Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Sureott: Schnlstr-ß- 7.ftMehtt täfllMi mit Ausnahme des Mo-tt-gs. SljW Amtlicher Hheit. Gießen, den 4. Februar 1887. Betr.: Ausführung des Krankenversicherungsgesetzes, hier die von den Gemeindekrankenversicherungen und den Krankenkassen zu liefernden lieber* sichten und Rechnungsabschlüsse. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Vorstände der GeMeiudekrankenverficherungskaffe», der FabrikS-(»etrLebs-)«raukenkaffen, der Ortskrankenkasse Gießen und der eingeschriebenen Hülfskassen. Mit Rücksicht darauf, daß die statistischen Uebersichten und Rechnungsabschlüsse, welche die Gemeinden und Krankenkassen einzuliefern haben, im verflossenen Jahre vielfach unvsllständig und unrichtig aufgestellt worden sind, hat der Bundesrath zur Beseitigung der Mängel, welche aus Mißverständniß der Formulare und der dazu gegebenen Anweisungen hervorgegangen sind, beschlossen, die letzteren durch die in der nachstehenden Anleitung enthaltenen Erläuterungen zu ergänzen und zu ändern. Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 12. Januar l. I. (Anzeigeblatt Rr. 12) bestimmen wir im Auftrage Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz: * 1) daß diese Anleitung schon bei den Nachweisungen für das Jahr 1886 von Ihnen zu beachten ist, 2) daß die Nachweisungen von den Vertretern der Kaffen zu unterzeichnen und längstens bis zum 1. April l. I. in doppelter Ausfertigung an uns einzufenden sind. Dr. Boekmann. Anleitung M Ausfüllung der Iormulare, betreffend die Statistik der Krankenversicherung der Arbeiter. Außer den auf den Formularen selbst gedruckten Erläuterungen sind die folgenden bei der Aufstellung der Nachweisungen zu beachten: Zu Formular I. Seite 1. Als statutenmäßige Dauer der Kranken Unterstützung ist Nicht nur diejenige anzugeben, während welcher volle Unterstützung gewährt wird, sondern auch diejenige, während welcher dieselbe eine geringere ist. Diese Zeitabschnitte sind zu trennen. Hiernach würde beispielsweise der Eintrag zu lauten haben: „13 Wochen volle Unterstützung, von da ab während 13 Wochen die Hälfte" u. s. w. Als Procentverhältniß der Beiträge zum Lohn am Schluß des Jahres ist dasjenige anzugeben, in welchem der Gesammt- beitrag — des Arbeiters und Arbeitgebers zusammen — zum Lohn steht. Für eingeschriebene und aus landesrechtlicher Vorschrift beruhende (freie) Hülfs- kaffen fällt diese Angabe fort. Erläuterungen Ziffer 2. Die Art der Kaffe ist stets genau anzugeben, bei den freien Hülfskassen auch, ob auf Grund des Reichsgesetzes vom 7. April 1876 „Eingeschrieben" oder auf landesrechtlicher Vorschrift beruhend. An Stelle der Erläuterung Ziffer 6 tritt die folgende: „Als Erkrankungsfälle in den Spalten 9 und 10 und Krankheitstage in den Spalten 11 und 12 sind nur diejenigen zu zählen, für welche die Kaffe Aufwendungen der im Formular ü, Spalte 4, 5, 8, 9 der Ausgaben bezeichneten Art gemacht hat. Fälle, in denen keine Erwerbsunfähigkeit eintrat, und Tage, welche innerhalb der Karenzzeit liegen, bleiben unberücksichtigt. Für die Ausfüllung der Spalte 12 gilt das in Ziffer 5 Bemerkte". Seite 2. Spalte 2 und Neberfchrift der Spalten 6 bis 8. Bei Kaffen, die erst im Laufe des Jahres eröffnet wurden, sind die Worte „bei Beginn des Jahres" zu streichen und statt dessen ist der Termin zu fetzen, an welchem die Kaffe ihre Thätigkeit begann (z. B- 12./3. 86, wenn an diesem Termin die ersten Mitglieder eintraten). Ebenso ist bei Kaffen, die int Laufe des Jahres geschlossen wurden, statt der Worte „am Schluffe des Jahres" über die Spalten 6 bis 8 das Datum des Kaffenschluffes zu'setzen. Spalten 4, 9, 11. Die Spalte 4 enthält die Ausgeschtedenen etn- schließlich der Gestorbenen, die in Spalte 5 dann noch besonders nachgewiesen werden. Ebenso ist zu beachten, daß die in Spalte 10 einzutragende Zahl schon in Spalte 9, die in 12 schon in 11 mitenthalten ist. Spalten 6 bis 8. Die Summe in Spalte 6 setzt sich zusammen aus: 1) der Zahl der Mitglieder, welche auf Grund des § 1 des Gesetzes über die Krankenversicherung (vom 15. Juni 1883, auch § 15 des Gesetzes über die Ausdehnung der Krankenversicherung vom 28. Mai 1885, sowie auf Grund eines Landesgesetzes nach dem Reichsgesetz vom 5. Mai 1886) versicherungspflichtig sind; . 2) der Zahl der Mitglieder, welche durch Orts- (Gemeinde-, Beztrks-) Statut auf Grund des § 2 des Krankenversicherungs gefetzes versicherungspflichtig geworden sind. Diese, und nur diese werden in Spalte 7 noch besonders nachgewiesen; A 3) der Zahl der Mitglieder, für welche keine durch Gesetz oder Ortsstatut begründete Verpflichtung besteht, sich irgend einer Krankenkasse anzuschließen. Diese, und nur diese werden in Spalte 8 besonders nachgewiesen. Diese Einthellung der Mitglieder ist auch für die freien Hülfskassen zu beachten. Die Zahl in Spalte 6 ist stets gleich der Summe der Zahlen: Spalten 2 + 3 abzüglich 4. Zu Formular I. Zum Rechnungsabschluß überhaupt. Es wird hierbei vorausgesetzt, daß .die auf jedes Jahr entfallenden Entnahmen (insbesondere Beiträge) und Ausgaben (insbesondere auch für Arzt und Apothekerrechnungen) demjenigen Jahr zu gute beziehungsweise zur Last geschrieben werden, auf welches sie sich wirklich beziehen, und daß die Bezahlung der Rechnungen für das Rechnungsjahr (Kalenderjahr) bei Aufstellung dieser Nachweisungen soweit als thunlich bereits stattgefunden hat, und diese Aufstellung demgemäß geschieht. Seite 1. II. Vermögensausweis. Stammvermögen kann nach § 29, Absatz 2 des Krankenversicherungsgesetzes nicht aus Mitgliederbeiträgen angesammelt werden. Als Stammvermögen ist daher nur das aus anderen Quellen (Stiftungen, Vermächtniffen u. f. w.) herrührende Vermögen aufzuführen, dessen Grundstock bestimmungsgemäß unangetastet bleiben soll, und von dem nur die Erträgnisse zu Zwecken der Krankenkasse verwendet werden dürfen. Stamm- vermi^en wird hiernach bei den meisten Kassen nicht vorhanden fein. Alles andere Vermögen gehört entweder zum Kaffenbestand oder zum Reservefonds, und zwar zum letzteren, soweit es demselben ausdrücklich überwiesen wird. Der Kassenbestand beim Rechnungsabschluß, d. i. der Ueberschuß der Einnahmen, soweit er nicht dem Reservefonds überwiesen (auch nicht zur Schuldentilgung verwandt) wird, gehört nicht in den Vermögensausweis, sondern in die Betriebsrechnung des nächsten Jahres. In der Rubrik Schulden handelt es sich lediglich um Darlehen, nicht um Vorfchüffe der Gemeinden ober Zuschüsse der Arbeitgeber. Seite 2. Einnahmen. Spalte 3. Hierher gehören Zinsen vom Stammvermögen, vom Reservefonds und von vorübergehenden Geldanlagen (insbesondere vom Kassenbestand, wenn dieser als Guthaben bei einer Bank angelegt war). Spalte 6. Hierher gehören nur Beiträge, welche von Mitgliedern unmittelbar, ohne Vermittelung des Arbeitgebers, an die Kasse ein gezahlt worden sind. Beiträge, die zwar den Mitgliedern zur Last fallen, aber durch Arbeitgeber ein gezahlt sind, gehören in Spalte 5. Ausgaben. Spalte i;0. Zurückgezahlte Vorschüsse: Hierher gehören nur Rückzahlungen der in Spalten 7 und 8 der Einnahmen bezetchneten Vorjchupe. Spalte 11. Verwaltungskosten: Zu den persönlichen Verwaltungskosten gehören insbesondere alle Besoldungen, Tantiemen, er- gütungen für Krankencontrole, Einnehmergebühren, Reisekosten und.Dmtender Revisoren, der Abgeordneten der Generalversammlung und dergtetcyen, zrr den sächlichen insbesondere Ausgaben für Schreibmaterial, ^tatutenbucher, ; Porti, Lokalmiethe und dergleichen. ^Wochen - Ueberficht. Gießen, 12. Februar. Die Erörterungen über das Jakobinische Schreiben und die Wirkungen desselben aus die Centrumspartei bildeten diesmal das Haupt- Thema der Preßbetrachtungen. Hierbei ist namentlich die Schwenkung interessant, die sich in der Centrumspresse sowohl hinsichtlich des Jakobinischen Schreibens, al« auch bezüglich ihrer Stellung zur Septennatssrsge vollzogen hat. Anfänglich wurde die Echtheit des Schreiben», dann dessen Wortlaut bezweifelt, bis j tz: endlich Beides eingeräumt wird und hiermit ging Hand in Hand eine all- malige Front-Veränderung gegenüber dem Septennat, jo daß selbst Blätter, wie der „Wests. Merkur" und die „Köln. Volksztg." jetzt offen meinen, man müsse den Centrums-Abgeordneten in der Septennatsfrage vollständig freie Hand lassen. Nur die oberste Leitung der Cmtrumspartei selber will sich auch durch die kundgegebenm Wünsche des Papstes noch zu keiner Aenderung ihrer Stellung in der Militärfrage bestimmen lassen, wie aus den Erklärungen des Herrn Dr. Winbthorst aus dem Kölner Centrum«tage hervorgeht; indessen, aus der ganzen Fassung der Rede des Centrumssüörers läßt sich entnehmen, daß sich Herr Wtndthorst sein letztes Wort noch vorbehälr und diese Vorsicht erscheint nicht überflüfsig. Offenbar hat der hohe Cierus in Deutschland seitens des heiligen Stuhles Anweisung erhalten, im Sinne btr päpstlichen Kundgebung auf die kalholischen Wähler zu wirken. Der Erlaß wenigstens, den der Bischof von Limburg an seine Diöcesan-Geistlichkeit gerichtet hat, spricht für eine derartige Auffassung. In demselben wiro dem CleruS untersagt, sich an der Wahlagitation gegen das Septennat zu betheiligen, da es den neugewählten Mitgliedern des Certrums nicht erschwert werden dürft, den im Schreiben des Cardinal-Staatssecretürs Jakobmi ausgedrückten Wünschen Rechnung zu tragen. Wahrscheinlich wird dieses Vorgehen des L.mburger Bischofs nicht vereinzelt bleiben und man darf begütig fein, wie sich Herr Dr. Winothorst diesem verstör klen Drucke gegenüber verhalten wird. Dis kaiserliche Verordnung, betr- die Militärtransport-Ordnung für Eisenbahnen im Kriege, wird vom „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht. Das preußische Abgeordnetenhaus hielt am Mittwoch wieder einen sogenannten „Schwerinstag" ab. Hierbei kam es anläßlich der Berathung des Etats der Austedelungi-Commission für Posen und Westpreußen (Ausgabe und Einnahme 144,470 JC) wieder einmal zu einer langen Polendebatte. Von polnischer Seite brachte Abg. v. Czarlinski die bekannten Klagen der Polen- Fraktion gegen dar Ansiedelungsgesetz vor und bezeichnete er außerdem dasselbe als gegen die Verfassung und das Allgemeine Landrecht verstoßend. Von con- fervativer Seite widerlegten die Abgg. v. Tiedemann-Bomst, v. Rauchhaupt und Wehr-Konitz entschieden die Ausführungen de» polnischen Redners, wobei sie jedoch noch verschiedene Specialwünsche hinsichtlich der Durchführung des Gesetzes vorbrachten. Abg. v. Meyer-ArnSwalde empfahl ein langsames und vorsichtiges Vorgehen auf diesem Gebiete und der Minister für Landrvirthjchaft, Dr. Lucius, legte dar, daß sich die Commission bei Ausführung de« Gesetzes streng in den vorgrschrlkbenen Grenzen bewege, während Abg. Dr. Windtyorst feine finanziellen und politischen Bedenken gegen do» ganze Gesetz aufrecht erhielt. 5Dt - Debatte endete schließlich, entsprechend dem Antrags der Budget-Commsssion, mt: Annahme des betr. Etats. Aus Frankreich kommen interessante Meldungen über „bewegte" Vor- gä-.rge im Schooße des Cabinets Goblet In einem neulich stattgesunr-eaen M.nisterrathe ist cs zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen dem Minister des Auswärtigen, Herrn Flourens, und dem Kriegsminister Boulanger über einen Brief gekommen, den Boulanger dem in diesen Tagen nach Petersburg abrsi- senden französischen Mllitär-Attachö für den Czaren mitgeben wollte. Es wird versichert, oaß sich Herr Flourens unter Zustimmung seiner Collegen ganz energisch gegen eine derartige Handlungsweise oes Kriegsminister» gewendet habe; ja, er soll sogar mit sofortiger Demission gedroht haben, wenn Boulanger nochmals Aehnliches versuchen würde. Letzterer ist dem Vernehmen nach schließlich imaz kleinlaut geworden und ertheilte eiligst die beruhigendsten Zusicherungen. H^rr Boulanger scheint wirklich in jeder Woche neue Eigenthümlichkeiten zu entwickeln I Aus den parlamentarischen Ereignissen von jenseits der Ncgesen ist die debattelose Zustimmung der Deputtrtenkammer zu dem von der Regierung für Zwecke des Heeres und der Marine verlangten außerordentlichen Credit von 116 Mill. Frcs. heroorzuheben. Die Concordats-Commtssion der französischen Deputirtenkammer Hal sich im Princip mit 11 gegen 9 Stimmen für Trennung der Kirche vom Staate ausgesprochen. In Lyon wurden am Dienstag Abend gegen das Gitter dem Justiz- polaste benachbarten Polizei-Csmmissariats zwei Bomben geschleudert, durch deren Explosion sechs Polizeibeamte Verletzungen erhielten. Es wurden acht verdächtige Individuen verhaftet, doch scheinen sich die Bombenwerser nicht unter ihnen zu befinden. Jenseits der Alpen wird die öffentliche Meinung gänzlich durch das Unglück von Maffauah und die sich hieran knüpfende Krisis im italienischen Ministerium in Anspruch genommen. Es liegt noch keine bestätigende Meldung vor, daß König Humbert die Demission des Gesammtministeriumö Depretis angenommen habe, aber aus den gemeldeten Konferenzen des Monarchen mit hervorragenden politischen Persönlichkeiten geht mit Sicherheit hervor, daß zum Mindesten eine Umbildung des gegenwärtigen römischen Cabinets beabsichtigt, ist. Die in Italien gegen das Ministerium herrschende nationale Erregung hat inzwischen durch die eingetroffenen amtlichen Berichte des Generals Genö über die Kämpft vom 25. und 26. Januar neue Nahrung gefunden. Hiernach beträgt der Gesammtverlust der italienischen Truppen an beiden Tagen 488 Mann und 24 Osficiere, hiervon Todte 23 Officiere und 407 Soldaten, uni) diese ganz unverhältnißmäßig hohe Zahl der Gefallenen im Vergleiche zu ben Verwundeten beweist an sich schon, wie blutig diese Kämpfe gewesen fein müssen. Die Verwundeten befinden sich in Maffauah und sollen demnächst aus Postdampfern nach Italien transportirt werden. Die bulgarische Frage stagntrt wiedereinmal. Selbst die türkisch- bulgarischen Verhandlungen, die in Konstantinopel unter so günstigen Auspicien begonnen wurden, scheinen vorläufig wieder in's Stocken gerathen zu sein. Auch die Candidaten-Angelegenheit kommt durchaus nicht vom Flecke und weiß man noch immer nicht, ob der Herzog von Leuchtenberg in Wahrheit der Tbron- randidat Rußlands für Bulgarien ist. Die Londoner Socialisten haben am Dienstag wieder einmal rinen Neinen Putsch in Scene gesetzt, wozu ihnen das polizelliche Verbot des Fackelzugs Veranlassung gab, den sie zur Erinnerung an den Jahrestag der Unruhen auf Trafalgar Square abhalten wollten. Glücklicher Weise war diesmal die Londoner Polizei besser auf dem Posten und so beschränkte sich die socialistijche „Kundgebung" aus die Zertrümmerung von Schaufenstern unb Plünderung einiger Läden. Auf dem am Mittwoch stattgefundenen Bankett der Londoner Handelskammer hielt Unterstaatssecretär Fergusson eine Ansprache, in welcher er sich ziemlich optimistisch bezüglich der allgemeinen Lage äußerte. Fergusson meinte, daß alle europäischen Staatsoberhäupter und Minister von dem Wunsche beseelt seien, den Frieden zu erhalten. Uebrigens sei auch weder eine besondere Ursache für den Krieg vorhanden, noch herrscht ein solcher Zustand von Erörterung und Spannung, welcher den Krieg unvermeidlich oder wenigstens wahrscheinlich mache. Endlich ist der Schatzsecretär Goschen in brn Besitz des verfassungsmäßig erforderlichen Parlaments-Mandais gelangt. Nachdem Goschen in Liverpool gegen den liberalen Candidaten unterlegen, wurde er in dem con* servativen Bezirke von St. Georges in London aufgestellt und dieser wählte den Schatzsecretär mit 5702 Stimmen in's U.ttcrhau». Der radikale ©egen*£Gn* didat Hb'ysman erhielt 1545 Stimmen.| L L, ? s L e ö. Gießen, 12. Febr. Dem Verwaltungsbericht der Großh. Bürgermeisterei entnehmen wir ferner: Die städtischen Unterrichtsanstaltcn besuchten im Schuljahr 1885/86 und zwar: I. Das Real-Gymnasium in 9 Classen: Sommer 1885 — 258 Schüler, Winter 1885/86 = 266 Erwähnt sei hierbei, daß durch Verfügung Grotzherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, Abtheilung für Schulangelcgenheiten vom 20. August 188& nach Anhörung des Stadtvorstands, welcher sich damit einverstanden erklärte, das Schulgeld für das Neal-Gymnasium mit Wirkung vom Winterhalbjahr 1885/86 an für die blassen VI, V, IV auf lährlich 72 JL und für die Elasten UI und II auf 84 X erhöht worden ist. Für Elaste I betrug dasselbe bereits 84 II. Die Realschule in 7 Elasten: Sommer 1885 — 162 Schüler, Winter 1885/86 = 187 III. Die Vorschule zu den beiden Schulen unter I. und II. in 3 Elasten: Sommer 1885 — 153 Schüler, Winter 1885/86 — 158 IV. Die höhere Mädchenschule in 7 Elasten: Sommer 1885 — 223 Schülerinnen, Winter 1885/86 — 224 „ V. Die erweiterte Volksschule für Mädchen in 5 Elasten: Sommer 1885 = 149 Schülerinnen, Winter 1885/86 — 153 VI. Die Vorschule zu den beiden Schulen unter IV. und V. in 3 Elasten (die oberste Elaste getheilt in Abtheilunq a. und b.): L>ommer 1885 — 202 Schülerinnen, Winter 1885/86 = 198 VII. Die Stadtknabenschule in 8 Elasten, darunter die III. und VIII. Elaste in je 2 Abtheilungen! Sommer 1885 — 647 Schüler, Winter 1885/86 =. 652 VIII. Die Stadtmädchenschule in 8 Elasten, darunter die III., VI., VII. und VIII. Elaste in je 2 Abteilungen: Sommer 1885 — 735 Schülerinnen, Winter 1885/86 — 739 Außerdem erhielten im Schuljahr 1885/86 — 8 geistig zurückgebliebene Kinder (3 Knaben und 5 Mädchen) besonderen Unterricht durch Herrn Lehrer Schaaf. Die obligatorische Fortbildungsschule für Knaben wurde im Winter 1885/86 von 227 Schülern besucht, welche in 9 Elasten (1 Tagesclasse und 8 Abendclassen) unterrichtet wurden. Hierzu kommt eine Tagesclasse für 11 Schüler, welche Abends in ihren Geschäften unabkömmlich waren. Von diesen gehörten nach ihrem Alter 6 in den III., 3 in den II. und 2 in den I. Jahrgang. Die besonders gering befähigten Schüler der verschiedenen Altersstufen (48), von welchen 13 dem I., 27 dem II., und 8 dem III. Jahrgang angehörten, erhielten gemeinschaftlichen Unterricht in den Elasten IVa und IVb. Ihrem Berufe nach waren die Fortbildungsschüler: Handwerker 168, Kaufleute 24, Kellner 15, Schreiber 3, Fabrikarbeiter 3, Ausläufer. Knechte, ländliche Arbeiter :c. 14. Die Leseabende des Volksbildungsvereins wurden im Winter 1885/86 an 34 Abenden int Ganzen von 599 Personen besucht, welche insgesammt 852 Bücher aus der Bibliothek des Vereins entliehen. Außerdem wurden an 2856 Lesec 4723 Bücher ausgeliehen. Der „Feierabend" wurde vom 22. November 1885 biS April 1886 durchschnittlich von 70 Personen (Lehrlingen) an jedem Sonntag besucht. Im Ganzen frequentirten denselben 147 Lehrlinge. , Die Zahl der in die Kleinkinderschule aufgenommenen Kinder im Alter von 2Vi bis 6 Jahren betrug im Sommer 1885 — 220 Kinder, im Winter 1885/86 = 222 Kinder. Die Industrieschule für Mädchen (Aliceoerein für Frauenbildung und Erwerb) wurde im Jahre 1885/86 von 149 Schülerinnen, die Handwerkcrschule von 218 Schülern besucht. Für die Armenpflege wurde im Rechnungsjahre 1885/86 aufgewendct: 1) von der Armenkasse 15 116.70 JL\ 2) von der Plock'schen Stiftung 3839.13 JL, in welcher Summe jedoch ein Zuschuß von 3300 JL zur Armenkasse enthalten ist; 3) Zuschuß aus der Stadtkasse 27 900 JL, so daß der Gesammtaufwand für die östentliche Armenpflege 43216.70 beträgt. Die Gesammtzahl der Familien und einzelstehenden Personen, welche ständige Unterstützung erhielten, betrug 289. Hierunter befinden sich 181, welche auf Grund des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz ihren Unterstützungswohnsitz dahier erworben haben. Ebenso erheblich ist die Zahl dcr^vorübergehend mit Geld, Kleidern, Brenn- material, Lebensmitteln u. s. w. unterstützten dahier wohnenden Familien und einzel- stehenden Personen resp. derjenigen, welche auf Grund detz von der Armendeputatiol Landes-Universität abgeschlossenen Vertrages unentgeltliche Aufnahme in de» akademischen Hospital fanden und solcher, welchen das Schulgeld erlassen wurde, beziehungsweise deren Kindern die erforderlichen Schulbücher auf Kosten der Armeip kaste angeschafft wurden. Außerdem wurden 35 Kinder auf Kosten der Armenkasse in Privatpflege gegeben, darunter 30, deren Eltern resp. Mütter dahier nicht heimaths- berechtigt waren. Im Bürgerhospital befanden sich 25 Personen — 13 Männer und 12 Frauen. Für 8 in das Landeshospital Hofheim und für 2 in die Landes-Irrenanstalt Heppenheim aufgenommene Personen hatte die Armenkaste das Pfleggcld zu entrichten ? auf Grund des t- esetzes über den Unterstützungswohnsitz. Ferner waren 2 Kinder — K 1 Knabe — in den Rettungsanstalten Hänlein und Jugenheim auf -tr Armenkasse untergebracht. Für den Knaben in Hänlein trägt der Staat die Hälfte der Pflegekosten. n. > I?i^tmäßhett des 8 28 des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz mußten 94 männliche ortsiremde Personen mit 2964 verpflegunMagen und 15 weidlich- oris' ttemde Personen mit 386 Verpflegungstagen — die ersteren zum weitaus größten Theil Handwerksburschen — im Laufe des Jahres 1885 in das akademische HoSpital eingewiesen und 27 männliche Personm mit 259'/» Derpflegungstagen «egen Platzmangel in die Herberge zur Heimath, von welcher aus sie ambulatorisch behandelt wurden ausgenommen werden und weitere 27 dergleichen Persrnen wurden mit Kleidungsstücken und tx sonstiger Weise unterstützt. Das Vermögen der Armenkasse hat sich im Etatsjahr 1885/86 auf 352 125.56 Jt, dasjenige der Plock'schen Stiftung auf 103 378.57 Ji. erhöht. Von dem allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege wurden im Jahre 1885 — 160 Familien resp. einzelstehende Personen mit einem Gesammtkostenaufwand von 6522.14 JL unterstützt. In 433 Familien übernahmen die Diaconissinnen Krankenpflege mit 491 Nachtwachen. In der Krippe wurden durchschnittlich täglich 10 Kinder verpflegt. Leider fanden mehrfache Unterbrechungen statt. Im April und im August mußte die Krippe längere Zeit geschlossen werven, im April, weil die große Zahl schwerer Erkrankungen in der Gemeinde die Hilfe der Krippenschwestern in der Krankenpflege nothia machte, im August wegen der hier herrschenden Masernepidemie. Im Ganzen war oie Krippe an 271 Tagen geöffnet und -äblle an denselben 2652 Kinderpflegetage. Zunächst ist zu erwähnen, daß Herr Bautechniker Jakob Altvater, welcher seither nur als provisorischer Gehülfe für das städtische Baubureau angenommen war, im Jahre 1885 desinittv in den städtischen Dienst eingetreten ist. Baugesuche wurden eingereicht: 25 für Vorderhäuser, 45 für Nebengebäude und 33 für Veränderungen. Auf Grund des Art. 4 der allgemeinen Bauordnung wurden neue Baufluchtlinien festgesetzt: für die Wagengasse, für die Ostscite des Marktplatzes und zum Theil für die Sonnenstraße. Die Anzahl der Gaslaternen sowohl als der Petroleumlaternen wurde im Jahre 1885 nicht vermehrt, sie betrug zu Ende des Jahres 1885 — 371 Stück, davon 118 Richtungslaternen — resp. 55 totücf. Die Gesammtkoften für die Straßenbeleuchtung berechnen sich für das Etatsjahr 1885/86 auf 18757.07 Die Versuche zur Erschließung neuer Quellen für die Quellwasserleitung wurden fortgesetzt und waren von Erfolg gekrönt, indem Dank der namentlich in dieser Beziehung rastlosen Thätigkeit des leider so früh dahingeschiedenen Stadtverordneten Herrn Ferdinand Gail in Grundstücken der Gemarkung Großen-Buseck, welche derselbe für die Stadt angekauft hatte, neue sehr ergiebige Quellen mit vorzüglichem Wasser aufgeschlossen wurden. Dieselben sind bereits mit dem Hochreservoir verbunden und beträgt nunmehr der Gcsommtzufluß 541 Ebm. in 24 Stunden. Der Zuschuß der Stadtkasse zu den Kosten der ständigen Einquartierung für die in Dürgerquartieren untergebrachten Mannschaften des dahier garnisonirenden Regiments betrug vom 1. Avril 1885 bis dahin 1886 — 8255.31 Vermischte-. Unglücksfall hat sich in Nordhausen gelegentlich einer Maskerade tm SchutzenhauSiaale ereignet. Ein hübsches Dienstmädchen war auf der- selben als „Schneekönigin", vollständig in schneeiges Gewand gehüllt, erschienen- in der Rechten trug fit einen im Lichterglanz strahlenden Weihnachtsbaum, von dem eine Kerze herabpel. In demselben Augenblick sing die Wattenumhüllung Feuer und sofort stand die Schneekönigin in Flammen. Sie stürzte auffchreiend hinaus, zwei Herren Een ihr nach und drückten sie draußen in den wirklichen Schnee nieder. Das unglückliche Mädchen hat schwere Brandwunden erlitten. Das Haupthaar und die Kleidung sind verbrannt, das Gesicht ist mit Brandwunden bedeckt. Literarische-. Junkermann'- Humoristikum Sammlung heiterer Vortragsstücke von erprobter Wirksamkeit. Brosch. JL 3.-, eleg. geb. JL 4.-. Verlag von Levy L Muller in Stuttgart. Der durch seine unübertrefflichen Reuter-Darstellungen in allen Theilen Deutschlands und auch im Auslande wohlbekannte erste Komiker des Stuttgarter Hoftheaters, August Junker mann, hat unter vorstehendem Titel soeben eine reiche Sammlung heiterer Vortragsstücke herausgegeben, deren Wirksamkeit er zumeist selbst schon durch ostentliche Reciiatton erprobte. Neben einer großen Anzahl neuer, seither ungedruckter Vorträge in Prosa und Poesie finden wir in Junkermanns Humoristikum auch köstliche Solo- und Duoscenen, Scherzspiele, Pantomimen u. bergt, die zur Aufführung in größeren und kleineren geselligen Kreisen bestimmt sind und überall stürmische Heiterkeit erregen werden. Wir erwähnen nur: Die Bürgschaft, mit lebenden Bildern; der Taucherhandschuh des Ritter Toggenburg oder der Drachenkampf nach dem Eisenhammer; das Wachsfiguren-Cabinet; Freund, du bist der Retter meines Lebens; der Kreuzfahrer u. s. w. Mehrere vorzügliche Illustrationen: August Junkermann in feinen Reuter-Eyarakteren sind dem Buche beigegeben, das viel zur Belebung und Erheiterung ganzer Gesellschaften und GeselligkeitS-Vereine beitragen wird. Aber auch für denjenigen, welchem es nicht vergönnt ist, dergleichen Veranstaltungen in privaten oder öffentlichen Vereinigungen beizuwohnen, bietet Junkcrmann's Humoristikum eine solche Fülle zwerchfellerschütternder Komik, herz- und geisterfrischenden gesunden Humors, daß wir gerade diesen außerhalb der großen Gesellschastscentren Wohnenden oder an's Zimmer Gefesselten die Lcclüre dieses erheiternden Buches angelegentlichst empfehlen möchten. MM»KCTCtifracarni a in uniwiiiui iiiiini« -I.7, ! J I I i ■; t 6 k i $ e i it. k i t i- f k l i i f i i 1 Submission. Mittwoch den 23. l. Mts., Vormittags 11 Ubr, sollen für Großh- Landeszuchthaus nachstehende Lieferungen für die Zeit vom 1. Avril 1887 bis 31. März 1888 im Submissionswege vergeben werden, nämlich: I. Victualieu. 1. circa 28u0 Kgr. Bohnen, weiße, 2. „ 3000 „ Erbsen (Victoria), 3. „ 30 00 „ Linsen, 4. „ 72000 „ Schwarzbrod, 6. „ 2400 „ Gemischtbrod, \ 6. „ 2000 St- Weißbrod (Wecke), 7. ' „ 1200 Kgr. Gerstengrütze, 8. „ 1200 „ Weizengrütze, 9. „ 1800 „ Roggenmehl, 10. „ 1100 „ Weißmehl, 11. „ 1350 „ Kaffee, roher, 12. „ 800 „ Reis, 13. „ 1600 „ Gerste, geschälte, 14. „ 1100 1 Essig, 15. „ 100 Kgr. dtudeln, 16. „ 150 1 Mohnöl, 17. „ 10 Kgr. Chocolade, 18. „ 3 „ Thee, 19. „ 2ü „ Zucker, 20. „ 30 „ Pfeffer, ganzer, 21 „ 250 „ Zwetschen, gedörrte 22 „ 130 „ Kalbfleisch, 23. „ 3000 „ Rindfleisch, 24. „ 1200 „ Nierenfett, rohes, 25. „ 1350 „ SchwOnefleisch, 26. „ 2000 „ Schweineschmalz. ausgelassenes deutsches, 27. „ 1450 Kgr. Handkäse, 28. „ 13(00 i Milch. II. Schreibmaterialien. 29. It. Verzeichniß. III. Bürstenwaaren. 30. It. Verzeichniß. IV. Sonstiges. 31. circa 9800 1 Petroleum. 32. „ 1150 Kgr- Kernseife, 33. „ 200 „ Schmierseife, 34. „ 900 „ Soda, 35. „ 70 Dtzd. Lampencylinder, verschied- Größe, 36. „ 145 Mtr-Lampendocht verschied. Breite, 37. „ 40 St Kohlenlöffel, 38. „ 5 Dtzd. Eßlöffel, verzinnte, 39. „ 120 Päcke Zündhölzer, schwed., 40. „ 9 Kgr- Stearinlichter, 41. „ 70 St- Filzkappen, 42. „ / 400 Kgr. Chlorkalk, 43. „ 450 „ Eisenvitriol, 44. n 12 St. gußeiserne Kochtöpfe, 45. v 12 . .„ Kohlenkroppen, 46. , 250 Mtr. Putzlumpenzeug, 47. . 300 Kgr. Macuiaturpapier- Ordn.-Nr. 1-3, 4-6, 7-10, 11-21, 22—24, 32—34, 42—43 und 44—45 werden zusammen vergeben; auch sind von Ordn.-Nr. 1—3, 7—21, 29, 32—34 und 47 Muster vorzulegen. Die Lieferungsbedingungen sind vom 16. bis 18. l. M. auf dem Bureau des Großh. Oeconomen dahier einzuseben>nd Offerten, versehen mit der Aufschrift „Submission" bis zu obigem Termine Vormittags 11 Uhr in dem vor unserm Bureau aufgehängten Submissionskasten verschlossen einzulegen, oder 'frankirt bei uns einzureichen. 974 Marienschloß, den 5. Februar 1887. Großh- Landeszuchthaus-Dlrectzon. Allgemeiner Anzeiger. Wickti'g für Damen! Von meinen rühmlichst bekannten Wottfchweistblättern ohne Unterlage, die nicht kühlen und nie Flecken in den Taillen der Kleider entstehen lassen, halten für Gießen und Umgegend in bester Güte auf Lager: Herr Louis Kattrein, Ecke der Sonnen- und Schulstraße. Herr Robert Haas, Seltersweg. Preis per Paar 50 3 Paare 1 JL 40 H. 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