Erstes Blatt. Donnerstag den 20. Januar Nr. 16. wpm«™ ^vmiciviug oen &m. Januar ISST Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vrrreau r S ch u l st r a ß e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Amtlicher HheiL reis vierteljährlich 2 Mark 20 Ps. mit Bringerlobn. urch Lre Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps. Betreffend: Die Verwendung von Angehörigen der Forstwarte bei Arbeiten in Domanial- und CommunalwaLungew^^ 1887' Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Groß Herz »glichen Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, deren Gemeinden Wald besitzen, erhalten demnächst ein Exemplar eines Ausschreibens Grosth. Mniiieriums dar Abteilung für Forst- und Cameralverwaltuvg vom 17. Mai 1886, bezüglich der Verwendung von Angehörigen der Forstwarte be, Arbeiten in Commun^ Waldungen zur Nachachtung. uuuuu» ____________________________________ Dr. Boekmann. Betreffend: Die Feuervisitationen. Gießen, den 13. Januar 1887. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Grotzh-rzoglich-n Bürgermeistereien des Kreises. Im Interesse thunlichster Kostenersparniß hat Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz unter dem 22 December irr« „„„„ “’S«.6“ der Visitation der Feuerstätten nur ein Expert- zuzuziehen ist und daß die Besichtigungsbezirk- verkleinert werden. Wir haben deshM dle Besichtlgungsbezlrke neu emgetherlt und die Besichtigung der Feuerstätten m den einzelnen Gemeinden des Kreises den nachverzeichneten Verionen mi» Wirkung vom 25. o. M. an übertragen: w ^",vnen mu 1. dem Zimmermeister Andreas Otto in Gießen die Besichtigung der Feuerstätten in der Stadt Gießen- 2. dem Bezirksbauaufseher Rohrer in Gießen die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Mendorf a. d. Lahn, Garbenteich Groken. Linden, Grunmgen, Hausen, Heuchelheim, Holzheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg- 3. dem Bezirksbauaufseher S en ß selb er in Gießen die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Lollar, Ruttershausen u Stausenbera- 4. dem früheren Bezirksbauaufseher Hahn in Gießen die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Mendorf a. d- Lda. Alien-Bus^ Annerod, Bersrod Beuern, Daubringen, Großen-Buseck Mainzlar, Reiskirchen, Rödgen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck und Winnerod! dem Bezirksbauaufseher Maring er in Grünberg die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Allertshausen, Beltershain, Climbach' Gellshausen, Göbelnrod, Grimberg Harbach, Kesselbach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, ReinhardshZ' Ruddmgshausen, Saajen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain; 9 6. dem Fürstl. Bauinspector Schön in Lich die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Albach, Burkhardsfelden, Dorf-Gill Eberüadt Ober-Horgern, Oppenrod und Sternbach; * 1 ' ’ ' ^essng/n' Besichtigung der^Feuerstätten in den Gemeinden Ettingshausen, Hattenrod, Lich, Münster, Nieder* 8. dem Bezirksbauaufseher H ein eck in Hungen die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinde« Bellersheim, Bettenhausen, Birklar Lunaen Inheiden, Langsdorf, Muschenheim, Ronnenroth, Obbornhofen, Röthges, Trais-Horloff, Utphe und Villingen- 9 ' ö ”3en' 9. dem Maurermeister Dietrich in Langd die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Langd, Rabertshausen, Rodheim u. Steinheim ___________________ 1>r. Boekmann.. Politische Ueberstcht. Gießen, 19. Januar. Die Vorbereitungen zu den Wahlen des 21. Februar nehmen bereits ihren Anfang, indem von Seiten der Behörden an zahlreichen Orten schon die Wählerlisten ausgestellt worden sind. Freilich, Zeit ist auch wahrlich nicht mehr zu verlieren — trennen uns doch vom Tage des Wahlactes selbst nur wenig mehr als 4 Wochen und in diesen knappen Zeitraum muß diesmal Alles zusammengedrängt werden, was sich bei anderen Wahlfeld- zügen sonst aus Monate vertheilen ließ. Jedenfalls wird es nun bald von Wahlaufrufen, Wahlreden und Wahlartikeln wimmeln. In diese beginnende Zeit der Wahlausregung hinein fällt nun der erste Sessions-Abschnitt des am vorigen Samstag zusammengetretenen preußischen Landtages und daß die Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen die Thätigkeit des Landtages in nachtheiliger Weise beeinflussen werden, ist klar. Ebenso erklärlich ist es aber auch, daß die durch die Reichstags- Auflösung gegebene politische Situation auf die Landtags-Verhandlungen nachwirken wird und gilt dies zunächst vom preußischen Herrenhause. Hier stand am Montag der Antrag des Freiherrn v. Solemacher-Antweiler, eines der katholischen Mitglieder der vorjährigen kirchenpolilischen Commission, eine Adresse an den Kaiser zu erlassen, mit auf der Tagesordnung. Die Drucklegung des Antrages sollte erfolgen, wurde aber plötzlich verhindert, wahrscheinlich, weil die Fraktionen am Sonntag über denselben beriechen. Soviel bekannt ist, soll der Antrag ein Verbiet über das Verhalten des Reichstages in der Militärfrage enthalten und wäre ein derartiges Vorgehen eines Mitgliedes der Centrumspartei in der That höchst beachtenswerth. Auch im Abgeordnetenhause werden bei der Generaldebatte über den Etat die letzten großen Debatten des Reichstages allem Vermuthen nach ihr Echo finden und die Reden der Vertreter der regierungsfreundlichen wie der oppositionellen Parteien dürften da zum Theil schon den Charakter von Wahlreden tragen. Im Uebrigen erwarten jedoch auch den Landtag diesmal keine besonders wichtigen Aufgaben; am wenigsten erscheint da noch die Ankündigung einer neuen kirchenpolitischen Novelle, sowie der Vorlage über die Kreis- und Provinzial-Ordnung für das Rheinland, womit die Verwaltungs-Reform ihren erfreulichen Fortgang nimmt. An und für sich bieten aber weder diese, noch die übrigen in der Thronrede angekündigten Vorlagen einen Anlaß zu besonders aufregenden Debatten dar und der Landtag wird seine Geschäfte ruhig abwickeln können, wenn eben nicht aus der Mitte des Hauses selbst heraus aufregende Momente in die Verhandlungen hineinge- izogen werden. Vor Kurzem fand in Berlin abermals eine jener Versammlungen von Eisenbahn-Technikern statt, welche seit einer Reihe von Jahren vom Minister der öffentlichen Arbeiten alljährlich berufen zu werden pflegen- um die zu weiterer Erhöhung der Sicherheit im Eisenbahnbetrieb in Vorschlag gebrachten technischen Maßnahmen zu erörtern und inzwischen gemachte Erfahrungen auszutauschen. Aus dem vom Centralblatt der Bauverwaltung veröffentlichten Verhandlungs-Bericht heben wir die Mittheilung hervor, welche der Vorsitzende, Ministerial-Director Schneider, über die im letzten Herbst vorgekommene Häufung von Ersenbahn-Unfällen machte. Demzufolge find nach den Ergebnissen der angestellten Untersuchungen die vorgekommenen Unfälle weder auf unzureichende Betriebseinrichtungen oder fehlerhaftes Material, noch auf unzweckmäßige oder nicht ausführbare Dienstanweisungen oder Ueberbürdung des Dienstpersonals, sondern lediglich auf Unaufmerksamkeit und Fahrlässigkeit einzelner Beamten, sowie auf Nichtbeachtung bestehender klarer Vorschriften zurückzuführen. Es gehe daraus, fügte der Vorsitzende hinzu, von Neuem hervor, daß die unbedingte Zuverlässigkeit der zahlreichen, im äußern Dienst beschäftigten Beamten stets dis erste Vorbedingung für die Sicherheit des Eisenbahnbetriebes bilde. Deshalb müsse von den Verwaltungen mit größter Sorgfalt daraus gehalten werden, daß in allen einzelnen Zweigen des Betriebsdienstes nur zuverlässige, pflichttreue und mit ihren Obliegenheiten durchaus vertraute Beamte zur Verwendung kommen. Der bayerische Minister des Auswärtigen, v. Crailsheim, ist am Montag Vormittag in Berlin eingetroffen und steht seine Anwesenheit in der Reickshauptstadt augenscheinlich mit den Fragen, welche durch die Auflösung des Reichstages hervorgerufen worden sind, in Verbindung. Der österreichische Reichsrath ist laut kaiserlichem Erlaß auf den 28. Januar einberufen worden. Eine der ersten Fragen, die den Reichsrath gleich bei seinem Zusammentritte beschäftigen werden, dürfte diejenige des Austrittes der deutschen Abgeordneten sein, da verlautet, daß diese Angelegenheit von liberaler Seite zur Sprache gebracht werden soll. Wie bekannt, sind die ausgetretenen Abgeordneten mittelst Rescripts des Oberst-Landmarsckalls von Böhmen vom 9. d. Mts. aufgefordert worden, binnen 14 Tagen eine Erklärung an ihn gelangen zu lassen, ob sie ihre Sitze wieder einzunehmen gedenken, widrigenfalls sie ihrer Mandate für verlustig erklärt werden würren. Es ist kaum zweifelhaft, baß die deutsch-böhmischen Abgeordneten entschlossen sind, auch diese lktzte Confiquem ihres parlamentarischen Strik.s zu tragen. — Im ungarischen Unterlaufe erklärte am Samstag Ministerpräsident Tisza bei der Budgetdebatte, er würde sich durch die Angriffe der Opposition nicht irre machen lassen und forderte er schließlich die Abgeordneten auf, sie möchten ihr Votum ohne jede Rücksicht auf Personenfragen abgeben. Die bulgarische Rundreise-Deputation ist am Sonntag ftüh in Rom.eingetroffen und dürste sie im Laufe des Montag vom Minister des Auswärtigen, Grasen Robilant, empfangen worden sein. Die bulgarischen Herren werden schwerlich mit irgendwelchen Illusionen nach der Siebenhügel- Stadt gekommen sein, nachdem Gras Robilant schon vorher erklärt hatte, er könne den Bulgaren nur rathen, sich auch ferner der größten Mäßigung zu befleißigen. Es klingt dies freilich ein bischen anders, als die Rede, welche Graf Robilant noch vor einigen Wochen in der Deputirtenkammer hielt und in welcher er so bestimmt versicherte, Italien habe gewichtige Interessen im Oriente zu vertheidigen und würde es nöthigenfalls selbst auf das Aeußerste ankommen taffen — eine Drohung, die offenbar an die Adresse Rußlands gerichtet war. Inzwischen scheint man aber im römischen Cabinet zu der Ueberzeugung gekommen zu sein, daß die Interessen Italiens in der bulgarischen Frage doch nicht so groß sind, um nöthigenfalls mit gewaffneter Hand gewahrt zu werden und diese Ueberzeugung wird man auf dem römischen auswärtigen Amte wohl auch der bulgarischen Deputation gegenüber ausgesprochen haben. Die Herren werden in der That reich an Enttäuschungen, wie an Erfahrungen nach Sofia zurückkehren! Zwischen Serbien und der Pforte herrscht jetzt plötzlich dicke Freundschaft. Der türkische Gesandte in Belgrad, Zia Bey, überreichte dem König Milan in einer Privat-Audienz ein eigenhändiges Schreiben des Sultans, in welchem derselbe für den ihm verliehenen Orden vom Weißen Adler dankt. Gleichzeitig wird aus Konstantinopel gemeldet, daß der neue serbische Gesandte, Rooakovic, vom Sultan in sehr herzlicher Weise empfangen worden ist. Wenn irgend Jemand Grund hat, von dieser überraschenden serbisch-türkischen Freundschaft gerade nicht besonders erbaut zu sein, so ist es die bulgarische Regierung, die sich ja mit der Pforte nicht am allerbesten steht, während anderseits die serbisch«bulgarischen Beziehungen wieder in ein freundschaftliches Geleis eingelenkt haben. Die Reichs Lagsreden des Fürsten Bismarck haben jenseits der Vogesen die Wirkung geäußert, daß regierungsseitig die Parole ausgegeben worden ist: „Einstweilen ruhig!" Ministerpräsident Goblet soll allen Beamten, den ihm zugänglichen Zeitungen und selbst der Patrioten-Liga die Weisung haben zugehen lassen, sich sür den Augenblick ruhig zu verhalten und Deutschland nicht zu reizen. General Boulanger soll beschlossen haben, die Festungen an der Ostgrenze Frankreichs bedeutend zu verstärken, namentlich Toul und Verdun. Außerdem sollen noch mehrere unweit der deutschen Grenze gelegene Orte Garnisonen erhalten, z. B. Etam, wohin dem Vernehmen nach ein Jäger- Bataillon kommt. In der belgischen Arbeiterschaft scheint die Strikebewegung nie zur Ruhe kommen zu wollen. So striken jetzt wiederum im Kohlenbecken von Charleroi 2000 Arbeiter und befürchtet man, daß die Zahl der Strikenden noch wachsen werde. Daneben wird die Agitation zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts mit ungeschwächten Kräften fortgesetzt. In Maschiennes au Pont fand am Sonntag eine Kundgebung in dieser Richtung statt, an welcher sich etwa 4000 in den dortigen Kohlengruben beschäftigte Arbeiter Beteiligten; in dkr Versammlung wurde auch die Einsetzung von Schieds- und Sühnegerichten als eine der Hauptforderungen der Arbeiter bezeichnet. Das Meeting verlief in größter Ordnung und auch die Strikebewegung int Kohlenreviere von Charleroi hat bis jetzt noch keinerlei Ausschreitungen gezeitigt. , Telegraphische Depeschen. Wolff s telegr. Correspondenz - Bureau. Pari-, 18. Januar. Im heutigen Ministerrathe zeigte der Marineminister an, daß er die Specialvorlage über die Ausführung von Schiffsbauten und Marineanlagen zurückziehe und nur auf mehrere Jahre vertheilte außerordentliche Creditbewilligungen verlangen werde, die keine 4 Millionen jährlich übersteigen. Konstantinopel, 18. Januar. sMeldung der „Agence Havas"0 Dankow soll bei dem Empfang mehrerer hier ansässiger Bulgaren erklärt haben, er hoffe, die bulgarische Krise demnächst mit Hilfe der Türket beizulegen. London, 18. Januar. Drummond Wolff ist heute früh über Wien nach Konstantinopel abgereist. Rom, 18. Januar. Beim Empfange der bulgarischen Delegirten durch Robilant legten die Delegirten die Sachlage dar und drückten den festen Entschluß aus in der bisherigen Haltung, welche Bulgarien die allgemeinen Sympathien erworben hätte zu verharren. Robilant sprach offen seine Ansicht dahin aus, daß sofort nach Rückkunft der Deputation nach Sofia die bulgarische Regierung einen definitiven Entschluß fassen müsse. Man müsse zwischen zwei Dingen wählen, entweder den gegenwärtigen provisorischen Zustand aufrcchthalten, welcher, wenn fortgesetzt, Europa mit Besorgnissen und Unbehagen erfülle und demnach die guten Gesinnungen der Mächte gegen Bulgarien beeinträchtigen und das Land im entscheidenden Moment isoliren könnte oder man müsse mit Rußland einen Ausgleich fachen, welcher durch aufmerksame Inbetrachtziehung der Bestimmungen des Berliner Vertrags und des Konstantinopeler Protokolls nicht unmöglich sei. Robilant bemerkte, Italien wolle keinen Rath ertheilen da es jeden Schein einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten Bulgariens vermeiden wolle, welches allein über die geeigneten Mittel zur Erreichung eines Resultats zu beschließen habe. Stockholm, 18. Januar. Der Reichstag wurde vom Könige mit einer Thronrede eröffnet, worin der Stand der Finanzen als befriedigend bezeichnet wird - dieselben hätten bedeutende Ueberschüsse ergeben, die Ernte im Vorjahre sei eine ziemlich gute gewesen. Handel und Industrie litten unter dem auch in anderen Ländern herrschenden Drucke; es werde hierin baldigst eine Besserung erwartet. An Vorlagen würden dem Reichstage zugehen ein revidirtes Verkehrsgesetz zwischen Schweden und Norwegen ein Gesetzentwurf, betreffend die Umänderung der Privatzettelbanken, ein neues Preßgesetz ferner Entwürfe, betreffend die Eintragung von Firmen und Prokuren in die Handelsregister, und über die Branntweinproduktion. In Aussicht genommen seien auch Reformen im Schulwesen. London, 18. Januar. Das englische Kanonenboot „Firm" ist heute früh bei Beaduell an der Küste von Northumberland gescheitert. Die Mannschaft wurde gerettet. Lokales. Gießen, 19. Januar. Eoncert. (Sonate f-dur für Elavier und Violine — Grieg; Arie a. d. Oper „Joseph in Egypten" — M6hnl; Phantasie für blavier — Mozart; Eoncert für Violine — Mendelssohn; Frühltngslied — Gounod - Margarethe — Jensen; Berceuse — Chopin; Spinnerlied — Wagner-Liszt; Ztgeu'nerweisen — Sarasate;......für Elavier und Violine — Carl Bohm). Das vergangene Jahr hatte uns Teresina Tua zugeführt, das neue brachte uns im gestrigen Extraconcert Arma Senkrah. Eine Parallele zwischen beiden Künstlerinnen drängt sich unwillkürlich auf. Freilich dürfen wir nicht vergessen daß wir nur das schon durch tausend neue Eindrücke verdunkelte Erinnerungsbild von Tua's Spiel dem ersten gestern Gehörten gegenüberstellen. Mag man aber diesem Umstande noch so sehr Rechnung tragen, man kann nicht leugnen, daß Arma's Technik wert dedeutenoer ist. Ich habe nicht einen Fehlgriff gehört, ob auch die Töne w schwmdelnder Hohe emporstrcgen; Doppelgriffe und Octavengänge waren glockenrein cm» 'r,f a^9erunej1 auSgcglidicn, ihr Flageolet wahrhaft bezaubernd schön! Ist auch ihr Ton nicht. großer, so ist er doch noch poetischer und duftiger. Beider Vortrag ist verschieden rote ihr Naturell. Namentlich in den Sarasate'schen Composilionen T'-c a Itnterfdjieb auf. Teresina spielt rote eine heißblütige Südländerin, keck r-nJ? ÄU • rr •r51a w 5 c*n,c Deutsche, noch empfindungsvoller und ergreifender. Teresina mchelt vielleicht noch reizender; ihr Abheben des Bogens nach effectvollen pizzlkato- Passagen rst berückend; die Gluth, die sie jedem Stücke einhaucht und die sich in allen ihren Bltcken und Bewegungen leise auf den Zuhörer — besser Zuschauer — überträgt uno ihn gefangen nimmt, vielleicht noch bezaubernder, Arma ist ruhiger; ihr Feuer lodert nur im Spiel auf, ohne darum ihr ganzes Wesen derartig in Leidenschaft zu ziehen; um ihre Lippen schwebt nur selten ein verstohlenes Lächeln, wenn sie Studien tut Zufchauerraum macht, doch dafür ist sie technisch gewissenhafter. Bald klingt ihr Spiel wie Gesang, bald rote Sprache, bald wie eine Erzählung. Die Grieg'sche Sonate war entzückend vorgetragen, namentlich im zweiten Satze märchenhaft schön, die Ztgeunerroetsen so phantastisch originell, daß man gar nicht auf die fabelhaften technifchen Schwterigkeiten achtete. Ihr Staccato bei ruhigem Arm mit den unter; bre$cnben pizzikato griffen war meisterhaft gelungen. Das Mendelssohn'sche Eoncert habe ich, namentlich in der Cadenze nie schöner spielen hören. Der Beifall der Zuhörer war darum nach jeder Nummer enthusiastisch, und werden wir hoffentlich bald wieder Gelegenheit haben, die ausgezeichnete Künstlerin hier zu hören. Emma Großkurth haben wir, wenn ich nicht irre, vor 5 Jahren schon hier gehört mit dem es-dur-(5oncert von Beethoven. Was sie uns gestern darbot, zeigte, daß sie technisch namentlich ihr Handgelenk beim staccato mußte ich bewundern — eine bedeutende Höhe erreicht hat. Die Mozart'sche Phantasie schien vielleicht Manchem zu virtuos aufgefaßt und gespielt; doch kommt man vielleicht leicht zu diesem Glauben, weil nur jene§ Stück fast blos von Dilettanten hören, an deren Temponahme und Vortragsart wir uns allzusehr gewöhnt haben. Sie wird in so viel Familien und Gesellschaften heruntergetrommelt, daß es sicherlich interessant war, sie einmal von einer techmfch vollendeten Künstlerin zu hören. Die Berceuse konnte vielleicht noch duftiger gespielt werden, doch war dies bei der polaren Kälte im Saale rein unmöglich. Das Spinnerlied setzte die technischen Vorzüge, wie die feine geistvolle Vortragsart der jungen ^-ame in das beste Licht. Ihre oft sehr schmierige Begleitung der Violin- nummern und Lieder war bescheiden und decent. Der laute Beifall war so wohl berechtigt. „ Gesangssolist trat uns zum ersten Male ein junger Tenorist Werner Alberti entgegen. Besitzt er auch nicht das Riesenmaterial eines Mirzwinsky, fo ist doch seine Stimme weich und sympathisch, ihr Umfang groß, sein Vortrag durchgeistigt HPi dramatisch belebt. Sehr schön war namentlich das Gounod'sche Lied gesungen. Die Aussprache war deutlich, ohne störende Sprachfehler; man verstand jedes einzelne berechtigt der junge Mann, der noch in Berlin studirt und besonderer Liebling seiner Lehrer ist, bei seiner musikalischen Begabung und geistigen Vorbildung zu den besten Hoffnungen. Werner Alberti ist nur nom de guerre, der wahre Name besteht fast blos aus Consonanten, denn sein Träger ist ein Pole. Ein „Glück auf" dem jungen Talent. Vermischte». Darmstadt, 17. Januar. In Vilbel tritt seit dem Anfang dieses Monats der Unterleibstyphus in ganz außergewöhnlicher Ausdehnung auf. Gestern befanden sich etwa 120 daran Leidende in ärztlicher Behandlung; bis jetzt sind zwei der Er- krantten gestorben. Der ziemlich gleichzeitige Beginn der meisten Erkrankungen, sowie die, Verbreitung der Krankheit über alle Straßen, alle Stände und Altersklassen lassen aus eine allen gemeinsame und allgemein zugängliche Jnfectionsquelle schließen, über deren Natur man allerdings bis jetzt nur Vermuthungen hegen kann. dem drohenden Nothstande gegenüber die öffentliche und private Hilfs- thattgkeit zu organifiren, ist im Einverständniß mit dem Gemeinderath eine besondere Commission zusammengetreten, welche tägliche.Zusammenkünfte abhält und an deren gestriger Berathung der Großh. Geh. Obermedicinalrath Dr. Reißner, sowie der zuständige Großh. Kreisarzt, Medicinalrath Dr. Lorenz zu Friedberg theilnahmen. Die Kommission besteht aus dem Großh. Bürgermeister, mehreren Mitgliedern des Gememderaths, den Geistlichen beider Confessionen und den beiden Aerzten. Der Ort rst in fünf Bezirke getheilt, in jedem fungirt ein gemeinderäthliches Mitglied der Commission als Vertrauensmann und eine Berufspflegerin. Von letzteren sind bis jetzt zwei Diakonissen, zwei barmherzige Schwestern und eine Pflegerin des Alice- Frauenvereins durch die betr. Korporationen zur Verfügung gestellt und eingetroffen. Wegen Beseitigung der ansteckungsfähigen Abgänge, Lieferung und richtiger Anwendung der. Chemikalien zur Desinfection, Vertheilung von kräftigen Nahrungs- und Stärkungsmitteln u. s. w. find die nöthigen Anordnungen getroffen. Die an den Erkrankungen stark betheiltgten Schulen wurden bereits im Lause der letzten Woche geschlossen. - _ Glücklicherweise besitzt Vilbel ein neu erbautes, zweckmäßig eingerichtetes Hospital, an welchem, rote schon seither, zwei weitere Pflegerinnen des Altce-Frauen- vereins wirken. Die Anstalt, welche seither nur 16 Kranke aufzunehmen im Stande war soll durch Ergänzung des Inventars schleunigst auf eine Belegfähigkeit von 25 Betten gebracht werden, wofür der Raum reichlich vorhanden ist △ Mainz, 18. Januar. Die Passagiere des heute Morgen gegen 12 Uhr von Traiectbootes gerieten in keinen geringen Schrecken, als plötzlich in der Mitte des Stromes aus dem Schornstein des Schiffes eine hohe Feuersäule mächtig in die Hohe stieg. Mit verdoppelter Kraft steuerte das Boot, das mit der Feuergarbe von dem Lande aus einen ungewohnten Anblick gewährte, gegen das diesseitige Ufer, setzte hier die Pasiagtere aus und fuhr schleunigst, ohne neue Passagiere aufzunehmen, roicoer in die des Rheins, wo sich die Flammen allmälig in mächtigen schwarzen Kolken auflosten. Das ganze Vorkommniß ist auf eine Ueberheizung der Maschine zuruckzufuhren öeroesen und war die einzige Gefahr dabei, daß von den sortfliegenden funken sich das Zeltdach des Schiffes entzündet hätte, wodurch unter Umständen die Sache für die Passagiere hatte unangenehm werden können. X Dom Rhein, 18. Januar. Der Rhein bringt seit verflossener Nacht nun- mehr auch sehr starkes Treibeis. Die Schiffbrücken von Köln, Worms und Koblenz find abgefahren. Letztere Brücke wäre beinahe vom Eis mitgerissen worden, wenn nicht rasch militärische Hulse bet der Hand gewesen wäre. Die für Coblenz vorgesehene Vermehrung der Garnison findet wegen Mangel a.n E a se r n e nr a um en ntcht statt. Eine andere für Coblenz projectirte neue Einrichtung, eine Straßenbahn, scheiterte an dem Mangel an Geldmitteln. Mainz, 17. Januar. Wir haben schon jüngst erwähnt, daß die ehe- österreichische Militärbäckerei für die Fabrikation von Feldzwieback wieder 2 werden soll. Die Jntriebsetzung dieser Bäckerei zu dem genannten Zwecke ist nun auf kommenden Donnerstag den 20. dieses Monats festgesetzt und IT be-n befindlichen Truppentheilen 40 Bäckergehilfen commandirt, um in bet -öarferei thcttig zu fein, Feldzwiebacke bestehen lediglich aus Weizenmehl D?n ""d Kümmel. Wie wir vernehmen, soll jeder Bäcker mittelst einer eigens dafür angefertigten Maschine im Stande sein, per Tag 3000 Zwiebacke anzufertigen. /&. ».L°^n^^ndlung in Darmstabt Unsallversicherungswesen ber 3 F fl ^:;r-&ra5fmDerf,d)erun«§: »nd 4. Th-il bildet d?r Anhang ' b,0rclft 6ab neue Hessische Gewerbsteue. gesetz, den W die Gewerbe-Ordnung von 1869 °°n 8u8fa6rmÄ UrX »u bSm 6effe6t eJne Anzahl ganze Je/be§ ©efefeel in bet «affunn nwr*. ”orüc9enbm Theile ist der es äs Behörde (Kreisausschuß, Kreisamt, Bürgermeisters augegchen 'usiänbige Hilfskaffen §°mw ü'nL Verücksichtikun^d'^kll Unebenen wobei die Slenbcrunaen unb fflr. ? S?0untB be.r Novelle vom 1. Juni 1884, SWOsWMMM unb ©octalifte8n7ne)feft <1874 uith’is™'"™ ” Verordnungen, Wuchergesetz (1880), Preß- (1870 unb 1876). ° Unb 1878-*' Genoffenschaftsgesetz (1884), Urheberrechtsgesetze roirb in d-n weitesten Kreisen freudigst begrüßt -I- .taSSSXJ/JS*' mb b" »->- <"» i™ AllMkim Nereiil für Armk«- itnii KmiWpßege. Aufr u f. Es sind nun fast zehn Jahre her, seit der Frauenverein zur Pflege der Armen und Kranken in unserer Stadt Schwestern aus dem Diaconissenhause in Darmstadt berufen hat. Das damals in sehr bescheidener Weise begonnene Werk hat sich seitdem in erfreulicher Weise entwickelt. Statt einer stehen jetzt 5 bis 6 Schwestern in der Arbeit. Neue Tätigkeiten sind zu den alten hinzu- gctreten; ein Kreis von Damen hat sich um die Schwesteim gesammelt zu allerlei Arbeiten für die Armen; seit der Umgestaltung des Frauenvereins in den Allgem. Verein für Armen- und Krankenpflege ist eine Pflegcanstalt für Säuglinge aus solchen Familien, bei denen Vater und Mutter der Arbeit nachgehcu müssen, eine sogenannte Krippe, begründet. Daß uns das möglich war, verdanken wir in eyter Linie dem einsichtsvollen Wohlwollen der städtischen Behörden, welche unseren Schwestern eine Heimath im städtischen Hospital gewährten und die ihnen überlassenen Räume dem Bedürfnisse entsprechend erweiterten. Aber die im Hospital überhaupt verfügbaren Räume wollen nun schlechterdings nicht mehr zureichen. Die Einrichtung der Krippe, Küche und Schlasräume wollen den bescheidensten Ansprüchen nicht mehr genügen. So schwer es uns auch wird, die warme Herberge im Hospital aufzugeben, so mußten wir nunmehr doch auf eine Aenderung bedacht sein. Ermuthigt wurden wir dazu besonders durch die großmüthige Stiftung der hiesigen Spar- und Leihkasse, welche uns vor zwei Jahren an ihrem 50 jährigen Stiftungsfeste ein Kapital von 8000 Mark schenkte. Natürlich reicht das bei weitem nicht aus zum Bau eines Hauses, das nicht bloß die Wohnung für die Schwestern enthalten, sondern auch Räume für die Krippe und sonstige Werke bieten soll. Was uns sonst schon im letzten Jahre an besonderen Einnahmen zugeflosscn ist, kann für den Bau nicht verwandt, sondern muß als ein Fonds für die Bestreitung des Haushalts zurückgehalten werden, da unsere regelmäßigen Einnahmen in erster Linie für die Unterstützung der Armen und Kranken bestimmt sind, und schon dazu kaum genügen. Wir wenden uns daher an die vielerprobte Mildthätigkeit unserer Mitbürger mit der Bitte, uns mit Gaben für den Bau und die Einrichtung des Hauses zu unterstützen. Die segensreiche Thätigkeit der Schwestern ist so allgemein anerkannt, daß es überflüssig wäre, ein Wort darüber zu verlieren. Wir hegen die gute Zuversicht, daß alle die, welche schon "die Wohlthat der Pflege der Schwestern erfahren haben, uns gerne behilflich sein werden, ihnen und ihren Arbeiten ein zweckentsprechendes Heim zu beschaffen. Zu diesem Behufe beabsichtigen wir, nach Weihnachten eine Sammlung von Haus zu Haus zu veranstalten, und bitten herzlich, unsere Mitglieder, welche sich der Mühe der Einsammlung unterziehen wollen, freundlich aufzunehmen. Außerdem sind die Unterzeichneten, die Gesammtheit der arbeitenden Mitglieder des Vereins, bereit, Gaben cutgegenzunehmen. Gießen, den 23. November 1886. [429- Der Vorstand: Th. Baist. Dr. Baur. Aug. Hetz. E. Kaufmann. Aug. Mayer. Nover, Amtmann. Schlosser, Pfarrer. H. Vogt, Stadtverordneter. Fr. Bürgermeister Bramm. Fr. I. Haustein. Fr. Homberger. Fr. Professor Riegel. Frl. Cl. Simon. Frl. P. Stammler. Fr. Landgerichtsdirector Stammler. Frl. A. Windeckcr. Die Bezirksversaminlungen: W. Iierber, Bezirksvorsteher des Wallthors. Ehr. Wanfa, Direktor. O. Kempf. Schwabe, Realgymnasiallehrer. Winter, Bürstenmacher. Frl. A. Manfa. Fr. Dock. Frl. O. Wuff. Frl. Keyer. Fr. O. Kempf. Frl. Wortmann. Gebhardt, Amtsrichter, Bezirksvorsteher des Neuenwegs. Kubel, Lehrer. Wasfauer, Kaufmann. Scherer, Gymnasiallehrer. Fr. Koümann. Fr. IunK. Frl. O. Mettenheimer. Frl. Math. Scheerer. W. Emmerich, Bezirksvorsteher des Selterswegs. Dr. Schürer, Professor. Schwan, Weinhändler. Zimmermann, Uhrmacher. Fr. Dr. Mur. Frl. Jüngst. Frl. -Langermarm. Frl. c^ips. Fr. Professor Sisbeck. L. WlanK, Bezirksvorsteher der Neustadt. Kahn, Kohlenhändler. K. Schmass, Fabrikant. Ä. M. Schulhof, Kaufmann. M. Stuhl, Kaufmann. A. Wilker, Eisenbahnsecretür. Fr. Aanfa. Frl. Mramm. Frl. S. Walther Fr Weidig. Lang-Göns am 19. Januar 1887. 480 Metzel Die trauernden KinterblisSsnsn. Donnerstag 410 E. stud. theol. ert Unterr. ev. über«, er d. Schülerarbeiten. Näh. in d. Exp. 496 Darmstädter Haus Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Nachricht, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, unser inniast geliebtes Töchterchen Ijina Zllisab^tha im Alter von 1 Jahr 9 Mon. nach kurzem Leiden heute zu sich zu rufen. Gießen, den 18. Januar 1887. 488 Die trauernden Eltern I. Wahl Frau. Mr die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei dem Hinscheiden und der Beerdigung unserer lieben Gattin und Mutter, insbesondere den Schwestern für ihre aufopfernde Pflege, sowie für die reiche Blumenspende und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Dingeldey am Grabe der Verstorbenen sagen innigsten Dank 490 Wilh Junker und Kinder. 497 Ein Logis im ersten Stock, sechs Zimmer mit Zubehör, zu vermiethen. ____PH. Strack, Bahnhofstraße 58 491 In meinem Hause, Ludwigsftraße^ ist eine Mansardenwohnung zu vermiethen. P. Ruckstuhl, Dachdeckermeister, Neuenweg 38. Medaction: A. Scheydü. — Druck und Vertag b-:r Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Vt-tsch) i» Metzen. Die heutige Nummer enthält 2 Blätter. Für etwaige Forderungen au mich bitte ich Rechnung on Herrn Carl Zimmermann, Neuen Baue 15, abzugeben. Ebenso bitte ich an mich laufende Beträge an M. Weiner, Echzell zu berichten. 487 Achtungsvoll M. Weiner. Mangels der Zeit einzelne Abschiedsbesuche abzu- statten, sagen wir auf diese Weise unsern Freunden und Gönnern, sowie unserer werlhen Nachbarschaft ein herzliches Lebewohl bis zu unserm nächsten Eintreffen nach hier. 489 Achtungsvoll M. Weiner und Frau. 484 Ein Hündchen zugelaufen. Ab- zuholen Wettergasse 5 V.________________ 446] Nachhilfestunden werden crtheilt v. e. atud. theol. Asterweg 4ft ill. Danksagum Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Vaters, Großvaters und Schwiegervaters Jksitoo Wagner V., Sparkafferechner, sowie der Gemeinde Crumbach, wo der Verstorbene seine letzten Tage verlebte, für ihr freundliches Entgegenkommen innigsten Dank. 485] Freundlich möblirtes Zimmer zu vermiethen. Schulstraße 4. 486 Die Wohnung im 3. Stock meines Vorderhauses ist per 1. Mai eoent. früher zu vermiethen. Chr. PH. Euler, Ludwigsstraße 14.