Air. 292 Erstes Blatt. Donnerstag den 15. December 1887. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau: Schul st raße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montagö. PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Nerttschland. ][ Darmstadt, 13. Decbr. Se. Künigl. Hoheit der Großherzog find Hestern Abend 9'/- Uhr von Jagdschloß Ratsfeld hierher zurückgekchrt. Höchst- derselbe empfing heute den Besuch Sr. Hoheit des Erbprinzen und Ihrer König!. Hoheit der Frau Erbprinzesstn von Sachsen-Meiningen, welche mit Ihrem Töchterchen, der Prinzessin Feodora, Vormittags 11 Vs Uhr eintrafen uno von dem Großherzog und der Prinzessin Irene am Bahnhofe empfangen wurden. Die hohen Reisenden werden hier im Neue« Palair übernachten und voraussichtlich morgen die Reise noch San Remo sortsetzen, um bis gegen Ende Januar in der Nähe de» deutschen Kronprinzen zu verweilen. In Betreff der von der „Köln. Ztg." gebrachten Nachricht, daß der Grobherzog von Hessen nebst Tochter In San Remo erwartet werde, theilt man uns hier an cowpetenter Stelle mit, daß diese Reise erst für die Mitte de» nächsten Monat» in Aussicht genommen sein dürfte. Die in der betr. Nachricht erwähnte Tochter kann natürlich nur unsere Prinzessin Irene sein, die hohe Braut de« Prinzen Heinrich von Preußen, welcher zur Zeit bei seinem Vater in San Remo weilt und noch bis in den nächsten Monat hinein dort zu oer- Weilen gedenkt. Arankreich. Pari», 13. December. In dem gestern Abend im Elys4e stattgehabten Minister- rathe theilte Carnot die Botschaft mit, welche heute in den Kammern verlesen wird. Die Botschaft betont die Erhaltung des äußeren Friedens und die Versöhnung der Parteien im Innern. — Zum Kriegsminister ist der General Logerot ernannt worden. Paris, 13. December. Die Botschaft des Präsidenten sagt: Seine Wahl lege ihm große Pflichten auf; sie bezeichne den Willen des Landes, jeden Grund für Zwistigkeiten zu beseitigen; die Sorge für die vitalen Interessen des Vaterlandes, für seinen Ruf in Europa, für seinen legitimen Einfluß habe jene Einigkeit zur gebieterischen Pflicht gemacht, nur derselbe patriotische Gedanke habe auf einen einzigen Namen die Stimmen der Wähler concentrtrt. Die Regierung werde sich bemühen, die Ueberetn- stimmung zu erleichtern, indem sie das Parlament zur Thättgkeit auf dem Allen gemeinsamen Gebiete der moralischen und materiellen Interessen zu wirken berufe. Durch Beruhigung, durch Sicherheit und Vertrauen werde er bestrebt sein, dem Lande ein ruhiges Fortschreiten und praktische Reformen zu verschaffen, welche bestimmt seien, die nationale Arbeit zu ermuthigen, den Eredit zu befestigen, eine Belebung der Geschäfte herbeizusühren und große industrielle Wettkämpfe für das Jahr 1889 zu veranlassen. Er werde sich namentlich angelegen sein lassen, die Finanzen zu verbessern, ein wirkliches Gleichgewicht des Budgets und eine tadellose Handhabung der öffentlichen Geschäfte herbeizusühren. Einen besonders großen Platz in seiner Sorgfalt werde die bewaffnete Macht zu Waffer und zu Lande einnehmen, deren Ehre und Interessen der Nation überaus theucr seien. Die Sache der Kammern werde es sein, der Regierung die Macht zur Verwirklichung dieses Programms zu sichern und dem Lande eine dauerhafte Aera geordneter, friedlicher und fruchtbarer Thätigkeit zu verschaffen. Die Kammern würden damit Europa das werthvollste Unterpfand geben für den lebhaften Wunsch, den Frankreich hege, betzutragen zur Befestigung des allgemeinen Friedens und sie würden die Aufrechterhaltung und die Entwickelung seiner guten Beziehungen zu den auswärtigen Mächten erleichtern. Die Botschaft schließt mit einem Appell an den Patriotismus der Kammern zur Entwickelung des Fortschritts und für die Beruhigung und Eintracht. „Die Regierung werde ein aufmerksamer und entschlossener Wächter der Verfassung und der Gesetze sein. Frankreich aber werde auf solche Weise, nach Außen geachtet, ruhig und glücklich im Innern, in Frieden und Arbeit sich vorbereiten können zu einer würdigen Jubelfeier des Jahres 1789." Deutscher Leichstag. 10. Sitzung vom 13. December 1887. Auf der Tagesordnung: zweite Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Abänderung des Zolltarifs (Erhöhung der landwirthschaftlichcn Zolle). Abg. Frhr v Ow (Rchsp.) constatirt als Referent der Commrsston, daß die Berathungen der letzteren zu einem positiven Ergebniß nicht geführt haben. Er selbst beantragt: Die Rotte für Weizen, Roggen und Hafer auf je 5, für Buchweizen und Hülsenfrüchte auf je 4 und für Gerste auf 3 Mark festzusetzen. Dieser Antrag entspreche in erster Reihe den Interessen der kleineren Besitzer und vermindere die Gefahr einer Erhöhung der Brodpreise. . Abg. Brömel (frs.) bittet, sich der Commission anzuschließen und Alles abzu- lebnen Durch die Erhöhung auf 6 JL würden wir die höchsten Zölle in Deutschland baben' Redner sucht dann ziffernmäßig nachzuweisen, daß die durch den Zoll ent; Lebende Erhöhung der Getreidepreise eine Erhöhung der Brodpreffe nothwendig zur LL baben müsse. Das beweise ja auch die Thatsache, daß die früheren Brodtaxen nack den Getretdepreisen normirt waren. Der Nothstand der Landwirthschaft sei in dem behaupteten Umfange nicht vorhanden; zum Beweise dafür liege ein ganz anderes Material vor, als das, welches der Minister zum Beweise für den angeblichen Noth- ttand anaeführt habe. Die Erhöhung der Zölle werde nur eine Preissteigerung der Vrette für Grund und Boden herbeiführen; im Interesse der Landwirthschaft selbst Ueae bllliaer Grund und Boden. Der Getreidehandel und die Verkehrstndustrie würden durch die Zollerhöhung empfindlich geschädigt und ein Theil der Landwirth- selbst mürbe dadurch benachtheiligt werden. Dazu komme der große moralische Schaden durchEtttwirkung unbegrenzter Begehrlichkeit die wirthschaftliche,und sittliche Verwilderung im Agrarierthum, der auch kein Ziel durch Annahme ctner abermaligen Kornzollerhöhung gesetzt würde. (Beifall links). Aba Frhr v Mirbach (cons.) erklärt, daß bte Deutschconservativen bezüglich der Zölle auf Roggen und Weizen voll und ganz auf dem Boden der Regierungs- Vorlage stehen. Der Vorredner habe eine Vertheuerung infolge der Zolle hehauptet, der Parteigenosse des Hrn. Brömel Hildebrand behaupte m seiner Broschüre das Geaentbeil Es handele sich nicht um eine Erhöhung der Bodenprerse, sondern em- U darum, daß der Landwirth existtren könne und prästattonsfähig bleibe Billiges Brod sei kein Segen, wenn die landwirthschastliche Bevo kerung dadurch außer Stand gesetzt sei, industrielle Erzeugnisse zu kaufen. In dem Sinne se der Spruch: Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt, zu verstehen. Eme gründliche Abhulfe des Noth- standes fei nur von einer Aenderung unserer Währungsverhältnisse zu erwarten; wenn aber ohne eine solche etwas Durchgreifendes geschehen solle, so nehme man die Sätze der Regierungsvorlage an. Die Preisbesserung auf Grund derselben werde aber nur so lange dauern, als die österreichische, russische und indische Valuta nicht weiter herabgehe. Er danke dem Minister Lucius für fein warmes Eintreten für diese Vorlage. (Beifall rechts). Ab. Dr. Hammacher (nl.): Die Getreidezölle von 1879 und 1884 hätten zu einer Erhöhung der Lebensinittelpretse nicht geführt, eine weitere Erhöhung der Zölle würde aber eine Preiserhöhung zur Folge haben und damit eine Lohnerhöhung herbeiführen, von der zu befürchten sei, daß sie unsere Concurrenzsähigkeit auf dem Weltmärkte in Bezug auf die Industrie schädige. Er erkenne die Nothwendigkeit der Erhaltung der deutschen Landwirthschaft vollständig an; wenn der Beweis wirklich erbracht wäre, daß bereit Existenz auf bem Spiele stehe unb nur durch die vorgeschlagene Zollerhöhung gesichert werden könnte, so würde er sich dafür erklären. Ein wirklicher Nutzen würde der Landwirthschaft aus der Aufhebung des Identitätsnachweises erwachsen. Wenn er einen bezüglichen Antrag nicht einbringe, geschehe das mit Rücksicht auf die Aussichtslosigkeitj, eine MehrheÜ dafür zu gewinnen. Jedenfalls bitte er, die Angelegenheit auch in Zukunft im Auge zu behalten. (Beifall bei den Nationalliberalen). Abg. Dr. Windthorst beantragt, den Zoll für Roggen und Weizen auf 5 JL festzufetzen. Er hätte persönlich gewünscht, daß die Vorlage noch nicht gemacht worden wäre. Der Vorschlag von 5 JL beruhe auf einem Compromiß. Er habe mit der Zustimmung zu demselben ein großes Opfer gebracht. Er könnte nur wünschen, daß sich der ganze Reichstag auf diesen Vorschlag hin einigte. Das würde wahrhaft national fein. (Beifall im Centrum.) Abg. Pfafferott (Centr.) zieht den von ihm gestellten Antrag auf Erhöhung des Welzenzolls auf 4 JL (der Roggenzoll fall nicht erhöht werden) zurück. Der kleine Bauer habe gar nichts von den Getreidezöllen. Durch dieselben werde der capttalistische Betrieb nur befördert. Die Interessen des kleinen Besitzes unb des capitalistischen Großbesitzes seien keineswegs gemeinsame. Er bitte bie Regierung unb die Conservativen dringend, nicht zu sehr mit den Kornzöllen zu experimemiren. Abg. Rickert (frs.): Die Agrarier seien nicht zu sättigen; wenn man ihnen einen Bissen vorwerfe, so reize das nur ihren Appetit. Er hätte gewünscht, daß dabei stehen geblieben worden wäre: Alles ober nichts. Man hätte nichts bewilligen unb es auf eine Auflösung ankommen lassen sollen. Er begreife ben Wiberstaad bet Herren aus Südbeutschland gegen bte Aufhebung bes Jbentitätsnachweises nicht; Sübbeutsch- lanb würde ben größten Nutzen bavon haben. Die Agrarier behaupten, bie Mehrheit des Volkes hinter sich zu haben; sie berufen sich hierfür auf bie eingegangenen Petitionen. 170,000 Unterschriften aus ganz Deutschland, daS sei ein ganz jämmerliches Resultat. Und wie seien sie zusammengebracht worden. Es handle sich aber um keine elementare, sondern um eine künstlich gemachte Bewegung. Der Nothstand sei anderwärts größer als in der Landwirthschaft. Er wünschte, daß die ganze Vorlage ein- unb für alle Mal abgelehnt würde, bamit ber (Segenftanb ber Agitation entzogen werbe. Unter den jetzigen Verhältnissen gebe es keine Vermittelung oder Versöhnung. In einer Zeit, wo das herrschende Regime durch die Warnen Puttkamer und Stöcker charakterisirt werde, müsse icber freisinnige Mann ben Kampf in entschiedenster Weise aufnehmen. (Beifall links.) Minister Dr. Lucius: Die Frage des Identitätsnachweises sei für die verbündeten Regierungen noch non liquet, ba Südbeutschland eine schädliche Wirkung davon befürchte. Wenn Rickert das gegebene Material für nicht ausreichend erachtete, so hätte er sagen sollen, was er noch vermisse- Die Zölle seien nach dem Bedürfniß des Tages zu bemessen, das sei in der Regierungsvorlage geschehen. Gegenüber den Anträgen auf 5 JL für Roggen und Weizen könne er eine autoritative Meinung Namens des Bundesraths nicht aussprechen, er glaube aber sagen zu können, daß weniger aI5 5 nicht besser als gar nichts sein würde. Aus der Rede des Abg. Pfafferott habe er ersehen, daß es in der Gegend von Hildesheim noch Bauern gebe, die wie bie Prinzen leben- Leiber stimmten bie ihm zugegangenen Mittheilungen nicht so ganz damit. Minister v. Scholz führt dem Abg- Rickert gegenüber steuer statistische Daten vor, welche ergeben, daß die Einkommensverhältnisse des platten Landes mit denen ber Städte bei weitem nicht Schritt gehalten haben, ja sogar zurückgegangen sind. In den Oftprooinzen hat sich der Steuerertrag des platten Landes durchweg vermindert. Abg. v. Fischer (natl.) befürwortet die Zollerhöhung auf 5 JL, da für 6 JL bei der Stellung der verschiedenen Interessengruppen im Centrum ja doch keine Aussicht auf Annahme fei. Retorsionen Seitens des Auslandes hätten wir nicht zu furchten. Rußland habe bereits seine Grenzen gegen unsere Jndustrleproducte abgesperrt und zwar lange bevor Deutschland zu den Schutzzöllen überging. Es handle sich nicht um ein besonderes Interesse des Nordostens, sondern der ganzen deutschen Landwirthschaft. (Beifall.) Die Debatte wird geschlossen. Abg. Mohren berichtet über die eingegangenen Petitionen unb empfiehlt, dieselben durch die stattfindende Beschlußfaffung für erledigt zu erklären. Rach fast 8stündiger Sitzung gestaltete sich die Abstimmung über die Kornzoll- Sorla%“t3ottfaö von 6 JL für Weizen und Roggen wird mit 238 gegen^108 Stimmen abgelebt. Für denselben stimmen die Deutschconservativen, di«- Halste der Reichs- partei, die Polen, vom Centrum der Abg. Kersting und bte ffaktionslosen Abgeordneten v. Hornstein uni Böckel. Gegen denselben stimmen die Freisinnigen, die National- liberalen, Socialdemokraten, Elsässer, das Centrum, mit Ausnahme des Abg. Knstlng, die Welfen und von der Reichspartei u. A. bte Abgeordneten Graf Arnim, Ampach, Baumbach (Altenburg), Bormann, Fürst Carolath-Beuthen, ^lbruck, Dietze (^rby) Günther (Sachsen), Fürst Hatzfeldt, Holtz, v Kulmtz, Leuschner (Sachsen), Muller lMarienwerders Herzog von Ratibor und v. Unruhe-Bomtt. (Martenwerber), ^£0™^ geQen ^Stimmen — Für denselben stimmen Deutschconservative, Reichspartet, Polen, die.Mehrheit d Centrums (mit Ausnahme der Abgeordneten Bock (Aachen), PwNerott, ^et unb Wolf, die meisten Elsässer unb fo genbe !Watwnaaiben>ie. Klemm, (Lubwigshasen), von Degenselb Engler Esser,Feuftel, v Fischer,^^l^ Haarmann, Keller (Württemberg), Kle^e, Krämer, I h ' (Rothenburg) Di- FrMioneu stimmen ebenso wie b-i der «tmmuns af(ürsfHmmunj n’S a6|iimE?8en 11 Uhr: Fortsetzung der heutigen Berathung. Telegraphische Depesche«. Wolff'S telegr. »»«»cntu Berlin, 13. December. Der Kaiser hörte Vormittag« eine große Reihe militärischer Meldungen, dann die Vorträge Albedyll's und Caprivi'- uns machte gegen 2 Uhr eine Spazierfahrt. — Der „Reich-'Anz." publicirt die Verhängung refp. Verlängerung de» sog. Kleinen Belagerungszustandes für die Stadt» und Landkreise Frankfurt unn Hanau, den Kreis Höchst und den Obertauuus-Kreis bis zum 30. Sep» tember 1888. — Bei der heutigen Stadtoeroroneten-Stichwahl wurde im 8. Wahlbezirk Seeger mit 114 Stimmen gewählt, Major a. D. Hinze erhielt 80 Stimmen. Berlin, 13. December. Dem „Reichs-Anz." ist aus San Remo fol* gendes Schreiben zur Veröffentlichung zug-gangen: w9)ie täglich sich mehrenden Zeichen der Theilnahme haben Se. Kaiser!, und Kör.igl. Hoheit den Kronprinzen veranlaßt, nochmals Höchstseinem wärmsten Dank hiervurch Ausdruck zu geben. Gleichzeitig ist Höchstdemselben zu Ohren gekommen, daß in der Heimath vielfach von öffentlichen und privaten Festlich» ketten in Hinblick auf Sein Leiden Abstand gen mmen wird. Se. Kaiser!, und König!. Hoheit ist durch diese Rückstcht innig gerührt. Der Gedanke ist Höchst» demselben tndeß peinlich, daß Seine Krankheit, die einen langwierigen Charakter anzunehmen scheint, eine in das öffentliche Leben so tief eingreifende Störung Hervorrufen sollte. Der Kronprinz wünscht daher, daß die Festlichkeiten und Vergnügungen des Winter«, zumal da gegenwärtig eine entschiedene B'fferung im Befinden Sr. Kaiser!, und König!. Hoheit eingelreten ist, in hergebrachter Weise stattsänden. San Remo, 11. December 1887. Der Hosmarschall: Gras Radottneki. Leipzig, 13. December. (Landesoerrathsproceß Cabannes.) Nachdem die Zeugenvernehmung beendigt ist, in der sich noch ergab, oaß der Angeklagte auch Drucker dec Bezirk-präsidien in Metz und Kalmar zur Aushändigung amt» licher Schriftstücke verleiten wollte, erfolgte die Verlesung weiterer Verwaitungs- berichte, deren Sendung nach Frankreich Cabannes einräumt. In nichtöffentlicher Sitzung erfolgte die Verlesung besonders geheimer, von Cabannes ebenfalls verrathener Schriftstücke. Wien, 13. December. Unter dem Vorsitz des Kaisers fand Vormittags eine zweite militärische Conferenz statt, an welcher der Erzherzog Albrecht, der Kriegs Minister Bylandt» Rheydt, Generalstab-- Chef Beck, verschiedene Sections- Chefs des Kriegsministeriums theilnahmen. Stockholm, 13. December. Sämmtliche Mitglieder des Ministeriums gab-n dem Könige heute ihre Entlassung. Der König ersuchte dieselben, vorläufig noch weiter im Amte zu bleiben. Pari-, 13. December. Kammer und Senat vertagten sich nach Verlesung der Botschaft bis nächsten Donnerstag. Ministerpräsident Ticard brachte eine Vorlage ein, in welcher Die Bewilligung provisorischer Zwölftel beantragt wird. L *o t a I e t. Gießen, 14. December. Nur wenige Tage trennen uns noch von dem schönen Wethnachlsfen und das Herannahen desselben macht sich — freilich etwas später wie in früheren Jahren — nunmehr in unserer Stadt bemerkbar. Die allmältg beginnenden Ausstellungen locken bei Einbruch der Dunkelheit Jung und Ali hinaus auf die sonst nur mäßig erleuchteten, jetzt aber lichtdurchflutheten Straßen und es entfaltet sich dort ein so lebendiges Treiben, wie man es an Winterabenden eben nur zur Weihnachtszeit zu sehen gewöhnt ist. In allen Straßen, in denen Gewerbetreibende ihren Sitz haben, strahlen während der ersten Abendstunden die Geschäftsräume im hellsten Lichterschein und überall, wo erleuchtete Schaufenster blinken, da sind sie von Schaulustigen umstanden, welche nicht müde werden, die mannigfaltigen Auslagen anzusehen und zu bewundern. Zunächst sind es die Ausstellungen der Juweliere, Bijouterie-, Galanterie- und Porlefeuillewaarenhändler, welche die Hauptanziehungspunkte für das schaulustige Publikum bilden; alle nur erdenklichen Gegenstände präscntiren sich hier dem Auge in geschmackvoller Gruppirung, von den einfachsten und billigsten Nippsachen bis zu den kunstvollsten und theuersten Luxusartikeln. Während die Ausstellungen der in großer Anzahl vorhandenen Kleiderbazare, Schnitt- und Modewaarenhandlungen, sowie Aus- staltungsgeschäfte aller Art das Interesse der Erwachsenen auf sich lenken, fesseln vornehmlich die Bücherläden, Conditoreien und Spielwaarenläden die Aufmerksamkeit der Kinder; es schaart sich die reifere Jugend um die in ersteren ausgelegten, in prächtiger Gewandung erscheinenden Jugendschriften, die Kleinen aber ergötzen sich an den in den letzteren ausgestellten Herrlichkeiten. Porcellan- und Glaswaaren-, sowie Blumenhandlungen, Buchbindereien, Schuhwaarenhandlungen u. dgl. haben gleich den übrigen Geschäften sich bestrebt, auf den betreffenden Gebieten dem Publikum das Schönste und Beste vorzulegen und wem es nicht an Geld mangelt, um nach Herzenslust einfaufen zu können, der wird finden, daß in unserer Stadt Alles zu haben ist, was zum Bedürfnisse, zur Bequemlichkeit oder zur Freude des Menschen dienen könnte. Ein Hinweis auf die einzelnen Ausstellungen würde zu weit führen, wir überlassen dieselben deshalb der eigenen Inspektion unserer verehrten Leser und sie werden die Ueberzeugrmg gewinnen, daß unsere hiesige Geschäftswelt zu Weihnachten eine tüchtige Probe ihrer Leistungsfähigkeit gegeben hat, deren Anstrengungen durch ein flottes Weihnachtsgeschäft belohnt zu werden verdienen. Gieße«, 14. December. ^Schwurgericht.) Die gestern unter der Anklage der BrandfUfrung vor dem Schwurgericht gestandene Friedrich Kittel Ehefrau von Langenbergheim wurde nach Verneinung der Schuldfrage durch die Geschworenen kostenlos freigesprochen. Gießen, 14. December. Der gestern Abend im Saale des „Prinz Karl" dahier abgehaltene fretreligiöfe Vortrag war sehr gut besucht. Herr Prediger Voigt von Offenbach sprach in längerer Rede über die religiöse Erziehung der Kinder und erntete am Schlüsse seines Vortrags einmütigen Beifall. Gießen, 14. December. Wie aus Bad-Nauheim mitgetheilt wird, hat der erste im Kinderhospital eingerichtete Wtntercursus sehr ermuthigende Resultate gehabt. Es soll daher am 2. Januar mit einem neuen begonnen werden. Derselbe wird auch auf 2 Monate berechnet sein. Die Kosten betragen nur 60 JL Anmeldungen sind binnen 8 Tagen an Dr. Abse in Bad-Nauheim zu richten. Auskunft ertheilt auch Pfarrer Schlosser dahier. Gießen, 14.December. Herr Schreiblehrer Gottlieb aus Leipzig hat zufolge seiner rationellen Lehrmethode in hiesiger Stadt recht erfolgreiche Resultate erzielt. Dis jetzt hat er 35 Schüler nach seiner Methode im Schönschreiben unterrichtet. Bei allen wurde die Handschrift sehr gebessert. Zahlreiche Zeugnisse von Eltern seiner Schüler bestätigen seine günstigen Erfolge. Gießen, 15. December. sTheater.j Die Lustfpielvorstellungen der Rudolph- schen Gesellschaft, welche sich einer so allgemeinen Beliebtheit zu erfreuen haben, finden in der heutigen Aufführung des drolligen Scherzspiels „Der Liebe Lust und Leid", gedichtet von der Prinzessin E. v. M., jedenfalls eine Bereicherung, welche unsere Damenwelt besonders interessiren dürfte. Im Zwischenact wird unsere anmutige Solotänzerin Frau Anna Rudolph eine ihr vom Eomponisten Hempel gewidmete Graziosa tanzen. Die gestrige Vorstellung: „Durchlaucht haben geruht" wurde wieder mit großem Beifall ausgenommen. Das Theater war bis auf den letzten Platz besetzt. S < i » i f cM < « A Mainz, 13. December. Wie das „M. I." mitteilt, sollen, nachdem die verwaisten Pfarreien der Diöcese Mainz jetzt sämmtlich besetzt sind, demnächst auch die Dekane für die einzelnen Eapttel bestellt werden. Da während des Eulturkampfes diese Stellen nicht besetzt werden konnten und die Amtsdauer eines Dekanes nach den Diöcesenstatuten sich nur auf 5 Jahre erstreckt, mithin längst abgelaufen ist, so hat das Bischöfliche Ordinariat die Neuwahl der Dekane für sämmtliche Eapitel des Bisthums angeorbnet. — Nach einer heute hierhergelangten Nachricht ist am verflossenen Sonntag zu Neuhaus in Oesterreich der Pater Johann Nep. Eori, Militär-Bezirkspfarrer, Ehrendomherr und Geistlicher Rath zu Mainz, gestorben. Der Verschiedene war zur Zeit, als Mainz noch Bundesfestung, hier über 30 Jahre österreichischer Feldgeistlicher und eine weithin belieote und populäre Persönlichkeit. — Ein unangenehmer Mißton wurde durch die Prämiirung unter einen Thcil der Aussteller der eben hier flattfinbenben Blumen- und Pflanzenausstellung gebracht. Wie das häufig geschieht, glaubten einige der Aussteller bei der Präiniirung nicht richtig gewürdigt zu sein, was die Veranlassung zu heftigen Erörterungen und fchließlich sogar zu ©eenen gab, über welche mit Rücksicht auf die gelungene Ausstellung des Sängers Höflichkeit wohl schweigen darf. — Da es nur allzu häufig oorkommt, daß Weinfässer auf dem Transport angebohrt werden, hat eine Anzahl hiesiger Weinhandlungen eine Denkschrift an die Direction der Ludwigsbahn gerichtet, in welcher um Maßnahmen zur Verhinderung dieser Vorkommnisse ersucht wird. Wie die Denkschrift anführt, ist der Schaden, welcher den Weinhandlungen durch diese Art Beraubung erwächst, alljährlich ein ziemlich beträchtlicher. A Aus Rheinhessen, 13. December. In der Doedling'schen Branntwein- und Liqueurfabrik in Oppenheim brach gestern Vormittag Feuer aus, welches in kurzer Zeit die großen Fabrikgebäude sammt dem lagernden Spiritus zerstörte. Literarische-. — Ueber Meyers KonversationS-Lexikon, von dem soeben der 9. Band der jetzt erscheinenden, vollständig umgearbeiteten 4. Auflage ausgegeben wurde, bemerkte die „Deutsche Rundschau", die sonst mit Lobsprüchen sehr sparsam ist, in ihrem neuesten Heft: „Es ist nicht möglich, die Aufgabe eines solchen Werkes höher zu erfassen, als hier geschehen, auch noch in jedem Betracht, dem literarischen, artistischen und rein technischen, vollkommener zu erfüllen. — Keine Frage, daß es, wenn vollendet, alles, was auf diesem Gebiet jemals in Deutschland geleistet worden ist, übertreffen und auch die Probe des Auslandes siegreich bestehen wird." Wir unterschreiben dieses rühmende Urteil aus eigener Anschauung, denn wir haben das Werk erst jüngst als einen wahren Hausfchatz bezeichnet und dessen Anschaffung angelegentlichst empfohlen. Daß der 9. Band noch vor dem Weihnachtsfeste ausgegeben wurde, wird jeder von den Vielen begrüßen, die das hervorragende Werk als prächtiges und wertvolles Geschenk zu verwenden beabsichtigen. fefIttff I Den Abonnenten des „Frankfurter Journals" cöUlUllUL ist Gelegenheit geboten, sich im Laufe der Zeit auf billigste Weife in den Besitz des soeben erscheinenden großartigen Prachnvei kes von Kaspar ©teuren „Der Rhein vom Fels zum Meer" zu setzen. In dieser Sammlung von Kunstblättern in Chromolithographie reprobucirt, hat der Meister gewissermaßen ein neues Genre allegorisch geschmückter, sein gezeichneter und duftig kolorirter Ansichten geschaffen, in welcher Landschaft, Figuren und Ornamentik in phantasiereicher Weise vereinigt sind. Die Abonnenten für das nächste Quartal erhalten das neueste Blatt des Werkes „Frankfurt am Main" zum Ausnahmepreis von 1 je. (Der Ladenpreis beträgt 7 JL 50 H.) 8873 Notiz! 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Familien Retter und Petri 9266 Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß unser innigstgeliebter Gatte und Vater Heinrich. Strack, Schuhmacher, nach kurzem, aber schwerem Leiden entschlafen ist. Gießen, den 13. December 1887. Die tieftrauerude?.Gattin und Kinder. Die Beerdigung findet Donnerstag Nachmittag 3 Uhr von der Klinik aus statt. 9272 Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Theilnahme bei dem schweren Verluste, der uns betroffen hat, sagen innigsten Dank 6235 Für ein Colonial- u. Eisen- waaren-Geschäft wird zum alsbaldigen Eintritt ein angehender CommiS ges. Schriftl. Offerten bef. die Exp. d. Bl. Wohnung gesucht von 7—8 Zimmern event. ganz. Haus, mit Garten, im südwestl. Stadttheil. Off. 1 X. bef. die Exped. d. Bl. 9182 Das durch reine gute Qualität so allgemein beliebt gewordene Flaschenbier von Gebr Röhrle kostet frei ins Haus geliefert: 14 große Fl. oder 26 halbe Fl. 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Zu unseren Bildern: Die Weisen aus dem Morgenlande von Heinrich Hofmann, und Oberförsters Kunstthätigkeit von E- Bosch. — Kautschuck und Guttapercha. Von Hans von Spielberg. — Die Entwickelung des Naturgefühls. — Zum Kindergottesdienst. Von Robert Koenig. — Das Metermaß. — Gesundheitsrath. — Aus der Redaktion. — In unserer Spielecke. Erste und viert Beilage: Aus der Zeit — für die Zeit. Zweite u. dritte Beilage: Frauen-Daheim. äMT' Hiermit bescheinige ich dem Herrn Gottlieb gerne, daß sich die Handschrift meines Lehrlings schon nach einigen Unterrichtsstunden sehr gebessert hat. Gießen, 13. December 1887 9265 Wilh. Montanas. ar—Bfr u.i.l......Da ich nur noch "RUI II l Hü» bis zum 23. d. M. hier bleibe, so kann noch heute Donnerstag u. morgen'Freitag Meldungen zum Schönichreibunterricht im Hotel Prinz Carl annehmen. O. Gottlieb, Kalligraph Neues Theater in Giessen. Cafe Leib. 9268 Donnerstag den 15. December 1887: Zum ersten Male: Der Liebe Lust und Leid oder: Ein gutes Aeugniß Lustspiel in 3 Acten von C- M. O- E- Personen: Baron v. Seldenitz Max Heinrich. Clarissa, seine Frau Betty Heigl. Sidonie, ihre Tochter Margaretha Bauer. Arthur Rennsfeld Max Hooffacker. Gottfried Scheffler, Pastor Richard Kreiße!. Frau Dr. Börner Franziska Buisson. Gerda Dorn, ihre Nichte Franz. Rottmeycr. Elise j bei Frau Selma Hesse. August I Dr. Börner Adolf Klein. Ätsche"! daron Dtto Woisch. Diener ) 'öaron Hugo Fischer. Zwischen dem 2. und 3. Alt: La tiraziosa, getanzt von Anna Rudolph vom Königl. Theater in Cassel. Anfang ganz präciS 8 Uhr. Billets sind zu allen Plätzen vorher nur in der W. Ferber’schen Universitätsbuchhandlung zu haben. Coursbericht der frankfurter Börse. Reichsbank-Disconto 3% 13. December 1887. Franks. Bank-Disconto 3% 4% Preußische Consols 106.70 3Vi°/o do. 100.40 4% Naffauer Oblig. 102.30 4°/o Bayerische Oblig. 105.40 4% Badische Oblig. 104.50 4% Hessische Oblig. 104.90 4% Franks. Hypothbk.-Pfandbr. alte 100 90, neue 102.20 3‘/»°/o do. 97.30 4«/r°/o Franks. Landwsch. Creditbk.- Oblig. 102.60 4% Hamb. Hypothbk.-Pfandbr. 102.00 3‘/a% do. 97.30 5% Buderus Oblig. 103.90 3V,o/o Solms-Braunf. Oblig. 94L0 4% Gießener Oblig. 103.90 4% Oefterr. Goldrente 89.40 4,/6°/o Oesterr. Silberrente 65.60 5% Portugiesen Oblig. 94 60 Darmst. Bank-Actten 137 60 Geldsorte«. 20 Francs-Stücke 16.09-16.12 do. in Vi 16.07-16.11 Engl. Souvereigns 20.29—20.34 Dollars in Gold 4.16—4J2O Telegraphischer Coursbericht bet Berliner Börse vom 14. December 1887. Oesterr. Creditactien Oesterr. Staatsbabn-Acticn 1880 4*/o Russen Oblig. 4°/e unif. Egypter Obst-. 445.00 359.50 79.10 75.25 Disconto-Com-Antheile Laura-Actien 4% Ungar. Goldrente 5’/ö Gemischte Russen 190.87 92.00 79.30 93.00 Tendenz: unentschieden. tiMR" Der heutigen Nummer liegt ein Extrablatt des Herrn Theodor Haubach über Nähmaschinen bei. 9269 ShboHwn: 8L Scheyda. - Druct und VeUag der Drühlfchr« Druckerc. 'br. Pietsch) in Gicß-n. Die heutige Nummer enthält 3 Blätter.