Amts- und Anzeigcblätt für den Kreis Gießen. Freitag den 9. December 1887. Nr. 287. L- tetttMttt Schulstraße 7. Erscheint täglich qiit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«^ Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 PL Amtlicher Hßeiü Das Großherzogliche Steuer-Commissariat Gießen au die Gr. Bürgermeistereien des Bezirk- (exel. Alten-Buseck, Annerod, Laug-Göu-, Mainzlar, Oppenrod und Watzenborn'Steiuberg). Zur Wahrung der Besitzwechsel aus dem Jahre 1887 ersuchen wir Sie um baldige Einsendung der Ortsexemplare der Brandkatafter, sofern solche uicht doch, zum Zwecke des Eintrags von Declarationen, in nächster Zeit hierher gelangen. lieber abgebrannte oder niedergelegte und bis jetzt nicht wieder aufgebaute Häuser wären Bescheinigungen und zwar für jede Hofraithe auf einen besonderen halben Bogen auszustellen und alsbald hierher vorzulegen. Gießen, den 7. December 1887. Süffert. Das Großherzogliche Steuer-Commisfariat Gießen au die Gr. Ort-gericht-vorsteher de- Bezirks. Die Ihnen dieser Tage zukommenden Bau- und Cultur-Beränderungs-Berzeichniffe sind 4 Wochen lang offen zu legen und sodann, mit der entsprechenden Bescheinigung auf der letzten Seite versehen, alsbald hierher zurückzusenden. Gießen, den 7. December 1887. Süffert. Politische Ueberstcht. Gieße«, 8. December. Im Reichstage folgte am Montag mit der ersten Lesung des Entwurfes, betr. die Unterstützung der Familien der in den Dienst einge- tretenen Mannschaften, auf die zum Theil sehr bewegten Etats- und Kornzoll- Verhandlungen der vorigen Woche wieder eine ruhigere Discussion. Allseitig wurde der genannte Entwurf sympathisch begrüßt und hierbei zugleich dem Wunsche Ausdruck verliehen, daß auch bald eine ähnliche Vorlage für die Fami- Iten der eingezogenen Reservisten vorgelegt werden möge. Im Laufe der Debatte nahm der preußische Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff Gelegenheit, der socialdemokratischerseit» aufgestellten Behauptung, daß die erste Anregung zu der Unterstützungs-Vorlage von den Socialdemokraten ausgegangen, entgegenzutreten, indem er hervorhob, daß die Vorarbeiten zu letzterer um mehr als ein Jahrzehnt zurückdatirten und auf einem ähnlichen Gesetze beruhten, welches in Preußen schon zu Anfang der fünfziger Jahre erlassen worden sei. Der Entwurf ging alsdann an eine besondere Commission von 21 Mitgliedern. Die hierauf vor- ßenommene erste Lesung de» Gesetzentwurfes über den Verkehr mit Wein gestaltete sich zu einer eingehenden Erörterung der gejammten „Weinfrage", und Namentlich über die Methoden zur „Verbesserung" des Weins entspann sich eine angeregte und teilweise humoristisch gefärbte Debatte. E» wurde hierbei von verschiedenen Seiten hervorgehoben, daß die Regierungs-Vorlage sich über die gestatteten und verbotenen Zusätze zum Wein nicht klar auslasse und es weiter als einen Mangel derselben bezeichnet, daß sie die Entscheidung hierüber schließlich den Gerichten überlasse. Der Entwurf wurde ebenfalls einer besonderen Commission überwiesen. Am Dienstag pausirte das Haus, um den Commissionen einen Vorsprung zu gewähren-; am Mittwoch standen „alte Bekannte" auf der Tagesordnung, nämlich die Anträge über Abänderung des Gerichsoerfaffungs- Gefetzes, über Entschädigung unschuldig Verurtheilter und über Wiedereinführung der Berufungs-Instanz. Außer im Plenum wird jetzt auch schon in den verschiedenen Commissionen fleißig gearbeitet. Von den beiden wichtigsten Ausschüssen de» Reichstages hat die Budget-Commission den umfangreichen Marine-Etat erledigt, und zwar fast durchgängig nach den Regierungs-Vorschlägen, während aus der Getreidezoll-Commission noch keine positiven Beschlüsse vorliegen. Er liegen derselben aber bereits eine Reihe Abänderungs-Anträge vor, die einerseits eine Erhöhung, anderseits eine Herabminderung der Sätze der Regierungs-Voclage befürworten, so daß sich hierüber ein ziemlich verwickeltes Abstimmungs-Verfahren nothwendig machen dürfte. In den zuständigen Ausschüssen de« Bundesrathes sollen bereit» -ie Vorberathungen über den Regierungs-Entwurf, betr. die weitere Verlängerung de» Socialistengesetzes, begonnen haben. Die Verhandlungen werden streng geheim gehalten werden, so daß noch abzuwarten bleibt, ob die Angaben, wonach es sich um eine fünfjährige Verlängerung de» Socialistengesetzes mit besonderen Verschärfungen handeln soll, richtig sind. Ebenso liegt über den Inhalt de» dem Bundesrathe auch bereits zugegangenen Gesetzes, betr. die weitere Organisation de» Landsturmes und der Landwehr, noch keine Auslassung von compe- tenter Seite vor. Seit Montag tagt in Berlin auch der preußische Volkswirth- schaftsrath, dessen Sitzungen im großen Saale de» Herrenhause» stattfinden. Die genannte Körperschaft wird fich lediglich mit den Grundzügen für die Alters- und Jnvaliden-Verficherung und deren Begründung zu befassen haben. In der obersten Leitung des gothaischen Staatrministerium» wird demnächst eine Veränderung eintreten. Der Chef desselben, Staat»minister Freiherr v. Seebach, zieht sich aus Gesundheits-Rücksichten in da« Privatleben zurück und soll dem Vernehmen nach der preußische Geheime Finanzrath v. Sonin an dessen Stelle treten. Die Unterzeichnung de« neuen deutsch-österreichischen Handels- Vertrages ist noch nicht erfolgt, sie wird aber in diesen Tagen bestimmt erwartet. Der neue Vertrag trägt den Charakter eine« auf Kündigung abgeschlossenen Meistbegünstigungs-Vertrages, wie schon bisher, nur heißt es, er habe unbeschränkte Giltigkeitsdauer, würde jedoch unter Feststellung einer bestimmten Kündigungsfrist abgeschlossen werden. Außerdem wird versichert, daß Deutschland bei Export-Prämien für Zucker uno Spiritu» zu Concessionen bereit fei, daß hierüber jedoch die Verhandlungen noch fortdauerten. Vielleicht dürfte hierbe auch die bevorstehende Kornzoll-Erhöhung in Deutschland mit hineinspielen, denn in Oesterreich giebt sich eine wachsende Bewegung gegen die deutsche Zollerhöhung kund und es gehen von den verschiedensten Seiten der Regierung Anregungen zu, sie möge die österreichischen Getreide-Interessenten schützen. In der Montags-Sitzung des schweizerischen Rationalrathe» entwickelte Alterspräsident Matt in großen Zügen das Arbeits-Programm der Versammlung. Aus demselben sind hervorzuheben die Einführung der obligatorischen Unfallversicherung, der Schutz einheimischer Producte durch Aufstellung eines Zolltarifs und Hebung der Wehrkraft durch Einführung kleinkalibriger Gewehre. Am gleichen Tage wählte der Ständerath sein Präsidium, in welche» Gavard-Genf als Präsident und Schoch-Schaffhausen als Vicepräsident berufen wurden. Beide gehören der radikalen Partei an. Darmstadt, 7. December. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht: Am 27. Rovbr. den von dem Herrn Fürsten Bruno zu Isenburg und Büdingen präsentirten provisorischen Lehrer an dem Gymnasium zu Büdingen, Dr. Otto Singelbein, zum Lehrer an dieser Anstalt zu ernennen. Darmstadt, 7. December. (Aus dem Staatsbudget.) In Art. 2 de» Gesetzes vom 14. Juli 1884, die Herstellung mehrerer Nebenbahnen betreffend, wird von den „Interessenten" der Nebenbahn Nidda-Schotten — außer der unentgeltlichen Geländestellung „durch die betr. Gemeinden oder sonstigen Interessenten der Bahn" (Gesetz vom 29. Mai 1884, Art. 3, Abs. 2) — ein Baarbeitrag zu den Baukosten mit 25,000 «X verlangt. Die Interessenten haben sich, mit Ausnahme der Stadt Schotten, zur Leistung bestimmter (fixer) Summen verpflichtet; die Stadt Schotten hat den ganzen nicht gedeckt werdenden Rest übernommen. Da nun die Kosten der Geländestellung erheblich mehr betragen, als von der Stadt Scholten ursprünglich angenommen wurde, so ist es gekommen, daß diese Stadt von den durch die Interessenten aufzubringenden Kosten nunmehr über 50,000 JL zu tragen hat, eine Summe, welche für die kleine Stadt unoerhältnißmäßig hoch erscheint. An eine Abänderung der gesetzlichen Bestimmungen, auf denen die Beitragspflicht der Interessenten beruht, kann aus principiellen Gründen nicht gedacht werden. Dagegen ist die Staatskasse selbst als „Interessentin" anzusehen und kann sich billigerweise bei den Kosten der Geländestellung, b;zw. dem Baarbeitrag beteiligen. Schon in der Begründung de« Entwurf« zu dem Gesetz vom 14. Juli 1884 ist nämlich bei Art. 3 heroorgehoben worden, daß die Nebenbahn Nidda-Schotten auch für die ausgedehnten Domanialwaldungm de« Vogelsberg« von Bedeutung sein würde. In der That werden durch die fragliche Nebenbahn umfangreiche Domanialwälder dem Verkehre näher gerückr und e« steht zu erwarten, daß fich für diese Bezirke die von der Staatskasse, in welche die Domanial-Erträgniffe fließen, aus Waldproducten gezogene Einnahme nicht unerheblich erhöhen wird. Mit dieser Auffassung, daß von der Staatskasse als Interessentin der Nebenbahn Nidda-Schotten ein Beitrag, der dann lediglich der Stadt Schotten zu Gute kommen würde, zu leisten fei, haben fich auf dem letzten Landtag beide Kammern der Stände im Princip einverstanden erklärt (Prot. Zweiter Kammer vom 16. Juni, Erster Kammer vom 24. Juni 1887.) Es kommen im Rayon der Nebenbahn Nidda-Schotten ca. 5500 ha Domanialwald in Betracht. Ein Beitrag der Staatskasse al» Interessentin in Höhe von 15,000 erscheint den Verhältnissen angemessen. Berlin, 7. December. Der Kaiser empfing im Laufe de« Vormittag« den Oberhofmarschall Perponcher und den Wirkl. Geheimerath v. WilmoE unb machte Höchstberselbe Nachmittags eine Spazierfahrt. Um 4 Uhr erscheint ber StaatSsecretär Graf Herbert StSrnarck zum Vortrag. — Die „Nat.-Ztg." erhielt auf eine Anfrage bei Dr. med. Freund (Wien), „ob jetzt eine neue Behandlungsmethode (Zuckerentziehung) bei Sr. Kaiser!, und Kör.igl. Hoheit dem Kronprinzen angewendet würde uno ob darauf ein besserer Befinorn des Kronprinzen daraus zurückzuführen sei", folgende Antwort: „Die Zütungs-Nachrichten find un-ichttg unb durch diütetische Beschränkungen des Kronprinzen hervorgerufen." Dasselbe Blatt theilt zugleich mit, baß bie Anschwellung in den Unter- liefet di üfeu, bis in den letzten Tagen wieder zurückgegangen ist, mit dem Hals« leihen des Kronprinzen in keinem Zusammenhänge steht, sondern durch ein Zahn- leiden hervorgerufen ist, zu dessen Behandlung ber hiesige Hofzahnarzt Dr. Telschow nach San Remo berufen ist. Deutscher Reichstag. 8. Sitzung vom 7. December 1887. Aus der Tagesordnung stehen zunächst bie Anträge der Abgg. Munckel (fretf.) und Rtnlelen (Centr.) aus Entschädigung unschuldig Verurtheiller. Die Anträge unterscheiden sich dadurch, daß der Antrag Rtntelen auch eine Aenderung der Bestimmungen über die Wiederaufnahme des Verfahrens vorschlägt. Abg. Munckel erklärt, daß sich sein Antrag durchweg den vorjährigen Beschlüssen der Commission über diesen Gegenstand anschließe. Er selbst würde viel weiter gegangen sein. Jetzt, wo man das Princip, daß der Staat bei unverschuldeter Noth Abhülse zu schassen habe, durch das Altersversicherungsgesetz anerkenne, sei der Staat auch verpflichtet, Einen für unschuldig erlittene Strafen zu entschädigen. Redner cltlrt den Fall eines wohlhabenden Fabrikbesitzers, welcher abbrannte. Auf Betreiben der Gesellschaft, bei welcher er versichert, wurde er wegen Verdachts der Brandstiftung in Untersuchungshaft genommen. Sechs Monate war er in Untersuchung, dann wurde er sretgelassen. Inzwischen wurde der Coneurs über sein Vermögen erhärt und er verlor Alles, ohne daß ihm die geringste Entschädigung zu Theil wurde. Er werde nicht ruhen, als bis jede unschuldig erlittene Hast entschädigt werde. Abg. Rintelen hält nach den srüheren Verhandlungen des Reichstags Com- missionsbeiathung der Anträge nicht für nöthig, wünscht ober, daß ber vorjährige Commissionsbericht nochmals gedruckt vorgelegt werde. Sein Antrag in Bezug aus das Wiederausnahineoerfahren bezweckt, möglichst zu verhindern, daß die Freisprechung im Wiederausnahmeversahren auf Grund eines seit der Verurtheilung entstandenen non liqaet erfolge. Abg. Klemm (eons.): Im Princip bestehe Einverständniß über die Beschlüsse der vorjährigen Commission. Aber wenn man ein Recht formuliren wolle, so müsse man auch Ufte Grenzen ziehen, bis zu denen das Recht reichen solle und in dieser Beziehung lasten die vorliegenden Anträge doch große Bedenken bestehen. Abg. Kulemann (natl.) steht auf dem Boden des Antrags und will insbesondere, daß ein Rechtsanspruch, nicht nur ein Billigkettsanfpruch geschaffen werde. Erforderlich sei es aber, zu verhindern, daß diejenigen entschädigt werden, deren positive Unschuld nicht erwiesen sei. Der Antrag Rintelen sei aber insofern bedenklich, als er die Bestimmungen über das Wiederaufnahmeverfahren so nebenbei mit abändern wolle. Es bleibe hiernach nur der Weg, im Urtheil auszusprechen, ob die Freisprechung nur auf Grund mangelnder Beweise oder, weil sich die Unschuld des Angeklagten herausgestellt hat, erfolgt. Geh. Rath Lenthe erklärt, die Bundesregierungen seien der Meinung, daß die Entschädigung Sache der Einzelstaaten sei. Abg. Munckel wendet sich gegen das Bedenken, daß die Entschädigung an einen wirklich Schuldigen gewährt werden könnte. Solche non liquets, aus Grund deren im Wiederaufnahmeverfahren eine Freisprechung erfolgen könne, feien ungemein selten. Das Wiederaufnahmeverfahren werde überhaupt zu selten gewährt, weshalb man es nicht noch beschränken dürfe. Abg. Träger (freit) erklärt sich entschieden gegen den Standpunkt der Regierung, durch welchen die unschuldig Verurthetlten quasi auf den Gnadenweg gewiesen würden. So lange diese Frage nicht geregelt sei, fehle an der Krönung des Gebäudes der Socialreform ein wichtiges Glied. Die Debatte wird geschlosten, Commissionsberathung ist nicht beantragt und somit findet die zweite Lesung direct im Plenum statt. Es folgt die erste Beralhung des Antrags Munckel auf Verweisung der politischen unb Preßvergehen vor die Geschwornengerichte. Abg. Munckel verwahrt sich dazegen, daß der Antrag ein Mißtrauensvotum gegen den Richterstand sein solle. Er sei schon zur Zeit der sog. Kreisrichlerkammern gestellt worden, also zu einer Zeit, da gegen den Richterstand liberalerseits gewiß keine Bedenken bestanden. Aber die Beamten ständen unter der Autorität der Regierung und gäben derselben nach. Gerade jetzt mache sich dies geltend; es ziehe überall so etwas wie militärischer Geist durch, Jeder fühle sich zuerst als Premier- oder Seconde- lieiitenant der Reserve. Redner exemplificirt auf eine Anzahl Processe der letzten Zeit wegen Beleidigung des Reichskanzlers, von Staatsanwälten rc., welche schwere Bestrafungen zur Folge gehabt, während Freisinnige mit Beleidigungsklagen gegen Beamte abgewiesen worden seien. Eine große Ueberraschung habe ihm und seinen Freunden die neue Definition des Begriffes „geheime Verbindung" bereitet. Danach sei es ihm zweifelhaft, ob nicht auch die Ehe mit ihren intimen Vorgängen als „geheime Verbindung" aufzufassen und strafbar fei. Aehnlich sei es mit dem Begriff „grober Unfug." Man begehe denselben jetzt schon durch Veröffentlichung sensationeller Nachrichten. Er bitte, den Richter in der Ausübung seines Berufs nicht an die Politik zu erinnern und deshalb bie politischen Vergehen vor bie Geschworenen zu »erweisen. Abg. Dr. Hartmann (coni.): Vom Standpunkte des Vorredners aus betrachtet sei dessen Antrag auf der einen Seite nicht umfassend genug, nach der anderen zu weitgehend. So würden Zuwiderhandlungen gegen das Dynamttgesetz mit aufzunehmen, eine Anzahl von Vergehen durch die Presse auszuschließen sein. Was die Urtheile wegen Zugehörigkeit zu geheimen Verbindungen anlangt, io habe ja das Chemnitzer Landgericht auf Freisprechung erkannt. Das Reichsgericht habe das Urtheil wieder umgestoßen. Was soll denn gewonnen werden, wenn den Landgerichten diese Proteste entzogen werden? Schließlich seien die Geschworenen auch Menschen und menschlichen Erwägungen und Empfindungen zugänglich. Dazu komme die große Belastung, die den Geschworenengerichten durch den Antrag Munkel erwachsen würde. Die Geschworenen würden schließlich das ganze Jahr in Function sein müssen und wir würden an Stelle ber angestellten Richter gewohnheitsmäßige Geschworene erhalten. In dem oor- geschlagenen Umfange seien die Geschworenengerichte noch nirgends in Anspruch genommen. Die Mehrheit des deutschen Volkes sei mit dem jetzigen Zustande zufrieden und verlange keine Aenderung. (Beifall.) Aba. Dr. Wind 1 horst hält eine Erweiterung der Competenzen für sehr wünschenswerth, da der Berufsrichter leicht verknöchere. Auch seien die staatsanwalt- schaftliche und bie richterliche Sarribre mehr getrennt zu halten. In ber Bevölkerung, namentlich auf bem Lanbe, sei man allerbings einer weiteren Belastung ber Geschworenengerichte wenig geneigt. Die Weiterbcrathung wirb vertagt. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Einführung ber Gewerbeorbnung in Elsaß- Lothringen, nichtöffentliche Gerichtsverhandlungen. Telegraphische Depeschen. Wolff'S tekgr. Bureau. Berlin, 7. December. Getreidezoll - Commission. Bei der fortgesetzten Be- rathung über den § 1 ber Regierungsvorlage wurden die Anträge Ow's, den Buch- weizenzoll auf 5, den Zoll für Hülsenfrüchte auf 4, für Gerste auf 3 JL festzusetzen, abgelehnt, ferner lehnte man die in der Regierungsvorlage vorgeschlagenen Zollsätze für Buchweizen, Hülsenfrüchte, Gerste, Raps und Rübsaat ab. Von einer Abstimmung über die übrigen Zollsätze wurde, so lange noch kein definitives Resultat über die Hauptsächlichsten Getreidearten sich ergeben hat, abgesehen. Die Commission begann darauf die Beralhung des Hammacher'schen Antrags wegen Aufhebung des JdentitätL * ] nachweises und vertagte schließlich die Weiterberathung dis Freitag. Pari-, 7. December. Präsident Carnol berief heute Nachmittag Falliercs und offerirte thm die Cabinetsbildung. Fallieres lehnte ab, indem er sich auf fernen Gesundheitszustand berief, sowie auf den Mangel genügenden Ansehens, um die Verantwortlichkeit der Regierungszewalt auf sich zu nehmen. — Der „Agence Havas" zufolge meinen indessen Fallieres Freunde, er werde hoch annehmen. Sollte Fallieres bei der Ablehnung beharren, so gilt es für wahrscheinlich, daß Carnot Gablet berufen wird. — Fallieres lehnte endglltig die Bildung des Cabinets ab. Carnot ließ darauf Gablet zu sich entbieten. Wien, 7. December. Anläßlich der Meldung eines hiesigen Blattes, daß an die russische Regierung von interejfirkn Mächten eine diplomatische Anfrage betreffs der auffallenden Truppenoerstärkungen an ber Grenze ergangen sei, kann das „Fremben- blatt" auf Grunb authentischer Informationen versichern, daß von einem solchen Schritte in hiesigen maßgebenben Kreisen absolut nichts bekannt sei. London, 7. December. Der „Standard" bringt einen Artikel über die Zusammenziehung russischer Truppen ander österreichischen Grenze, den er mit folgender Bemerkung schließt: „Wir können ungeachtet aller Besorgnisse vor einer bevorstehenden Collision nicht umhin, zu glauben, baß in ber bekannten Stärke unb in ben friedfertigen Absichten Deutschlands die sicherste Gewähr gegen eine Störung des europäischen Friedens zu finden ist." Lokales. Gießen, 8. December. Nachverzeichnete Lehrlinge sind bei der diesjährigen Lehrlingsardetten-Ausstellung in Darmstadt ausgezeichnet worden (Sammelstelle Gießen): Note 1, für vorzügliche unb sehr gute Leistungen. 1. Euler, Gottfried, von Daubrlngen, Eisengießer unb Former in ber Main- Weser-Hütte ber Buberus'schen Werke in Lollar. 2. Brasch, Philipp von Gießen, Maschinenbauer in der Werkstätte der Ober- hessischen Eisenbahn in Gießen. 3. Lehr, August, von Arnsheim, Bäcker bet Herrn W. Löber in Gießen. 4. Wißner, Peter, von Londorf, Bäcker bei Herrn Ehr. Faß in Gießen. Note II, für gute Leistungen. 1. (Silber t, Louis, von Leihgestern, Schreiner bei Herrn W. Müller in Gießen. 2. Horn, Karl, von Gießen, Schreiner bei Herrn Ferd. Kreiling in Gießen. 3. Sommer, Georg, von Gießen, Schreiner bei Herrn K. Köhler in Gießen. 4. Bose, Wilhelm, von Gießen, Schlosser bei Herrn Just. Kreiling in Gießen. 5. Vogel, Karl, von Gießen, Schlosser bei Herrn Karl Stohr in Gießen. 6. Weiß, Heinrich, von Gießen, Schlosser bei Herrn Karl Krailing in Gießen. 7. Becker, Heinrich, von Mainzlar, Eisengießer und Former in der Main- Weser-Hüne in Lollar. 8. Zipp, Gg. Conrad, von Niederhausen, Eisengießer und Former in der Main-Weser-Hutte in Lollar. 9. Karden, Heinrich, von Ruttershausen, Eisengießer und Former in der Main-Weser-Hütte in Lollar. 10. Bauer, Wilhelm, von Lollar, Fein-Mechaniker bei Liebrich's Nachfolger, Herren Gebr. Schmidt in Gießen. 11. Gailfuß, Fritz, von Gießen,. Fein-Mechaniker bei Liebrich's Nachfolger in Gießen. 12. Vogt, Ludwig, von Gießen, Schmied bei Herrn Th. Vogt in Gießen. 13. Braun, Ludwig, von Daubringen, Bäcker bei Herrn M. Lenz in Gießen. 14. Rohrbach, Karl, von Gießen, Schuhmacher bei Herrn C. Berg in Gießen. Note III, für befriedigende Leistungen — lobende Erwähnung. 1. Pfeiffer, Karl, von Gießen, Tapezier bei Herrn Th. Brück in Gießen. 2. Stückrath, Karl, van Gießen, Tapezier bei Herrn L-tückcath in Gießen. 3. Aff, Ludwig, von Gießen, Schlosser bei Herrn C. Stohr in Gießen. 4. Weißbäcker, Max, von Gießen, Schlosser bet Herrn C. Stohr in Gießen. 5. Schmidt, Ludwig, von Lollar, Eisengießer und Former in der Main- Weser-Hütte in Lollar. 6. Schad, Ernst, von Gießen, Fein-Mechaniker bei Liebrich's Nachfolger in Gießen. 7. Faber, Karl, von Gießen, Spengler bei Herrn C. A. Faber in Gießen. 8. Dietz, Adam, von Gießen, Elfenbeinschnitzer bei Herrn K. Schwan in Gießen. Es sind somit mehr wie die Hälfte der eingelieferten Arbeiten prämiirt worden. Gießen, 8. Decbr. (Theater.) Daß die Darstellungen ber Rudolp h'schen Gesellschaft sich bereits die vollen Sympathien unseres kunstliebenden Publikums erworben Huben, beweist der anhaltend gute Besuch der Vorstellungen. Die bis jetzt gegebenen Stücke zeugten von gutem Geschmack und sorgfältigster Einstudirung. Der vielfach gespendete Beifall hat auch die allgemeine Anerkennung am das Lebhafteste ausgedrückt. In dem flotten Ensemble hatten brs jetzt besonders Gelegenheit sich her- vorzuthun: Fräulein Franziska Rottmeyer, deren herzgewinnende Natürlichkeit die Zuschauer im Sturme erobert und Herr Heinrich, dessen liebenswürdige Komik immer eine freudige Stimmung beim Publikum hervorruft. Auch Herr Hooffacker ist ein eleganter Darsteller von Liebhaberrollen, dem sich die Herren 'Kreißel und Klein würdig anschließen. Die Damen Frl. Bauer und Frl. Selma Hesse sind in Erscheinung und Spiel sehr sympathische Erscheinungen. Für ältere Charakterrollen gefällt die geistvolle Darstellung durch Frau Buiffon ganz ausnehmend, während die Herren Wotfch und Gittermann treffliche Repräsentanten der derberen Komik sind. Alles in Allem, untere Künstlerschaar verfügt über exquisite Kräfte, welche unter der energischen Regie des Herrn Rudolph uns noch manche genußreiche Ausführung bereiten werden. ß. Vermischtes. Darmstadt, 6. December. (Ehrengeschenk.) Wir lesen in der „Krz.-Ztg." Bei dem Scheiden Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Heinrich von Hessen und bei RhKn aus ber Stellung als Commandeur der Großh. Hess. (25.) Division tm Juli ds. Js. wurde unter den Officieren, Sanitäts-Osficieren und Beamten des Großh. Hessischen Kontingents allseitig der Wunsch laut, Sr. Großh. Hoheit als „sichtbares Zeichen ihrer tiefen Verehrung und Dankbarkeit" ein Ehrengeschenk zu widmen. Eine alsbald zur Feststellung und Beschaffung desselben berufene Commission bestimmte als Gabe einen silbernen Tafelaufsatz, zu dessen Ausführung einem bewährten Meister fehr sinnig und glücklich gewählte Motive gegeben wurden. Der harmonifche, künstlerische und durchaus vornehme Eindruck, den das fertiggestellte Kunstwerk im Ganzen gewährt, wie auch die durchweg sorgsame unb elegante Ausarbeitung im Kleinen legt berebteS Zeugniß ab von bem außer orbentlich.n Fortschritt bes vaterländischen KunstgewerbeS in den letzten Jahren. Aus einer silbernen, innen vergoldeten, auf vier Löwentatzen ruhenden Sckale, welche zur Aufnahme von Blumen dient, erhebt sich eine Säule, welche den hessischen Löwen trägt, der das in Email ausgeführte Wappen Sr. Großh. Hoheit hält. Auf dem Postament der Säule stehen, dieselbe flcnfiicnb, als Vertreter der Division vier Soldatengestalten, nämlich: 1 Gardist des 1. Großh. Hess. Jnfanterie- (Leibgarde)-Regiments Nr. 115 mit dem neuen Gewehr; ein Landwehrmann des 3. Großh. Hess. Infanterie Regiments (Leib Regiment) Nr. 117; der Stabstrompeter des 2. Großh. Hess. Dragoner-Regiments (Leib-Dragoner-Rcgiment) Nr. 24 mit der Trompete, an der sich eine Standarte befindet (Se. Großh. Hoheit hat in diesem Jahre, bei Gelegenheit des 25jährigen Jubiläums, als zweiter Inhaber des Regiments letzterem eine Trompetenstandarte verliehen); ein Feld - Artillerist des Gr oßh. Hess. Feld-Artillerie-Regiments Nr. 25 (Großh. Artillerie-Corps) mit einer Granate jum Laden bereit. Auf dem vorderen der durch diese vier Soldaten gebildeten Felder ber Säule ist bie Wibmung: „Dem scheidenden Commandeur, Seiner Großh rzoglichen Hoheit, General ber Kavallerie, Heinrich, Prinz von Hessen unb bet Rhein, die Groß- herzoglich Hessische (25.) Division" angebracht, während auf den drei anderen Flächen 1 die Schlachten und Gefechte, an welchen Se. Hoheit in den Feldzügen 1864, 1866 und j 1870—71 theilgenommen hat, verzeichnet sind. An den vier Seiten des Sockels ; befinden sich in korrekter Ausführung die Seiner Großh. Hoheit verliehenen Haupt- Kriegsordcn: der Orden Pom le merite, das Eiserne Kreuz 1. Classe, das hessische Militär-Derdienst-Kreuz und der russische St. Georgen Orden 4. Klasse. Am 28. November, dem Geburtstage Sr. Grohh. Hoheit, wurde von Hochstdemselben eine Deputation von Officieren, Sanitätsofficieren und Beamten des Großh. Hess. Kontingente empfangen, welche Sr. Großh. Hoheit unter Darbringung der Glückwünsche zum Geburtstage das Geschenk überreichte. Hierbei wurde zum Ausdruck gebracht, wie Höchstderselbe stets seinem Berufe und in schwerer Stunde der selbst gewählten Standarte getreu, in Krieg und Frieden sich als ein Vorbild gewissenhaftester Pflichterfüllung erwiesen, und daß die Angehörigen des Kontingentes ihrem bisherigen, schneidigen, ritterlichen und wohlwollenden Kommandeur allezeit unwandelbare Dankbarkeit bewahren würden. Seine Großh. Hoheit dankte in warmen, herzlichen Worten für das „schöne und sinnige Geschenk", wie auch für den Ausdruck der unveränderten Anhänglichkeit der Division, welcher seinem Herzen sehr wohlgethan habe. A Mainz, 7. December. Die seil längerer Zeit hier bestehende Theaterkrisis har nun endlich ihr Ende erreicht. Unter Hinterlegung der stipulirten Kaution wurde gestern zwischen der Stadl und Herrn Albert Schirmer der Vertrag unterzeichnet, wodurch dem Letzteren auf drei Jahre die Direction des hiesigen Stadttheaters übertragen ist. A Mainz, 7. December. Hier sind schon verschiedentliche Projecte gemacht worben, eine Gesellschaft zu gründen, die den Zweck haben sollte, auf einem geeigneten Terrain der Neustadt billige Arbeiterwohnungen zu erbauen. Diese Projecte scheiterten aber alle, weil keine Kapitalisten die benötigten Mittel dazu hergeben wollten. Kben haben nun wieder einige Personen die Ausarbeitung eines solchen Projectes übernommen, denen es auch an den nötigen Kapitalien nicht fehlt und erscheint darum die Ausführung dieses Planes ziemlich gesichert. Man hat vorerst den Dau von vier geräumigen Häusern in Aussicht genommen und hierfür das der Stadt gehörige Gelände oberhalb dem neuen Zollhafen auf dem angeschütteten Rheinufer in's Auge gefaßt. Das Baukapital soll in Aktien repartirt und zu 4 pKt. verzinst werden. Die Mielhen sollen derart angesetzt werden, um diesen Zinsfuß zu erzielen und noch einen entsprechenden Betrag als Reservefonds zurücklegen zu können. Da die Gesellschaft keinerlei Geschäft machen, sondern ausschließlich der Allgemeinheit dienen will, hofft dieselbe bet der Terrainerwerbung bet der städtischen Verwaltung Entgegenkommen zu finden. A Mainz, 7. December. Die vor einiger Zeit wegen Unterschlagung und verschieoener Betrügereien flüchtig gegangenen aber alsbald verhafteten zwei Angestellten der Lederfabrik von Dorr u. Reinhardt in Worms, der Buchhalter Hamm und der Kommis Balz, hatten sich heute vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Hamm ist geständig, Beträge von 200, 240, 408 und 500 X sich angeeignet und 1477 X unterschlagen zu haben. Der Mitangeklagte Balz gibt zu, Lederabfälle verkauft und den Erlös für seine Zwecke verwendet zu haben. Tas Urtheil gegen Beide wird in nächster Strafkammersitzung gesprochen. A Mainz, 7. December. Da der hier vor der Stadt angelegte Längekanal bei dem letzten Hochwasser sich vollständig bewährt und die Stadt wasserfrei gehalten bat, hat die gegenüber liegende Gemeinde Kastel den Bau eines ebensolchen Kanals auch in's Auge gefaßt. Die Anlage des neuen dortigen Festungsabschlusses und der in Angriff genommene Umbau des Bahnhofs geben zu der Kanalanlage die beste Gelegenheit, weßhalb der Kasteler Gemeinderath gestern beschlossen hat, die Vorarbeiten und Kostenooranschläge für einen Längekanal anfertigen zu lassen. Worms, 6. December. Auf dem Hofgute Nonnenhof unweit hiesiger Stadt brachen heute Stacht mehrere Hunde in einen Schafpferch ein, zerrissen eine Anzahl Schafe, während andere in Folge Durcheinanderjagens erdrückt wurden. Im Ganzen wurden heute Morgen 28 Stück tobt aufgefunden. Literarisches. — Paul Heyie's Novelle: „Villa Falconieri", die im dritten Hefte (Nr. 5 und 6) des neuen Jahrganges van „lieber Land «nd Meer" (Deutsche Verlags- Anstalt, Stuttgart), ihren Abschluß erreicht, gebärt ohne Zweifel zu den interesfantesten Schöpfungen, die feine mit Vorliebe in Eharakterzeichnungen aus der römischen Kam- pagna sich versenkende erzählende Muse hervorgebracht hat. Die Tiefe der Seelenmalerei und die Brillanz der Darstellung hat mit diesem Heyfe'scheu Werk auch der gleichzeitig in genannter Zeitschrift zum Abdruck gelangende Roman „Zwei Seelen" von Rudolvh Lindau gemein, der — in bretteren Zügen angelegt — von Abschnitt zu Abschnitt höhere Steigerung zeigt. Außerdem behandelt dieses 3. Heft in Bild und Wort eine Reihe ebenso zeitgemäßer als gewichtiger Stoffe in einer Weise, die des allgemeinsten Interesses sicher ist. Da finden wir treffliche, zum großenZTheil reich illustrirte Artikel über die Samoainseln und über die großartige Ruinenwelt von Spalato und Salona, über einzelne große Männer der Gegenwart und Vergangenheit, die durch das augenblickliche Interesse ober durch die Feier von Erinnerungstagen uns zur Zeit besonders nahe gerückt erscheinen, über Jagdzüge und Humanitätsbestrebungen, neue Bauten und neue, weltbewegende Erfindungen, über deutsche und fremdländische Literatur rc. Die künstlerische Ausstattung ist vom malerisch wirkungsreichen Voll- feitenbild bis zur zierlichen Textillustration von höchster Vollendung. _ „„ Geschenkliteratur. Fünf reizende Zierden für den Weihnachtstisch hat Helene Stoll geliefert. Wir erwähnen davon zuerst die geistreiche und fesselnde Plauderei „Äug' i« Ange" (Leipzig, K. A. Koch's Verlag, Prachtband, Preis 2.40 X), welche auf dem Tische keiner Dame fehlen sollte. Daran reiht sich würdig Helene Stökl's allerliebstes Büchlein „Gr, Sie und GS" (K. A. Koch's Verlag, Leipzig, Preis in Prachtband 2.40 X). Dieses Merkchen behandelt für den Braut- und Ehestand ein Thema in der glücklichsten Weise und bietet eine ebenso interessante als lehrreiche Lecture. Dazu bietet Helene Stökl ein prächtiges Seitenstück „Unsere «leine«". Eine Plauderei für die Großen (K. A. Koch's Verlag, Leipzig, Prachtband, Preis 3 X). Diese Plauderei zeugt von einer herzgewinnenden Beobachtungsgabe und fand überall Beifall. In einem Büchlein „Unterm WeihnachtSbaum" (Leipzig, C. A. Koch's Verlag, Preis eleg. geb. 2.40 X), schildert Helene Stökl in ebenso würdiger als anmuthiger Weise das Weihnachtsfest in seiner sittlichen xnb poetischen Bedeutung. Dieses Büchlein dürfte dazu angethan sein, bei jedem Leser die Weihnacht?- fteude zu crhöhen. Mit einem fünften Büchlein, dem „Herzens-Kalender" (ebenfalls K. A. Koch's Verlag, Leipzig, Prachtband, Preis 3 X), btetet endlich Helene Stökl allen Damen eine der sinnigsten Gaben. Der mit Den gewähltesten Aussprüchen deutscher, englischer und französischer Dichter geschmückte „Herzens-Kalender" zeichnet sich zumal durch ein sehr feinfühliges Perständniß für die Frauenliteratur aus und weiß auf stimmungsvolle Art die Dichterstellen aus dem Leben und Lieben der Frauen, wie zu den einzelnen Jahreszeiten in Beziehung zu setzen. — Jetzt bei dem Austauchen der marokkanischen Frage bietet Alfred Stelzner im neuesten Heft der „Jllustrirteu Welt" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) einen hochinteressanten Arirkel, der uns auf's eingehendste von der farbenbunten, seltsam unheimlichen Welt dieses Stücks des Orients unterrichtet. — Ueberhaupt bietet die „Illustrirte Welt" in diesem Jahrgang Außerordentliches. Der Roman „Die Tochter des Kapitäns" von Rosenthal-Bonin ist so voll Leben, so spannend, enthält so viel ganz eigenartige, humoristische wie tiefernste ©eenen und ist dabei so belehrend, daß wir ein Erzählungswerk ersten Ranges darin erblicken müssen; ebenso fesselt und interessirt die Leser der seit Kurzem begonnene Roman von Gregor Samarow: „Die Ritter des deutschen Hauses", welcher dem Leser ein großartiges Bild deutscher Vergangenheit aufzurollen scheint. An kleineren Artikeln gefallen uns noch besonders ,5Die Schilderungen der Rew-Aorker Polizei (mit Bildern), des „Frauenstudiums in Rußland", die „Erinnerungen aus den Feldzügen von 1866, 1870 und 71" mit Illustrationen von H. Lüders und die Beschreibung der originellen Riefenschildkröten mit prächtiger Abbildung aus der Feder des bekannten L. Martin. Die Bilder sind der Reichhaltigkeit und Gediegenheit des Textes angemessen, so daß die „Illustrirte Welt" zu unseren besten und in Anbetracht des Preises von nur 30 Pfg. pro Heft auch zu den billigsten Familienjournalen unbedingt gerechnet werden darf. handel und Verkehr. Limburg, 7. December. Rother Wetzen pro Malter X 14 60, weißer Weizen X —, Korn X 1015, Gerste X 9 30, Hafer X 5.75, Erbsen X 00.00 Kartoffeln X 0.00. , Frankfurt, 7. December. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln per Malter X 340-3.80, das Gescheit» 12-00 H, Eier das Hundert X 0.00-0.00, das St- 6—8 Butter im Großen X 00.00—00 00, im Detail bas Pfund X 1.00 bis 1.20, Weißkraut per Stück 15-25 H, Rothkraut per Stück 20—30 K Kohlrabi per Stück 3—4 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 Kalbfleisch 45—55 H, Schweinefleisch 65-75 H, Hammelfleisch 40-65 H, 1 Hahn X 0.70-1.50, 1 Huhn X 1.00—1.80, 1 Ente X 2.00-3.00, Gans Pfund 50—65 H, 1 Taube 35-60 H, Welsche X 10 00—1200. gtyrtti AI Hauptorgan dernat.-liberalenPartei Süddrutsch- lands. Es ist dem neuen Verleger gelungen, eine Anzahl hervorragender Parteimitglieder zur Bildung eines politischen Beiraths zu gewinnen, welcher sich die Aufgabe stellt, die engere Fühlung des Blattes mit der Partei zu pflegen. 8873 Mehr und mehr finden bei Aerzten und in Anstalten die Sodener Mineral-Pastillen gegen Katarrhe der Athrnungs- und Berdauungsorgane Eingang und die Zeugnisse über gute Wirkung häufen sich, deßhalb sollten in feiner Familie die so schnell berühmt gewordenen Pastillen (erhältlich in allen Apotheken ä 85 die Schachtel) fehlen. Man beachte folgende Zuschrift aus Kassel: Sehr geehrter Herr! Seit drei Jahren leide ich an einem chronischen Lungen- und Magenkatarrh. Alle bis jetzt angewandten Mittel führten keine Besserung herbei, da ich fortwährend den hartnäckigsten Rückfällen ausgesetzt bin. Vor Kurzem brauchte ich einige Schachteln der unter ärztlicher Kontrole bereiteten Sodener Mineral-Pastillen. Seit dieser Zeit ist eine wesentliche Erleichterung meines liebel? eingetreten, io daß ich hoffe, bei fortwährender Anwendung eine dauernde Wirkung zu erzielen. Mit größter Hochachtung gez. Wilh. Walbrach. 6950 Gotlksdicrist der israktitischen RrligionsgeskUschsfl. Freitag Abend 340 Uhr, Samstag Vormittag 8i0 Uhr, Samstag Nachrn. 3M Uhr, Samstag Abend 440 Uhr. Allgemeiner Anzeiger. J, II. Fahr, Sonnenstrasse 25 empfiehlt in großer Auswahl: Angeklridete Puppen, Puppengestelle in Stoff u. Leder, Gelenkpuppen in allen Größen, Puppenköpfe in Patentmaffe, Holz u. Porcellan, mit u. ohne Frisuren, Arme und Beine, Schuhe und Strümpfe, Puppenhüte, sowie sämmtliche Puppensachen. Ms nützliches Weihnachtsgeschenk zur Forderung und Erhaltung der Gesundheit eignen sich Badewannen, Badeöfen, Waschtoiletten etc., wackle am 7., 8., 9. und 10. d. M. unter Fabrikpreisen Seltersweg 22 ausverkauft werden. ______________________________________________________ Pelz-Waarew Eine neue Sendung schwarze Dawenruuffe in prima Ausführung per Stück nur 2 X 9140 Fh.. EUingsr. Frische Schellfische 9147 bei Carl Schwaab« Folster-Möbel aller Art, Stühle, Spiegel, Tischdecken, Bettvorlagen, Gardinen, Treppen- und Stubenläufer 9133 empfiehlt zu den billigsten Preisen Ce NkU^ädl 33. Die Anfertigung von Weihnachtsgeschenken wird billigst ausgeführt. Vestes und praktifchsteS WeihrrachtSgefcheuk! Unentbehrlich für jede Haushaltung. Leinwand-Mangelmaschinen auf Nollen fahrbar, ganz aus Gußeisen, mit la. garantirten englischen Holzwalzen empfiehlt 9126 Wctzlm-, Wilh. Momma. Baumlichter in allen Größen und Qualitäten empfiehlt billigst die Seifen- Licbterfabrik j P. Jon« IflöbN. __________Mäusburg.______9121 Billigste Reste für «leider und Schürzen 3 Teufelslustgärtchen 3 Elsässer Reste-Verkauf. 9130 Für Valle empfehle Neuheiten in Tüllen, Spitzen Spitzen Dorants, sowie Ballblumen in großer Auswahl. 9138 A Fangmann- EinGarten, platz geeignet, zu verkaufen. Näheres in der Exped. d- Bl- 9142 Dienstag den 20. Dezember, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Johanne» Schmitz Eheleuten gehörigen Immobilien: ^lur I Nr. 77 — 44 Meter Grabgarten aus die Bach, I Nr. 78 — 44 Mtr. Hofraithe das-, _ I Nr. 79 — 25 Mtr- Hofraithe das-, „ I Nr. 80 — IV Mtr- Grabgarten das., „ I Nr. 81 — 19 Mtr. Hosraum mit Werkstätte das-, , I Nr. 82 —19 Mtr. Grabgarten das., „ II Nr. 16 — Bleichhaus am Wismarer Weg und an der Lahn- „ H Nr- 86 - 2112 Mtr- Acker, Lap- gärten, stoßen auf die Bleiche, _ II Nr. 87 — 2238 Mtr- Acker das-, _ II Nr. 88 — 662 „ „ II Nr. 89 — 650 „ „ II Nr. 90 - 650 „ „ „ „ II Nr. 91 - 1288 , , , „ II Nr 92 — 575 , „ , „ II Nr. 93- 512 , „ , , II Nr. 93a — 1050 „ Wiese , , II Nr. 91 — 675 „ Acker , „ II Nr. 94a — 700 „ Wiese „ , II Nr. 95 — 981 „ Acker , „ II Nr. 96 — 1962 „ Wiese , , II Nr. 99 - 550 „ „ XVI Nr- 60 — 813 Mtr. Acker auf der Hohleiche gegen der Leimenkaute, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 8- Dezember 1887. Großh. Ortsgericht Gießen. Lüdeking. 9145 Im Auftrag: DienStag, den 13. December, von Nachmittag» 2 Uhr an, im Bramm'schen Locale, Neustadt 55, Fortsetzung der Waarenverstetgerung, als: Schürzen, Kaputzen, Hauben, Jacken, wollene Tücher. Eiswoll- tücher, Hindcrkleidchen, ge- häkelt und in Stoff, Pelzkappen für Knaben und Mädchen, woll. Damenkragen, Damen» u. Kinderjacken, gestrickte Winterhandschuhe, Kops« u. Umhangtücher, weiße Damen- u. Kinderkragen re. Elegante Kinder- und Damen - Wintermäntel, Tischdecken und Bettvorlagen. Die Waaren empfehlen sich auch für Wiederverkäuser, besonders wollene Hauben und Tücher. Louis Rothenberger, 8974 Auktionator. Freitag, den 9. d. M., Nachmittags 2 Uhr, in der früher Bramm'schen Hofraithe dahier sollen gegen Baarzahlung öffentlich versteigert werden: 1 Cassaschrank, 1 Ptanino, 1 größere Quantität Wolle, 10 Bände Brehm's Thierleben, 1 Büffet, 1 Verticow, 10 Wirthstische, 1 Handkarre, 3 Kleider- und 2 Küchenschränke, Sopha's, 2 Kommoden, Spiegel, Bilder rc. Gießen, den 6. December 1887. Engel, 9116 Gr. Gerichtsvollzieher. Jeikgeöolenes. Corsetten und großer Auswahl empfiehlt billigst 9137 A. Fangmann. Täglich frische flüssige Kunsihese, nicht bitter, zuverlässige, anhaltende Triebkraft, daher mit Bierhefe nicht zu verwechseln, empfiehlt Gg. Müller, £efe; fabrik, Gr. Mühlgasse 23. 9141 Neue Mandeln, Rosinen. Corinthen, Sultaninen, Citronen, Apfelsinen, Feigen, Datteln rc ; ebenso I. Blüthenmehl, Raffinade, Zimmt, Citronctt und Orangeat billigst bei E. G. Kleinhenn. Täglich: la. Schellfische, Zander, Bücklinge, Lachs und Sprotten. 9136 Waschbntten in großer Auswahl billigst bei L. Kohlermann, 9127 12 Bleichstr. 12. la. Ochsenfleisch, p3sT heute Donnerstag und morgen Freitag -u haben Wallihorstratze 36. [9128 empfehle billigst. 9139 BERLIN 0 9125 bei Herrn 8. Elsoffer in Giessen. Offerte! feinst Cölner Raffinade, selbst gestoßen, feinstes Blüthenmehl, neue süße Mandeln, gemahlene Mandeln, bittere Mandeln, Corinthen, Rofineu, Sultaninen, Orangeat, Citronat, Ceylon-Zimmt, Vanille, Citronen, Apfelfinen, franzöfische Wallnüsfe, Sieilianer Hafelnüffe, Datteln und Feigen Eduard Fuckert. Neuen Baue 11. Centrale Cassel (mit Weinstube &Restaur.) St. Marlinsplatz 1. Niederlage zu Originalpreisen Oswald j^ier Hauptgeschält [N° 108 Junge fette Gänse Graue Bettfedern Gute kräftige Gänsefedern „ n Halbdaunen Extra prrma Halbdaunen Prima Daunen fetur- ^Weinet JL 0,55 p. Pfd- „ 1-30 , „ , 2—„ „ , 2.50 , , , 3—, „ ff 3.50 „ e vers. i. doppettgerein. staubfr. Waare frc. geg. Nachn. Nichtcono. F. u. Daun, nehme frc. zur 9144 A. A. Ursell, Attendorn i/Westfi, Lebendfrifche Schellfische, div. Mutz- und Seefische, Bratbückinge, Sprotten, div. Delikatesten empfiehlt in frischen Sendungen A. Koch Nacht*., 9143 Hamb. Fisch- und Delicatessen-Handlung. von 12—25 empfiehlt in großer i Auswahl 9135 I G.W. Schneider,! 21 Marktftr.21. \ Ich bringe meinen Rheinwein von 35 bis 70 $ per t/r Liter, in empfehlende Erinnerung, für dessen Reinheit ich garantire. Bei Abnahme von mindestens 12 ! Liter 5% u. bei mindestens 40 Liter ! 10% Rabatt. Fh. Bauer II., ’ 135 Bahnhofstraße 57 Renten- u. Lebensversicherungs-Anstalt ;u Darmstadt. Von heute ab bis Ende December werden die Renten an jedem DienStag und SamStag, Vormittags von 9—12 und Nach- mittags von 2—4 llbr, in meiner Wohnung (Bahnhofstraße 64) gegen Einhändigung der 1887er Coupons ausbezahlt; auch können Nachzahlungen geleistet werden- Gießen, den 3. December 1887. Der Bevollmächttgte: I. Ph. Müller. Ausverkauf. Wegen Geschäftsaufgabe verkaufe säwmtliche Artikel zu Fabrikpreisen. Günstigste Gelegenheit zu WeihuachtSetnkäufen. Fr« Zülch Wwe., 8850 SelterSweg 14. 9146 Ein Familienlogis zu vermiethen. Bahnhofstraße 32. Die Handschrift meines Sohne? Otto hat sich nach 4stündtgem Unterricht so gebessert, daß ich nicht anstche, die Methode des Herrn Kalligraphen Gottlieb bestens zu empfehlen. Gießen, den 7. December 1887. Dr. p. Helmolt. Da ich noch bis kurz vor Weihnachten hier bleibe, so theile ergebenst mit, daß ich noch Meldungen zum Gchönschreibunterricht von Damen, Herren und Kindern im Hotel z Prinz ICarl annehme u. garantire, 'in nur 5 Lectionen die besten Erfolge zu erzielen. 9129 O. Gottlieb, Kalligraph. Wohnung gesucht von 7—8 Zimmern event. ganz. Haus, mit Garten, im südwestl. Stadttheil- Off. 1 X. bef. die Exped. d- Bl- 9132 4904] Zinn, Blei, Kupfer, Eisen, Mesfing, Gutz u. s. w. kauft zu den höchsten Tagespreisen LouiS Rothenberger, Neuenweg 22. ----- A Specialität: Kaffee Q 53 Neues Theater in Giessen. Cafe Leib. 9131 Freitag Pen y. December 1887: J Zum ersten Male: Ein Tropfen Gift. Schauspiel in 4 Akren von Dr. Oskar Blumenthal. Personen: Lothar, Freiherr von Mettenborn Max Hooffacker. Prinz Karl Emil Hugo Fischer. Erwin v. Weidegg Alwin Gittermann. Hertha, seine Gattin Margaretha Bauer. Liddy, ihre Schwester Franz. Rottmeyer. Albrecht, Graf Dahlberg Julius Rudolph. GeheimrathFabricius Adolf Klein. Oberst Wendlingen Otto Woisch. Lieutenant Bruno, sein Sohn Richard Kreißel. Baron Brendel Max Heinrich. Assessor von Drewitz Otto Brenner. Präsident Lehnhardt Bruno Herms. Baronin Breitenbach Franziska Buisson- Franziska Selma Hesse. Diener Ludwig Mantel. Anfang ganz präciS 8 Uhr. Billets sind zu allen Plätzen vorher nur in der W. Ferber’schen Unioersitätsbuch- handlung zu haben. SamStag den 10. December 1887: Sckülervorfiellung: Der Königslieutenant. Lustspiel von Gutzkow. Anfang 6 Uhr. Ein Schülerbillet kostet 50 Pfg. Gießen, den 8. December 1887. 9134 Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, daß unser Söhnchen Heinrich im 6- Lebensjahre heute sanft verschieden ist. Um stilles Beileid bitteu K. Andernach und Frau. <9 Coursbericht der Frankfurter Börse. Reichsbank-Disconto 3% 7. December 1887. Franks. Bank-Disconto 3°/- 4% Preußische Consols 106.60 3Vi% do. 100.40 4% Nassauer Oblig. 102.40 4°/0 Bayerische Oblig. 105.40 4o/o Badische Oblig. 104.50 4o/o Hessische Oblig. 105-00 4% Franks. Hypothbk.-Pfandbr. alte 101.00, neue 102.20 3