Ar. SS Freitag den 11. Februar ISST Meßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. I, n r n n it j ■ r- A, 3 a m 4 5 ik 5 rk Bureau r Schulftraße 7. Erscheint täglich mit NnSnahme der MoutagS. reiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. >urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Politisch- Uebergcht. Gietze«. 10. Februar. Anläßlich de« bevorstehenden 90. Geburtstages des Kaisers war von den verschiedensten Seiten her die Darbringung persönlicher Huldigungen an den greisen Monarchen geplant. Wie nun aber ein Erlaß der Reichtkanzler« im „Reichs-Anzeiger" besagt, hat der Kaiser e» dankend abgelehnt, derartige Beweise von Theilnahme entgegenzunehmen, und zwar sind hierbei lediglich Rücksichten auf seinen Gesundhetttzustand maßgebend gewesen. Die Feier feine« 90. Geburtstage« wird für den Kaiser allerdings ohnehin mit verschiedenen, nicht zu vermeidenden Anstrengungen verknüpft sein und er erscheint daher be- »reiflich daß Alle« vermieden werden soll, war geeignet sein.könnte, diese Anstrengungen noch zu vermehren. Alle Vereine, Corporationen u. s. w., welche etwa beabsichtigten, zum 22. März dem Kaiser persönlich zu huldigen, seien daher aus den erwähnten Erlaß aufmerksam gemacht. Dar Schreiben de» Cardinal-Staatrsecretärr Jakobrnr in Sachen der Septennatrfrage beherrscht augenblicklich noch dar Tager-Jntereffe. Dieses Interesse wird dadurch noch erhöht, daß säst unmittelbar nach der Veröffentlichung des Schreiben« der rheinische Parteitag der Centrumspartei in Köln — am Sonntag — stattgefunden hat, auf welchem Herr Dr. Windlhorst öffentlich Stellung zu der Kundgebung de« Papste« nahm. Der Centrum,führer hielt eine etwa einstündige Rede, welche da, für die Centrumspartei Angenehme in dec Jakobinischen Depesche krästig hervorhebt, dagegen über die w-mger angenehmen Stellen geschickt hinweggleitet. Demgemäß betonte Herr Windlhorst, wie sehr da« Cenlrum Anlaß habe, sich über das Jakobini'sche Schreiben zu freuen, denn in demselben sei vom heiligen Vater nicht nur anerkannt, welch' große Verdienste sich da« Centru» erworben habe, sondern er werde auch da« Fortbestehen der Centrumspartei aurdrücklich als nothwendig bezeichnet. Ebenso werde vom Papste anerkannt, daß das Centrum in weltlichen Dingen nach vollständig freier Erwägung stimmen könne. Daß der Papst den Wunsch ausgesprochen, dar Septennat möchte angenommen werden, sei lediglich durch Zweck- mäßigkeilS-Gründe veranlaßt. Schließlich erklärte Windthorst, daß da, Ceutrum den Wünschen de, Papste» gern entsprochen haben würde, wenn er eben möglich gewesen wäre, aber Unmögliche» könne Niemand leisten; der Papst werde seinen treuen Söhnen gewiß nicht zürnen, wenn er die Gründe de» Centrum« ein- gehend prüfe. — Hiermit ist e« feiten» bet CentrumSleitung offen ausgesprochen worden, daß da« Centrum in dieser Frage dem heiligen Stuhle den Gehorsam verweigert und wenn dies auch Herr Dr. Windthorst in der ihn charakierisiren- den feinen Weise gethan hat, so bleibt seine ablehnende Antwort doch bestehe». Ueber den Umstand, daß der Papst in dem Jakobinischen Schreiben die SeptennatS-Angelegenheit durchaus nicht al, eine rein weltliche, sondern als eine eng mit den kirchlichen Interessen verknüpfte Frage betrachtet, schwieg sich Herr Windlhorst völlig au, — e, wäre in der Thal selbst für ihn fchwierig gewesen, über diese bedenkliche Stelle ander« Hinwegzukommen! Die sehr zahlreich besuchte Versammlung stimmte diesen Ausführungen vollkommen bei und gab ihre Einstimmung mit den anderweitigen Auslastungen des Herrn Windthorst zur Wahlbewegung zu erkennen. Schließlich nahm die Versammlung eine sich im Sinne der Windthorst'schen Erklärungen bewegenden Resolution an, welche die Zustimmung zu der Haltung der Eentrums-Abgeordneten in der letzten Reichstags-Session ausspricht und zur Wiederwahl der bisherigen Vertreter der Centrumspartei auffordert. Jetzt ist nun die Reihe wieder an dem heiligen Stuhle! _ ... , , Inzwischen haben es mehrere angesehene Centrums-Organe für gut de- funben, eine veränderte Stellung in der Septennat».Angelegenheit einzunehmen. Der .Wests. Merkur», welcher dem Septennat bislang entschieden feindlich gegenüberstand, erklärt mit einem Male, daß die katholischen Wähler ihren Abgeordneten vollständig freie Hand lasten müßten , wie sie sich in der Militärsrage verhalten wollten und der Stuttgarter „Beobachter , welcher den bisherigen Vertreter eine» katholischen württembergischen Wahlkreise», heftig angriff, weil Gras Adelmann nicht wieder gegen da» Septennat stimme» wollte, signalisirt eine veränderte Stellungnahme zum Septennat in Folge der päpstlichen Kundgebung. Unzweifelhast wird die letztere ihre Wirkungen noch weiter äußern! „ , , . r . In München kam e» am Sonntag anläßlich de» Vervote» einer socia« listischen Wahlversammlung zu einem größeren Auslaufe auf dem Marrenplatze und mußte die Polizei mit militärischer Hülse die Menge zerstreuen. Auch in Stettin kam e« am Montag Abend anläßlich der Auflösung einer socialistifchen Wahlversammlung zu ernsten Unruhen und mußte Militär mit ausgepflanztem Seitengewehr einschreiten. Es wurden hierbei meh- rere Personen verwundet, von denen eine schon gestorben sein soll; die Meng, bemolirte da« Wahllocal durch Stetnwürse. . Der Statthalter von Elsaß-Lothringen, Fürst Hohenlohe, traf am Montag nebst Familie in Metz ein, wo er am Abend auf dem Stadl- Hause einen glänzenden Ball gab. . Die in den letzten Tagen wieder eingetretene friedlichere Coniunctur hinsichtlich der allgemeinen politischen Lage hält im Westen wie 'm Osten an. Die französische Presse befleißigt sich plötzlich elnes vorsichtigeren Tone», dar große Osficiers-Banket in Pari«, dem Soularger pr^rdiren sollte, ist ver schoben worben und der Kriegsminister selber scheint von seinen Minister-Collegen veranlaßt worden zu sein, sich provocatorischer Maßnahmen zu enthalten. Ja, der „Figaro" fordert den Ministerpräsidenten Goblet sogar auf, der offenen Erklärung des Fürsten Bismarck, daß Deutschland Frankreich unter keinen Umständen angreifen werde, für Frankreich eine ähnliche Erklärung folgen zu lassen. Freilich, dieser friedliche Wind, der augenblicklich an der Seine weht, kann morgen wieder in das Gegentheil umschlagen und Deutschland wird darum nach wie vor sein Pulver trocken halten. Im österreichischen Abgeordnetenhause ist es neulich zu einer von antisemitischer Seite provocirten großen Scaudalscene gekommen. Es fielen hierbei Schimpsworte, wie man sie vielleicht in einem gewöhnlichen Schanklocale hören kann, die sich aber doch im Abgeordnetenhause, gelinde gesagt, höchst seltsam ausnehmen; es fehlte nicht viel und die betr. Herren Volksvertreter hätten sich gegenseitig mit Ohrseigen tractirt. Der Scandal wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben, welches also dem durch solche Vorgänge arg compromittrrten Ansehen des österreichischen Parlamentarismus wieder aufhelsen soll — eine Mar.dats-Niederlegung der betr. Abgeordneten wäre da wohl eher am Platze gewesen! r Der Zusammentritt der österreichisch-ungarischen Delegationen zu der angekündigten außerordentlichen Session soll erst im März erfolgen. Weiter wird berichtet, daß die seitens der Kriegsverwaltung an die Delegationen zu stellenden Kreditsorderungen kaum die Höhe von 30 Mill. Gulden erreichen dürften, m welchem Betrage die für Nschanschaffungen bereits verausgabte Summe mit inbegriffen wäre. Deutschland. Darmstadt, 9. Februar. Se. Königl- Hoheit der Grobherzog haben Allergnädigst geruht: Am 2. D. Mts. den Oberförster der Oberförsterei Lindenfels, Forstinspector Jacob Seeger, auf sein Nachsuchen mit Rücksicht auf seine geschwächte Gesundheit mit Wirkung vom 1. April d. Js. an in den Ruhestand zu versetzen. Berlin, 9. Februar. Der Kaiser ließ sich heute Vormittag un Beisein des Kriegsministers, des Generals Albedyll und des Oberst Winterfeld Mannschaften des Lehr - Infanterie - Bataillons, welche mit dem neuen Gepäck ausgerüstet waren, vorstellen und nahm alsdann noch Vorträge des Kriegsmim- sters und Wilmowski's entgegen. _ru , — Das Abgeordnetenhaus genehmigte den Etat der Ansiedelungs-Commission Im Lause der Debatte erklärte Minister Lucius, der Staat verlange von den polnischen Unterthanen bedingungslose Unterwerfung. Wenn die Unter- thanen danach trachten, sich von dem StaatSverbande loszulösen, so sei dies Hochoerrath und Landesverrath. Der Staat sei berechtigt, diese Unterthanen mit geeigneten Gesetzen zu treffen. Italien. Rom, 9. Februar. Der König conferirte gestern mit den Präsidenten bet Kammer unb de» Senat». In Deputirtenkreisen verlautet, bie Kammer werbe nach der Genehmigung de» Budget« sich vertagen. — Der König conferirte gestern Abend außer mit den Präsidenten beider Kammern auch mit dem Vicepräsidenten de» Senat« Saracco, ferner heute mit den Deputirten di Rudini ßDissidcnt), Cairoli und Crirpi und dem Sena- tor 5«™^ ftönigin empfing heute den deutschen Botschafter v. Keudell und G-mahlm.^ $(pef^e be$ @mcra[ä G-nö an den Kriegsminister bezeichnet da« Verhalten der Truppen in den Kämpfen am 25. und 26. Januar al» ein glänzende,. E« sind tobt 23 Offeriere und 407 Soldaten verwundet 1 Dffida unb 81 Solbaten, welche im Hospital zu Massauah sich befinden. Von diese» wird der größere Thetl mit dem Postbampfer nach der H-imath beförbert werden. _________ Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. C^rrespondeur-Brrrean. tlnen ÄÄ-ÄSMÄÄ Mrfe nscht Ewn/ wabem'ben'im ®Sn“be5 SnabSmatSRcretärS Jacobi.,i aU*8'baM« ® «^ruac'Ufkrn SlÄubten hinter dem Justtzpalaste zwei gegen ein (Sitter des benachbarten Polizei-Commissariats geschleuderte Bomben. Der Polizei- ist erheblich. Don den Thäiern bat man birher keine Spur «nt^ckt^ @MtgeS wurde «wÄte .»■»—«<"** ,5“Ä. «.«•—£ JKäfi verboten worden war, gestern Abend eme ^ufn^9 .fJeHber KoIf^aufcH unter- Nach dem Schliche der Kundgebung schlug ein nach Osten zieben stellte dir weg« mehrere Schaufenster ein und plünderte mehrere Laden. Ordnung wieder her und verhaftete mehrere Personen. München, 9. Februar. Die „Allg. Ztg." veröffentlicht den italienischen Wortlaut des dem bereits bekannten Schreiben Jacobini's vom 21. Januar vorausgegangenen ersten Schreibens Jacobini's an den hiesigen Nuntius vom 3. Januar nehft folgender Übersetzung: Hochwürdigster Herr! Aus meinem Telegramm vom 1. Januar haben Sie ersehen, daß allernächftens ein Entwurf zur schließlichen Neotsion der preußischen kirchenpolitischen Gesetze vorgelegt werden wird. Man hat darüber ganz kürzlich formale Zusicherungen erhalten, welche die früheren dem heiligen Stuhle zugegangenen Nachrichten bestätigen. Sie können somit Windthorst in dieser Hinsicht beruhigen und dre Zweifel, welche derselbe in seinem Ihrem letzten geschätzten Berichte beigefügten Schreiben ausgesprochen hat, zurückweisen. Im Hinblick auf diese nahe bevorstehende Revision der Kirchengesetze, welche — wie Grund ist anzunehmen — befriedigend aus- fallen wird, wünscht der bl. Vater, daß das Eentrum die Vorlage des militärischen Septenuats in jeder demselben möglichen Weise begünstige. Etz ist hinlänglich bekannt, daß die Regierung auf die Annahme dieses Gesetzes den größten Werth legt. Wenn cs nun in Folge dessen gelingen sollte, die Gefahr eines nahen Krieges zu beseitigen, so würde das Eentrum sich sehr verdient gemacht haben um das Vaterland, um die Humanität, um Europa. Im entgegensetzten Falle würde man nicht verfehlen, ein feindseliges Verhalten des Eentrums als unpatriotisch zu betrachten; eine Auflösung des Reichstags würde auch dem Centrum nicht unerhebliche Verlegenheiten und Unsicherheiten bereiten. Durch die Zustimmung des CentrumS zu der Septennatsvorlage würde aber die Regierung den Katholiken wie auch dem hl. Stuhle immer geneigter werden. Auf die Fortdauer der friedlichen, gegenseitig vertrauensvollen Beziehungen zu der Berliner Regierung legt der hl. Stuhl keinen geringen Werth. Sie wollen daher die Führer des Centrums auf's Lebhafteste dafür tnteressiren, daß sie ihren ganzen Einfluß bei ihren Collegen anwenden und dieselben versichern, daß sie durch Unterstützung des Septennats dem hl. Vater eine große Freude bereiten und daß das für die Sache der Katholiken sehr vorthcilhaft sein wird. Wenn diese Letzteren auch in Folge der neuen Militärgesctze immerhin neuen Lasten und Beschwerlichkeiten entgegengehen, so werden sie andererseits entschädigt werden durch einen vollständigen religiösen Frieden, welcher doch das Höchste aller Güter ist. Indem ich vorstehende Betrachtungen Ihrem Takte und Ihrer Umsicht anoertraue, bin ich überzeugt, daß Sie den in Betracht zu ziehenden Personen und Verhältnissen gegenüber davon Gebrauch machen werden. Gezeichnet Cardinal Jacobini. Bukarest, 9. Februar. Der britische Gesandte Lascelles ist heute hier ein- getroffen. Eine Mahnung ?ur Einigkeit Mischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. In einem angesehenen Fachjournale der amerikanischen Handelswelt, der Brad- street'schen Handelszeitung, findet sich eine höchst lehrreiche imb zu ernstem Nachdenken anregende statistische Uebcrsicht der im vergangenen Jahre in den Vereinigten Staaten stattgefundenen zahlreichen Arbeitseinstellungen und der hieraus resultirenden schweren wirthschaftltcken Schädigungen. Eine Wiedergabe der hervorragendsten Stellen des Aufsatzes dürfte um so gerechtfertigter erscheinen, als ja auch in der Arbeiterwelt Deutschlands die StrikeS mehr und mehr zu einer stehenden Erscheinung geworden sind, obgleich sie bei uns — glücklicher Weise — noch lange nicht in den geradezu riesenhaften Verhältnissen auftreten wie jenseits des Oceans. Die unten mitgetheilten Zahlen werden dem nur Halbwegs vernünftig urteilenden Arbeiter zeigen, daß Arbeitseinstellungen unter allen Umständen zweischneidige Maßregeln sind, deren Wirkungen sich nur zu ost gegen die Sinkenden selbst kehren und eine unsagbare Menge von Elend, Nolh und Sorge im Gefolge haben. Die genannte Zeitschrift berechnet die Zahl der durch die Arbeitseinstellungen des vorigen Jahres zum Feiern gezwungenen Arbeiter der Vereinigten Staaten, soweit es sich um die hauptsächlichsten Großbetriebe und wichtigsten gewerblichen Zweige handelt, wie folgt: Januar..... 47,200 Februar 10,700 März 50,200 April 22,600 Mat 216,200 Juni......16,000 Juli . . August September October . November Tecember . 10,700 . 13,700 . 3,400 . 23,500 . 20,000 . 10,000 Diese 444,200 Arbeiter betheiligten sich an zusammen 69 größeren Striks, die theils zur Erlangung höheren Lohnes, theils behufs Verkürzung der Arbeitszeit in- scenirt waren. Aber 33 dieser Strikes, also fast die Hälfte der Gesammtsumme, endete mit der totalen Niederlage der Arbeiter und nur fünfzehnmal gelang es ihnen, ihre Forderungen erfolgreich durchzusetzen, während die übrigen 21 Strikes durch Com- promisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern endeten. In einem anderen Verhältnisse zeigt sich die obige Zahlengruppirung, wenn man die Zahl der Strikenden in den hauptsächlichsten Jndustriecentren betrachtet; da figurirt Chicago mit der erschreckend hohen Zahl von 98,300 feiernden Arbeitern obenan, dann folgen Newyork mit 78,300, die Kohlengruben im Osten mit 37,600, Cincinnati mit 32,700. die Neu-England-Staaten mit 27,000, Milwaukee mit 17,000, Philadelphia mit 13,600 Strikenden rc. Vertüeilt man diese Zahlen auf die verschiedenen Gewerbebetriebe, so ergibt sich als größte Zahl der in einem einzelnen Geschäftszweige von den Strikes betroffenen Arbeiter: 87,300 für die Schlächtereien und Pökelanstalten, 51,200 für Webereien, 48,200 für Maschinenbauanstalten, 37,600 für Bergwerksbetrieb, 31,700 für die Baugewerbe, 26,800 für das Transportwesen (Eisenbahnen), 18,600 für das Möbelgeschäft, 17,000 für das Leder- und Schuhgeschäft, 13,500 für Stahl- und Eisenindustrie, 12,000 für Cigarren- unh Tabakfabrikation. Dazu kommen Näherinnen 10,000, Holz- Hof-Arbeiter 10,000, Handschuhmacher 6000, Klavierbauer 3000, Zuckersieder 2,5000, Bierbrauer 2000, Arbeiter in Wäschereien 15,000. Bedürfen diese Zahlen noch eines Commentars? Sie sprechen ja für sich selbst. Man bedenke nur: 362,400 müssiggehende Arbeiter in den größten Betrieben und hauptsächlichsten gewerblichen Zweigen eines so industriellen Landes, wie es die nord- amerikanische Union ist, — welche Unsumme von Störungen und Verlusten für das wirthschaftliche Leben im Allgemeinen, anderseits aber auch welche zahllose Reihe von bitteren Entbehrungen und Enttäuschungen für die Arbeiter selbst knüpft sich nicht an diese Riesenziffer! Und dabei haben die Strikenden, wie wir sahen, fast bei der Hälfte aller Arbeitseinstellungen ihre Zwecke ganz und gar nicht erreicht; sie mußten, nachdem sie wochen-, ja monatelang auf ihr vermeintliches oder wirkliches Recht gepocht zuletzt unter den alten Bedingungen die Arbeit wieder aufnehmen, und wie viel Millionen allein an Arbeitslöhnen waren nicht in den Zwischenräumen vollständig verloren gegangen! Was lehren demnach die Ergebnisse der amerikanischen Arbeitseinstellungen? Sie besagen, daß es unter allen Umständen belfer ist, wenn sich Arbeitgeber und Arbeit- nehmer über schwebende Differenzen verständiaen, es kommt hierbei entschieden mehr heraus, als wen» beide Theile mit harten Schädeln gegeneinander rennen und sich beide Theile hierdurch schwer beschädigen. Wird vor Allem der deutsche Arbeiter aus solchen sich mehrenden Vorgängen die richtige Lehre ziehen? Wir wollen es hoffen! Gießen, 10. Februar. Die Wahlen der Kreistagsabgeordneten durch die Bevollmächtigten der Gemeindeoorstände haben nunmehr ihren Abschluß gefunden; es find weiter gewählt: Wahlbezirk Großen-Buscck: Gemeindeeinnehmer Lang in Wieseck (neu- gewählt). „ Eberstadt: Bürgermeister Roth in Muschenheim (wiedergewählt). „ Lich: Bürgermeister Walz in Lick (wiedergewählt). „ Londorf: Apotheker Welcker in Allendorf a. d. Lda. (ueu- gcwählt). „ Staufenberg: Karl Geißler in Lollar (wiedergewählt). Die Wahl von acht weiteren Kreistagsabgeordneten durch die 50 Höchstbesieuerten findet heute statt. Vermischte b. A Mainz, 8. Februar. Unter den hiesigen Socialdemokraten hat sich anläßlich den letzten Stadtverordnetenwahlen eine Spaltung gezeigt, die ihren Grund in einem Streit zwischen de» beiden Führern, Landtagsabgeordneter Jöst und Schneider Leyendecker, fand. Die überwiegende Majorität schloß sich dem Ersteren an, während eine kleine Minorität zu Leyendecker hielt. In einer bei den damaligen Gemeinde- wählen von den Anhängern des Letzteren in die „Stadthalle" einberufenen Volksversammlung ließen die Parteigänger Jöft's Leyendecker nicht zu Wort kommen und mußte der Letztere die Wahrnehmung macken. daß es mit seinem Einfluß in den Arbeilerkrcisen aus sei. Dieser gründliche Absagebrief, den Leyendecker in der damaligen Volksversammlung erhielt, scheint den redelustigen Schneidermeister nicht geheilt zu haben, denn wie verlautet, will derselbe mit seinen wenigen Getreuen vor der Reichstagswahl noch einmal mit einem Manifest beroortreten und neben seinem ehemaligen Freunde Jöst einen zweiten socialdemokratischen Rcichstagscandidaten für den Wahlkreis Mainz-Oppenheim in Vorschlag bringen. Wie die Verhältnisse eben hier liegen, wird dieser zweite socialiftische Kandidat kaum so viel Stimmen erhalten, als die Drucksachen Mark kosten. Gestern weilte General v. Werther hier und inspicirte die Truppen des 117. und 118. Regiments. Hier und im Taunus war heute Vormittag heftiger Schneefall. A Mainz, 9. Februar. In dem Eisweiber der „Rheinischen Brauerei" bei Weisenau sand man gestern einen Drehcrgehülfen von hier erfroren auf. Von einem Geschäfte aus der Brauerei verirrte sich der in dem Gebiete unbekannte Arbeiter und gerieth in den Weiher, aus dem er sich nicht mehr herauszuarbeiten vermochte. Heber die Panik, die am verflossenen Freitag in dem Klein-Winternheimer Eisenbahntunnel (Strecke Mainz-Alzey) entstanden, ist eine amtliche Untersuchung eine geleitet worden, die ergeben hat, daß bei der Eisglätte der Schienen im Tunnel „Rad- schleifen" entstanden, d. b. die Räder drehten sich, ohne vorwärts zu kommen. Dafür solche Fälle vorgeschriebene Achtungssignal für die Bremser verursachte bei einigen Frauen Schrecken und Hülferufe und dieselben sprangen denn in der That auch aus dem noch nicht vollständig zum Stillstand gekommenen Wagen heraus in den dunkeln Tunnel. Eingesandt. Gießen, 10. Februar. Der Staar, welcher in der Regel erst in der Mitte dieses Monats von seiner Wanderung zu uns zurückkehrt, hat sich vereinzelt schon etwas früher eingestellt und wir hoffen und wünschen, daß derselbe nicht wieder wie im vorigen Jahre, aI5 später «och einmal tiefer Schnee die Erde bedeckte, Mangel und Noth leiden muß. Wiederholt haben wir in Ihrem weitverbreiteten und geschätzten Blatte auf den Nutzen de- Staares aufmerksam gemacht und wir haben dabei sogar mit Zahlen bewiesen, daß der Staar einer der nützlichsten Vögel unserer Gegend ist und also gewiß verdient, bei uns gehegt und gepflegt zu werden. Vor allen Dingen werden wir dafür Sorge tragen müssen, daß der Staar bei seiner Ankunft recht viele Nistkästchen, in denen er so gerne seine Wohnung aufschlägt, bei uns vorfindet, denn je mehr Wohnungen, die ihm behagen, sich demselben an einem Orte barbieten, desto mehr siedelt er sich da an. Der Bau, die innere Einrichtung der Staarenkästchen müssen aber der Art sein, daß sich der Staar darin vor seinen Feinden, den Katzen, Mardern, Raubvögeln u. s. w., ganz sicher fühlt. In einen Kasten, der nicht die gehörige Länge und Breite hat, der mit Riffen behaftet, dessen Flugloch zu weit ist, nistet der Staar sicherlich nicht. Wie und wo benannte Kästchen angebracht werden müssen, dürfen wir wohl als bekannt voraussetzen, da wir ja darüber in diesem Blatte schon mehrfach ganz genaue Andeutungen gegeben haben, und wir möchten nur dringend abrathen, Kästchen an Giebeln anzubringen, weil wir im vorigen Jahre die unangenehme Erfahrung gemacht haben, daß die Staare gerade in diesen auf eine so schlimme Weise von den Thurmfchwalben belästigt worden sind, daß sie die Nester und ihre Jungen, welche natürlich zu Grunde gegangen sind, verlassen mußten. Im Interesse des Staares wollen wir nun noch die Bewohner unserer Stadt, und namentlich die Landbewohner, denen ja der Staar am meisten Nutzen schafft, daraus aufmerksam machen, daß Staarkästchen (50 H per Stuck) bei der hiesigen Firma Andreas Euler zu haben sind. Dieselben sind, was Lange, Breite und Weite des Flugloches anbelangt, ganz genau nach einem Modell gefertigt, das sich vollständig bewährt hat. In den besten Gesellschaftskreisen wird heute Widtfeldt's beliebter Magenbehagen den renommtrteften Ltqueuren entschieden vorgezogen. Nieder!, u. A. b. Emil Alschbach. 101- Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast. 3 U6rffSamltagb^enb'6U^reQm5tafl 8" Uhr, Samstag Nachmitta. Allgemeiner Anzeiger. Cokes. Gegenwärtiger Preis in dem Gaswerk: Slütkcokes Mk. —.95 pr. 6h, Nutzcokes, für Stubenheizung, zerkleinert „ 1.05 „ D-r Transport an das Haus erfolgt von dem Gatwerk an» bet Abnahme von mindestens 5 Cerrtuern und werden für denselben 25 Pfg. berechnet; von Herrn Emil Pistor werden auch kleinere Quan- tiraten zugeschickt. 55 Städtisches Gaswerk Gießen. 983 Ein Barsch« von 15—16 Jahren | 985 Gesucht auf gleich oder später ein zum Milchfahren gesucht. junges Mädchen vom Lande. »tWMl, Riegelpfad 12. I Sonnenstrabe 3, 3. St- Kaffee-Lager, Trotz Aufschlag empfehle ich meiner werthen Kundschaft noch sämmlliche meiner so beliebten Sorten Knffee s zum alten Preise. Hochachtungsvoll »fr Carl Bieler, Kreusplah 6. Regenschirme werden bei mir sofort reparirt und überzogen. J, Weitzenkom, 104 Schulstraße 9. ? 987 Kaufe ein auf die Lahn stoßende- Sandftück Offerte unter S. O. mit genauer fßrtiS* angabe erbitte an die Exped- d Bl. 883 Ein tüchtiges Dienstmädchen gesucht. Zu erfragen in der Expcd. d. Bb Holzversteigermig Stöcke m Buche 966 Bender- 216 24 Scheiter 600 2 Reisig et er 250 56 Knüppel Raum 262 39 Montag den 14L Februar 1887 sollen in dem Stadtwald zu j Hungen, im Distrikt Langsdorfer Grenzwald, nachverzeichnete Holzsortimente : Versteigert «erden: Eiche Der Anfang der Versteigerung ist Vormittags 10 Uhr am Fürstlichen Pflanzgarten im Distrikt Langsdorfer Grenzwald. Hungen, am 3. Februar 1887. Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen. Iägömrp»chlun!!- Montag den 14. Februar, \ Vormittags 9 Uhr, soll auf hiesigem Bürgermeisterei- । 'Bureau die der Gemeinde Bersrod , anstehende Wald- und Feldjagd landerweit auf 6 Jahre verpachtet -werden- Bemerkt wird, daß bei annehm- 'barem Gebot dem Letztbietenden die Genehmigung sogleich ertheilt werden soll, und daß bie Gemarkung Bersrod zwei Kilometer von der Bahnstation Reiskirchen entfernt ist. Bersrod, den 8 Februar 1887. Großh. Bürgermeisterei Bersrod. __________ Bocher.________1013 Holzversteigerung in der sürstl. Dbersorstern Lich Dienstag den IS. Februar soll in den Distrikten „Mailbach und Riedmald" nachverzeichnetes Holz versteigert werden: Scheith. Prügelh. Stockh- Reish Raummeter Wellen. Buchen 99 165 89 4910 Elchen 3 35 59 1080 Kiefern — 92 23 1380 ferner: 9 Eichenstämme mit 2,84 fm, 4 Buchenstämme mit 2,42 fm, 37 Fichten- und Kiefernstämme mit 12,48 fm, 177 Fichten - Derbstangen, zu Dachsparren 2c. geeignet, mit 29,09 fm Inhalt. Die Versteigerung beginnt Bor- urittags 10 Uhr auf der Hatten- röder Straße in der .Mailbach". Stamm- und Stangenholz kommt erst Nachmittags von 2 Uhr ab im „Riedwald" (Laubacher Straße) zum Verkauf. 033 Lich, 5. Februar 1887. Wimmenauer, Forstrath. 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