Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagK. rete vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. >urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Woche« - Ueberficht. Gießen, 8. October. lieber die Dauer der Herbstvilleggiatur des Kaiserpaares in Baden-Baden stnd noch durchaus keine Bestimmungen getroffen und dürsten in dieser Beziehung lediglich die Wttterungsverhältniffe entscheioend sein. Der Gesundheitszustand beider Majestäten ist ein gleich befriedigender und namentlich erfreut sich der Kaiser, obwohl die Witterung in den letzten Tagen nicht immer eine günstige war, des allerbesten Wohlbefindens. Zu der Zahl der Fürstlichkeiten, welche den Kaiserlichen Majestäten in deren Herbstrestbenz bislang ihre Aufwartung machten, gesellte stch in dieser Woche Prinz Ludwig von Bayern, welcher mit seinem Sohne, dem Prinzen Rupprecht, am Dienstag in Baden- Baden eintraf und alsbald vom Kaiserpaare empfangen wurde. Dcr Empfang, wie überhaupt der Verkehr zwischen den Majestäten und den bayerischen Prinzen trug einen sehr herzlichen Charakter und erhellt hieraus somit aus'« Neue die Intimität der Beziehungen zwischen unserem Kaiserhause und der bayerischen Migssamilie, die ja auch ihren bedeutungsvollen politischen Hintergrund haben. Die Vorbereitungen zu der parlamentarischen Wtntercampagne im Reichstage wie im preußischen Landtage dürsten nun wohl endlich etwas schärfer betont werden, nachdem Anfang dieser Woche auch der Staats- secretär des Innern und Vorsttzende im Bundesrathe, Herr v. Bötticher, von feiner Urlaubsreise nach Berlin zurückgekehrt ist. Bislang war von den bezüg- lichen Vorarbeiten in den einzelnen Reichrämtern und den preußischen Ministerien noch nicht viel in die Oeffentlichkeit gedrungen und scheint es säst, daß jene sowohl für die Session des Reichstages als auch des preußischen Landtages noch durchweg im Anfangsstadium stehen. Hiermit hängt auch die Unsicherheit über die parlamentarische Lage zusammen, soweit es stch um die Einberufung der beiden Parlamente handelt und sowohl was den Zusammentritt des Reichstages als denjenigen des preußischen Landtages anbelangt, stehen sich widersprechende Gerüchte gegenüber, so daß da ausklärende Mittheilungen von competenter Seite wirklich einmal erwünscht wären. Jedenfalls wird stch aber ein Zusammentagen beider parlamentarischen Körperschaften auch diesmal nicht vermeiden laffen und wird man maßgebenden Orts in Berlin nur dafür Sorge zu tragen haben, daß die nun einmal nicht zu beseitigende Concurrenz zwischen den Parlamenten des Reiches und Preußens sich auf ein möglichst geringes Maß beschränkt. Inzwischen hat wenigstens der bayerische Landtag Muße, stch seinen Arbeiten widmen zu können, ohne Rücksicht aus das Reichsparlament nehmen zu müssen und ist anzuerkennen, daß seine Verhandlungen sich ruhig und glatt abwickeln. Nach den Versicherungen, welche Reichsralh wie Abgeordnetenkammer in ihren dem Prinz-Regenten überreichten Adressen niedergelegt haben, ist auch fernerhin eine sachliche und gedeihliche Abwickelung der Geschäfte im bayerischen Landtage zu erwarten, wobei frellich die Voraussetzung gilt, daß die alten Gegensätze zwischen der Rechten und der Linken der Abgeordnetenkammer rühm bleiben. Im bayerischen Ministerium wird eine wichtige Veränderung signalistrt. Der KriegSminister v. Hetnleth soll beabsichtigen, seinen Poftm mit einer rein militärischen Stellung zu vertauschen und zwar mit dem General- commando des zweiten Armeecorps in Würzburg, lieber die Gründe, welche Herrn v. Heinleth zu diesem immerhin auffallenden Schritte veranlassen, ist noch nichts Weiteres bekannt, ebensowenig über seinen eventuellen Nachfolger. Auf dem Gebiete des Parteiwesens ist aus dieser Woche ein nicht unwichtiges Ereigniß zu verzeichnen, als welches der am Montag und Dienstag in St. Gallen (Schweiz) stattgefundene Congreß von Dele- girten der socialtstischen Partei Deutschlands auszufassen ist. Die Verhandlungen erscheinen besonders deshalb bemerkenswerth, weil auf ihnen sich entschieden die „schärfere Richtung- der deutschen Soctaldemokratte geltend machte. Gegen die Vertreter der Partei im Reichstage wurde die charakteristische Be- Ichlverde erhoben, daß sie sich zu sehr um die parlamentarischen Geschäfte kümmerten und hierdurch die Frage der „revolutionären Revolution" vernachlässigten. Dementsprechend genehmigte das Meeting eine Resolution, welche sich scharf gegen die opportunistische Politik der socialdemokratischen Reichstagsabgeordneten und deren „Pactiren" mit anderen Parteien ausspricht, da hierdurch der revolutionäre Charakter der socialistischen Bewegung compromittirt werde. Weiter wurde auf dem Congreffe über die seit dem letzten socialdemokratischen Parteitage für Parteizwecke gemachten Ausgaben Rechnung abgelegt, woraus man ü- A. erfährt, daß stch die Gefammtausgaben auf 170,000 A belaufen, wovon allein 100,000 «A für Wahlen ausgegeben wurden. Den Verhandlungen wohnten etwa 80 Delegirte bei und prästdirten Singer und Hasenclever. — Der Vorwurf, den die deutschen Socialdemokraten foebcn in St. Gallen durch ihre Delegirten gegen die socialdemokratischen Reichstagsabgeordneten erhoben haben, nämlich, daß dieselben viel zu viel aus den „parlamentarischen Krimskram" gäben und zu wenig den „revolutionären Charakter" der deutschen Sozialdemokratie betonten, ist nicht neu. Um so mehr werden stch Herr Bebel und seine parlamentarischen Freunde dieses abermalige Mißtrauensvotum der „Geooffen" merken. Auf dem Gebiete der hohen Politik fand die Woche eine hochbe- oeutfame Einleitung durch den Besuch des italienischen Ministerpräsidenten Crispi beim Reichskanzler in Friedrichsruhe. Kaum einen Tag lang isi der italienische Staatsmann der Gast des Fürsten Bismarck auf dessen lauen- burgischen Waldschlosse gewesen, um dann ungesäumt nach dem sonnigen Italien zurückzukehren, aber trotz der Kürze dieses Besuches ist die Welt einig in seiner ; Auffassung als eines schwerwiegenden politischen Ereignisses, welches noch jetzt in \ den Spalten der europäischen Presse widerklingt. Die Zahl der über die 5 Friebrichsruher Reise Crispis aufgetauchten Combinationen und Conjecturen ist selbstverständlich eine sehr große, aber aus der Fluth dieser Kommentare schält stch als fester Kern die Meinung heraus, daß die jüngste Ministerbegegnung von Friedrichsruhe zunächst und vor Allem die Befestigung des Bündnisses Italiens mit Deutschland und Oesterreich bedeutet. Herr Crispi selbst hat diese Auffassung in dem Gespräch, in welcher er stch auf seiner Rückreise in Frankfurt a. M. mit einem ihn „interviewenden" Mitarbeiter der „Fr. Ztg " sehr zuvorkommend einließ, voll und ganz bestätigt. Bezüglich der bulgarischen Frage meinte Crispi hierbei, daß Italien nichts Anderes als die Aufrechterhaltung des Friedens und des europäischen Gleichgewichts wolle> daß er aber anderseits nie zugeben könne, daß aus dem mittelländischen Meere ein russischer See werde. Die Annahme der französischen Blätter, es habe sich in Friedrichsruhe hauptsächlich um die römische Frage gehandelt, bezeichnete Crispi als lächerlich. Uebrigens hat stch die französische Presse anläßlich des Besuches des italienischen Cabinets- chefs beim Fürsten Bismarck in eine nachgerade komisch wirkende Entrüstung gegen die Italiener hineingearbeitet und wird die Reise Crispis jenseits der Vogesen in einer Weise glossirt, welche das Nationalgesühl der Italiener tief verletzen muß und nur zu geeignet erscheint, der französischen Republik auch den letzten Rest von Sympathien, den sie noch bei der italienischen Nation genossen, zu rauben. In Oesterreich ziehen vorläufig die Verhandlungen des ungarischen Reichstages die Aufmerksamkeit weniger aus sich, als dies von der galizischen Jnspectionsreise des Unterrichtsministers v. Gautsch gilt. Daran find die Czechenblätter Schuld, welche dem Minister nachsagen, er habe die Reise nur zum Vorwand genommen, um sich mit den maßgebenden polnischen Persönlichkeiten in der Mittelschu(frage gegenüber den Czechen zu verständigen. Wenn diese Auffassung richtig ist, so wäre die czechischerseits gefürchtete Verständigung zwischen Herrn v. Gautsch und den Polen eine ganz eclatante, denn Herr v. Gauiscd hat überall aus seiner Reise die beuEbar günstigste Aufnahme gesunden und die Verstimmung hierüber spiegelt sich in der czechischen Presse sehr deutlich wider. Jedenfalls kann der Unterrichtsminister der parlamentarischen Fehde, welche ihm czechischerseits schon längst angekündigt ist, mit großer Ruhe entgegensehen. König Georg von Griechenland hat mit seiner Familie auf der Heimreise von dem Fredensborger Familientage in Wien eine größere Station gemacht. Hier pflog der griechische Herrscher wiederholt Unterredungen mit dem Grafen Kalnoky, die sich offenbar auf die Lage auf der Balkanhalbinsel bezogen haben. Die Madagaskar-Frage zieht in der französischen Politik wieder einmal ihre Kreise. Zwischen dem französischen Ministerresidenten auf Madagaskar, de Vilers, und der Regierung der Howas ist es zu einem ernsten Con- flikte gekommen, da de Vilers die unumschränkte Oberleitung der auswärtigen Angelegenheiten der Madagassen beanspruchte, auf Grund des zwischen den Howas und Frankreich abgeschlossenen Friedensvertrags. Die madagassische Regierung weigerte sich jedoch, diesem Verlangen nachzukommen, woraus der französische Resident seine Flagge einzog, die Hauptstadt Antananarivo verließ und sich nach der Hafenstadt Tamatave begab. Nach einem in Paris aus Mozambique eingegangenen Telegramm wären zwar die officiellen Bziehungen zwischen dem Residenten und der Howas-Regierung wieder ausgenommen worden. Der Vorfall beweist aber doch, aus wie schwankendem Boden die Herrschaft Frankreichs auf Madagaskar steht. Die Idee, einen russischen Statthalter in Begleitung eines türkischen Commiffars auf 4 Monate nach Sofia zu entsenden, ist der neueste Versuchsballon, den die russisch-türkische Diplomatie zur Lösung der bulgarischen Frage aufsteigen läßt. Bis jetzt scheint man sich aber durch dieses Project nirgends sonderlich aufregen zu lassen und große Aussichten auf Verwirklichung hat dasselbe in der That auch nicht — es ist eben nur ein „schöner Gedanke", weiter aber auch nichts! Vermischte-. Höchst, 4. October. [Eöbtung.J In dem nahen Dorfe Unterltederbach spielte sich gestern Nachmittag ein Vorfall höchst trauriger und folgenschwerer Art ab. Zwei langjährige Freunde Namens Fischer und Koch, welche auch zusammen beim Militär gedient batten, wollten sich die Ueberzeugung verschaffen, daß sie die Handgriffe beim Gebrauche des Gewehres noch nicht verlernt hätten. Im Koch'schen Hause fand sich noch ein ganz altes Gewehr auf dem Speicher vor; dasselbe wurde von den beiden herunter geholt; Fischer trug das Gewehr und Koch ging voraus die Treppe hinab. Plötzlich entlud sich die Waffe und eine Kugel drang dem Koch durch den Hals, so daß er bald darauf starb. Niemand soll gewußt haben, daß das alte Gewehr geladen sei, wenigstens versichern dies sämmtliche Bewohner des Hauses. Der Thäter Fischer rannte in seiner Verzweiflung zum Bürgermeister, der ihn hierher zum richter bringen ließ. Dort wurde er aber unter den vorliegenden Verhältnissen und da keine Verdachtsgründe für einen Fluchtversuch vorliegen, wieder entlassen, ye trostlose Wittwe und zwei unerzogene Kinder beklagen aber den Verlust des Gatten, Vaters und Ernährers. Fischer ist noch unoerheirathet. , Waldenburg t. Schl., 2. October. Vor einiger Zeit war einem h»e>igen Bürger auf Grund einer Beschwerde eines Nachbars von der Polizei ausgegeben worden, zur Vermeidung von Strafe den zu seinem Hühnerstande^e^rtgen Habn zu beseitigen oder dafür zu sorgen, daß die Nachtruhe Anderer durch das Krähen deS Hahnes nicht gestört werde. Die Folge davon war eine abermalige Beschwerde, vorauf der Eigenthümer des Hahnes in eine Polizeistrafe von 5 A genommen wurde, wo- gegen der Betroffene Widerspruch erhob. Nun kam die Sache vor das Schöffengericht. Bei der Verhandlung wurde indessen durch Zeugen bewiesen, daß der Stall, in dem der Ruhestörer campirte, vorschriftsmäßig verwahrt war, und weiter wurde in Betracht gezogen, daß das Krähen „in der Natur des Hahnes" liege. Der Vertheidiger des Angeklagten sprach sich u. A. dahin aus, er wisse bis jetzt nur von zwei Menschen, welche das Krähen des Hahnes nicht leiden konnten: dies seien Napoleon I. und der Kläger. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Moskau. Die in Rußland unter dem Namen das „Goldhändchen" bekannte Diebin Sophie Bluwstein, welche kürzlich vom hiesigen Gerichte abgeurtheilt wurde, ist auf ihrem Bestimmungsorte, der Insel Sachalin, mit dem sie begleitenden Zuge von 150 weiblichen Sträflingen angelangt. Sophie Bluwstein, welche im Alter von 40 Jahren steht, ist noch immer eine stattliche Erscheinung, und selbst im Arrestantenkittel macht sich der fein geschnittene orientalische Kopf, die hellblitzenden Augen und das schwarzgelockte glänzende Haar noch immer vortheilhaft bemerkbar. Sie verstand es meisterlich, sich die Herzen der Männer zu erobern, und besser als Alles spricht hierfür der Umstand, daß sie sechzehnmal mit Männern verschiedenster Nation und Con- fession verheirathet war. Auch im Auslande übte sie ihre Thätigkeit aus, und zweimal verschwand sie unter Mitnahme der kostbarsten Habseligkeiten ihrer Männer aus Frankreich, dreimal aus Deutschland. In Wien hielt sie sich, natürlich unter falschem Namen, int Jahre 1878 auf. Das ihren Männern gestohlene Gut betrug mehr als 300,000 Rubel. Dennoch scheint es dieser Dame, die stets auf größtem Fuße lebte und immer auf ihren Fahrten die erste Classe benutzte, nicht genügt zu haben. Auf ihren Vergnügungsfahrten knüpfte sie gewöhnlich interessante Bekanntschaften an, welche den damit beehrten Herren gerade nicht billig zu stehen kamen und gewöhnlich mit dem Verschwinden von Brieftaschen, Diamantringen und Goldketten ihr rasches Ende fanden. Sibirien, ihr jetziger Aufenthaltsort, ist ihr nicht mehr unbekannt, denn schon einmal ist sie vom Moskauer Gerichtshöfe dahin geschickt worden. Jedoch kaum daselbst angelangt, hatte sie sich die Neigung des Gefängnißobersten zu erwerben gewußt; nach rasch erfolgter Heirath verschwand das saubere Pärchen und lebte kurze Zeit in Konstantinopel. Selbstverständlich verließ die Neuvermählte auch diesen Gatten und kehrte nach Rußland zurück, wo sie, jedoch erst nach zwei Jahren, in die Hände der Behörden siel. Ihr Gemahl, der, auf der Suche nach seinem Weibe, ebenfalls das russische Gebiet betrat, wurde ergriffen und harrt noch im Gefängnisse von Moskau des ihn treffenden Nichter- spruchs. Sophie Bluwstein spricht fließend Russisch, Deutsch, Französisch, Englisch und Rumänisch unD ist im Ausüben von allerlei Gaunerstückchcn äußerst gewandt. Dazu besitzt sie genügend Geist und Humor, was ihr bei Ausübung ihres Gewerbes von nicht geringem Nutzen war. Die Lust zu heiteren Stückchen ist ihr auch im Gefäng-' Nisse nicht ganz geschwunden. Als kurz vor der öffentlichen Verhandlung ihr Ver- thetdiger sich mit ihr berieth, dankte sie diesem in beredten Worten und überreichte ihm als Anerkennung seiner Mühe eine goldene Uhr und Kette. Dem Vertheidiger schien dieselbe bekannt; er griff in die Tasche — es war die seine. Wird der Humor die wackere Dame nicht verlassen, wenn sie die ihr vom Moskauer Gerichtshöfe zugesprochenen 80 Peitschenhiebe erhalten wird? Das „Goldhändchen" wurde zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt. Zur Lage des Kasseemarlrtes. Mitgetheilt von Sixtus^Hartung, Frankfurt a. M. (Schluß.) In Rio wurden aus dem Innern nach den Verschiffungshäfen zugeführt seit L Juli bis inet. 9. September: 317 000 Ballen gegen 827 000 in 1886/87 in Santos 160000 „ „ 298000 „ 1886/87 $ zusammen 477 000 «allen gegen 1125 000 ui 1886/87 ! Diese Ziffern beweisen-doch am besten, daß die von gewissen Seiten früher ge- \ machten Angaben, daß sich im Innern von Brasilien noch große Lager befänden, in Nichts zusammenfallen; daß man es in Wirklichkeit mit leeren Lagern im Innern und ! mit einer wirklich sehr kleinen neuen Ernte zu thun hat. Noch interessanter ist aber das Bild der in gleicher Zeit vom 1. Juli bis heute gemachten Verschiffungen aus den brasilianischen Häfen. Es wurden abgeladen in Rio und Santos: nach Europa 100 000 Ballen gegen 691 000 in 1886/87 nach Amerika 133 000 „ „ 478 000 „ 1886/87 zusammen also 233 000 Ballen gegen 1 169 000 in 1886/87 Daß diese kleinen Verschiffungen für die nächsten Monate einen ganz bedeutenden Abfall in den Vorräthen von Europa und Amerika gegen voriges Jahr ergeben müssen liegt auf der Hand, und da 'mm in Europa die Zufuhren der übrigen Productions-'' Länder für dieses Jahr sammtl und sonders zum größten Theile herein sind, so wird der Bedarf in den Herbstmonaten sich nur auf die Vorräthe der Seeplätze selbst beschränken müssen und da solche heute nicht groß und davon wieder ein sehr großer Theil auf Termine festgelegt ist, so wird jede Abnahme der Vorrätbe einen immer, festeren und wahrscheinlich höheren Werth des Kaffeemarktes Hervorrufen. Ich komme nun zum Schlüsse meines Berichtes auf die jetzigen Preise, wie sie- im Handel selbst sich nach und nach herausgebildet haben. Good ooerage Santos stand am 10. September Fr. 111 per 50 Ko. in Havre oder 91 Pf. pro Pfund in Hamburg, also ungefährer Einstand für den Grossisten 115 Pf. pro Pfd. verzollt. Im vorigen Jahre zu gleicher Zeit Fr. 59,50 oder Einstand 72 Pf. Gut ordinär Java 31V* C. oder Einstand 78 Pf. Anfang September ooriaen Jahres,'kostet heute 54f/2 C. ober Einstand 119 Pf. Fein blauer Java September 1886 45 C. oder ca. 100 Pf. einstehend; in diesem Jahre 57^—58 C. — 126 Pf.; fein blauer Guatemala in London 1886: 70 Schill = 96 Pf., heute in 1887: 96-97 Schill. = 123 Pf.; fein blauer Plant.-Ceylon ober Neilgherry in 1886: 83 Schill. = 110 Pf., heute in 1887: 103 Schill. = 130 Pf. - Man sieht also, daß gewöhnlicher Santos oder gut ordinär Java dieses Jahr an den Seeplätzen selbst beinahe um das Doppelte gestiegen; dagegen feine Qualitätssorten nur um ca. 25pCt., ganz hochfeine Sorten noch weniger, und wie sieht es mit dem Detailverkauf aus? Da wird leider ruhig noch gebrannter Kaffee, der den Grossisten und Zwischenhändler, vom Seeplatze bezogen, jetzt selbst 148—150 Pf. kostet, und also an Detailleure nicht unter 153—155 Pf. verkauft werden kann, noch mit 140 Pf. pfundweise verkauft! Welche Qualitäten da nach und nach eingeschoben werden, weiß jeder Fachmann. Daß bei heutiger starker Concurrenz eine Erhöhung der Werthverhältnisse im Detail- handel nur schwer durchzuführen ist, ist eine allbekannte Sache, namentlich wenn sich diese Concurrenz in falsch verstandenem gegenseitigem Interesse bekämpft und derjenige welcher früher einen größeren Posten billiger Waare sich gesichert, seinen Nachbarn zum Aerger ruhig zu altem Preise weiter verkauft, Andere wieder im Interesse der Erhaltung der Kundschaft selbst mit Schaden verkaufen. Daß dadurch aber ein Aufschlag nicht aufgehalten wird und eines Tages bei den anhaltend festeren Märkten für wirkliche Waare ein plötzlich erhöhter Werth von 30-40 Pf. kommen muß, liegt doch auf der Hand und bann wird es sich zeigen, mit welchen Schwierigkeiten ein solcher bei dem kaufenden Publikum durchzusetzen ist. Schon lange ist es eine stehende Klage, daß der Zwischenhändler jeden neuen Einkauf erst eine Zeitlang auf Lager halten, das heißt verzinsen muß, bis er solchen auf Werth an die kleine Kundschaft bringt; leider ist der Zwischenhändler bis meist selbst schuld daran. Schon in meinem letzten Berichte im November warrch ich davor, Kaffee, welcher eine größere Wertherhöhung erfahren müsse und jetzt schon also erfahren ha^ an die kleine Kundschaft auf allzu lange Lieferfristen und in zu großen Quantitäten zu verkaufen. Man scheint aber das gerade Gegentheil gethan zu haben und die Folgen sind eben die jetzt stetigen Klagen über verschleuderte Detailverkäufe und nicht weniger solche über schlechten Geldeingang. Niemals waren solche so stark als in der gegenwärtigen Zeit, aber einfach, weil man den Kleinhändlern zu viel Waare aufgeladcn, die fle nicht bezahlen können, wenn sie sich nicht durch Schleuderoerkäufe mit Gewalt Absatz verschaffen. Dem kaufenden Publikum und den Herren im Detailhandel möchte ich aber im allgemeinen eigenen Interesse rathen, .jetzt bei den enorm gestiegenen Werthen der geringen und geringsten Sorten, bie nur um Weniges gegen früher theuer gewordenen besseren, feinen Qualitäten zu kaufen und zu empfehlen, denn Jedermann, welcher Werth auf eine gute Tasse Kaffee legt, ist es gewiß einleuchtend, für eine gute Tasse einen Viertelpiennig mehr zu zahlen als für eine schlechte. Nachschrift. Am 17. September trafen in Holland neue Depeschen von Java ""'^uacb die Erträgnisse der Regierungs-Ernte nur auf 290 000 Säcke gegen zuletzt 336 000 (Lacke geschätzt werden könne; desgleichen liegen von sehr gut unterrichteten o?/ Nachrichten vor, wonach Rio und Santos zusammen nur 3 bis 3'/, Millionen Sacke ergeben können, die Zufuhren auch bis zum Jahresschluß klein bleiben wurden. — Daß die gerade bis jetzt wieder von der Baisse-Partei gemachten Anstrengungen und forcirten Verkäufe auf entfernteste Termine nur schlechten Erfolg haben werden, Fann als sicher angenommen werden. Allgemeiner Anzeiger. Friedr. Seibel, Giessen. H. Voelzel II., Wieseck. Otto Rabenau, Alten-Buseck. W. Rühl, Grossen-Baseck. Job. Hess XX., Leihgestern. Conrad Wenzel IV., Langgöns. Alleinverkauf: Jean Bern «fr Co., Glessen k und zu haben bei den Verkaufsstellen im hles. Bezirk: g Gegen Feuchtigkeit, Fäulnis u. 8. w. 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Oktober 1887, Vormittags halb 10 Uhr, im Gast- Aus zum Frauenthal: a) Dillenburg—Biedenkopfer Straße Zur f)iTbfiliiiion 1887 habe mein Lager in sämmtlichen Neuheiten der 6900 Herren u. Kiiabeii-Giirderobe auf das Reichhaltigste ausgcstattet. Tuche, Luxkins u. paletotjtosse iu großer Auswahl. SMT Anfertigung nach Maaß unter Garantie, w Hermann Marge» haussaal daselbst: a) Biedenkopf—Hallenberg 3<5 „ „ 205 b) Biedenkopf—Berleburg 230 c) Battenberg—Münchhausen 135 d) Effabachsmühle—Laisa 144 IV. In Gönnern. Donnerstag den 27. Oktober 1887, Vormittags Uhr, in der Wirth- 11 Kieselschiefer, Kies, Kieselschiefer, Kies, Kies, Kieselschiefer, Kies. cbm ft if n ff ff ff schäft des Herrn Thomas. a) Scheldelahnstraße ff ff In Rodheim a B. Samstag den 29. Oktober 1887, Nachmittags halb 2 Uhr, in der Wirth- schaft des Herrn Schlierbach: 1CA , a) Biedenkopf—Gießen 450 cbm Basalt- Die Bedingungen werden im Termin bekannt gemacht. Dillenburg, den 4. Oktober 1887. , . 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