Nr. 2S8 Zweites Blatt. Donnerstag den 2S. Deccmber 1887. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen. Tf, & ~ f„ .. er -> t Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohn. Vuveau r S ch u l st r a ß e 7. Erschemt täglich mit Ausnahme des Montags. $Urd) die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst Die italienischen Finanzen, mit denen es bislang ziemlich bö6 aussah, weisen nach dem eingehenden Bericht, den der Finanzmintster in der italienischen Deputirtenkammer am Samstag, der letzten Sitzung der Kammer vor den WeihnachtLferien, erstattete, eine bemerkenswerlhe Besserung auf. Nach seinem Exrofö beträgt die Besserung in den Einnahmen des italienischen Staates für das Finanzjahr 1886/87 12 Millionen Lire, wodurch stch ein posttioer Ueber- schuß von 7 Millionen ergibt. Die Zunahme in den Einnahmen ist lediglich auf die gemachten Ersparnisse zurückzuiühren und würden dieselben noch größer gewesen sein, wenn man nicht dar Austreten der Cholera im Lande und die verstärkten Rüstungen, sowie die neue Afrika-Expedition berücksichtigen müßte. Weniger günstig gestaltet sich aber die Sache für dar Finanzjahr 1887/88, für welches sich ein Fehlbetrag von 70 Millionen hcrausstellt, welchen der Finanz« Minister als durch „wesentlich transitorische Verhältnisse" entstanden zu erklären versuchte; er will für diesen Ausfall 70 Millionen tn's nächste Budget einstclllN und dieselben durch Obligationen realifiren. Dafür weisen die Voranschläge für dar italienische Budget pro 1888/89 wiederum eine bedeutende Besserung auf. In Petersburg hat ein neuer geheimer nihilistischer Proceß begonnen. Derselbe bezieht sich auf den Anschlag, Der auf den Czaren gelegentlich seiner heur'gen Anwesenheit im Lande der donischen Kosoken geplant gewesen war und worüber nur unbestimmte Gerüchte in die Ocffentltchkeit gedrungen sind. Vie Thätigtreit des Pereins zur Unterstützung und Besserung der aus den Strafanstalten Entlassenen im Erotzherzogthum Hessen. Am 29. October d. I. fand zu Mainz unter dem Vorsitze des Präsidenten, Oberlandesgerichisratbs Frdr. v. Ricon die 24. Generalversammlung des obengenannten Vereins statt. Der Herr Vorsitzende gedachte zunächst mit ehrerbietigem Danke dcr von Sr. König!. Hohen dem Großherzog erfolgien Uebeniahme des Pvolectorates über den Verein und bemerkte zugleich, daß die für die diesmalige Rechenschajtsperiode erwarteten günstigen Resultate sich sowohl hinsichtlich des Bestandes des Vereins durch erhebliches Wachsen desselben wie namentlich auch hinsichtlich einer gesteigerten Vereins- thätigkeil erfüllt hätten; freilich bleibe immer noch in Heranziehung der breiteren GeseUschaftSschichten für die Humanitären Bestrebungen des Vereins, die ja diesen vorzugsweise zugute kämen, viel zu thun. Das hier vielfach verbreitete Vorurtheil, daß der Verein einerseits eine Art Schmerzensgeld für die ausgestandene Freiheitsberaubung gewähre, andereiseits eine gelindere Polizeiaufsicht mit sich führe, müsse namentlich von den Bezirkscommissi«nen, welche mit dem Publikum in Berührung ständen, zerstreut werden. Letzteres könne insbesondere auch, und zwar nicht minder als durch Spenden von Geldbeiträgen, durch Verschaffung von Gelegenheiten zu dauernder Arbeit und geeigneten Stellungen für die Entlassenen, die Vereinszwecke fördern. Zur Erläuterung und Begründung des abgeschlossen vorliegenden 24. Hauptrechenschaitsberichts übergehend, brachte der Präsident zunächst das Ergebnitz der Vereinsrechnungen für 1884 und 1885, der vom Vereinsausswusse beratenen Voranschläge über Einnahme und Ausgabe für 1888 und 1889, sowie der Uebersicht über den Stand des Vereinsvermögens zur Kenntniß und Genehmigung der Versammlung; diesem Thetle entnehmen wir folgende Ziffern: ,nn..,n a Einnahmen in 1884 und 1885 .... 12092.19 JL Ausgaben „ „ „ „ .... 10323.52 „ sodaß Ende 1885 ein Kasseoorrath verblieb von 1768.67 JL Unter den Einnahmen befinden sich 2000 Staatsbeitrag ber Großh. Regierung, Geschenke und besondere Gaben 256 JL, Kapitalzinsen 2890.92 JL, Mitglieder beiträge 5644.96 JL und zwar participiren an den letzteren die Provinzen Starkenburg mit 2379.35 JL, Ober Hessen mit 1237.35 JL, Rheinhessen mit 2027.57 JL Die Ausgaben zerfallen in Unterstützungen für Vereinspflegltnge mit 7541.70 JL, in Verwaltungskosten mit 2141.88 JL, in uneinbringliche Beiträge mit 133.04 JL, tn neu ausgeliehene Kapitalien mit 507 Jü Bei Erwähnung der Mitgltederbeiträge, welche in den beiden Jahren um rund 1100 JL wuchsen, wurde anerkannt, daß eine Reihe von Gemeinden durch Ausnahme eines ständigen Mitgliederbeitrags in ihr Budget dem Verein ihre Unterstützung zuwenden, zugleich aber dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß noch sehr viele Gemeinden, namentlich ,n Rheinhessen sich — gegen ihr eigenes Interesse — beharrlich von demselben fernhielten. t , . , . .,. . Die Unterstützungen der Pfleglinge des Vereins wurden tn den verschtedensien Formen verabreicht, so durch Beschaffung von Kleidern, Betten, Lebensmitteln, Handwerkszeug, Landwirthschoftsgeräthe, Samenkartoffeln, Kapitalzinsen, durch Einlösung verpfändeter Gegenstände, durch Zahlung rückständiger Hausmiethen, sowie ferner durch Beihülfe zur Auswanderung rc. E ri c: . . Von der Gesammtzabl der aus den hefftschen Strafanstalten Entlassenen hat sich ungefähr ein Drittel der Vereinspflege unterzogen. Von den Ende 1885 vor- banbenen 1070 Vereinspfleglingen waren nach Abzug der wahrend der dretiahrigen Dauer der Aufsicht verstorbenen (71), abwesenden, fluchtigen oder ausgewanderten (244) und ausgetretenen (22) als gebessert entlassen worden 170, als gut qualifictrt wurden 272, während 190 als schlecht bezeichnet und 101 als unverbesserlich ausgcstoßen werden mußten. Als gebessert galten hierbei Diejenigen, welche sich in den letzten zwet Jahren der Vereinspflege tadellos geführt, als gut Diejenigen, bei welchen dies im letzten Jahre der Fall war, als schlecht Diejenigen, bei welchen es nicht der Fall war, als unverbesserlich Diejenigen, die sich der erhaltenen Unterstützung unwürdig gezeigt ober wieberholt rückfällig geworben waren. _ Von ben im Jahre 1884 aus ben Strafanstalten bes Großherzogthums Entlassenen unterzogen sich der Vereinspflege 233, von den in 1885 Entlassenen 271, m Summa 504 Pfleglinge, darunter 49 weibliche. Von den in den beiden Jahr en aut- genommenen Pfleglingen standen im Altn unter 20 Jahren 2^on 20-^0 Jahren 142 von 30-40 Jahren 135, von 40—50 Jahren 120, von »0—60 Jahren 62, über 60 Jahren 20 — Von den oben erwähnten 1070 Pfleglingen erhielten materielle Unter: ftügungen 342, während bte übrigen 728 eine foltbe Unterftutjung nicht erhielten, ba diese entweder von vornherein einer solchen weder bedürftig noch würdig erschienen oder die statutarische Probezeit nicht bestanden haben oder deren Gesuche in ben Bereich ber gesetzlichen Armen- unb Krankenpflege gehörten, daher von den betr. Gemembe- resp Armenverbänden die erforderliche Hülfe zu . leisten war Wenn hiernach nur ungefähr ein Drittel sämmtlicher Pfleglinge materielle-Unterstützungen.erhalten hat, io ist doch allen Pfleglingen die Wohlthat der Vereinshülfc durch Rath und That und Politische Uebeestcht. Gießen, 22. December. Auf die sich vielfach widersprechenden privaten Meldungen, welche in letzter ’ Zett über das Befinden bei Kronprinzen in Umlauf waren, ist nunmehr au» San Remo ein den Sachverhalt richtig stellendes ärztliches Bulletin gefolgt. Dasselbe constatirt allerdings eine neue Wucherung im Kehlkopfe des hohen Kranken, die aber vorläufig durchaus nichts Bedrohliches an sich hat und auch auf das vortreffliche Allgemeinbefinden des Kronprinzen von keinerlei beeinträch« tigender Einwirkung gewesen ist. Außerdem spricht auch die Wiederabreise Dr. Mackenzie's für die Ungefährlichkeit des Zustandes. Mil der Vertagung des Reichstages hat die Weihnachtspause in der inneren Politik begonnen, die vermuthlich durch kein besonderes Ereigniß unterbrochen werden wird. Dem Reichsparlamente ist in dem bisherigen verhält« nißmäßig so kurzen Sessionsabschnitte bereits die Erledigung zweier wichtiger Gegenstände gelungen, nämlich diejenige des deutsch-österreichischen Handelsvertrages und der Kornzoll-Vorlage. Mit der Annahme de» neuen Handelsvertrages ist unser zollpolitisches Verhältniß zu dem befreundeten Donaureiche in der bisherigen Weise zunächst auf ein halbes Jahr erneuert worden, doch steht zu erwarten, daß diese Verlängerung zu einer festeren Gestaltung der handelspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich führen werde. Durch die d finitive Genehmigung der Kornzoll-Vorlage ist die erregte Disciffsion über dieses Thema wie immer außerhalb der parlamentarischen Arena einstweilen zum Abschluß gelangt; in ihren Wirkungen werden die beschlossenen abermaligen Erhöhungen der landwirthschaftlichen Zölle erst zu zeigen haben, inwieweit sich die an sie geknüpften Hoffnungen oder Befürchtungen als gerechtfertigt erweisen. Der bayerische KriegSminister hat in einem Erlaß an die Amberger Gewehrfabrik die Einstelluna der Fabrikats.on von Gewehren. Ileir en Kalibers angeordnet, da deren Treffsicherheit mangelhaft sei. Dafür wird die Herstellung von Repetirgewehren älteren Musters in der vorläufigen Anzahl von 32 000 angeordn-t. Ob diese Anordnung mit einem Aufgeben rer Einführung eines kleinen Kaliber» in her deutschen Armee in Verbindung steht, muß abge« wartet werden. Heber die gegenwärtige Lage der katholischen Kirche in Bayern gedenkt ber Papst eine Encyclica an die bayerischen Bischöfe zu richten, deren Veröffentlichung für Januar erwartet wird. Die Berliner Meldungen, wonach sich in ber Reichshauptstadt ein Con- fortium zur Ausbeutung der Metallschätze und speciell der neu entdeckten Gold' lager in Deutsch-Südwestafrika gebildet haben sollte, sind der „Rational« Zeitung" zufolge ungenau. Es haben bis jetzt innerhalb der Colonisations- Gesellschaft für Südweftafrika nur Beratungen über die etwaige Ausbeutung der Goldlager stattgefunden, ohne daß indessen schon bestimmte Beschlüsse gefaßt worden wären. Zunächst will die Gesellschaft nur ben kaiserlichen Schutzbrief für das geplante Unternehmen nachsuchen, sowie den Erlaß eines Berggesetze» am egen welche» speciell für die Gewinnung von Gold im deutschen Colonial- gebiete bestimmt sein soll. Ferner bestätigt sich aber die Mittheilung. daß Sach- verständige zur Untersuchung der Goldfunde an Ort und Stelle abgesandt werden sollen und daß die Bildung eines au» Eingeborenen zusammengesetzten, berittenen Polizeicorps unter Führung preußischer Unteroffiziere beabsichtigt ist, mit Rück- sicht auf Die bedenklichen Zustände, welche stch in ber Nähe von Goldfeldern zu entwickeln pflegen. _ ., , , r, Die militärischen Conferenzen in der Wiener Hofburg haben sich zu einem großen Kronrath erweitert, der am Montag ftattfand. Vermuthlich wird erst bleiern Kronrathe eine entscheidende Bedeutung zuzuschreiben sein, während die Verhandlungen der bisherigen mflitärischen Conferenzen in W'.en wohl nur einen vorberathenden Charakter getragen haben. Dem Ministerrathe vom Sonn- taa wohnten u. A. der ungarische Ministerpräsident Tisza, der KriegSminister Gras Bulandt-Rheydt, sowie die beiden L^ndesvertheidigungSminister, Graf Wel- sersheimb und Baron Fejeroary, bei. Vor und nach dem Ministerrathe conferirte Tisra längere Zeit mit dem Grafen Kalnoky im auswärtigen Amte, woselbst am genannten Tage auch noch eine mehrstündige Besprechung des Gesammtministeriums berüalich des KronratheS stattfand. An und für sich bedeuten indessen diese fort« Jefcten Beratungen der maßgebenden Persönlichkeiten Oesterreich-Ungarns noch keineswegs eine ausgesprochene Verschärfung der Situation und diese Auffassung erhält ihre Bestätigung durch die osficiöse Wiener Meldung, wonach zur Zeit von einer Einberufung der Delegationen keine Rede fei denn für etwaige m,li- sticke Vorkehrungen solle nur eine verhältnißmäßig geringe Summe in Anspruch kommen werd«? Es wird berichtet, daß der bekannte Artikel des „Russischen ^2en" durch seine herausfordernde Sprache und Schärfe der Ausdrucksweise überragt habe, Di- ganze pMische W-lt °°° N-wa. M°tr°P°l° soll durch ben ungeschlagenen Tun de« »rt.-e - m Erstaunen -ersetzt wurden sein unb habe letzterer im Allgemeinen einen ehr schlechten Einoruck ” 5 ' «ber maßgebenden Orte« in «Petersburg scheint die Auslassung de« ^noliben" dach aesallen zu haben, denn General Ruropitfine -am Generalstab, ’3.ThX Mniden- dieselbe -ersaßt worden ist, wird stch jedensall» °°r m'aff.LunkÄMrtitel« über»eu8tVben. daß er allerhdchsten Orte» ein ’Ä Ä w^rb “ ® bie s&auuiniflen an der Newa und Maskaw- bit publiciftisth-Leistung de» S-n-nnlen Gener^» besudeln, kann wähl nicht mehr überraschen, glücklicher Weise beißen diese Kläffer nicht! 8149 Empfehlung zu ihrem Besten zu Theil geworden, sobald dies erforderlich und möglich war. D>e Erfahrung hat gelehrt, daß eine solche moralische Unterstützung nicht selten wohlthätrgere Folgen für die Betreffenden hat und nachhaltiger wirkt als materielle. Von den in den Berichtsjahren in Pflege des Vereins befindlichen Pfleglingen beschäftigten sich z. Z. als Handwerks-Meister, Gesellen, Lehrlinge, Fabrikarbeiter rc. 463, als Taglöhner, Knechte, Mägde, Hirten rc. 464, als Krämer, Händler, Makler rc. 59, als Strickerinnen, Näherinnen oder mit anderen weiblichen Arbeiten 45, beim Militär standen 28. Die Vermittelung von Beschäftigung für die Pfleglinge nach ihrer Entlassung aus den Strafanstalten, obwohl sie dort an's Arbeiten gewohnt wurden, ist für die Vereine zu deren Besserung mit mancherlei Schwierigkeiten verknüpft, namentlich dann, wenn die Pfleglinge früher weder in einem Gewerbe noch in der Landwirthschaft beschäftigt waren. Die Vergehen und Verbrechen, wegen deren die in 1884 und 1885 aus den Strafanstalten Entlassenen bestraft wurden, richteten sich, soweit die unter Aufsicht des Vereins stehenden Pfleglinge in Betracht kommen, in der Hauptsache gegen Personen, Sittlichkeit und Eigenthum und zwar verbüßten 134 ihre Strafe wegen Diebstahl und Entwendung, 111 wegen Drohung, Gewaltthätigkeit und Mißhandlung, 104 wegen Bettel und Landstreicherei, 35 wegen Unzucht und Kuppelet, 24 wegen Betrug, Fälschung und Unterschlagung, 21 wegen Vernachlässigung des Unterkommens, 15 wegen Tödtung und Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Die in dem vorigen Rechenschaftsbericht ausgesprochene Hoffnung, daß sich die Zahl der Bettler uno Landstreicher in Zukunft vermindere, hegt der Verein auch jetzt noch, da die günstigen Wirkungen der zur Beseitigung des Vagantenthums in's Leben gerufenen Vereine und Asyle erst in einigen Jahren nach und nach sich äußern und erkannt werden. — Wenn berücksichtigt wird, daß die Besserungsversuche nur an Personen gemacht werden können, welche bereits dem Strafrichter verfallen waren, ferner, daß dem beabsichtigten ReUungswerke häufig ungeahnte Schwierigkeiten entgegenstehen, zu deren Beseitigung der Verein in der Regel keine Mittel besitzt, und daß ein großer Theil der Pfleglinge auf einer Stufe der Bildung steht, welche jeder moralischen Einwirkung auf sie widerstrebt, so dürfte der Erfolg der Veretnsthätigkett, wonach V« als gebe.sert zu betrachten ist und 2/s mit guter Aufführung bezeichnet werden konnten, als erfreuliches Wirken des Vereins um so mehr begrüßt werden, als dasselbe die bei Gründung des Vereins, nach anderwärts gemachten Erfahrungen, bü Weitem übertrifft, indem man damals nur auf Vio Gebesserte zu rechnen sich berechtigt glaubte. Hierdurch werden auch die hie und da von den Gegnern de« Verein vorgebrachten ungünstigen Urtheile widerlegt, daß derselbe das Laster unterstütze, — bei den Sträflingen beziehungsweise den aus der Strafanstalt Entlassenen, vielfach tcn Glauben Hervorrufe, sie besäßen ein Anrecht auf Vereinsunterstühungen, v elcbe als Entschädigung für das durch die Bestrafung erlittene Unrecht oder als Prämie für die Verüvung einer Strafthat be»w. als nachträgliche Versüßung oder ohnehin nicht mehr gefürchteten Gefängnißstra.e von ihnen betrachtet würde — ferner, daß durch die Vereinsunterstützungen die Gemeinden der Sorge für ihre Armen übers c''eu würden oder gar daß die Bemühungen der Vereinsorgane ohne allen und j günstigen Erfolg blieben. — Denn der Zweck des Vereins ist: Denjenigen, we'cke gefehlt, sich mit der bürgerlichen Gesellschaft überworfen, den Weg des Lasters und Verbrechens betreten haben, die Rückkehr auf die Bahn der Tugend möglich zu machen, sie darauf zu erhaben und der bürgerlichen Gesellschaft wieder zu gewinnen; dieser edle Zweck entspricht den Forderungen der Humanität und wenn dadurch zugleich die Zahl der Armen und Verbrecher gemindert, indem es den aus den Strafanstalten Entlassenen möglich gemacht wird, — statt von neuem Bettler, Vagabunden und Verbrecher — nun fleißige und nützliche Mitglieder der Gesellschaft zu we.den, so ist dies allerdings ein großer und wesentlicher Gewinn nickt nur für den Staa», sondern auch für die Gemeinden, über welchen sich jeder wahre Menschenfreund freuen s illte. — Durch die den Sträflingen noch während der Haft von den Strafanstalts- Verwaltungen bchändigte gedruckte Belebrung über die ihnen als Vereins ofl^glii - | G. HENNEBERG’S „MONOPOL“ | umgebend. obliegenden Pflichten werden dieselben darüber aufgeklärt, daß ihnen durch die Aufnahme in den Verein keinerlei Reedi auf Unterstützung aus demselben e wachse, eine solche vielmehr nur bei bewiesener Würdigkeit und vorhandenen Bedürfniß einzig und allein nach der Ansicht und dem Vorschläge der Vereinsorgane bewilligt werde, wodurch eine etwa vorhandene irrige M.inung der S-räflinge »on vornherein für unrichtig erklärt wird, indem auch in der Wiiklichkeit immer nur einem geringen Theile der oorgebrackten Unte-.ttützung-g'suckc Berücksichtigung zu Theil wird. Die Resultate der bi herrgen Vereinstha.igkeit endlich liefern den Beweis, daß der Vorwurf: der Verein enispreche seii em Zwecke nicht, gänflrch unbegründet ist; denn es ist darge'ban, daß eine ansehnliche Zahl der Pfleglinge durck dre Hülfe des Vereins vor Rückfälle» bewahrt und für eine ehrbare und nützliche Tbäligkett wieder gewonnen wurde: dies übergehen die Tadler mit Stillschweigen, — aber sie halten sich befugt aus den v-'rvälnnßm.äßiq weniger günstigen Beispielen gegen den Verein zu a'gumen'iren. Alle Pfleglinge wieder in brauchoare Mitglieder der Gesell'chast umzuwandeln, ist fiälicb nicht möglich; bei verstockten fem-r Besserung fähigen Sündern kann auch dec Verein nicht helfen; den Letzteren aber deß halb als zwecklos hinzustellen, während er bei einer Menge anderer Pfleglinge seinen Zweck erreicht, ist ungereckt. Der Verein zur Unterstützung und Befferung der aus den Strafanstalten Entlassenen st'ht mit 57 auswärtigen Vereinen gleicher Tendenz in Verbindung, wodurch ihm die Kenntniß vieler werthoollen Einrichtungen ermöglickt wurde. — Der auf der vorjährigen Generalversammlung von dem Herrn Bürgermeister Bramm zu Gießen gestellte Antrag: Die WirkfamL.t des Vereins ausnahmsweise auch auf bte cu- den Strafan st alten anderer deutscher Staaten entlassenen Angehörige Großh .ogthums Hessen auszudehnen, wu.de in der diesjährigen Generaloerfamm- i - mit t : Zulage genehmigt, daß sich die Fürsorge des Vereins auch auf diejenigen ust'nge a, Derer deutscher Staaten erstreckt, die aus hessischen Strafanstalten er. ff en worden sind, und insbesondere auf solche, die den Unterstützungswohnsitz innerhalb oes Großherzogthums Hessen erworben haben. Der Vereinsausschuß besieht nach der in dieser Versammlung stattgehabten Wahl aus den Herren: 1) Wirkt. Geheimerath Dr. Goldmann, Exc., in Darmstadt, 2) Provinzialdirector v. Marquard daselbst, 3) Oberbürgermeister Ohly duselbst, 4) Stadlpfarrer Ritsert daselbst, 5) Ober Apo. und Cass.-Gericktsrath i. P. Sckenck daselbst. 6) Piovinrialdirector Dr. Boekmann in Gießen, 7) Provinzialdirector Gehi.merath Küchler in Mainz. 8) Rechtsanwalt Sckmeel in Darmstadt, 9) Fabrikant Karl Hochstätter daselbst. -11k I>pi>”-Neide“. (ModeberichL) „Dom gelt ' m 1887 - Heft 8 schreibt: I . . . . - Durch Einführung der , Monopol-Seide“ hat sich der Zürcher Leiden» । Industrielle V Henneberg ein wah.es Verdienst um die nach einem ein- fachen und gediegenen Seidenstoff feit lange vergeblich Umschau haltende Damen- w"lt erworben. Das Gewebe ist fcaverbart wie Leder, weich wie -sammt, glänzend wie Atlas; aus reinster Seide auf Lyoner Stühlen gewoben, erscheint es als eines der solidesten und reichsten Fabrikat-, welche die Webindustrie seit lange erzeugt. - . . Nur bircit und nur ächt, nrnn auf der Kante eines jeden mfetre eingedruckt ist Allgemeiner Anzeiger. Der Umbau der 4 alten Schießstände und die Anlage eines Schritzwalles längs der Eisenbahn hinter diesen Schießständen neranlchlagt zu 24,600 JL. sowie die Anlage eines Brunnens und die Erbauung einer ßatrfnc bei ben5neueii Schießständen hiesiger Garnison, veranschlagt zu 1050 soll in unbeschränkter Submission verdungen werden. Hierzu ist Termin auf Donnerstag, den 29. Dccember c., Vcn mittags 10 Uhr, im Garnison-Verwaltrings-Bureau, neue Kaserne biers.lbst, anberaumt, woselbst Bedingungen nebst Kostenanichlägen und Zeichnungen zur Einsichtnahme aufliegen. Gießen, den 12. December 1887. [9320 Großberzoglrche Garnison-Verwaltung Ieisgebotenes. Will)- Schomder 5 Neuen Baue 5. Durch vortheilhaste Baareinkäufe bin ich in den Stand gesetzt, einen feinen rein- schmeckenden gcbr. 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