Nr» 1 Freitag den 12. August ^87. Gießener Anzeiger Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen. Vvreau r S ch u l st r a ß e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Amtlicher HHeik. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Betreffend: Die Herbstübungen der Großherzoglichen (25.) Division. Gießen, am 10. August 1887. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Wir benachrichtigen diejenigen von Ihnen, welche Einquartirung erhalten, daß der während den Herbstübungen erforderliche Vorspann aus de« Reqmsitwnswege zu stellen ist, da der seitens der Intendantur der 25. Division anberaumte öffentliche Termin zur Verdinauna des Vorsoannbeönrk« nF™» M°ben ist Sie wollen daher dafür sorgen, daß den Anforderungen der Truppen entsprochenwerden kann wobei «VchK an jedem Tage und für jeden Truppenthnl ein Wagen erforderlich werden wird. — Die Vergütung beträgt für einen zweispänniaen Waaen vro Taa « Sünden) £12.50 und für einen einspännigen Wagen 8 Für einen halben Tag - l Stunden und damnter - Ld die HAst- dies°r BaLL gewährt. — Nach Beendigung der Manöver sind die Liquidationen, mit den Quittungen der Truppen belegt, alsbald in duplo an uns einzusenden 9 9 __Dr. Boekmann. Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes vom 11. Juli 1887 bezüglich der Unfallversicherung der bei Sauten ,6el^^äft?8tenU^Uerflm6n7, Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. a*ei6en ÜOm 11 b- (3tniei9eMatt Kr- 177) noch nicht entsprochen haben, werden hierdurch an __Dr. Boekmann. Politische Uebersicht. Gießen, 11. August. Kaiser Wilhelm hat am Dienstag seine Gastetner Badekur beendigt Md am solgenden Tage die Heimreise nach Neu-Babelsberg angetreten, woselbst die Munst am Freitag in der zehnten Vormittags-Stunde erfolgen dürste. Auch diesmal kehrt der greise Monarch wunderbar gestärkt durch die Quellen Gastems wie dessen kräftigende Alpenlust nach der Heimath zurück und so hat ach denn Gastein wiederum als ein Jungbrunnen für den kaiserlichen Herrn bewShrt. In die letzten Tage des Gasteiner Aufenthaltes Kaiser Wilhelms fiel dis Begegnung mit Kaiser Franz Josef, welche nach allen Versicherungen der Augenzeugen Heuer einen besonders herzlichen Charakter trug und die Erinnerung an diele Stunden trauten Zusammenseins mir seinem erlauchten Freunde wird 'm tzmen unseres Kaisers gewiß noch lange nachwirken. In Neu-Babelsberg vtro Kaiser Wilhelm bis zum Beginne der großen Herbstmanöoer residiren und !?'. er zur Beiwohnung an denselben am 4. September nach Danzig ab. Elmze Tage nach der Ankunft des Kaisers gedenkt auch die Kaiserin, welche zur üell noch in Homburg weilt, in Babelsberg einzutreffen. m6M drinz Wilhelm von Preußen ist von seinen in Tyrol unternom- enen l emrjagden am Dienstag Früh nach Berlin zurückgekchrt; der Gasteiner ! lona^en-Begegnung hat der Prinz nicht beigewohnt. > . f ^^48tan8l6r weilt noch immer in seinem Hinterpommer'schen scmum und Diejenigen werden wohl Recht behalten, welche behaupten, Fürst « .Qrct ^rde erst nach der Rückkehr des Kaisers von seinen Badereisen ... blassen und sich zunächst nach Berlin begeben, um dem Kaiser Vortrag Drei,c rln; Sonntag Nachmittag traf der zur Zeit auf Urlaub befindliche k-» e*anbte Vatikan, Herr v. Schlözer, in Varzin ein und weilte rckaNnn Dienstag. Es wird sich hierbei in erster Reihe um dieBericht- ist eroer Gesandten über die Stimmung im Vatikan gehandelt haben, dann Wien wahrscheinlich, daß Herr v. Schlözer über seinen Ausenthalt in weifte imh ^t, woselbst er auf der Heimreise nach Rom mehrere Tage verweise verkehre ^sonders mit dem Grasen Kalnoky in bemerkenswerther Besgtzung der britischen Botschafter.Posten werden nicht iiiaff hL = nbetun9en angekündizt, von denen auch die Berliner Bot- Aht , rot?b', Der bitherige Inhaber dieser Posten«, Sir C. Malet, iSlctfönb? l “"b aI* Iein Nachfolger in Berlin gilt Lord Lytton, der frühere Binfliaen3 en ’ ^oöle ^otb 89tton ablehnen, so bezeichnet man al« den m 8rü}ei 2fbaf5D®^lanb8 tn S8etlin ben bisherigen englischen Gesandten r4irieb2nhflLanme1r3lf[Q!re,b6r Gebrüder Weirbach in Embermönil ist in »ißwi w.in be »elegt worden, indem nach einer In Straßburg einge- «Ä0 bie französischen Behörden die Wiedereröffnung der Wei«. : Wn SäFs c gestattet haben. E« ist noch unbekannt, ob die französi- ! unSbie!fem®nt’4(u6 gelangt sind oder ob sich erst eine ; E-Hrscheinlicher" Reichrkanzler-Amte« nöthig machte. Da« Letztere ist da« feilten no(fiCim^rkei5 ®irb bai Interesse an den innerpolitischen Angelegen- 4“! fcÄ b‘£, ^übejer Czechenpresse gegen den Unterrichts- ^i-lricht«'.Mtni^ «^dlnspruch genommen. Selbst der Umstand, daß der Wen dtrett vom Einwilligung zu seiner Verfügung über die Mittel- Weit einen * un? bem Monarchen in Ischl über die Ange- griffe VÄ*1, hindert die Czechenblätter nicht, ihre ' $ettn knutsch fortzusetzen. Viel werden sie hiermit freilich I Deutschland. ][ Darmstadt, 10. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog, Höchstwelcher heute Vormittag von einem nach Schloß Romrod unternommenen Jagdausflug hierher zurücktehrte, hat auf heute Nachmittag 2 Uhr im Großh. Schlosse ein Diner besohlen, zu welchem an den Jnspicirens halber auf dem Artillerie-Schießplatz bei Griesheim weilenden kommandirenden General des Königlich Württemb. XIII. Armee-Corps, General der Kavallerie v. Alvensleben, Einladung ergangen ist. Ebenso sind der stellvertretende Hessische Divisions- Kommandeur, Generalmajor v. Wissmann, und die Kommandeure der Königlich nicht erreichen und die derbe Abfertigung, welche das hochofficiöse „Fremdenblatt" den Czechen wegen ihrer Bemühungen, den Minister-Präfidenten gegkn den Unterrichts-Minister auszusptelen, zu Theil werden läßt, dürste den Czechen agen, daß sie diesmal auch vom Grasen Taaffe nichts zu hoffen haben Uebngens nimmt sich die Wuth der czechischen Preßorgane über bie Aufbebuna einiger czechischen Mittelschulen um so grotesker aus, als der betr. Mn.Wrial- Erlaß auch die Aushebung einer größeren Anzahl deutscher Mittelschulen verfugt; aber freilich, von dem Grundsätze, daß das, was dem Einen recht ist dem Andern billig sein soll, haben die Czechen in politicis nie eine blasse Ahnung gehabt! " Die Frage, wer die in Folge de« Ableben« Depreti«' erledtate oberste Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Italiens übernehmen werbe hat durch die provisorische Ernennung Crirpi'«, de« italienischen Ministers de«' Innern, zum Minister de« Aeußern ihre vorläufige Beantwortung erfahren Crispi galt lange Zeit al« erklärter Gegner Deutschlands und Oesterreich« aber dieser Annahme widersprach schon der Eintritt Crispi'« und seiner sortschrttt- lichen Freunde in das deutschfreundliche Ministerium Depreti«' und seit diesem Zeitpunkte ist nicht« geschehen, da« Den Verdacht, al« ob sich Italien von dem deutsch-österreichischen Bündniffe wieder entfernen wolle, auch nur im Entferntesten bestätigen könnte. Im Gegentheil versichern die italienischen Negterunq«. Organe, daß die auswärtige Politik Italien« sich auch ferner in den bisherigen Bahnen bewegen werde und e« liegt kein Grund vor, diese Versicherung irgend- wie zu bezweifeln. Uebrigen« würde Crispi nach der „Riforma" die Leitung des auswärtigen Amte« im Herbste wieder abgeben, bis zu welchem Zeitpunkte man hofft, eine neue Persönlichkeit zur definitiven Uebernahme diese« Posten» auszufinden. Aus der großen englischen Mi bland-Eisenbahn ist ein Locomotiv- sührer- und Heizer-Strike ausgebrochen, der seinen Ausgangspunkt in einer mißliebigen Maßregel der Direclion bezüglich der Auszahlung der Löhne hat. Die Midland-Gesellschast vermag jedoch durch Anstellung neuer Leute und die Unterstützung der Nachbarbahnen den Betrieb vollständig aufrecht zu erhalte» und dürste daher der Strike resultatlos verlaufen. Nur spärlich lauten die Moskauer Berichte über die Leichenfeier für Katkow und es läßt sich darum nicht beurtheilen, inwieweit dieselbe den Charakter einer großen nationalen Demonstration des Ruffenthums angenommen hat. Auch über die Reden, welche ein halb Dutzend der panslavistischen Freunde Katkow's an dessen Grabe gehalten haben, schweigt sich der Telegraph vollständig aus und von den Vertretern der französischen Nation, welche den Moskauer Begräbniß - Feierlichkeiten beiwohnten, scheint gar Niemand das Wort ergriffen zu haben, selbst Paul Döroulöde nicht. Ueber die Ursachen dieser auffälligen Zurückhaltung, welcher sich die Herren befleißigten, verlautet noch nichts Näheres, jedenfalls war es aber das Gescheuteste, was sie thun konnten, daß sie schwiegen. Wie es heißt, wäre Döroulöde verspätet in Moskau eingetroffen. Württemb xni. Artillerie-Brigade, der beiden Württemb. Feld-Artillerie-Regi- menter und des Hessischen Feld-Ärtillerie.Regiment» Nr. 25, sowie des Württemb. Kuß-Artillerie-Bataillons Nr. 13 mit Einladungen beehrt worden. — Das Osficier-Corps der Königlich Württemb. Artillerie giebt heute Abend in dem Kasino des Griesheimer Barackenlagers ein Fest, zu welchem das Osficier-Corps der hiesigen Garnison eingeladen worden ist. Auch die Mitglieder der hiesigen Vereinigten Gesellschaft" haben Einladungen erhalten, sodaß auch da» schöne Geschlecht vertreten sein wird. Extrazüge der Straßenbahn Darmstadt - Gries- heim bringen die Festgäste hin und zurück r k cr, Berlin, 10. August. Den „Polit. Nachr." zufolge sind die Aussüh- rungs-Bestimmungen zum Branntweinsteuer-Gesetz den Provinzial-Steuerbehörden mitgethetlt worden, damit diese stch bis zum 28. August darüber gutächtlich üußern; außerdem seien behufs Einziehung von Gutachten au« dem Handelsstande Einberufungen aus diesen Kreisen für die nächsten Tage zu erwarten. Aus den Kreisen der landwirihschaftlichm Jntereffenten seien bereits Sachverständige gehört. Die AussührungS.Bestimmungen Dürften den Wünschen dieser Kreise entsprechend verschiedene, wenn auch nur wenige Modificationen erfahren; zweifellos beabsichtige die Regierung, allen berechtigten Wünschen innerhalb der Grenzen des Möglichen gerecht zu werden. England. Loudon, 10. August. Der deutsche Kronprinz begab sich gestern Abend zu kurzem Ausenthalte nach Brämar in Schottland. — Das Unterhaus nahm die Bill, betr. die Einführung des technischen Unterrichts, ohne besondere Abstimmung in zweiter Lesung an. Telegraphische Depeschen. Wolff s telegr. Correspondenz-Bureau. Gastein, 10. August. An dem gestrigen Diner bei Kaiser Wilhelm nahmen Theil die Großherzogin von Weimar, der Fürst Rohan, die Botschafter Prinz Reutz und v. Radowitz. Den Thee nahm der Kaiser bet Lehndorff's. Wegen der heutigen Abreise wurde Bad und Promenade ausgesetzt. Gastein, 10. August. Der deutsche Kaiser hat die Rückreise um 3V» Uhr angetreten, von stürmischen Ovationen der Bevölkerung begleitet. Der Botschafter Reuß und Statthalter Thun gaben dem Kaiser bis Salzburg das Geleite. Salzburg, 10. August. Der deutsche Kaiser ist um 7*/2 Uhr hier einge- troffen. Er wurde von den Spitzen der Behörden empfangen und stieg im „Euro- päischen^^^ August. Zur Bischofs - Conferenz ist auch der Erzbischof von Freiburg eingetroffen. Den Vorsitz in der Conferenz führt der Erzbischof von Köln. Wien, 10. August. Die meisten Morgenblätter besprechen die Abreise des Prinzen von Coburg, ohne jedoch deren Zeit angeben zu können. Dieselben constatiren fast einstimmig, daß der Entschluß des Coburgers auf eigene Gefahr erfolge. Das „Fremdenblatt" betont, daß der Entschluß ohne Ermuthtgung durch die Mächte und ohne Bestätigung durch die Pforte erfolgt sei; sein Vorgehen sei mit den noch vor wenigen Wochen von ihm nachdrücklich betonten Bestimmungen des Berliner Vertrags nicht in Einklang zu bringen; vorläufig stehe man nur einem interessanten Wagestücke, dem bulgarischen Abenteuer des Prinzen von Coburg, gegenüber. Wien, 10. August. Prinz Ferdinand von Coburg reiste heute Vormittag 9V< Uhr von Marchegg aus mit einem Extrazuge der Staatsbahn nach Turn- Seoertn. „ r . . Göttingen, 10. August. Die Feier dc8 Universitatsiubilaums fand mit den am Nachmittag in Mariaspring, am Abend im Burhenne'schen Garten veranstalteten Festlichkeiten ihren Abschluß. , . , Sofia, 10. August. Die Regenten sind gestern Abend in Lompalanka eingetroffen; sie beabsichtigten heute mit den Ministern nach Orsowo wetterzureisen, um Den Prinzen von Coburg bei seiner Ankunft zu begrüßen. Madrid, 10. August. Ein Dekret der Königin-Regentin ordnet die Formation vier neuer Cavallerie-Regtmentern an. Lokale-. Gießen, 11. August. Eine recht hübsche Collection Ansichten von Gießen und Umgebung, sowie unserer Nachbarstadt Wetzlar hat die Firma H. Kühn am Seltersweg soeben zur Ausgabe gelangen lassen. Es befinden sich in dieser Collection (23 Bilder) 3 Panoramen von Gießen, darunter zwei vom Nahrungsberg aus genommen, °der Marktplatz, Schulstraße, Seltersweg, diverse Ansichten von Gleiberg, Staufenberg, Badenburg, Schiffenberg u. s. w., sowie auch fünf Ansichten von Wetzlar. Die Bilder sind durchweg gut ausgenommen, namentlich aber die beiden Panoramen vom Nahrungs- berg aus ganz vorzüglich. Die Collection ist in Cabinet- und Vtsitformat zu haben und dürfte sich zu Geschenken sowie Erinnerungen sehr eignen, zumal auch der Preis ein civiler genannt werden darf. Vermischtes. Darmstadt, 9. August. Nach einer von der Kaiserlichen Oberpostdirection in Darmstadt an die Großh. Regierung gelangten Nachricht geben Gerichtsvollzieher in nicht seltenen Fällen auf den von ihnen mit Zustellungsurkunde abzusendenden Briefen auch den Auftraggeber, z. B. Auftraggeber Rechtsanwalt 9E. in Z., Auftraggeber Gerichtsschreiberei Großh. Landgerichts in A., an. Durch solche nicht vorgeschriebene und das durch die Postordnung gestattete Maß überschreitende Zusätze wird nicht nur die Uebersichtlichkeit der Adresse wesentlich erschwert, sondern auch die Sendung der Gefahr ausgesetzt, daß sie durch die Empfangspostai.stalt in gerechtfertigter Weise als unzulässig zur Beförderung nicht bestellt, vielmehr an den Aufgabeort zurückgeschickt wird. Das Ministerium, Section der Justizverwaltung, hat Veranlassung genommen, den Juftizbehörden und Gerichtsvollziehern im Interesse des rechtsuchenden Publikums dringend die Beobachtung der bestehenden Vorschriften zu empfehlen. Aus dem Großherzogthum Hessen, 7. August. Die stetige Abnahmeder Staatsbeamten in der hessischen zweiten Kammer ist von Interesse. So wurden, wie man dem „Frkf. I." mittheilt, zu dem Landtag für 1876/79 16 Staatsbeamte (incl. Pfarrer), für 1879/82 11, für 1882/85 13, für 1885/88 11, für 1888/91 8 gewählt. Von Letzteren stellt die Provinz Starkenburg 7, Oberhesfen 1. Rheinhesfen ist sonach die einzige Provinz, die keinen Beamten in die Kammer entsendet. Mainz, 8. August. Während der gegenwärtigen Festungsmanöver werden von Seiten unserer Militärbehörde bei den Truppentheilen, welche in den Forts oder den Kasematten untergebracht sind, Versuche mit neuen Schlafstellen für die Soldaten gemacht. Seither war es üblich, daß die Mannschaften in sog. Pritschen, d. i. einfachen Bettstellen, schliefen. Nunmehr schlafen aber die Mannschaften in Hängematten, welche mit einer Matratze ausgefüttert sind. Diese Hängematten sind mittelst einer eigenartigen Vorrichtung an der Decke der Casernements befestigt. Vor dem Schlafengehen werden die Hängematten heruntergelassen, die Soldaten besteigen dieselben und ziehen sie alsdann durch eine Art Flaschenzug in die Höhe, so daß sie während des Schlafens frei in der Luft schweben. Die Hängematten sind nicht theurer als die seitherigen Pritschen; sie sollen aber viel gesünder sein als diese, da sie nicht mit der fast immer feuchten Erde solcher Casernements in so naher Berührung stehen. Auch in dem Btoouak der Pioniere bei Gonsenheim kommen diese neue Schlafstätten in Anwendung; daselbst sind die Hängematten im Walde zwischen den Bäumen befestigt. △ Mainz, 10. August. Zu der in Fulda tagenden Dischofsconferenz hat Bischof Haffner heute Morgen auf telegraphischem Wege eine Einladung erhalten. Bischof Haffner ist der Einladung noch am Morgen gefolgt. A Mainz, 10. August. Wie Mainzer Blätter mittheilen, soll mit dem Umbau des Bahnhofs in Kastel jetzt endlich begonnen werden. Die neue Bahnhossanlage soll an dieselbe Stelle kommen, an der sich zur Zett die Eilguthalle befindet und die aame Anlage derart erhöht werden, daß sie vom Hochwasser befreit bleibt. Vom Rhein, 6. August. sConserven-Fabrtk.j Die in Mainz befindliche Kal Preuß. Conservenfabrik befaßte sich seither außer mit der Fabrikation von Fleisch' Conseroen ?c. zur Verprovianttrung der Armee und der Marine auch mit der Fabrikation von sog. Pferdekuchen, welche bei den Manöoern zur Pferdefütterung verwendet werden. Infolge der bedeutenden Aufträge, welche die Conserven-Fabrik für fast das ganze deutsche Heer auszuführen hat — dieselbe liefert auch Conserven für die bayerische Armee — werden für die Zukunft die Pferdekuchen nur noch von den Militär-Bäckereim angeferttgt werden. Frankfurt a. M., 8. August. (Ein alter Kamerad.) An der Thüre eines an der M . ftraße wohnenden Arztes F. meldete sich am Samstag Vormittag ein alter Bettler und verlangte den Herrn sprechen zu dürfen. Man ließ ihn vor. „Kennen Sie mich noch von Langensalza her?" frug der Eintretende den Arzt. Letzterer antwortete: „Ich kenne Sie gar nicht." „So? Dann muß ich mich genauer legitimsten'" Der Bettler entblößte einen Theil seines Körpers und frug den Arzt, ob er auch diese Narbe (er zeigte eine große Narbe her) nicht kenne? Abermals lautete die Antwort- „Nein". Daraufhin zog der Mann ein altes Notizbuch aus seiner Tasche und zeigte dem Arzt eine Stelle in demselben. Es war zu lesen: „Dieses Büchlein verehrt 8tud. rned. F. aus Frankfurt a. M. seinem Lebensretter, dem Wachtmeister Oscar Lorey aus Hameln. Auf dem Schlachtfelde von Langensalza am 27. Juni 1866." — Jetzt erinnerte sich der Mediciner des Mannes mit großer Freude, derselbe hatte ihm in der That das Leben gerettet, er aber dem wackeren Wachtmeister dafür versprochen, ihm aus jeder Noth im Leben helfen zu wollen, welches Versprechen jetzt eingelöst wurde. (F, I.) △ Aus Rheinhessen, 10. August. Die Meldungen über stattgehabte Brande , nehmen gar kein Ende. Heute sind wieder Nachrichten von ziemlichen Schadenseuern aus Planig, Zotzenheim und Wöllstein eingelaufen. In letzterem Otte war es ein ziemlich bedeutender Brand, der vier Scheunen und mehrere Ställe in Asche legte. — In Bubenheim hat sich in verflossener Nacht ein wohlhabender Landwitth aus unbekannten Gründen erhängt. Ein zweiter Selbstmord wird aus Wöllstein mitgetheilt, wo sich ein gleichfalls begüterter Wingertsmann an einem Weinbergspfahl erhängt hat. Worms, 7. August. Heute vor acht Tagen ertrank beim Baden im Rhein bei Altlußheim ein junger Engländer, welcher sich dorten aufhielt und wurde von dessen Angehörigen eine hohe Belohnung für das Länden der Leiche ausgesetzt. Vor einigen Tagen wurde nun oberhalb hiesiger Stadt, am sog. Salzstein eine nur mit Badhosen, bekleidete männliche Leiche durch hiesige Floßarbeiter geländet und da kein Anhaltspunkt über die Persönlichkeit festgestellt werden konnte, wurde die Leiche beerdigt. Gestern kam nun der englische General von Gamble, der Vater des bei Altlußheim ertrunkenen Engländers nebst Begleiter hierher und veranlaßte die Ausgrabung der unbekannten Leiche. Beim Anblick des tobten Körpers erkannte in demselben der General alsbald seinen Sohn und wurde die Leiche heute Mittag Vil2 Uhr mit dem Zug via Köln nach England verbracht. Essen, 8. August. Daß von dem Vermögen des verstorbenen Herrn Alfred Krupp außer 500 000 JL für Wohlthätigkeitszwecke der Stadt Esten noch eine Million. Mark zu einer Stiftung für die Krupp'schen Arbeiter verwendet werden fallen, ist schoir gemeldet worden. Auf der Krupp'schen Fabrik herrschte am Samstag freudige Ausregung. Es war nämlich nach der „Vofs. Ztg." durch Anschlag Folgendes bekannt gemacht: „An die Arbeiter meiner Gußstahlfabrik und der zu dieser gehörigen Werke. In Uebereinstimmung mit einem von meinem entschlafenen Vater gehegten Wunsche habe ich ein Kapital in Höhe von einer Million Mark für eine Stiftung ausgesetzt, deren Erträgnisse ausschließlich den Arbeitern meiner Fabrik und der zu dieser gehörigen Werke und den Angehörigen dieser Arbeiter zu Gute kommen sollen. Ich bestimme, daß eine Verwendung der Zinsen dieses Kapitals zu Ausgaben, welche auf geger- wärtiger oder zukünftiger gesetzlicher Vorschrift beruhen, ausgeschlossen fein soll und sehe betreffs einer über die gesetzlichen Verpflichtungen hinausgehenden, zweckmäßigen und segensreichen Verwendung der Zinsen zunächst den Vorschlägen eines von mir zu ernennenden, aus Beamten und Arbeitern zusammengesetzten Comitös entgegen. Ein in gleicher Weise gebildetes Comit6 wird später über die Verwendung der Zinsen innerhalb der hierfür zu treffenden besonderen Bestimmungen beschließen. Das zu errichtende Statut soll behufs Erwirkung des ausdrücklichen Anerkennmisses der Stiftung als milde Stiftung der Staatsbehörde überreicht werden. Meine Firma hat Anordnung erhalten, das Kapital von einer Million Mark für den von mir bestimmter Zweck gesondert anzulegen und wachsen einstweilen die seit dem Todestage meiner Vaters entstehenden Zinsen dem Kapitale zu. Essen, 3. August 1887. F. A. Krupp. — Der höchste Grundstückspreis von Berlin ist nach amtlicher Feststellung stu das jetzt im Abriß begriffene Grundstück Friedrichstraße 82a, Ecke der Behrenstraße, bezahlt worden, nämlich 1 200 000 JL für 376 Quadratmeter, d. h. 3191 für de» Quadratmeter oder 45 250 Jt für die Quadratruthe. Das vielbesprochene Grunds ud Leipzigerstraße 101, auf welchem der Neubau der Equitable ersteht, hat nurbenonttei Theil, bei 1026 Quadratmetern Flächeninhalt 1125 000 Jt, gekostet. — Die Aerzte warnen von Neuem dringend vor dem Genuß allzu kaue: Bieres, namentlich vor dem Bier auf Eis, wie man es in neuester Zeit häufig erhall» Es entbehrt, da es keine Kohlensäure entwickelt, des rechten Geschmacks und rüst vr schlimmsten Magenletden hervor, über welche alle Welt klagt und die fast Mornkran- heiten geworden sind. Reisende mögen sich aus den Bahnhöfen vor solchem Bier ® Acht nehmen, da es oft um so schädlicher wirkt, weil es rasch getrunken wird. — Fünf Kinder an einem Tage verloren hat die Frau eines in der üpet)® ffraße in Berlin wohnenden Beamten. Dieselbe war dieser Tage mit ihren tuns er Alter von 1 bis 9 Jahren stehenden Kindern nach einem Dörfchen bei Küsttm an Sommerwohnung gefahren. Dort erkrankte am Mittag das älteste an der Diphtherv-- und binnen einigen Stunden waren die anderen drei gleichfalls diesem tückischen ucu erlegen. Die vor Schmerz halb wahnsinnige Frau eilte nun, um das Leben Jüngsten zu retten, nach Berlin zurück und hat auf der Fahrt das letzte Üdttg p ■ bliebene Kind verloren, welches gleichfalls an der Diphtheritis starb. Erfurt, 9. August. Am Freitag ereignete sich zwischen Leubingen uiw $errr darf bei Cölleda ein entsetzlicher Unglücksfall, über welchen die „Thür. Ztg. Folgenh- mittheilt: Der Landwirth Beberstadt aus Leubingen war auf dem Felde gemeiM mit einem Knechte mit dem Einfahren des Roggens beschäftigt. Plötzlich horttn Erntearbeiter eines Nachbargrundstückes Hilferufe und sahen zugleich den schon itenu beladenen Wagen, auf dem Beberstadt sich befand, in die Erde versinken. Näher er.e^ bemerkten sie mit Entsetzen, daß Wagen, Pferde, Besitzer und Knecht verschwuu^ waren und an der betreffenden Stelle ein mächtiger Erdfall (im ungefähren messer von 23 Meter) sich gebildet hatte, der sich fortwährend noch erweiterte. Anordnung des Amtsvorstehers Scherre wurde die Unglücksstelle sofort umzäun^ jedwede Rettungsarbeiten sich als vergeblich erwiesen. Da die entstandene Bernei mit trübem, intensiv nach Schwefel riechendem Wasser angefüllt ist, vermuthet daß sich eine Schwefelquelle gebildet hat, ähnlich wie bei Sachsenburg, wo vor em r Jahren ebenfalls ein bedeutender Erdfall stattfand. - - Fortschritte der Lebensversicherung in Deutschland- In den Hildebrand-Conrad'schen „Jahrbüchern für National - Oekonomie Statistik" ist demnächst wieder die jährliche Veröffentlichung der bekannten stattt H Arbeit über „Zustand und Fortschritte der deutschen Lebensversicherungsanstalten -- zwar für das Jahr 1886, zu erwarten. Wir sind jedoch in den Stand gesetzt' w jetzt einige hauptsächliche Ergebnisse dieser Untersuchung, welche sich auf Die fr Geschäftsberichte von 34 Lebensversicherungsanstalten stützt, mitzuthettcn. Der Versicherungsbestand der 34 Anstalten erhöhte sich im abgelaufenen um 28,211 Personen mit 157,341,020 JL Versicherungssumme. Diese Ziffern 1 den reinen Zuwachs dar, welchen die sämmtlichen Anstalten nach Abzug de. des Jahres durch Sterbefälle, Zahlbarwerden bei Lebzeiten und Aufgabe: oer . sicherung verursachten Abgangs zu verzeichnen hatten. Ungleich großer m na n°» die Ziffern d-s Bruito-Zugangcs, welcher nicht weniger als (>3,184.*ÄrulIf, 280,943,387 Jt betrug. Von letzterer Summe entfallen nuf die Leben bank für Deutschland zu Gotha allein 33,721,000 X auf die Germania 25,860,421 JL. auf die Allgemeine Versorgungsanstalt in Karlsruhe auf die Lebensversicherungs-Gesellschaft in Leipzig 24,640,000 ** und auf I I Ü ZU 5972 k II« K.ühil$ Papier- & Kunsthandlung. f 2167 f 1 1 <- I Robert Haas Seltersweg 18. i i i R I li i i fj 1/ Joh. Hess XX., Leihgestern. Conrad Wenzel IV., Langgöns. t !• .. c Eingesandt. Bor einiger Zeit war in Ihrem geschStzien Blatte e^^AEel mtNeE'welcher die Hausfrauen auf den Rückgang der Kaffeepretse aufmerksam machte. Dle Angabe, daß der Kaffee im Preise gefallen sei, war eigentlich nicht richtig, J? Uder Zett, wie auch heute noch, die Detailpreise zum Marklwerthe in keinem Derhaltnttz stehen. Wenn durch gewesene und b-oorstehende schlechte Ernten ein Artikel noth- gedrungen in die Hohe gehen muß, so bemächtigt sich die Sveculation in erster Linie dieses Artikels, so> auch beim Kaffee. Zu diesem Zwecke wurde Santos-Kaffee, eine geringe Sor e welche, nebenbei bemerkt, hier am Platze gar nicht oder nur sehr wenig getrunken wird von 42 Francs bis auf 122 Francs getrieben, also ungefähr dreimal w b°*-e ®ur* Fall mente tn New-York erlitt die Speculalton einen Stoß und Santos-Kaffie ging auf ca. 92 Francs zurück, von wo er sich nunmehr wieder auf 103-106 Francs erholt hat Alles unverzollt loco Havre. Die besseren Sorten, welche in der Speculatwn nicht enthalten waren, gingen durch schlechte Ernten successioe in die Hohe und haben heute einen Stand, der es dem Detaillisten zur Unmöglichkeit macht, rohen Kaffee bet einigermaßen guter Qualität k Jt 1.50 per Pfund au verkaufen. v 6 Wenn oHo Ocutc noch auf bie damalige vorübergehend rückgängige Conjunctur aufmerksam gemacht wird, resp. auf die Preise zu drücken versucht wird, so werden sich doch unsere verehrten Hausfrauen bald überzeugen, daß Kaffee hier bisher noch unter Bezugspreis verkauft worden fft und noch verkauft wird, daß aber in absehbarer Seit die Preise ganz bedeutend tn die Höhe gesetzt werden müssen. Z. Lilienstein, Butzbach. K. Köhler, Lieh. 1560 Ph. Kammer IV., Bellersheim. A. Buch, Hungen. Aug Zimmermann, Lollar. Allgemeiner Anzeiger. Giessen und Umgebung, neueste photographische Aufnahmen, von Sophua Williams Berlin, Antiseptisches (fäu'niswidriges) Anstrichsöl giftfrei und nicht feuergefährlich, Einzig echte, seit langen Jahren bewährte Originalmarke für JmtkimWe md billigt1 fjüblioiifmiimnig. 5969 Ein junges Mädchen, welches im Winter die Alicenschule besuchen will, findet gute Pension. Wo? sagt die Exped. d. Bl. Landwirthschaftliche Nachrichten. , unter den schädlichen Jnseclen des Monats August steht der'Großkopf, auch Benannt, obenan. Die Raupen desselben gehören zu den getähr- ltchten Obslbaumteinden, da sie äußerst gefräßig sind und im Frühjahr schon so zeitig Ä ” t7^n°sP-n und Triebe so radikal absressen, daß die Bäume dadurch au,'s A-igste geschädigt werden, Stach übereinstimmenden Zeugnissen läßt sich zur Vertilgung versicherungs- und Ersparnißbank in Stuttgart 21,535,960 Jt ; auf die genannten fünf größten Anstalten zusammen fltfo 131,048,789 oder 46,6 pÄ. des Gcsammtzuaanaes aller 34 Anstalten. Auch hinsichtlich des Versicherungsbestandes am ladresicbluise welcher im Ganzen 2973,550,944 Versicherungssumm"- aufwsts n?mm7 die Gchhaer S9?"r!,rS i Qc1i01'775l,400rf «st- eln-' folgen der Reihe nach die Germania mit 300,136,11< JC, dle Ledensversicherungs- und Ersparnißbank in Stuttaart mit 248,959,372 die L-b-nsverstch-rungs-G-s-llschast in Leipzig mit 241 970 850 und die Allgemeine Versorgungs-Anstalt in Karlsruhe mit 195,155,190 m M ° ,,D>-mächtige B-d-utung der Lebensversicherung für das wirthschaftliche und Familienleben springt in die Augen, wenn man bedenkt, daß diese ungeheuren Summen im Lause eines Menschenalters nach und nach vollständig zur Auszahlung zu gelten tzlbm. Im Jahre 1886 allein sind an Versicherungssummen für gestorbene Versicherte üisgesammt 42,9d7,411 ausgezahlt worden. Gehiff-nachrtchten. Bremen, 8. August. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Ems, Capt. Th. Jungst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am ®rcmc3l und am 31. Juli von Southampton abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Wärmegrade der Lahn und der Luft nach Neaumur gemessen am 11. August, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: SBaper lo Grad, Luft im Schatten 14 Grad. _________ L. Ehr. Rübsamen. SWMMS8 braunen Haa^po ster' am "ituT Die Flüö'cl^sstid^b mlt„cint|n ebensolchen dicken breitem dunklem Saum D Mädchensind bU ^"'lügel mit Weibchen sehr lebhaft, viel umberm"a-nd ' bedeutend kleiner und entgegen dem |“«rhufa.Cit£t Unb 220 8itet Inhalt ------ Gebrüder Mayer. BtÄÄ. >ung- Liegen werden -Abgegeben. Seltersweg 31. Cabinet 75 H, Visites 35 •™11 Panoramen, Stereosoopen etc. - Elegante Albums mit 12 Visites-Ansichten ... 3 JL . . , » . » „ * 12 Cabinet- , ... 5 «AL beziehen durch jede Buch- und Papierhandlung, empfiehlt «ebrüd^Mns^nn^ ab'^^be-^ | b753 Ein «inder.Litzwäge.ch-n wird veoruoer Rosenbaum, Westanlage 36. I billig abgegeben. Alicestraße 24. 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August, ein großer Transport überrheinische Gurken, «Ue Borten, auf dem Wochen- Mt zum Verkauf. 5979 2idaw Poth aus Darmstadt. tre5S Ia- Schellfische, heute frisch ein- ßeiuiki6®-* Vor Nachahmungen unter der Bezeichnung „Carbolineum“ TSff’X MTwird gewarnt. Nur der volle Name CARBOLINEUM AVENARIUS1X3 or bietet Garantie für die Originalmarke, ~ Protpckti n>i‘l Gebrauehtani ---- Alleinverkauf: Jean Dem Co., diessen preis hei Un^ ^a^cn unter Fabrik- 9>«uVn®*fl22I