Ar 21^ Zweites Blatt, Donnerstag dm 15. September 1887. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Virreaur Schulstraße 7. Erscheint täglich Mit Ausnahme des MontagS. rriS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. >urch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher HHeik. Bekanntmachung. ES wirb hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Grobherzoglicher Ministerium des Innern und der Justiz dem Senate der Kümg ich Preußischen Akademie der Künste zu Berlin die Erlaubniß erthelll hat, die Loose einer am 14. uird 15- Oktober d. Js. in Verbindung mit der dase bst Mfindenden großen akademischen Kunstausstellung zu veranstaltenden Verloosung von ausgestellten Gemälden, Bildwerken, Aquarellen, Kupserstichen Radirungen, sowie von Photographieen und Medaillen innerhalb der Großherzogthumr zu vertreiben und zwar unter der Bedingung, daß höchstens 150 000 Loose ä 1 X ausqeaeben und 90 000 X zum Ankauf von Gewinnsteu verwendet werden. Gießen, den 10. September 1887. Großherzogliches Kreiramt Gießen. p • Dr. Boekmann- ---Betreffend: Sterblichkeits-Statistik. Gießen, am 15. September 1887. Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen a» die Großherzoalichen Bürgermeistereien Beller-Heim, B.rSrod, Climbach, Ettingshausen, Harbach, Hungen, an Die nruyoerzvg '^^E-ideu, Langsdors, Lich, Lindenstruth, Lumda, Obbornhofen, Steinheim. Wir ersuchen um umgehende Einsendung der Sterblichkeitsnachweise für die Monate Juli und August, beziehungsweise nur für letzteren Monat. Dr. Köhler. ____________ Polemische Urdersteht. Gießen, 14. September. Aus Toblach wird gemeldet, daß die stärkende Gebirgslust dieses Orts auf das Befinden der deutschen Kronprinzen den besten Einfluß auiübi. Am Samstag unternahm der hohe Herr nebst seiner erlauchten Gemahlin und den Prinzesfinnen-Töchtern zwei Ausflüge In die Umgebung Toblachs, welche ihm ausgezeichnet bekommen stnd. Ueberhaupt decken fich die -Nachrichten, welche über das Befinden des Kronprinzen in den letzten Tagen nach Berlin gelangt find, wie die „Post" vernimmt, nach ihrem durchaus günstigen Charakter vollständig mit den Mittheilungen der Blätter über den Eindruck, welchen der Kronprinz während seiner Reise von Ostende nach Toblach aus alle Diejenigen machte, welche den Vorzug hatten, ihn zu sehen und zu sprechen. Sine große Beruhigung liegt in der feststehenden Thatsache, daß das Uebel nicht bösartig ist. Der bisherige Verlauf der Krankheit hat diese Diagnose, die Dr. Mackenzie von Ansang an gestellt hatte, bestätigt und da, Vertrauen aus seine Autorität auch bei Vielen gehoben, die Anfang» nicht ganz Willens waren, diese al, vollkommen anzuerkennen. Man kann wohl sagen, daß die weitere Entwickelung in dem Zustande de, hohen Herrn auf gutem Wege ist, und in Anbetracht dieser freudigen Aussicht muß die längere Abwesenheit des Kronprinzen von der Hei- mach, wenn Re auch für ihn, für die Seinigen, für die königliche Familie und da« Land ein Opfer ist, doch al« eine Nothwendigkeit erachtet werden. Der Reich «tag soll in diesem Jahre etwa» früher, bereit« in der ersten Hälfte der November«, zufammentreten. Zweifellos wird auch die bevorstehende Reichstags-Session über eine große Zahl hochwichtiger Fragen Beschlüsse zu fassen haben und schon jetzt läßt fich erkennen, daß sowohl von Seiten der verbündeten Regierungen bedeutende Vorlagen, wie auch von den verschiedenen Parteien wichtige gesetzgeberische Arbeiten zu erwarten stnd. Der Ausbau der social- polüischen Gesetze wird fortgesetzt, und der Entwurs, betr. die Altersversorgung, ist zwar, da er noch verschiedene Stadien durchzumachen hat, erst im Anfang de, nächsten Jahres zu erwarten, die Erledigung der Vorlage wird aber jedenfalls noch vor Ostern erwartet. Im Reichramt des Innern wird außerdem, wie zuverlässig milgetheilt wird, eine Vorlage über die Abzahlungsgeschäfte vorbereitet, wozu allerdings zunächst noch eingehendes Material eingefordert wird. Bezüglich weiterer Berechtigung der Innungen dürste wohl die Initiative den Parteien überlassen werden, welche aber hier nicht fehlen wird. Die Conservaliven und da« Centrum haben bereit« in der vorigen Session neue Anträge angekündigt und werden die Forderungen der sog. Handwerker-Partei, welche aus dem letzten Jahrestag in Dortmund ihren Ausdruck fanden, wenig- stm» zum Theil zu den ihrigen machen. Bereit» jetzt werden von den Anhängern bet Zünfte Petitionen an den Reichitag vorbereitet und die Forderung der Einführung obligatorischer Arbeitsbücher wird jedensallr in der nächsten Session gestellt werden. Mit Sicherheit ist eine Vorlage wegen Erhöhung der Getreide- zölle zu erwarten, nur ist e« noch ungewiß, ob e» die Regierung für nöthig hillt, einen solchen Entwurs zu bringen, oder dieser von agrarischer Seite dem Parlament unterbreitet wird, so daß fich der Bunderrath zunächst nicht mit dieser Frage zu beschäftigen hätte. Soweit fich die Lage übersehen läßt, haben wenigstens die von agrarischer Seite geforderten Ausfuhr-Prämien aus Getreide keinerlei Ausstcht, eine Mehrheit zu erlangen. Der preußische Gesandte beim Vatikan, Herr v. Schlözer, Erläßt, da sein Urlaub nunmehr abgelaufen ist, Berlin in den allernächsten Tagen und begiebt sich aus seinen Posten nach Rom zurück. Bei den Majestäten hat sich der Gesandte schon in der vorigen Woche verabschiedet. Die Gerüchte, baß derselbe mit einer besonderen Mission nach Deutschland gekommen sei, haben R4 al« grundlos erwiesen. Verhandlungen zwischen der preußischen Regierung « dem Vatikan beziehen sich jetzt nur noch ans die Aursührung der in Kraft getretenen kirchenpolitischen Gesetze. Eine Erweiterung derselben ist nicht beabsichtigt. Die Commission der württembergischen zwerten Kammer hat mit allen gegen drei Stimmen beschlossen, den Beitritt Württembergs zum Branntweinsteuer-Gesetz zu beantragen. Der neuliche Zusammenstoß zwischen der Bevölkerung der Stadt Mitchelrtown und der Polizei, welcher einen so blutigen Charakter trug, bildet eine sprechende Illustration der Verhältnisse auf der „grünen Insel." Nach den inzwischen eingelaufenen näheren Mittheilungen stellt sich der Exceß, der schließlich sich zu einer Straßen-Revolte gestaltete, als eine von der nationalistischen Partei ausgegangene Provocation der Polizei heraus. Mehrere parnellistische Abgeordnete, wie Dillon, O'Brien u. A., hatten ein „Entrüstungs- Meeting" einberufen, auf welchem da« Verbot der National-Liga erörtert werden sollte. Ein englischer Stenograph, umgeben von einem Dutzend Polizisten, wollte dem Meeting beiwohnen, aber eine Anzahl mit Knüppel bewaffneter Serie widersetzten sich dem und hieraus entstand der ganze blutige Tumult. Von allen Seiten fiel die Menge mit Knüppeln, Revolvern und Messern über die inzwischen verstärkten Polizisten her, so daß sich die letzteren nach ihrer Kaserne flüchten mußten. Der erbitterte Mob folgte ihnen nach und machte sogar Miene, die Kaserne zu stürmen. Erst da rückte die gejammte Polizeimannschaft aus und feuerte auf die Tumultuanten, wodurch zwei der letzteren getöbtet wurden. Endlich mußte noch Militär eingreifen und die Menge mit dem Bayonnet aus« einander treiben. Der Exceß war am Samstag im Unterhause Gegenstand einer lebhaften Discussion, in deren Verlause der Generalsecretär für Irland, Balfour, die Mittheilung machte, daß aus der Volksmenge 3 Personen getöbtet und 2 verwundet worden feien, dagegen hätten 83 Polizisten mehr ober weniger schwere Mißhandlungen und Verletzungen erlitten. Ans diesem Zahlenverhällniß geht unläugbar hervor, daß die Polizisten fich im Zustande der Nothwehr be- fanden und mit Recht konnte Mr. Balfour den Parnelliten den Vorwurf machen, daß sie durch ihre Politik der Aufreizung verantwortlich für bas Blutvergießen von Mitchelrtown zu machen seien. Eine Dubliner Depesche vom Sonntag melbet benn auch, daß ber Depntirte O'Brien in Kingstown verhaftet würbe unb diese Verhaftung steht offenbar mit den Vorgängen in Mitchelstown in birecter Verbindung; wahrscheinlich dürste die Regierung auch gegen die übrigen in die Mitchelstowner Tumulte verwickelten irischen Führer vorgehen. Die aniisocialistischen Demonstrationen und Excesse in Holland nehmen ihren Fortgang. Nach Berichten aus Utrecht wurde daselbst am Sonntag Nachmittag ein Local, in welchem Socialisten am Abend fich versammeln wollten, von einem Pöbelhaufen angegriffen unb verwüstet. Hierbei würben Bierfässer in bas Wasser geworfen unb socialistische Broschüren unb Flugschriften zerrissen; die Polizei stellte nach ihrem Erscheinen bie Dehnung alsbald wieder her. Daß sich aus dem holländischen Volke selbst heraus eine Bewegung gegen die Socialisten entwickelt, kann nur mit Genugthuung erfüllen, aber die mit ihr verbundenen Ausschreitungen sind nicht geeignet, derselben die besonderen Sympathien der besitzenden Klaffen zuzuwenden. München, 5. September. Aus der schwäbischen Strasanstalt Kaisheim wird van einer Mordthat und einem vernichten Ausstand der Zuchthäusler berichtet. Cm zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe vcrurtheilter Gefangener bmutzte die isolirte tokUung eines Aufsehers, dessen Collagen sich eben beim Mittagessen be anden und Med den Ahnungslosen mit wuchtigen Hieben, wozu der Mordgeselle sich eines schweren Stuhles bediente, zu Boden. Der verheirathcte Aussetzer ist am Kopse furchtbar verletzt, lerne rechte Kopfseite zu Brei zermalmt. Als der Mörder in ein Freudengeheul ob seiner Schandthat ausbrach, machten die übrigen Gefangenen Miene zur Rev - ... Militär war sehr rasch zur Stelle und unterdrückte den Ausstand durch cnergstches $ — rgrei naA Freiligrath.f Ein poetischer Tod, wie ihn Freiligrath in seinem Gedichte „Der Blumen Rache" gemalt, schwebte f-nem Mädchen vor, w-lches wie eine Wiener Lokal-Correspondenz meldet - sich durch Einathmung von Blumenduft 6089 tödten wollte. Amalie B war mit einem jungen Seidenband-Fabrikanten verlobt; das Bündniß wurde aber vor Kurzem gelöst. Das Mädchen nahm sich diese Wendung so zu Herzen, daß es zu sterben beschloß. Amalie B. kaufte vorgestern in mehreren Blumenhandlungen um ungefähr 20 Gulden Blumen und ließ sie in ihre Wohnung bringen. Gleichzeitig hatte sie sich auch einige Päckchen Phosphorhölzchen gekauft und die Köpfchen in ein Glas Wasser gethan. Gestern gegen 11 Uhr Vormittags betrat der Vater seine Wohnung. Ein betäubender Blumengeruch drang ihm entgegen. In einem kleinen Zimmer lag seine Tochter bewußtlos. Der rasch herbeigeholte Arzt brachte dem excentrischen Mädchen Hilfe. Den Phosphortrank hatte Amalie nicht berührt. „Ich hoffte", sagte sie, „ich würde auch durch die Blumen allein sterben können." — Ueber ein schönes Wort des Herzogs Karl Theodor in Bayern, welcher bekanntlich als Arzt sich schon einen Ruf erworben hat, wird berichtet: In der Provinz Sachsen erkrankte ein Lehrer an einem Halsleiden; nachdem er lange vergeblich behandelt war, begab er sich auf den Rath von Bekannten endlich nach Tegernsee zum Herzog Karl Theodor. Dieser hielt Heilung für möglich, zog noch einen «L-pecialisten aus München herbei, durch welchen seine Ansicht bestätigt wurde und stellte in 2 Monaten den Lehrer her. Und welches Honorar nahm der Arzt für seine Behandlung und Rettung? Er klopfte dem Lehrer auf die Schulter und sagte lächelnd: „Gehen Sie nur in Gottes Namen; die nächste Herzogin, die ich mit Glück behandle, wird sich freuen, für Sie mit bezahlen zu dürfen!" — sDer schönste Tag ihres Lebens.^ Frau Carla Richmayor in Boston schloß an ihrem vierzigsten Geburtstage ihren sechsten Herzensbund für's Leben. Die Bostoner Blätter versichern, daß Frau Carla Richmayor noch immer eine höchst stattliche Frau sei und veröffentlichen gleichzeitig einige kleine charakteristische Notizen über die Dame. Ihr erster und ihr fünfter Gatte endeten durch einen Unglücksfall. Der erste kam bei einem Eisenbahn - Zusammenstoß um's Leben und seine trostlose Wtttwe erhielt 20,000 Dollars Entschädigung dafür, und der fünfte wurde von einem Tramwaywagen überfahren, was der unglücklichen Frau 30,000 Dollars etntrug. Der Gatte Nummer zwei verübte in einem Anfalle von Melancholie über seine verlorene Freiheit einen Selbstmord, nicht ohne vorher zu Gunsten seiner Frau zu testamenttren. Vom dritten und vierten endlich hatte sich Frau Carla auf gütlichem Wege scheiden lassen oder vielmehr diese hatten sich von ihr scheiden lassen, was nicht ganz dasselbe ist, und hatten ihr für die wtedergewonnene Freiheit eine ganz respektable Summe gezahlt. Diese Veteranin der Ehe nun, welche zwanzig Jahre lang abwechselnd als Wtttwe, als verheirathete und geschiedene Frau gelebt und sich durch die Wechselfälle ihres Lebens ein recht hübsches Vermögen erworben, macht ihrem sechsten Manne am Hochzeitstage ein werthvolles Geschenk, welchem die Worte beilagen: „Carla ihrem Bob, am schönsten Tage ihres Lebens." - - sWaidmannshumor.) Sechs Nimrodsjünger zogen, so erzählt das „Köln. Tagebl.", dieser Tage auf die Hühnerjagd aus. Einer derselben, ein Mann von besonderer Gewichtigkeit, pustet auf dem Wege zum Bahnhof immer hinterdrein; bei seiner Dicke pflegte er stets etwas zurückzubleiben, namentlich wenn das Portemonnaie herausgezogen werden soll. Keuchend erreicht er auf dem Bahnhofe die Genossen, einer derselben hat selbstredend schon die Billets gelöst, und hinein in's Cvup6 lotst sich der Dicke, zwei Plätze für sich allein belegend. Der Zug fährt. „Uff!" stöhnt der Dicke, „wer hat denn unsere Billets?" — „Unsere?" tönte es dagegen, „ich habe nur fünf, ich glaubte, Du hättest schon ein Billet gelöst." Da saß der Drückbruder; es wurde ihm noch heißer als vorher, der Schweiß perlte ihm auf der glänzenden Stirn und lief in großen Tropfen auf die feisten Wänglein herab. Ein Held ist er ohnehin nicht und vor dem Protokolliren, Strafezahlen und was damit zusammenhängt, hat er gewaltige Angst. Am liebsten möchte er sich vor dem Schaffner verstecken und suchend gleiten die Augen durch das Coupö. „Da hilft nichts", meinen die teilnehmenden Freunde, „Du mußt unter die Bank." — Und von den fünfen geschoben, gestoßen und geknetet, lag der Koloß in der nächsten Minute auf; dem Boden, sich krümmend wie ein Igel. Das war eine fürchterliche Viertelstunde, die nun folgte. Alle Augenblicke trampelten die Füße der Freunde recht unsanft auf seinen Gliedmaßen herum, dabei heißt es immer: „Duck' Dich, der Schaffner kommt! Zieh' die Beine mehr ein, man sieht Dich! Pst! Du schnaufst ja lauter als die Locomotive." — Und unter der Bank her klagt's in Jammertönen: „Das hall' ich nicht aus, das ist mein Tod." — „Still, der Schaffner!" — „Bitte um die Billets, meine Herren", schnarrt es, und dem Gequälten da unten klingt die Stimme wie die Posaun, w jüngsten Gerichts. Eine Pause Ivlgt, in welcher der Dicke mechanisch das der Billets zählt. Da! Es hat sechsmal geknipst und der Schaffner sagt M? ja sechs Billets, wo ist denn der sechste Mann?" - „Dem ist nicht gut bn hat da unten etwas zur Ruhe gelegt." Und dabei brachen die fünf in ein Gelächter an? das gar nicht enden wollte. Sie hatten es ja schon allzu lange krampfhaft xutütfbrann,» müssen. Langsam tauchte nun auch der Dicke aus seiner Versenkung auf, aber in KelXJr Verfassung! 0,61 Landwirthschaftliche Nachrichten. — Einen ausgezeichneten kleinen Käse kann man erhalten, wenn man .kn- ahmung des Neuchateler herstellt, der sehr beliebt In größeren Städten ift wird aus frischer, süßer Milch hergestellt, zu welchem man noch den fü6.n früherer Milch hinzufügt. Indessen würde die frische Milch einer gute Butter n.Ä- Kuh solchen Käse allein schon ergeben, ohne daß eine Hinzufügung von suü.n. Äen nöthig wäre. Diese Milch oder diese Mischung von Milch und Mm m rh 80 Grad erwärmt; es wird ihr dann hinreichend Lab zugegeben und mu6 n- au gerührt werden, um sie in V/2—2 Stunden in Quark zu verwandeln Die irr rn; muß, sobald er fest genug ist, um nicht zu brechen, sehr sorgfältig durch einen Srih abgetropft werden. Er wird dann in cylindrische Formen oder Mulden 6 Zoll Höhe und 2—3 Zoll Durchmesser gefüllt. Diese Formen ober Mulden finh von Blech gemacht; eine kleine Frucht- oder Austernbüchse, wenn der Deckel und Bah an einem warmen Ofen abgeschmolzen worden sind, können hierzu verwendet werd^? Diese Blechformen werden auf ein doppelt zusammengelegtes Tuch zum Ablauten gestellt. Sowie der Quark fest genug geworden, wird er aus den Formen oder Mulden herausgenommen und auf einen Tisch gesetzt, welcher mit einer Strohmatte bedeckt 10 damit die noch immer aus ihnen herausperlende Flüssigkeit ablaufen kann Dies Käse können schon nach 10 ober 12 Stunden frisch verspeist werden; ober man fnhf sie ein wenig, wickelt sie in Paraffin-Papier und bewahrt sie an einem kühlen Prt wo sie weder austrocknen, noch feucht werden. So aufbewahrt halten sie sich io™. Zeit gut. Dasselbe Verfahren wird auch eingeschlagen, um kleine, flache runde Käs- ober auch viereckige ober sonst verschiebentlich tortenartig geformte zu machen Käsen biefer Art werben, um ihnen verschobene Gerüche zu geben, gepulverter Salbei Ani< getrocknete Küchenkräuter in gepulverter Form rc. beigemischt unb zur Herstellung reicher Käse, wie ber englische Stilton ober der französische Roquefort, wirb irgend ein bläulicher Schimmel unter dem Käsequark erzeugt, indem man ihr kleine Theile ein.* alten Käses hinzufügt. Es ist ein seltsames Ding bei der Herstellung von Käsen haft das Wachsthum dieser besonderen Schwämme in dem Quarke einen so merkwürdigen Charakterwechsel entwickeln und eine weiche, reiche, butterige Zusammensetzung cneuaf welche sehr angenehm, von scharfem Gerüche unb ohne trgenb einen der firenat» ammoniafalen Gerüche ift, welche von einigen angenommen werden, welche in warmer Temperatur und ohne Schimmel reif geworden sind. Diese blauadrigen Käse werden in europäischen Ländern und insbesondere in England hochgeschätzt und sind bafelbft außerordentlich beliebt. Die Schwämme wachsen in dem Käse offenbar auf Kotten seines Nitrogen (Stickstoff) enthaltenden Theiles und verhüten auf solche Weise die Bildung von Ammoniak, welcher der Begleiter eines gewissen Grades von Jaulnibitt während sie den Käse gesund erhalten unb einen mehr kohlenartigen Charakter entwickeln — einen butterartigen Charakter in ber That — inbem sie ihm einige ber Elemente entnehmen, welche Stickstoff enthalten. Solch ein Käse ist sehr verdaulich unb nahrhaft unb während er ein Ding des Geschmackes ist, bleibt es auch festgestellt daß jener Schimmel in feiner Weise schaden kann, sondern in gewissem Maße selbst als nützlich erkannt werden -muß. Farbige Seidenstoffe v. Mk. 1.88 bis 12.88 p. Met. (ca. 2000 versch. Färb- u. Dess.) 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