Ar. L2L Freitag den 23. September 1887. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigtblait für bett Kreis Gießen. / V«reaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. o Politische Ueberficht. Gietze«, 22. September. Kaiser Wilhelm hat, lief bewegt durch die herzliche und begeisterte bisnahme, welche er in Pommern gefunden, einen Erlaß an den OberprSfi« Wien von Pommern gerichtet, der den Dank der Monarchen für den ihm tajelbS bereiteten Empfang aurfpricht. Der Erlaß betont, wie der Kaiser in dei pommerschen Bevölkerung die alten Empfindungen treuer Anhänglichkeit und ßcgebenheit wiedergefunden habe und spricht zugleich die Befriedigung de» aller- Wchsten Kriegrherrn darüber aur, daß den Truppen während der großen Hebungen durchweg eine gute Aufnahme zu Theil geworden fei. Auch nach der Rückkehr von den immerhin anstrengenden pommerschen Fest- und Manöoertagen scheint fich Kaiser Wilhelm in seinem Pflichteifer leine größere Ruhepause gönnen zu wollen. Bereit» am Sonntag nahm der hohe Herr wieder mehrere Vorträge entgegen, erledigte Regterungi-Angelegen- beltin und consertrte einige Zett mit dem au» Friedrichrruhe wieder in Berlin «ingelroffenen Slaatrsecittär der Auswärtigen, Grafen Herbert Birmarck. Luch am Montag widmete fich der greise Monarch der Entgegennahme von Sorträgen u. s. w., am Dienrtag gedachte er den Manöver» de» Garde-Corp» Lei Gransee beizuwohnen, mußte jedoch der schlechten Witterung halber hier- von absehen. Die Centrumspartei de» preußischen Abgeordnetenhauses Bit soeben zwei Mandate an die Nationalltberalen verloren, diejenigen des Wahlkreises Neuwied-Altenkirchen. Bei den letzten allgemeinen Landtags- cvahlen wurden in diesem Landtags-Wahlkreise genau gleichviel ultramontane und liberale Wahlmänner gewählt, nämlich je 241, das Loos entschied dann für die klerikalen Candtdaten Rintelen und van Bleuten. Die Wahl wurde jedoch Für ungiltig erklärt und bei der jetzt vorgenommenen anderweitigen Wahl gingen 247 nationalliberale und nur 235 klerikale Wahlmänner aus der Urne hervor, Po daß Neuwied-Altenkirchen künftig durch zwei nationalliberale Abgeordnete im Abgeordnetenhause vertreten sein wird. Der in Darmstadt versammelt gewesene Verein gegen den Miß- örauch geistiger Getränke hat eine die Bestrafung der Trunkenheit, Entmündigung und Zwangserziehung der Trunkenbolde fordernde Resolution ange- mommen und beschlossen, Vorstellungen in diesem Sinne bei den gesetzlichen Gewalten des Reiches und der Landes-Regierungen einzureichen. Man kann mir wünschen, daß diese nach verschiedenen Seiten hin wichtige Frage in dem von dem genannten Verein angestrebtm Sinne ihre baldige Regelung und Lösung ssinden möge; vielleicht wäre der Erlaß eines bezüglichen Retchsgesetzes der geetg- inetste Weg hierzu. Der zur Vorberathung der Branntweinsteuer eingesetzte Ausschuß ödes bayerischen Abgeordnetenhauses hat am Montag die Vorlage mit callen gegen 4 Stimmen angenommen. Die Annahme des Branntweinsteuer- Gesetzes auch durch das Plenum ist also gewiß und wird der Anschluß Bayerns □n das Reichs-Branntweinsteuer-Gefetz bis zum 1. October ohne Zweifel perfect fiein. Uebrigens taucht jetzt das gescheiterte Project des Spiritusringes wieder litt Bayern auf, indem in einer zu München abgehaltenen Versammlung des Vereins bayerischer Spiritus-Producenten der allseitige Wunsch laut wurde, das Mroject einer Bank für Spiritus-Interessenten möge wieder ausgenommen werden. Zugleich beschloß die Versammlung, den Gesammtverkaus von bayerischem Branntwein und Spiritus der Münchener Firma Schnetzler und Schertet zu übertragen; auch sprach sich die Versammlung einstimmig für den Anschluß Bayerns an das Reichs-Branntweinsteuer-Gesetz aus. — Ob der diesmal von bayerischer Seite ausgehende erneute Versuch, eine Spiritus-Jntereffenten-Bank iin’fi Leben zu rufen, mehr Erfolg haben wird, als das bezügliche Unternehmen Der Spiritus-Coalitton, muß noch sehr dahingestellt bleiben. Der angebliche Conslict zwischen Deutschland und Bulgarien wegen des Verhaltens des Rustschuker Präfecten Mantow gegen den deutschen Aicekonsul v. Loeper erscheint bereits wieder beigelegt. Die bulgarische Regie- vung hat Mantow, der sich flegelhaft gegen Herrn v. Loeper benommen haben foHte, seines Amtes entsetzt und die Rustschuker Zeitung „Bulgarie", welche gehässige Angriffe gegen Herrn v. Loeper brachte, unterdrückt, außerdem aber dem deutschen Vertreter in Sofia, Generalkonsul v. Thielmann, ihr lebhastes Bedauern tiber diesen Zwischenfall ausdrücken taffen. Das ist eine Genugthuung, wie ste fich Deutschland gar nicht umfassender wünschen kann und wenn die Pariser „Agence Havas" davon zu erzählen weiß, daß deutscherseits bereits beabsichtigt «gewesen sei, mehrere Panzerschiffe nach den bulgarischen Gewässern zu entsenden, Io scheint dieser Plan eben nur in der Phantasie des genannten osficiösen Organes extftirt zu haben. Außerdem will der „TempS" wissen, die deutsche Regierung werde sich nicht mit der bulgarischerseits gegebenen Satissaction begnügen und tischt ebenfalls das Märchen von einer beabsichtigten Blokade der bulgarischen Häsen durch deutsche Kriegsschiffe aus — die Tendenz dieser Aus- lassung ist klar: Deutschland soll in das Licht gesetzt werden, als ein Stören- srted zu erscheinen, der eine paffende Gelegenheit vom Zaune gebrochen habe, «m mit dem kleinen Bulgarien Häkeleien anzusangen! Nun, gönnen wir den iranzösischen Chauvinisten eine solche kindische Auffassung! Der serbische Verfassungs-Ausschuß trat am Montag in Belgrad zu feiner ersten Sitzung zusammen. Es wurden indessen nur Formalitäten erledigt, sowie eine Begrüßungs-Depesche de» Königs Milan aus Gletchenberg entgegengenommen. Zum Schluffe setzte Ministerpräsident Ristics die Ausgabe» de» Ausschüsse» auseinander. Die kürzlich neugewählten holländischen Kammern find am Montag durch eine Thronrede vom König Wilhelm in Person eröffnet worden, wa» zunächst beweist, daß der 70jährige holländische Herrscher keineswegs so hinfällig ist, wie in verschiedenen Zeitungen behauptet wurde. Die Thronrede selbst enthält keinerlei Ueberraschungen; ste kündigt die abermalige Vorlegung des von den vorigen Generalstaaten bereits in erster Lesung genehmigten Versaffungs- Revifionsgesetzes behufs dessen endlicher Sanction an und kündigt ferner Vorlagen bezüglich des Unterrichtswesens für Landwirthfchaft und Schifffahrt an. Den Stand der Finanzen bezeichnet die Rede als befriedigend und erklärt ste, es fei weder eine Erhöhung der schwebenden Schuld, noch eine außerordentliche Steuer nothwenbig gewesen. Schließlich spricht die Rede die Befriedigung des Königs über den guten Zustand von Armee und Marine in den Niederlanden wie in den Kolonien aus. Deutschland. Darmstadt, 21. Septbr. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog haben Allergnädigst geruht: Am 17. September den charakteristrten Ober-Rechnungs-Revisor Gottlieb Schmierer zum Ober-Rechnungs-Revisor, den Ober-Rechnungs-Probator 1. Klaffe bei der 2. Abtheilung der Justificatur der Ober-Rechnungs-Kammer Georg Spiegel zum Ober-Rechnungs-Revisor; den Calculator 2. Klaffe bei der Centralstelle für die Landesstatistik Friedrich Fe ick zum Calculator 1. ÄL, sowie den Ober-Rechnungs-Probator 2. Kl. bei der 2. Abtheilung der Justifi- catur der Ober-Rechnungs-Kammer Philipp Schaffner zum Ober-Rechnungs- Probator 1. Kl. zu ernennen. Darmstadt, 21. Septbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog wird heute Nachmittag 5 Uhr aus Oberheffen wieder hier eintreffen. — Se. Königl. Hoheit der Erbgroßherzog hatte das Unglück, als er beim Manöver einen ziemlich hohen Rain herabsprang, sich am Fuße eine Muskelzerrung zuzuziehen, bei welcher ein Bluterguß stattsand. Se. Königl. Hoheit traf gestern Nachmittag in Begleitung des Hauptmanns v. Schwartzkopprn per Bahn hier ein und mußte aus dem Eisenbahnwagen bis zur Equipage getragen werden, da ein Auftreten auf den stark geschwollenen Fuß unmöglich ist. Die Verletzung ist zwar überaus schmerzhaft und mußten während der ganzen Nacht Eisausschläge gemacht werden, dieselbe wird aber bei sorgfältiger Behandlung, an der es sicherlich nicht fehlt, keinerlei nachthetlige Folgen hinterlassen. Freilich ist der Heilungsproceß bei derartigen Verletzungen ein sehr langsamer und wird Se. Königl. Hoheit^ voraussichtlich aus Monate an Ausübung des militärischen Dienstes gehindert sein. (Neue Hess. Volksbl.) — Die Großh. Garde-Unterofficiers-Compagnie wurde heute mit dem früheren Infanterie-Gewehr, Modell 71 (Mausergewehr), und dem dazu gehörigen Seitengewehr ausgerüstet. Berlin, 21. September. Der Kaiser wohnte gestern der Vorstellung im Opernhause bei und nahm heute die Vorträge Perponcher's und Anders' entgegen. Nachmittags 2 Uhr besuchte der Kaiser die Kunstausstellung. Hamburg, 20. September. Die hiesige in socialdemokratischen Kreisen viel gelesene „Bürger-Zeitung" ist heute polizeilich verboten worden. Mannheim, 21. September. In der heutigen Stadtverordnetenwahl der Mittelbesteuerten siegten die Nationalltberalen gegen die Demokraten; Stim- menverhältniß zwei Drittel zu ein Drittel. (Fr. Ztg.) Hesteneich. Wien, 21. September. Das gestern allgemein verbreitete Gerücht vom Tode des Primarius Dr. Langer hat sich nicht bestätigt; nach mehrstündigen Bemühungen der Aerzte ist es gelungen, durch künstliche Athmungen die natürliche Athmung herbeizuführen. (Fr. Ztg.) Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenz-Buren». München, 21. September. Kammer der Abgeordneten. Berathung der Branntweinsteuer-Vorlage. Nach einleitenden Worten des Referenten Gagern, welcher die Annahme des Entwurfs empfiehlt, giebt der Finanzminister Namens des Gesammt- ministeriums über die staatsrechtliche Seite der Frage folgende Erklärung ab: nach Auffassung der Regierung sei ein Reservatrecht reichsrechtlich als^ aufgehoben anzusehen, wenn Bayern seine Zustimmung dazu im Bundesrathe erkläre; dagegen sei das Ministerium dem Lande gegenüber für eine derartige Erklärung voll verantwortlich. Kein Ministerium, insbesondere auch nicht das gegenwärtige, werde deßhalb daran denken, ein Reservatrecht von irgendwelchem Belang ohne vorherige Zustimmung des Landes oufzugeben. Die nach § 47 des Reichsbranntwetn- steuergesetzes den süddeutschen Staaten vorbehaltenen Rechte seien nach Auffassung der Regierung Reservatrechte, welche ohne Zustimmung des Landtages nicht aufgegeben werden können. Die Abstimmung über das heute vorliegende Gesetz erfordere jedoch nicht die für eine Verfassungsänderung vorgesehenen Förmlichkeiten; auch halte es die Regierung nicht für opportun, bei dieser Gelegenheit eine so schwierige Princtpten- frage zu entscheiden, vielmehr empfehle es sich, die Frage von Fall zu Fall zu erledigen. Hierauf sei aber nicht das Präjudiz abzuleiten, daß nicht bei künftigen anders liegenden Fällen auf' die Erhaltung jener Förmlichkeiten zu dringen sei und zwar nicht blos Seitens des Landtages, sondern auch Seitens der Regierung, denn auch letztere yave daran ein wesentliches Interesse. München, 21. September. Kammer der Abgeordnetm. Im Fortgänge der Sitzung sagte der Ftnanzminister die thunlichstr Berücksichtigung der mittleren und kleineren Branntweinbrenner zu. Der Abgeordnete Evora (Demokrat) sprach sich gegen das Branntweinsteuergesetz aus, weil durch dasselbe den ärmeren Klassen die Nahrungsmittel vertheuert würden; Evora forderte eine progressive Einkommensteuer und größere Sparsamkeit. Der Ftnanzminister erwiderte, er wolle über das jPrincip der tndirecten Steuern mit Evora nicht streiten; Amerika und andere republikanische Staaten, denen Evora wohl nicht den Vorwurf einer Aussaugung des Volkes machen werde, hätten das System der indirecten Steuern ausgebildet. Die Detail-Verkäufer von Branntwein hätten einen Gewinn von 300—400 pCt. und daher rühre die Belastung des armen Mannes. Eine Begünstigung der Groß-Branntweinbrenner durch Bayern finde in keiner Weise statt. Petersburg, 21. September. Der deutsche Botschafter, General v. Schweinitz, hat gestern mit Familie eine Urlaubsreise in's Ausland angetreten. Rom, 21. September. Anläßlich des Jahrestages der am 20. September 1870 erfolgten Besetzung Roms hatte der Bürgermeister von Rom eine Adresse an den König gerichtet. Dem Bürgermeister ging darauf folgende telegraphische Antwort des Königs zu: „Ich danke der Hauptstadt, die mir an diesem Tage Gefühle ausdrückt, welche meinem Herzen heilig sind. Dieser Tag unsterblichen Angedenkens bietet mir auch Gelegenheit, Rom meine lebhafte Zuneigung zu bezeugen und es meiner beständigen Wünsche zu versichern, daß es in der neuen Aera, welche mit dem 20. September 1870 begann, den Glanz seiner alten Größe wiederfinde. Dieses höchste Streben meines Lebens erfüllt sich in wunderbarer Weise. Bei einem freudigen demnächstigen Anlaß wird Rom der Welt zeigen, daß es durch regelmäßige Entwickelung jeglichen Fortschritts in der Civilisatton allen Jenen, welche kommen werden, dem Papste ihre Huldigung darzubrtngen, eine sichere ehrende Gastfreundschaft bieten und gleichzeitig die Hauptstadt eines freien starken Volkes sein könne." Dublin, 21. September. Eine Proklamation der Regierung ordnet die Unterdrückung der Nattonal-Liga an in der Grafschaft Clare und gewissen Bezirken der Grafschaften Leitrim, Galway Kerry, Cork und Wexford. Newyork, 21. September. Die hiesigen Soctaliften und Anarchisten hielten eine Massen-Versammlung ab, um gegen die Hinrichtung der Chicagoer Anarchisten zu vrotesttren. Most forderte die Arbeiter auf, sich zu bewaffnen; ein jeder Blutstropfen der oerurtheilten sieben Anarchisten fordere ein Menschenleben. Andere Redner forderten zu einem Feldzuge gegen die Kapitalisten auf. _ Pari-, 21. September. Der „Temps" bezeichnet die Verhaftung des jungen Schnäbele als Zwischenfall ohne irgend welche ernstere Bedeutung, da dem Verhafteten seine Jugend zur Entschuldigung gereichen dürfte. Die Regierung werde dabei höchstens in officioser Form interveniren können. Exeter, 21. September. Die Untersuchung über den Theaterbrand wurde heute geschlossen. Die Jury gab ihr Verdikt dahin ab, daß der Tod so vieler Menschen die Folge eines Unglücksfalles sei; doch werden die Behörden und der Baumeister des Theaters streng getadelt, da sie ihre Pflicht versäumt hätten. Lokales. —o. Sietzen, 22. September. Gestern Abend kamen mittelst zweier Extrazüge die Bataillone des 116. Regiments aus dem Manöver zurück. Der kurz nach 7 Uhr eintreffende erste Zug der Oberhessischen Bahn brachte außer einigen Compagnien unseres Regiments das Hessische Jäger-Bataillon Nr. 11, welches nach Ueberführung auf die Matn-Weser-Bahn um a/48 Uhr nach Marburg weiter fuhr, im zweiten Zuge, der gegen Vr9 Uhr hier eintraf, befanden sich die übrigen Compagnien der 116er. Heute findet die Entlassung der Reservisten statt. ~ Der über die Wiesen nach dem Philosophenwald führende Weg wird auf estier Strecke von ca. 500 Meiern mit Schlackenmehl aufgefüllt. Die Passanten dieses Weges werden diese nothwendige Verbesserung mit Freuden begrüßen. m _ Uetze«, 21 September. (Schwurgericht.) Heinrich Hahn, geboren zu Parts, 20 Jahre alt war in letzterer Zeit in Gießen als Maurergeselle beschäftigt und lernte im Laufe dieses Frühjahrs die ledige Johanna Klein dahier kennen. Er oer- suchte mit dieser ein Liebesverhältniß anzuknüpfcn, was ihm jedoch nicht gelang, da die Klein sich ablehnend gegen ihn verhielt und überall zu erkennen gab, daß sie nichts ?'t thm zu thun haben wollte. Bekannten gegenüber äußerte sich die Klein in ab- fälliger Weise über den Hahn; dieser erhielt Kenntniß von den über ihn in Umlauf gesetzten Geschwatzen und sein Zorn richtete sich natürlich auf die Urheberin derselben, welche er, sobald sich eine Gelegenheit dazu fände, für ihr Verhalten zu bestrafen sich vornahm. War schön das Benehmen der Kktn für Hahn sehr bitter, so mußte er zu fttnem Schmerze noch erfahren, daß ein ihm befreundeter Schmiedgeselle, Christoph « vor den Augen seiner ehemaligen Angebeteten gefunden hatte und daß zwischen diesen Beiden ein Liebesverhältniß bestand. Am Abend des 17. Juni d. I. befand sich Hahn mit einem Bekannten auf dem Oswald's Garten, woselbst der Krug und die Johanna Klein ebenfalls anwesend waren. Hahn, von seinem Begleiter auf d:e Anwesenheit dieser Personen aufmerksam gemacht, bemerkte, er wisse bereits, daß sie da seien und er werde der Klein heute Abend „ein Paar stopfen". Sein Kamerad rieth ihm von seinem Vorhaben ab; als K^ug und Klein sich von dem OswaldSgarten durch die. Neustadt in die Stadt begaben, folgten denselben Hahn und s-in Begleiter nach und ubcrholtm sic in her Marktstrab-. Hahn posttrt- sich an d-r E/k- d-r Schloßgasse bet der F-rber'schcn Buchhandlung, der Andere an der Ecke des Ltnd schen Ladens und warteten die beiden aus das LiebespLrchen, von dem sie wußten, daß es diesen Weg nehmen werde. Bei dem Erscheinen des Pärchens trat Hahn auf Ä st*, ,u sch'agen, diese wehrte ab und Krug versetzte dem Hahn einen Stoß, woraus dieser einen eisernen Schlagring, welchen er in der Tasche bei sich fte' "AM und ^rug auf den Kopf schlug. Krug trat den Hahn und dieser schlug nochmals zu. Ersterer ging blutüberströmt zurück und die Sache war vorläufig ^E^t beendigt. Krug erstattete Anzeige und es erfolgte Verhaftung des Hahn, da sich bprC Jn,?CsTQC^Uhnö ^rausstellte. Der Verletzte starb wenige Tage darauf in Folge Wunden. Hahn wird in eine Gefängnißstrafe von 1 Jahr 6 Monaten bk'2 ÄnQa- betragenden Untersuchungshaft verurtheilt, nachdem die Geschworenen mildernde Umstande zuerkannten. ~e 22- September. Nach langer Pause wird uns am nächsten Sonntag^Settens^e^aus dem Manöver zurückgekehrten Capelle des 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 116 wieder ein Concert geboten. Das Concei-t im heutigen Blatte befindlichen Inserate ersichtlich, in dem neu °u§^ent des Cafä Leib statt. Der Saal, welcher durch Anbau einer Rübn? ^oaale ihrer Vollendung entgegengeht, eine bedeutende Erweiterung ersabren 'da^. demnächst soweit fertig gestellten Deckenmalerei zu ur,heilen, 8u än®m ba der Maße entsprechenden und gemüthlichen Locale zu rechnen fein * ' euicit tn vollem — Das 10jährige Dienftjubiläum feierte am 20 b Mts bk a Dorothea Euler aus Staufenberg bei ihrer Dienstherrschaft bem lenftwb Joh. Klein dahier. Das Mädchen wurde von d- Famili- durch sprechen!) belohnt. c Durd) Geschenke ent-- »ermischtes. —o— Aus bem Busecker Thal. Der Kirchengesanaverein in von Herrn Lehrer Musch geleitet, in ben anberthalb Jahren feine? Refk^I"'c^, wiederholt schöne Proben seines Könnens abgelegt hat, veranstaltet «iJ11 § ^on Sonntag den 25. d. M. ein Kirchengesangfest in der dortigen Kirche c^^nben - ein musikalischer Gottesdienst - wird um i/,2 Uhr beginnen S?up!fcicr Chöre, durch Schriftlectionen miteinander verbunden, wechseln mit Eki'.r Gemischte für die es gelungen ist, bewährte, tüchtige Kräfte zu gewinnen. Wir ntnn»» » - 0M1' Walther aus Gießen und Herrn Luh, einen Schüler des Raff'schen Dulcin für Musik aus Frankfurt a. M. Die Orgel hat Herr Lehrer Deines ^«/»oviums übernommen, der sich durch seine unlängst erschienenen Compositionen <3^«; ,^n,n.erob Kinderlieber auch in weiteren Kreisen vortheilhast bekannt gemacht bat ^«b°ch'scher wird sich ferner der Kleinlindener Posaunenchor, der auf unseren kirchlich^ ein willkommener Gast ist und zum Gelingen derselben nicht wenig beitXt n ?ets sei zuletzt noch, daß, wenn die Witterung günstig ist, um i/25 Uhr cim» Freien gehalten wird mit Gesangesvorträgen, Ansprachen von fierrn^Sl, im Dr. Büchner aus Gießen u. a. Wir wünschen von ganzem Herzen, ba6 rQt1^ schönen und reichgesegneten Verlauf nehmen möge. Eine rege Betheilkuna Nähe und Ferne ist namentlich auch um deswillen zu wünschen, als die ?er geplanten Kleinkinderschule zu Beuern zu gut kommen soll. " stcollecte der Offenbach, 21. September. Die Eröffnung unserer neuen ben öffentlichen Verkehr wirb voraussichtlich am 1. October ftattfinden unb lür bie Bauleitung für bie bamit verknüpfte Feier bie Lieferung von 1500 Mtr *?at guirlanden ausgeschrieben. E. Fichtenreis- A Mainz, 21. September. Zu bem vielbesprochenen neuesten Verlud preußischen Regierung, in den Besitz der Hessischen Ludwigsbahn zu kommen . soeben von zuverlässiger Sette in Darmstadt die überraschende Nachricht »u bem preuMen Verkehrsministerium unb ber hessischen Regierung schon fS’Sä01 Monaten Verhanblungen schweben, bie barauf hinzielen, die hessisch? Reaimin^0^ einem Verzicht von bem ihr zustehenben Vorkaufsrecht ber Hessischen Ludwias?af>n “ bewegen. Die Verhanblungen. welche hessischerseits butd) ben ®e^eimen Dberfnanirflth Schulz geführt werben, seien bereits soweit gediehen, daß das Ministerium in Darm- stadt sich -u dem verlangten Verzicht unter der Bedingung bereit erklärt habe, daß d?r preußische Staat gleichzeitig mit der Uebernahme der Hessischen Ludwiasbabn ttche übrige hessischen Bahnen käuflich erwerbe. Preußen soll bei dem an die Ä Re^erung gerichteten Ansinnen hauptsächlich betont haben, daß die sich ständig erhöhend No twendigkeit ber Fortsetzung unb bes Ausbaues ber Westerwaldbahn es ihr zu Pflicht mache, den Ankauf ber Lubwtgsbahn wieberholt in's Auge zu fassen Preußen auf bie von Hessen an ben verlangten Verzicht geknüpfte Bedingung eingehen will, Darüber verlautet noch nichts. “ “ △ Vom Rhein, 21. September. Von morgen Donnerstao ab tritt in Fahrplan der Koln-Düsseldorfer Dampfschiffe eine Aenderung insofern etn als dtz Salonboote „Deutscher Kaiser" und „Wilhelm Kaiser und König" wegen des ntedercn Wasserstandes und des frühen Dunkelwerdens beim Passiren des Btngerloches hr- Fahrten eingestellt haben. „Hansa" und die übrigen Salonboote fahren wie im Sommer. * c lul . , UnIern^?bJc?i «urde gestern Abend ein Bremser von einem Güterzug überfahren. Der Tod des Verunglückten trat sofort ein. .. ~ Bühnenkünstler«, seien sie als Sänger ober Schauspieler tbätia tonnen nidit dringend genug die Sodener Mineral-Pastillen empfohlen werden Die-' elben bi den e n angenehm zu nehmendes, leicht lösliches Heilmittel, das nahezu ab-. olute Sicherheit gegen die durch Erkältungen der Respirations-Organe hervorgerufenen leidigen BerussstSrungen gewahrt. Vielfache Zuschriften, darunter auch eine der ge- feterten Diva Marcel a Sembrich, bestätigen den Werth der Sodener Mineral- Pastillen. orrau Sembrich schreibt: „Ich kann nicht umhin, Sie von der vorzüglichen Wirkung der Sodener Mmeral-Pastillen bei stimmlicher Indisposition zu benachrtchten. Die Wirkung ist überhaupt aus ben gesummten Organismus eine ganz vorzügliche, so daß ich bieselben setzt ständig benutze und meinen Eollegen auf's Wärmste emvfehlen kann. gez. Marcella Sem brich-Stengel." 6950 dparrdel mi6 „ nnnnmbar0, KÄbr. Rother Weizen pro Malter 14.15, weißer Weizen 00.00, Korn JL 10.20, Gerste JL 8.20, Hafer X 5.40, Erbsen X 00.W, jcartoffeln O.OO. m .. F "nk sur t,17 September. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln per Multer 7.00-8X30, das Gescheid 12-00 Eier das Hundert JL 6.00-8.00, das <7^9mÄ»®u?ct 00.00-00.00, tat Detail das Pfund 1.20 » k "0-Weißkraut per Stück 15-25 Rothkraut per Stück 25-35 A, Kohlrabi 3,T4^’ Ochsenfleischper Pfund 45-70 A, Kuh- u. Rindfleisch 45-604. ffattfleiW *3—50 Schweinefleisch 65-75 H, Hammelfleisch 50-65 4, 1 Hahn 1 ßubn JC. 1.00—2.20, 1 Ente JL 2x30-3.50, Gans Pfund 50-70 4s. 1 Taube 40-70 L, Welsche JC 10.00—12.00. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast. Samstag^A^e^s"^ Uhr^^' ®amS*afl Dormittag 8 Uhr, Samstag Nachmittag 4 Uhr„ Akkgemeiner in S. Weimerslieim »folger. 12 Cabinet- 6908 Ein Geselle gesucht von W. Müller, Schreinermerster, Steinftraße 48, 6978 Eine Kuh unb ein Stück mit Dickwurz zu verkaufen. Nachzufragen tn der Exped- b. 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Trmt.r UU °r am ifrettng Nachmittag um 3 Uhr vom 91/ Yihr r4, au5 ftcitL Versammlung der Mitglieder um 2'/, Uhr im Darmstadter Haus. 7027 Der Vorstand. 3tebaction. A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pictsch) in Gieße». Burgerclab. Donnerstag den 22 d. Mts., Abends i/2g Uhr, ira Cafe Ebel: esso' Ausserordentliche fitneralversaminliiDg. Tagesordnung: Wintervergnügungen und Beiträge. Um zahlreiches Erscheinen, auch der außerordentlichen Mitglieder, wird 8 ' Der Vorstand. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht dass es Gott gefallen hat, unsern unvergesslichen Gatten und Vater den Uhrmacher Karl Klette gestern Nachmittag 5 Uhr nach kurzem aber schwerem Leiden in ein besseres Leben abzurufen. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Giessen, den 22. September 1887. Die Beerdigung findet Freitag Nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause Kirchenplatz 14, aus statt. ’ 7631 Fechtverband Gießen. IreUag den 23. September, Abends 8 Ahr: Generalversammlung im Restaurant Schray (Neuenbäuen). Tagesordnung: Vorstandswahl. . . Samstag den 2*. d. M., Abends 8 Uhr, roirö Herr ganger, Prediger der frei religiösen Gemeinde in Frankfurt am Main, im Saale des „Prinz Carl" dabier elnen Dortrag über die Prinzipien und Grundsätze der frei- rellgiosen Gemeinden halten. Freunde »nd Gesinnungsgenossen sind hierM emgeladen; auch Damen find willkommen 6512 Zum 1. October ein möblirtes i Zimmer zu vermiethen. Christian Frutig, Asterweg 5. 6291 Der HL Stock Bismarckstraße 6 zu vermiethen und am 1. Oktober zu beziehen.H. Werner. - 69671 Wohnung von 7 Z. (Wasser- ' itung) u. Garten zu JL 880 zu ver- miethcn. Zu erfragen Gartenstraße 27. Gefchw. Gagrrain. GROSSES CONCEBT ' ausgeführt von der Capelle des 2. Großh. Heff. Jnf.-Reats Nr im unter Leitung des Großh. Mustkdirettors Herrn C. Kraust, Entrse 30 Pfg. Anfang >/,8 Uhr Bier im Glas. '703> Gießener freiwillige Feuerwehri Freitag den 23. September, ^Abends 8§Uhr • Hanplübung mit Angriffs»,,miwer. Sämmtlrche Mitglieder werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. --------------Da- Tommavdo. 6934]""ÜRöblirte Zimmer zu vermiethen im Darmstädter Hans. 6455 Der 2. Stock meines Hauses (5 Zim- mer tc.) zu verm. Dr. Dornseiff, Schulstr. Restauration u. bayrisch Bier-Äüsschank zum Berg-Bräu Fürth-Nürnberg. Ä L-ASdL?n Ä 77—"A"" “*• Gleich,eitrg empfehle rch meine anerkannt gute Küche bei ausgezeichneter Frühstück- und Abendkarte in reicher Auswahl v October guten Mittagstisch um 12'/, Uhr und ersuche höflichst Herren, welche daran theflnehmen wollen, sich bis dahin zu meldew Um vielfachen Wünschen meiner geehrten Gäste zu genügen, habe ick von heute ein Lager in Flaschenbier von diesem ausgezeichneten Stoff nnn To «wm1, ”or(rä^*9; bitte höflichst um Bestellungen. Bei Abnahme von 12 Flaschen liefere frei in's Haus. luyme Hochachtungsvoll da le«. Bartsch,