Mittwoch den 9. Februar Nr. 33 1887 icßener Anzeiger Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen. Bureaur Schulstraße 7. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Politische Ueberficht. Gießen, 8. Februar. Heber die so viel erörterte siqnalisirte Kundgebung des Papste- in Sachen der deutschen Reichstags wählen findet sich endlich in einer Depesche des inzwischen zurückgetretenen Cardinal - Staatsscoretärs Jakobini, baiirt vom 21. Januar, an den päpstlichen Nuntius Di Ptetro in Wien Näheres vor. Die Depesche, welche von der osficiöfen „Polit. Corresp." veröffentlicht wird, ist die Antwort aus ein Schreiben des Freiherrn v. Franckenstein, des ersten Vice- prästdenten des bisherigen Reichstages und Führers der bayerischen Centrumspartei, in welchem Herr v. Franckenstein vom heiligen Stuhl zu erfahren wünscht, ob derselbe den ferneren Bestand des Centrums im Reichstage noch für noch- wendig erachte, oder nicht; in letzterem Falle, erklärt Herr v. Franckenstein, würden er und die Mehrheit seiner Fraktions» Genoffen auf ihre Mandate verzichten. Die Depesche versichert nun, daß der Papst die Verdienste des Centrums unverändert anerkenne und er damit einverstanden sei, daß zum Schutze der religiösen Jntereffen der Katholiken aus die gänzliche Beseitigung der Maigesetze hinzuwirken sei- Offen spricht es die päpstliche Kundgebung aus, daß in einem gemischt - religiösen Lande, wie Deutschland, die Katholiken stets Veranlassung finden würden, für die Besserung ihrer Lage und zu Gunsten des bedrängten Papstlhums einzutreten. Dann erklärt jedoch die Depesche Jakobini's, daß dem Centrum als politische Partei zwar immer unbeschränkte Actionsfreiheit eingeräumt gewesen sei, aber wenn es sich um die Jntereffen der Kirche handle, könne es dieselben nicht aus eigener Anschauung vertreten. Der heilige Vater habe deshalb geglaubt, dem Centrum seine Wünsche hinsichtlich des Septennats darlegen zu sollen, weil diese Frage mit Fragen religiöser und moralischer Bedeutung Zusammenhänge. Deutlich weist die Depesche darauf hin, daß die preußische Regierung durch eine zustimmende Haltung des Centrums in der Septennats-Angelegenheit jedenfalls zu einer endgiltigen Revision der Maigefetze veranlaßt worden wäre und würde dann der heilige Stuhl durch die Vermittelung des Centrums auf die Erhaltung des Friedens hingearbeitet, sich so die preußische Regierung verpflichtet und dieselbe somit günstig für das Centrum und freundlich für die Katholiken gestimmt haben. Weiter wird erklärt, daß der heilige Stuhl mit den hinsichtlich des Septennats ertheilten Rathschlägen eine neue Gelegenheit habe herbeiführen wollen, sich dem Kaiser und Bismarck angenehm zu machen. Außerdem könne der heilige Stuhl vom Standpunkte der eigenen Interessen aus, die mit denen der Katholiken identisch feien, sich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, wodurch er das mächtige deutsche Reich für die Verbesserung seiner künftigen Lage günstig stimmen könnte. Die Depesche schließt mit der Bemerkung, daß die vorstehenden Betrachtungen, welche sich aus die religiösen und moralischen Fragen, die nach der Anschauungsweise des heiligen Stuhles mit dem Septennats zufammeNhingen, bezögen, den heiligen Vater zur Kundgebung feiner Wünsche an das Centrum veranlaßt hätten. Hier hat man es ganz unzweifelhaft mit den Aeußerungen der Papstes zu thun, auf welche sich Fürst Bismarck in der entscheidenden Militärdebatte im Reichstage bezog. Die Depesche datirt, wie schon erwähnt, vom 21. Januar; da sie erst jetzt zur Veröffentlichung gelangt, so scheinen in der Zwischenzeit mancherlei eigenthüm- liche Vorgänge gespielt zu haben, die indessen der vollendeten Thatsache gegenüber nicht mehr in's Gewicht fallen. Die in der Jakobinischen Depesche niedergelegten Anschauungen des Papstes charakterisiren sich als ein entschiedener Tadel der Haltung der Centrumspartei in der Militärfrage seitens des Oberhauptes der katholischen Christenheit- Auch die Anerkennung der Verdienste des Centrums um die Interessen der deutschen Katholiken wie des Vatikans vermag nichts an der Thatsache zu ändern, daß der Papst in kaum verhüllter Weise seine Mißbilligung der Abstimmung des Centrums über die Heeresvorlage ausspricht und in der Depesche wird sogar ausdrücklich hervorgehoben, daß der Papst Die Militärfrage als eine neue Gelegenheit habe ergreifen wollen, sich dem Kaiser und dem Fürsten Bismarck angenehm zu machen, allerdings in der Erwartung gewisser Gegenleistungen von Seiten Deutschlands. Interessant ist auch, wie die Kundgebung betont, .das Centrum habe in Angelegenheiten, bei denen kirchliche Jntereffen in's Spiel kämen, durchaus nicht eigene Politik zu treiben und scharf wird hierbei heroorgehoben, daß die Septennats« Angelegenheit auch auf die endgiltige Revision der Maigefctze zurückwirke. Auf die Aufnahme, welche dieses hochwichtige Actenstück in den Kreisen der katholischen Wählerschaft finden wird, darf man gespannt fein. . Die „Post" bementirt die auch von uns mitgetheilte Nachricht des „Standard" betr. die Aeußerung Sr. Majestät des Kaisers beim Empfang der Generale- Se. Majestät soll nur erklärt haben, „die Einberufung der Reserven bedeute nicht den Krieg". Diebevorstehende außerordentliche Session der österreichisch-unga- rischen Delegationen wird in der Preffe des Kaiserstaates noch an erster Stelle erörtert. Von ofpclöfer Seite bemüht man sich, den Eindruck der Beunruhigung, den die außergewöhnliche Einberufung der Delegationen macht, möglichst abzuschwächen und zu versichern, daß die Einberufung nur erfolgt sei, um die Credite für die schon erwähnten militärischen Maßnahmen her österreiwsich- ungarischen Regierung zu genehmigen. Außerdem wird hierbei auch auf mehrere beruhigende Bemerkungen hingewiesen, welche Kaiser Franz Joses auf dem kürzlich stattgefundenen Balle der Wiener Großindustriellen fallen ließ. So soll der Monarch auf einen Hinweis des Weingroßhändlers Schlumberger auf die drohende Kriegsgefahr fast wörtlich geäußert haben: „Es muß ja kein Krieg werben. Wrr haben in den letzten Jahren sehr gespart und muffen jetzt Anschaffungen machen, damit wir mit den andern Mächten auf ein gleiches Niveau gelangen." — Die allgemeine Lage ist nun auch im österreichischen Abgeordnetenhause Gegenstand einer Interpellation geworden, welche der Abg. Mauthner eingebracht hatte. Auch in der französischen Deputirtenkarnmer sollte die allgemeine Lage durch eine Interpellation des radikalen Deputirten Lacroix aufs Tapet gebracht werden. Die ganze Sache ist aber schon vorher sozusagen ganz privatim abgemacht worden, indem der genannte Deputirte in den Couloirs der Deputirtenkarnmer am Freitag dem Ministerpräsidenten Goblet Mittheilung von dieser seiner Absicht machte. Goblet erwiderte, daß er nach den wiederholreu Erklärungen Freycinet's über die friedliche Politik Frankreichs eine bezügliche Kammerdebatte für Überflüssig halte und wenn eine solche Erklärung vom polt» tischen Gesichtspunkte aus nicht nöthig sei, so sei sie es auch nicht vom finanziellen. Goblet sprach hierbei seine Ueberzeugung aus, daß die jüngste Börsen- panik lediglich das Werk von Speculanten sei, er habe dafür sichere Beweise. Lacroix verzichtete hieraus auf die beabsichtigte Interpellation. Das deutsch-englische Abkommen bezüglich Ostafrikas ist nach einer Mtttheilung des Unterstaatssecretärs Ferguffon im englischen Unter- Hause perfect geworden. Die französische Regierung und der Sultan von Zanzibar haben für diejenigen Theile des Vertrages, welche für Frankreich, refp. Zanzibar von Interesse find, ihre Zustimmung erklärt. Die diplomatische Correspondenz über diese Angelegenheit soll dem englischen Parlamente demnächst vorgelegt werden. Deutschland. Darmstadt, 7. Februar. Se. König!. Hoheit der Grobherzog haben Allergnädigst geruht: Am 29. Januar den außerordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät der Landes-Universität Dr. Theodor Nördlinger auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. April d. Js. an, seines Dienstes zu entlassen. — Se. Konigl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 29. Januar den Privatdocenten Dr. Hermann Steinbrügge zu Gießen zum außerordentlichen Professor bei der medicinischen Fakultät der LandeS'Universität zu ernennen; am gleichen Tage den Privatdocenten Dr. Hans Benn ecke zu Marburg zum ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Landes-Universität mit Wirkung vom 1. April d. Js. an zu ernennen und in gedachter Eigenschaft zu berufen. • Arankreich. Pari», 7. Februar. Die royalistische Gruppe der Rechten der Kammer berieth über den Credit von 86 Millionen, welcher demnächst von der Kammer für Armeezwecke verlangt werden soll, uns beschloß den Credit zu genehmigen und eine bezügliche Erklärung bei der Abstimmung abzu^eben. England. London, 7. Februar. Im Unterhaus kündigt Dixon - Hartland einen Antrag an, betr. die Besteuerung von imporlirten fremden Fabrikaten, welche mit englischen Fabrikaten eoneurriren. Stanhope erklärt, Port Castrie» auf St. Lucia werde als Kohlenstation eingerichtet. Für Ballon-Experimente und Ballonbau find 3000 Pfund im Kriegsbudget ausgeworfen. Ratkes thellt mit, mit der Cunard- und der White Star-Linie feien dreizehnmonatliche Kontrakte vom 1. Mär, ab für die Postbesörderung nach Amerika abgeschloffen worden. Er bleibe jedoch den Briesaufgebern unbenommen, die Briesbesörderung mit einem deutschen Dampfer oder mit der Jnman. Linie zu verlangen. Parnell bringt ein Amendement zur Adreffe ein, worin er derartige Reformen der Gesetze und des Regierungs-Systems in Irland verlangt, wie sie den Bedürfniffen entsprechen und dar Vertrauen der irischen Volker sichern. Parnell warnt vor den ernsten Folgen einer gewaltsamen Unterdrückung der offenen Agitation; Bloße Zwangrmaßregeln könnten nur immer schlimmere Folgen Hervorrufen: Die Selbstverwaltung Irlands sei dar einzige Mittel zur Beseitigung der bei» stehenden Schwierigkeiten; sobald diese erreicht sei, werde er sich zeigen, daß die Irländer nicht ungehorsam gegen die Gesetze wären. Flurnamen. Bukarest, 7. Februar. Die Meldung auswärtiger Blätter, daß Ben- derew und andere bulgarische Officiere in Rumänien verhaftet worden find, ist unbegründet. Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Correspondenz-Bureau. Berlin, 7. Februar. Seine Majestät der Kaiser empfing Vormittags den Flügeladjutanten Coroettencapitän °. Seckendorf und nahm einens längeren V°rtt°g Wilmowski's entgegen. Nachmittags 4 Uhr erscheint Minister °. Putttamer zum 'B°rtra- An die von einigen Blättern gebrachte Meldung- dab em M-tgUeb ^des Reichsgesundheilsamts mit Untersuchungen über den Fusclgehalt der Vrannt beschäftigt sei, hatte ein hiesiges Blatt die Schlußfolgerung geknüpft, es schienen für das Branntweinmonopol unter der Hand neue Vorbereitungen im Gange. Die „Norddeutsche" erklärt die Schlußfolgerung unter dem Hinweis auf die Pflicht des Reichs- gesundheitsamts, immer erneut zu prüfen und den hygienischen, sowie' moralischen Schäden des Alkoholismus zu steuern, für völlig unbegründet. — Den „Berl. Polil. Nachrichten" zufolge erklärte Moltke einer conservativen Wahldeputation gegenüber, die Situation sei sehr ernst und gab die Ermächtigung, dies bekannt werden zu lassen. Berlin, 6. Februar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Reichskanzlers, welcher besagt, dem Kaiser seien Anträge von Vereinen zugegangen, wodurch letztere die gute Absicht äußern, demselben zur bevorstehenden Feier der Vollendung des 90. Lebensjahres ihre Gesinnungstreue und Verehrung durch persönliche Huldigungen zu bethätigen. So wohlthuend diese Kundgebungen den Kaiser berühren, sehe derselbe sich doch durch das Bedürfniß nach Ruhe und Schonung zu seinem lebhaften Bedauern genöthigt, auf derartige Beweise der Theilnabme zu verzichten. Directe persönliche Kundgebungen dieser Art, welche zum 22. März geplant werden, würden im Interesse der Schonung des Kaisers zurückzuhalten sein. Um solchen wohlgemeinten Absichten vorzubeugen, habe Seine Majestät bestimmt, daß seine Willensmeinung durch die öffentlichere Blätter zur allgemeinen Kenntntß gebracht werde. Köln, 7. Februar. In der hier stattgehabten Versammlung der Eentrums- partei äußerle Windthorst in Bezug auf das Schreiben des Cardinal - Staalssecretärs Jacobini, das Centrum habe die größte Ursache, sich über das Schreiben zu freuen, denn in demselben sei nicht blos vom Heiligen Vater anerkannt, welch große Verdienste das Centrum sich erworben habe, sondern es werde auch ausgesprochen, daß das Fortbestehen des Centrums durchaus nothwcndig sei. Vom Papste werde auch anerkannt, daß das Centrum in weltlichen Dingen nach vollständig freier Erwägung stimmen könne. Wenn der Papst auch den Wunsch-ausgesprochen habe, daß das Scptennat angenommen werde, so sei er, wie aus dem Schreiben Jacobini's heroorgehe, hierzu durch Zweckmäßigkeitsgründe bestimmt worden. Das Centrum würde dem Wunsche des Papstes gerne entsprochen haben, wenn es möglich gewesen wäre, Unmögliches könne aber Niemand leisten. Der Papst werde seinen treuen Söhnen gewiß nicht zürnen, wenn er die Gründe des Centrums eingehend prüfe. — Die Versammlung der Centrumspartei nahm nach der Rede Windthorst'» eine Resolution an, in der eS heißt, in Uebercinstimmung mit der Note des Cardinal- Staatssecretärs Jacobini vom 21. Januar erkenne die am 6. Februar im Gürzenich zu Köln tagende rheinische Centrumspartei die Verdienste unverändert an, welche das Centrum und seine Leiter sich bei der Vertheidigung der Sache der Katholiken erworben hätten; die Versammlung könne die Aufgabe der Fraktion keineswegs als abgeschlossen betrachten und sei bereit, für den Fortbestand derselben einzutreten; die Versammlung spreche den bisherigen Vertretern ihre vollste Zustimmung zu der in der letzten Session des Reichstags beobachteten Haltung aus uno fordere die rheinischen Wähler auf, mit größter Entschiedenheit für die Wieder- refp. Neuwahl gleichgesinnter Abgeordneter ein- zutreten; zugleich spreche die Versammlung die Hoffnung aus, daß es unter der Führung des Papstes gelingen werde, den kirchlichen Frieden in Deutschland herzustellen und die unhaltbare Lage des Oberhauptes derKrrchc zu verbessern; schließlich hoffe sie zuversichtlich, daß die Mitglieder des Centrums im Reichstag keine Gelegenheit versäumen würden, auf eine günstigere Gestaltung dieser Lage mit aller Energie hinzuwirken. Potsdam, 7. Februar. Das hiesige Schöffengericht verurtheilte den Redacteur der „Potsdamer Nachrichten", Gustav Prätsch, wegen groben Unfugs (Verbreitung der falschen Nachricht von der Erschießung des Militär-bevollmächtigten v. ViLaume in Petersburg) zu 6 Wochen Haft. Metz, 7. Februar. Der Statthalter Fürst Hohenlohe ist Nachmittags mit Gemahlin und Familie hier eingetroffen. Zu dem heute im Stadthause von dem Fürsten gegebenen Balle sind 700 Einladungen ergangen. L o K « l 6 H. Gietzen, 8. Februar. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Douuerstag den 10. Februar 1887, Nachmittags 4 Uhr. 1. Festsetzung von Baufluchtlinien auf dem Seltersweg. 2. Anlegung einer Verbindungsstraße zwischen dem Kirchenplatz und Oswald's . Garten. 3. Gesuch des Philipp Wagner um käufliche Überlassung städtischen Geländes. 4. Gesuch des Fabrikanten Eduard Silbereisen um Erlaubniß zur Verlegung einer Dampfkesselanlage. 5. Die sogen. Wodestraße. 6. Die Erbauung eines Schlachthauses. 7. Uebertragung der städtischen Armenpraxis an das akademische Hospital. 8. Ausbau der Ostanlage. Gießen, 8. Februar. Für die Mitglieder des hiesigen Thierschutzvereins dürfte die Mittheilung von einigem Interesse sein, daß der Verein auch in diesem Jahre die Vermehrung des in hiesiger Gegend so nützlichen Staares durch Aufhängen von Staarenkasten zu begünstigen denkt. Er hat deshalb eine größere Anzahl zweckmäßig eingerichteter Brutkasten anfertigen lassen. Mitglieder, welche deren unentgeltlich zu haben wünschen, werden ersucht, dies binnen 3 Saßen bei Herrn Lehrer Cur schm a nn (Neustadt 32) zu melden. Netzen, 8. Februar. Wegen verschiedener Diebstähle von Wäsche und Kleidungsstücke zum Rachtherle ihrer Dienstherrschaften, sowie von Nebendienstpersonal wurde gestern hier ein Dienstmädchen verhaftet. — Heute Morgen fand man gelegentlich einer Durchsuchung der Wohnung einer hrer zugezogenen Taglöhnerin u. A. auch Messer, Gabeln und Löffel, welche aus besseren tfamtlten zu stammen schienen, vor. Die Taglöhnerin will die Gegenstände von welchen eine Gabel und Messer mit M.K. gezeichnet sind, von einem Unbekannten gekauft haben. Die Beschuldigte wurde verhaftet. vermischte-. . r, ^-"Hessen, 7. Februar. Manchen Lesern dieses Blattes, besonders solchen in Lich, ist gewiß die Nachricht wichtig und erfreulich, daß der in Ltch geborene und in den Jahren 1869 und 1870 als Pfarrassistent daselbst verwendet gewesene Hermann Bichmann, jüngster Sohn des verstorbenen Dekans und Stiftsdechanten Btchmann, -u hoher Stellung gelangt ist. Derselbe fand im Jahre 1876 Aufnahme in die lutherische Kirche des Herzogthums Braunschweig, war dort zuerst in Brunkensen und zuletzt in Meerdorf Pastor und ist jetzt durch den Regenten von Braunschweig ^dnnzen Albrecht von Preußen, zum Hof- und Dom predig er der Residenzstadt Braunschweig ernannt worden, wo er künftigen Sonntag, den 13 d M tn sein Amt eingeführt werden wird. ' ®mm^ab?,m>r^Cr.-uav. Das Gewerbeblatt richtet an seine Leser folgende Bitte. „Der Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerboerein ist es von Jnteresie, mit Rücksicht auf das 50jährige Bestehen des Landesgewerbvereins, diejenigen zu ermltte n welche dem Verein vor 50 Jahren belgetreten sind und bis letzt ihre Mitgliedschaft beibehalten haben. Ein Vergleich des Mitglicdtrbestandes 1837 mit feem gegenwärtigen Bestand hat stattgefunden; indessen bestehen mancherlei Zweifel in Folge ungenügender Angabe oer Vornamen und in Folge mittlerweile eingetretener Mech el der Wohnorte, der betriebenen Gewerbe ober der amtlichen Stellungen der Mitglieder. — Mit Rücklicht hierauf sind die verehrlichen Herren, welche dem Landesgewerbverem vor 50 Jahren beitraten und heute noch Vereinsmitglieder sind gebeten, der Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerboerein dieses mtttbeilen zu wollen." x Darmstadt, 7. Februar. Heller Feuerschein im Westen unserer Stadt verkündete gestern Abend um 8 Uhr, daß ein größerer Brand ausgebrochen sei Es brannte in der Dampfschreinerei Sperb, Alicestraße, woselbst durch unbekannte Ursache die Schreinerwerkstätte in Brand gerathen war. Unsere Feuerwehr, welche mit besonderer Raschheit zur Stelle war, konnte, da die Lage der Gebäulichkeiten eine günstige ist und Dank unserer vortrefflichen Wasserleitung nach einstündiger Arbeit Herr des Feuers werden. Der Schaden ist nicht unbedeutend. A Mainz, 7. Februar. Im Laufe des verflossenen Jahres hat die hiesig, Handelskammer gemeinschaftlich mit mehreren Jnnungsverbänden eine Eingabe an Reichskanzler gerichtet, in welcher gebeten wird, in Betreff der staatlichen Submissionsvorschriften unter möglichster Zugrundelegung oer in Preußen erlassenen Bestimmungen' im Wege der Verständigung unter den Bundesregierungen für das ganze Reich gemein', same Grundsätze zur Anerkennung zu bringen. Auf diese Eingabe ist jetzt, unterzeichnet' v. Bötticher, ein Entscheid eingetroffen, in welchem unter dem Hinweis, daß die Regel,ng des Submissionswesens nicht zu den verfassungsmäßigen Aufgaben des Reiches gehöre und die Beurtheilung der Bedürfnißfrage dem Ermessen der einzelnen Regierungen überlassen bleiben müsse, das Gesuch abschlägig beschieden wird. In den beiheiligten Jndustriekreisen hier herrscht ein lebhaftes Bedauern, daß die auf einheitliche Regelung des Submissionswesens gerichteten Bestrebungen vorläufig ohne Erfolg geblieben sind und. nunmehr die nicht sehr wünschenswerlhe particulare Lösung der Frage zu erwarten steht. O. K. Frankfurt a. M., 7. Februar. sEine Blutthat.j Die hiesigen Blätter haben wieder einmal über eine grauenhafte Blutthat zu berichten, die sich am Samstag Abend in dem Hause Romerberg 7 abspielte. Die dort wohnende Arbeiterin Wittwe Anna Heinz lebte längere Zeit im Konkubinat mit einem Metzgergesellen Namens Boppart aus Marburg, einem moralisch verkommenen Individuum aus der Classe der Zuhälter. Der Mensch ließ sich von der Heinz ernähren und mißhandelte sic, wenn sie seinen Gelderpressungen nicht Folge leisten konnte oder wollte, fortgesetzt in gemeinster Weise, sodaß sich das Frauenzimmer schließlich veranlaßt sah, die Intervention der Polizei gegen den unzärtlichen Liebhaber zu Hilfe zu rufen, wodurch es ihr auf eine Zeit lang gelang, sich den Schmarotzer vom Halse zu schaffen. Am Samstag Abend drang Boppard in die Wohnung der Heinz, forderte unter Drohungen Geld und als sich die Heinz weigerte, solches herauszugeben, zog er ein langes Schlächtermesser aus der Tasche und stieß es ihr mit den Worten: „Also Du willst kein Geld bergeben, dann bring' ich Dich um" — bis an's Heft in die Brust. Die tödtlich Verletzte verstarb wenige Minuten später. Der Mörder wurde eine halbe Stunde nach der That in der Wirthschast „Zur Heimath", woselbst er ruhig und als ob nichts geschehen wäre, fein Bier trank, festgenommen. DaS bluttriefende Meffer sand sich in seiner Hosentasche vor. Die Ermordete hinterläßt 2 Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren, welche der Stadt zur Last fallen. — Eine empörende Nahrungsmittelfälschung bildete in Dortmund den Gegenstand einer Verhandlung der Strafkammer. Der Metzgermeister Grünewald aus Hörde hatte zur Kirmes aus schlechten, tn Fäulniß übergegangenen Fleischabfällen Leberwurst und sogen. Schwartemagen verfertigt und diese Delikatessen zu den gewöhnlichen Preisen verkauft. Seinem Gehilfen gegenüber, der die unsaubere Arbeit nicht anssühren wollte, äußerte der Mensch wörtlich: „Zur Kirmes wird alles gefressen!" Man wird das auf 2 Monate Gesängniß lautende Urtheil nicht zu streng finden. — In Köln findet am Rosenmontag ein Carneoalszug nicht statt. Die zuständigen Verwaltungsbehörden haben im Interesse der öffentlichen Ordnung und zur Wahrung einer ungestörten würdigen Ausführung der am Carnevals-Montag st«tt- sindenden Wahlen jede Veranstaltung eines öffentlichen Auszugs während der Wahlstunden untersagt. — sNewyork ohne Kohlen.j Newyork mit seinen 1,4 Millionen Einwohnern und die Schwesterstadt Brooklyn mit ihren 800,000 Bewohnern besitzen momentan einen Kohlenvorrath, der bei kaltem Wetter binnen wenigen Tagen erschöpft wäre und bei der herrschenden warmen Temperatur auch nur zwei Wochen ausreichen würde. Die Kohlenzufuhr ist seit beinahe drei Wochen gänzlich abgeschnitten. An der Küste von New-Jersey stehen allerdings Tausende von Eisenbahn-Waggons mit 300,000 Tonnen Kohlen beloben; aber die Newyorker können die schwarzen Diamanten nicht über den Hudson herüber bekommen, weil die Kohlenschaufler, welche das Umladen zu besorgen haben, streiken. Die Kohlen-Compagnien suchten die Plätze der Ausständigen neu zu besetzen, doch wurden neue Leute regelmäßig vertrieben, wobei es öfter zu Blutvergießen kam. Man ist allgemein der Ansicht, die geforderte Lohnerhöhung sollte bewilligt werden. Die Polizei hat zwar die Instruction, jeden Schiffskapitän niedcr- zufchießen, der Streikers an den Kohlenwerften zu landen sucht, aber sie wird sich darauf beschränken, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Gelänge es den scharf getadelten Kohlen-Compagnien, Ersatzmänner für die Streckers zu finden, so wird voraussichtlich die Executive des Ordens der Knights of Labor, dem auch die Kohlenschaufler angehören, sämmtliche Koblengräber Pensylvaniens zum Streike beordern, und dann kommen überhaupt keine Kohlen mehr an die Küste von New-Jersey. Jetzt kostet die Tonne Kohlen schon doppelt so viel als vor dem Streike, nämlich 8 bis 10 Dollars. Dutzende von Fabriken in New - York und Brooklyn stehen wegen Kohlcn- mangels still. Handel nnd Verkehr. Gießen, 8. Februar. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund JL 0.80—0.85, Hühnereier per St. 6—7 H, Enteneier St. 7—0 H, Kiffe vr. St. 4—8 X Kasematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 19 Linsen 30 H, Tauben per Paar 90 bis 1,20 Hühner per Stück X 1.00—1.50, Hahnen pr. Stück X 1.10—1.90, Enten per Stück X 1.50—2.00, Gänse per Pfund 00—00 H, Ochsenfleisch per Pfund 62 bis 64 /3), Kuh- und Rindfleisch 54—56 H, Schweinefleisch 56—60^, Hammelfleisch 50 bis 66 Kalbfleisch 50—00 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 4.00—4.50, Milch per Liter 15—18 H, Zwiebeln per Centner 6.00—0.00. j5rflrcffurt, Februar. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetteraun JL 18,00-18,50, fremder S°Eufnahm- rasch zu räumen, meine Du noch vorräthiaen Teppiche, Gardinen, Kleiderstoffe, Theeaedecke, Stepp. 11116 altdeutschen Leincnstickcreicn gebe größten- ryeito unter (Stnruufdpreid ab. Wohnungsveränderung. 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