Pr, 215 Freitag den 16. September 1887. Kreßener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau r Schnlstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. C3 Politische Ueberficht. Gtetzen, 15. September. An dem Programm für die Stettiner Kaisertage hatte sich keine Aenderung nöthig gemacht und so sind denn die kaiserlichen Herrschaften mit alLiuendem Gefolge in Stettin angekommen und allenthalben jubelnd begrüßt worden. Den Glanzpunkt der Stettiner Tage bildete die große Parade über da, 2 Armee-Earp« auf dem Krekower Felde und war es auch hier wieder der Kaiser, auf welchen sich alle Blicke seiner geliebten Pommern richteten, die roch in den letzten Tagen in Ungewißheit schwebten, ob er dem greisen Monarchen verobnnt sein würde, nach Stettin zu kommen. lieber dar Befinden der deutschen Kronprinzen laufen au» Toblach die erfreullchsten Berichte ein und begünstigt von dem schönen tzerbstwetter, unternimmt der hohe Herr mit seiner Familie fast täglich größere und kleinere Auiflüge in die herrliche Umgebung Toblachr. Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt in ihrer Montag »Abendausgabe bereit« wieder eine Kundgebung znr auswärtigen Politik. Dieselbe betrifft die bulga» rischen Angelegenheiten und dementtrt dar osficiöse Blatt die Nachricht, daß Mr st Birmarck sich zum Vermittler in der inzwischen gescheiterten „Mission Ernroth" angeboten habe. Deutschland habe, führt die „Nordd. Allg. Ztg. au«, die von der Pforte gewünschte Vermiltelung abgelehnt, weil er keine V-r» anlwortlichkeit in der Orientsrage übernehmen, angeficht« der Situation Europa« nicht seine Aufgaben vermehren und seine Kräfte nicht lheilen wollte. Deutschland sei indeffen mit der Entsendung General Ernroth'r nach Bulgarien nicht nur einverstanden, sondern auch bereit, fie anderen Mächten anzuempsehlen, wenn dieselbe von der Pforte amtlich beantragt würde. — Die Erklärungen der „Norvd. Allg. Ztg." haben dmchau« nicht« Ueberraschende», denn fie stimmen mit der bulgarischen Politik Deutschland« ganz und gar überein und speciell in P-tersburg wird da« Sinverständniß Deutschlands mit der Misston Ernroth nur angenehm berühren. Ob indeffen Rußland und die Pforte, der von deutscher Sette gegebenen Anregung folgend, noch nachträglich mit einem amtlichen Anträge bezüglich der Million Ernroth hervortreten werden, ist mehr als zweifelhaft, nachdem die vorliegenden Erklärungen Oesterreich-, Italiens und England- erkennen lasten, daß diese Mächte der Entsendung eine- neuen russtschen Com- miffar- nach Bulgarien nicht zustimmen würden. Die letzten Vorgänge aus Samoa bedürfen noch immer der amtlichen Bestätigung von deutscher Seite, obwohl die gemeldete Landung deutscher Marine-Truppen und deren Vorgehen gegen den König Maltetoa durchaus nicht unglaubwürdig erscheint. Die „Nordd. Allg. Ztg." giebt eine Charakteristik dieser braunen Majestät, welche das Verhalten de» samoanischen Herrscher- Deutschland gegenüber mehr als doppelzüngig erscheinen läßt und die auch aus sein Privatleben ein höchst bedenkliche» Licht werfen. Hiernach würde e» nicht mehr überraschen, wenn Deutschland endlich in entschiedener Weise gegen den, den deutschen Jntereffen so feindlichen König von Samoa vorginge. BeiderReichstags-Nachwahl in Cannstatt-Ludwigsburg ist der nationalliberale Candtdat Veiel mit großer Mehrheit gegenüber dem socia- listischen Candtdaten wiedergewählt worden. Die Volk-partet betheiligte sich gar nicht an der Wahl. Soweit stch die Ersatzwahlen zum böhmischen Landtage übersehen lasten, find die deutsch-liberalen Abgeordneten saft überall wieder-, resp. neugewählt worden. Auch in dem gesährdeten Bezirke Bergreichenstein, wo der Einfluß de» feudalen und mit den Czechen stark liebäugelnden Fürsten Schwarzenberg mächtig ist, wurde trotzdem der deutsche Candidat gewählt und erzielte der Candidat der Schwarzenberg-Partei nur wenige Hunderte von Stimmen. Eine specielle Episode bildet die Wahl in der Prager Altstadt, wo ebenfalls eine Ersatzwahl vorzunehmen war; diesen Wahlkreis betrachteten bislang die Alt- Czechen als ihre fichere Domaine und um so größer ist ihre Bestürzung, daß diesmal nicht der altczechische Candidat Dr. Eiselt, sondern der Candidat der radikalen jungczechischen Partei, Prosestor Blazek, gewählt worden ist. Die alt- czechischen Organe suchen nun für diesen unläugbaren Mißerfolg da» Vorgehen des Unterrichtsminister» v. Gautsch in der Mittelschulsrage verantwortlich zu machen, während sich doch die Alt-Czechen mit der Altstädter Wahl an einem Feuer verbrannt haben, welches fie selber anzünden und schüren geholfen haben. Kaiser Franz Joses weilt nach Beendigung der österreichischen Herbst- Manöver im südlichen Ungarn, wo die Bevölkerung den Monarchen allenthalben mit großem Enthusiasmus empfängt. Am Sonntag tras der Kaiser in Toeke Terebes ein, wo anläßlich des Namen-tages des russtschen Kaisers große Hostasel flattsand; bei derselben brachte der Kaiser in warmen Worten den osficiellen Toast aus den Czaren aus, woraus die Mlitär-Kapelle die russische National- Hymne intonirte. Der Czar soll bei seinem heurigen Sommer-Ausenthalte aus Schloß Fredensborg noch viel zurückgezogener leben, als in den vorhergegangenen Jahren. In der ersten Zeit war er von rheumatischen Schmerzen im linken Oberkörper heimgesucht und genöthigt, den linken Arm in der Binde zu tragen, ms bekanntlich die Gerüchte über das angeblich gegen Kaiser Alexander begangene jüngste nihilistische Attentat nur verstärkte. Die Binde hat der Kaiser letzt jedoch abgelegt, doch scheint er im linken Arm noch Schmerzen zu ver- ivlireu, da er bet einer neulichen Ruderpartie im Esrom-See nur den rechten Arm gebrauchte. Dessen ungeachtet soll der Czar dem edlen Waidwerk in der Umgebung Fredensborg» wieder sehr eifrig nachgehen. Die Mitglieder des französischen Cabinets Rouvier erschöpfen fich schier in Friedensbetheuerungen. So hat erst in diesen Tagen der Ackerbau- mtnister Barbe aus einem Banket in dem Städtchen La Fertö Macö wieder eine politische Rede gehalten, aus welcher er als das Ziel der Regierung die Einigkeit und Stärke der r-ublikanischen Elemente, sowie die Verbesserung der Verhältnisse des Unterrichts und der nationalen Arbeit bezeichnete. Um diese» Ziel zu erreichen, befolge die Regierung eine Politik des Friedens und der Beruhigung, ohne indeffen den Feinden der Republik irgendwelchen Einfluß zuzugestehen. Die letzteren Worte find natürlich gegen die monarchistischen Parteien gsmünzt und die Preßorgane der letzteren werden es jedenfalls nicht unterlassen, dem Ackerbauminister wegen dieser Aeußerung in ihrer Weise zu quittiren. In Sofia kam es zu einer Protestkundgebung des Volkes gegen Karaweloss, der bekanntlich eine ziemlich zweideutige Rolle spielt. Alsdann zogen die Theilnehmer an der Demonstration vor das fürstliche Palais und brachten dem Fürsten Ferdinand eine Ovation dar, für welche der Fürst bewegt dankte. Dann zogen fie vor das Haus des Ministerpräfidenten Stambuloff, welcher zu den Manifestanten sagte, so lange die Sache Bulgariens solche Ver- theidiger finde, werde fie nicht verloren sein. — Der frühere Minifterpräfident Radoslaweff, welcher als ein Anhänger der battenbergischen Partei gilt, ist verhaftet worden. Romrod, 13. September. Se. König!. Hoheit der Großherzog fuhren mit den Höchsten Herrschaften und Gefolge um 8 Uhr nach dem Manöverfeld. Auf der Chaussee von Angenrod nach Ober-Gleen wurden die Pferde bestiegen und später aus den Stansberg bei Ober-Gleen geritten, welcher als Haup*- posttion, so zu sagen als Schlüssel der Stellung des Süd-Corps betrachtet wurde; jedenfalls gewährte er den besten Ueberblick über da- Gefecht, welche» mit der Einnahme von Ober-Gleen durch das Nord-Corps und dem Rückzug des Süd-Corps in der Richtung Kirtorf endigte. Nach der Kritik kehrten die Allerhöchsten Herrschasten hierher zurück. Se. Grohh. Hoheit der Prinz Wilhelm waren heute Vormittag nach Darmstadt abgereist und im Lause des Nachmittags reisten Se. König!. Hoheit der Prinz Christian von Schleswig-Holstein und Prinz Albert eben dahin zurück. Se. König!. Hoheit der Erbgroßherzog, begleitet von dem Hauptmann v. Schwartzkoppen, fuhren nach dem Manöver ebenfalls mit hierher. Nürnberg, 14. September. Die 41. Hauptversammlung der Gustav- Adolf-Vereins beschloß aus Antrag des Vorfitzenden, an Se. Maj. den Kaiser, sowie an den Prinz-Regenten Luitpold von Bayern Telegramme zu richten. Das an den Kaiser gerichtete Telegramm lautet: „Die am Fuße der Hohenzollernburg zu Nürnberg versammelte 41. Hauptversammlung des evangelischen Vereins der Gustav»Adolf-Sttstung bringt, wie gleichzeitig Sr. König!. Hoheit dem erlauchten Regenten dieses Landes, so ihrem erhabenen Protector, unserm o.lloerehrten und geliebten Kaiser ehrerbietigst ihre wärmste Huldigung dar und steht vor Gott mit dem Danke für die gnädige Wahrung des unschätzbaren Lebens Ew. Majestät, zum Heile des Friedens der Welt und der Macht des durch Ew. Majestät geeinten deutschen Volkes, sowie zum Segen der gesummten evangelischen Kirche und mit der Fürbitte um die baldige volle Genesung Sr. K. und K. Hoheit des Kronprinzen. Der Prästdent Dr. Frieke, Viceprästdent Burger." Das Telegramm an den Prinz-Regenten Luitpold von Bayern lautet: „Die in der alten Stadt Nürnberg zu Dienst und Hllfe, auch der bayerischen Diaspora, versammelte 41. Hauptversammlung des evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stistung bringt, wie gleichzeitig ihrem erlauchten Protektor Seiner Majestät dem Kaiser, so dem verehrten und geliebten Regenten dieses gastlichen Landes ihre ehrerbietigste Huldigung dar, dem erhabenen Fürsten, der ohne Unterschied der Confesston ein gleich gerechter Vater ist für alle Unterthanen, dem treuen, vom Danke der Nation geleiteten Freunde von Kaiser und Reich. Die Versammlung gestattet fich, ihren unterthänigsten Dank für die in ihrem Lande gefundene Gastlichkeit Ew. König!. H. ehrerbietigst zu Füßen zu legen." EC. München, 14. September. ^Eröffnung des Landtags.^ Die Thronrede führt Folgendes aus: Das Budget-Ftnanzgesetz wird alsbald vorgelegt. Ungeachtet günstiger Finanzlage würden die jetzigen Einnahmc-Ueberschusse zur dauernden Befriedigung der sich steigernden Reichs- und Staatsausgaben nicht ausreichen. Die Bestrebungen, neue Einnahmen zu beschaffen, seien von Erfolg gewesen durch das Gesetz über die Besteuerung des Branntweins. Bayern wird sich nicht ausschließen können, so sehr auch der Fortbestand der Reservatrechte am Herzen liegt. Der Landtag wird sich zunächst mit dem Branntweinsteuergesetz beschäftigen und wird der Beitritt Bayerns bis zum 1. October gehofft, weil eine nie wiederkehrende Gelegenheit zur Erreichung namhafter Vortheile und zur Abwendung schwerwiegender wirtschaftlicher Nachtheile geboten. Hierdurch ist auf die Möglichkeit zur Aufbefferung der Gebalte der Geistlichen, Lehrer und instabiler Bediensteter, sowie auf Gründung einer Kasse für Invaliden- und Relicten-Versorgung ständiger Staatsbahnarbeiten Bedacht genommen. Maßregeln für Staatsverkehrsanstalten-Angestellte, zur Verbesserung der Beförderungsverhältnisse und Erhöhung der Bezüge, eine Vorlage wegm Erbauung von Lokalbahnen, die Gesetzvorlage betr. Ausbau der landwirthschaftltchen Gesetzgebung, sowie die Unfall- und Krankenversicherung landwirtschaftlicher Betriebe; ein Postulat für die nächstjährige Kunstgewerbe-Ausstellung werden an den Landtag gelangen, ebenso der Gesetzentwurf über den Vollzug des Paragraphen 18, Tit. 2 der Verfassungsurkunde neuerdings vorgelegt werden. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenz-Bureau. Berlin, 14. September. Der General z. D., Graf Werder, ist vorgestern, an seinem 80. Geburtstage, zu Grüssow bei Belgarv (Pommern) gestorben. [Wilhelm Leopold Graf v. Werder, geboren am 12. September 1808, entstammte einer altadeligen märkischen Familie; sein Vater starb 1837 als Generallieutenant a. D. in Glogau. In der Dtvisionsschule dieser Stadt für den Militärdienst vorbereitet, trat Wilhelm Leopold v. Werder 1825 in die Armee ein und wurde 1825 Officter. Nachdem er 1833—36 die allgemeine Kriegsschule zu Berlin besucht hatte und 1839 bis 1840 als Lehrer des Kadettencorps thätig gewesen war, nahm er 1842—43 als Premierlieutenant an dem russischen Feldzuge int Kaukasus Theil, in welchem er schwer verwundet wurde. Nach Preußen zurückgekehrt, avanctrte er im Laufe von zwanzig Jahren zum Generallieutenant. Im Kriege von 1866 führte er die dritte Infanterie- Division, an deren Spitze er sich namentlich bei Gttschin auszeichnete. Reichere Lorbeeren brachte ihm der französische Krieg. Bei Wörth befehligte er das badisch- württembergische Armee-Corps und leitete dann die Belagerung von Straßburg, dessen Capitulation ihm die Beförderung zum General der Infanterie eintrug. Es folgten die siegreichen Kämpfe der aus preußischer Landwehr und den badischen Truppen ge- bildeten Werder'schen Armee gegen die Garibaldi'schen Schaaren bet Dijon, Nuits u. s. w. und endlich im Januar 1871 der großartige und heldenmüthige Widerstand gegen den Versuch Bourbakt's, Belfort zu entsetzen, der mit der siegreichen Entscheidungsschlacht vor Belfort (15.—17. Januar) endete, die Werder's Namen mit einem Schlage zu dem populärsten im ganzen Süden des Reiches machte und ihm die höchsten Auszeichnungen etntrug. Nach Beendigung des Krieges erhielt er das General- Eommando über das 14. (badische) Armee-Corps, wurde Ehrendoctor der Philosophie der Universität Freiburg, Ehrenbürger zahlreicher Städte und mit Geschenken und Huldigungen förmlich überschüttet. In das Verhältniß zum Großherzog von Baden vermochte der General sich nicht immer und überall zu finden. Bei seinem hitzigen Temperament kam es hin und wieder zu Reibungen, die nothwendtg auf beiden Setten verstimmend wirken mußten. Im April 1879 wurde Werder unter Verleihung des Grafentitels zur Disposition gestellt und lebte seitdem auf seinen Besitzungen in Pommerns (F. Z.) Stettin, 14. September. Se. Majestät der Kaiser ertheilte im Laufe des Vormittags mehrere Audienzen. I. Kgl. Hoheit die Prinzessin Wilhelm besuchte heute Vormittag die Friedländer'sche Mädchenschule und einige andere Schulanstalten. Nachmittags 5 Uhr findet bei Seiner Majestät dem Kaiser ein größeres Diner statt, an welchem die Spitzen der Cioilbehörden von Stettin und der ganzen Provinz — etwa 220 Personen — geladen sind. Zu dem nach dem Diner bei den Majestäten stattfindenden Kaffee haben auch die angesehensten Damen von hier und aus der Provinz Einladungen erhalten. Morgen Nachmittag 1 Uhr findet auf dem hiesigen Rennplätze ein Rennen des Pasewalker Reitoereins statt. Se. Majestät der Kaiser hat den Besuch desselben in Aussicht gestellt. Stettin, 14. September. Se. Majestät der Kaiser, dessen Abfahrt zum Feldmanöver auf 9Vi Uhr Vormittags festgesetzt war, hat wegen des seit gestern Abend eingetretenen Regenwetters, das auch bis jetzt nur wenig nachgelassen hat, seine Theil- nahme an dem Feldmanöver aufgegeben. Se. K. Hoheit Prinz Wilhelm und Feldmarschall Graf Moltke haben sich auf das Manöoerfeld bei Brunn begeben. Ihre Majestät die Kaiserin wird morgen Vormittag um 11 Uhr die Vorstände und Delegirten des Frauenvereins und anderer hiesiger Wohlthätigketts-Anstalten (gegen 120 Personen) empfangen. — Bei dem gestrigen Paradediner trank Se. Majestät der Kaiser auf das Wohl des 2. Armeecorps. Ihre Majestät die Kaiserin nahm an dem Diner nicht Theil, den Platz neben Sr. Majestät dem Kaiser nahm Ihre K. Hoheit die Prinzessin Wilhelm ein. Nach dem Paradediner ließ sich Ihre Majestät die Kaiserin mehrere Herren vorstellen, darunter den Oberbürgermeister Haken, welchem Allerhöchstdieselbe für den überaus herzlichen Empfang in der Hauptstadt Pommerns dankte. Toblach, 14. September.. Heute Nachmittag unternahm Seine K. und Kgl. Hoheit der Kronprinz trotz des kühlen Wetters zu Fuß einen großen Ausflug in die Umgegend. Prag, 14. September. Bei den heutigen Landtagswahlen im Großgrundbesitze erschienen die deutsch-liberalen Wähler nicht. Die Candtdaten der conservativen Liste wurden einstimmig gewählt. Kopenhagen, 14. September. Der Czar machte Mittags eine Spazierfahrt und besuchte Nachmittags mit den meisten Mitgliedern der kaiserlichen und königlichen Familie die Schwester der Königin in Helsingör. Um 6 Uhr kehrte er nach Fredens- borg zurück. London, 14. September. Das Oberhaus erledigte das Finanzgesetz in allen Stadien. H'licago, 14. September. Der oberste Gerichtshof von Illinois hat das Gesuch der verurtheilten Anarchisten um Einleitung eines neuen Processes verworfen und das erste Urtheil bestätigt. Die Hinrichtung der zum Tode verurtheilten Anarchisten findet am 11. November statt. Univer-täts - Ghronik. — Licentiat Georg Lösche in Berlin wurde zum außerordentlichen Professor für Kirchenaeschichte an der K- K. evangelisch-theologischen Fakultät in Wien ernannt. Außerdem bringt jetzt die „Wiener Zeitung" die amtliche Berufung des Professors Lujo Brentano von Straßburg nach Wien als ordentlicher Professor für politische Oekonomte, sowie die Ernennung des klerikalen Geschichtsschreibers der Päpste, außerordentlichen Professors Dr. Pastor, zum Ordinarius in Innsbruck. < q ^r^Ptember. Der Aesthettker Friedrich Theodor Vischer ist um */.8 Uhr Abends in Gmunden gestorben. B e t m i s ch t e ». Gießen, 15. September. Unser Landsmann Buff vulgo Gießen erntet auf seiner Sangeslaufbahn recht erfreuliche Triumphe. So berichtet die „Weimarer Ata " über sein Auftreten als „Tamino" in der Mozan'schen „Zauberflöte" in Weimar: Vor allen gebührt Herrn Gießen, der den „Tamino" als Antrittsrolle gab, für seinen wunderschönen Gesang das uneingeschränkteste Lob. Der junge Sänger ist im Besitz einer herrlichen, vortrefflich geschulten Tenorstimme. Nicht nur die jungfrische Stimme, die reine, edle Tongebung, die leichtansprechende, klangschöne Höhe und die warme Empfindung im Vortrag, sondern auch die Sicherheit, mit der er seine Aufgabe beherrschte, war für ben Theaterbesucher eine wahre Lust und Freude. Herr Gießen versteht zu singen; zart und weich, aber auch voll und kräftig klang die Stimme durch '/r$lc8 .Bildniß ist bezaubernd schön" war von wunderschöner Wirkung. Wünschen wollen wir, daß zu solch schönen Gesangesletstungm sich auch bald ein gistes Spiel und eine schone Sprache im Dialog gesellen möge. An den reichen, wohlverdienten Bei.allsspenden konnte man sich redlich betheiligen. ; 9 △ Mainz, 14. September. Laut der Präsenzliste waren zu der heutigen ersten 00 bcr Generalversammlung des Gesammtoereins der deutschen ?"b^^rthumsoereine im Akademiesaale des Kurfürstlichen Schlosses hier zweihundert und einige Thetlnehmer erschienen. Unter den auswärtigen Theilnehmern befanden sich, wie gestern schon angedeutet, Prof. Dr. Virchow und Schliemann welck Letzterer bei seinem Erschien in dem Akademie,aal von lautem «W bemüht und nach einem Ehrensitz geleitet wurde. Neben den Mitgliedern des Altcrthumsverelns nahmen von hier Bischof Dr Haffner, Domkapitular Dr. Mousang, Provinjtaldtrector ^^ler^S6,trbUSer»eifmr Dr- O-chsn-r, verschiedene Stadtverordnete und mebrc» höhere Ofsiziere Theil. Namens des Vorstandes des Gesammtoereins der Geschichts- und Alterthumsvereine begrüßt Dr. Beringtster (Berlins die und übertrug nach der Mittheilung, daß der Großherzog mit Rücksicht auf b^e Mansch r das ihm angetragen-Präsidium durch das Hofmarschallamt dankend abgelehn habe Provtnztaldirector Kuchler den Vorsitz der Versammlung. Provinzialdirector Kückler wie auch hierarff Oberbürgermeister Dr. Oechsner hießen in warmen Worten d^ V - sammlung in Mainz willkommen und sprachen die Hoffnung aus, daß sowohl das Resultat der Generalversammlung ein segensreiches sein, wie auch der bewäbrte Gast- stnn der Mainzer und die bekannte Liebenswürdigkeit der Mainzerinnen eine bleibende Landwirthfchaftliche Nachrichten. — ^Durchfrcssen des Strohs.s Die Lage der Landwirthschast ist eine derartig!, daß die größte Sparsamkeit anzuwenden ist, wenn ein größeres Erträgniß erzielt werden soll. Und es läßt sich in der That auch noch viel sparen, denn in den meiste» Wirthschaften wird noch viel Verschwendung getrieben, freilich nicht mit Absicht, sonder» mehr durch Unkenntniß. Das gilt namentlich für die Viehhaltung. So ist es nicht allgemein bekannt, daß besonders Schafe zum Theil mit dem Durchfressen des zu Strei bestimmten Strohs ernährt werden können. Dieses Stroh, namentlich auch Haferstral enthält noch viele nicht ausgedroschene Körner, welche den Schafen neben den feinere-» Theilen der Stengel und Blätter ein willkommenes und sehr nahrhaftes Futter liefern Nach dem Durchfressen, also nach dem Aussuchen der nährendert Thelle ist das Stro l noch ebenso gut als vorher zur Streu zu verwenden. Wird cs aber nur als Sttei benutzt, so gehen bedeutende Nährstoffe verloren, die eben allein durch das Ausfressc: gewonnen werden können. Erinnerung an Mainz unter den Theilnehmern der Gmeralversammluna f,,™« , möchte. Nach einigen geschäftlichen Mttthetlungen hielten sodann Dr Ä und Dr. Keller Vorträge. Beide erstgenannte Herren sprachen über d e Sammlungen und Dr. Keller über römische und fränkische Bewaffnuna ibrm ^‘1, fand noch eine Besichtigung der städtischen Sammlungen statt ß" äUm ^Guß —. Mainz, 14. September. Im Schooße der Verwaltung der Ludwigsbahn haben sich seit der jüngsten Verwaltungsrathssitzung die Ansickten e können die letzteren aufgebraucht werden. „ ^Unburg, 14. Septbr. Rother Weizen pro Malter JL 1415, weißer Weizs X 00.0°, Korn JC 9.95, Gerste 810, Haser JL 5.45, Erbsen X OO.lM Kartoffeln X 0 'M). ™ ® rankfurt, 14. September. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln xa Malter X 7-00—8.00, das Gescheid 12—16 H, Eier da? Hundert X 5.00—7.00, bo Butter (m Großen X 00.00-00.00, im Detail das Pfund X 1^ 618 ^A W-ißkraut per Stück 15-20 Rothkraut per Stück 25-30 L,,Kohlr-M Stück 3-4 Jp Ochsenfleisch per Pfund 45-70 H, Kuh- u. Rindfleisch 4o-M^ Schweinefleisch 65—75 H, Hammelfleisch 50—65 Ä. 1 ^0-70—1.50, 1 Huhn X 1.00—2.20, 1 Ente X 2.00—3.50, Gans Pfund 50-70 S 1 Taube 35-60 Welsche X 10.00—12 00._____ Gottesdienst der israelitischen Religionsgesetlschast- Freitag Abend 5" Uhr, Samstag Vormittag 8 Uhr, Samstag Nachmittag 4 Ul$. Samstag Abend 665 Uhr. Allgemeiner Anzeiger. Obtthksßslhe Eisendahuea. An Stelle der Güter- und Vieh- rc- Tarife vom 1. Januar 1883 sammt Nachträgen treten für den Verkehr des König- lichen Eisenbahndirectionsbezirks Hannover und der Oberhessischen Eisenbahnen mit dem 1- November d. Js. anderweite Tarife in Kraft. Außer vielen Frachtermäßigungen werden die neuen Tarife in vereinzelten Fällen geringe Taxerhöhungen mit sich bringen, worüber, wie über den Inhalt der Tarife überhaupt, jetzt schon durch unser Tarif- Bureau Auskunft ertheilt wird- Die neuen Tarife sind vom 15. October c. ab bei den Güterexpeditionen käuflich zu erhalten. Gießen, den 15. September 1887. 6846 Großherzogliche Direction- Mstvcrsteigerung. Freitag den 16. d. M., Nachmittags 2 Uhr, wird das Obst der Gemeinde Kinzenbach, bestehend aus Aepfel und Birnen, öffentlich versteigert. Pfaff, 6852 Gemeindevorsteher. "M Gemeinde-Obst zu Krofdorf wird am 22. d- Mts., Nachmittags 1 Uhr an Ort und Stelle verkauft. Krofdorf, den 14. September 1887. 6847_________Das Bürgermeisteramt. Arbeitsversteigerung. Samstag den 17. d. Mts, Mittags 1 Uhr, sollen die in den Waldungen der Gemeinde Ettingshausen auszuführenden Arbeiten in dem Rathhause dahier öffentlich versteigert werden und zwar: veranschl. zu 1. Herstellung von 3 neuen Kanälen, 1 lauf, m 3,— 2. Planirarbeit von 1395 m Weglänge, 1 laus, m „ 0,22 3. Lieferung und Anfahren von 800 cbm Chauffir- steinen, 1 cbm „ 1,20 4. Auffetzen derselben, 1 cbm „ 0,20 5. Chaussirung von 1395 m Weglänge, 1 lauf, m „ 0,80 Ettingshausen, den 12. Sept. 1887. Gr. Bürgermeisterei Ettingshausen. Launspach. 6848 Freitag -en 30. September, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die der Host Bellof Wwe. gehörigen Jm- mobtlren Flur XXXVI Nr. 3,5 - 319 Meter Hof- raithe unter den alten und neuen Eichgärten am Steinweg, „ XXXVI Nr. 3,1 — 606 Meter Grabgarten daselbst, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 18. August 1887. Großh. Ortsgericht Gießen. Lüdeking. 6182 Aeikgevolenes. Für SdjaHitbljabcr Da die hiesige Schäferei-Gesellschaft bis Michaeli d. I. sich auflöst, verkaufen sämmtliche Mitglieder ihre noch in ihrem Besitz befindlichen Schafe und hämmer. Zu bemerken ist noch, daß die Schafe rein und in gutem Zustande find. Kinzenbach, den 15. Sept. 1887. Pfaff, 6853____________Gemeindevorsteher. Frische Bücklinge eingetroffen bei Ferd. Drebes, 6873________Marktplatz 21. | Bernhardinerhund — treu und wachsam — zu verkaufen. 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