jftr. 109 Erstes Blatt. Donnerstag den 12. Mai 1887. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Bureau: Schulst ratze 7. Die Art 5 28 finden ohne besondere Debatte nach dem Entwurf Großh. Regierung und' mit einigen redactionellen Abänderungsanträgen des Ausschusses die einstimmige Annahme des Hauses. Ebenso die Art. 29—38 des Gesetz-Entwurfes. Morgen früh 9 Uhr Fortsetzung der Berathungen. ~ Darmstadt, 10. Mai. Am 5. d. Mir. wurde der Schaffner bei den Oberheiffschen Eisenbahnen Moütz Geisel zum Zugführer und der Bremser Heinrich Schmidt zum Schaffner bei diesen Bahnen ernannt. Darmstadt, 9. Mai. Hebet den Antrag der Abgg. Schade und v. Rabenau wegen Uebernahme der landwirthschaflltchen Winterschulen aus den Staat hat der Abg. Haar Namenr der vierten Ausschusses Bericht erstattet. Danach kommt der Ausschuß zu folgenden Anträgen: GroßhRegierung zu ersuchen: 1) zum Zwecke der Förderung des niederen landwirthschaftl. unter* richtswesens durch eine einheitliche Organisation dieses Zweiges, die Bedingungen des Zustandekommens und der Unterhaltung der landwirthschaftl. Winterschulen, sowie der finanziellen Betheiligung des Staates regelnde Normativ'Bestrmmungen zu erlassen; 2) die landwirthschaftl. Winterschulen, unbeschadet ihres Charakters als gemeinsame Anstalten der bei ihrer Begründung und Unterhaltung bethet- ligten Faktoren in technischer und öconomischer Beziehung der verantwortlichen Leitung und Aufsicht der für die Verwaltung der landwirthschaftl. Angelegenheiten eingesetzten staatlichen Centralbehörde zu unterstellen; 3) bteöufirßi(5enbe Vermehrung der Zahl der Winterschulen anzuregen und deren Besuch zu fördern; 4) zu erwägen, ob nicht zur vollständigen Organisation des gestimmten land- wirthschafll. Unterrichtswesens die Errichtung einer landwirthschaftl. Mittelschule angezeigt sei. X Darmstadt, 10. Mai. [II. Kammer der Landstände.) Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt der Präsident Kugler zu einer persönlichen Bemerkung das Wort, um zu erklären, daß es ihm absolut fern gelegen habe, gelegentlrch der Berathung über seinen Antrag, die Errichtung eines Gymnasiums in Ostenbach, der Person des jetzigen Directors zu nahe zu treten, wie dieser durch die „Darmstadter Zeitung v er o st en Nicht bie Verhandlungen über den Gesetzentwurf, die Bäche und die . nicht ständig fließenden Gewässer betr., bei Art. 2 fortgesetzt. , - Infolge Meinungsverschiedenheiten grbt Art. 2 zu fast endlosen Debatten Veranlassung. Derselbe lautet: , , . f . ° Das Bett der Bache steht in Eigenthum des Staates, sofern nicht Andere dieses Recht bereits erworben haben. Der Ausschuß beantragt den Artikel des Regierungs-Entwurfs zu streichen und folgenden Artikel etnzuschieben: . r ., m Die Benutzung der Bäche muß unter Achtung des gleichen Benutzungsrechtes aller anderen Berechtigten erfolgen. ™ c n Der Gebrauch und Verbrauch des Wassers der Bache zum Waschen, Baden, Tränken, Schwemmen rc., sowie zu anderen, dem gemeinen Gebrauch unnachtheuigen Benutzungsweisen ist Jedermann gestattet, soweit dies ohne besondere Anlage und ohne rechtswidriges Betreten des Privateigenthums geschehen kann. . . , Die Benutzung der Bäche darf nicht für fremdes Grundeigenthum oder fremde Anlagen schädlichen Rückstau, Überschwemmung oder Versumpfung bewirken; die Anlagen zur Benutzung der Bäche sind stets in solcher Weise einzurichten, daß ein nutzloser Verbrauch oder eine nutzlofe Aufstauung des Wassers zum Rachthetle anderer Beteiligter ausgeschlossen ist. a - . Abgeleitetes Wasser muß vor Eintritt des Bachs in ein fremdes Grundstuck in denselben zurückgeführt werden. r t m . ... Die Entnahme von Sand und anderen Materialien aus dem Bachbett unterlieg! polizeilicher Regelung. _ Hauptsächlich ist es der Abs. 4, welcher die Rückführung abgeleiteten Wassers in das Bachbett festsetzt, welcher die verschiedensten Rechtsanstchten hervorruft und zur Stellung einer Reihe von Abänderungsvorschlägen Veranlassung gibt. Rach erfolgter Abstimmung wird der Antrag des Ausschusses, unter Ablehnung des Art. 2 der Regierungs-Vorlage, sowie sämmtliche Amendements mit großer Majorität angenommen. .... r.. Ebenso Art. 3, welcher die Grenze (Uferlmie) bestimmt. Zu Art. 4, welcher die zum Privateigentum des Grundbesitzers gehörigen Gewässer behandelt und zwar: . 1. das Wasser, welches sich in Teichen, Cisternen, Brunnen und anderen Behältern befindet, 2. das auf einem Grundstuck entspringende, 3. die zu Prtvatzwecken angelegten Wasserlaufe und banale stellt der Ausschuß nur einige rcdactionelle Abäudcrungsantrage, dagegen werden von den Abgg. Ellenberger, Tecklenburg, Schönberger, Schaum und joit Abänderungs-Anträge ctngebracht. , c, .. rllna Ministertalrath Lothetsen erklärt, diese Anträge seien für die Großh. Regierung unannehmbar, da in Art. 4 Alles sestgcsetzt sei, um den Prtvatbesitz von Gewässern ,U rE8®ie Abstimmung ergibt sodann daß Art 4 der .Regierungs-Vorlag- mit 14 gegen 14 Stimmen angenommen und sämmtliche Abänderungsanträgc a g h ^werden, Betreffend: Die Sonn,-Meier, hier die öffentlichen Tanzbelustigungen. Gießen, am 10. Mai 1887. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen ar» die Großbcrroalichen Bürgermeistereien des Kreises mit Ausnahme von Gießen- !>»,-, «-.Ich.«-» ... 23. M.i 1885 h.b,» **ÄSÄ^Ä*®*ä*" 8SVLLV » »»d,» «»d-«***• entgegen sidhen, fr P.. ' (Äpschletts. die an dem betreffenden Feiertage konfirmirt worden sind, nicht bei der SXSSÄ grÄSÄÄWf * *-** — * ■* Weigerung der Tanzerlaubniß an späteren zweiten Feiertagen anfehen Edelmann ______________________ Reichstag. P. Berlin, 10. Mai. (26. Sitzung.) Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Berathung der »rannt= "^^^F^aOnzmMister v. Scholz: Eine Verständigung mit dem Reichstage über die Branntweinsteuervorlage erblicken die verbündeten Regierungen nur auf der Basis der Maischraum- und Materialsteuer und der Einführung einer Verbrauchssteuer. Der neue Entwurf fei dem bereits früher bekannt gewordenen Eventualentwurfe entsprechend, von dem er sich nur in einigen Punkten entferne. Für die getroffenen Aenderungen war J6T Lausch maßgebend, zu einem Abschlüsse zu gelangen. Erhöhung der N«>ifkctt'innabmen fei drinaend geboten. Preußen arbeite mit einem Destcit trotz der größten Sparsamkeit. Derartige Zustände, die Notwendigkeit für die Etnzelstaaten, zur Deckung ihrer Bedürfnisse in Zeiten der Ruhe und desFriedens den Anleiheweg u bttreten seien als unhaltbar anzusehen. Der Minister bestreitet daß den Brennern eht Geschenk von 35 Millionen gemacht werden solle und es handle sich nur darum, die Brennerei überhaupt zu erhalten. Von der einseitigen Bevorzugung eines einzelnen Standes sei keine Rede. Die Vertheuerung des Branntweins dürfe uns nicht zuruck- schrecken. Seine Partei, welche die Verantwortung für das Zustandekommen.des Gesekes zu tragen haben würde, könnte es übernehmen, die Interessen der Landwirthschast einfach unberücksichtigt zu lassen. Die Maischraumsteuer werde in der Vorlage nach bewährtem bayerischem Muster reformtrt, womit den süddeutschen.Staaten der Anschluß an die norddeutsche Branntweinfteuergemeinschast ermöglicht wird. Es sei vollständig unbegründet, daß die Regierungen für die Erhaltung des Sptritushandels, der Liqueur- fabrikanten rc. weniger Interesse hege als für die Brennerei; sie hatten dem in der Brennerei bestehenden Notstände nur besonders Rechnung getragen, weil derselbe notorisch sei. Der mehrfach gewünschte Rectificationszwang wurde wenig nutzen d e Regierung werde aber allgemeine sanitäre Maßnahmen treffen. Uebriaens seien die verbündeten Regierungen bereit, soweit als möglich entgegenzukommen, um das Zustande- r°mm<2Ibg.r @amT(9Md)8p.)9 hofft, daß endlich eineBerstünd^ung über^e Branns ^«ständnitz^ damit ^ausgesprochen^ daß "der Branntwein schärfer herangezogen w»de. Seine Freunde seien damit einverstanden, ^ß der Branntwein ein »eeigneles Steuer. vbjeet sei • eine einseitige Erhöhung der Branntweinsteuer wurde aber in gewstsen Gegenden gerade die ärmere Bevölkerung schwer treffen. 3» Bezug au eine ®in= schränkung des Consums durch die Steuer sei er ziemlich ikeptlsch. In Rußland und Ugland habe die hohe Steuer zu einer Verminderung des Konsums-nicht geführt- Hier helfe nur eine Einschränkung der Produkfion. Eine solche liege auch im Interesse etms Anschlusses der " süddeutschen Staaten an die norddeutsche Branntweinsteuergemeinschaft, sowie im Interesse der kleinen Brennereien. Analoge Bestimmungen seien s. Z. in Bayern angenommen worden und zwar unter Zustimmung der dortigen Freisinnigen wie auch der Volkspartei. Die Commission werde insbesondere eine Verlängerung der Carrenzzeit, sowie die Frage der Nachbesteuerung, gegen dre große: denken bestünden, zu prüfen haben. Ein Zustandekommen der der Finanzlage und der nationalen Opfer, welche die noch ausstehenden Alters- und Jnvaliditätsversicherung erfordern werden, dringend erwünscht. Aber daneben dune aus die Eröffnung neuer Einnahmequellen nicht verzichtet werden, auf die Reform der Zuckersteuer, auf Erhöhung der Bier- und Weinsteuer. Insbesondere sei auch eine Reform der directen Steuern nöthig. (Beifall.) r.h,r Ki- Abg. Spahn (Centr.) erinnert an die vorlahrigen Verhandlungen über die Branntweinsteuerreform. Damals habe seine Fraktion eine Steuer von 25 pro Liter reinen Alkohols mit dem Bemerken vorgeschlagen, daß sic auch hoher sehen wurde. Gegen diese Vorlage haben seine Freunde schwere Bedenken, nameMich iu Bezug auf die Höhe derselben. Man könne den Branntwein nicht in s Unüemchene steigem, er sei gegen den unmäßigen Genuß von Branntwein, aber derselbe sei doch auch für^unsere norKtöen B-wohn-r ein Bedürfnis. Ein weiteres Bedenken werde durch di Beschränkung der Produktion hervorgerufen. Redner beantragt ""»eNchts der groß Wichtigkeit der Vorlage deren Verweisung an eine Commission von 28 Mtgliedern. Aba Oeckelbäuser (natl.) hält die Combtnatton von Maischraum-uno Materialsteuer mit der Consumsteuer für eine geeignete Grundlage zurDerstandtg^^- Die im vorigen Jahre voraeschlagene Contingentirung sei nicht: ann V je{eib auf die jetzt beantragte Art derselben konnten sie aber ^vg^hen, da s .^^fenbcn daß die dem landwirthschastlichen Brennereibetrieb durch die IWünschen Schäden ausgeglichen werden müssen. Er hoffe, daß die der Fraktionen der Mehrheit dieses Hauses entgegenkomme, wie sie in dm Bewreqn«» de immer noch untereinander formulirt worden ist. Die neue Brann tw es 2c. Es handle erheblicher niedriger sein als in Frankreich, England, Ame , unb Ethik hinein- sich hier um eine hochwichtige Frage, die in bas Gebiet er ± (Beisall.) reiche. Dieselbe müsse auch mit großem Maßstabe gemessen w Bayer. Finanzmtnister Ri edel: Die Frage habe auch für Bayern das größte Interesse, obgleich es der Branntwetnsteuergemeinschaft nicht angehöre. Bayern wolle keinen materiellen Vortheil mit der Aufgabe seines Reseroatrechts erzielen, aber die bayerische Brennerei müsse erhalten bleiben. Dieser wirthschaftliche Gesichtspunkt müsse maßgebend bleiben. Ohne besondere Schutzmaßregeln würde die süddeutsche Brennerei durch die norddeutsche erdrückt «erden. Es sei ganz falsch, zu behaupten, daß die Vorlage nur speciell der Kartoffelbrennerei zu Gute komme. Er bitte, die vorgeschlagenen Steuersätze von 50, bezw. 70 H anzunehmen, insbesondere auch das Verhältniß der Differenz von 50 zu 70 H festzuhalten. Die Brennerei sei mit dem Interesse der Landwtrthschaft innig verbunden. Der Entwurf sei von großer finanzieller, wirth- schaftlicher und nattonalpolitischer Bedeutung; möge das Votum des Hauses dem Vaterlande zum Heile gereichen. (Beifall.) Württcmb. Bevollmächtigter v. Schmid verwendet sich gleichfalls aus Rücksicht auf die süddeutschen Verhältnisfe und den wünschenswerthen Eintritt Süddeutschlands in die Branntweinstcuergemeinschaft für die Vorlage. Abg. v. Mycielskt (Pole) äußert sich sympathisch zu der Vorlage und befürwortet deren Verweisung an eine Commission. Abg. Hasenclever (Soc.) bekämpft die Branntweinsteuervorlage wie überhaupt alle indirecten Steuern, die in der Hauptsache nur die Arbeiter träfen. Abg. Grad (Els.) verwendet sich insbesondere für einen wirksamen Schutz der kleinen Brennereien. Abg. Witte (freis.): Durch die Vorlage solle den Kartoffelbrennern aus der Reichskasse eine erhebliche Subvention gewährt werden. Daran lasse sich nichts ändern. Seine Freunde seien nicht in der Lage, für diese Vorlage zu stimmen. Hierauf wird die Weiterberathung auf morgen vertagt. Außerdem steht die erste Berathung der Jnnungsnooelle auf der Tagesordnung. Der Reichskanzler Fürst Bismarck wohnte der Verhandlung einige Zeit bei. Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Corresponde«) - Bureau. Berlin. 10. Mai. Der Kaiser ließ sich Vormittag« mehrere Vorträge erstatten, begab sich um 10% Uhr nach dem Tempelhoser Felde zur Besschli- gung der dritten Garde • Regiment« und der Kaiser < Franz - Garde - Grenadier- Regiment» und nahm daselbst eine Reihe militärischer Meldungen entgegen. Rach der Rückkehr In’« Palais conserirle der Kaiser mit dem Ches des Militär- Cabinetr, General v. Albedyll, und empfing Nachmittags den Staalrminister v. Bötticher. — Das Abgeordnetenhaus genehmigte den Gesetzentwurf über das Berg, werkreigenthum in den ehemals Großherzozlich unn Landgräflich Hessischen Ge- bietStheilen der Provinz Hessen-Nassau in dritter Lesung unverändert, ferner in zweiter Lesung den Gesetzentwurf über den Verkehr auf Kunststraßen mit uner» heblichen Aenderungen und nahm die Landgüterordnung für Kassel in zweiter Lesung nach den Anträgen der Commission an. Ferner erledigte dar Haus eine Reihe Petitionen ohne allgemeines Interesse. Auf der Tagesordnung für morgen stehen mehrere dritte Lesungen und Petitionen. — Die Strafkammer des Landgerichts vcrurtheilte den Redacteur der „Freisinnigen Zeitung", Emil Barth, wegen Bismarck-Beleidigung, begangen in einem „Kriegslärm und Reptilienpresse" betitelten Artikel der „Freisinnigen Zeitung», zu 4 Wochen Gesängniß. a Frankfurt a. M., 10. Mai. Heule Mittag wurde der von Gustav Manskovf der Stadt gestiftete renovirte Justitia-Brunnen aus dem Römerberq den Stadtbehiirden vom Stifter feierlich übergeben. Se. Maj. der Kaiser richtete ein Glückwunsch-Telegramm an Manskovf, welches der Freut«, über vas die allen Merkwürdigkeiten der Stadt vermehrende hochherzige Geschenk Ausdruck giebt. Karlsruhe, 10, Mai. Die Großherzogin reist am Donnerstag nach Berlin, um während der Abwesenheit der Kaiserin, welche am Samstag nach Baden-Baden abreist, dort zu bleiben. — Die Kronprinzessin von Schweden ist von Amsterdam zur Kur nach Franzensbad abgereist. Der Großherzog und die Großherzogin stnd heute mit ihr in Frankfurt a. M. zufarnrnengetrossen. Paris, 10. Mai. Die Blätter glauben, das letzte Votum der Budget- Commission zeige den Charakter der Annäherung; immerhin bleibe die Lage derartig gespannt, daß eine Verlängerung derselben den Rücktritt de» Cabinetr oder die Demission der Commission veranlassen könnte. Gablet conserirt morgen mit der Commission. — Der Gesetzentwurf, betr. die versuchsweise Mobilisation einer Armee. Corps im October verlangt eine Aufwendung von 49/10 Mill. Frc,., jedoch stellt sich nach Abzug von Supplementar-Beträzen, die bereits in dem Ordina- rium de» Budget» für Vertheidigung»,wecke eingestellt waren, der effeclio neu zu deckende Bedarf nur auf 36/t0 Mill. Frc«. — Nach den Motiven zu dem Gesetzentwurf über den MobilifirungSversuch werden al« Maximum der Einberusungrdauer 12 Tage für die Reservisten und 10 Tage für die Territorial-Armee festgesetzt. Dar Exposä bestätigt, daß die Mobilisirung im October bei einem Arrnee-Corpr im Westen oder im Süden nattstnden soll, um dadurch zu zeigen, daß er sich lediglich um einen Versuch handelt. Urriverfitiits - Ehronik. Würzburg, 5. Mai. sEin junger alter Doctor.j Ein aewißyseltener Fall hat gestern an unserer Hochschule sich ereignet und viel von sich reden gemacht. Der 55 Jahre alte Postdlrector a. D. Louis Hassel, der als preußischer activer Hauvt- mann an den Feldzügen von 1866 und 1870—71 mit Auszeichnung theilgenommen &at „in höheren Semestern" den Dienst des Mars mit jenem der Minerva^er' sÄ kl11? nad)bcm E zuerst juristischen Studien obgelegen, sodann in Erlangen sich der Medicin zugewandt und dort bte ärztliche Vorprüfung absolvirt, nunmehr gestern n0Cr Universität nach nur fünfsemestrischem medicinischem Studium die Würd^ eines Dr. med. et ohir. erlangt. Lokale-. Gernsheim unb”® ß© ' aus GernShetm Uno E. David, atud. phil. aus ßrofbnrf '-Yn hpr n, 2 zurnSchriftführ^l-wähtt! ÄrC‘fd,mar -um Vorsitzenden und Herr Kissinger JS ®fsfe^teignet^nberau^^e"cbwaIgf”eett§e^äe^ ^nutztwÜL' werd^ W Theilnehmer theils zu Fuß, theits zu Wagen und iheils per Bahn aus den zum Gau gehörigen Orten zusammensinden. Wie wir hören, dürfte das Programm S ?enb^lein: Vormittags 10 Uhr: Sitzung des Preisgerichts Mittags I Ubr- b£r Bahnhof; sodann Abmarfch rnif Musisch dem Hardtberg, woselbst volksthümliches Weitturnen, Eoneert re. stattfindet. Stach Schluß des Turnens: Breis, vertheilung. Unser Nachbarverein Lich hat das Arrangement übernommen und dürfte diese Turnfahrt, nach den Vorbereitungen zu urtheilen, ein wahres Volksfest werden, wofür auck schon letzt bte voraussichtlich zahlreiche Betheiligung spricht. Von Seiten des Vorstandes des hiesigen Turnvereins ist nun, vielen Wünschen entgegenkommend, und in Anbetracht dessen, daß es vielen Mitgliedern unbekannt geblieben sein dürfte, daß in verschiedenen hiesigen Lokalen Listen behufs Einzeichnung für den Extrazug offen gelegen, die Frist lnje t”1!??10 bis rum nächsten Sonntage verlängert worden. Um rechtzeitig die Zahl der nothrgen Waggons feststellen zu können und um einer etwaigen Ueberstürmna der der Abfahrt vorzubeugen, ist dieser Beschluß dankend anerzukennen. Gleichzeitia wollen wir noch erwähnen, daß bei dieser Festlichkeit die Damen nicht fehlen werden sowie daßi >urnfreunde sich sowohl am Extrazug als auch an den Festlichkeiten be- theiligen können. Der Extrazug wird Abends 10 Uhr wieder zurückfahren. Durch diese Ernrtchtung ist es den Theilnehmern ermöglicht, die Zeit des Festes gehörig aus- uutzen zu können. Der Abmarsch für die zu Fuß die Tour machenden Turner, sowie Sm bcr Abfahrt des Extrazuges wird noch später bekannt gegeben werden. Vor Allem tst es aber nöthig, daß der Himmel an diesem Tage ein freundlich Gesicht zeigt Vermischtes. Nieder-Florstadt, 9. Mai. Gestern Abend gegen 11 Uhr entleibte sich dahier ein hiesiger verhetratheter Lehrer mittelst eines Schusses in den Kopf. Das Motiv der Thal wird wohl in der gegen den Verlebten etngeleitet gewesenen Untersuchung wegen Verbrechens nach $ 176, 3 d. R. St. G. zu suchen sein. _ „ Im Jahre 1885—86 belief sich im Großherzogthum Hessen die Zahl der Gastwirthschaften auf 1848 (gegen 1639 in 1878), die Zahl der Schankwtrthschaften zum Ausschank von Branntwein und von sonstigen Branntwein oder Spiritus haltenden Getränken auf 5676 (gegen 5948 im Jahre 1878) und die Zahl der zum Kleinhandel (Kleinverkauf) mit Branntwein Concessionirten, abgesehen von den Gast- und Schankwirthschaften, auf 2524 (gegen 2117 im Jahre 1878) bei einer Bevölkerung von 956,611 Seelen (gegen 936,340 im Jahre 1878). r, Marburg, 7. Mat. Heute früh kurz vor dem Ausmarsch des Bataillons erschoß sich in der Kaserne der Jäger S. von der 3. Compagnie. An den vorhergehenden Tagen soll derselbe merkliche Spuren von Trübsinn gezeigt haben. , , Kassel, 8. Mai. Gestern Abend gegen 71/2 Uhr wurde auf der Sekundär- bahn bei dem Uebergauge nach der „Neuen Mühle" eine Person überfahren, dieselbe ist furchtbar verstümmelt. 1 er — Aus Bayern, 4. Mai. Das vorgestrige Unwetter hat, den „N. N." zu- folge, ganz besonders in Unterfranken gewüthet. In Aschaffenburg brach das Unwetter .. r los und hat in der ganzen Gegend unberechenbaren Schaden ange- richtet. Tagsüber herrschte eine erdrückende Hitze, Abends entluden sich einige Ge- w/tter und um Mitternacht folgte dann ein entsetzliches Hagelwetter, begleitet von t Blitzen und Donnerschlägen. An den Obstbäumen wurden Blätter und B uthen abgeschlagen und innerhalb weniger Minuten lag der Hagel fußhoch, bann folgte em wolkenbruchartiger Regen, ber an hochgelegenen Orten ben Baugrunb ab- IS^emmtcv Main zeigte gestern eine schmutziggelbe Farbe, ein Beweis, baß bas Wetter auch im Mainthale hauste. — Am schwersten getroffen ist die Würzburger Gegend: Ein Gewitter mit Hagelschlag und Wolkenbruch hat Wiesen und Felder ver- wustet und an den Obstbaumen großen Schaden angerichtet; zahlreiche Vögel wurden Cr'7l<^n v:ct ^ieh ist im Wasser umgekommen. In der Stadt Würzburg haben auch Oberlichter und Dächer sehr gelitten, die Pleichach und der Quellenbach traten aus und der Aumulbach setzte sowohl die Aumühle, die Aumühlwiesen und die Aumühl- uraße, als auch die Schweinfurterstraße unter Wasser. Der hinter der Thaler'schen ^->^.,b.^ Ebende Back war über zwei Meter gestiegen, die Schweinfurterstraße war gänzlich uberfluthet. In die Aumühle drang das Wasser ein und stieg mit solch rapider Schnelligkeit, daß sich die Wirthsleulc und ihr Personal in die oberen Räume nucht-t-n. Zm Garten der Aumühle stand das Wasser 70 bis 80 Zentimeter hoch, bie BftrthSlocole stauben ungefähr 30 Gentimeter tief unter Wasser. Die Schlossen fielen in der Große eines Hühnereies. Sowohl Polizei als Feuerwehr waren sofort « und Stelle zur Hilfeleistung abgegangen. Besonders stark heimgesucht find die k ni Oberdürrbach, Versbach, Kürnach, Höchberg und Rimpar. Der Schaden in den Weinbergen ist enorm. Einzelne Gegenden sind ganz unter Wasser Usetzt, tn Unterdurrbach stieg das Wasser halbhaushoch, in der Kirche bis zum Altar. Aehnliche Meldungen kommen aus Neustadt a.A., Forchheim und Altdorf, doch ist der Schaden dort nicht sehr groß und die Schlossen hatten nur ein Gewicht bis zu 12 Gr. 77" In Bayreuth schädigte das Wetter besonders die Dekoration für den Empfang des Prinz-Regenten; Tausende von Menschen waren gestern früh beschäftigt, den Schaden auszubessern. — In Nr. 90 des Crefelder General-Anzeigers findet sich folgendes Inserat: „Warnung. Hiermit warne ich ein jedes Mädchen, sich vor dem Schneider Arnold Cupzers, Ostwall 144, zu hüten, da er keine ehrliche Absichten hat. Adely Lemmen, Drießenborfcr Straße 18." Muß ein angenehmer Don Juan fein, ber Schneider Arnold Cupzers. IkI “ Unteroffizier: Einjähriger Müller, es beliebt Ihnen wohl, heute den Meineidigen zu spielen. Gestern erft haben Sie Ihrem Kaiser Treue bis in den Tod gesckworen und heute schon drucken Sie nicht einmal die Kniee durch! — Der Rekrut Meyer ist vom Pferde gefallen. Als er wieder im Sattel sitzt, ruft ihm der Wacht- zu-u^yer, nun machen Sie aber nicht wieder solch ein dummes Gesicht, sonst denkt der Gaul, er kann Ihnen alles bieten und wirft Sie nochmal ab. ■ Eingesandt. ben Himmelfahrttag (Donnerstag kommender Woch?)^seite0ns^r Ruder- gesellschaft ein Ausflug zu Wasser und zu Lande nack Braunfels geplant, d. h. die lungeren Mitglieder werden die Fahrt in Booten, die älteren und die hoffentlich recht zahlreich sich altschließenden Vertreterinnen des sckönen Geschlechts mit der Bahn zurück- legen. Dabei ist die Anordnung des Ausfluges so gedacht, daß die Boote, die Morgens früh hier abfahren, gleichzeitig mit dem 11" hier abgehenden und 1237 Mittags in Braunfels ankommenden Zuge anlangen und dann von der Station aus der gerade in der jetzigen Jahreszeit so reizende Weg nach der Stadt Braunfels gemeinsam gemacht werden kann. ber ftaljrt na$ J8raunfel§ werden sich voraussichtlich die Wetzlarer Ruderer einerseits und deren Gesellschaft andererseits anschließen. Das Ziel des Ausfluges mit seiner prächtigen waldreichen Umgebung ist ja genugsam Defunnt, es wäre deshalb nur noch anzuführen, daß das seit Kurzem dort eröffnete „Schloßhotel die Ansprüche auch des verwöhntesten Magens zu befriedigen im Stande und daß das Schloß nach vollendetem Umbau besonders sehenswerth geworden ist. Für die sonstige Kurzweil wird die große Gesellschaft schon selbst sorgen. i^^ ^0"^r^^^^b/?^^^^oßigung — Hin- und Rückfahrt auf ein- 1 -10 nothige Anzahl Personen (30) so zeitig zusammen zu bekommen, • om 0enug die nothigen Bestellungen wegen Waggons rc. erfolgen können, wird eine Ufte circuliren, in welche Theilnehmer und Theilnehmerinnen an der Fahrt sich einzuzeichnen gebeten werden. Da Himmelfahrt einer der beliebtesten Ausflugstage, wird die Betheiligung wohl eine große werden, umsomehr als mit dem Ministerium für Wetterangelegenheiten eine Verabredung getroffen ist, zu Gunsten der Ruderschwestern für diesmal von dem sonst zu Himmelfahrt üblichen „Segen von oben" abzusehen. _____________________ „Drum auf gen Braunfels!" Literarisches. , “. Photographische Rundschau. Organ des Clubs der Amateur-Photographen in Wien. Soeben ist das erste und zweite Heft dieser neuen Zeitschrift des gegründet« Vereins von Amateur-Photographen im Commtssions-Verlage von R. Lechners k. k. Hof- und Universitäts-Buchhandlung erschienen. Dieselbe wird von Herrn Carl Erna herausgegeben und von Herrn C. Schien dl unter besonderer Mitwirkung der Herren Dr. Mallmann und Ch. Scolik redigirt und soll monatlich ausgegebkn werden. Der Inhalt der beiden ersten Hefte befiehl aus bem ^00^001111 ber Zeitschrift, einer Abhanblung von Carl Srna über bas Positiv- Copir-Verfahren mit besonderer Berücksichtigung des Dr. Stolze'schen Emulsionspapiers. blrecteS Copiren und des Eastman'schen Bromsilber-Gelatinepapkers, einer solchen «an Lieutenant L. David über Moment-Photographie und Deteettv-Camcra mit Abbildungen einer Abhandlung von G. Pizzighelli über Werner's Touristen Camera mit Abbildungen, welche die von der Firma Lechner in den Handel gebrachte neue Camera eingehend erläutert, das Protokoll über die constituirende Generalversammlung des Clubs und zahlreiche andere Notizen. Außerdem enthält das Doppelheft eine Kunstbeilage in Lichtdruck — eine Augenblicksaufnahme des Hamburger Hafens von Carl Srna — welche Zeugniß von der hohen Stufe gibt, auf welcher sich die Photographie und das Lichtdruckoerfahren befindet. Der Preis der Monatsschrift, welche an die Mitglieder des Clubs , gratis abgegeben wird, beträgt mit Porto 7 fl. 20 fr. Das erste und zweite Heft, sowie die Statuten des Clubs werden an Interessenten gratis abgegeben. nunmehr 19 Jahre so beliebte, trotz aller Nachahmungen rrnüver- troffene Haarwasser von Retter, München (staatlich geprüft und begutachtet), welch, statt Oel od. Pomade tagt, gebraucht bestens zu empfehlen ist, verkauft zu 40 4 u. X 1,10 A. H. Auhr, Sonnenstraße 25, Gießen. 1215 Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 27,3°/«). Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen Wöchentliche Aebersicht der Todesfälle in der Stadt Gießen« 18. Woche. Vom 1. Mai bis 7. Mai 1887. Kinder Vcö starbm an: Zusammen: Erwachsene: im vom Lungenentzündung 2 (2) 2 (2) 1. Lebensjahr: 2.—Ib.JahrL Lungenschwindsucht 3 (2) 3 (2) _ _ Brtghl'scher ^Nierenentzündung 1 (1) 1 (1) _ — Gehirnerweichung 1 1 _ _ Tuberkulöser Gehirnentzündung 1 1 - Diphtherie 1 (1) _ — 1 (1) Abdominaltyphus 1 (1) — - 1 (1) Summa: 10 7 1 2 Allgemeiner Anzeiger. Submission. Rm. 15882. 00 13931. 50 3. 371. 00 ft 4. 378. 20 M 5. ft 3732 2135. 40 338. 20 ii N 569. 50 Bureau ein- + 1052. 50 = Fuhrleistung vom Bahnhof Gießen nach den Baustellen, veranschlagt zu 347 -s- 24 — Arbeiten zur Herstellung des Wasser-Reservoirs auf der Schönen Aussicht, nämlich: a. Erd- und Maurerarbeit, veranschlagt zu b. Steinmetzarbeiten c. Schlosserarbeiten und Lieferung von eisernen Trägern Lieferung von glasirten Steingutröhren, veran- Gießen, den 10. Mai 1887. Großherzogliches Kreisbauamt Gießen. Walter. Für die Wasserleitung vom Schiffenberger Wald bis zum Bauplatz der neuen Kliniken dahier sollen folgende Arbeiten vergeben werden: 1. Lieferung von gußeisernen Wafferleitungsröhren, veranschl. zu 14672. 00 + 1210.00 = 2. Verlegen der Rohre, veranschlagt zu 12919.00 schlagt zu Pläne, Voranschlag und Bedingungen können auf unserem gesehen oder gegen Erstattung der Copialgebühren bezogen werden. Die Offerten sind spätestens bis zum 25. Mai b. I., Morgens 10 Uhr, portofrei und verschlossen an die unterzeichnete Behörde einzureichen, zu welcher Zeit auch die Eröffnung der eingegangenen Offerten in Gegenwart der etwa erschienenen Submittenten flattfindet. na* Neueste «n Knöpfen, Perl - Agrements, Perl - Garnituren, Schnallen, Spitzen empfiehlt zu sehr billigen Preisen 3694 Friedr. Teipel En gros. Markt 16. En detail. NB. 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