Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Wmeearrr Dchulstraße 7. MHMH Erscheint tLgLich mit Ausnahme des Mo«tagA< PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Wocherr - Ueberficht. Gießen, 19. November. Eine Woche tiefschmerzlicher Erregung liegt diesmal hinter dem deutschen Volke, zumal da aus Tage langer Besorgniß nun die ergreifende Wahrheit gefolgt ist, die volle Wahrheit über das Leiden des deutschen Thronfolgers. Nach Süden, nach San Remo, wo „unser Fritz" endlich Genesung zu finden hoffte, waren aller Blicke wie Herzen gerichtet, das Jn- tereffe an dem entscheidenden Ausspruche der Aerzte über die Natur des Halsübels des allgeliebten Kaisersohnes überwog alles andere und als nun das erschütternde Ergebniß der ärztlichen Berarhung vom Telegraphen über die Alpen getragen wurde, da gab es in den deutschen Landen wohl keinen Palast und keine Hütte, wo nicht Worte der herzlichsten Teilnahme, des innigsten Mitgefühls mit dem herben Geschicke de» Thronerben erklungen wären! Ueberall wurde des ritterlichen Hohenzollern-Sohnes in Treue und Liebe gedacht, in allen Kreisen und allen Ständen der Ausspruch der Aerzte erörtert und kritistrt, während im katholischen Dom wie in der protestantischen Kirche und in der jüdischen Synagoge inbrünstige Fürbitten zum Höchsten emporstiegen, kurz, seit den Tagen des letzten großen Krieges gegen den Erbfeind hatte stch wohl die gesammte Nation noch nie wieder in so gemeinsamem Empfinden zusammenge- funden, als jetzt. Inzwischen treten die öffentlichen Angelegenheiten wieder mehr in ihre Rechte und wendet fich das Jntereffe zunächst dem Czarenbesuche in der deutschen Reichshauptstadt zu. Derselbe ist nun auch am Freitag Vormittag erfolgt und gab Prinz Wilhelm als Vertreter seines kaiserlichen Großvaters dem Herrscher aller Reußen beim Einzuge in die deutsche Reichshauptstadt das Geleite. Daß die Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem Czaren fich innerhalb eines größeren Rahmens vollziehen sollte, ist nicht anzunehmcn, denn die äußeren Umstände, unter denen fie vor fich geht, ihre ganze seltsame Vorgeschichte und schließlich die gegenwärtige Weltlage widersprechen entschieden der Annahme, daß der Begegnung beider Herrscher eine besondere Bedeutung beizumeffen wäre. Allerdings könnte man eine solche aus der gleichzeitigen Anwesenheit des Fürsten Bismarck in der Reichshauptstadt folgern, aber für die Gegenwart de» leitenden deutschen Staatsmannes bei der Berliner Monarchen-Zusammenkunft ist das politische Moment durchaus nicht so sehr maßgebend gewesen. Vielmehr dürsten es die bedenklichen Nachrichten über den Kronprinzen in erster Linie gewesen sein, welche den Kanzler nach Berlin geführt haben und wenn er dann auch bei der Zusammenkunft der zwei Kaiser sich in der Umgebung seines kaiserlichen Herrn befindet, so erscheint dies nur selbstverständlich; außerdem ist ja weder Herr v. Giers, noch sonst ein hervorragender russtscher Staatsmann in Berlin mit anwesend gewesen. Immerhin wird man wenigstens das Eine annehmen dürfen, daß die Begrüßung Kaiser Wilhelms durch den Czaren auf die ungetrübte und von der Mißstimmung zwischen ihren Völkern unbeeinflußt gebliebene Fortdauer ihres persönlichen Verhältnisses hindeutet und hierin mag ein beruhigendes Moment liegen. Weitergehende politische Folgen aber — daran röird man sesthalten müssen — dürste der Czarenbesuch in Berlin nicht haben, eben, weil einer solchen Auffassung die gesammte politische Constellation widerspricht. Dar Programm des Besuches selbst konnte übrigen» unter dem Eindrücke der Nachrichten aus San Nemo nur ein beschränktes sein und rauschende Festlichkeiten nicht enthalten. Auch die Abwesenheit der Kaiserin Augusta mußte zu dieser Begrenzung das ihrige beitragen, denn noch immer wellt die hohe Frau in Koblenz, da ihr Gesundheitszustand durch die ernsten Meldungen aus San Remo gelitten hat und erscheint somit die Heimreise der Kaiserin nach Berlin noch nicht räthlich. Erfreulicher Weise ist dagegen das Befinden Kaiser Wilhelm» wieder ein ganz erwünschtes, denn der greise Monarch hat zur Zeit die Folgen seines jüngsten Unwohlseins gänzlich überwunden und unternahm er am Mittwoch nach langer Pause wieder seine erste Ausfahrt, wegen der rauhen Witterung aber noch im geschloffenen Wagen. In Steiermark und Kärnthen wurde am Montag Abend ein ziemlich starkes Erdbeben verspürt, das mit den zur gleichen Zeit aus Italien gemeldeten Erderschütterungen offenbar im Zusammenhang steht. stmmtliche Magistrate der Londoner Stadtquartiere bereit erklärt, die Special- Constabler in Eid zu nehmen. Einer solchen bedeutenden Vermehrung der PottMräfte gegenüber dürften die Londoner Straßenrevolutionäre künftig wohl eme etwas vorsichtigere Haltung einnehmen. Aus dem Südosten Europas liegen fast gar keine Nachrichten von 6 vor. Zu verzeichnen wäre höchstens die Meldung aus Belgrad, wonach Ministerpräsident Ristics sämmtliche in Belgrad weilende Kron- und Volksvertreter zu einer Besprechung in Skupschtina-Angelegenheiten eingeladen hat. Offenbar handelt es sich um einen Versuch, eine Verständigung zwischen der liberalen und der radikalen Partei herbeizuführen. Die Natur als Lehrmeisterin. tjr ,®5. "ag wohl kaum eine Erfindung der Menschen geben, welche nicht vorher rv” r vorhanden war. Alle Werkzeuge und mechanischen Vorrichtungen haben schon seit Jahrtausenden m der Natur in Benutzung gestanden. Sämmtliche Erfinder haben bewußt oder unbewußt nur die Vorbilder der Natur nachgeahmt und die größten Entdecker der Zukunft werden die sein, welche der natürlichen Welt ihr 7 schien und es verstehen, die Nutzweisung daraus zu ziehen. Nachfolgende Vergleiche mögen den Beweis unserer Behauptung ergeben. ~ Burrsteine der Mühlen sind ja nur eine Nachahmung der Backenzähne. S ?ujen er PAde bestehen aus parallelen Platten wie die Kutschenfedern. Die feinste Feile, welche der Mensch zu machen im Stande ist, ist nur ein grobes Ding, wenn man sie mit dem Schachtelhalme vergleicht, dessen sich die Schreiner bedienen. n-c n ?? Schildkröte sind natürliche Scheeren. Nagethiere haben meisel- artige Zahne und das Nilpferd hat axtähnliche Zähne, welche sich beständig reparrrm, wenn sie abgenutzt sind. Der Schreinerhobel findet sich in dem Kinnbacken der Biene. Der Specht hat einen kräftigen kleinen Hammer. Die Taucherglocke ist lediglich eine Nachahmung der Wasserspinne. Dieses Jnsect, welches gerade so leicht ertrinkt wie anvere Dhtere, bringt dennoch einen großen Theil seines Lebens unter Wasser zu. Nachdem es sich eine kleine Zelle unter Wasser hergestellt hat, ergreift es eine Luftblase zwischen dem Hinterpaar seiner Füße und taucht unter bis zum Eingänge zu seiner Zelle, in welche es die Luftblase hineinzieht, wodurch ein verhältnißmäßiger Theil von ®?09eröcft wird, und wenn dann alle Luft ausgeblasen ist, schlagt das " .^hier seine» Aufenthalt darin auf, bis es sich wiederum nach oben zuruckzieht. Wenn die Mücke ihre Eier in's Wasser legt, so geschieht dieses auf eine von ihr zujammenverbundenen Masse, welche wie ein Lebensrettungsboot aussieht, das nicht m s Master sinken kann, außer wenn eS in Stücke zerrissen würde. Die eisernen Masten unserer modernen Schiffe sind durch im Innern befindliche der Länge nach sich hinziehende Rippen verstärkt. Eine Stachelschwetnborfte ist ganz in ähnlicher Weise verstärkt. Wenn die Ingenieure ausgefunden hatten, daß hohle Balken fester sind als massive, entdeckten sie nur ein Princip, welches in der Natur schon eine undenkbare Zeit vorher in Anwendung gestanden hat. Ein Weizenhalm, wenn er massiv wäre, vermochte eine schwere Aehre nicht zu tragen. Die Knochen der Thiere höherer Gattung mußten, wenn sie massiv wären, bedeutend schwerer sein, um das Gewicht tragen zu können, das auf ihnen liegt. Das Gestelle eines Schiffes gleicht ganz genau dem Skelett eines Härings, und derjenige, welcher sich mit dem Studium der Luftschifffahrt beschäftigen will, muß erst das Wesen des Vogels mit Erfolg kennen lernen. Palissy schenkte erst am Meeresufcr den Schalthieren und deren Muscheln ein sorgfältiges Studium, um die beste Methode ausfinden zu können, wie man eine Stadt befestigen könne. Der Schiffswurm nährt sich von Holz und tunelirt sich seinen Weg durch irgend ein untergegangenes Holzwerk. Er füttert auch seine Gänge mit einem harten, muschel- artigen Ueberzuge aus. Brunel, der ihm nachahmte, war der erste Erbauer des unterirdischen Tunnels. Der Eddyston-Leuchtthurm ist nach dem Plane eines Baumstammes erbaut und im Felsen in ähnlicher Weise befestigt wie der Baum mit seinem Wurzel- werke in dem Boden. Und man nimmt an, daß die erste Idee der Hänge-Brücke von den Schlingpflanzen der tropischen Wälder herstammt._________ UniverfktatS - Chronik. — Wie aus Kiel gemeldet wird, tritt der Consiftorialpräsident und Universitätskurator Dr. Mommsen in den Ruhestand. — An der Universität Würzburg ist ein Lehrstuhl für Hygieine errichtet und dem langjährigen Assistenten Pettenkofer's in München, Dr. K. B. Lehmann, verliehen worden. . r7V Die bisher von Dr. Wetzel bekleidete Stelle eines dritten Custos an der Universität Kiel ist Dr. Karl Kahndorffer übertragen worden. , t , Aus Freiburg i. B. wird geschrieben: Der Besuch unserer Universität wird in diesem Winter hinter dem des Vorjahres nicht unerheblich zurückbleiben. Wir dürften an 200 Studenten weniger haben als im vorigen Wintersemester. Vielfach wirr sogar noch eine größere Differenz befürchtet. Daß der Besuch unser Hochschule im Winter geringer ist als im Sommer ist eine regelmäßige Erscheinung. Unangenehm wäre aber das Minus gegenüber dem vorigen Wintersemester. General Leflü, der ehemalige französische Botschafter in Petersburg, bekannt durch seine wichtigen „Enthüllungen" im „Figaro", ist gestorben. — In Paris begann am Mittwoch der Proceß wegen der Katastrophe in der Komischen Oper und wird er 6—7 Tage dauern. Die Angeklagten wollen alle unschuldig sein. Am Mittwoch hat die Eröffnung des italienischen Parlaments unter ungewöhnlicher Glanzentfaltung und im Beisein der königlichen Famllie stattgefunden. Der Ton der Thronrede ist ein sehr selbstbewußter und zuversichtlicher, und betont sie namenllich Italiens Großmachtsstellung unter Hinweis auf dessen Waffenbereitschaft und Allianzen. Die Rede drückt die Zuversicht auf Erhaltung des Friedens aus und bespricht die Action in Afrika, bei der es Italien nur darauf ankomme, feine guten Rechte zu wahren. Die Rede wurde von den Kammern mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Jenseits des Canals wird die Situation noch immer durch den letzten blutigen Straßenkrawall in London beherrscht. Um der Wiederholung ähnlicher Vorgänge möglichst vorzubeugen, ist von der Regierung die Vereidigung von 20,000 Specialconstablern beschlossen worden und haben sich B t t m i f 4 t t I« — [$ßi< sorgen wir am besten für unsere Kinder?^ ES ist ein Erfahrungssatz: Wer in seinem Berufe seine Schuldigkeit nicht thut, der muß zu Grunde gehen. ThuL ein Beamter nicht, was seine Pflicht ihm gebietet, so verliert er Amt und Brod, und er, der sonst die Feder führte, wird jetzt zu Spaten und Hacke greifen müffen. Ein Arbeiter, der nicht thut, was er zu thun schuldig ist, wird ein Lump, der Bekanntschaft mit dem Gefängniß oder mit dem Zuchthaus macht. Ein Gutsbesitzer, und sei er noch so reich, der seine Schuldigkeit nicht kennt oder nicht kennen will, geht unweigerlich bergabwärts, ja vielleicht herunter von seinem Besitzthum. Mir ist ein solcher bekannt, der in etlichen Jahren einige vierzigtausend Thaler verwirthschaftet hat; jetzt ist er Reisender für ein Weingeschäft. Ein bäuerlicher Besitzer, den ich auch kenne, kam um sein ganze» Gut, weil er seinen Beruf vernachlässigte; jetzt ist er in Berlin Droschkenkutscher. Es gibt Kaufleute, die von ihren sparsamen, fleißigen Eltern gut in's Nest gesetzt wurden. Das Geld fehlte ihnen nicht, wohl aber daS Vermögen, es festzuhalten, möglicherweise zu vermehren. Ein paar Jahre — und wea ist das ganze Geld, anstatt dessen sind massenhaft Schulden vorhanden, die dann Den Mann aus dem Hause treiben. Alle diese Beispiele zeigen, daß es ererbtes Geld und Gut nicht thut. Es ist ja gut und löblich, wenn Eltern für ihre Kinder sorgen und sparen. Aber nun zu meinen, das Geld sichere die letzteren auf dem Wege durch's Leben vor Verarmung, das ist grundfalsch. Ein praktischer Mann kommt durch's Leben, auch wenn er mit IC nf<6tä anfänat. Man b-tracht- zwei M-nschcn eine? Berufe?: der eine hat viel Geld ererbt ist aber schlaff; der andere hat nichts als einen praktischen «inn und Lhatkraft. L,m?6 «18 der erste nicht vorwärts kommen wird, ebenso gewiß bringt es der XÄ Jch meine^mebr als den Kindern viel Geld und Gut .usammen- bi< filtern die Pflicht, ihnen einen Charakter zu verschaffen, dahin zu ^ebL daß s"e strnm auf ihren eigenen Füßen zu stehen Das ist dieunbedingte Hauptsache. Das Geld wird dann eine angenehme Zugabe sein, aber eS kommt eben nicht t-erster • £inif~ @ sing Bells von Kamerun, Alfred Bell, welcher vor Monaten mit drei Genossen nach Altona geschickt worden, um das Ztmmerhandwerk ru erlernen, sollte in die Zimmer-Innung ausgenommen werden. Doch hat inan von ihrer Einschreibung in die Innung Abstand genommen, weil ihr Bildungsgrad zu niedrig sei, um ihnen „einen Begriff von dem Wesen und Zweck der Innung bei- zubringm. sreinerfreaatte Leipzig" hat in voriger Woche eine schwere Havarie erlitten. Das Schiff, welches 'ein neues Maschinensystem erhalten hatte, befindet sich seit Mitte October in Dienst zur Abhaltung der Probefahrten. 2n voriger Woche ging es in See, um eine sechsstündige starke Fahrt zu ^^/^^^ ^blcher die höchste Leistungsfähigkeit der Maschine festgestellt werden sollte. Stunden hatte dieFahrt bereits gewährt, man befand sich 10-11 Seemei en von Helgoland, als plötzlich die Maschine stoppte, dann aber mit ganz enormer Umdrehungszahl ^n Gang wieder forts^te so daß Alles kurz und klein zu fliegen drohte. Der leitende Maschineningenieur ließ sofort die Maschine stoppen und die Ablaßventile offnen, da Alles auf Ue schwere Havarie an der Schraube hindeutete. Das Schiff mußte sich vor Anker legen und wurde zunächst von einem finnischen Frachtdampfer und dann von deutschen Dampfern, welche durch Signale herbeigerufen worden waren, nach Wilhelmshaven geschleppt. Die Havarie ist jedenfalls dadurch entstanden daß die Schraube, deren Stärke für die frühere Maschine von höchstens 4000 Pferdekraften berechnet war einer Kraftentwickelung von 5900 Pferdekräften gegenüber, welche die neue Maschine bei der betreffenden Fahrt gezeigt hat, zu schwach war. Die Reparaturen werden zu einer erheblichen Verstärkung der beschädigten Theile führen und dann wird die „Leipzig" die schnellste Fregatte unserer Flotte sein. Erlangen. [DieNase abgebissen.) In Rotz erklärte einDienstknecht gelegentlich einer Tanzmusik einer Magd seine Liebe. Da das Mädchen aber seinen Antrag a^ lebnte biß ihr der Bursche die Rase ab mit der Bemerkung: „eo, letzt mag Dich doch ein Anderer auch nimmer!" Die Rase steckte er in die Tasche (?!) und ging fort. Das Mädchen mußte nach Anordnung des herbeigerufenen Arztes sofort nach hier gebracht werden, wo die Verletzte einer schwierigen Operation unterworfen wurde. Da nämlich die Rase fehlte, mußte ein Stück Fletsch aus dem Arm geschnitten werden, das an Stelle der Rase angeheilt werden sollte; das Mädchen ist indeß den Folgen der Verletzung und der Operation erlegen. Der Bursche wurde verhaftet und sicht einer schweren Strafe entgegen. — [Humoristisches.) Richter zu einem Strolch: „Warum betrinken Sie sich in so viehischer Weise?" - Strolch: „Um meinen Kummer zu betäuben." — Richter: „Gelingt Ihnen das?" - Strolch (in schmerzlicher Bewegung): „Rein, er kann schwimmen." — [Gipfel der Kurzsichtigkeit.) „Denken Sie nur, Professor B. ist neulich auf der Straße fast über mich gestolpert, ohne mich zu grüßen.". — „Ich bitte Sie, gnädige Frau, das geschah nickt absicktlich. Er ist so kurzsichtig, daß er bei seiner Geburt kaum das Licht der Welt erblickte." — sEin Höflicker Gast.) Dame des Hauses: „Run, Herr Müller, schmeckt es Ihnen denn?" — Müller: „O ja! Ich habe nämlich einen Hunger, her einer besseren Sache würdig wäre." Landwirthschaftliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) — [verwerthung der Kastanien.) Es ist nicht allgemein bekannt, daß die Kastanien ein gutes Futter, namentlich für die Schweine, abgeben, und daß sie von letzteren auch gerne genommen werden. Wer also Gelegenheit hat, viel Kastanien zu sammeln, sollte das nicht verabsäumen. Um die Kastanien längere Zeit aufzubewahren, läßt man sie bet günstigem Wetter an der Sonne, sonst im Backofen gut austrocknen, dann sind sie sehr widerstandsfähig. Sie können den Schweinen ganz gegeben werden, empfehlenswerth ist es jedoch, die Kastanien grob zu schroten und so zu verfüttern, man gebe den Schweinen nicht mehr als 4 Pfund pro Kopf und Tag. Außer an Schweine können sie auch noch an Schafe und Rindvieh verfüttert werden, doch ist namentlich bet Milchkühen Vorsicht zu empfehlen. An Milchkühe sollte man nicht mehr als sechs bis acht Pfund täglich verfüttern. — [Verwerthung kranker Kartoffeln.) Kartoffeln, die als Speisekartoffeln sich nicht eignen und auch nicht als Futterkartoffeln sich ausbewahren lassen, ohne daß man fürchten muß, große Verluste durch Faulen und dergleichen zu erleiden, wird jeder Landmann sobald es möglich ist, an Brennereien oder Stärkefabriken verkaufen. Da aber dieser Weg nicht immer offen steht, da oft keine Nachfrage herrscht oder die Preise unannehmbar sind, wollen wir nicht verfehlen, im gegenwärtigen Zeitabschnitt auf das Einsäuren der Kartoffeln empfehlend hinzuweifen. Das Einsäuern, in einzelnen Gegenden Einkühlen genannt, ist allerdings schon längere Zeit hindurch bekannt, aber es wird namentlich bei Kartoffeln nicht in genügenbem Umfange geübt, meist weil die Landwirthe glauben, daß es nicht lohnend sei. Die Anschauung ist indeß eine irrige, denn einmal können zum Einsäuern alle die Kartoffeln benutzt werden, die sonst nicht brauchbar sind, auch sogar solche, die von der Kartoffelkrankheit befallen sind, und zweitens gibt das Einsäuern ein reichliches Quantum gern genommenen, nahrhaften und haltbaren Futters. Die Kartoffeln werden zum Zwecke des Einsäuerns gewaschen, dann gedämpft, nachdem sie etwas abgekühlt sind, zerquetscht und dann erst in Gruben eingestampst, die ausgemauert oder mit Ziegelsteinen aufgelegt sind. Ist die Grube voll, so überdeckt man sie mit einer festen, mindestens drei Fuß hohen Erdschicht. Die eingesäuerten Kartoffeln halten sich, wenn sie genügend sest eingestampft waren, sehr leicht ein ganzes Jahr. — Der Stachelbeer- und der Johannisbeerspanner, diese beiden gefräßigen Feinde unserer Becrenobststräucher, überdauern den Winter bekanntlich als Raupe und sind daher im Frühjahr, sobald die ersten Blättchen keimen, gleich wieder da, um ihr Zerstörungswerk zu beginnen. Um sie zu vertilgen und seine Sträucher vor Schaden zu bewahren, mutz ihnen im Herbst zu Leibe gegangen werden. Mit den abfallenden Blättern gelangen sie auch meist auf den Boden, sie verkriechen sich dann in den Blättern oder auch, wenn auch seltener, in den Ritzen der Zweige. Es ist daher nicht zu versäumen, die Sträucher abzuklopfen, das abgefallene Laub der Stachelbeer- und Johannisbeersträucher sorgfältig zusammenzuharken und zu vernichten. 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