Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. 2S8 Zweites Blatt. Donnerstag den 13. October .4 $ I 4 WWMt Schniftra-- 7. Erscheint IS^li^ mit ««Snshrne brt MoniagS. Drei- vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit tfriiifl.rfctu T-urrfr bi«* Vcfl hpinnm nirrteHührnÄ 2 bO V» Amtlicher Hheit. Betr.: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung. Gießen, am 11. October 1887. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglicheir Bürgermeistereien des KreiseS. Nach dem Schlußsatz unseres Ausschreibenr vom 1. August d. I. (Gießener Anzeiger Nr. 181, 2. Blatt) ist uns vierteljährlich, erstmals auf 1. d. M., rat Verzeichniß über die Gebühren der Bezirkrbauaufseher und Sachverständigen einzusenden. Diejenigen von Ihnen, welche damit noch im Rückstände stnd, werden hierdurch an Einsendung der Verzeichnisse erinnert. Falls inzwischen überhaupt keine derartigen Gebühren erwachsen find, so ist auch davon berichtliche Anzeige zu erstatten. Dr. Boekmann. Politische Ueberficht. Gießen, 12. October. Die ReichstagL'Erfatzwahl in Sagan-Sprottau, die sich in Folge des Ablebens des am 21. Februar gewühlten Abgeordneten, Justizraths Dr. Schmidt, nothwendig gemacht hatte, ist zu Gunsten der Freistnnigen ausgefallen. Ihr Cindidat, Oberbürgermeister Forckenbeck aus Berlin, ist mit etwa 2000 Stimmen Mehrheit gegenüber dem Candidaten der Cartellpar- teien, Amtsrath Reincke, gewählt worden und haben somit die Freistnnigen diesen ihnen bei den letzten allgemeinen Wahlen verloren gegangenen Wahlkreis wieder zurückerobert. Von Seiten einer Faktorei in Kamerun stnd dem „Hamb. Corresp." Nachrichten über eine militärische Expedition zugegangen, die gegen zwei dortige Häuptlinge gerichtet war. Dieselben hatten sich mehrere Unrechtmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen. Der Expedition, die aus 60 Mann von den Kreuzern „Habicht" und „Cyclop" bestand, gelang es nicht, die Straflumme, zu der die Häuptlinge verurtheilt waren, einzuziehen. Deshalb wurden zwei Dörfer zerstört. Nachträglich sollen sich die Häuptlinge zur Abzahlung der Strassummen erboten und bereits eine Anzahlung geleistet haben. üeber dieWirkung des deutschen Vorgehens in derGrenz- As faire bei Schirmeck wird aus Paris gemeldet: Alle anständigen Journale erkennen die loyale Erledigung der Grenz-Affaire seitens Deutschlands durch die Note und die Gewährung einer mehr als genügenden Entschädigung an. Dagegen setzt Rochefort unbekümmert seine Subscciption fort, welche in Folge anonymer Unterzeichnungen von 2000 und 100 Francs aus 9000 Francs gestiegen ist. Das „Journal des Döbats" bestätigt, daß die Wittwe Brignon die Zumuthungen Rocheforts entschieden zurückgewiesen habe. Der Dünkirchener Champagner-Toast des russischen Großfürsten Nicolaus wird in der Tagespreise noch immer lebhaft erörtert. Großfürst Nicolaus läßt in der französischen Presse erklären, der Bericht über den Toast, welchen er auf dem „Uruguay" ausgebracht habe, sei entstellt und unzutreffend. Unter allen Umständen ist es seltsam, daß eine Rede in dem Texte, wie ihn gleichzeitig verschiedene französische Blätter brachten, mit allen Einzelheiten, welche nur zu sehr den thatsächlichen Verhältnissen entsprechen, veröffentlicht werden kann, ohne daß sie gehalten wurde. Wer diesen Toast erfunden hätte, wäre ein Meister der politischen Combination, und verdiente als Dichter Anerkennung. Indessen, Niemand wird daran zweifeln, daß diese Berichte nothwendig als unzutreffend bezeichnet werden mußten, auch wenn sie in jedem Satze, in jedem Worte ausschließlich die Wahrheit wiedergeben. Die Ableugnung einer That gehört zu den stehenden Mitteln diplomatischer Taktik. Selbst wenn die gesprochenen Worte überall gehört werden sollen, hat der Redner bisweilen Veranlassung, dieselben öffentlich und förmlich als nicht gesprochen zu bezeichnen. Im Allgemeinen kann es Europa sehr gleichgiltig sein, was ein weinseliger Großfürst nach einem üppigen Diner vor der Tafelrunde auskramt. Es kann auch Deutschland nicht gerade in Schrecken jagen, wenn ein Vetter des Czaren seinen Entschluß verkündet, bei Ausbruch des Revanche»Krieges gegen Deutschland sich als erster in das sranzöstsche Heer einreihen zu lassen. Ver- Mthlich Mt es im französischen Heere bessere Feldherren und nüchternere Soldaten, als diesen Großsürsten Nicolaus Michailowitsch. Indessen, diese Rede ift wenn sie gehalten wurde, symptomatisch für die russischen Stimmungen, und wenn sie nicht gehalten wurde, ein vollkommen zutreffendes Bild der Politik, wie Re das Czarenreich verfolgt. Man hat sehr ost von dem Testament Peters des Großen gesprochen. Es unterliegt heute keinem Zweifel, daß dieses Testament gefälscht und erfunden ist. Nichtsdestoweniger enthält es in so bündiger Form die wirklichen Ziele der russischen Politik, daß sein Werth durch den Nachweis eines unlauteren Ursprungs nur um ein Geringes vermindert wird. Ebenso behält der Toast des Großfürsten seinen Werth, auch wenn nicht jedes der mitgetheilten Worte von dem Großsürsten gesprochen sein sollte. Die marokkanische Frage scheint vorläufig zu einer Flotten-Demen- Rtation der Mittelmeer-Mächte führen zu wollen. Frankreich wie Spanien und Italien haben Kriegsschiffe nach Tanger entsendet, angeblich nur zum Schutze der in Marokko wohnenden Unterthanen der Drei Mächte bei den befürchteten Unruhen. In Wahrheit aber zeugt die Entsendung der Kriegsschiffe von dem Mißtrauen, mit welchem sich die drei Mittelmeer-Staaten Marokkos wegen gegenseitig beobachten. Indessen scheint eine Verständigung wenigstens zwischen Spanien und Frankreich im Werke zu sein, denn eine Madrider Meldung besagt, daß am Samstag der Minister des Auswärtigen, Moret, mit dem französischen Geschäftsträger eine Unterredung gehabt habe und diese hat unzweifelhaft den marokkanischen Angelegenheiten gegolten. Dagegen scheinen die letzteren Die zwischen Frankreich und Italien sichtlich eingetretene Verstimmung noch verschärft zu haben, wie aus der gereizten Auseinandersetzung zwischen Den Römischen und den Pariser Regierungsblättern wegen Marokkos erhellt und heißt es sogar, die neue italienische Afrika - Expedition sei gar nicht nach Maffauah, sondern nach Marokko bestimmt, eine Version, die indessen nicht besonders glaubwürdig erscheint. Uebrigens soll sich der Sultan von Marokko, nach einem in Paris ein- gegangenen Telegramme wieder besser befinden und mit seiner Genesung würde die we^en der marokkanischen Frage drohende internationale Complication jedenfalls wieder verschwinden. Die Aussehen erregende Affaire des in Folge seines schmutzigen Ordens- Handels verhafteten Unter-Chess des französischen Generalstabes, Generals Caffarel, wirft ein eigenthümliches Licht auf gewisse Zustände in den höchsten militärischen Kreisen Frankreichs. Caffarel benutzte seine einflußreichen Beziehungen, um ordenslüsternen Personen aus dem Bürgerstande das Kreuz der Ehrenlegion zu verschaffen, natürlich gegen klingendes Entgelt, und unterhielt der General zu diesem Zwecke gar seltsame Verbindungen. Außer Senatoren sollen noch andere Generäle in diese scandalöse Affaire verwickelt sein, ja, sogar der Name Wilsou's, des Schwiegersohnes des Präsidenten Gröoy, wird mit genannt. , . Das Petersburger Kriegsgericht mußte dieser Tage über eine Affaire verhandeln, die bezeichnend für die Verhältnisse im inneren Rußland ist. Im März d. Js. hatten Bauern eines Dorfes im Kreise Jnssar (Gouverne- ment Pensa) in einer förmlichen Versammlung die Ermordung des gmsherrlichen Verwalters beschlossen und auch ausgesührt, in Folge dessen 30 Bauern dem Kriegsgerichte überwiesen wurden. Letzteres verurtheilte 14 derselben wegen vorbedachten Mordes zum Tode durch den Strang und die Gemeinde-Aeltesten, sowie den Dorfschulzen wegen äußerst fahrlässiger Amtsführung zu 3V2, resp. 3 Jahren Zuchthaus; die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Universitäts-Chronik. — Der Generaldirector der Berliner königlichen Bibliothek, Prof. Wilma ns, ist mit der interimistischen Oberleitung der Universitäts-Bibliothek nach dem Tode des Bibliothekars der letzteren betraut worden. Frankfurt a. M., 7. October. sSchneller Tod0 Heute Mittag um 1 Uhr kam die Tochter des Herrn Musikdirectors Wolf in Gesellschaft ihrer Schwester aus der Probe des Museums-Concerts, als das Mädchen plötzlich das Bedürfnitz fühlte, etwas Wasser zu trinken. Man eilte nach einer nahe gelegenen Fischhandlung auf der neuen Matnzerstraße und holte Wasser. Noch ehe das junge Mädchen das Glas an die Lippen bringen konnte, bekam es Bluterbrechen und fiel um. Hilfreiche Hände waren sofort zugegen und trugen die Bewußtlose in einen Laden, wo die Aermste, nach Sekunden kann man sagen, den Geist aufgab. Der zur Stelle gerufene KreisphysikuS Dr. Wildbrandt konnte nur den Tod constatiren. Wie man uns versichert, war das Mädchen schon seit längerer Zeit leidend, doch dürfte das zu starke Schnüren den Unfall herbeigeführt haben. Man verbrachte die Leiche nach der elterlichen Wohnung. Die Schwester, welche die Schwester so plötzlich sterben sah, konnte in Folge des ausgestandenen Schreckens nicht sprechen. Ein hiesiger Familienvater verletzte sich vor wenigen Tagen beim Schneiden der Hühneraugen an der kleinen Zehe des rechten Fußes ganz unbedeutend, so daß er es nicht der Mühe werth fand, das Mündchen auszuwaschen. Er wischte mit einem Handtuch darüber und zog Strumpf und Stiefel an und ging feinem Geschäfte, nach. Gegen Abend verspürte er an der kleinen Zehe ein schwaches Brennen, das, als er den Stiefel abnahm, nachließ. Am anderen Morgen fand er die Zehe geschwollen. Den Stiefel konnte er nicht mehr anziehen. Einen Arzt holte er jedoch nicht. Schon am darauffolgenden Tage mußte opertrt werden. Es bildete sich eine heftige Blutvergiftung. Der Fuß wurde amputirt und gestern das Bein bis zum Knie. Der Zustand Den Patienten ist, wie leicht denkbar, ein trostloser. (&• SO Marburg, 8. Octsber. Infolge der mit dem 1. October eingetretenen erhoben Besteuerung des Branntweins und der daraus sich ergebenden Vertheuerung depeive ist unter den hiesigen Branntwein-Kleinverkäufern (Kaufleuten) eine Greint.'ang dahin getroffen worden, von genanntem Zeitpunkte ab den Preis für gcwoym qi Branntwein per Liter auf 70 Pfennig, für den besseren, unter dem Hainen „sw gehenden, auf 80 Pfg. und für Liqueur auf 1 Mark festzusetzen. Seitens der b l g Mirthe wurde folgende vom 1. October ab gültige Taxe für den verkauf des Branntweins in Wirtschaften vereinbart: Kornbranntwein per V»o Liter 6 Pig., /io (Kännchen) 12 Pfg., Pfeffermünz, Franz, Kirsch, Kümmel, Wachholder unb Englisch- Bitter je per ffljfe ttjn rt« einzelric Wilddiebe waren Beete weisse i 7597 I | I Fischbach? Acker 7623 Wiese Acker Grünebaum, ^chan. Schuhfabrik. Doering, Kirchenrechner. Thomas-Phosphat-IWehl fetnfler Mahlung, 17—18% Phor P90tJaure, in frischer Waare, empfiehlt 1570_________ A. Kröll. Die Lieferung von ca. 150 Ctr guter Speisekartoffeln, von ra. 10 Ctr. gebrochener Aepfel und von ca. 100 Krautköpfen foU im Submissionswege vergeben werden. Offerten mit Proben ver- seh-n, sind bis zum 20. l. Mts. in der Anstalt abzugeben. Gießen, den 10. October 1887. Großh. Direction der Entbindung-^ anstatt. 7596 zum Stärken der Wäsche bei < < 4 „ XXVIII Nr. 112a - 2487 Meter Ä H-egstrauch, rechts des Pfades, stoßen auf die Aecker * XXXI Nr. 112 - 2588 Mtr Acker am Sandkauter Weg und Grü- nrnger Pfad, „ XXXI Nr. 113 - 2225 Mtr. Acker daselbst, freiwillig meistbietend versteigert werden. Gießen, den 10. October 1887. Großh. Ortsgericht Gießen. Vogt, Ortsgerichtsmann. 7581 Mädchen, D-e am 24. Juni l. I. fällig gewesenen Pachtgelder der evang. Kirche und I. und II. Pfarrei Gießen Tonnen nur noch in den nächsten acht Tagen ohne Kosten bezahlt werden. Gießen, am 10. October 1887. erhalten gegen bZn ««» gesunde Arbeit" "sr. Neuenweg » imLa^n. ^bin in der Kaplansgasse gelegenes Wohnhaus Nr 27 bin ich Willens zu verkaufen. 75c>8 Christ. Noll, Schlosser. Zahnpasta " nun von C.H.Oehmig-Weidlich, Zeitz Parfümerie-Fabrik Pasta lässt die VoniigBt "J? PhOe#|erkennen' Zu haben bei 5457 ^„|tl^-_G^8^F-VWelcker, Coiffe” ?in,^chfeinesenglisch^sHl7. X'WÄÄ'S'UÄ*“ H Werner. 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W m!a-0Cn? raI§ die an- । nicht betheiligen und die Wilddiebe ibr Knip? 4>?ej fast ausnahmslos Gegen den Donon hin erstickt sich das fsan öst chp^^s^^?ster Weise betreiben. । das deutsche hinein. Der deutsche Wald um sch ^ ^in langer Zipfel in französischen DörferRaon. Mächtige Berge fallei?ftHin5ben„?rQnn ber beiden G-g-n die Grenze hin beginnt au Lf franÄn .be>.n giurtn ab. beiden Dörfer Raon waren bis zumWe1872 ffnHA V^‘rer- dünner Walb. Die reich gegen Entschäbigung an kostbarem Walb mrücko^^ an Frank- Westen zieht bi- Grenz- burch weite Tann-nwäÜ>-r ^^el'-> ?“* ®übm unb Süb- sranzosischkn Wilb-r-r diesseits ber Greme bemerkt to°rn wurden bie » Basr Ä ‘‘«*s geschnitten werden. » « • - Freitag den 14. 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