Nr. 266. Dienstag den 15. November 1887. Gießener Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau: Schulftraße 7. ^scheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljäbrlich 2 Mark 50 Pf. ........................................ Amtlicher eil. Bekanntmachung. In Gemäßheit des § 6 des Gesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat October veröffentlicht: Hafer Jk 14.—, Heu 7.17, Stroh «X 5.78 pro 100 Kilogramm. Gießen, am 11. November 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ____________________________________________________Dr, Boekmann._________________________________________________ Betreffend: Sterblichkeits-Statistik. Gießen, am 14. November 1887. Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises Gießen. Wir ersuchen um unverzügliche Einsendung der aus den Gemeinden Alten-Buseck, Bellersheim, Bersrod, Göbelnrod, Lauter, Leihgestern, Oppenrod, Ruttershausen und Trohe noch rückständigen Sterblichkeits-Nachweise für die Monate September und October, beziehungsweise nur für letzteren Monat. Gleichzeitig machen wir nochmals auf die von verschiedenen Seiten nicht beobachtete Bestimmung aufmerksam, daß bei fehlender ärztlicher Bescheinigung der Todesursache der Standesbeamte sich darüber zu verlässigen hat, daß ein Arzt nicht zugezogen war und dieß aus dem Todesschein unter Beifiigung seiner Namensunterschrift zu bescheinigen hat. Auch erinnern wir, daß bei den Fällen gewaltsamen Todes stets die specielle Art, in welcher derselbe eingetreten ist, angegeben werden muß. Dr. Köhler. Deutschland. Darmstadt, 12. Nov. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute den Profeffor Dr. Hofmeier von Gießen, den Lehrer Gerhardt aus Framersheim; zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Ministerial- präsidenten Weber, den Geheimerath Dr. Becker, den Oberstallmeister Frhrn. v. Nordeck zur Rabenau, den Hofceremonienmeister Geheimerath v. Werner, den Hofjägermeister v. Werner. ][ Darmstadt, 13. Nov. Seine Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm von Preußen trafen heute Nachmittag, mit dem St. Gotthardtzug 2 Uhr 33 Miy. von San Remo kommend, in Begleitung Seines persönlichen Adjutanten, Hauptmann von Pfuel, hier ein. Der Prinz wurde von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog empfangen und in das Schloß geleitet, woselbst das Diner der Großherzoglichen Famllie stattfand; an demselben nahmen auch Ihre Großherzoglichen Hoheiten die Prinzen Heinrich und Wilhelm von Hessen Theil. Abends 7 Uhr fährt der Prinz Wilhelm von Preußen mit einem Extrazug nach Frankfurt, von wo er über Hanau-Bebra nach Berlin zurückreist. Darmstadt, 12. Novbr. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 29. October den provis. Lehrer am Realgymnastum und an der Realschule zu Mainz, Dr. Hermann Willig, zum Lehrer an diesen Anstalten, an dems. Tage den provis. Lehrer an der Realschule zu Michelstadt, Ernst Kleinen, zum Lehrer an dieser Anstalt zu ernennen. Darmstadt, 12. November. Ernannt wurden: Am 8. November der ümtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Nieder- Olm, Gustav Zotz, zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Vllbel, mit Wirkung vom Tage des Diensteintrittes seines Nachsolgers, an demf. Tage dem Fuß-Gensd'arm Johann Jacob Burk zu Butzbach zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Oppenheim, mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts. Berlin, 10. November. Die „Nat.-Ztg." veröffentlicht eine schon kurz erwähnte Zuschrift über die Krankheit des Kronprinzen, die ihr von ärztlicher Seite zugeht: „Der prinzipielle Standpunkt, welchen Profeffor Störk einnimmt, ist von den Berliner Capacitäten, welche zur Behandlung des Kronprinzen im Frühjahr hinzugezogen wurden, von Anfang an sestgehalten worden. Das erste und Haupterforderniß ist immer, den Charakter der Krankheit frühzeitig zu erkennen, die Diagnose so früh als möglich sicher zu stellen. Hiersür giebt es für dar vorliegende Leiden zwei Wege: der erste ist das Ausschneiden kleiner Stücke der Geschwulst und die mikroskopische Untersuchung derselben, um aus ihrer anatomischen Struktur und Beschaffenheit die Art der Erkrankung zu erkennen. Diese Methode, welche bekanntlich beim Kronprinzen angewendet werde, ist auch nach Virchows Ausspruch die unsicherste, und beispielsweise in dem neuesten, soeben erschienenen „Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie", von Prof. Fischer in Breslau heißt es darüber: „Die mikoskopische Untersuchung kleiner Geschwulststückchen hat einen sehr relativen diagnostischen Werth, denn nur die Durchmusterung einer großen Reihe von Schnitten aus allen Theilen der Geschwulst giebt die anatomische ^Diagnose." Die zweite, weit erfolgreichere Methode ist die genaue klinische Untersuchung, und das Bestreben der Kliniker geht daraus hinaus, bei Zetten die ersten Symptome der Erkrankung, ja sogar diejenigen Erscheinungen, welche der Geschwulstbildung vorausgehen, zu erkennen und richtig zu deuten. Gerade über diese ersten Anfänge des Krebses und die denselben . voraufgebenden Erkrankungen haben die Chirurgen in den letzten Jahren viele ' wich ige Funde gemacht und Anhaltspunkte gewonnen. Die Regel wird immer die frühzeitige Entfernung der erkrankten Thetle durch Eröffnung und Spaltung > des Kehlkopfes von Außen — Laryngotomie, Laryngofiffur — und theilweife, meist halbseitige Exstirpation des Kehlkopfes zugleich mit dem erkrankten Stimmbande sein. Mit dieser Operation ist trotz der Bösartigkeit des Kehlkopfkrebses in neuerer Zeit eine Reihe von Heilerfolgen erzielt worden, und darum ist es nicht nothwendig, selbst wenn die Diagnose beim Kronprinzen schließlich bestimmt aus Krebs lauten sollte, nunmehr gleich alle Aussicht aus Genesung auszugeben. In der Staatsdruckerei in der Orauienstraße ist ein Buchdrucker beschäftigt, welcher ein lebendiger Beweis dafür ist, daß die Kunst der Aerzte auch in einem solchen Falle noch vollständige Genesung erzielen kann. Derselbe kam im Jahre 1885 zu Prof. B. Fränkel in die Behandlung, welcher eine auf dem linken Stimmbande, zum größeren Theil an der unteren Fläche des Stimmbänder sitzende Krebsgeschwulst erkannte — bekanntlich handelte es sich beim Kronprinzen um ein ganz analoges Verhältniß. Profeffor Fränkel übergab den Patienten dem Geheimrath v. Bergmann, dieser resecirte den größeren Theil der Kehlkopfhälste und entfernte die Geschwulst mit dem erkrankten Stimmbande und den benachbarten gleichfalls erkrankten Drüsen. Schon in der dritten Woche nach der Operation konnte der Patient die Bergmännische Klinik mit geheilter Wunde verlassen und ist seitdem, also mehr als zwei Jahre, ohne jeden Rückfall geblieben. Derselbe ist bis auf den heutigen Tag völlig gesund, spricht mit deutlich vernehmbarer Stimme und geht nach wie vor ungehindert seiner Beschäftigung nach. Noch bekannter ist wohl der schon kurz erwähnte Fall eines hiesigen Arztes; dersebe war auch an einem Krebs des Sttmmbandes erkrankt und mehr als ein Dutzend Mal vom Munde aus operirt worden, und zwar von den bedeutendsten Laryngologen des In- und Auslandes (u. A. auch von den Professoren Schrötter und Störk in Wien). Allein immer und immer kehrten die „bösartigen Sprießungen" wieder, und er entschloß sich endlich zu einer radikalen Operation. Professor Küster vom hiesigen Augusta-Hospital führte den äußeren Kehlkopsschnitt (Laryngotomie) aus, die ganze linke Hälfte des Kehlkopfs wurde fortgenommen und die Heilung trat sehr rasch ein. Der betr. Herr spricht zwar mit heiserer, klangloser, aber doch deutlich vernehmlicher Stimme und steht gegenwärtig noch einer ausgebreiteten Praxis vor. Die meisten hier in Betracht kommenden Kehlkops - Operationen hat Sanitätsrath Dr. Eugen Hahn vom Friedrichshain-Krankenhause ausgesührt, ist auch noch im vorigen Jahre von hier nach England zur Ausführung einer lebensrettenden Operation berufen worden. Im letzten Jahre hat die meisten halbseitigen Kehlkopf-Exstirpationen Profeffor v. Bergmann ausgesührt, und zwar sind alle fünf Fälle mit vollem Erfolge und schneller Genesung operirt worden. Ein sechster Patient soll sich augenblicklich noch in der Bergmännischen Klinik aus dem Wege der Genesung befinden. All^ diese Thatsachen geben der Hoffnung Raum, daß, wenn die Kehlkopf- resection beim Kronprinzen als nothwendig erachtet werden sollte, die erprobte Meisterschaft unserer Berliner Chirurgen auch bei unserem Thronfolger sich bewähren und ein glückliches Resultat herbeiführen wird. Beunruhigend ist augenblicklich in dem Befinden der Kronprinzen der eine Umstand, daß sich jetzt nach einem Telegramm aus Mackenziesscher Quelle („Berl. Tagebl.") „plötzlich" ödematöse Schwellung im Kehlkopfe eingestellt hat, welche die Möglichkeit von Athembeschwerden befürchten läßt. Es ist aber zu hoffen, daß dieser Anfall ebenso vorübergehen wird, wie die anderen gleichartigen Anfälle, die im Verlaufe der Erkrankung schon früher ausgetreten und wieder verschwunden sind. Es ist nämlich aufmerksamen Beobachtern ein eigenthümlicher Umstand ausgefallen, daß die Krankheit des Kronprinzen in ganz bestimmtem Zeiträumen, etwa alle 6 Wochen, sich steigerte, dann abnahm und ms zu relativ vollständigem Wohlbefinden sich gestaltete, um nach Ablauf der gvm wieder sich zu verschlimmern. Diese schubweise Exacerbation ist in Ems, m Brämar, in Toblach, Baveno und nun auch in San Remo eingetreten. Leider ♦anM «nd »erketzr. Weisen der Kurkapelle, die tm Sommer tagtäglich einigeStundenruhörwwaren,in den zur Saison so lebhaften Straßen herrscht jetzt ländliche Stille und eine fast erschreckende Einsamkeit. Nauheim „sammelt sich" und trifft bereits seine Vorkehrungen für die nächstjährige Saison; Straßen- und Hausprojekte schwirren nur so durch die ouft- die .bäuserlosen" Bewohner möchten doch auch am reichen Fremdensegen par- ticiptren und ventiliren im Geiste die prächtigsten Villenbauten. An dem neuen Badchaus und an dem Hotel zum Kaiserhof wird mit beschleunigter GeschäftsthLtigkeit gearbeitet, um diese Etablissements mit Beginn der nächstjährigen Saison in Betrreb setzen zu können. Mit dem städtischen Wasserwerk scheint es endlich Ernst werden zu wollen, schon seit Wochen wird an den verschiedensten Stellen nach dem flüssigen Elemente recherchirt und soll jetzt nördlich von der Stadt ein Versuchsschacht gegraben werden. — Auch aus der Umgegend ist mancherlei zu berichten. In dem benachbarten Steinfurth, dem Sitze der rühmlichst bekannten Rosengärten der Gebr. Schultheiß, ist unter der Kinderwelt die Diphtherie in einem Umfange ausgebrochen, daß die Schulen geschloffen werden mußten und einige Sterbefälle zu beklagen sind. — In Ober-Mörlen ist ein Müller, Namens Johs. Reuß, eines tragischen Todes gestorben. Als er ohne die Mühle einzuftellen, den Schrotaang durch den Leitriemen in Betrieb setzen wollte, wurde er von dem Kammrad erfaßt und ihm Schädel und Brust eingedrückt. Der Beklagenswcrthe wurde in gräßlich verstümmeltem Zustande aus seiner gefährlichen Situation befreit, gab jedoch schon nach einer Viertelstunde den Geist auf, ohne fein Bewußtsein noch einmal erlangt zu haben. - In Friedberg wurde am Sonntag der seitherige Pfarroerwalter Thobes, der auch die Seelsorge in der hiesigen Filialgcmeinde auszuüben hat, durch Domkapitular Erler von Mainz der Gemeinde als Pfarrer vorgestellt. Am Vorabend wurden dem in seiner Gemeinde sehr beliebten Seelsorger ein solennes Ständchen gebracht und ihm reiche Geschenke überreicht. A Mainz, 13. November. Auf höhere Anordnung hin wird seit gestern in den hiesigen Kirchen aller Confessionen und in den Synagogen bei dem Gottesdienst ein Gebet für die Wiedergenesung des Kronprinzen einge chlosien. — Zwischen Weisenau und hier wurde gestern eine männliche Leiche gelandet, in welcher man die Person eines vor einiger Zeit unter sehr auffallenden Umständen verschwundenen Müllers von Ginsheim erkannt haben will. Die Leiche soll am Kopf Spuren eines heftigen Hiebes tragen, was darauf hindeutet, daß das damalige Gerücht, daß das Verschwinden des Müllers auf ein Verbrechen zuruckzufuhren sei, emen realen Untergrund hat. ___ würben diese schlimmen Perioden stet, verheimlicht und Herr Dr- Macken^e äußerte den ihn besuchenden Z-itungr-Correspondenten davon kein Wort. Nach, träglich hat man hiervon Kenntniß erhalten und daraut aus den sorldauernd bösartigen Charakter der ganzen Erkrankung geschloffen Es liegt die Ver- muthung nahe, daß auch in den srüheren schlimmen Perioden 6bemaU|e Schwel InuM de, Kehlkopfe» aufgetreten seien, und gerade die Wiederkehr dieser Oedeme ist für den erfahrenen Kliniker ein diagnostischer Zeichen für die Bösartigkeit olcher Erkrankungen, Hätte man da, bi,her beliebte Ber uschungrsystem früher aufgegeben, dann wäre sicherlich der Charakter der Erkrankung beim Kronprinzen auch um so viel früher festgestellt worden/ Berlin, 13. November. Nach heutigen Telegrammen ist da, Allgemeinbefinden de, Kronprinzen gut, die akuten Entzündung«' und Schwellungs- Erscheinungen im Halse nehmen weiter ab. Heute und in den nächsten Tagen finden hier Berathungen über bas weitere Verfahren statt. Die von Wien au» veröffentlichten Gutachten batiren, war nicht übersehen werden darf, von der ersten Untersuchung von Mittwoch; später haben sich die Aerzte geeinigt. Mackenzie, der nach wie vor da, Vertrauen der maßgebenden Personen genießt, reist am Montag von San Remo ab. (Fr- Ztg.) Berlin, 12. November. Se. Majestät der Kaiser stand heute Vormittag um 11 Uhr auf, empfing den Prinzen Heinrich, sowie den Erbprinzen von Meiningen, spater Wbcdyll^und^ Molmke. zufolge war seine K. u. K- Hoheit der Kronprinz vom Ergebniß der Untersuchung, wonach es sich um ein krebsartiges leiden handelt, unter: richtet Se. K. u. st Hoheit zog sich alsdann für einige Zeit zuruck und entschied alsdann, daß die Operation unterbleiben solle. — Professor von Lergmann sagte heute Vormittag die Vorlesung ab, da er in Folge eingegangener Nachrichten ander, weitig beschäftigt aug Remo ist leider kein Zweisel darüber mehr möglich, daß das Leiden des Kronprinzen thatsächlich carcinomaroser Ra ur ist. Heber die ^weitere Behandlung wird eine zuverlässige Nachricht erst dann m öglich sein, nach^ dem der auf Allerhöchsten Befehl nach San Remo geschickte Dr. Moritz Schmidt hier mündlichen d^eicht^erstattet^ haben wird. Reichskanzler Fürst Bismarck wird sich auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers beim Beginn nächster Woche in Berlin einfinden. heutigen Proceßverhandlung gegen biejam Mitglieder des Berliner socialdemokratischen EentralcomklS s, Ferkel und Genossen, beschloß der Gerichtshof, die Verhandlung behufs Beibringung wctteren ^oe smattnals seitens der Staatsanwaltschaft zu vertagen und die Angeklagten gegen je 1000 11. November. Die ersten für Rechnung einer Stadtgemeinde in Deutschland errichteten Electricitätswerke sind wahrend der letzten Tage hlerselbst therl- weise in Betrieb gesetzt worden. Die volle Capacttat derselben betragt 10,000 Glüh- Len Das Cabelnetz, dessen Endpunkte nahezu zwei und einen halben Kilometer.von einander entfernt liegen, ist nach dem Drettetter-System angeordnet. Die Anlage ist von der Firma Siemens u. Halske in Berlin ausgefuhrt, aus Grund nnes am 15. April ds. Js. zwischen der Stadt Elberfeld und genannter tftrma abgeschlossenen Vertrages. Hesterreich. Wien, 12. November. Der „Neuen Freien Presse" gebt auf Wege die Inhaltsangabe der schriftlichen Gutachten zu, welche Professor Schrotter, vr?Krause und Dr. Mackenzie nach der am 9. d. M. in San Remo vor gen o mm en en Untersuchung abgaben. Dr. Schrotter hält die neue Spneßung unterhalb der Stimmbänder entschieden für Krebs, stimmt daher für vollständige Ausschne^ung des ganzen Kehlkopfes. Eine sofortige Operation wäre zwar sehr nützlich, doch wurde er auch einer Verzögerung zustimmen, da inzwischen das Uebel auch durch Tracheotomie bekämpft werden könne. Er sei überzeugt, Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz»konnte durch gänzliche Ausschneidung des Kehlkopfes erhalten werden, ob^hl die Operation eine der gefährlichsten sei. Dieselbe biete allerdings kein sicheres Resultat, könne jedoch für die Dauer von gutem Erfolg begleitet sein, während ein bloßer Luftrohrenschri t nur eine Hinausschiebung der verhängnisvollen Momente für einige Jahre bedeuten würde Dr. Krause erklärte, die neue Sprießung verhindereihn vollständig e n bestimmtes Gutachten gleich abzugeben; allen Anzeichen nach halte auchi er d^s Leiden für ein krebsartiges. Niemals würde er jedoch einer vollständigen Ausschneidung des Kehlkopfes zustimmen, sondern er befürworte nur eine Spaltung desselben. Dr. Mackenzie erklärte auch die Sprießung allem Anscheine nach für eine krebsartige; doch ist er für Exttahirung eines Stückchens, das Professor Virchow dann analysiren solle Je nach dem Gutachten Virchow's würde sich Mackenzie über die Operation definitiv aus- sprechen. Er ist übrigens auch der Ansicht, daß mit Tracheotomie die Katastrophe nur binausaesckoben werden könnte, verspricht sich aber von deren Wirksamkeit eine kürzere Zeitdauer als Dr. Schrötter. Auch komme es vor, daß selbst nach allen Operationen wieder krebsartige Nachwüchse auftauchen.____________ Eingesandt. Das Leiden des deutschen Kronprinzen. Von einem Freunde unseres Blattes geht uns das Folgende zu: Es ist über dieses Leiden schon mancherlei geschrieben worden/dennoch mochte Ihren Lesern vielleicht eine etwas genauere Darstellung des eigenthumlichen Falles, wie sie mir kürzlich von einem competenten Manne gegeben wurde, nicht unlieb sein. Wenn man die linke Hand mit der inneren Flache so vor sich halt daß Daumen, Ringfinger und kleiner Finger geschlossen, Zeigefinger^und Mittelfinger aber mit einigem Abstand ausgestreckt sind, so erhält man durch diese beide letzteren ein ungefähres, stark vergrößertes Bild der beiden Stimmbänder und der dazwischen liegenden Stimmritze. Der Mittelfinger würde dann das linke Sttmmband andeuten, welches bei dem Leiden unseres Kronprinzen zunächst in Frage kommt. Die Falle sind verhaltnißmaßig häufig, bei welchen sich auf der Oberfläche der Stimmbänder Warzen-oder fogenann e Polypenbildungen zeigen. Stehen sie vereinzelt und sind sie weniger umfangreich als erhaben, so ist ihre Beseitigung bei dem jetzigen Stande der chirurgischen^Wissenschaft. sebr leicht. Man schnürt einen feinen Platindraht um die Erhebung auf d^ Schleimhaut, macht denfclben durch den elekrischen Strom glühend und tilgt so den Schaden fast ohne eine Empfindung auf Seiten des Leidenden. Schwieriger ist die Sache, wenn die Neubildung sehr flach und ausgedehnt ist. Und so ist es leider bei dem Kronprinzen. In der Ausdehnung, welche das Mittelglied des Mittelfingers bezeichnet, findet sich hier eine solche flache Warzenbildung, welche sich, um die Sache noch schlimmer zu wachen, nach unten hin um das Stimmband herum auf die Hintere Flache desselben fortsetzt. Bei diesem Befunde ist eine Operation außerordentlich schwierig und hierin gingen die Anschauungen des englischen Arztes und der deutschen Aerzte weit auseinander. Der englische Arzt hat versucht, die Neubildung allmälig abzuheben oder wenigstens zum größten Theil, so weit sie überhaupt zu erreichen war, zu beseitigen, wohl in der Hoffnung, daß bet vortreffliche Kräftezustand des hohen Patienten das Uebnge .von selbst schaffen werde. Indessen weiß Jeder auch schon von der Erfahrung einer leichten Halsaffection, wie sehr die Halsorganc durch einen langer an- dauernden unnatürlichen Reiz angestrengt werden und wie empfindlich sich dann die Schleimhäute derselben zeigen. Eine Erkrankung der Stimmbänder, deren absolute Schonung, auch wenn alles Sprechen vermieden wird, unmöglich ist, denn jeder Athemzug streift sie nicht nur, sondern auch Speise und ^rank, hat deshalb le cht weiter- Aff-ctionen des Kehlkopfs und der ticfcrliegenden zarten Organe zur Folge. Je später vorgenommm, desto schwieriger stellt sich darum augenscheinlich die Beseitigung eines solchen Leidens. Daß die Aerzte an den Gedanken einer durchgreifenden Operation von vornherein sehr schwer gegangen sind, erklärt sich daraus genügend, daß das Stimmband nur die Stärke eines starken Aktendeckelstreifens hat, es also ausgeschlossen ist, an demselben tiefe Eingriffe zu machen, ohne es möglicherweise ganz zu zerstören. ________ Lokale-. 4- Gießen, 14. November. Der neugewählte Bischof von Fulda, Prälat Weyland in Wiesbaden, hat in den Jahren 1844 bis 1847 an der hiesigen Universität studirt. Damals existirte noch hier die katholisch-theologische Facultät, die erst tm Anfang der 50er Jahre auf Betreiben des Mainzer Bischofs von Kettel er aufgehoben wurde. Telegraphische Depeschen. WES telegr. Corrtspondenz • Burean. Berlin, 13. November. Seine Majestät der Kaiser zog sich gestern Abend um 8 Uhr zurück und hat die Nacht gut geschlafen. - Se. Majestät empfing heute 127< Uhr die Prinzessin Wilhelm, den Erb- vrinz und die Erbprinzessin von Meiningen und den Prinzen Heinrich, sowie um 2 Uhr den Professor Bergmann und Dr. Schmidt (Frankfurt am Main.) Spater nahm der Kaiser die Vorträge des Grafen Bismarck und des Ministers v. Putlkamer entgeg iz. November. Ihre Majestät die Kaiserin wird, sobald der Gesundheitszustand die Reise gestattet, nach Berlin zurückkehren. Heute treffen Ihre Kgl. Hoheitm der Großherzog und die Großherzogin von Baden in Coblenz bei Ihrer Majest zu Diensten. Schiffsaachrichten. Z..& • --L° ttttfijSSS1» <3innftit ? +n' JrJ’.j^Oöeln^er* t$er transatlantischen Telegraph.l Der Postdamvier Kirchliche Antigen der evsngel. Gemeinde Kap. TLL'?°lstund° in bet Kleinkinderschule, Markus Pfarrer vr. Naumann. ' ^-lreimgung; das recht- Beten; Jesu V-llmacht; Düs WL b°li-bt°. trotz aller Nachahmungen «nüber- i 8519 U. 8. W. - GTGDGGGOOTOTMGOGOOOS^OGOG Billigste Preise. führen. 216 ZU Aug. Förster in «ich. ’ 8515 Hoflieferant, gegründet 1837. gegründet 1837 Selbstgefertigte lsckirte Möbel aller Art stets vorräthig zu billigen Preisen bei Carl Steller, Schillerstr. 9. [213a von 100 Gramm , 250 » per Kilo = 1 Liter Niederlage in Glessen J. M. Schulhof. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt. Dr. Naumann, Pfarrer. Schellfische, Zander, Bratbückirrge, Rohetzbücklinge C. G. Kleinhenn. s? *♦ «g w O empfiehlt <9 ö 8526 1.- » 2.30 ». 9.— bei Herrn 5682 Geißler, Gerichtsvollzieher. Negenmnntel, Wintermäntel, Abendmäntel in schöner Auswahl bei □Kn-! 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Wir haben in diesem Jahre für 213 arme Kinder den Cbristbaum zu schmucken und den Tisch mit Gaben zu decken. ^"ben wir uns wieder an die Liebe und den b ber ^°unde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, nnS(S.aisn Kleidungsstücken, Stoffen, Garn u. bergt., besonders aber auch m bl h Un dre gleichmäßigste Bescheerung für unsere Kleinen er- mogucht, zuwenden zu wollen. r . Erhebung von Beiträgen wird nicht herumaeaeben 6^nnnt..nB9?ensrols'UnS rugedachten Gaben recht bald an eine der^nach- fttnrhn^ zu lassen: Fräulein Amalie Bansa i &b“rnri 2' ^rau Bürgermeister Bramm (Ludwigsplatz 10), Frau j . ^eUrnbQUe 41)' ^rau Amtsrichter Gebhardt (Gartenstraße 15), ! KnnMn. Lang ermann (Slldanlage 21), Frau Pfarrer Naumann Opübanfoge 8), Frau Louise Ottens (Bismarckstraße 11), Frau Auguste i aSroe3 6^' Faulem Louise Wortmann (Asterweg 16) ^»4 d-eSch Western unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen. Gießen, den 5. 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I men' Der Director des Spar- und Leihkasie-Vereins. Haberkorn.___________________ Eisverein. Laut Vorstandsbeschluß vom 11. November soll dir Wirthschast °n der Eisbahn für den Wirker 1887/8» neu ausqe chrieben werden. ReflectaMen wollen sich bis S) 9 w Mittwoch, den 16 November. Ä- 18OT- D.. sonnt« den 20. November ISST, 5 Uhr Abende, iTnrofru Sddk des HeblvchaNsvcrciiiS kz “Ä-;? (vw) ,ns r ranKiur v <*• iue 1. Trio für Pi^ofSe^ioline und Violoncell^). 10^ >»/v°n"ua7, Joh. Brahms, 2. des LenoreUo “wadamina“ von W. A (29. October 1787) Register-A Violoncell in A-dur von L. van Mozart, 3. Sonate für i a Wonne der Wehmuth von Beethoven 4. Lieder mit Schubert, c) Ballade von -VWon“" ■ •-* Anton Rubinstein. Dl. Begleitung der Ges.nge b« Herr Dr. K.r! «.»»«' 6 nommen. Briüil’sche Druckerei (Fr. Ohr. Pietsch) in Giessen, Schulstr. empfiehlt sich zur sämmili* DniMeilei als*. Circulaire, Adresskarten, Factura’s, Rechnungsformulare, Avis-Briefe, Statuten, Eintrittskarten, Concert- Programme, Widmungen, Visite- und Gratulations-Karten eto. Den Mitgliedern zur KeMtniß von dem Hm VL 2k scheiden unseres lieben Kameraden ÖV (EIS Lorenz Formhals. Beerdigung Dienstag Nachmittag 2V, Uhr. Zusammenkunst bei Kamerao Kirchner. 18518 4°/o Preußische Consols 3Vr°/o do. 4°/o Nassauer Oblig. 4°/o Bayerische ObUg. 4°/g Badische Oblig. 40/g Hessische Oblig. *'■102.20 qi/2o/0 do. 97.30 41/2% Franks. Landwsch. Creditbk.- Oblig- 40/g Hamb. Hypothbk.-Pfandbr- 31/2% do. 5% Buderus Oblig. 3,50 SfWÄÄ-Ä* Nachf.) zu haben. , r w„r(ien höfl. gebeten, ihre Die geehrt7en..M,‘g lps Beitrags bis spätestens 19. d. Mts. Karten gegen Zahlung de § obengenannter Musikahen- bei dem Rechner des Vereins, Herrn ZacK (in uv 8 8524 handlung) gell, abzuholen. 8372 Der mittlere Stock meines Neubaues Asterweg 48, bestehend aus 7 Zimmern nebst Badezimmer (Wasserleitung), Küche und Zubehör pr. April oder früher ,u oermiethen. 6ettlinfl Bautechniker. 8522 Der seither von Herrn Professor Dr. Hesse bewohnte, vollständig neu hergerichtete dritte Stock meines Hauses rst per sofort zu oermiethen- p S. Heichelheim, Südanlage 13. 8528] LogiS Mit Werkstatt (parterre) zu oermiethen Neuen Baue 17, pari. 8529] Laven mit oder ohne Logis, sowie möblirtes Zimmer tu oermiethen. Neuen Baue 17, part. 1873/4 793/ä 90V