23. August. Das Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret, welches die Ernennung des Generals Salamanca zum Gouverneur von Euba wieder annuUtrt. Sofia, 23. August. Der feierliche Einzug des Fürstm Ferdinand in die Stadt erfolgte gestern Abend um 6 Uhr. Ein Thetl der Bevölkerung hatte den Fürsten schon außerhalb der Stadt erwartet und lebhaft begrüßt. Nach der Ankunft in der Stadt und Entgegennahme der Bewillkommnung durch den Bürgermeister und Deputationen begab sich der Fürst nach der Kathedrale, wo ein Tedeum stattfand, und dann unter Hurrahrusen der Bevölkerung nach dem fürstlichen Palais. — Der Hauptpassus der gestrigen Rebe des Fürsten Ferdinand in Erwiderung auf die Ansprache des Bürgermeisters lautet: „Ich hoffe, daß es uns mit der Achtung vor den Gesetzen, der Erfüllung unserer internationalen Verpflichtungen, insbesondre mit der wohlwollenden Unterstützung der erhabenen Pforte und der Erlichen -Beobachtung unserer Pflichten gegen den suzeränen Hof gelingen wird, die Krips z - endigen, Bulgarien wiederauf den normalen Weg zu lenken und die Aera des ^rieo , der Ordnung und des Gedeihens zu eröffnen. Ich danke für den mir bereitet n - psang. E8 lebe Bulgarien!" - lieber dl- Bedeutung d-/ Worte. .Erfüllung der internationalen Verpflichtungen" betragt, erwiderte der Fürst , er meinedamtt die Fertigstellung der Eisenbahnen, die Lösung der Frage der Staatsschuld und des Tributs an die Pforte rc. — Der Fürst empfing heute früh die Officiere der Garnison Sofia und empfahl denselben Disctplin und Einigkeit, denn auf dem vollständigen Einvernehmen zwischen dem Fürsten und der Armee beruhe die Sicherheit und die Zukunft des Landes. — Nach dem gestrigen Tedeum hielt der Metropolit Element eine Rede, in welcher er sagte, die Dankbarkeit sei eine Tugend des bulgarischen Volkes; es sei Rußland dankbar für die Befreiung und die Existenz des Landes. Der Fürst müsse da- ber das bulgarische Volk auf dieser Bahn erhalten; alsdann werde dieses den Thron sicher stützen. Petersburg, 23. August. Ein heute veröffentlichtes Gesetz erklärt die Getreidesäcke, welche behufs des diesjährigen Getreide-Exports zu Schiffe über die Pontushäfen und die Häfen des Schwarzen Meeres etngeführt werden, für zollfrei, stellt dieselben jedoch unter Zollcontrole. Kronstadt, 23. August. Heute Nachmittag gegen 4 Uhr dampfte die Yacht „Derschawa", begleitet von der Yacht „Zarewna", mit dem Kaiserpaar nach Kopenhagen ab. Ostende, 23. August. Hiesige Fischer ließen sich heute bei dem Versuche, das Ausschiffen einer englischen Fischladung zu verhindern, erhebliche Ausschreitungen zu Schulden kommen, wobei ein Thetl der Ladung zerstört wurde. Poltzetbeamte und Gensdarmen mußten etnschreiten und von der Waffe Gebrauch machen, so daß mehrere Fischer schwer verwundet wurden. Die Ruhe ist jetzt wieder hergestellt. Die Ausladung später ankommender englischer Fischerboote erfolgte unter dem Schutze der Gensdarmerie. Ajaccio, 23. August. Im Arrondissement Sartene sind mehrere Domanial- waldungen durch Feuersbrunst vollständig zerstört, ebenso sind in den Arrondissements Bastia und Corte Brände von der Ausdehnung ausgebrochen, daß nicht weniger als vierzehn Gemeinden dadurch in Mitleidenschaft gezogen sind. Lokales. Gießen, 25. August. In der heutigen Sitzung Großh. Landgerichts Gießen wurden die nachstehend Verzeichneten als Geschworene für die nächste Sitzungsperiode gezogen: 1. Wenzel, Eberhard, Spengler, Alsfeld. 2. Frank, Emanuel, Kaufmann, Rieder-Ohmm. 3. Arnold, Jakob, Kaufmann, Grüningen. 4. Zörkel, Ludwig, Eichelsdorf. 5. Euler, Johannes II., Mittel- Gründau. 6. Riebling, Wilhelm, Kaufmann, Büdingen. 7. Wertheimer, Max, Büdingen. 8. Brumhard, Constantin, Gedern. 9. Kirchhof, Karl, Nidda. 10. Sehrt, Ferdinand, Ruppertenrod. 11. Wörner, AndreasII., Hoch-Weisel. 12. Langsdorf, Heinrich V., Bad Nauheim. 13. Nicolay, Johannes I., Blofeld. 14. Schott, Jakob, Friedberg. 15. Menz, Georg, Eifa. 16. Steffan, Heinrich VII., Gettenau. 17. Ohly, H. K., Griedel. 18. Schneider, Joh. Jost, Ermenrod. 19. Borreen, Heinrich II., Lauterbach. 20. Zehner, Georg II., Schwalheim. 21. Born, Heinrich II., Ober-Mörlen. 22. Schaffstädt, Heinrich II., Gießen. 23. Noll, August I., Gießen. 24. Hammel, Wilhelm, Altenstadt. 25. Müller, Karl, Heldenbergen. 26. Lotz, Ludwig, Gießen. 27. Reitz, Christian, Echzell. 28. Stamm, David, Gießen. 29. Kennel, Peter, Gießen. 30. Koch, Philipp, Wieseck. Universität- - Chronik. — An den 21 Universitäten des Deutschen Reiches (mit Einschluß der Akademie zu Münster) sind im laufenden Semester 28,776 Studenten immatrikulirt, also rund 700 mehr als im Wintersemester 1886-87. Die evangelisch-theologische Fakultät zählt 4837 Studenten (16,81 pCt.), also 252 mehr als im letzten Semester. Die katholisch-theologische Fakultät, an 7 Universitäten, zählt 1215 Studenten (4,22 pCt. der Gesammtzahl). Gegen das letzte Semester hat sie um 51 zugenommen. Die besuchteste katholische Fakultät ist Münster mit 344 Theologen. Die Gesammtzahl der Juristen beträgt 5819 (20,22 pCt.), also 231 mehr als im letzten Semester. Mediciner sind 8595 (29,87 pCt.) immatrikulirt. Die Zunahme beträgt hier nur 34 Studenten, was wohl die Abmahnung des Aerztevereins vom Studium der Medictn bewirkt hat. Die Gesammtzahl der Philosophen beträgt 8310 (28,88 pCt.), also 145 mehr wie im letzten Semester. Die besuchteste Universität ist, wie es seit den 80er Jahren stets der Fall ist, Berlin mit 4654 Studenten; dann folgen München mit 3367, Leipzig mit 3054, Halle mit 1529 Studenten u. s. w. Leipzig, welches in den 70er Jahren stets die meisten Studenten aufwies, dann aber hinter Berlin zurückblieb, ist nun auch von München stark überholt worden. Dieses, sowie u. a. auch Tübingen, Greifswald, Marburg haben in diesem Semester eine noch nie zuvor erreichte Frequenz. Marburg hat zum erstenmale 1000 Studenten aufzuweisen. Was die Heimathsverhältntsse der Studirenden angeht, so bilden die Preußen an den Universitäten ihres Landes die überwiegende Mehrzahl. An den außerpreußischen, besonders den süddeutschen Universitäten sind die Verhältnisse aber wesentlich anders. Während z. B. in München und Erlangen nur wenig über die Hälfte der Studirenden Bayern sind, ftudtren in Würzburg allein mehr Preußen als Bayern. Auch in Heidelberg, Freiburg, Straßburg bilden die Angehörigen des betreffenden Staates die Minderzahl. Ausländer sind an deutschen Universitäten rund 1500 immatrikulirt; den höchsten Procentsatz erreichen sie in Heidelberg. Am stärksten sind unter den Europäern die Russen Oesterreicher und Schweizer, unter den Nicht-Europäern die Amerikaner und Japaner vertreten. Vermischtes. ™ 17- August, lieber einen Hauseinsturz in Kohden berichtet das „Nidd. Anzgbl.": Gestern stürzte in Kohden das dem Philipp Merz I. gehörige Haus ohne erkennbare Ursache zur Hälfte ein. Die Familie saß gerade beim Nachmittagskaffee, als sie durch ein verdächtiges Knistern und Krachen erschreckt, das Haus schnell verließ Gleich darauf erfolgte der Zusammenbruch. Die Möbel sind zertrümmert, Frucht- vorräthe theilweise unbrauchbar geworden. Das Haus hatte durchaus kein baufälliges Aussehen; vielleicht war ein Balken morsch, die Belastung mit Frucht möglicherweise etwas stark. Darmstadt, 22. August. [Stiftungen und Vermächtnisses Das jüngste Regierungsblatt veröffentlicht eine Liste derjenigen Stiftungen und Vermächtnisse welche tm Laufe des 2. Quartals 1887 die Bestätigung des Gr°ßher,ogs gefunden haben. Nach dieser Zusammenstellung erhielten: Katholilche Kirchen 18 Stiftungen mit iu- fatnmen 22,92b 43 evangelische Kirchen 9 Stiftungen mit zusammen 4320 uf i3raelttifd)e Gemeinden 2 Stiftungen mit zusammen 1600 Kommunalverbände 7 to iftungen mit jufammen 16,907 x 29 Wohltbätigkettsfonds u. s. w. sechs Stiftungen mit zusammen 27,600 JL, zusammen 42 Stiftungen mit 73,353 M. 72 r. △ August. Auf den 3. September ist eine Verwaltungsraths- sttzung der Llldwigsbahn anberaumt, zu welcher neben untergeordneteren Dingen auch Ä^en -beä Preufeiftben Verkehrsministers wegen Uebernahmc der Strecke FrankfurbKelsterbach aus den preußischen Staat zur Beratbung steht. ®la.i‘nj. 23. August. Wie das ,M. wissen will, fei das Domkapitel jüngster. Tage in Anwesenheit des Bischofs Haffner und vier Senioren des Diöcesen- clerus m einer 10 Stunden dauernden Sitzung versammelt gewesen, um über bie Besetzung der erledigten Pfarreien Beschluß zu fassen. Di- Commission, die ihre B schlusse vorerst str-ng geheim halte, hatte nach dem genannten Blatt keine leichte Arbett gehabt, indem die Zah der Bewerber für einzelne Pfarreien überaus groß gewesen Ungeachtet daß die Beschlüsse geheim gehalten werden, will das „Tageblatt" in der Lage sein, melden zu können, daß alle erledigte Pfarreien besetzt werden sollen und haft an Stelle des Herrn Domkapitular Thoms der Propst am Wormser Dom v- K-br Domvfarrer in Mainz werden soll. An Stelle des Dr. Fehr solle der jetzige Kavlan von Niederolm, Herr Goedecker kommen. Wir geben diese Mittbeiluna des t » ohne Bürgschaft für die Richtigkeit, zumal die Quellen des genannten Blattes in dielen Fragen sich schon mehrfach als unzuverlässig gezeigt haben. ö,n Vom Rhein, 23. August. Wie von Boppard gemeldet wird, bat es diele Woche auf der Fleckartshöhe — einer der höchsten Punkte auf dem vorderen Huns- rückerr — angefangen ju schneien und seien alle Fluren auf dem bunsr,'^ gereift. v uaciT Frankfurt a. M., 20. August. Der Familie eines hiesigen 6olonialmnnr.n- händlers wurde gestern Mittag eine große Ueberrafchung zu Theil Es schellt^ ziemlich ältliche, anständig gekleidete Person gab ein großes schweres Packet ab zu lesen war: „Vor Fall zu hüten." - Mit den Worten: „SBitte'an b'en Lbrrn N. junior" verschwand Die Ueberbringerin. — Behutsam trug man die Sendung Zimmer. Mit größter Vorsicht wurde es geöffnet. Es regte sich etwas in dem Schon wollte man mit den weiteren Enthüllungen innehalten, als der Jnbalt »d-- Kastens sich durch jämmerliches Schreien verrieth. — Ein kleiner Knabe von einem halben Jahr lag, einen Lutscher im Munde, fein säuberlich gebettet in Packet. Auf dem Kleide des Kindes war ein Zettel geheftet, auf welchem fMnhü „Emil! Du bist dem richterlichen Spruch nicht nachgekommen, Du hast d'e ntn-' fprochenen Ratenzahlungen nicht etngehalten. Du thust geradezu nichts für unser Kind Ich hätte dennoch geschwiegen, aber Dein langes Schweigen zwingt mich, durch sendung meines lieben Kindchens, für das ich kein Brod mehr hatte, zu reden unglückliche Meta." — Der junge Mann, aber ganz besonders seine Eltern ' bie nm! der Existenz des Kleinen keine Ahnung hatten, waren nicht wenig erstaunt.' Dennoch nahm sich die Großmutter des sauberen netten Kindes an. (ö. Z) — Auf einer hiesigen Bank meldete sich ein junger Mensch und lieferte eim großes Couvert ab, dessen Adresse an die Bank lautete. Es war ziemlich schwer un^ fest verschlossen. Der betreffende Bankbeamte nahm das Couvert ab und notirtr firf* die Adresse des ehrlichen Finders. Kurze Zeit darauf meldete sich der Geschäftsführer einer hiesigen Firma und frug an, ob vielleicht ein Couvert mit dem und dem Inhal» gefunden und abgeliefert worden wäre. Als man dies bejahte, da kannte die Freude des Fragenden keine Grenzen. Er hatte das Packet verloren. Dem redlichen Finh-i- ließ er 500 Mark auszahlen. Das Couvert hatte einen Werth von über 80000 Mark gehabt. (O. Z.) ** Unter allen Leuten sind uns Diejenigen am unangenehmsten, die fortwährend plappern müssen und auck da, wo Ruhe und Aufmerksamkeit am Platz wär», ihrer Redeanstall nicht einen Augenblick Stillstand gebieten können. Ganz besonders störend- ist ein solches Benehmen in Concerten, und Derjenige, welcher sich einfindet, um Musik zu hören, kann mitunter verzweifeln, wenn das harmonische Getön der Instrumente besiegt wird von dem weit weniger harmonischen Geplapper der Zungen in seiner Nähe Gewiß verlangt kein verständiger Mensch, daß in den Concerten, wie sie regelmäßiq von Militär- und städtischen Capellen gegeben werden, jeder Zuhörer wie ein Travpist sich benehmen und vom ersten Trompetenton bis zum letzten Paukenschlag kein Wort sprechen soll. Trotz vortrefflicher Leistungen stellen die Concertgeber selbst derartig hohe: Forderungen an ihr Publikum nicht, und in der That wird Niemand es als eine Beleidigung Polyhymnias auffassen, wenn während eines Strauß'schen Walzers oder eines flotten Militärmarsches, der mit Bumbum! und Dschinderadata! daherbraust ein Theil der Zuhörer sich mit einander unterhält. Aber — und diese Rücksicht vermißt man leider zu oft — wenn das Orchester sich zum Interpreten genialer Gedankem eines großen Meisters macht, wenn Tonstücke von geistigem Gehalt und tiefer Empfindung zum Vortrage gelangen, dann sollte wenigstens die Plaudertasche zugeklappt werden, denn in solchem Falle heißt mit Aufmerksamkeit hören so viel wie etwas lernar seinen Geschmack und sein ästhetisches Gefühl bilden. Und auch dazu, nicht nur, um über einige sonst vielleicht der Langeweile verfallene Stunden Hinwegzutragen, werden Concerte gegeben, wenn dieser Zweck auch vielen Leuten nicht recht zum Bewußtsein kommt. Gerade jetzt, da wir an der Schwelle der Saison stehen, in welcher die Concerte in den geschlossenen Raum verwiesen werden, möchten wir aber auf diese Seite der Sache besonders Hinweisen. Es ist wirklich nicht erfteulich, wenn Man im Genutz eines Beethoven'fchen, Mozart'schen oder Wagner'schen Meisterwerkes durch die üoih Nebentisch herüberschwirrende Kunde gestört wird, wie die verehrte Frau Nachbarin ihrem Jüngsten die zerrissenen Hosen geflickt hat. — lieber den Brand an Bord des Dampfers „City of Montreal" liegt auS Queenstown folgender Bericht vor: „Der Dampfer verließ Newyork am 6. ds. Mts- mit 27 Passagieren zweiter Klasse und 126 Zwischendecks-Passagieren, sowie einer gemischten Ladung. Die Mannschaft zählte 96 Köpfe. In der Nacht vom Mittwoch den 10. ds., als die meisten Passagiere sich zur Ruhe begeben hatten, erscholl der 3tufr „Feuer! Feuer!" und bald darauf quollen dichte, erstickende Rauchwolken aus dm Gängen hervor. In kürzester Zeit hatten sich alle Passagiere schnell angekleidet und waren auf dem Verdeck erschienen, worauf ermittelt wurde, daß das Feuer unter bei im Hinteren Hauptschiffsraum aufgestapelten Baumwolle ausgebrochen war. Neun Schläuche wurden rasch in Anwendung gebracht und große Wassermassen ergossen sich auf den Sitz des Brandes. Der Curs des Schiffes wurde alsbald nach dem 400 Meilen entfernt gelegenen Neufundland gewendet. Bald darauf brach das Feuer auch im Hinteren Schiffsräume und in einem Mittelgange aus, und nach der Macht des Brandes zu urtheilen, wurde es augenscheinlich, daß keine Hoffnung vorhanden sei, das Schifi zu retten. Die Boote wurden alsdann herabgelassen, 4 Rettungsboote und 4 Pinnassen und mit Lebensrnitteln versehen. Am nächsten Morgen 8 Uhr hatten die Flamme, so weit um sich gegriffen, daß es nicht länger möglich war, auf dem Schiffe zu bleiben Sämmtliche Passagiere wurden auf dem Verdeck versammelt, um das Signal zum Verlassen Des Schiffes zu erwarten. Endlich wurde der Befehl dazu ertheilt und naü beträchtlicher Mühe waren die Passagiere in den Booten umergebracht. In Folge hohen Seeganges schwebten die gebrechlichen Fahrzeuge jeden Augenblick in der ©efw zu kentern. In der Auftegung der Einschiffung waren einige Passagiere und Mr- glieder der Mannschaft zurückgelassen worden. Sie wurden indeß später im hinter« Theile des Schiffes entdeckt und gerettet, allerdings fast erstickt. Endlich stießen bt Boote von dem brennenden Wrack ab und trieben, eins von dem andern gelten» zehn Stunden hindurch umher. Die Masten eines fernen Schiffes waren vorher i Sicht gekommen und auf dieses willkommene Ziel ruderten sie so gut als es die Behältnisse erlaubten. Ein Boot verschwand indeß aus dem Gesichtskreise der ander». Es enthielt 2 Stewards, 4 Matrosen und 7 Passagiere. Die Unglücklichen sind, m- befürchtet wird, als verloren zu betrachten. Das in Sicht kommende Schiff erwies >« als die deutsche Barke „Trident", mit einer Ladung Terpentin von Charleston na* London unterwegs, welche sämmtliche Insassen der Boote aufnahm. Während Nacht kam der Dampfer „York City" von der Furneß - Linie, von Baltimore na* London fahrend, herbei, welcher anlegte, bei Tagesanbruch die Passagiere und Seelem: der „City of Montreal" an Bord nahm und alsdann seine Reife nach Oueenstoc^ fortsetzte, nachdem er sich vergeblich bemüht, das verschollene Boot aufzufinden. Un:r den Passagieren^ desselben befinden sich ein Deutscher Namens Samuel Kaufmann uu zwei Russen, Simon Kowelsky und S. Kachumeki. Die Passagiere und Mannfcha haben ihre ganze Habe verloren. Der Ursprung des Feuers ist noch unbekannt. Capitän versichert jedoch, daß es an drei Stellen unter der Baumwolle ausbrach. „City of Montreal" wurde für die alte Jnman-Gesellschaft im Jahre 1872 in Mm- gow erbaut. Sie hatte ein Brutto - Deplacement von 4496 Tons, Maschinen v> 600 Pferdekrast, eine Länge von 419 Fuß und eine Breite von 44 Fuß. — Der Brand im Hertogenwalde setzt noch immer seine verwüstende ThätiMi fort. Man sieht zwar keine Flammen mehr, aber hohe Rauchsäulen steigen von gj* zu Zeit auf und verdüstern den Horizont gänzlich. Dazu stürzen von Zeit zu ££ ganze Reihen Bäume, deren Wurzeln verzehrt sind, mit Getöse zusammen. IN w- Walde von Drossart und von Hasebus aus nimmt das Feuer an Kraft und > dehnung zu, dagegen hat es an der Baraque Michel wesentlich abgenommen, um II- - Ausdehnung des Feuers an dieser Stelle zu hindern, arbeiten Soldaten unter le von Ingenieur-Offizieren in diesem Theile des Waldes Tag und Nacht. 5 SolDW- , sind bei dieser Arbeit verletzt worden. Die scharfen Regengüsse der letzten Tage wer >» hoffentlich zur Auslöschung des Feuers beigetragen haben. - fGensdarmen als Mörder.) Aus Risch kommt dem „Pesther Loyd " näherer Bericht über das kaum glaubliche Ereigniß, daß Vertreter der offentitaP Sicherheit ihre Stellung zu Mordthaten mißbraucht haben. Die Sache wurde folgen.^ maßen entdeckt -. Wie alljährlich, kam auch heute vor 14 Tagen ein aus Ruvr» gebürtiger Teppichhändler Namens Josifi Abramovics, nach Pirot, um seine i in Teppichen zu besorgen. Er kam, mit ordnungsmäßigen Reisedokumenten 1 < über Sophia - Zaribrod um 7 Uhr Abends nach Pirot und loairte sich m elnem bekannten Gasthause ein. Seine von früher ihm bekannten Eeppöcherikug bald von seiner Ankunft und saßen mit ihm bi® nach 10 Uhr fröhlich > Kurz darauf erschienen zwei Gensdarmen diensteifttg, den Abramovics auffo , , Kl =BCB Allgemeiner Anzeiger r I Ausgekämmte Haare | ' kauft H. Plank, Kaplansgaffe 2. Scheibenpulver Schiffs» ach richten- Bremen, 22. August. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Fulda, Capitän R. Rtngk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 13. August von Bremen und am 14. August von Southampton abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 23. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Rhein, Capitän W. Töpfer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. August von Bremen abgegangen war, ist heute 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen. 6313] Schönes «rummetgra- zu ver- I 6263 Ein geprüfter Heizer wird ge» kaufen in der Pulvermühle. i sucht- kout» Mu Zum 2. September! Wie in den vorderen Jahren, kommen wir auch in diesem Jahre zum ^vorstehenden Nationalsest vom 2. September mit der Bitte um Gaben F ”te H"validen und die Hinterbliebenen gefallener Soldaten des «W, 1870/71. Ueberall, wo man an jenem Tag, in Gotteshäusern oder °°NoMgen Vereinigungen, dieses Fest feiert und sich dessen erinnert, was Mmzehn Jahren geschah, möge man auch jener Opfer des Krieges oamend gedenken und durch Gaben je nach Vermögen dazu beitragen, daß ihr wo« auch weiterhin verbessert werde. W>r bitten insbesondere, wie früher, die evangelischen Pfarr- «vd Kirchenvorstände, gemäß der ihnen von Großherzoglichem voet-Q,on|tftanum ertgeilten Erlaubniß, bei den betr. Festgottesdiensten Collecten M jenen Zweck zu erheben. ji,., Un[c« Aweigvereine ersuchen wir, wie seither möglichst für Ver- ormung dieser Ansprache und Durchführung unserer Idee zu wirken, insbeson- ere geeigneten Orten Sammelbüchsen aufzustellen. thiH-r L r' ^blche uns demnächst die Erträgnisse von Sammlungen ru über- 2 ^ben, bitten wir, dieselben durch Posteinzahlung an unseren Schatz- MWer, Herrn Brandversicherungs-Ralh Hechler dahier, einzusenden Darmstadt, den 11. August 1887. Der Vorstand de» Hülssvereins im Großherzogthum Hessen für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde, als Landesverein der Kaifer-Wilhelms-Stistung für deutsche Invaliden. Landwirthschaftliche Nachrichte«. ZZMMMMLsW ^WWZAAWWW MWßMZ-ZWM WUZMWZMM ÄS “ÄKS: Möbel-V ersteigerong. Donnerstag den 23. und Freitag den 26. August dS. . , Nachmittags 2 Uhr, " werden im Hause der Frau Hosgerichts-Advokat Wieffell Wwe., West, anlage 4, die zu deren Hinterlassenschaft gehörigen Mobilien, als: Stuhle, 4 Sophas, 4 Kommoden, Kleiderschrcinke Glasschrank, Spiestel, Lampen, Hängelampen, Alabasteruhr,' Osenschirm, Bettladen, Bettwerk, Weißzeug, Küchen- und Gartengerathe, große Bütte, Sturmlaterne, mehrere Koffer re versteigert. v Im Auftrag: . Hoffmann, Ortsgerichtsmann. Auftrage nimmt Herr Taxator Louis Rothenberger, Neuenweg 22, entgegen. zum Nacsalnikat (Pi ekten) sofort zu folgen. Abramovics, ganz überrascht, sträubte sich energisch gegen diese nächtliche Vorladung und betheuerte, daß seine Reisedokumente in Ordnung seien, foroie daß er am anderen Morgen zeitig dahin kommen werde. Die zwei Gensdarmen wollten ledoch davon nichts wissen, sondern bestanden darauf, ihren angeblich vom Präfekten erhaltenen Befehl durchzuführen. Sie schleppten Abramovics fort, welcher leider nicht mehr zuruckkehren sollte. Am folgenden Tage um 5 Uhr Morgens kamen einige Tepprcherzeuger in das Gasthaus, den Abramovics zu suchen, denen aber der WiNh nur das Abends Geschehene mitthetlen konnte. Inzwischen wurde es 2 Uhr Nachmittags - - und Abramovics war noch nicht da. Den guten Leuten erschien dies rathselhaft, worauf sie sich zum Präfekten begaben, um Auskunft zu erhalten. Der Pomocsnik (Vertreter des Präfekten, welch' letzterer auf Urlaub in einem Bade war), hierüber ganz erstaunt, sagte ihnen, daß er von diesem ganzen Sachverhalt nichts wlsse und daß lhm bezüglich einer Verhaftung Abramovics nichts mit; gethetlt wurde. - In der Nähe der während des serbisch-bulgarischen Krieges zwischen Pirol und Zaribrod erbauten Schanzen beschäftigte sich eben an diesem Tage eine BauernfamUte mit ihrer Feldarbeit, als ihr Hund furchtbar zu heulen anfing. Der Bauer forschte nach der Ursache und erschrak nicht wenig, als er seinen Hund einen Menschenkopf herumzerren sah. Der Bauer begrub den Kopf wieder und eilte in die Stadt (Pirot), um der Polizei seine Entdeckung mitzutheilen. Dort angelangt, ' traf er einen Gensdarmerie Lieutenant und einen Gensdarmen beim Verhöre über die nächtliche Verhaftung des Abramovics an. Der Pomoesntc, von dem unheimlichen Funde verständigt, schöpfte Verdacht, sandte geheim um Militär und erklärte den Gensdarmerkelieutenant und alle Gensdarmen für verhaftet. Der Lieutenant der seine ganze Fassung verloren hatte, mußte an einem Selbstmorde verhindert werden indessen zwei Gensdarmen folgendes Geständniß machten: Im Auftrage ihres Lieutenants brachten sie um 11 Uhr Nachts den Abramovics zur Polizei Ein vom Lieutenant verfertigter Befehl mit Amtssiegel, daß man Abramovics wegen Verdachts der Spionage sofort an die bulgarische Grenze befördern solle, wurde dem Abramovics oorgelesen und lhm bedeutet, daß seine im Gasthause zurückgelassenen Effekten bereits dahin expedirt worden leien. Ein einspänniger Wagen (Eigenthum des Lieutenants) stand schon vor der Thüre. Abramovics wurde binausgeschleppl, drei Gensdarmen blieben bei ihm und so fuhren sie gegen die bulgarische Grenze. Vor dieser bogen sie aber rechts zu den erwähnten Schanzen ein, schlachteten dort den Abramovics ab, ihm seine Baarschaft von 1503 Imperials abnehmend, und begruben ihn daselbst Nach- ttaglich sollen sie auch eingestanden haben, daß derselbe Gensdarmerielieute'nant im Etnverstandnkß nut seinen fünf Gensdarmen schon seit zwei Jahren dieses Mörderhandwerk betreibe und es sollen circa 60 Personen auf solche Weise ermordet worden sein; 22 goldene Uhren sammt Ketten, Brillant-Ohrgehänge, Medaillons rc. wurden bet rhnen vorgefunden. Zwei französische Correspondenlen, die während des Krieges in Vlrot waren und von da ihren letzten Bries datirten, sollen auch diesen Kopfabschneidern zum Opfer gefallen sein. Der französische Gesandte aus Belgrad ist vor drer Tagen direkt nach Pirot gereist und soll einen Ring von dem Ermordeten gefunden haben. Er ließ einen Wachsabdruck des Ringes anfertigen und sandte ihn nach Frankreich. Ein Stallmeister des früheren Fürsten Alexander von Bulgarien der im vorigen Jahre von Sofia über Zaribrod-Pirol-Nisch-Belgrad in seine Heimath rejfen wollte, ist gleichfalls von dieser Bande ermordet worden. Eine Untersuchungs- ^grad ist bereits nach Pirot abqegangen. Ferner wird aus Belgrad benchtet: Der in Pirot lnhaftirte Gensdarmerieltcutenant Butrics gestand, daß auch ?? R* br.crt^f[c ernwrdet wurde; es verlautet, daß der Ermordete 100,000 Rubel habe Der saubere Ehef der Sicherheit hat bereits sieben Morde ein- geftanden; 8000 Stuck Dukaten wurden bei ihm gefunden. Die von ihm geübte Praxis war die daß er jene Reisenden, die ihre Pässe durch ihn visiren lassen mußten auf eine spate Abendstunde bestellte, so daß sie nur Nachts weiterreisen konnten Er ünLiRrt u“ter.0eblnen Gensdarmen fanden sich dann an geeigneter Stelle ein, um Mich stchen a3erbrCd)Cn 3U ""üben. In Pozsarevac soll übrigens die Sache ganz . . n Tn rbecn statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industriellen bestes sich bte Roheisenproduction des Deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat Juli 1887 auf 326 075 Tonnen, darunter 149 413 Tonnen Puddestohepm und Spiegeleksen, 42 491 Tonnen Bessemerroheisen, 91075 Tonnen S0IUQ S 7 £nb 43 096 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im Juli 1886 Innern Vorn 1 Januar bis 31. Juli 1887 wurden producirt 2174556 Tonnen gegen 1983 515 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. empfiehlt 568' A. JDickore, Bahnhofstr, 15, Neu eingetroffen: Damen Mäntel und Kleiderstoffe bei 6216 Gebr. Stamm Literarisch«-. und LÄ^-^H°ni>buch. Ein Raihg-b-r oor D-r Titel fagl bcu il», w°k das Vuch^ L will Ln5 ?,EiS MM-MsLWZI WWWMMWM niedriger ist fD.?n für das hübsch ausgestattete Buch ein äußerst 120 Lin 7 demselben Verlage erschien .Kochs Europa.Kübrer" (V.Lis Innb, welches eine kuw? 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(saortaleinlaaen aut kostenfreien Ueberweisung entgegenzunehmen, was außerdem durch Rerchsbankgrro-Conto der Generalagentur ° chÄ k a n n-B.ftrittund in - All- näher- Auskunft, Statuten, Praspeete und Antragssarmulare durch die Hauptagentur Gießen: G. W. Döpfer, Südanlage 5, Dre Generalagentur Darmstadt: Fr, Ekert. Der Abfuhrtermin ist bis zum 17. September verlängert worden. Ueberschreitungen werden zur Anzeige gebracht. 6301 Fürstliche Oberförsterei Lich. Zur Verdingung der Abfuhr und Entleerung der Latrinen - Tonnenwagen, der Latrinen-Tonnen, der Latrinen-, Asch- und Müllgruben rc-. sowie zum Verkauf des alten, und Lieferung des erforderlichen neuen Lagerstrohs, ca- 48480 kg, ist ein unbeschränkter Submissions-Termin auf Sonnabend den 27. August er., Vormittags 9 Uhr, im Garnison-Verwal- tungs-Bureau anberaumt, woselbst die Bedingungen zur Einsichtnahme aufliegen. Gießen, den 19. August 1887. 6248 Großherzogliche Garnison-Verwaltung. la. Apfelgelde, la. Apfel kraut, la. 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Marburg 2W, 520 *, 610, 813#, H • ' 6«*, 6^, 800, Ilio. „ Eassel 2K, 520* 8«•, H30, 6 1 " 800, uw. Wetzlar 710 (von Sßeilbura), 75 ‘ Ug Betzdorf), 940, 11”, 3«, * S? 811'0. H56 - 1 GmS.Coblenr^'^3»0».8^ir. D^ltz 11'7, 48., 11* «ulda 758, l80, 4M, 10. SKÄK"« die Nachfftunden von Abends 0 Morgens 5*. _ Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Drühl'ichcn Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Di» heutig» Stummer enthält 1 Blatt u 1 Beilag«