Amts- und Anzeigeblatt für dm Kreis Giehcn. 11187. dVt. 29S Viertes Blatt Sonntag den 18 Decembcr »WMIU Gchulstr.ße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. £td* !*lCTm W*2 B Durch die Post bezogen vierteliLhrlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher HyeiL. Betreffend: Maßregeln gegen das Vagautenthum. Bekanntmachung. Nachdem der Kreistag die Errichtung von Naturalverpflegungsstationen in Gießen, Hungen und Grünberg genehmigt hat, ist diese Einrichtung de« 20. November l. I. in's Leben getreten. In diesen Verpflegungsstationen erhält jeder unbemittelte Durchreisende freie Verpflegung und freies Nachtlager. Durch diese Einrichtung ist für die Unterstützung von armen Reisenden hinlänglich Sorge getragen. Die Unterstützungen werden gegen eine entsprechende Arbeitsleistung der Nachsuchenden gewährt. Durch die Errichtung dieser Stationen soll dem Haus- und Straßenbettel Durchreisender entgegengewirkt werden. Zur wirksamen Durchführung dieser Anordnung ist aber vor Allem erforderlich, daß die durchreisenden Bettler keine Unterstützung von Privatpersonen mehr erhalten. Die Bewohner des Kreises werden daher dringend ersucht, keinerlei Almosen au Durchreisende vom 20. d. Mts. an mehr zu gewähren, sondern dieselbe« an die NaturalverpftegungSstationeu zu verweisen. Die Naturalverpflegungsstationen befinden sich: 1) in der Herberge zur Heimath zu Gießen, 2) bei Herrn Kourad Groß in Grünberg, 3) bei Herrn Wilhelm Heßler in Hungen. Die Vorstände der Naturalverpflegungsstationen sind in Gießen das Großherzogliche Polizeiamt und in Grünberg und in Hungen die betreffenden Großherzoglichen Bürgermeistereien. Mit der Verpflegungsstation ist nun auch eine Arbeitsnachweisestelle verbunden worden. Wir richten daher an alle Industrielle, Gewerbtreibende und Landwirthe, welche Gehülfen und Arbeiter bedürfen, das Ersuchen, die Vorstände der Naturalverpflegungsstationen hiervon in Kenntniß zu setzen, damit ihnen vorkommenden Falles die die Stationshülfe in Anspruch nehmenden Arbeitsuchenden zugewiesen werden können. Gießen, im November 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmanu. Darmstadt, 15. December. Das Großh. Regierungsblatt (Bellage Nr. 30) enthält: 1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Organisation der Un-allverstcherung betreffend. 2. Summarische Uebersicht der Rechnung Großh. Landes-Waisenanstalt zu Darmstadt für 1886/87. 3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1887 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Heppenheim. 4. Ordensverleihung. 5. Namensveränderung. 6. Dienstnachrichten: Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 29. Noobr. dem mit Wirkung vom 1. Januar 1888 ab nach Darmstadt versetzten Postinspcctor Hartmann aus Hannover in gedachter Eigenschaft die landesherrliche Bestätigung zu erthetlen. Am 16. Novbr. wurde dem Schullehrer Ernst Winter zu Steinbuch die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Etzen-Gesäß übertragen; am 18. Noobr. wurde der von dem Herrn Fürsten zu Solms-Ltch auf die 3. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lich präsentirte Schulamtsaspirant Wilhelm Zimmer au» Lich für diese Stelle bestätigt; am 23. Noobr. wurde dem SchulamtSaspiranten Heinrich Fink aus Beienheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Köddingen , am 25. Novbr. wurde dem Schulamtsaspiranten Friedr. Jakob Steiger aus Langen-Brombach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ostheim, an dems. Tage wurde dem Schullehrer Friedrich Weitz zu Rodheim v. d. H. eine Lehrerstelle an dec Gemeindeschule zu Beffungen, an dems. Tage wurden dem Schullehrer Karl Lepper zu Nieder-Stoll und dem Schulamtsaspiranten Phil. Schmäht aus Wöllstein Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Reichelsheim t. W. übertragen; an dems. Tage wurde der von dem Herrn Grafen zu Solms- Laubach auf die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Laubach präsentirte Schullehrer Jacob Spilger daselbst für diese Stelle, am 27. Novbr. wurde der von dem Kreisrath und dem kathol. Pfarrer zu Heppenheim auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kirschhausen präsentirte Schuloerwalter Adam Linden- schmitt daselbst für diese Stelle bestätigt; am 29. Novbr. wurde dem Schulamtr- asptranten Peter Gatzert aus Ostheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nidda übertragen. Am 31. Octbr. wurde dem Pfarrer Lerker zu Zellhausen die kath. Pfarrstelle zu Mörlenbach, am 2. Noobr. wurde dem Pfarrverwalter Danz zu Gabsheim die kath. Pfarrstelle zu Gundheim, an dems. Tage wurde dem Pfarrer Hrlbig zu Hridesheim die kath. Pfarrstelle zu St. Quintin zu Mainz übertragen. 7. Ruhestandsversetzungen. 8. ConcurrenzeröMngen: Erledigt sind: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an Der Gemeindeschule zu Strebendorf mit einem Gehalt von 900 JL Mit der Stelle ist Kirchendienst verbunden. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrersttlle an der Gemeindeschule zu Welgesheim mit einem Gehalt von 900 Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Darmstadt, 16. December. Durch Verfügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz wurden die Gerichtraccesfisten 1) Franz Hosstn- ger aus Worms, 2) Hermann Kampf aus Osthofen, 3) Friedrich Kolb aus Dieburg, 4) Dr. Josef Kuhn aus Mainz, 5) Dr. Otto Lichte» aus Mainz, 6) Karl Ferdinand Römheld au» Düdelsheim zu Gerichtsassessoren und die Regierungsaccessisten 1) Wilhelm Alefeld aus Octenberg, 2) Franz Xwrr Börckel aus Mainz, 3) Franz Neff aus Heppenheim zu Regierungsassessoren ernannt. Berlin, 16. December. Die verschiedenen hier vorliegenden Prioaimeldungen über den Zustand des Kronprimen geben noch immer kein einheitliches Bild. Wur Eines scheint sicher, daß die Meldungen von vorgestern und die daran geknüpften Befürchtungen übertrieben waren. Der sogenannte Hofbericht behauptet heute in.Ueber- etnsttmmung mit der Meldung der „Franks. Ztg.", daß die Reise Mackenzie's nach San Remo aus keiner besonderen Veranlassung erfolgte, sondern seit längerer Zeit in Aussicht genommen sei. Daß eine wenn auch nur mäßige Zunahme der Geschwulst oder, was richtiger zu sein scheint, das Auftreten einer Vteubtlbung an einer neuen Stelle erfolgt ist, unterliegt wohl keinem Zweifel mehr. Doch scheint diese Neubildung nicht dtrect beunruhigend zu sein und sogar wieder Zweifel an der krebsartigen Natur des Leidens hervorzurufen. Aus San Remo wird dem „B. T." von einer Mackenzie nahestehenden Seite in einem heute Mittag aufgegebenen Telegramm berichtet: Unmittelbar nach seiner Ankunft erhielt Mackenzie einen detaillirten Bericht von Dr. Krause und Dr. Hovell, worauf alle Aerzte den Kronprinzen untersuchten. Hierauf fand eine Consultatton zwischen Mackenzie, Krause, Schrader und Hovell statt. Ich erfahre, daß Mackenzie vor allem Anderen höchst erfreulich überrascht war über die Besserung der Stimme des Kronprinzen, welche jetzt ganz phonetisch klingt. Ja, manchmal kommen wie unwillkürlich helle Töne aus dem Kehlkopfe. Ferner ist jetzt nicht daS geringste Anzeichen eines Oedems vorhanden. Folgende Symptome zeigten sich Abends den untersuchenden Aerzten: eine Verdickung, welche auf das mtttlereFünftel des kranken linken Sttmmbandes sich beschränkt, ist eingetreten; dieselbe ist von blaß rosa Farbe und besitzt nicht jenes helle, rothe, reizbare Aeußere, welches der Krebs an dieser Stelle dem Auge gewöhnlich darbietet. Die Schwellung hat ungefähr die Größe einer gespaltenen Erbse und könnte zweifellos leicht exstirpirt werden. Allein da dann leicht wieder ein Oedem eintreten könnte, so erachtet Mackenzie irgend welchen mechanischen Eingriff nicht als rath» fam, wenigstens für jetzt nicht. Sollte die Schwellung mehr anwachsen, so würde vielleicht die Exstirpirung ihit der Forceps nothwendig sein. Der kleine Umfang der Schwellung verursacht augenblicklich nicht die geringste Verminderung im Umfange des Athmungskanales und es ist daher jetzt gar keine'Gefahr vorhanden, daß irgend welche Beschwerden im Athmen eintreten könnten. Der übrige Theil des Kehlkopfes ist etwas entzündet, allem das rechtsseitige Stimmband hat eine fast natürliche Farbe. Dies wird als sehr befriedigend angesehen, da es beweist, daß der rechtsseitige Theil des Kehlkopfes von der Krankheit nicht ergriffen wurde. Den unteren Theil des Kehlkopfes, wo seiner Zeit in Baveno die Schwellung begonnen hatte, untersuchte Mackenzie gestern Abend noch nicht. Der Kronprinz sieht vorzüglich aus, er speist mit bestem Appetite, er geht auch gern und lange aus. Für heute rathen ihm die Aerzte, im Hause zu bleiben wegen des regnerischen und windigen Wetters. Die Aerzte erklären alle, der Fall des Kronprinzen sei der anormalste, der jemals vorkam. Die Laien und das Publikum müssen sicherlich die verschiedenen Auffassungen der Aerzte zu den verschiedenen Zeiten für noch viel anormaler erklären. Anfangs November erklärten sie, das Leiden sehe ganz wie der Krebs aus, einige von ihnen empfahlen damals bekanntlich die radikalsten Mittel — und heute wieder meinen die hiesigen Aerzte, wenn jene Aerzte heute die Sachlage selbst sehen würden, so müßten dieselben erklären, die Schwellung sehe nicht wie der Krebs aus oder mindestens müßten sie doch sagen, der Fall weise keine Anzeichen auf, welche den Krebs als definitiven Charakter der Krankheit erkennen lassen. Das häufige Vorkommen von Schwellungen im Kehlkopfe und deren gänzliches oder theil- weises Verschwinden sind starke Anzeichen einer chronischen Entzündung, während die Heilung eines Geschwüres, welches sich, wie ich heute erfuhr, vor drei Wochen gebildet hatte, absolut unvereinbar ist mit der theoretischen Annahme, daß das Leiden der Krebs sei. Einen ferneren Beweis des anormalen Verlaufes der Krankheit des Kronprinzen, sowie der unbegreiflich raschen, fast von Tag zu Tag eintretenden Aenderung der Auffassung der Krankheit von Seiten der Aerzte blldet folgender Vorfall der allerletzten Tage: Str Morell Mackenzie wurde dringlich berufen; heute stellt sich beraus und die Aerzte müssen es zugeben, daß sie den Fall heute ganz anders beurlheilen, als während der Tage von Freitag bis Dienstag. Die rasche Entwicklung der neuen Schwellung, welche freilich in kürzester Zeit zu höchst gefährlichen Proportionen hätte an wachsen können, mag wohl die behandelnden Aerzte stark beunruhigt und zur dringlichen Berufung Dr. Mackenzie's veranlaßt haben. Allein merkwürdig bleibt doch, daß mit der zuweilen auch bei anderen Krankheiten vorkommenden Tücke die dringlichen Momente gerade im Augenblick des Erscheinens des Arztes verschwinden. Eines gestehen wenigstens die Aerzte heute zu: sie sehen noch nicht klar, allein sie neigen sich immer mehr zu der Anschauung hin, das Leiden sei doch nicht der Krebs. Bisher sind ihre Schlüsse immer negativer Natur und Virchow's Urtheil mag schließlich doch als das Richtige sich erweisen. Uaiversttäts «Ehronik. — Berlin hat die größte, bisher von einer Universität erreichte Frequenz erzielt: 5478 Studirende für das laufende Wintersemester. Die Juristen und Medtciner halten sich nahezu die Waage (1430 und 1316), werden aber von der alles umfassenden vierten Facultät um 50pCt. übertroffen (1931), während die facultas venerabills der Theologen über 800 Zuhörer zählt. Außerdem sind 1590 ältere Personen zum Hören der Vorlesungen berechtigt, was eine Gesammtfrequenz von über 7000 ergibt, wiederum über 1100 mehr als im abgelaufenen Sommersemester. Don Ausländern sind heroorzuheben 163 Amerikaner, 94 Russen, 37 Engländer und ebensooiele Ungarn, 41 Asiaten, 17 Rumänen. 14 Italiener. Lokale-. Gießen, 17. December. ^Schwurgericht.) Die Strafsache gegen die Handelsleute Jacob Sleinhauer und Liebmann Katz, beide aus Hungen, wegen Meineids bezw. Verleitung hierzu beschäftigte das Schwurgericht volle zwei Tage. Steinhauer war beschuldigt, am 14. Januar d. I. vor dem Amlsgeiichte zu Hungen, am 16. Aug. d. I. vor dem Schöffengerichte daselbst und am 11. Oktober d. I. vor hiesiger Strafkammer den vor seiner Vernehmung geleisteten Zeugeneid wissentlich durch ein falsches Zeugniß verletzt zu haben und Katz war der Beihülfe zu diesem Verbrechen angeklagt. Die umfangreiche Verhandlung, in deren Verlauf auch die als Zeugen ausgetretenen Handelsleute Schiff und Simon wegen Verdachts des Meineides verhaftet wurden, endigte gestern Abend nach 10 Uhr mit Verurtheilung der beiden Angeklagten. Steinhauer wurde in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren 10 Monaten, Katz in eine solche von 1 Jahr 6 Monaten verurtheilt, beide unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren, sowie Verlust der Fähigkeit, als Zeuge oder Sachverständige eidlich vernommen zu werden. Gegen den seither auf freiem Fuß gewesenen Katz wurde sofort ein Haftbefehl erlassen. Vermischte ». — (Der Baum des Winters.) Wenn im Sommer die ganze Baumwelt im vollsten Blätterschmuck prangt und ein lustig, lustig Heer leichtbeschwingter zwitschernder Bewohner die rauschenden Zweige und Wipfel belebt, dann ragt unter all' dem sonnen- heiieren Glanze ein gar stiller, ernster Gesell empor, der erst zum Ansehen gelangt, sobald der Wintersmann das buntgewordene Laub zur Erde^schüttelt und nun die armen Bäume — ihrer schönen Zierde beraubt — kahl und traurig die dunklen Aeste auf aen Himmel strecken. Dann ist die Zett gekommen für den Tannenbaum! die Zeit der Ehren und des Glanzes. — Immer grün — ein Bild der Festigkeit und Treue — steht er da, inmitten von Schnee und Eis — des Winters Stürme ruhig Stand haltend, seinen Frost nicht fürchtend. Fesselt ihn doch ein gar inniges Freundschaftsband an den alten Murrkops, der ihn schätzt und achtet, ihn und seine ganze Familie, wie sonst keinen anderen Baum, denn trotz feiner rauhen Außenseite ist gerade der eiskalte Winter die eigentliche Jahreszeit des Gemüthes, und die Neigung, die an das grüne Nadelholz ihn bindet, beruht — wie alles Wahre, Aechte, Dauernde — auf Gegenseitigkeit. — Beide kennen und ehren einander, und deßhalb halten sie sich lieb und werth. und deßhalb hat auch der gegenwärtige Herrscher auf dem Throne des Jahres seinen immergrünen Günstling zum Mittelpunkt gemacht der winterlichen Freuden. — Wenn alle Bäume dürr und kahl sind, dann labt des Menschen Auge wie ein Hoffnungsschimmer das wenige Grün, das als Symbol der Beständigkeit durch das weiße Leichentuch der Natur leuchtet, und grüßt, wie einen lieben, gerngesehenen Freund, den treuen Tannenbaum, der gleich einem Sinnbild ihm erscheint von unaufhörlichem rastlosem Walten der Gottheit in der scheinbar tobten Natur. — Und derselbe sriichgrüne Baum, den des Winters guter Geist, der Weihnachtsmann, zum schönsten, liebsten Schmuck des Ehristfestes in Bereitschaft hält, er deutet zugleich schon jetzt hoffnungsvoll auf das junge Grün des neuen Frühlings hin! „O Tannenbaum, o Tannenbaum! Wie grün sind Deine Blätter! — Du grünst nicht nur zur Sommerszeit, Nein, auch im Winter, wenn es schneit. O Tannenbaum, o Tannenbaum, Wie grün sind Deine Blätter!" — Die Verlegenheit des neuen französischen Präsidenten um ein Ministerium spiegelte sich selbstverständlich auch in den Witzen der Boulevardblätter wieder. So schildert der „Gaulois" eine Scene von einem Droschkenhalteplatz vor dem Elysöe: „Kutscher, sind Sie frei?" — „Nein, mein Herr, wir sind alle besetzt. Man kann gar nicht genug Wagen auftreiben, um nach neuen Minister-Candidaten zu schicken!" Literarisches. Die »Thier-Börse" heißt ein in Berlin (Herausgeber Dr. Langmann) erscheinendes Blatt, welches sich seit der Zeit seines Bestehens die Sympathien aller Thierfreunde erworben hat. Das Blatt ist nicht nur Fachblatt, sondern ein Familten- blatt im eigentlichen Sinne des Wortes. Neben vorzüglichen Illustrationen und interessantem Text bekommt man ein erschöpfendes Bild von dem gewaltigen Kauf-, Verkauf- und Tauschverkehr unter den Thierzüchtern und Thierltebhabern des In- und Auslandes und damit verwandten Geschäftszweigen. Bei dem überaus billigen Abonnementspreis (nur 50 Pf. das ganze Vierteljahr bei allen Postan- stalten und Briefträgern, frei in die Wohnung 65 Pf.) sollte das Blatt in keiner Familie fehlen. Wer Tbiere kaufen, verkaufen oder tauschen will, annoncirt am billigsten und zweckmäßigsten nur in der „Thier-Börse." Landwirthfchaftliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) — Bei der Anlage von Mistbeeten werden namentlich zwei Methoden befolgt, nach der einen werden die Beete mit festem, hohen Kasten, nach der anderen mit niedrigem und deshalb transportablem Kasten gebaut. Den letzteren ist aus mancherlei Gründen der Vorzug zu geben. Länge und Breite der Kästen hat sich natürlich nach der Größe der Fenster zu richten, doch ist immer zu beachten, daß kleinere Kästen bequemer zu behandeln und zu handhaben sind. Die Kästen sind aus gehobelten Brettern herzustellen und zwar hinten ca. 60, vorn 40 Ctm. hoch, nach dem Unterschiede richtet sich die Stellung der Fenster, die mit ihrer Neigung immer nach Süden gerichtet sein sollen. Hin und wieder ist auch der Versuch gemacht worden, die Mistbeetwände zu mauern, aber nie mit günstigem Erfolge. Selbst wenn man poröse Steine nimmt, halten sie die Wärme nicht so gut, wie die Holzwände. An der gewählten Stelle des Garten«, die trocken sein muß, legt man bann eine höchstens 30—40 Ctm. liefe Grube, 20—28 6tm. länger und breiter als der Kasten ist, an und bringt in diese zwei den ganzen Boden bedeckende Schichten frischen Pferdedünger, der gut festzutreten ist. Beide Schichten sollen, nachdem sie festaetreten sind, etwa 20—30 Ctm. hoch fein. Auf diese Mistschicht stellt man nun den Kasten so, daß er von den Rändern der Grube gleich weit entfernt ist. In den Kasten wird nun Mist lose gefüllt und zwar bis ziemlich an das Fenster. Daffelbe wird ausgedeckt und das eingerichtete Beet einige Tage sich selbst überlaffen. Außen an den Kasten wird Laub geschüttet und in den verbliebenen Zwischenraum zwischen Kasten- und Grubenwandung fest eingetreten. Inzwischen setzt sich der Mist im Kasten. Ist das in 4—5 Tagen geschehen, so wird rr gelüstet. Oben auf den Mist bringt man nun eine Schicht Laub und darauf die gewünschte Erdmischung. Letztere muß ca. 25—30 Ctm. hoch sein. Soll das Mistbeet bepflanzt werden, so wird man nach Bedarf die Erdschicht tiefer machen, bei Aussaaten eventuell flacher. Die Seitenwände des Kastens sind in bekannter Weise durch Dünger, Laub und Erde gegen das Eindringen der Kälte zu schützen. — sDer Kalk als Düngemittel.) Der Kalk ist einer der Bestandthcile des Bodens, die für die Landwirthschaft von großer Bedeutung sind, und deshalb ist auch schon seit langem die Düngung mit Kalk gebräuchlich. Jeder Landwirth weiß ja, welche vorzügliche Wirkung der Kalk auf das Gedeihen des Klees, der Kartoffeln und der Hülsenfrüchte hat. Immerhin muß das Kalken mit Vorsicht geschehen, da er einmal leicht den Boden erschöpft, und andererseits leichten, humusarmen Sandboden durch Mörtelbildung fast werlhlos macht. Wie es Pflanzen gibt, die einen sehr kalkhaltigen Boden lieben, und die, wie z. B. Esparsette im Stande sind, ihre Wurzeln in den mürben Kalkstein hinein zu treiben und ihre Nahrung daraus zu entnehmen, so gibt es auch andere Pflanzen, die gerade auf Aeckern am besten gedeihen, die kalkarm sind. DaS häufige Vorkommen solcher Pflanzen gibt dem Landmann einen, wenn auch nicht unfehlbaren Fingerzeig darüber, ob ein Acker kalkarm ist, also eine Kalkdüngung beansprucht. Das Wuchern von Sauerampfer, und ebenso das reichliche Vorkommen von Ackerschachtelhalm und Wegerich sind Anzeichen für die Kalkarmuth des Bodens. Ist dann der Boden noch humusreich, so ist die Kalkdüngung anzuwenden. Am vortheilhafteften wird ungelöschter Kalk zu dem Zwecke angekaust, seine Verwendung läßt mit größter Wahrscheinlichkeit auf die Erreichung des gesteckten Zieles hoffen. Hauptsache ist nur, daß der Kalk, der gelöscht wird, nicht breiig, sondern ganz fein pulverisirt wird. Am besten erreicht man dies, wenn man den ungelöschten Kalk im Herbst ober Wintersanfang auf das zu düngende Feld fährt, dort in kleinen Hausen aussetzt und diese mit Erde bedeckt. Geschieht das bei feuchtem Wetter, so wird durch Die eindringende Feuchtigkeit der Kalk gelöscht und zerfällt zu einem feinem Pulver. Nach einigen Tagen werden die Hausen mit der sie bedeckenden Erde umgestochen, wenn große Stücke vorhanden sind, diese obenauf gelegt und die Haufen nochmals bedeckt. Sie können bann so stehen bleiben, bis Zeit zur Ausbreitung bes Kalkes ist. Dies muß möglichst balb geschehen, ebenso das vorzunehn ende flache Unterpflügen. Denn der Kalk mug Zelt haben, vor der Bestellung seine Wirkung auf den Boden zu üben, die nach Tbaer darin besteht, daß er die organischen Bestandtheile des Bodens löst, und sie zur Pflanzennahruna geeignet macht, die überflüssige Säure neutralisirt und dem Booen Kohlensäure zuführt, und endlich zerstört Ka'.k weichlich gewordene, lebende Pflanzen, wirkt afto auf die Vernichtung des Unkrautes. Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen. (Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.) Aufgebote. December: 12. Wilhelm Schildwächter von Homberg a. O., Sergeant dahier, mit Luise Brusius von Dannenrod, wohnhaft zu Frankfurt a. DL 12. Carl Adolph Georg Falkenheiner, Königlicher Amtsrichter zu Orb, mit Elisabeth Lina Louisa Gelhaar zu Gießen. 13. Wilhelm Grosch von Mackenzell, Kreis Hünfeld, Schmied dahier, mit Mathilde Becker von Michelsrombach, Kreis Hünfeld, wohnhaft dahier. «heschlietzuuge«. December: 14. Johann Jost Karl Schmehl von Schönbach, Amts Herborn, Taglöhner dahier, mit Anna Maria Erb von Rieder-Ohmen, wohnhaft dahier. Geborene. December: 6. Dem Fuhrmann Georg Lich ein Sohn. 7. Dem Schreiner Justus Heck ein Sohn, Robert Bernhard Adolf. 8. Dem Schreiner Johannes Leih ein Sohn, Johann Heinrich. 8. Dem Schuhmacher Theodor Kliffmüller eine Tochter. 9. Dem Bahnhofs-Restaurateur Jean Kirck eine Tochter. 10. Dem Schmied Franz Brunow ein Sohn, Franz Wilhelm. 11. Dem Hülfsheizer bei bef Main-Wescr-Bahn Georg Keller ein Sohn, Georg Philipp. 12. Dem penfionhten .Rangtrer Georg Merket ein Sohn. Setiorbene. December: 10. Marie Margarethe Clementine Luh, 5 Jahre alt, Tochter von Schuhmacher Georg Luh dahier. 10. Franz Kohlermann, 88 Jahre alt, Hofgerichts- adookat dahier. 10. Franz Wilhelm Brunow, 9 Stunden alt, Sohn von schmied Franz Brunow dahier. 10. Philipp Mai, 76 Jahre alt, Fuhrmann dahier. 11. Auguste Christine Retter, geb. Petri, 54 Jahre alt, Wittwe von Kaufmann Johann Christian Retter dahier. 12. Karl Heinrich Ludwig Ernst George, 4 Dlonate alt, Sohn von Hülfsbremser bei der Main-Weser-Bahn Johannes George dahier. 12. Carl Hofmann, 47 Jahre alt, Taglähner von Groß-Karben. 12. Johann Wilhelm Euler, 4 Jahre alt, Sohn von Metzgermeister Hermann Euler dahier. 13. Heinrich Philipp Hahn, 8 Monate alt, Sohn von Magazinsarbeiter Christoph Hahn dahier. 13. Heinrich Strack, 30 Jahre alt, Schuhmacher dahier. 14. Wilhelmine Elisabethe Reinschmidt, 15 Jahre alt, Tochter von Lokomotivführer Kaspar Reinschmidt dahier. 15. Margarethe Bertha Muth, 10 Jahre alt, Tochter von Steiger Johannes Muth dahier. 15. Margarethe Massenkeil, 23 Jahre alt, ledig von Braunfels. 16. Minna Dietz, 21/« Jahre alt,, Tochter von Heinrich Dietz von Angersbach. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. / Getraute. Den 14. December. Johann Jost Karl Schmehl, Taglöhner in Gießen, und Anna Maria Erb, ledige Tochter des verstorbenen TaglöhnerS Johann Georg Erb in. Nteder-Ohmen. Getaufte. Den 11. December. Dem Schmied Johann Ludwig Becker ein Sohn, Georg, geboren den 19. November. Denselben. Dem Bahnarbeiter Karl Horn ein Sohn, Paul Karl, geboren den 8. November. Denselben. Dem Schneider Johann Peter Leilich ein Sohn, Heinrich Kart August, geboren den 4. December. Beerdigte. Den 12. December. Franz Kohlermann, Hofgerichtsadvokat, unverheirathct, alt 88 Jahre, gestorben den 10. December. Den 13. December. Philipp May, Taglöhner, verwittwet, alt 76 Jahre, gestorben den 10. December. Denselben. Auguste Christine Retter, geb. Petri, Wittwe des verstorbenen Kaufmanns Christian Retter, alt 54 Jahre, gestorben den 10. December. Den 15. December. Heinrich Strack, Schuhmacher, verheirathet, alt 30 Jahre, gestorben den 13. December. Den 16. December. Wilhelmine Elisabeth Reinschmiha ledige Tochter des Loco- motivführers Karl Reinschmidt, alt 15 Jahre, gestorben Den 14. December. Allgemeiner Anzeiger. ------------------------ Speeialltßt___ in Kaffee, Thee, Chocolade, Suppensachen, feine und feinste Qualitäten, bei 7937 Emil Fischbach, Parfümerien und Toilettemittel, h feinste Seifen, Blumendüfte etc., grosse Auswahl bei 9381 Otto Schaaf^ Seltersweg 39. Bekanntmachung. Zur Empfangnahme bezw. Beischreibung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen SVar. und Leihkaffe angelegten Capi- talren am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Geschäftslage festgesetzt und zwar: 1. Mittwoch 2. Donnerstag 3. Samstag 4. Dienstag 5. Mittwoch 6. Donnerstag 7. Samstag 8. Dienstag 9. Mittwoch 10. Donnerstag 11. Samstag 12. Dienstag 13. Mittwoch 14. Donnerstag 15. Samstag den Januar 1888 3 4. 5. 7. 10. 11. 12. 14. den 21. Dezember 1887, : 24. " " A " " : -s :: :: sowie Die Einleger werden daher aufgefordert, ihre Schuldscheine vorzulegen. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, den 29. November 1887. Der Rechner der Spar- und Leihkasse. Kehr. Seilgeöotenes. Peiwa neue PuglieserMandeln per Pfo. 90 H, bei 5 Pfd. 85 sowie alle übrigen Ingredienzien zur feineren Bäckerei in seit Jahren bewährten Qualitäten zu billigsten Preisen empfiehlt 8968 F*r SeibsL Herren- und DäwenzOgstiefel, Knopfstiefel, Plüsch- und Lederpantoffeln, Holz- echuhe verkaufe zu billigsten Preisen. Hackenstiefel für Knaben und Mädchen von vtL 2.25 an. (8855 Louis Rothenberger, Neuenweg 22. Waschbütte« in großer Auswahl billigst bei L. Kohlermann, 9127 12 Bleichstr. 12. § J. Happel, Dielen- und Kohlen-Lager, 0.9. Neustadt 49. ~ OenatiirirtenSpiritus empfiehlt 9307 C Fr. Semmler. Wirthschaftsverkauf. 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Die Weihnachtsfeier meiner Zöglinge findet Montag den 19. dieses Monats, Abends 5 Uhr im Saale des Herrn Gühlholtz (Cafö Leib) statt, wozu ich die geehrten Eltern, Verwandte und Freunde höflichst einlade. Hochachtungsvoll zeigen hiermit ergebenst an Beu Moritz Gregor! S Sohn Imitirte Glasmalereien in prachtvollster Farbenwirkung und nach jedem Maaß, als Fenster-Vorsetzer oder Hängebilder, sowie zur Dekoration ganzer Fenster u. Glasthüren für altdeutsche Zimmer, Speisesäle, Weinstuben, Corrldore etc. Originalmuster u. Zeichnungen stehen zur Ansicht. Otto Hochtttäller, Die Eröffnung • der diesjährigen Grossen Welhoachisaossiellöo^j in sämmtlichen M Rehctttn: «. »chepd«. - »ruck und »erUg der »rShpschrn fcrwfnii (yr. «hr. Putsch) tn ENß«.