Ar. 2LS Dienstag den 20. September M87. Gießener Anzeiger Amts- und Anzkigkblatt für bcn Kreis Gießen. » Hurrau r Schul st raße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Politische Ueberficht. Gießen, 19. September. Die große Aufmerksamkeit, welche von Setten höherer und höchster Kreise dem Prinzen Wilhelm gewidmet wird, hat im Allgemeinen wohl mehr Vermuthungen erzeugt, als richtige Erklärungen gesunden. Besonder» ritt al« Deutung der ungewöhnlichen Jntereffennahme für den Prinzen Wilhelm die Befürchtung hervor, da» Befinden de» Kronprinzen könne weniger zufrieden- üellend sein, al» die osficiellen Berichte bekannt werden ließen. Diese Annahme ist jedoch erfreulicher Weise unbegründet. Selbstverständlich ist, daß der Kron- Mim noch längere Zeit sich schonen, eine» anhaltenden und lauten Sprechen» ■enthalten, rauhe Witterungrverhällnisfe möglichst meiden muß und daraus allein schon erklärt sich da» öftere Hervortrelen de» Prinzen Wilhelm, da er zur Lösung non Ausgaben berufen wird, die sonst dem Kronprinzen zusallen würden. Tatsache ist allerding», daß Prinz Wilhelm in militärischen Kreisen hoch «erchrt wird, aber angenommen werden darf nicht, daß seine Stellvertretung le» Kronprinzen hierzu Veranlassung gebe. Die Verehrung gründet sich vor- -ugrweise au? die wunderbare Fähigkeit de» Prinzen Wilhelm, mit Leichtigkeit Idie schwierigsten Aufgaben aus dem Gebiete militärischer Operationen zu lösen. Kon eingeweihten und zuverlässigen Personen wird versichert, der Prinz ent- vickele Feldherrn-Talente, welche an den Geist de» großen Friedrich erinnerten uind jeden Militär mit Bewunderung, jeden deutschen Mann mit Stolz und Be- rnhigung erfüllen müßten. Die erste württembergifche Kammer hat gleich der zweiten dar Branntweinsteuergefetz genehmigt, nur mit dem Unterschiede, daß die Slanderherren da» Gesetz einstimmig genehmigten. Al» ein Curiosum au» der beglichen Debatte der ersten Kammer ifi eine Rede de» Erbgrafen Reipperg hervorzuheben, in welcher dieser vortreffliche Mann sein Bedauern darüber auigebrüdt hatte, daß mit der Annahme der Vorlage ein weiterer Fortschritt der Reichseinheit verwirklicht werde. In dem politischen Oberstübchen de» Herrn Erbgrasen muß e» recht fett' im aurfehen! Die bäuerische Abgeordnetenkammer nahm am Donnerstag die kräfidiaknthl vor. Er wurde gewählt: Mit 155 Stimmen B-ron v. Ow > Centr.) zum Präsidenten, O'oeramtrrichter Alwen» (liberal) mit 154 Stimmen mm Viceprästdenten, Landgerichtrrath Geiger (Centr.) mit 154 Stimmen zum nisten und Dr. Eugen Buhl (liberal) mit 152 Stimmen zum zweiten Schrift- Phrer. Die Liberalen wie die Klerikalen sind bei dieser Verthetlung der parla- «entarischen Ehrenposten zu ihrem Rechte gekommen; freilich hat die bayerische Abgeordnetenkammer auch den großen Vorlheil vor den meisten anderen Parlamenten, daß e» in ihr nur zwei große Parteien flieht. Ein neue« Manifest der Grafen von Parir hat da» Licht der Welt erblickt. Der orleantstische Thronprätendent führt in diesem Manifest eine frhr selbstbewußte Sprache und thut so, als ob die Wiederaufrichtung der orlea- Mischen Königthume» in Frankreich eine Frage der allernächsten Zeit fei. Nicht gewaltsam will aber der Graf von Parts dieser Ziel erreichen, sondern ganz tius legalem Wege durch zweckentsprechende Anwendung der allgemeinen Stimm« i echter; nur müsse da» Land über diesen Uebergang .aufgeklärt" werden. E» felgt dann eine Art Regierungs-Programm der Prätendenten, in welchem betreff» ter inneren Politik allen rückschrittlichen Tendenzen ein Absagebrief erthellt wird, während nach Außen hin dar Ansehen Frankreich« auf friedlichem Wege wieder hergestellt werden soll. Mit einigen schönen Phrasen schließt diese neueste Kundgebung der orleanistischen Prätendenten. Welche Aufnahme dieselbe bei den republikanischen Parteien Frankreich« findet, geht genugsam au« der beißenden Abfertigung hervor, welche ihr der ministerielle „Tempi" zu Theil werden löst. Da« republikanische Blatt meint, da» orleantstische Manifest werde weniger tie Republikaner und da» Land, sondern vielmehr die Rechte selber beunruhigen, iia der Prätendent sich durch da» von ihm befürwortete Plebircit der cäsarischen Doctrin de» Kaiserreich» nähere. Die Monarchie könne nur in Folge eine« Siege« der Anarchie wiederkehren und eine solche Chance der Rückkehr würden Ae französischen Republikaner der Monarchie hoffentlich nicht bieten. Da» Manifest scheint ober selbst bei den dem Grafen von Pari» näherstehenden Partiten keinen besonder» günstigen Eindruck hervorgerusen zu haben, denn da» einflußreiche klerikal-legitimistische „Unioer«" sagt, da» Manifest sei ein Verzicht cuf die traditionelle Monarchie, der Graf von Pari» werde ein Nebenbuhler und Nachahmer der Bonaparte«. Von dieser Ausnahme seine» Schriftstücke» in den Ltgitimistischen Kreisen wird der Prätendent wohl kaum angenehm erbaut sein. Die Ostender Fischer-Krawalle haben, wie sich erwarten ließ, einen Depeschenwechsel zwischen London und Brüssel zur Folge gehabt. Ueber da« Ergebniß desselben verlautet noch nicht», doch ist an einer allseitig besriedi- «enden Beilegung der Affaire nicht zu zweiseln, um so weniger, al« jetzt die aiglischen Fischerboote ihre Ladungen in Ostende wieder ungestört löschen Amen. Den zum Tode verurtheilten Chicagoer Anarchisten fällt jetzt da» 8er, in die Schuhe. Der oberste Gerichtrhos von Jllinoi» hat bekanntlich da» Ansinnen der Verurtheilten, ein Proceßversahren zu eröffnen, durch welche» sie Möglicher Weise dem Stricke hätten entgehen können, zurückgewiesen und da» Todeiurtheil bestätigt. Jetzt wird den Verurtheilten doch Angst, zumal schon der :ll, November als ihr Todestag angegeben worden ist, und sie wollen an den '»bersten Gerichtrhof der Union appelliren. Was doch diese anarchistischen Mordgesellen für elende Kerle find — mit ihren Dynamitbomben haben ste Dutzende von Menschen kaltblütig in ein bessere» Jenseitr besördert; jetzt aber, wo er an ihr eigenes kostbares Leben geht, da bekommen die Most'jchen Spießgesellen Heulen und Zähneklappern! Keutschland. Nowrod, 16. September. Se. König!. Hoheit der Großherzog ritten heute gegen 8V2 Uhr vom Schloß nach der Straße nach Alsfeld, wo Oberft v. Golomb, der Führer des Ostdetachements, eben die Befehle zum Vormarsch ertheilte. Der vorgehenden Kavallerie folgend, begaben Sich Se. Königl. Hoheit nach dem Schmittberg, nordöstlich von Billertshausen, der eine weite Ausstcht gewährte über die Ausstellung des Ostdetachements und den Anmarsch des Westdetachements , das mit dem linken Flügel gegen Gethürms und mit dem Gros gegen Leusel anrückte. Nachdem letzterer Ort genommen war, wurde der Angriff gegen die Hauptposttion des Westdetachements auf dem Ruppler Berg eingeleitet, worauf das Signal zum Einstellen des Gefechts und zur Kritik gegeben wurde. Nach derselben erfolgte der Rückzug des Ostdetachements, da die angekommenen Verstärkungen dem Westdetachemcnt bedeutende Ueberlegenheit gegeben. Der Vormarsch erfolgte noch bis Alsfeld. Se. Königl. Hoheit der Großherzog, begleitet von Sr. Großh. Hoheit dem Prinzen Heinrich und Sr. Hoheit dem Fürsten Alexander, ritten von Alsfeld nach Romrod zurück. Zur Tafel kamen auch Se. Königl. Hoheit der Erbgroßherzog, begleitet von den Hauptleuten v. Schwartzkoppen und Freiherrn v. Stoltzenberg. Nach der Tafel kehrten Se. Königl. Hoheit der Erbgroßherzog in fein Quartier nach Vockenrods zurück. ][ Darmstadt, 18. September. Ihre Großh. Hoheiten die Prin- zefflnnen Irene und Alix find heute früh, über Vltfstngen kommend, aus England hierher zurückgekehrt- — Am Ludwig - Georgs - Gymnasium Hierselbst fand gestern und vorgestern die Maturitäts-Prüfung statt. Dem Examen unterzogen stch 27 Abiturienten, welche fämmtlich bestanden. Als Regierungs-Commiffarius fungirte der Director des Gymnasiums Dr. Becker. Berlin, 17. September. Se. Majestät der Kaiser, Prinz und Prinzessin WU- helm, Prinz Friedrich Leopold und Moltke sind mit Gefolge 9V< Uhr Abends aus Stettin hier eingetroffen. ~ t .o ,, , . . — Graf Herbert Bismarck ist von Friedrichsruhe Abends hierher zuruck- gekehrt. - Gutem Vernehmen nach wird dem Reichstage eine Vorlage wegen der Ausdehnung der Unfalloersicherungspflichl auf eine Anzahl weiterer der Unfallsgefahr unterliegender Betriebe zugehen. Ob die Unfallversicherungsgesetzgebung Aenderungen unterliegt, hangt von den augenblicklich schwebenden Ermittelungen ab. Dänemark. Kopenhagen, 17. September. Nach der heutigen Vorstellung im Theater wird das russische Katserpaar nicht nach Fredensborg zurückkehren, sondern Nachts auf „Der- schawa" bleiben. Montag wohnt die königliche Familie mit den Gasten der Mikado- Vorstellung im Easino bet. England. Dublin, 17. September. Mandeville wurde heute aus dem nämlichen Anlaß wie vordem O'Brien wegen Aufreizung der Pächter zum Widerstande gegen bte Gesetze verhaftet. Mandeville soll mit O'Brien zusammen vor Gericht erscheinen. Amerika. Newport, 17. September. In Folge der Entscheidung des obersten Gerichtshofes von Illinois auf die Berufung der in Chicago zum Tode verurtheilten Anarchisten werden von den Anarchisten Gehetmversammlungen abgehalten und alle Anstrengungen gemacht, um öffentliche Meetings zu organisiren, in welchen gegen die bevorstehende Hinrichtung protesttrt werden soll. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Corresponden-- Bureau. Berlin, 18. September. Se. Majestät der Kaiser ist im besten Wohlsein heute zur gewohnten Stunde aufgestanden. t x . o . — Se. Majestät der Kaiser nahm Vormittags den Vortrag des Ober-Hos- marschalls Grafen Perponcher entgegen und empfing darauf den Besuch der Prinzessin Wilhelm, welche sodann nach Potsdam zurückkehrte. Ilm 12 Uljt empfing der Kaiser den Staatssecretär Grafen Herbert Bismarck zu längerem Vortrag. Nachmittags machte Seine Majestät eine Ausfahrt; auf 4 Uhr ist der Botschafter Graf Münster zur Audienz befohlen 18. September. Der russische Botschafter am Berliner Hofe, Graf Schuwalow, ist gestern über Dünaburg nach Berlin zurückgereist. t m — Der „Neuen Zett" zufolge ist die Uebernahme der Nicolaibahn in die Verwaltung des Staates definitiv beschlossen. Universität- - Ehronik. - ^Friedrich Theodor Vischer f-J Am Donnerstag voriger Woche brachte der Telegraph die Trauerbotschaft, daß der Aesthetiker Friedrich am Mittwoch Abend um V18 Uhr in Gmunden, wohin er sich zum.Besuch ' Verwandten begeben hatte, gestorben ist. Mit ihm ist eine der markantes ch festesten Persönlichkeiten der Jetztzeit, ein unermüdlicher, nie erlahmender Kampfe^ mr das Wahre, Schöne und Gute, eine Zierde der Wissenschaft, aus dem Lebenlgeschttvm. In scharfen Worten zog er gegen alle Lüge und Unnatur zu Fe Faust", der vor Jahresfrist erschienenen dritten neu bearbeiteten Auflage feines , Tragödie dritter Theil, ergießt er seinen ätzenden Spott über ihm mißliebige Zustände unserer Zeit. Es war Vischer vom Schicksal noch vergönnt, in voller Geistes- und Körperfrische seinen 70. Geburtstaa zu begehen und aus dem von Nah und Fern in überraschender Fülle Herbetströmenden Ehren- und Liebesbezeugungen die hohe Genug- thuung zu schöpfen, daß sein Leben und Wirken nicht umsonst gewesen, daß seine Lehren in weite Schichten der Bevölkerung gedrungen und daß dieselben, so lange Schönheit und Wahrheit in der Kunst als oberstes Gesetz gelten, die Richtschnur aller nach ihren Principien schaffenden Künstler bleiben werden. Voll und ganz seine Pflicht tm bürgerlichen wie im öffentlichen Leben erfüllend, blieb er stets seinen Gesinnungen trotz aller Anfechtungen treu und gab hierdurch seinen zahlreichen Schülern ein leuchtendes Beispiel der Charakterfestigkeit und Manneswürde. (Friedrich Theodor Vischer wurde am 30. Juni 1807 zu Ludwigsburg geboren; seit 1830 Pfarrvikar in Horrheim bei Waichingen, habilitirte er sich in Tübingen und wurde 1837 außerordentlicher, 1844 ordentlicher Professor der Aesthetik und deutschen Literaturgeschichte, wegen seiner freimüthigen Antrittsrede jedoch auf.2 Jahre suspendirt; 1848 trat er in die deutsche Nationalversammlung, wo er sich der Linken anschlotz. 1855 wurde er Professor am eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Im Jahre 1866 kehrte er als Professor der Aesthetik und der deutschen Literatur am Polytechnikum nach Stuttgart zurück, von welcher Stellung er 1877 unter Erhebung in den Adelsstand pensionirt wurde.) Gmunden, 17. September. Die Begräbnißfeicr Vischer's fand heute unter größter Theilnahme statt und nahm einen sehr würdigen Verlauf. Von der württem- bergischen Regierung war ein Beileidschreiben eingegangen. Außer zahlreichen, der Feier beiwohnenden Deputationen waren besonders viele Protestanten aus dem Salzkammergut am Grabe anwesend. Hier sprachen der eoangel. Pfarrer Koch (Gmunden), dann Baurath Flattich im Namen der Familie, Schriftsteller Franzos Namens der Wiener „Concordia", Professor Hänel Namens des Comitö's für die Stuttgarter Vischer-Feier, Professor Bach Namens des Stuttgarter Polytechnikums, Professor Zimak Namens der nächsten Freunde Vischer's, Oberbaurath Lenz Namens der ehemaligen und gegenwärtigen Schüler des Verstorbenen. Der Bürgermeister legte im Auftrage der Stadtoertretung Tübingens einen Kranz am Grabe nieder. Mit einem Chorgesang des hiesigen Gesangvereins schloß die Feier. December am Am 1. December 1885 wurden im preußischen und männliche Personen standen Personen vollendete Altersjahre Männer 2 weibliche 1. 1. 1. 1. 1871 1875 1880 1885 104 105 106 107 108 109 110 111 112 115 117 118 120 1 1 27 9 3 33 712 395 283 . 190 123 141 65 31 41 28 19 7 7 8 4 4 13 2 3 1 90 bis 95 Jahren 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 männl. 147 141 128 72 männl. 1878 1791 1505 1703 Junggesellen Ehemänner Wittwer Geschiedene männliche Personen Jungfrauen Ehefrauen Wittwen Geschiedene männl. 433 543 320 306 weibl. 287 240 231 160 weibl. 733 913 527 641 Staat 5648 weibl. 2971 2787 2803 2766 über 105 Jahren 4 7 16 Frauen 3 12 7 10 2 4 5 1 2 1 1 über 100 Jahren Unter den 232 (72 männlichen und 160 weiblichen) über 100 nu™ Personen befanden sich 14 (4 männliche und 10 weibliche), welche im Jahre 1775 oder früher geboren, mithin am Zählungstage 110 Jahre und'darüber att warenLnt r ein 1765 geborener Wittwer, zwet noch in der Ehe lebende Männer aus den 1767 und 1774 und ein 1774 geborener Junggeselle, sowie eine 1768 geborme Wtttw" im Staat 17Ö3 306 72 2766 641 16Ö „In den vorstehenden Zahlen tritt ausnahmslos die größere Langlebigkeit der werblichen Personen hervor. ~ man die Angehörigen der höchsten Altersstufen weiter nach Alter und Familienstand, so ergibt sich, daß von ihnen am 1. December 1885 ' ' 1207 570 454 350 185 281 136 82 82 60 51 25 I 18 18 1 Personen im Alter von 90 Jahren und darüber in Preußen. Durch die Volkszählungen wird bekanntlich auch das Alter der ortsanwesenden Bevölkerung ermittelt. Das bei der letzten derartigen Zählung gesammelte Urmaterial ist vor dem Beginn der Aufbereitung im Königlichen Statistischen Bureau noch einer besonders genauen Durchsicht, namentlich auch in Betreff der Altersangaben, unterzogen worden und hat in Folge der mit vielen Rückfragen verbundenen Prüfung und Berichtigung der Zählpapiere wesentlich an Zuverlässigkeit gewonnen. Allerdings hat dies aber zugleich auch zu einer scheinbaren ziffermäßigen Verminderung der dem höchsten Lebensalter angehörigen Personen geführt. Nach der Altersstatistik der Bevölkerung des preußischen Staats, von welcher wir heute den Abschnitt über die Personen der höchsten Altersstufen kurz berühren wollen, waren im jeweiligen Gebiet der Monarchie vorhanden Personen im Alter von 95 bis 100 Jahren weibliche Personen 641 115 45 d-r im Jahre 1885 über 90 Jahre alt befundenen n i. N. folgendermaßen auf die einzelnen Allersjahre. Es zählten: ____ ---------(2081 männliche 3o67 weibliche) Personen gezählt, welche das Alter von 90 Jahren erreicht bezw. überschritten hatten. Wenn auch inzwischen einige Veränderungen im Stande dieser hochbetagten Personen eingetreten sind, so wird dadurch doch schwerlich die Zahl der gegenwärtig vorhandenen Personen dieser Altersgruppe erheblich vergrößert. Es wurden 1885 gezählt: vollendete Altersjahre Männer Frauen in Ostpreußen im Alter von im Alter von 90 bis 95 Jahren 136 95 bis 100 Jahren 33 über 100 Jahren 10 90 bis 95 Jahren 271 95 bis 100 Jahren 76 über 100 Jahren 17 Westpreußen 137 47 15 281 90 38 Berlin 26 3 _ 73 9 Brandenburg 132 17 1 254 28 5 Pommern 116 17 2 194 37 3 Posen 164 55 25 386 153 54 Schlesien 255 51 8 371 99 30 Sachsen 98 10 — 128 18 Schleswig-Holstein 128 18 2 217 26 2 Hannover 165 18 2 171 28 2 Westfalen 106 11 2 98 19 3 Hessen-Nassau 45 5 2 64 10 1 Rheinland 190 21 3 256 46 5 Hohenzollern 5 — — 2 2 in einem Alter von 90-95 95-100 100—105 Jahren Jahren Jahren 77 20 4 349 74 10 1273 210 31 4 2 — 1703 306 45 178 48 11 100 34 6 2483 558 98 5 1 zwei Jungfrauen aus den Jahren 1770 und 1774, zwei Wittwen aus bem w und fünf Wittwen aus dem Jahre 1775. Unter den in der Prlwime 1772: zählten über hundertjährigen Personen befinbet sich ein lediges Schwesternvaa/°^ Soweit Berufsangaben der über 100 Jahre alten Personen übethnun?01, wiegt bei beiden Geschlechtern die Zahl der Altsitzer, Ausgedinger und die der Ortsarmen, Almosenempfänger und Hospttaliten vor. Daneben beiderseits in kleineren Zahlen Pensionäre, Emeriten und Rentner, ferner IJÄ Männern einige Tagelöhner, Hirten, Kaufleute und Hausbesitzer, sowie ielpL; Förster, Uhrmacher und Oeconom, unter den weiblichen Personen einiae ? löhnerinnen, Mägde und Einliegerinnen, sowie je 1 Hausbesitzerin Q0v Hebamme. Bei 14 männlichen und 66 weiblichen über 100 Jahre alten Vertun-» r die Berufsangabe. Diese Personen lebten wahrscheinlich im Haushalt von oder sonstigen Verwandten. V 9 öon Emdern Vermischtes. X Darmstadt, 18. September. Am heutigen Tage begannen s. Vorsitz des Geh. Medicinalraths Dr. Vix-Darmstadt die Verhandlungen k 2. Verbandstag der Vereine für Reform des Bestattungswesens und facultativer k Om bestaltung, nachdem am Abend vorher im Bahnhofhotel die Begrüßung her zahlreich erschienenen Vertreter aus allen Theilen Deutschlands und Oesterreichs » gefunden hatte. Die Verhandlungen selbst, welche leider unter Ausschluß der stattfanden, befaßten sich meiftentheils mit inneren und Organisationsstaaen lnk ? e im Allgemeinen fein besonderes Interesse. 1 0m boten Bezüglich der Errichtung einer Verbandskasse wird beschlossen, die einer solchen im Princip gutzuheißen und die einleitenden Schritte zu veranlntt dagegen von einer Suboentionirung des Verbandsorgans „Neue Flamme" abiuf/b^ Bezüglich der Schritte zur Gründung eines internationalen Verbandes die Versammlung einstimmig die folgende Resolution: icyltetzt Der Verband begrüßt mit Sympathie die Wünsche zur Gründung ein-s. internationalen Verbandes, sieht jedoch vorerst von einer weiteren Anreonn hierzu ab, indem ihm der geeignete Zeitpunkt noch nicht vorzulteaen Als Ort für den nächstjährigen Verbandstag wird mit Acclamation Wien Prof. Dr. Louis Büchner-Darmstadt stellt hierzu den Antrag: Der Verbands^ möge beschließen, daß die Verhandlungen für die Folge öffentlich sein fallen bamit auch weitere Kreise für die Feuerbestattung interessirt würden, was bet dem eben beliebten Modus der nicht öffentlichen Sitzungen keineswegs der Fall sei. Ferner sollen am Verbandstag öffentliche unentgeltliche Vorträge über Zweck und Nützlichkeit der Feuerbestattung gehalten werden und beschließt die Versammlung einfttmmiae 9h.- nahme dieses Antrages. B Nachdem die Vertreter noch die wirklich musterhaft arrangirte AuLftelluna von auf das Bestattungswesen Bezug habenden Gegenständen, als Aschen Urnen, Aschen- Refte, Zeichnungen zu (Krematorien rc. besichtigt hatten, wobei der Jnspector des GrM Museums Prof. Dr. Adamy einen Vortrag hielt, wurde der Verbandstag geschlossen.' Nachmittags fand ein Festmahl und Ausflug nach Jugenheim statt. Am Montag findet auf Einladung des Frankfurter Vereins für Feuerbestattung Besichtigung der Sehenswürdigkeiten und gesellige Vereinigung in der neuen Börse daselbst statt. △ Mainz, 18. September. Das in Folge des Kirchenconflicts im Jahre 1876 geschlossene^ bischöfliche Priesterseminar wird, wie nunmehr bestimmt ist, am 25. October wieder eröffnet werden. Das Professoren-Collegium ist gebildet: Domdechant Dr. Heinrich für Dogmatik, Domcapitular Dr. Moufang für Moral, Pastoral und Homiletik, Domcapitular Dr. Holzhammer und Dr. Hundhausen für Exegese und Einleitungswissenschaften, Domcapitular Dr. Ohler für Pädagogik und Katechetik, l)r. Brück für Kirchengeschichte und Dompräbendat Dr. Schneider für Liturgik und Kunstgeschichte. Die philosophischen Collegien wird an Stelle des Bischofs Haffner ein Neffe des Domdechanten Heinrich, der seitherige Rector Dr. Heinrich in St. Gallen, die kirchenrechtlichen an Stelle des verstorbenen Domcapitulars Dr. Hirschel Professor Dr. Brück übernehmen. Berlin, 17. September. In der Spandauer Bockbrauerei ist Abends Feuer ausgebrochen; von dem hiesigen Feuerwehrhauptdepot wurden um 7«^ Uhr die Spritzen- mannschaften und gegen 9*/, Uhr Verstärkung hingesandt. Es verlautet, daß die Mälzerei brennt. B erlin, 18. September. Der gestern Abend auf der Spandauer Bockbrauerei ausgebrochene Brand blieb auf die Mälzerei beschränkt. Gegen Mitternacht konnte die Feuerwehr wieder abrücken und die weiteren Löscharbeiten der Spandauer Feuer- wehr überlassen. Dem Vernehmen nach erleidet der Brauereibetrieb durch den Brand keine Storung. Eingesandt. Sietzen, 19. September. ki gestrige Sonntagsnummer enthält den Hinweis des Kirchenvorstandes, daß die Rechnung pro 1886—87 zu Jedermanns Einsicht im Pfarrhause aufliege. , . Ob dies der geeignete Weg ist, sie zur Kenntniß der Gemeindemitglieder zubringen, ist sehr zu bezweifeln. Die Wenigsten von Denen, welche ein Interesse an der Sache nehmen, denen darum ein Einblick in die Rechnung erwünscht sein muß^ werden zu diesem Zwecke ^das Pfarrhaus aufsuchen, da man dieses nicht in derselben zwanglosen Weise betritt, wie ein öffentliches Bureau. Warum wählt man nicht, wie es bei der Rechnungsablage der städtischen Verwaltung geschieht, die Preffe und veröffentlicht nicht ebenfalls die Kirchenrechnung — wenn auch nicht in all' ihren unwesentlichen Einzelheiten - durch das hiesige AmiS- und Anzetgeblatt? (Kin gef. Aeußerung hierüber ist erwünscht. ' A Literarische-. -»V » Universum. Das 2. und 3. Heft des soeben begonnenen neuen Jahr-- ganges des „Universum" (Dresden und Leipzig, Verlag des Universum, Red. Jesks *aSCr) schienen. Was diese schnell beliebt gewordene Zeitschrift iir ftcigenber Progression Vortreffliches leistet, muß die Beachtung der gelammten literarischen und gebildeten Welt auf sich ziehen. Die Ausstattung der Hefte ist wieder eine wahrhaft glanzende. Außer den prächtigen Kunstbeilagen: „Beim Frühschoppen van A. Luden. „Das Vcsrerdrad" von L. Knaus (vollende, schönen Lichtdrucken), wie den in kunst^rischem Holzschnitt wiedcrgegedenen sehr anmuthigen Blättern „Hand in W. Amberg „Gute Freunde" von O. G-bler, „Lagunendors" von Dill^ „Sonntag von I. F. Engel, geben auch die vielen in den Text gedruckten Originals- Illustrationen , wie „Liebeswerbung" von K. Kögler, „Der schwere Schaden" vom Garnpenrieder, „Noblesse oblige“ von A. Mandlick, „Schloß der Königin Anna n v*m C. Wuttke, „Kampfbereit" von I. Ehrentraut und „Das Lustreweibchen von Herterich und Halbreiter 2c. einen ungemein reizvollen Schmuckk Sy ; der beiden Hefte ist wieder 7 Bogen stark und der Preis für ein Heft, nun 50 H, ein geradezu beispiellos billiger. Schiff-Nachrichten. B^ern kn, ^6. Septbr. sPer transatlantischen TelegraphJ Der Postdampfe« 7 ap tanWilligerod, vorn Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am (. öeptor. von Bremen und am 8. Sevtbr. von Southampton abgegangen war, ifii heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. m . Bremen, iß Septbr. sPer transatlantischen TelegraphJ Der PostdampfeN 410,' Kapitän H. Bodeker, vorn Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am ™ n üi°n J^^e.men abgegangen war, ist am 14. September 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen. Lel-graphischer Schifföbericht dec „Red Star Line" Antwerpen. Newyork, 15. September. Der Postdampfer „Nhynland" der „Red Star Line", welcher am 3. September von Antwerpen abging, ist heute wohlbehalten hier angekommen._______ '__________ Handel und Verkehr. Grün berg, 17. September. tFruchtpreise.) Wetzen X 16.90, float x 14.50 «erste X 13.00, Hafer X 11.20, Erbsen X 13.00, Linsen X 00.00, Lein X 00.00 Hamen X 00.00, Kartoffeln X 0.00, Wicken 00.00. F rankfurt, 17. September. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln per Malter X 7.00—8.00, das Gescheit) 12—16 Eier das Hundert X 6 00—8.00, daS St. 6—8 Butter im Großen X 00.00—0000, im Detail das Pfund X 1.20 bis 1.50, Weißkraut per Stück 15—20 H, Rothkraut per Stück 25—30 Kohlrabi Der Stück 3—4 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 Kuh- u. Rindfleisch 45—60 X Slflbfleisch 40—50 Schweinefleisch 65—75 Hammelfleisch 50—65 H, 1 Hahn X 0.69-1.20, 1 Huhn X 1.00—2.50, 1 Ente X 2.00-3.00, Gans Pfund 50—70 H, 1 Taube 40-70 L, Welsche X 10.00—12 00. | Nepertoir der vereinigten Stadttheater zu Aranksurt a. W. Opernhaus. mSSSü sC" & fliegende Holländer. Große Preise. Mittwoch den 21. September: Aida. Außer Abonnement. Große Preise. Donnerstag den 22. September: Walküre. Große Preise. 23. September: Der Hofnarr. Mittelpreise. Außer Abonnement. Samstag den 24. September: Mignon. Große Preise. Sonntag den 25. September: Margarethe. Große Preise. Schauspielhaus. Dienstag den 20. September: Odette. Große Preise. Mittwoch den 21. September: Don Carlos. Große Preise »September: Odette. Große Preise. Außer Abonnement. Freitag den 23. September: Hamlet. Große Preise, Große PE.^ 24* Scptembcr: Neu einstudirt: Maria und Magdalena. Sonntag den 25. September: Maria und Magdalena. Große Preise. Bekanntmachung. Nachdem die vor dem 1. October 1879 bei dem' ehemaligen Hofgerichte Gießen und den ehemaligen Bezirks- strasgerichten Gießen, Alsfeld und Ortenberg erwachsenen, bei der unterzeichneten Staatsanwaltschaft aufbe- wahrten Akten der Strafgerichtsbarkeit soweit zulässig zur Vernichtung ausgeschieden worden sind, so werden alle diejenigen, welche an der längeren Aufbewahrung der Akten ein Interesse haben, ausgefordert, dasselbe innerhalb einer Frist von 4 Wochen dahier an- zmelden und zu bescheinigen. Gießen, den 19. September 1887. Großh. Staatsanwaltschaft. ___________Jöckel.________6968 Mstverfleigerung. Donnerstag den 22. d. M., Vormittags von 9 Uhr an, wird das hiesige Gemeindeobst, bestehend in Aepfel, Birnen, und Nüssen, versteigert. Der Anfang ist am Pfingstweg. Großen-Buseck, 17. Septbr. 1887. Großh. Bürgermeisterei Großen-Buseck. Stephan. 6949 Dbstverstcigermig. Donnerstag den 22. Septbr., Vormittags 9 Uhr anfangend, läßt die Fürstliche Gutsverwaltung Eberstadt und Arnsburg die diesjährige Obsternte, bestehend in Aepfel und Birnen, öffentlich versteigern. Zusammenkunft am Hof in Eberstadt. Eberstadt, den 19. Sept. 1887. 6951 Verwalter Müller Mittwoch den 21. September, Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich auf meinem Bureau verschiedenes Mobiliar, 1 Taschenuhr, 2 Pferde und 1 Kuh. Geißler, 6959 Gerichtsvollzieher. Iieikgebotenes. 6955] FN. Frankfurter u. Wiener Würstel, la. neues Sauerkraut empfiehlt A. Koch Nachf., Hamburger Fisch- u. Delikatessen-Handlg. Strickwolle prima Qualität, empfehlen billigst Geschw. Ueer»9 6952 Neuenweg 7.________ Melin-Theerfeife, erweicht durch ihre Milde alle unter der Haut entstehenden Ablagerungen, entfernt Hautausschläge, und selbst veraltete Ge- fichtsflecken, ä Stück 50 H. 6669__Carl Krombach. Neues Sauerkraut, votlsast. Schwesterkäse (echt Emmenthaler) empfiehlt Willi. Schomber, 5. Neuen Bäue 5. Allgemeiner Anzeiger. 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