AK. st Mittwoch dm 6. April 1887» Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bttttatlt Schulstraße 7. Erscheint ISgttÄ mit Ausnahme be5 Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Dringe! Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 60 Bekanntmachung. des Kreises Gietzen für das Jahr 1887 findet an den nachgenannten Tagen statt und zwar: Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Keflelbach, Lauter, Lindenstrutz und Londorf; Dienstag den 19. April, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingshausen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain u. Weitershain. Die Musterung und Loosziehung der Mllitärpflichtigen I. Zu Lich im Rathhaussaale. Dienstag den 12. April, Vormittags von 9 Uhr an: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Wach, Mendorf a. d. Lahn, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, Ettingshausen, Garbenteich, Großen-Linden, Grüningen und Hausen; Mittwoch den 13. April, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Holzheim, Hungen, Inheiden, Langd, Lang-Gins, Langsdorf, Leihgestern und Lich; Donnerstag den 14- April, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Muschenheim, Mnster, Nieder-Besfingen, Nonnenroth, Obbornhofen, Ober-Besflngen, Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim und Röthges; Freitag den 15. April, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Steinbach, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Viüingen und Watzenborn mit Steinberg. Samstag den 16. April, Vormittags von 9 Uhr an: Loosziehung. II. Zu Grünberg im Gasthaus zum Rappen. Montag den 18. April, Vormittags von 8 Uhr an: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Allertshausen, Beltershain, Climbach, III. Zu Gießen im Saale des alten Rathhauses. Mittwoch den 20. April, Vormittags von 73/4 Uhr an: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Annerod, Bersrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden und Daubringen; Donnerstag den 21. April, Vormittags von 73/4 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen der beiden ältesten Jahrgänge (1885 und 1886), sowie derjenigen der Gemeinden Großen-Buseck und Hattenrod; Freitag den 22. April, Vormittags von 73/4 Uhr an: derjenigen des jüngsten Jahrgangs (1887) der Stadt Gießen und derjenigen der Gemeinden Heuchelheim, Klein-Linden, Lollar, Mainzlar und Oppenrod; Samstag den 23. April, Vormittags von 73/< Uhr an: derjenigen der Gemeinden Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck; Montag den 25. April, Vormittags von 73/4 Uhr an: Loosziehung (auch der in Grünberg Gemusterten). Besondere Bestimmungen. 1) Zur Musterung haben sich, bei Meldung der gesetzlichen Strafen, zu stellen: Diejenigen, dem Großherzogthum Hessen oder einem andern Staate des deutschen Reiches angehörigen Milltärpflichtlgen, welche a) in einer Gemeinde des Kreises Gießen ihr gesetzliches Domicil — ihre Heimath oder ihren ständigen Wohnsitz — haben und sich nicht ut eine« andern Theile des Großherzogthums Hessen oder einem andern Staate in einer der nachstehend unter b) angegebenen Eigenschaften aufhalten; b) in einer Gemeinde des Kreises Gießen sich als Dienstboten, Haus- oder Wirthschaftsbeamte, Handlungsdiener und Lehrlinge, Handwerksgesellen und Lehrburschen, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft aufhalten, oder die Universität Gießen oder das Gymnasium daselbst oder eine sonstige Lehranstalt in einer Gemeinde des Kreises Gießen besuchen; , m t , r < , , . e) in einer Gemeinde des Kreises Gießen, oder während ihre Eltern einer solchen angehörten, im Auslande geboren find, und weder em Großherzogthum Hessen, noch in einem andern deutschen Staate Domicll besitzen oder fich aufhalten; und im Jahre 1867 geboren sind; ferner Sämmtliche Militärpflichtige, welche im Jahre 1886 bezw. 1885 zurückgestellt worden, ober nach ihrer gezogenen Nummer disponibel geblieben, d. h. nicht einberufen worden sind. , , . Entbunden von der persönlichen Gestellung sind Diejenigen, welchen Ausstand bewilligt, oder Berechtigung zum einsährig-freiwilligen Militärdienst erthellt worden ist. , , r r _ x . , . 2) Diejenigen Militärpflichtigen, welche zum zweiten- oder drittenmale erscheinen, haben ihre Loosungsscheine mitzubringen. 3) Wenn von einem Mllitärpflichtigen, oder für einen solchen von seinem Vater, oder seiner Mutter, Zuruckstellung m Anspruch genommen wird, so ist für Vorlage der zur Beurkundung der behaupteten Thatsachen erforderlichen Nachweise und Zeugnisse vor dem zur Musterung anberaumten Termine zu sorgen. Die Zeugnisse müssen amtlich ausgestellt oder beglaubigt sein. „ . , . r , ± x ££ k Wenn die Zurückstellung auf die Arbeitsunfähigkeit eines Familienangehörigen gegründet wird, so hat der betreffende Familienangehörige sich selbst persönlich im Termin vor der Ersatz-Commission einzufinden. . .. Noch nicht eingereichte Zurückstellungsansprüche sind bei der Großherzoglichen Bürgermeisterei vorzubrmgen und die Verhandlungen baldigst — unter allen Umständen vor Beginn des Ersatzgeschäftes — an die Ersatz-Commission einzusenden. Verspätete Gesuche haben fernen Anspruch auf Berücksichtigung. , , , t ~ ~ xt,. . .. rx.. f.n , 4) Wenn ein Militärpflichtiger an Gebrechen leidet, die äußerlich nicht wahrnehmbar sind, z. B. Taubheit, Harthörigkeit, Kurzsichtigkeit, Geistesschwache u. s. w., so ist dies durch amtlich ausgestellte oder beglaubigte Zeugnisse des Arztes, sowie des Bürgermeisters, Geistlichen, Lehrers u. s. w. nachzuweisen. Das Vorhandensein von Epilepfie ist durch die eidliche Erklärung von mindestens drei glaubwürdigen Zeugen zu erhärten. 5) An der Loosziebung persönlich Theil zu nehmen, steht jedem Militärpflichtigen frei; für Diejenigen, welche bei dem Ausrufe nicht anwesend sind, zieht ein Mitglied der Ersatz-Commission das Loos. ,, m t * „ , . . . . 6) Di. Großherzoglichen Bürgermeistereien haben sämmtliche ihrer Gemeinde angehorigen oder in ihrer Gemeinde gestellungspflichtigen Militärpflichtige auf Grund der ihnen bereits zugegangenen Stammrollen zu der Musterung vor. zuladcu. Bemerkt wird hierbei, daß Militärpflichtige, welche fich auswärts aufhalten, zur Musterung nicht geladen werden dürfen, da solche nur an ihrem Aufenthaltsort gestellungspflichtig find. Die Großherzoglichen Bürgermeister oder Beigeordneten haben mit den Mllitärpflichtigen ihrer Gemeinde im Musterungstermin rechtzeitig anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Letzteren V2 Stunde vor der bestimmten Zeit zur Stelle sind, nüchtern und reinlich gekleidet erscheinen und während des Musterungsgeschäftes ein anständiges und ruhiges Verhallen beobachten. , Wenn ein Militärpflichtiger wegen Gebrechen oder Krankheit persönlich zu erscheinen Nicht im Stande ist, oder wenn er sich in gerichtlicher Hast befindet, so ist darüber ein auf persönlicher Anschauung beruhendes Zeugniß des Arztes und der Bürgermeisterei, oez«. eme Bescheinigung des Gerichts vorzulegen Den Grobherzoglichen Bürgermeistereien liegt es ob, darauf aufmerksam zu machen, daß ein Militärpflichtiger wegen gerichtlicher Bestrafung des Mllllar dienstes unwürdig ist, und sind deshalb die erforderlichen Nachweise amtlich zu erwirken und vorzulegen. Im Anschluß an das Ersatz-Geschäft findet Freitag den 15. Avril im Rathhaus zu Lich, Ä A Dienstag den 19. April im Gasthaus zum Rappen zu Grunberg, SamStag den 23. April im Saale des alten Rathhauses zu fiepen bäuslicken die Klasfificirung der Mannschaften der Res«rve?der Landwehr und der Ersatz-Reserve 1. Klaffe rücksichtlrch 'h - h 9@ ä haben daher diejenigen Reservisten und Landwehrmänner, sowie die Eisatz-Reservifien 1. Klasse, roeI4etm ®; Zjnen uIidihr^Gesuche'zu begründen. löiepen, oen zu. Mürz iöö/. Jost, Regierungsrath. die n ^irnkhert ernes Feldschutzen soll ein Hülfsschütze gegen entsprechende Remuneration bestellt werden Qualificirte Bewerber wollenc stch alsbald bei der unterzeichneten Behörde schriftlich melden. Gießen, am 4. April 1837. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. .. Fresenius. bem nördlichen Theile des Platzes. Auf dem rechten Flügel waren der Divisions- Commandeur und die Brigabe-Eommandeure, sowie der Eommanbant der Haupt- und Restdenzstabt und eine größere Anzahl Officiere aller Grade der hiesigen mib anberer ErEß^ ©arnifoucn versammelt, barunter auch Seine Königliche Hoheit ber von bem^S General- unb hüben Flügelabjutanten, oon dem Bataillon burch ein dreifaches Hurrah empfangen, begrüßten die versammelten Offtciere und nahmen dann, begleitet von dem Dioisions-Eommandeur Prinzen 5)ein- nch von Hessen, Großh. Hoheit, die Parade des Bataillons ab. Nachdem die Front n^n^en(vab0I E, ließ der Bataillons - Eommandeur, Major v. Heyden ein fLkde^ ^nn Seine Königliche Hoheit, an das Bataillon L S-ÄÄZ S.“"ää S”.S Mr werdet die alte Heffenheimath nicht vergessen und Euch des Rufes Eurer Stamm-Regimenter würdig zeigen. Zeichnet Euch aus durch Disciplin Mannes- zücht und alle Militärischen Tugenden, und wenn das Vaterland Euch rum Kamvie ^.durch Tapferkeit, durch die sich Eure alten Regimente^aus d?nen Ihr 7ben stbis heroorgethan. Wir werden dann immer mit Stolz denket an das hessische Bataillon des Regiments Nr. 138. 6 n oas . ^°^^aden, vor Allem lege ich Euch gute Kameradschaft an's Herz im Bataillon fUUb mtJ aUen Kameraden aus Nord und Süd, Ost und West mit öusammenkommt. Tragen sie auch andere Abzeichen, wie Ihr auch jetzt andere tragt als seither, so gehören wir doch Einer deutschen Armee an unter ©7i^^tCft1"tn^riS§bfCrrn' Kaiser. Ihm allein gelte jetzt unser dreifaches- k ^stat der Kaiser, er lebe hoch! Hurrah! Hurrah! Hurrah!^ Hierauf befahlen Seme Königliche Hoheit die Feldwebel der 4 Eompagnien vor ^ront und geruhten folgende Worte au dieselben zu richten: ^.npagnien vor -Nabeln die Hand gebe, schüttele ich sie Euch allen zum ben^üfi\rh^C äCn^raiC^a/ u“ erlaubt, daß ich zum bleibenden Andenken denselben L^it0CbC* ^Wenn Ihr ihn seht, denkt an die Heimath und erzählt euren Kameraden von den alten Regimentern." Der Bataillons Eommanbant ließ dann das Bataillon zum Parademarsch for- mit der Front nach der Stadt in Compagntefron? ax^gefü^rt würbe' an den Einschiffungsplatz der Güterhalle des Main- Neckar-Bahnhofs, wo Se König!. Hoheit der Großherzog, sow^ Se Königl Hobett §e. Großh. Hoheit Prinz Heinrich sich bis zur Abfahrt au Ja 9 tc< den Ofsieieren, Unterofficieren und Mannschaften des scheidenden ”w ‘U1'27 '« \ ™ mPtiL der achten Klaffe des Katharinenstist« «nrisn» ß ^°>"mittagr während der Naturlehrstunde eine Retorte «^?Em-ntS explodtrt. Profeffor Daiber ist am Slug- schwer verletzt: 15 Schülerinnen erhielten mindere Verletzungen. sskr Ria i fiealt 4^pritV der^u^stattgehabte^SWahl Regte Stöger (freif.) über ü. Thunen (nat.-lib.) mit einer Mehrheit von 3000 2l. ^ebtuat Ratten erhalten: v. Thünen 8219, Rickert (stets.) g-tJin™b7?7< ^?c*al,Ü -1.!,»4 Kimmen, im ersten Gange der Nachwahl v. Thünen 7171, Träger 7423 und der Socialist 1009 St. Red.) (Fr. Ztg?) Telegraphische Depeschen. Wolff's fclcar. L> ob.e,rJ!ar kein Verdienst mehr Ministeriums ergeben , daß in fämmtticken b^^^k Srfit,t.n8 des betreffenden daran fcstgchalten werde, jede Gone wen, ber noFifit?Xh?tt? a,n o!ten, aup8 Strengste keinenfalls aber ein Unterbieten der freien Ätt ’einketJn" » ‘ °us,uschließen. Gründen beantragt der Ausschuß, die allcg Petition für erlehint 3,118 diesen Darmstadt, 4. April? Seine Üonialick ^b^ k , Ä erklären. (M. 21.) Vormittag 8 Uhr sich auf den Insanterie-ärercierÄ ®to66cJi°8 haben heute na* Ä‘?8 W &Ä g Cm Wort MBerüftwähl^ " ~ wieberum an all' bi" Tauflnbe a^gchend^^ünaff^ ^raße ^"t jetzt, zur Osterzeit, Schulzucht entwachsen ftnb unb im Begriffe stebenObpn^ nunmehr der in bas praktische Leben hineinzuthun QWobl kein @(lritrt in bas wirkliche, ist bebeutungsvoller, al§ eben jen “ in roelLn pt ^Dasein bes Einzelnen Gemeinschaft ber Erwachsenen ^aufaenommen u b pr h l Schule entlassen, in bie seinen künftigen Lebensberuf gestellt roitb unb^®"f^eibun0 über einer ernsten Selbstprüfung unterzieben Aber PhiTL*4td) die jungen Leute Eltern, Erziehern unb Vormünbern bei ber EntsÄd,.n^' ^o^e Pflicht erwächst ben Lebensberufes ihrer Kinber ober Pflegebefoblene?^^benn^enp^^^^^!?^geeigneten Lokale-. Gießen, 5. April. Das Auftreten des Wiener Klavier-, Gesangs- und Decla- mationshumortsten Herrn O. Lamborg in den zwei Concerten hatte ein zahlreiches Publikum angezogen. Die Erwartung des Publikums wurde nicht getäuscht, eine so humorvolle und erheiternde Unterhaltung, wie durch die Vorträge des Herrn Lamborg, wird selten geboten und ist auch wohl emzig in ihrer Art. Herr Lamborg ist ein origineller Künstler, welcher in der etgenthümlichen Mischung von Declamation, Gesang, Elaoierspiel und Mimik eine geistvolle Satire, zündenden Humor und außergewöhnliche musikalische Fertigkeit entfaltet und durch seine parodistischen Productionen die Zuhörer aus dem fröhlichsten Lachen gar nicht herauskommen läßt. Seine urkomische Opern- varodie, in welcher Herr Lamborg sämmtliche Solisten und selbst den Chor darstellte, seine Lieder in österreichischer Mundart, seine Illustration des Liedes vom Häring und der Auster, das musikalische Lachen, die Scherze am Claoier mit geschickter Nachahmung verschiedener Instrumente, die Verarbeitung der aus dem Publikum ihm aufgegebenen zahlreichen Melodien zu einem Potpourri, die Vorführung des Virtuosen der Zukunft, wo Ellenbogen und Füße zur Behandlung des Elaoiers nachhelfen müssen und noch manche auf den stürmischen Beifall des Publikums folgende Zugaben ließen den von dem Künstler selbst genannten Zweck seiner Productionen, seine Zuhörer herzlich lachen zu machen, in jeder Beziehung erreicht erscheinen. Das Publikum folgte mit vielem Vergnügen dem trefflichen Humoristen durch alle Gebiete seiner Vorführungen und nahm jede Nummer mit großer Heiterkeit und lebhaftestem Beifall auf. Vermischte-. ' △ Mainz, 4. Avril. Wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse oder Behinderungen eintreten, wird die feierliche Eröffnung unserer neuen Hafenanlagen nun- oder seinen persönlichen Verhältnissen nicht angepaßt erscheint oder gegen welche all- aemeine Umstände sprechen. b Es gibt nun allerdings eine Menge von Beispielen, daß sich junge Leute ganz «eaen den Willen ihrer natürlichen Beschützer und Berather ihren eigenen Lebensweg wählten und trotz aller entgegenstehenden Hindernisse schließlich doch das vorgesteckte Ziel erreichten. Das sind aber immerhin doch nur Ausnahmen gegenüber der großen Mehrzahl derjenigen Jünglinge, die bet einer Berufswahl sich mehr oder weniger nach den aeaebenen Verhältnissen richten müssen und ein verständiges Wort der Eltern vermag da oiel zum Betreten des richtigen Weges zu thun. Aber wird dieses Wort denn immer gesprochen, werden denn immer die richtigen und praktischen Erwägungen «troffen? Leider nein, und es gibt nur zu viel Eltern, die aus ihren Söhnen etwas ganz Anderes und angeblich „Besseres" machen wollen, als es die Väter waren, ohne dock den realen Verhältnissen Rechnung zu tragen. So ist es eine feststehende Thatsache, daß der Zug zum Erlernen eines ordentlichen Handwerkes in der heutigen Jugend lange nicht mehr in demselben Maße vor- banden ist, wie in früheren Zeiten, ja die angehenden jungen „Herrchen" fühlen sich ordentlich beleidigt, wenn man sie fragt, ob sie nicht Lust hätten, Schuster oder Schneider zu werden! Und die Eltern, anstatt die Herren Söhne über die Nützlichkeit und Nothwendigkeit des Schneider-, Schlosser- u. s. w. Gewerbes aufzuklären, finden, daß dieselben ganz im Rechte sind — der betreffende Herr Filius galt ja schon tn der Schule als ein „offener Kopf", er brachte immer die^schönsten Censuren nut nach Hause — und solch ein keimendes Genie sollte auf dem Schusterschemel oder hinter der Drehbank verkümmern? Nimmermehr! Der Sohn soll also studiren und wird also — vielleicht nut schweren Opfern — auf ein Gymnasium geschickt oder man gibt ihn in irgend ein kaufmännisches Geschäft in die Lehre oder vielleicht auch auf ein Bureau, damit er sich in die „Verwaltungscarriöre einarbeite" u. s. w., in der sicheren Erwartung, in dem jungen Manne dereinst einen Oberlehrer, Juristen, Verwaltungsbeamten oder auch einen großen Kaufmann u. s. w. begrüßen zu können. r t „ _. r, a . Aber selbst angenommen, der Bildungsgang des Junglmgs erlitte nach dieser oder jener Richtung hin keine Unterbrechung, so wird er bei der Ueberfülle der Arbeitskräfte, welche gerade in den sogenannten gelehrten Berufsarten vorhanden sind, doch nur unter sehr erschwerten Bedingungen in die Concurrenz cintreten können und gerade die besten Jahre des als Knabe so viel Versprechenden entschwinden nutzlos in diesem Kampfe dahin — natürlich gibt es auch Ausnahmen! Nun ist freilich nicht zu leugnen, daß auch der Handwerkerstand unter der Ungunst der Zeitverhältnisse zu leiden hat, aber seinen goldenen Boden hat das Handwerk doch noch nicht verloren und daß es ein einfacher Handwerker schließlich zu einem Großindustriellen zu bringen vermag, davon liegen ja gerade aus der neueren Zeit zahlreiche Beispiele vor. Nun, es kann nicht jeder einfache Handwerker ein Krupp oder Borsig werden, aber doch ein tüchtiger Handwerksmeister, der längst sein gutes Auskommen hat, wenn oft gleichalterige Jugendgenossen von ihm, die für die gelehrten oder kaufmännischen ^Berufsarten vorbereitet wurden, noch um ihre Existenzbedingungen ringen müssen. So manche Eltern und Vormünder, die mit ihren Kindern und Pflegebefohlenen „höher hinaus" wollen, als nach Lage der Verhältnisse räthlich erscheint, würden gut thun, bie jungen Leute lieber einem Gewerbe zuzuführen — sicherlich würde man dann weniger von fehl- geschlagenen Hoffnungen und vernichteten Existenzen hören, als dies jetzt leider der Fall ist! wehr bestimmt Mitte Mai stattfindcn. Sämmtliche Arbeiten sind soweit gediehen, baß dis zu diesem Termme eine sichere Vollendung vorausgesetzt werden kann. Die städtische Verwaltung hat die Absicht, mit der Eröffnung eine Feier im großartigsten Styl zu verbinden und mit weitgehendsten Einladungen allen Interessenten Gelegenheit zu geben, sich durch den persönlichen Augenschein von den Bestrebungen und Bemühungen zu überzeugen, die Mainz zur Entwickelung und Wiederbelebung seines Handels verfolgt. Außer den Handelscorporationen, Vertretern der Verwaltungen aller rheinischen Hafen- und Nachbarstädte, ist geplant, die Redactionen der bedeutendsten Zeitungen und illustrirten Journale von dem ganzen Coniinent einzuladen und deren Vertreter während der Festlichkeit als Gäste der Stadt hier aufzunehmen. Se. König!. Hoheit der Großherzog hat schon vor Längerem die Zusage gegeben, der Festlichkeit anzu- wohnen und außerdem ist der städtischen Verwaltung Hoffnung gemacht worden, bei der Gelegenheit auch den Kronprinzen des Deutschen Reichs in Mainz begrüßen zu können. Die eben in Bearbeitung stehende Denkschrift zu dieser Feier ist ein umfangreiches Werk, das mit zahlreichen Illustrationen und vielen Plänen und Karten aus- gestattet wird. Zu der Bearbeitung der Denkschrift haben sich neben der hiesigen Handelskammer die Herren Beigeordneten Dr. Gaßner, Stadtverordneter F. I. Usinger, Landgerichtsrath Dr. Bockenheimer und Stadtbibliothekar Dr. Velke vereinigt. Darmstadt, 2. April. ^Bestrebungen zur Wiederbelebung des Jnnungs- wesens.^ Nach einer Mittheilung des Herrn Reichskanzlers an Großh. Regierung sind: Ein Jnnungsverband von Maler-, Lackirer-, Anstreicher- und Tüncher-Innungen für den Umfang des Reiches unter dem Namen „Deutscher Maler-Bund", und ein Jnnungsoerband von Schlosser-Innungen für den Umfang des Reiches unter dem Diemen „Verband deutscher Schlosser - Innungen" zusammengetreten und die Statuten dieser Verbände haben die im § 104 c. lit. c. der Gewerbeordnung vorgesehene Genehmigung des Reichskanzlers untcrm 3. refp. 9. März 1887 erhalten. A Aus Rheinhessen, 4. April. Mit Ermächtigung des Ministeriums und im Einoerständniß mit dem bischöflichen Ordinariat wird in Kastel aus einem Ver- mächtniß in Kurzem ein Hospital gebaut, dessen Verwaltung und Leitung die barmherzigen Schwestern übernehmen werden. Die Grundsteinlegung zu dem Bau soll schon in^ wenigen Wochen stattfinden. Ein anderer Neubau in Kastel, das eben vollendete Stadthaus, drohte am Samstag, noch ehe es bezogen, ein Raub der Flammen zu werden. Durch Ueberheizung von aufgestellten Trockenöfen gericth in einem Saal der Fußboden und die Lambris in Brand und schon schlugen die Flammen aus, als man das sich entfesselnde Element gewahrte und zum Löschen schritt. Zwischen Mombach und Budenheim wurde gestern die Leiche einer etwa dreißigjährigen, gutgekleideten Frauensperson geländcl. Während man noch an 20 X an baarem Geld und Werthgegenständen bei der Leiche fand, trug dieselbe nichts bei sich, woraus sich die Identität ihrer Person feststellen ließ. Handel «rrö Verkehr. Gießen, 5. April. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 0.90—1.00, Hühnereier per St. 5—6 Enteneier St. 6—0 H, Käse vr. St. 4—8 Kasematte 3—0 Erbsen pr. Liter 17 Linsen 30 H, Tauben per Paar 50 bis 0,90 Hühner per Stück X 0.85—1.00, Hahnen pr. Stück «X 1.70—2.00, Enten per Stück X 1.70—2.20, Gänse per Pfund 00—00 H, Ochsenfleisch per Pfund 62 bis 64 4, Kuh- und Rindfleisch 54-56 SchweineMch 56—60H, Hammelfleisch 50 bis 64 H, Kalbfleisch 44-50 H, Kartoffeln per 100 M, X 4.50—5.00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Centner X 6.00—0.00. Frankfurt, 4. April. (Getreide-Preise.) Weizen eff. bicsiger u. Wetterauer X 17,75-18,00, fremder X 17,50-20,00, Roggen eff. hies. X 13,25-14,00, fremder X 13,25—13,75, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer X 15,00—17,50, fremde X 00,00—00,00, Hafer eff. hies. X 12,25—12,75, fremder X 00,00-00,00. Frankfurt, 4. April. Der heutige Diehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren 447 Ochsen, ca. 20 Bullen, ca. 575 Kühe und Rinder, ca. 302 Kalber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 58—60, 2. Qual. X 50—54, Kühe und Rinder 1. Qual. X 50-52, 2. Qual. X 45-48 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qua!. 60—65 H, 2. Qual. 55—58 H per 1 Pfund Schlachtgewicht. Wöchentliche Uebersicht der Todesfälle in der Stadt Gießen- 13. Woche. Vom 27. März bis 2. April 1887. Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 13,7’/m« Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im 1. Lebensjahr: vom 2.-15. Jahr: Lungenschwindsucht 2 (1) 2 (1) — — Lungenblutschlag 1 1 — — Harnruhr 1 (1) 1 (1) — — Lebensschwäche 1 — 1 — Summa: 5 4 1 — An m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Allgemeiner Anzeiger. Mittwoch den 13. I. Mts., von Vormittags 9 Uhr an, sollen im alten Nathhause versteigert werden: Maurerarbeit, veranschl. zu 144.— v4L Steinhauerarbeit, , „ 63.44 „ Schreinerarbeit, „ „ 103.— „ Pflasterarbeit, „ „ 127.74 „ Räumen von Fluthgräben, „ „ 800.— u Aufschlagen von Schutzgeländern „ „ 48.— „ sodann verschiedene Straßen-Handarbeiten. Gießen, den 5. April 1887. Großh. Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 2616 Mittwoch den 6. April, Nachmittags 2 Ubr, versteigere ich gegen Baarzahlung: Sopha's, Kommoden, Kleiderschränke, Glasschränke, Spiegel, Bilder, Tische, 1 Regulator, Wand- u. Taschenuhren, 1 vollständiges Bett, 1 Ladeneinrichtung, ca. 2 Wagen voll Heu, 20 Rmtr. Brennholz, 1 Kuh und 3 Schafe. Zusammenkunft auf meinem Bureau. 2571 Gerichtsvollzieher. 2598 Einige große Oleander u. dgl., ' sowie eine Garnitur eleganter eiserner | Äarterrmövel. Ostanlage, Wiesenstr. L | 2612] Die Versteigerung im Ä>. Mahler'schen Hause, Wallthorgraße 41, werd Mittwoch den 6. April Nachmittags 2 Uhr fortgesetzt. Aeilgeöotenes. la. Dänischen Saathafer Saatwicken u. -Erbsen offerirt 2594 Joseph Herz, Neuen Baue 25. 2617] Lebendfrische Schellfische «. Cavliair, div. ftzluß- und Seefische, zartes frischgeschlachtetes Mastge- ftügel. A. Koch Hamb. Fisch- u. Delicatessenhandlung. Für Confirmanden empfehle billigst Kragen, Manschetten, Shlipse, Hosenträger, Kragen- und Manschetten- knöpfe re. J. H. Fuhr, 2601 Sonnenftraße 25. 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