D flr. ISO Samstag bra k August 1887. Meßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. < Ön’’__________________________________. —--------------------------—______________________ : j» «««au: Schulstraß- 7. Erscheint täglich mit Ausnahm- d-s Montag«. Wd1-Vb-z°g-^ w slliitz 'äilli n HeWii timt Amtlicher Hheit. Betr.: Das Feuerlöschwesen im Kreise Gießen. Gießen, am 2. August 1887. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an di« Trotz herzoglich en Bürgermeistereien des «reise». Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, werden an Erledigung unserer Verfügung vom 12. Juli l. I. — Anzeiger Nr. 61 — mit M von 8 Tagen erinnert. Dr. Boekmann. . b-Ä w, * f an. M» pai! UfflflBF ie iq; •?njn her,ft n b- 3 t Lod Politische Ueberficht. Wietzen, 5. August. Abermals ist jener alljährlich sich erneuernde denkwürdige Moment der Zusammenkunft Kaiser Wilhelms und Kaiser Franz Josefs am Wich bet Bade-Aufenthaltes des Kaisers Wilhelm auf österreichischem Boden hmngenaht. Während in früheren Jahren das Rendez-vous der beiden katser- lichm Freunde wiederholt in Ischl, der Sommer-Villeggiatur der österreichischen Lcisersamilie, stattsand, ist es schon seit einer Reihe von Jahren nach Gastein tM dis!» Ä6 i « 9« irt M jn Pommern, zu einem selbstständigen apostolischen Vicariate. Die neu- des Domprobstes Dr. Kayser aus Breslau in Berlin wird iljll nL „^^"Selegenheit in Verbindung gebracht. Es ist von der Errichtung '^^o^olllchen Vtcariats in Berlin schon öfters die Rede gewesen, ohne daß 'Aiirl oas Ansangs-Stadtum hinauskam; ob dieser Plan jetzt Aussicht ^wirküchung hat, muß noch dahingestellt bleiben. ulgarische Frage präsentirt sich augenblicklich der Welt in >.' irjitinh 2°r Widersprüchen. Bald heißt es, die Abreise des Prinzen Fer- iil a JRoburg nach Sofia stehe unmittelbar bevor und sei der Hofstaat itigen bulgarischen Herrschers schon fix und fertig, bald heißt es, Prinz eil au iber;-i Nttlk n'sAc llnn onnsi tttflsi dlegt worden, eine Courtoisie des österreichischen Herrschers, welcher dem grillen deutschen Monarchen hierdurch den beschwerlichen Umweg nach Ischl «Waren will. Auch diesmal begrüßen sich die beiden Herrscher in dem herr- liöm Gastein, woselbst die Ankunft Kaiser Franz Josess, welcher von einem Wiche seiner in dem oberboyerischen Alpen-Kurorte Kreuth weilenden erlauchten Srmhlin kommt, am Samstag, Nachmittags 3 Uhr, eintrifft. Schon am Emntag Abend verläßt der österreichische Kaiser Gastein wieder, um sich nach Ml zu begeben, aber dieses verhältnißmäßig kurze Zusammensein der zwei Ki'llfrr ändert an der Bedeutung des Kaisertages von Gastein nichts. Wenn ic.ii der einen Seite hin dieser längst historisch gewordene Tag die innige per» Freundschaft der beiden Monarchen und hiermit zugleich auch d-e zw^ Mm den Kaisersamilien von Deutschland und Oesterreich obwaltenden herzlichen Ziehungen immer wieder zum klarsten Ausdruck bringt, so springt nach der ruderen Seite hin doch auch stets die politische Bedeutung der Gasteiner Zu- lünnmenfunft in die Augen. Sie ist für die Völker Deutschlands und Oesterretch- llngarns eine Bürgschaft eigenen Gedeihens, für alle Friedensfreunde aber, Mchviel, welcher Nation sie auch angehören mögen, selbst unter den gegenwär« tzm schwierigen internationalen Verhältnissen ein mächtiges Unterpfand für die Wallung des Weltfriedens, denn in der persönlichen Begegnung der beiden Mer erhält ja das deutsch-österreichische Friedens - Bündniß stets aufs Neue ri»e Besiegelung. Mögen sich auch diesmal die Hoffnungen, welche alle frieb» uetienben Elemente auf den Kaifertag von Gastein fetzen, erfüllen I Kaiser Wilhelm gedenkt nicht am Donnerstag, den 11. August — erst jungst gemeldet wurde — sondern bereits am kommenden Montag ” Gasteiner Badekur zu beenden und noch am genannten Tage die Heimreise a ^treten. Der greise Monarch fühlt sich so außerordentlich gekräftigt, daß ?L- 2« AbküHung feiner Nachkur nichts im Wege stand; schon seit Anfang dieser Mche hatte der Kaiser seine tägliche Badezeit auf 18 Minuten verlängert. Heber die Alters- und Invaliditäts-Versicherung der Arbei- tu m ^tzter Zeit widerspruchsvolle Meldungen durch die Presse gegangen, »i verdient daher constatirt zu werden, daß die bereits zur allgemeinen Kenntniß EoÜ® ^^undzüge zu dem betr. Entwürfe nebst einer Denkschrift am 4. Juli ^sregierungen mit dem Ersuchen zur Begutachtung gelangten, die vorläufig geheim zu halten. Diese gutächtlichen Aeußerungen der ani ^vsten dem Bundesrathe erst nach dem im September zu erwar- y_. m Eiederzusammentritte des Plenums zugehen; man setzt die Zustimmung Eesregierungen zu den Hauptpunkten der Grundzüge voraus. Erst nach ^treffen der Rückäußerungen der Bundesregierungen wird dann an die br-ipr 0 •ng be8 Gesetzentwurfes gegangen werden, die aber vermuthlich in e t Erledigt werden wird. Als eine der ersten Vorlagen, welche dem c-!'^c E oei feinem Wiederzusammentritte gemacht werden sollen, wird der stber die Einführung der ReichSgewerbe-Ordnung in Elsaß-Lothringen 'm \ JeIi« in voriger Session nicht zur Erledigung gelangte. Die Ein- 'M mit einigen, durch die besonderen Verhältnisse der Retchslande ge- Ev ^"'chEungen erfolgen; insbesondere heißt es, daß die jetzigen Bestim- Ö über die Presse und die Theaterpolizei in Elsaß - Lothringen bis auf Geltung behalten würden. * maßgebenden Kreisen erörtert man die Erhebung des bisherigen ^bn .?;^r»Bezirkes der Diöcese Breslau, Stadt Berlin mit Branden- Ferdinand zögere doch noch, die bulgarische Krone definitiv anzunehmen. Auch darüber, ob der bulgarische Minister des Auswärtigen, Natschewitsch, welcher dem Koburger angeblich ein Ultimatum nach Schloß Ebenthal überbringen sollte, daselbst eingetroffen ist, werden die widersprechendsten Meldungen laut. Um den Wirrwarr zu erhöhen, wird jetzt von russischer Seite das Gerücht verbreitet, daß eine Einigung der Mächte über die bulgarischen Angelegenheiten auf Grund russischer Vorschläge bevorstünde; letztere scheinen aber noch ein tiefe- diplomatisches Geheimniß zu sein! Endlich erfährt die anderweitige russische Meldung, der Generaladjutant des Czaren, Fürst Jmeretinski, werde als russischer Commtffar nach Bulgarien gehen, von der „Poltt. Corresp." ein entschiedenes Dementi. Der viel erörterte Zwist in der serbischen Königsfamilie ist jetzt, wenn er überhaupt bestanden hat, wenigstens äußerlich beigtlegt worden. Di- Königin Natalie, welche bislang in der Sommerfrische Ärangyelooaz weilte, traf am Dienstag in Belgrad ein, um sich von ihrem königlichen Gemahl, welcher nebst dem Kronprinzen Alexander eine Kur in dem südungarischen Bade Schmeckt zu gebrauchen gedenkt, zu verabschieden. Vor der Welt ist hiermit das Einvernehmen der beiden königlichen Gatten wieder hergestellt. Zur Ausarbeitung eines neuen serbischen Verfassungs-Entwurfes ist in Belgrad eine aus 16 Mitgliedern bestehende Commission eingesetzt worden, in der alle politischen Parteien vertreten sind. Wohin das Mmi- sterium Ristics mit dieser Verfassung-'Revision zielt, ist noch nicht klar. Die Londoner internationale Conferenz zur Regelung der Zuckerprämienfrage befindet sich noch immer erst im vorbereitenden Stadium. In der Dienstags-Sitzung des englischen Oberhauses erklärte Lord Salisbury nur, daß Deutschland, Spanien und Belgien bereit seien, unter gewissen Bedingungen die Conferenz zu beschicken, aber bezüglich Frankreich wußte er noch nichts Bestimmtes mitzuthetlen. Auch seitens der österreichischen Regierung scheint noch keine bestimmt zusagende Antwort eingetroffen zu fein. Der englische Colonialbesitz in Südafrika hat eine Erweiterung erfahren, welche in der Einverleibung des Gebietes von Rode Valley in die Cap-Colonie besteht. fr London, 4. August. Im Unterhaufe erklärt Ferguffon, bis das Jahr abgeschlossen und die Bilanz eingegangen sei, sei es unmöglich, mit Sicherheit vorauszusagen, welcher Ueberschuß ober welches Defizit im egyptischen Budget vorhanden sei. Ein etwaiges Defizit wäre jedoch nicht durch England zu decken. — Sobald die Markenschutz-Novelle die königliche Sanction erhalten hat, ergeht ein Rundschreiben an die Mächte, welches sie auffordert, den britischen Unter- thanen denselben Schutz gegen Fälschung zu gewähren, den das neue Gesetz den Fremden bietet. — Das jüngste Abkommen mit Rußland betreffs der afghanischen Frage schiebt die russischen Grenzen IP/2 Meilen gegen Herat vor, jedoch hat die Veränderung keine strategische Wichtigkeit. Das von Afghanistan cedirte Gebiet am Kuschk und Kaschar beträgt 825 Quadratmeilen, das an Afghanistan nahe am Oxus jetzt zugestandene Gebiet wird auf 770 Quadratmeilen abgeschätzt, somit beträgt die Differenz 55 Quadratmetlen zu Ungunsten Afghanistans. Der wirkliche Vortheil ist indessen auf Seiten Afghanistans. Alles in Allem ist die Lösung unserer Ansicht nach billig. — Smith erklärt, er wisse nichts von einer Mission Persicos seitens des Papstes nach Irland; Persico reise aus Prioatgründen dorthin; ein Schriftwechsel mit dem Vatikan hätte darüber nicht stattgefunden. — In der vergangenen Nacht platzten bei den im englischen Kanal stattgehabten Flotten-Manövern an Bord der Kanonenboote „Curlew", „Blackprince", „Nordenselt" mehrere Kanonen. Vier Matrosen wurden dabei entsetzlich verstümmelt, eine Anzahl anderer mehr oder weniger verletzt. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenr-Burean. Bad Gastein, 4. August. Kaiser Wilhelm besuchte gestern Mittag die Gräfin Lamberg In der Solitude und machte dann einen kurzen Spaziergang. Heute sruy machte er nach dem Bade eine Promenade auf dem Kaiserweg. . Stuttgart, 4. August. Wie der „Staatsanzeiger" vernimmt, wird der ^.anolag auf den 13. September zu kurzer Session einberufen werden. _ Rom, 4. August. Die „Riforma" dementirt die Meldung, daß Dispostttonen für Truppensendungen nach Afrika im September getroffen seien. ...... c - Durch die Explosion in Ritiro (Messina) wurde eine Person getödtet und sechsundzwanzig verwundet. Der Etgenthümer des Dynamttdepots ist verhaftet worden. — Der „Popolo Romano" schreibt: „Der König hat, um das Andenken Depretis' durch einen erneuten Beweis seiner Achtung und Zuneigung zu ehren, nach der sofortigen Vorsorge für die interimistische Leitung deS Aeußeren jede weitere Entschließung über Staatsangelegenheiten bis nach dem Leichenbegängnisse Depretis' verschoben. Der König wird Samstag von Monza hier eintreffen. Er ließ einen prachtvollen Broncekranz auf den Sarg Depretis' niederlegen. Der Prinz Amadeus vertritt den König bei der Begräbnißfeier. x Rom, 4. August. Der König und die Minister treffen morgen hier ein. — Der Krtegsmintster läßt die Nachricht, daß ein Befehl zur Abfahrt eines Corps von 10 000 Mann nach Afrika ertheilr sei, als rein erfunden bezeichnen. Neapel, 4. August. Hier, sowie in Gaeta und Resina sind einige choleraartige Fälle mit tödtlichem Ausgange vorgekommen. Kopenhagen, 4. August. Gegenüber den Provenienzen aus den italienischen Conttnenthäfen, ferner aus Sictlten und Malta wurde heute Quarantäne angeordnet. Gtradella, 4. August. Das Leichenbegängniß des verstorbenen Ministerpräsidenten Depretis nahm einen würdigen und imposanten Verlauf. Prinz Amadeus, die Minister, Senatoren und Deputirten, sowie die zahlreichen Deputationen aus Rom und anderen Städten geleiteten den Sarg bis zum Grabe. Gegen 11 Uhr war die Trauerfeierlichkeit beendigt. Berlin, 5. August. (Privat-Depesche). Die „Nordd. Mg. Ztg." kann aus Grund zuverlässtger Mittheilungen die beunruhigenden Nachrichten auswärtiger Blätter über das Befinden des Kaisers auf das Bestimmteste dementiren. Der Kaiser befinde fich vortrefflich, seine Kräste haben beträchtlich zugenommen und alle gegentheiligen Blättermeldungen seien falsch und ohne die geringste thatsächliche Begründung Lokales. Gießen, 5. August. Aus Veranlassung des Feuerwehrfestes am Sonntag den 7. August zu Dillenburg wird von der Station Gießen aus ein Extra-Perionenzug mit 1L und III. Wagenklasse abgelassen. Abfahrt von Gießen Vorm., Ankunft in Dillenburg 10". — Gestern wurde das Hanitsch'sche Haus, Kirchenplatz 2, von Herrn A. Fangmann käuflich erworben. Vermischtes. Aus dem Großherzogthum. Eine Statistik der Bestrafungen der Bettler und Landstreicher im Großherzogthum Hessen in den Jahren 1885 und 1886 enthält das Jultheft der Mittheilungen der Großh. Hess. Centralstelle für die Landesftatistik. Nach derselben ergingen: 1885 1886 a. auf Grund des § 361, Nr. 3 und 4 des R.-St.-G.-B., rechtskräftige Bestrafungen im Großherzogthum 3454 3693 b. auf Grund des S 362 des R.-St.-G.-B. zugleich mit der Bestrafung erkannten gerichtlichen Ueberweisungen an die Landes- polizetbehörde 830 728 und von diesen entfallen auf die Provinzen 1. Starkenburg: zu a 1314 1439 zu d 216 197 n. Oberhessen: zu » 791 808 zu d 213 217 III. Rheinhessen: zu » 1349 1446 zu b ... 401 314 Nach Jahreszeiten wurden im Großherzogthum Landstreicher und Bettler in den Jahren 1885 und 1886 bestraft: Starkenburg Oberhessen Rheinhessen Groß- herzogthum Winter 84—85 (Decbr.—Februar- 460 312 650 1422 Frühling 85 (März—Mai) 310 257 327 894 Sommer 85 (Juni—August) 201 117 192 510 Herbst 85 (September—November) 292 134 270 696 Winter 85—86 (Decbr.—Februar) 585 253 522 1360 Frühling 86 (März—Mai) 379 231 376 986 Sommer 86 (Juni—August) 208 115 211 534 Herbst 86 (September—November) 252 159 306 717 △ Mainz, 4. August. Dem kühnen Schwimmer, der am verflossenen Sonntag, um ein Menschenleben zu retten, von der hohen Rheinbrücke in die Fluthen sprang, ist sein gewagter Sprung nachträglich übel bekommen. Während der Brave sich nach seinem Rettungswerk anfänglich ganz wohl befand, verspürte er den andern Morgen ein großes innerliches Unbehagen, das sich derart entwickelt hat, daß der kühne Menschen- retter jetzt schwer erkrankt darniederliegt. Mit Rücksicht, daß der Mann der Ernährer von einer betagten Mutter und mehreren Geschwistern ist, erwächst jetzt für die Allgemeinheit die doppelte Pflicht, dem edlen Menschen ihre Dankbarkeit zu bezeigen. △ Mainz, 4. August. Für die m der Neustadt projectirte katholische Kirche liegt jetzt für den Bau ein vollendeter Entwurf des Dompräbendat Dr. Friedrich Schneider vor. Nach demselben sollen von dem vorhandenen Bauterrain im Ganzen 1188 Quadratmeter verbaut werden und würden für das Hauptschiff der Kirche circa 800 Quadratmeter in Verwendung kommen. Die Baukosten für die Kirche allein sind veranschlagt zu 380 000 JL, für die nothwendigen Hausbauten, für Sakristei rc. 100 000 JL. zusammen daher 480 000 Jü △ Aus Rheinhessen, 4. August. In dem bekannten Rheinort Budenheim -ist verstossene Nacht in einer Bäckerei ein Brand ausgebrochen, der in kurzer Zeit ein großes Wohnhaus, gefüllte Scheuern und ein beträchtliches Frucht- und MehUager in Asche legte. Trotzdem daß mehrere Feuerwehren mit allen Kräften thättg waren, würde der Brand für die Gemeinde sehr gefahrvoll geworden sein, wenn nicht eine Abtheilung Pioniere, die zufälliger Weise in Budenheim etnquartirt sind, helfend eingegriffen hätte. Mainz, 4. August. In der Angelegenheit der angeblich entdeckten Verbindung zwischen elsaß-lothringischen Soldaten der hiesigen Garnison und der französischen Iaf ?o a 0? seitens der Militärbehörde eine Vernehmung sämmtlicher hier liegenden Elsaß-Lothringer angeordnet worden, zu welchem Behufe die betreffenden Truppen abtheilungswetse vor das Militärgericht geführt werden. Nach dem was bis jetzt über die ganze Angelegenheit in die Oeffentltchkeit dringt, zu schließen, sind alle die über den Anlatz der Casernendurchsuchungen in der Presse verbreiteten Mittheilungen mehr oder minder als Vermuthungen und Combtnationen zu betrachten und gewinnt es vielmehr den Anscbem, daß man es mit einer Maßnahme zu thun hat, die man bei sammMchen elsaß-lothringischen Soldaten von Zett zu Zeit nothwendig hält. — Mit Ruchis darauf, daß die Brod- und Weckpreise zur Zeit in keinem Verhäitnttz zu den Sruchtpr-is-n stehen ist neuerdings hier wieder di- Absicht ausgetaucht, eine G-nossen- schLstSbäck-rei in das Leben zu rufen und wird nächster Tage eine größere Versamm- lung stattstnden, um die Frage naher zu prüfen. △ Vom Rhein, 4. August. Nach einer heute eingelaufenen Depesche ist heute Morgen in der Schweiz der Inhaber der weithin bekannten Holzhandlung und bedeutendsten Flößerei aut dem Rhein, Johann Eber in Castel, im Alter von 70 Jahren gestorben. Die Firma Eber, deren Träger der Verstorbene nahezu 50 Jahre war und unter dessen Leitung dieselbe einen ständigen Aufschwung nahm, ist mit die älteste Holzsirma am Rhein und war es ihr wie wenigen ehrlichen Geschäften geglückt die verschiedenen Krisen, welche die Holzbranche in dem letzten Decennium zu bestehen hatte siegreich zu überwinden. Der Verstorbene war durch seinen biederen Charakter eine in val?on^rftfen hochgeschätzte Persönlichkeit, durch deren Heimgang besonders die Armen und Bedürftigen eine große Stütze verlieren. 1 m n in b i i * «i Potsdam. Durch ein Komma an unrichtiger Stelle ist, wie die r Ztg." erzählt, über eine hiesige Familie große Betrübniß hereingebrochen jW- halte ihr dreijähriges Söhnchen auf Wunsch der Schwiegereltern des Ehemap^?^ auf kurze Zeit zugesandt in der Hoffnung, daß das kränkelnde einzige Kindcha S01 frischen Landluft schneller gesunden würde. Da trifft vor einigen Tagen btt bmi stürzten Eltern die niederschmetternde Kunde ein, des Kindes verschlimmerter heitszustand habe die Schwiegereltern veranlaßt, einen Arzt zu Rathe zu ziehen^' besorgte Vater fährt natürlich sofort zu seinem erkrankten Kinde und findet bim gelangt, zu seiner freudigen Genugthuung, daß überschwengliche Großelternliebe nQrar,: schwarz gesehen habe, da der Arzt ihm erklärt, daß an Lebensgefahr gar nicht m U? sei. Schnurstracks eilt der Vater zum Telegraphenamt und depeschirt nack u? Meinung in aller Elle und Erregung folgendes, wenig glücklich stilisirtes Ttlenräw „Hoffe, nicht schwerkrank". Einige Minuten darauf trifft das Telegramm b-nn„ a hier ein, wird der Mutter ausgehändigt, dieselbe öffnet es, durchfliegt es in fieh Hafter Erwartung, lieft „Hoffe nicht, schwerkrank", und stürzt mit einem lauten feS ohnmächtig zu Boden, um gleich darauf in ein heftiges Nervenfieber zu venan Der telegraphisch benachrichtigte Gatte riß sich eiligst vom Krankenbette seines los, um an dasjenige seiner unglücklichen Gattin zu eilen, die er vergeblich über wahren Sachverhalt, von bitteren Selbstvorwürfen gepeinigt, aufzuklären sich Er hatte in der Erregung das Komma an die falsche Stelle gesetzt. Newyork, 3. August. John Taylor, das Haupt der Mormonen, istinbn Salzseestadt gestorben. John Taylor war der Nachfolger Brigham Noung'sund^ dessen Tod — 1877 — Präsident der Heiligen vom Jüngsten Tage. Der Verlust ihr« Oberhauptes dürfte die Mormonen wegen ihres Conflicts mit der norbamtrtfanlfM Regierung gerade jetzt empfindlich treffen. — Die Philosophische Gesellschaft zu Berlin hat unlängst das Ergebniß ihres letzten Preisausschreibens bekannt gemacht und, wie sich nun herausstellt, ist der preisgekrönte Philosoph — ein armer ungarischer Gerichtsschreiber, in welchen man ein Aufsehen erregendes Genie entdeckt hat. lieber diese interessante Angelegenheit wird Folgendes bekannt: Die Philosophische Gesellschaft zu Berlin hat dieser Tage über ihr großes Preisausschreiben für ein Werk, betreffend die Bedeutung der Philestphst Hegel's und besonders seiner dialektischen Methode, die Entscheidung gefällt. Dir Preisrichter Lasson, Frederichs und Michelet haben eine aus Zombor (Ungarn) ein- gelangte, an achtzehn Druckbogen starke Schrift für die bedeutendste erkannt. Da; Gutachten der Preisrichter schloß mit den Worten: „Die Philosophische Gefellfchai: kann es sich zur Ehre anrechnen, daß sie diese Arbeit veranlaßt hat." Die Gesellschai: ersuchte den Autor, „dessen genialer Geist die Gesellschaft eus's höchste interefsirl", ihr das Werk behufs Veröffentlichung zu überlassen, und der Schriftführer, Rath Mn'neff schrieb ihm: „Ich muß sagen, daß ich selten von einer Schrift der neueren Zeit so wunderbar ersaßt worden bin, daß, als ich die ersten Seiten zu lesen begonnen, ij bald von einem wahren Rausche durch die Genialität des Verfassers ergriffen wurde. Durch eine energische Compression der Gedanken würde die Arbeit vielleicht gtrabqi Epoche machen können." Der also gefeierte Autor aber ist kein Anderer als btu Zomborer Gerichtsschreiber Eugen Schmitt, der schon mehrere philosophische Arbeiten in ungarischer Sprache veröffentlicht hat. — sHundstägliches.) O diese Hitze! Das ist der Ausruf, der in dieser Zeit der Hundstage so häufig unwillkürlich dem Munde entschlüpft, wenn einem der Schwätz in dicken Tropfen die Stirn und Wangen hinunterläuft. O diese Hitze! - sie ist keinem angenehm, als höchstens den Wirthen, bei denen jetzt doppelt soviel Bier vrr- consumirt wird, als wie zu anderen Jahreszeiten. Sie sind jetzt die tollsten Egoisten, und während Alles im Schweiße seines Angesichts stöhnt und seufzt, streicheln sie sch schmunzelnd ihr Bäuchlein, als wollten sie sagen, „jetzt sind wir die Herren ber Ä*' — Doch auch die Schuljugend hat diese Tage gern, ist doch jetzt wieder die Zeit bi, in welche der schönste Theil des Schullebens fällt, die großen Sommerferien, auch nutz den Tagen, in welche sie fallen, Hundstagsferien genannt. — Die Zeitungsredactiomn sind in's Zeichen der sauren Gurke getreten, und, da alle großen und kleinen Politiker- sich in den Bädern und Sommerfrischen befinden, so haben die Redacteure Muße genug, sich der Entenzucht hinzugeben und Brutstätten für dieses hundstägliche Federvieh zu errichten. Und Enten werden da ausgebrütet, die an Größe nichts zu wünschen übrig, lassen! Die bekannte Seeschlange hat sich, gewissenhaft wie sie ist, bercks eingrsM - der älteste Mann Europas ist von Neuem entdeckt worden; der berühmte Eisenwurir ist von seiner Wanderung durch Europa und Amerika wieder in seine westfalisch! Heimath zurückgekehrt, um sich täglich an einem paar Pfund Eisenschienen zu laben; der sprechende Kanarienvogel bietet als neueste Programmnummer den Monolog au; Tell, den er mit Meisterschaft declamirt. Wer's nicht glaubt, der frage nur M Redactionen an, dort wird ihm sicher Bescheid werden! — Es hat schon viele Wetterpropheten gegeben und fast für jeden Enzelm vor ihnen ist der Tag gekommen, an dem sein Ruhm Und Namm in einem grop l8 lächter zu Grund ging. Der alte Schäfer Thomas ist der Urtypus dieser erst tnu* genommenen, endlich aber verhöhnten Männer, die sich meist selbst eine Falle fteWu indem sie, durch einzelne Erfolge kühn gemacht, über die Sphäre des annahaw Sicheren sich in das Gebiet der gewagten Speculation begaben. Herr Stanneve! hatte von vornherein nur einen scherzhaften Nimbus, aber Herrn Overzier beML nahm man lange Zeit sehr ernst und schenkte ihm Vertrauen. Hätte er, wie KlMM - den festen Boden der wissenschaftlichen Beobachtung festgehalten und nicht gar zu 1* meteorologische Zukunftsmusik gespielt, er würde wohl heute noch Anhänger hav'. während man jetzt seiner nur spöttelnd gedenkt. Auch Klinkerfues hat sich m Voraussagungen oft geirrt, aber niemals gab er wirklich begründeten Anlaß, ubn Methode feiner Prophezeiungen zu lachen, wenngleich böse Zungen fei«n Rawcv „Flunkerkies" umkehrten. Der neueste Prophet ist der Astronom Falb. Er F J sozusagen nicht mit Kleinigkeiten ab, berechnet das Wetter nicht auf 1—2 Tage vo sondern faßt größere Zeiträume in seinen Calculationen ein und propheM eine Reihe „kritischer" Tage, wenn nicht aus dem Wirken der Naturkräfte sog» beben. Und man muß sagen: der Mann hat meist einen Erfolg mit feinen w • sagungen gehabt, der ihm im Mittelalter zweifellos als Verbündeten des Teusecs und Kragen gekostet hätte. Haben die Leute doch schon Angst, wenn Falb rgWjj Tag als kritisch bezeichnet hat, und ist doch seinen Worten schon mancher w011'±4 zum Opfer gefallen. Wir gönnen dem Herrn gewiß alles Gute, aber schon von ihm, wenn er nicht auf gar so lange Sicht prophezeihen möchte. Das mm ■ Leuten Lust und Fröhlichkeit. Weiß man vorher nichts und hat man aue, & , bereitungen getroffen, so erträgt man um dieser willen auch mit Gernuthsruye . einen kritischen Tag, und im schlimmsten Falle ist, einen Tag einregneu do Sturme eingeweht werden, noch nicht so traurig, als sich wochenlang voryer o: daß man nichts unternehmen kann. Auch Herr Falb also wird höflichst ßeD |f seinen Prophezeiungen sich einige Schranken aufzuerlegen. •‘f Larrdwirthfchaftliche Nachrichten. , — Um Stachelbeersträucher durch Stecklinge zu vermehren, schneidet man am besten Anfangs August, da von den im Herbst ober Frühjahr lstnon n । viel größere Zahl ausbleibt. Diese Stecklinge, die von schwachen, aber geraoen ^ f in einer Länge von ca. 7 Zoll geschnitten werden sollen, und die man i über ihrem unteren Auge verschneidet, steckt man gleich in Reihen mit e . ? - von ca. 7 Zoll in gut aufgelockerte Beete, die aber nicht zu J^®crcP. na • dürfen. Darauf zu achten ist, daß die Stecklinge nicht zu tief in. oite >Elfc H werden, sondern nur etwas über die Hälfte ihrer Länge, doß nach dein Jn]5 Erde gut angedrückt und tüchtig begossen wird. Die Stecklingsbeete sl Folge feucht zu halten und ferner sind dieselben vor den directen aalIgg. M durch Beschattung zu schützen. Bei geringerem Bedarf sowohl als auch ? lohnt sich indeß die Vermehrung der Stachelbeeren durch SteckUng eine solche Menge Aufsicht und Arbeit erfordern, daß sich der Bezug billiger stellt. — Das Pflücken des Obstes wird gewöhnlich zu den Tageszeiten ^sidei«£ . , an denen die meiste Zeit übrig ist, oder aber, wenn gerade Jöewn Stein--^ Das ist jedoch durchaus falsch. JeLe Art von Obst, gleichviel ob Beer ' Kernfrüchte, sollte nur in den frühesten Morgenstunden gepflückt wero ^^^,^ i Zett sind die Früchte am frischesten, saftreichsten und schmackhaftesten, o jn # vermindern sich im Laufe des TageS, und auch am Abend stno . has au.» Umfange vorhanden wie am Morgen. Die große Menge welken Märkte kommt, zeigt, wie wenig die Nothwendigkeit bekannt ist, daS Obst Morgens iu ernten. Wer aber erst einmal einen Versuch damit gemacht hat, wird nie mehr davon abgehen. Kirchliche Anzeigen der Gta-t Giefte». Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. 9- Sonntag nach Trinitatis, 7. August. Vormittags 9