Nr. 136 Donnerstag den 16. Juni iM. Amis- und Anzkigeblatt für den Kreis Gießen. Bnreaur Schulstraße 7. Politische Usberfkcht. (Sieben, 15. Juni. Nach einer Spanne ängstlicher Erwartung lauten jetzt die Nachrichten über 'La; Befinden des Kaisers wieder günstiger. Der greise Monarch kann wiederum da« Bett verlassen und hat auch die beiden letzten Nächte recht gut verbracht; die Unterleibsbeschwerden sind zwar noch nicht gänzlich behoben, aber sie äußern sich weniger schmerzhaft und in größeren Pausen und auch die katarrhalische üffection der Augen läßt nach. Da selbstverständlich trotzdem noch die größte Schonung für den 90jährigen Monarchen geboten erscheint, so dürste auch seine ursprünglich sür nächsten Samstag in Aussicht genommen gewesene Abreise nach Ems noch nicht erfolgen. Wenn die Nachricht von der fortschreitenden Besserung im Befinden des erhabenen Schirmherrn des Reiches in allen Kreisen der Nation mit lebhafter Befriedigung ausgenommen worden ist, so gilt dies nicht minder auch von den beruhigenden Meldungen über das Leiden des deutschen Thronfolgers, da wiederholt übertriebene Gerüchte den Gesundheitszustand des Kronprinzen als bedenklich bezeichnet und hierdurch in weiten Schichten des Volkes Besorgnisse hervorgerusen hatten. Jetzt, nachdem durch den abermaligen Aussvruch des englischen Specialisten Dr. Mackenzie in lieber* einstimmung mit den Berliner Aerzten die Wucherung an dem Stimmbande des hohen Patienten als durchaus gutartig erklärt worden ist, athmen alle patriotischen Gemüther wieder erleichtert auf und die am Montag Abend erfolgte Abreise des Kronprinzen und seiner Gemahlin nebst den Prinzesstnnen-Töchtern nach England, anläßlich der bevorstehenden Londoner Jubiläums-Festlichkeiten, ist nur geeignet, auch den letzten Rest von Besorgniß schwinden zu lassen. Nach den Londoner Festtagen werden die kronprinzlichen Herrschaften noch einen mehr- wöchentlichen Aufenthalt aus der Insel Wight, der bevorzugten Sommer- Villeggiatur der Königin Victoria, nehmen und erhofft man von dem milden und gleichmäßigen Klima der Insel einen besonders günstigen Einfluß auf das Befinden des Kronprinzen. Die Frau Prinzessin Friedrich Karl von Preußen ist aus der Heimreise von Italien in München erkrankt; über die Natur der Krankheit liegt noch keine nähere Meldung vor. Die Verhandlungen der Zuckersteuer-Commission des Reichstages haben mit einer unerwarteten Differenz geendet: Die Herren vermochten sich über die Bestimmungen hinsichtlich der Höhe der Materialsteuer und der Exportvergütung nicht zu einigen und lehnte die Commission nicht nur die hierzu vorliegenden verschiedenen AbänderungS'Anträge, sondern schließlich auch die bezüglichen Paragraphen der Regierungs-Vorlage selbst ab. Dieses Resultat kommt um so überraschender, nachdem der Verlaus der ersten Commissionslesung nicht vermuthen liefe, daß die Specialberathung des Entwurfes noch solche scharfen Gegensätze heroortreten lassen würde und kann man die Agrarier in der Commission von dem Vorwurf nicht sreisprechen, durch ihre in die Höhe geschraubten Forderungen dar Scheitern der Verhandlungen über die erwähnten wichtigen Bestimmungen verschuldet zu haben. Was das Plenum mit dem zerstückelten Gesetzentwürfe ansangen wird, ist abzuwarten; jedenfalls haben sich durch diese Vorgänge die Aussichten auf das endliche Zustandekommen der Zuckersteuerreform wieder getrübt und es ist nicht unmöglich, daß ein eventuelles Scheitern dieses Therles der Steuerreform für das Reich die letztere überhaupt auf längere Zeit hinausschieben würde. Die Arbeiterschutz-Anträge sind am Samstag vom Reichstage in zweiter Lesung erledigt worden, ohne daß die Reichsregierung wenigstens jetzt ihr befremdliches Schweigen gebrochen hätte. Wenn aber keine Antwort auch eine Antwort ist, so verspricht die durchaus reservirte Haltung der Regierung gerade nichts Gutes für das definitive Zustandekommen des aus der Initiative des Hauses hervorgegangenen Gesetzes bezüglich des Schutzes der Frauen- und Kinderarbeit. Bedauerlich wäre es freilich im hohen Maße, wenn diese wichtige Grsetzmaterie, welche schon in der vorigen Session unerledigt geblieben ist, dies- mal noch in letzter Stunde scheitern sollte. Was den sür kommenden Samstag geplanten Schluß der Session anbelangt, so ist es noch sehr zu bezweifeln, ob dieser Termin innegehalten werden kann, wenn der Reichstag mit dem vorhandenen noch immer stattlichen Arbeitsmaterial wirklich reinen Tisch machen will. Vor Allem wird abzuwarlen fein, in welchem Tempo sich die zweiten Lesungen der Steuer-Vorlagen abwickeln werden, von denen der Zuckersteuer-Entwurf mindestens zwei Tage erfordern dürste; was aber dann noch übrig bleibt, wird sich unmöglich bis zum Samstag erledigen lassen, zumal der Reichstag zu Abendfitzungen keine besondere Neigung zeigt. Die Action der preußischen Regierung gegen verschiedene katholische Geistliche wegen des Verhaltens derselben bei bm letzten Wahlen scheint nicht ohne Erfolg bleiben zu wollen. Wenigstens beabsichtigt die bischöfliche Behörde in Aachen gegen ein Centrumsblatt wegen Beleidigung des Papstes und des Coadjutors des Bischofs von Straßburg in der Wahlperiode vorzugehen und es steht zu erwarten, daß die bischöflichen Behörden auch gegen die betr. Geistlichen einschreiten werden. Der häusliche Streit im Czechenlager geht munter weiter fort. Die Alt-Czechen haben jetzt einen förmlich systematischen Feldzug gegen ihre jungczechischen Brüder begonnen. Neulich fand in Prag eine Versammlung des altczechischen Bürgeroereins statt, auf welcher die „Partei Gregr" gar wacker abgekanzelt wurde. Namentlich Herr Dr. Rieger, der Jupiter tonans der Alt- Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Czechen. ging scharf gegen die demokratisirenden Bestrebungen der Jung-Czechen vor und beleuchtete er zumal die Stellung zum „historischen Adel" und zu den Klerikalen. Ein Bündniß mit diesem Adel, meinte Herr Dr. Rieger, nütze den Czechen nach Oben und nach Unten tausend Mal mehr als die Action „gewisser Zwerge" und den czechischen Klerus pries der Redner geradezu als ein Muster nationaler Patrioten. Schließlich faßte die Versammlung eine Vertrauens- Resolution für Dr. Rieger; ähnliche Versammlungen sollen im ganzen Lande arrangirt werden. Der „Zwerg" Gregr wird natürlich nicht säumen, sich an dem Goliath Rieger zu rächen und so wird denn der Kampf zwischen den beiden politischen Richtungen im Czechenthum einstweilen weitergehen; eine besondere Bedeutung dürfte er aber schwerlich erlangen. Keichstag. P. Berlin, 14. Juni 1887. (42. Sitzung.) Präsident v. Wedell-Piesdors macht dem Hause Mittheilung von dem Ableben des Abg. Sch mtdt-Sagan. Das Haus ehrt das Andenken des Verblichenen durch Erheben von den Plätzen. Die zweite Berathung der Branntweinsteuervorlage wird bei $ 2 fortgesetzt. Abg. Barth (frs.) führt aus, daß durch die in diesem Paragraphen vorgeschlagene Art der Contingentirung den prtvilegirten Brennern ein Geschenk von 34 Millionen gemacht würde. Das sollte wenigstens in dem Gesetz offen ausgesprochen werden. Er begründet dann die von den Freisinnigen gestellten Amendements, wonach das Kataster, woraus die Vertheilung der mit geringerem Steuersätze von 50 Pfg zu versteuernden Jahresmenge auf die einzelnen Brennereien ersichtlich ist, dem Reichstage zur Kenntniß gebracht werden soll und wonach eine Bevorzugung der landwirthschaft- lichen vor den gewerblichen Brennereien bei Bemessung der zum niedrigeren Abgabesatze herzustellenden Branntweinmenge nicht stattfinden soll. Abg. v. Helldorff (cons.): Es handle sich nicht um ein Geschenk an die Brenner, sondern nur um eine Milderung der Schädigung, welche sie sonst durch das Gesetz erfahren würden. Nachdem sich noch Finanzminister v. Scholz gegen und Abg. Dr. Witte (frs.) für die Anträge der Freisinnigen ausgesprochen, werden dieselben abgelehnt und § 2. mit einigen von den Abgg. Witte und Spahn beantragten Ergänzungen ohne principielle Bedeutung gegen die Stimmen der Freisinnigen und Socialdemokraten angenommen. S 3, Eintritt der Abgabepflicht, Person des Pflichtigen, Stundung der Abgabe, wird nach kurzer Debatte angenommen. S 3a, der in der Commission neu ausgenommen worden, führt den Rectifications- zwang ein. Abg. Dr. Meyer-Halle (frs.) wendet sich dagegen, daß zur Durchführung des Reinigungszwangs von reichswegen Beihülfen gewährt werden sollen. Die Forderung des Reintgungszwangs sei im Ganzen unschädlich; man solle sich aber nicht zu viel davon versprechen. Der Antragsteller sei sich über den Grad der Reinigung auch nicht klar gewesen. Das Fuselöl sei unschädlich; man wisse überhaupt nicht, wo die Schädlichkeit unrectificirten Branntweins liege. Abg. Dr. Miquel (natlib.) constatirt vor dem Lande, daß die Freisinnigen dem Bestreben, dem Volke den Branntwein in möglichst wenig gesundheitsschädlicher Beschaffenheit zu geben, die größten Schwierigkeiten entgegensetzen. Daß der Reinigungszwang durchführbar sei, zeigten die Schweiz und Schweden. Das Haus werde ein gutes Werk thun, wenn es den Paragraph annehme. Finanzminister v. Scholz hofft, daß der Bundesrath bis zum 1. October 1889 (dem Zeitpunkte, von welchem ab nach § 3a der Reinigungszwang eintreten soll) in der Lage sein werde, die Rectificationsfrage durch ein Reichsgesetz zu regeln. Eine solche gesetzliche Regelung verdiene den Vorzug vor einer Befugniß, bei deren Anwendung der Bundesrath der Gefahr ausgesetzt sei, daß seine Beschlüsse wieder um- gcstoßen werden können. Abg. Witte (frs.) protestirt dagegen, daß seine Freunde, wenn sie gegen S 3a stimmten, dies als Freunde des Fusels thäten. Abgg. Dr. Buhl (natlib.) und Dr. Windthorst (Centr.) befürworten § 3a, welcher darauf gegen die Stimmen der Freisinnigen und Socialdemokraten angenommen wird. SS 4—35 (Control- und Strafbestimmungen) werden durchweg nach den Vorschlägen der Commission angenommen. S 36 bestimmt, daß der Reinertrag der Verbrauchsabgabc den einzelnen Bundesstaaten nach Maßgabe der matrtkularmätzigen Bevölkerung, mit welcher sie zum Gebiet der Branntweinsteuergemeinschaft gehören, überwiesen werden soll. Abg. Rickert (frs.) spricht sich gegen dieses Ueberweisungssystem aus, welches nichts weiter als ein calculatorischcs Spiel sei. Abg. Dr. Sattler (natl.) beruft sich auf frühere Aeußerungen des Abg. Rickert zu Gunsten der Ueberweisungen. Nach längeren persönlichen Auseinandersetzungen zwischen den Abgg. Rickert, Miquel und v. Benda wird S 36 angenommen. Hiernach werden die Bestimmungen über Maischbottichsteuer und Branntweinmaterialsteuer berathen. S 38 setzt die Maischraumsteuer auf 1,31 Mk. pro Hektoliter fest. In landwirth- schaftlichen Brennereien, welche nur vom 1. October bis 15. Juni betrieben werden, soll die Steuer, wenn an einem Tage nicht mehr als 1050 Liter Bottichraum bemaischt werden, nur 6/io, wenn an einem Tage über 1050 bis höchstens 1500 Liter bemaischt werden, nur zu 8/iq, und wenn an einem Tage über 1500 bis höchstens 3000 Liter bemaischt werden, nur zu 9/io erhoben werden. Wenn an einem Tage mehr als 1050 bezw. 3000 Liter bemaischt werden, so soll für den betreffenden Kalendermonat der entsprechend höhere Steuersatz erhoben werden. Abg. v. Wedell-Malchow (cons.) beantragt, daß die Ermäßigung der steuer eintreten soll, wenn die betreffenden Brennereien durchschnittlich täglich nur otc angegebenen Mengen einmaischen. Wenn während eines Kalendermonats mehr als 1050 bezw. 1500 bezw. 3000 Liter durchschnittlich täglich bemaischt werden, so sou für den betteffenden Kalendermonat der entsprechend höhere Steuersatz erhoben weroen. Abgg. Frhr. v. Eckardtstein und Holtz beantragen, jene Vergunstlgung aus landwirthschaftliche Brennereien auszudehnen, die in der Zeit vom 15. September ms 15. Juni, jedenfalls aber nicht länger als 8V2 Monate, betrieben werden.... Finanzminister v. Scholz erklärt sich mit dem ersteren Anträge einverstanden» ebenso die Abgg. Dr. Lieber (Centr.) und Dr. Sattlex (natl.) Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenz-Bnrean. m , 14. Juni. Der Kaiser befindet fich wohl und hat in der Nacht gut geschlafen. ... — Die Besserung im Befinden des Kaisers macht bemerkenswerthe Korb «ft A? ^l,er DerliE6 dar Bett und brachte den Nachmittag im Arveus-Ladlnet zu. ö — Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt: Das telegraphisch fianalifirte Programm des neuen serbischen CabinetS, welches Ausrechterhaltunq der besten Begehungen mit allen fremden Staaten und Sparsamkeit in allen wirthschastlichen Angelegenhe ten als Richtschnur ausstellt, könne allseitig nur beifälliger Ausnahme verfichert fein, da dasselbe durchweg Punkte aufführe, welche in t)7n Orientstaaren weitere Bürgschaften zu gewähren verspreche. Leipzig, 14. Juni. Hochverrathsproceß. In der heutigen Berbandluna erfolgte zunächst die Lpecialvernehmung der Angeklagten Köchlin und Blech. Der erstere räumt em, em Abonnent der Zeitung „Le Drapeau" gewesen zu sein weil er ein Interesse daran habe, zu erfahren, was im Turn- und Schützen- wesen m Frankreich vorgehe. Er gesteht ferner ein, Mitglied der WotSa geworden zu sem und seit 1883 Beiträge an dieselbe gezahlt zu haben er ist im Besitze der Medaille der Liga und der Statuten derselben bes nd 5 worden; doch beharrt er dabei nicht gewußt ,u haben, daß der Zw ck d r Palr otenliga gewesen sei, d.e M-dereroberung Elsaß Lothringens durch Waffew gemalt Herbeisuhren zu Helsen; er habe den Zweck der Liga nur dH. faßt den Patriotismus in Frankreich zu erwecken und zu erhöhen und die fran. zösische Jugend zum Verthetdigungrkrieg tüchtig zu machen/ Der Angel agte Blech antwortet vielfach ausweichend. Auch er will den Zweck der Liaa nick in dem Sinne aufgefaßt haben, wie die Anklage behauptet und meint, die Liga Vermischte». Bersrod, 12. Juni. Am Gestrigen wurde dahier ein seltenes Fest gesciert euie golden- Hochzeit. Der Landwirth Philipp Böhmer und dessen Ehlfrau Anna ®?rin0, ®f*rcn glückliche Jubelpaar, das nach SVjähriger, mit Frieden ge^segncter Ehe den Gedächtnihtag seiner Trauung feierlich sf? ^em k°rc,e.1rSiU0'i.^eJ untey Glockengeläute zur Kirche bewegte gingen die Enkelinnen und Enkel und oer Ortsgeistliche voran, dann kam das Jubelpaar gefolgt von den Kindern, Schwi-g-rkindern und sonstigen Angehörigen und Freundm VA re? rt^e ,®^de zuerst von der zahlreich versammelten Gemeinde ein den cbrift- Men Ehe- und Hausstand betreffendes Lied (Nr. 409 des neuen Gesangbuchs) gesuna m dann hielt der Pfarrer die Festrede über das Psalmwort: „Danket dem Herrn d°m er ist sreundlich und feine Gute währet ewiglich"; er zeigte wie reird sS $a“r ’.n i.einec *al*8en ®')e gewesen, dankte mit demselbtgen und dessen Angehörtam sur die übrige Lebenszeit ein. - Beide Eheleute- Mann ift 76 unb bie ^rou 70 2iabre alt — erfreuen fid) noch DÖHtapr nnh Kraft bes Leibes unb ber Seele; sie waren gesegnet mit 4 Kinbern unb ^7 Enkeln hnfc &£»«” 3 ^r>nber un^ 1? ba§ Fest mitfeiern konnten. Gott verleiht erleben möge!ft ß btamantene $oc^eit in Rieben unb Freuden ceP di- f.LÄT.'&b ™ «5SS. *"* ""»d r..„ to i“ÄÄ ££ ®orlefunflcn über Pathologie kam Herr Professor Virchow bei Erörterung gewisser im äbnlick si^d mck Änb" Processe, welche äußerlich denen der Käsebtldung rmÄmEä b/eu?r sprechen. Er bezeichnete bieselbe als ein burchaus zweckmäßiges Nahrungsmittel, weil sie in ber Form, in ber wir sie gewöhnlich ge- unb vegetabilische Nährstoffe in einer für den menschlichen Organismus sehr geeigneten Verbindung enthalten. Also nur tüchtig Dickmilch Lokals-. Gießen, 15. Juni. Am 10. d. Mts. feierte Herr Kreisassistenzarzt t N ?? Sch m l d t dahier sein 50jähriges Doctorjubiläum. Die hiesige Universität q^nfp^r^n16^!!b tar b"rch den derzeitigen Decan der medicinischen Faeultät, Henn Professor Dr. B o fi r o in, das erneuerte Doctordiplom. Ferner empfing derselbe burrh w7tnGphIe Ier überbracht, ein Glückwunschschreiben dn Mitglieder Großh. Ministeriums des Innern, Abtheilung für öffentliche Gesundbeits- »»ä ssa.*!Ä.“.,ÄS her in unserer Stadt im Privatbesitz befindlichen Gemälde zu eröffnen. In der Hoffnung, daß die Besitzer von Gemälden bereit sein weiden, dieselben auf die Dauer von hpc? pUr Aufstellung IN dem alten Schlosse zu überlassen, wird der Conservator des Vereins, Herr Vergolder Leib, in den nächsten Tagen die Gemälde abholen unv werhen aüe diejenigen, welche im Besitze von Gemälden sind gebeten Herrn Geheimerath v. Ritgen hiervon in Keuntniß zu setzen. ' ^bater.f In der W. Ferber'schen Universitäts-Buch- SWÄ?“ eaHeIer Hof schauspieler ausgestellt. Das Gastspiel der Künstler findet bestimmt am 2. Juli statt. ' Gießen, 15. Juni. Als Zeichen, wie üppig die Saaten gegenwärtig stehen wurde uns heute ein bei der Gail'schen Villa in ber Wilhelmstratze gewachsener Korn- mefftn)"ha?te^^' W^X btC ftatthcbe ^bt)e ÜDn genau 2V3 Meter (ohne Wurzel gc- Der Antrag Wedell wirb angenommen unb bomit ber ganze S 38; ber Antrag Eckarbtstein abgelehnt. S 39 (Zuschlag zur Verbrauchsabgabe) sowie SS 37 (Einführungsbestimmung) unb 40 (Eontrolebestimmung) werben bebattelos angenommen. S 41 ber Commissionsvorlage setzt ben Zoll für vom Auslanbe in Fässern ein- gehenben Arrac, Cognac unb Rum vom Tage bes Inkrafttretens bes Gesetzes ab auf 125 Mk., für allen übrigen Branntwein auf 180 Mk. für 100 Kilogr. fest. Abg. Dr. Bromel (frs.) beantragt, bie Zollsätze auf 100 bezw. 150 Mk. festzusetzen. Der Antrag ber Commission wirb angenommen; ebenso S 42 (Uebergangs- abgabe). Abg. Struck mann (natl.) beantragt bie Aufnahme eines S 42», wonach ben Gemeinben bic Besteuerung bes in ihren Bezirken verbrauchten Weins ober Branntweins allgemein lanbesgesetzlich gestattet werben kann. Finanzminister v. Scholz spricht sich gegen ben Antrag aus, ber nur einen platonischen Character gegenüber ben Gemeinben habe. Der Antrag sei für bie verbündeten Regierunaen unannehmbar, weil das jetzige Gesetz nicht wie das Branntweinmonopol erschöpfend und für alle Zeiten die Ansprüche des Reichs an den Branntwein als Steuerobject befriedige. Abg. o. Huene (Centr.): Er denke nicht daran, den Branntwein noch anderweit zu besteuern. Abg. Meyer-Breslau (frs.) ist verwundert, daß dieser „Bürgermeister"-Antrag, nachdem er in der Commission gefallen, hier wieder eingebracht werde. Derselbe habe mit dieser Vorlage nichts zu thun. Abg. Dr. Miquel (natl.) erklärt Namens seiner politischen Freunde, daß sie die Branntwein-Besteuerung mit dieser Vorlage für abgeschlossen erachteten. Abg. Richter: Aus der Aeußerung des Finanzministeis gehe hervor, daß die Branntweinindustrie auch nach Annahme dieser Vorlage nicht zur Ruhe kommen werde. Finanzminister v. Scholz bestreitet, daß er eine dcmnächstige Erhöhung der Branntweinsteuer in Aussicht gestellt. Abg. Dr. Windthorst: Er habe sich von vornherein für niedrigere Steuersätze ausgesprochen, weil er annahm, daß die Regierung doch früher oder später wiederkommen würde. Hoffentlich würden die Parteien künftig fest fein. Abg. o. Kardorff (Reichsp.) erklärt Namens seiner Freunde, daß sie mit ber Vorlage bie Branntweinstcrierreform befinitiv für abgeschlossen halten. Eine Erklärung, daß niemals an eine Erhöhung ber Branntweinsteuer werde gedacht werden, könne bie Regierung unmöglich abgeben. Abg. Richter (frs.): Er habe eine solche Erklärung des Finanzministers nicht provocirt, dieser habe sie aus freien Stücken abgegeben. Die Nationalliberalen würden trotz ihrer Erklärungen auch für weitere Steuererhohungen stimmen müssen, wenn sie nicht wieder in der Versenkung verschwinden wollten, aus der sie erst durch die Gnade des Reichskanzlers erhoben worden. Wenn sich eine Mehrheit nicht finde, so werde eben aufgelöst und durch Erregung von Kriegsbefürchtungen eine gefügige Mehrheit beschafft. Abg. v. Bennigsen (natl.) spricht die Erwartung aus, daß der Reichstag in 1 dieser Session mit weiteren Steuerbewilligungen nicht belästigt werde. Herr Richter greife hier und in seiner Presse die nationalliberale Partei in einer Weise an, wie sie nur bei den früheren Führern ber socialbemokralischen Partei üblich war, inbem er sich schmachvoller Wendungen, wie die von ber Versenkung bebiene. Was soll das heißen, daß „Kriegserregung künstlich heroorgerufen" worden sei, um bie Wahlen zu beeinflussen? Wenn sonst Jemanb von einem großen Unglück getroffen werbe, so gehe er in sich unb frage fich, ob er vielleicht einige Schuld daran trage. Herr Richter, der Führer einer großen Partei, verfahre nicht so. Die Fortschrittspartei habe seit zwanzig Jahren an keiner positiven Thäligkeit theilgenommen; auf diese Bahn könne ihr die nationalliberale Partei freilich nicht folgen. So lange die freisinnige Partei unter der Jetzigen Führung stehe, werbe sie von den übrigen Parteien nicht gefürchtet werden