Ai- Zweites Blatt. Donnerstag d , £0 März 1887. Amts- und Anzeigeblatt für dm Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Vurearrr Schulstraße 7. PreiS vierieljährlick 2 Mart 20 Pf. nut Bringerlobn- Durch die Post bezogen vierteljähUick 2 Mark 50 Pf. Politische Uebersicht. Gießen, 9. März. Der neue Reichstag bat am Montag seine eigentliche Thätigkeit mit der erfien Verätzung des ihm unverändert wieder vorgelegten Gesetzentwurfes über die Feststellung der FriedenSpräsenzstärke begonnen. Man nimmt allgemein an, daß das Seplenna'Sgesetz noch im Laufe dieser Woche definitiv genehmigt werden wird. Inwieweit es dem Reichstage dann gelingen wird, die Etatrberathung noch bis zum 1. April zu erledigen, bleibt abzuwarten, höchst wahrscheinlich wird aber der Etat in allen seinen Theilen bis zu dem genannten Termine noch nicht fertiggestellt sein und ein Provisorium dürfte darum nicht zu vermeiden sein. Vis zum Eintritt der Osterpause wird der Reichstag jedenfalls die Gesetzentwürfe über den Servistarif und die Klaffeneintheilung der Orte erledigt haben, während die Beratungen über das Militär-Relictengefetz iub de» Entwurf, betr. den Ausschluß der Oeffentlichleit bei Gertchts-Verhand- limgen. wohl erst nach Ostern ihre definitive Beendigung erfahren dürsten. D.e S t i ch w a h l. E a m p a g n e ist mit einer Entscheidung durch dar Loos beendigt worden, welche fich im Wahlkreise Merseburg. Querfurt näthig machte. Hier hatten bekanntlich der seitherige Vertreter, Gutsbesitzer Panse (freis.) und fein sreicovservativer Gegner, Gutsbesitzer Reubarth, bei der engeren Wahl gleich viel Stimmen erhalten, so daß dar L»os entscheide« mußte. ^Dieses ist nun zu Gunsten des freiconservativen Candidaten ausgefallen, womit fich indessen die Gegner nicht beruhigen «ollen und beabfichtigen ste, die Wahl Neubarth's anzufechten. Außerdem stehen noch Neuwahlen in Friedberg (.Hessen), wo Miquel gewählt wurde, und in Brandenburg - Land, refp. Varel, in welchen beiden Kreisen Herr Rickert gewählt wurde, bevor. Dem Vernehmen nach hat sich Herr Rickert für Brandenburg entschieden, so daß fich die Nachwahl für ihn in Varel nochwendig machen würde und darf man annehmen, daß diese ebenfalls zu Gunsten der Freisinnigen aussallen wird, ^gleichwie die Friedberger Nachwahl zu Gunsten der Nationalliberalen. Jedoch läßt sich auch jetzt eine ganz genaue Uebersicht über die Zusammensetzung des neuen Reichstages noch nicht geben. Zunächst werden über die Parteistellung dieses und jenes Abgeordneten noch verschiedene Berichtigungen nöthig sein; z. B. wurde vom osficiöse» Telegraphen der in der Stichwahl gewählte Abgeordnete für Norderdithmarschen, Thomson, als nationalliberal aufgesührt, während Herr Thomson, welcher diesen Wahlkreis schon in der vorigen Legislaturperiode im Reichstage vertrat, der freisinnigen Partei angehört. Auch werden zwischen den Nationalliberalen und Freiconservativen noch genauere Unterscheidungen bezüglich der Zugehörigkeit Verschiedener neuer Abgeordneten zu einer der beiden Fraktionen zu machen sein. Schließlich muß noch abgewartet werden, ob einige Abgeordnete, die fich als Hospitant dieser oder jener Fraktion bezeichnen, sich derselben vielleicht nicht noch förmlich anschließen werden; doch sind jedenfalls keine großen Veränderungen in den schon mitgetheilten provisorischen Urbersichten zu erwarten. Die Vorarbeiten zur Ausführung der in der Thronrede angekündigten Vorlage über die Erweiterung der Jnnungsbesugnisse sind dem Vernehmen nach bereits ausgenommen worden. Zu weitgehende Vorschläge in dieser Beziehung dürsten aber schon im Bundesrathe Schwierigkeiten begegnen, da Bayern und Baden keine erhebliche Einschränkung aus diesem Gebiete wünschen sollen. . Der französische Ministerpräsident Goület hat es für nöthig gehalten, den Gerüchten über ernste Meinungsverschiedenheiten in seinem Cabinet entgegenzutreten. Er betonte nämlich in der Samstags-Debatte der Kammer über die Erhöhung der Getreidezölle, daß zwar Ouch im Ministerium selbst die Ansichten in dieser Frage verschieden seien, daß es aber seine Einigkeit für noth- wendiger halte, als die Aeußerung einer Ansicht über die Getreidezollsrage. Er geht aus dieser etwas gewundenen Erklärung hervor, daß das Cabinet nicht wünscht, die in ihm bestehenden Differenzen durch eine bestimmte Stellungnahme in der genannten Frage blosgelegt zu sehen. Die eigentlichen Schwierigkeiten liegen aber auf dem Gebiete Der auswärtigen Politik, denn hier find der Minister des Aeußern, Flourens, und der Kriegsminister Boulanger bedenklich zu- fammrngerathen und wenn vielleicht auch der Riß zwischen beiden Ministern wieder üderkleistert worden sein mag, so wird bei dem berrischen Wesen Bou- langer^S Die notdürftig wieder hergestellte Einigkeit im Cabinet doch kaum von längerer Dauer sein. Der raschen Unterdrückung des jüngsten bulgarischen Militär- Aufstandes ist die ebenso rasche Justiz!firung der vom Rustschuker Kriegsgerichte zum Tode verurtheisten Hauptschuldigen auf dem Fuße nachgefolgt. In Bukarest eingegangenen Nachrichten zufolge wurden die Betreffenden am Sonntag Morgen 5 Uhr hingerichtet, mit Ausnahme zweier Osficiere, von denen der eine, CapUän Belmann, russischer U?.terthan ist. Am Montag sollte das kriegs- gerichtUche Urtheil über die am Ausstand betheiligt gei eam Unterosficiere und Soldaten gesprochen werden. Eine officielle Depesche Sofia vom 7. März thellt mu, daß das Todesurtheil an 8 Osficieren vollstreckt wurde, während Capitän Belmann dem deutschen Generalconsul ausgeliesert wurde. Nach der Vollstreckung des Urtheils reclamirte letzterer noch sieben, mit den Waffen in der Hand gefangen genommene meuterische Osficiere als russische Unterthanen, von denen jedoch auch schon zwei füfilirt worden waren. Die Regentschaft soll hierauf erwidert haben, daß sich mit Ausnahme Belmann's die schuldigen Osficiere sämmtlich in dem Verhör als bulgarische Unterthanen erklärt hätten. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Rußland diese Reclamationen und deren Zurückweisung durch die bulgarische Regierung als einen Vorwand nimmt, dieselbe „fortgesetzter Vergewaltigungen russischer Unterthanen" zu zeihen und besonders dürste die Hinrichtung der 8 Osficiere ein willkommener Anlaß zu einem acti- oeren Vorgehen Rußlands gegen die bulgarische Regierung sein. Vielleicht, daß darum die Rustschuker Execution das Steinchen bilden wird, welches die Lawinen endlich in's Rällen bringt! Zur italienischen Ministerkrisis wird gemeldet, daß König Humbert beschlossen habe, die Demission des Cabinets DepreUS nicht anzunehmen. Da sich die Unmöglichkeit, das Cabinet Depretis neu zu bilden, zur Evidenz herausgestellt hat, so bleibt auch wirklich kein anderer Ausweg übrig, als dasselbe im Amte zu belassen und dieser Ausweg dürfte durchaus den Interessen Italiens entsprechen. Die italienischen Oppofitionsparteien haben jedenfalls ihre vollständige Unfähigkeit dewiefen, das von ihnen jo heftig angefemdete Ministerium Depretis-Robilant zu ersetzen. 8 t e ® i f öl t A Vom Rhein, 7. März. Gestern waren es 100 Jahre, daß in Coblenz die ersten Pioniere in Garnison kamen. Aus diesem Anlaß sanden gestern in Coblenz große Festlichkeiten statt. An dem das Fest verherrlichenden Feftzug nahmen sämmt- liche Coblenzer Vereine mit zahlreichen Musikcorps und Fahnen Theil. In Caub hat sich ein Comitö gebildet, das zur Erinnerung des denkwürdigen Rheinübergangs des Fürsten Blücher in der Neujahrsnacht 1813 dem wackeren General in Eaub ein Reiterstandbild zu errichten bezweckt. Vorsitzender des Comitös ist der Bürgermeister von Eaub, an welchen Beiträge für das in edler kraftvoller Einfachheit geplante Denkmal zu senden sind. Ende verflossener Woche wurde in dem Walde in Daxweiler bei Stromberg der Förster der Puricelli'schen Waldungen, auf einem Stein sitzend, tobt aufgefunden. Anfänglich glaubte man es mit einem Verbrechen zu thun zu haben, doch hat die gerichtärztliche Untersuchung ergeben, daß der Förster Flesch an einem Herzschlag gestorben. r t Heber den Selbstmord des Verwalters der Mumm'schen Guter auf dem Johannisberg, Herrn Merten, wird uns mitgetheilt, daß keineswegs Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung den Unglücklichen zu dem Schritt veranlaßt, sondern daß verschiedene dem feinfühlenden Manne widerfahrene Kränkungen das Motiv zu dem Selbstmord waren. Der Salmenfang hat bereits seinen Anfang genommen und verspricht derselbe sehr ergiebig zu werden. Am Freitag wurde bei St. Goarshausen em Salm von 36 Pfund gefangen. Unter den Fischern wird indeß sehr über den niederen Preis (1,30-1,40 JC das Pfund) geklagt.__ ri„ , △ Kastel (bei Mainz), 7. Marz. Die ständige Ausdehnung rote auch die Neuansieoelung der großen industriellen Etablissements und Fabriken auf der „Amöneburg" (bei Biebrich) und der daraus sich entwickelnde lebhafte Geschäftsverkehr mit hier und Mainz läßt eine directe und bequemere Bahnverbindung zwischen hier und dem genannten Fabrikdistrict schon lange als ein dringendes Bedürfniß erscheinen. Dieses Bedürfniß erkennend, hat seiner Zeit die Mainzer Straßenbahn-Gesellschaft von der hessischen Regierung die Concession zur Anlage einer Straßenbahn von Kastel dis zur preußischen Grenze erwirkt, mit der Absicht, später die Bahn bis Biebrich auszudehnen. Da nun aber die beregte Straßenbahngesellschaft die Ausführung dieses Planes trotz mehrfacher Anregung aus unbekannten Gründen sehr lange hinzuziehen trachtet, sind mehrere Industrielle von der Amöneburg zu dem Entschlüsse gekommen, mit Bahnbauunternehmer in Verbindung zu treten und unter Hebernahme einer bestimmten Garantie den Bau einer Dampfstraßenbahn zwischen hier und der Amöneburg zu veranlassen. Um die Anlage möglichst billig zu bewerkstelligen, hat man tm Sinn, die Bahn auf dem ziemlich werthlosen Terrain längs dem Rhein herzusühren und hostt man besonders unter der Berücksichtigung, daß die geplante Bahnanlage auch der Militärbehörde in dem Verkehr mit dem Fort „Großherzog von Hessen" sehr zu Statten kommt, leicht die Concession der preußischen und hessischen Staatsregieruug zu erhalten. Auf nächste Tage sollen sämmtliche Interessenten zu einer Besprechung hierher em- gelaben^roerben^^ ^gen bei Cohn!") Der Hamburger Lotterie Collecteur Cohn, bekannt durch vorstehende Devise in seinen Annoncen, wurde zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt, da er die Gewinnlisten gefälscht und zu diesem Zwecke eine eigene Druckerei im Keller eingerichtet hatte. t. ™ l . — sBörsenhumor.) Die Verluste, welche die Besitzer von Actien der Chemischen Fabrik Schering" erleiden, indem der Cours um ungefähr 300 Procent gefallen ist haben den Berliner Börsenhumor zu folgendem Klapphornoers hcrausgefordert: „Zwei Herren saßen am Büffet. Der eine aß ein Kotelett, Der andere 'nen Hering — Er hatte Schering." r. c . r Koblenz, 4. März. Aus der Strafanstalt zu Diez sind m einer der letzten Nackte 2 Sträflinge entsprungen, von denen der eine der zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheiUe berüchtigte Dieb und Einbrecher Heinrich Glockenheimer, L-chustergeselle aus Albersweiler (Pfalz) ist. Der geriebene Gauner ist schon einmal aus dem Cantongefangmtz zu Meisenheim ausgebrochen. — Dem „Rheinh. Beobachter" in Ober-Ingelheim ist nachstehender Brief aus Amerika zugegangen: M c ,, , Geehrte Redaction! Nachdem ich die Reise zwischen Amerika und Europa schon mehrmals mit verschiedenen Dampfer-Linien gemacht, habe ich diesmal die Red Star Line über Antwerpen gewählt und bin mit dem ganz neuen Postdampfer „Noordland^ am 22. Januar von Antwerpen nach New-Aork abgereist. . ., rtll6 QU meiner Freude habe ich auf dem Dampfer fast nur deutsche Passagiere aus Bayern, Baden, Oesterreich und Landsleute aus Hessen getroffen, wahrend out den Dampfern anderer Linien immer die Polen, Russen, Ungarn und ähnliche ubir- roiegenb ünb. Generalagent von der Red Star Line in Mainz, besorgte uns Schtffskarten zu dem möglichst niedrigen^Preise und^-rth-llte unsbereitwM att jede gewünschte Auskunft und besorgte unser Gepäck, so daß wir nicht die gi 81 $iU6C W^°ll° Zwischendecks-Passagiere waren wirklich erstaunend ubernffcht aber di- Reinlichkeit und Ordnung aus dem ganzen^ Dampfer und im Zw ich n° di- ausg-z-ichnct- Einrichtung desselben, über die vorzügliche und reichlich- i-°l Je 50 Kilogramm kosten: S © Z X* $[X$ X* «ä'Ä -x>, X^ 9 - 7 31 7 28 6 28 2 85 2 81 219 13 75 14 25 24 50 23- 25- 24- 7 - 75 90 Ze Vz Kilogramm kostet: *e- v £ B B ■e£ <£" N X^^\X* X^^ I X^ I 0 81 - 63 — 55 -47 -58 — 80 - 65 -58 20 12 1 45 9 19 50 27- 15 21 62 la. ]Jretfe(6emn empfiehlt billigst 1508 1519 3 d Q a QQ über die Aufmerksamkeit des Capitains, der Offiziere, der Stewards und über die Pünktlichkeit, mit der ein Jeder seinem Dienst nachkommt; kurz, es hat uns Alles, sowohl auf dem Dampfer, als auch in New-Aork, wo wir von Herrn I. Fischer, Gasthaus zum „Bayerischen Hof", aus's Freundlichste ausgenommen, sehr gut und billig bewirthet und alles zur Weiterreise besorgt wurde, so gut gefallen, daß uns diese Reise das größte Vergnügen machte; trotz des ungünstigen Wetters waren wir schon am 5. Februar in New-Aork. Im eigenen Interesse weiterer Auswanderer glauben wir uns verpflichtet, die Red Star Line in Antwerpen öffentlich zu empfehlen, und wer von uns die Reise nochmals macht, fährt sicher nur über Antwerpen. Nera-Aork, 6. Februar 1887. Christian Wacker aus Hessen, Joseph Meyer, Chicago, geb. in Hessen, Hedwig Huegler, Karolina Huegler, W. Wenzel, Eltsa Wenzel, Elisabetha Buhmann Wwe., Elisabetha Buhmann, Georg Buhmann, Peter Buhmann, Jakob Schwarz, Johannes W. Maur, Georg Schneider, Christoph Plötz, Josef Jrrgang, Michel Schmatz, Anna Bauer, Aloys Riedel, Lorenz Klag, Aloys Göstl, Katharina Andres. 1748 VerzeichnLß der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gieherr vom Monat Februar 1887 Franz Gärtner, im Darinstädter Haus. — Das Technikum Mittweida (Königreich Sacksen) wird diese Ostern das zweite Jahrzehnt feines Bestehens abschließen. Mit hoher Befriedigung darf die Anstalt auf die letzten 20 Jahre zurücksehen, ist doch die Schülerzahl eine stetig wachsende und beträgt im gegenwärtigen Wintersemester allein 562, wovon 409 die Abteilung für Maschinen-Jngenieure und Electrotechntker, ferner 138 die für Werkmeister und 15 Schüler verschiedene Fächer besuchen. Unter den Geburtsländern bemerken wir: Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Rußland, Schweiz, Großbritannien, Dänemark, Holland, Spanten rc., aus Asien besonders Java, aus Afrika Kapland und Goldküste, ferner Nord- und Süd-Amerika und Australien. Die Eltern der SchülL gehören besonders dem Stande der Fabrikanten und Gewerbtreibenden an, ein Beweis für das Vertrauen, welches das Technikum in den maßgebenden Fachkreisen genießt. Programm und Jahresbericht erhält man untmtgeltlich von der Direction des Technikum Mittweida (Sachsen). i Literarisches. — Aus verschiedenen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes ist bereits die Rückkunft des Staares, des ersten Frühlingsboten unter den gefiederten Sängern in Waid und Feld, gemeldet worden und cs ift'nun hohe Zeit, für unsere heimkehrenden Lieblinge Nistkästen vorzurichten und aufzuhängen. Daß diese Wohnungen aber auch ihrem Zwecke voll und ganz entsprechen, dafür gibt ein uns eingesandtes Schriftchen von Hofrath Professor Dr. Th. Liebe, das soeben in zweiter Auflage erschienen ist, bewährte Fingerzeige. Dasselbe führt den Titel »Winke, betreffend daS Aushängen der Nistkästen für Vögel" und kann von der Verlagsbuchhandlung Theodor Hofmann in Gera (Reutz) zu folgenden Preisen bezogen werden: 100 Exemplare 4,50 X, 50 Exemplare 3,50 X, 25 Exemplare 2,50 X, 10 Exemplare 1,50 X und 1 Exemplar 0,20 X Bei Einsendung des Betrages per Postanweisung oder in Brief- marfcn erfolgt portofreie Zusendung dieser empfehlenswerthen Broschüre. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß vom Thierschutzoerein zu Darmstadt sehr preiswerthe und gute Nistkästen geliefert werden. Sturz, 6 durch Ertrinken, 4 durch Ueberfahren, 1 durch Erschießen, 2 durch unbekannte Ursache. Mord kam einmal, tödtliche Verletzung zweimal vor. Was die Sterblichkeitsoerhältnisfe speciell der Stadt Gießen anlangt, so starben im Ganzen 419 Personen, was bei einer Seelenzahl von 19001 auf je Tausend Lebende 22 Todesfälle ausmacht, mithin für eine Stadt als keine ungünstige Slcrblichkeitsziffer anzufehen ist. Gegen das Vorjahr starben weniger 6 Kinder und 29 Erwachsene, im Ganzen 35 Personen. Auf Jnfectionskrankheiten kommen nur 25 Todesfälle gegen 48 des Vorjahres, eine Besserung der Gesundheitsverhältnisse, die dem Verschwinden der Masern und des Kindbettfiebers zu verdanken ist. Dagegen erreichte die Sterblichkeit an akuten Magen- und Darmkraukheiten mit 26 Todesfällen die doppelte Höhe derjenigen des Jahres 1885 und umfaßt mehr als die Hälfte der im ganzen Kreise an dieser Krankheitsklasse Gestorbenen. An Lungenschwindsucht starben 84, gegen 80 Personen im Jahre 1885. Es- kommt daher in beiden Jahren bei dieser Krankheit mehr als ein Dritttheil der Sterblichkeit des Kreises auf die Stadt ^Gießen. Doch darf nicht übersehen werden, daß, wie auch schon im vorigen Berichte bemerkt wurde, diese Zahlen für die Sterblichkeit Gießens nicht streng beweisend sind, da in denselben gar mancher von Auswärts in die Kliniken gebrachte Kranke enthalten ist. lieber dieses Verhältnitz genauere Zahlenangaben zu liefern, soll eine der Aufgaben unseres nächsten Berichtes sein. Das Jab re so beliebte, trotz aller Nachahmungen unüber- b-gnt-chte.,, T »ertauft ,u 40 4 u. x 1,10 I. 0. ssnhr, Sonnenstrotze 25 Metzln, 1215 Gesundheitszustand und Zterdlichkeitsverhältnisse des Kreises Gießen im Jahre 1886. Die Sterblichkeitsoerhältnisfe des Kreises Gießen waren im Jahre 1886 ver- hältnißmäßig recht günstige. Die Zahl der Gestorbenen betrug im Ganzen 1499, die Beoölkerungszahl des Kreises nach der Volkszählung des Jahres 1885 71 962 oder rund 72 000 Seelen. Es kommen demnach 20,1 Todesfälle auf je Tausend Lebende, eine Stervlichkeitsziffer, die niedriger als das normale Mittel ist. .Dem Alter nach vertheilen sich diese Todesfälle auf 310 Kinder des ersten Lebensjahres, 260 solche von 2—15 Jahren, zusammen also auf 570 Kinder und 929 Erwachsene. Ein Vergleich mit den entsprechenden Zahlen des Vorjahres ergibt für das Jahr 1886 eine Verminderung der Sterblichkeit um 109 Personen, welche zu Zweidrittheilen auf der um 71 Todesfälle verringerten Sterblichkeit der Kinder von 2 bis 15 Jahren beruht. Von Kindern des ersten Lebensjahres starben 6, von Erwachsenen 32 weniger. Die geringste Sterblichkeit zeigte der Monat Juni mit 96 Todesfällen, dann kommen in dieser Reihenfolge weiter Juli mit 99, August und November mit je 111, September mit 119, December mit 123, Februar und October mit je 131, Mürz und April mit je 142, Mai mit 143 und zuletzt Januar mit 151 Sterbefällen. Der Grund dieser gegen das Vorjahr wesentlich niedrigeren Sterblichkeit liegt offenbar in dem Zurücktrcten der Jnfectionskrankheiten und zwar hauptsächlich indem Erlöschen der 1885 weit verbreiteten, in dem vorigen Bericht ausführlicher beschriebenen Mairu-Epidemie, welcher damals 77 Kinder zum Opfer fielen, während in dem Berichtsjahre nur ein einziges dieser Krankheit erlag. Auch die übrigen Jnfectionskrankheiten zeigen meistentheils gegen das Vorjahr emc Verminderung in der Sterblichkeit, Scharlach von 12 Todesfällen auf 9, Typhus -von 7 auf 3, Kindbettfieber von 13 auf 4, Rose von 10 auf 4, Ruhr von 9 auf 1. Dem Keuchhusten erlagen 13 Kinder, zwei Kinder mehr als im vorhergehenden Jahre. Wenn aber die Sterblichkeit an Diphtherie gegen 1885 von 30 auf 50 Todesfälle angestiegen ist, so ist zu berücksichtigen, daß dieselbe bei Croup von 36 auf 19 gefallen ist- mithin die Summe der an beiden Krankheiten Gestorbenen sich ziemlich gleich geblieben ist. Da zwischen denselben keine scharfe Grenze besteht und diese von den venchledenen Aerzten verschieden gezogen wird, so darf oermuthet werden, daß die hier vorliegende Differenz in der an beiden Krankheiten in den letzten Jahren Gestorbenen mehr in der Art und Weise der Krankheitsbezeichnung, als wie in den tatsächlichen Verhältnissen begründet ist. Im Ganzen starben 1886 an Jnfectionskrankheiten 100 Personen, im Vorjahre 195. _ , Scharlach und Diphtherie kamen theils in Verbindung mit einander, theils für sich allein m einzelnen, stellenweise sich oft wiederholenden Erkrankungsfällen in einer ziemlich großen Anzahl von Gemeinden vor. Eine große epidemische Ausbreitung erlangten sie nicht. Kleine Epidemien traten auf von Diphtherie und Croup in Staufenberg imt oerhältmäßig starker Mortalität, von Scharlach in Bettenhausen, von Diphtherie tn Langsdorf, welche letztere bis jetzt noch nicht ganz erloschen ist. Im Ganzen zeigten die genannten Krankheiten einen sehr gutartigen Verlauf, wie sich aus den oben speciell ausgesudrten Sterblichkeitsangaben ergibt. -^-;h^erobcn jür die Sterblichkeits-Statistik wichtigen Krankheiten ist zunach,. die Lungenschwindsucht zu erwähnen, welcher in diesem Jahre 210 Personen 14 weniger als 1885, zum Opfer fielen. Die Todesfälle an akuten Erkrankungen der Akhmungsorgane betrugen 159, diejenigen an akuten Magen- und Darmkrankheiten 50 Personen gegen 145 beziehungsweise 34 des Vorjahres. Gehirnschlagfluß führte ??.?./ a^r Gelenkrheumatismus 4 Mal zum Tode. Außerdem wurden in andere bekannte Krankheiten als Todesursache angegeben, während dieselbe 187 Mal, da eine ärztliche Behandlung nicht ftattgefunden hatte, unbekannt blieb. Dw Zahl der Todesfälle gewaltsamer Art, welche im Ganzen 52 beträgt, bat pcflcn 188d um 17 zugenommen. Diese Vermehrung ist hauptsächlich bedingt durch die größere Anzahl der oorgekommenen Selbstmorde, die von 10 im Vorjahre auf 24 rm Berichtsjahre gestiegen sind. Verunglückungen sind 24 zu verzeichnen, 11 durch Schiffs-Bewegung der Postdampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft. „Hungaria", 22. Februar von St. Thomas nach Hamburg; „Wieland", 11. Februar von Newyork, 23. Februar in Hamburg angekommcn; „Sueoia", 20. Februar von Hamburg nach Newyork, 23. Februar vonHavre weiter; „Rbenania", 24. Januar von Hamburg nach Westindien, 23. Februar in Colon ongekommen; „Marsala", 24. Februar von Hamburg nach Newyork; „Borussia", 6. Februar von Hamburg nach Westindten, 24. Februar in St. Thomas angekommen; „Allemannia". 21. Februar von Hamburg nach Westindien, 24. Februar von Havre weiter; „Bohemia", 24. Februar von Newvork nach Hamburg; „Saxonia", 5. Februar von St. Thomas, 26. Februar in Hamburg angekommen; „Rugia", 18. Februar von Newyork nach Hamburg, 38. Februar Lizard paffirt; „Francia", 11. Februar von St. Thomas nach Hamburg, 28. Februar Scilly passirt; „Teutonia", 28. Februar von St. Thomas nach Hamburg; „Gothra", 1. März von Newyork nach Stettin; „Moravia", 1. März von Hamburg nach Newyork; „Albinqia", 14. Februar von St. Thomas nach Hamburg, 1. März Scilly passirt; „Holsatia", 4. Februar von Hamburg nach Mexiko, 1. Mürz in Vera Cruz angekommen; „Bavaria", 24. Februar von Hamburg, nach Westtndien, 2. März von Havre weiter. „Amalfi", ab Hamburg, 26. Februar in Newyork angekommen; „Nhaetta" ab Hamburg, 1. März in Newyork angekommen. ES 3Q "v *3 a-s © 19150 B E 6-6 Buckskinhosen, Westen, Säckchen, Joppen, Arbeiterhosen, Hemden, Blousen, Unterhosen, Metzgerkittel, blaue Hosen u. Kittel, Knaben,An- Züge, 200 Buckskinwesten, schön gearbeitet, in la. Qualitäten, k 2,25 u. s. w. bei Louis Rothenberger, Neuenweg 22. WS» Getrag. Kleider, Schuhe ic- halte rate seither ebenfalls bestens empfohlen_______________ 896. 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Chr?Pletsch) tu Gießet ♦ R r» 1712 Ein kräftiger Junge in die Lehre gesucht von H. Sack, Schreinermeister. Samstag den 12. Mär; 1887, Nachmittags ü'/2 Uhr, ~ auf der Burg Gleiberg. Tagesordnung: Endgültige Verathung des neuen Statuten-Entwurfs und Beschlußfassung darüber behufs Erlangung von Korporations- rechien. ^'Mskeit der zu beschließenden Angelegenheit wegen ist möglichst zahlreiches Erscheinen recht wünschenswerth.) 47nQ Die Verwaltungs Kommission. — Oo ______ ______________ Dr. Gareis. Hochachtungsvoll M. Burkhardt Bahnhofstraße SS. Wer liefert 200—300 Wagen guten Grund? Offerten mit Pr-isana-be werden ent- gegengenommen rn der Exp. d. Bl 1122 Gefchäfts-Gröffnimg. Bahnhof stra sr e 53 eine Schurmremetzgerei mit Wirthschast 9ifiLl°6.e kUnb Mannt' nur mit guter Waare meine werthen Abnehmer und geehrte« Gäste zufrieden zu stellen suchen. - -Y ,.-'4 L SW k-| tHFI 248 Die von Frau Rentnerin Henk innegebabte Wohnung, II. St., ist per 1- April anderweitig zu vermiethen. A. E. 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Wittwe ohne Kinder zur Fahrung eines bürgerl. Haushaltes gesucht. Meldungen in der Exped- d Bl. KermitHrmgen. 1727 Ein Familienlogis, 5 Zimmer nebst Zubehör, ist per 1. April zu vermiethen.____________________Neustadt 8. 1444 Eine Wohnung von 3 Zimmern mit allem Zubehör zu vermiethen. _______________Hammstraße 27. 1410 Ein Logis im ersten Stock zu vermiethen. Bahnhofstraße 58. 1349 Ein Familienlogis u. ein möbl Zimmer zu vermiethen- __Frankfurterstraße 76. 1196 Eine Wohnung, 5 Zimmer mit Zubehör u- Gartenantheil, zu vermiethen. ___Steinstrafte 55- 1146 Ein geräumiges Mansardenlogis zu vermiethem __zkreuz 10. 1017 Zu vermiethen eine Wohnung drei 9 tecen mit Küche und Zubehör, auf AnftMy- April bei Helm, Bismarckstraße- 322_ Bel-Etage Grünbergei strafte 21 per 15. März eo 1- April zu vermiethen- Näheres Löberstraße 6. ,307 Hammstraße schöne Wohnung, drei Zimmer mit Zubehör und Gartenantheil. Näheres Lahnstraße 11- 1649 In einem Städtchen Oberhessens (Amtsgerichtsplatz) ist ein gut rentables Spezerciwaaren- Geschäft mit Kundschaft, unter günst-gen Bedingungen zu verkaufen, event. aut eine bestimmte Zeit zu vermiethen. Näheres in der Exp.d. d- Bl 1687 Für ein hiesiges Manusactur- waarengeschäft wird eine tüchtige Der- käuserin oder auch Lehrmädchen ae- sucht. Offerten nimmt die Exp.d d- Bl. entgegen. Sparverein Concordia. Donnerstag 10. flliirj, Abends 9 Dhr, Generolverfammlung bei Wirth Spieß, Neustadt. 1744 2:age§orbnunB: 1) Rechnungsablage. Slntrafl auf Auflösung des Vereins eoenr. Wahl des Vorstandes. Der Vorstand. j-651 Ein in Küche und Hausarbeit erfahrenes Mädchen zum 1. Mai gesucht Frau Pfarrer Schlosser, ____________ Burggraben 13. Vermischte Anzeigen. 16-.7] Hausmädchen gesucht. _______________________Marktplatz 17. 1504 Eine ältliche zuverlässige Person Gewerbeverein. Zur Besprechung verschiedener wichtiger Vereinsangelegenheiten findet Mittwoch den 9. März, Abrnds 8 Uhr, int Caife Ebel (C. Bakzer) em° Generalversammlung des Gewerbevereins fiatt und werden die Mitglieder um zahlreiches Erscheinen gebeten. 1685 _________________Der Borstand. Geselligkeitsverein Gleiberg. 1599] Leftrlingsstelle offen bei Wilh. Böger, Uhrmacher. J™] Bürstenmacher.Leh^H W von C. Winter.