Nr. 127. Zweites Blatt. Sonntag den 5. Juni 1887 Kiener Anzerger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bur tat* r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Prei- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. L-urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Wochen - Uebersicht. Gießen, 4. Juni. Ein zwar unpolitisches, aber in wirthschastlicher und militärischer Hinsicht bedeutendes Ereigniß lenkte im deutschen Reiche in letzter Woche die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. In Kiel wurde am 3. Juni unter Betheiligung des Kaisers, des Bundesraths, des Vorstandes des Reichstags, der Vertreter der Kriegs- und Handels-Marine und anderer Behörden in feierlicher Weife der Grundstein gelegt, welcher den Beginn des Baues des Nordostsee- Kanals einleitet. Mag das Riesenwerk des Kanalbaues, welches dazu bestimmt ist, die beiden deutschen Meere bequem miteinander zu verbinden, zum Segen des Reiches seinen gedeihlichen Fortgang nehmen und dereinst glücklich beendigt werden! Zu den Festlichkeiten in Kiel traf der Kaiser in Begleitung des Prinzen Wilhelm am Donnerstag, Abends 9 Uhr, ein; eine große Anzahl von Gewerken und Vereinen waren zur Begrüßung des Kaisers ausgezogen und bildeten vom Bahnhöfe bis zum Schlöffe, dem Absteigequartier des Kaisers, Spalier. Die Rückreise des Kaisers nach Berlin über Lübeck fand am Abend des 3, Juni statt, während die Hinreise des Monarchen nach Kiel sich über Hamburg vollzogen hatte. Die Pause, welche die Psingstwoche in Bezug aus die Reichstags-Arbeiten brachte, läßt naturgemäß die parlamentarischen Nachrichten belanglos erscheinen. Es wird nur mit begreiflicher Spannung aus den Beginn der weiteren Reichstags-Sitzungen gewartet, in denen man Näheres über die wichtige Gesetzes-Vorlage, welche die Regierung noch als ein Geheimniß behandelt, zu erfahren hofft. Den famosen Enthüllungen, welche der frühere französische Botschafter in Petersburg, General Leslo, im Pariser „Figaro" über die angeblichen Bedrohungen Frankreichs durch Deutschland im Jahre 1875 gemacht hat, wurde durch das Organ des Fürsten Bismarck, die „Nordd. Allg. Ztg.", ein böser Strich durch die Rechnung gemacht. Auf Grund mehrerer ofstciellen Aktenstücke weist die „Nordd. Allg. Ztg." nach, daß in den leitenden Kreisen Deutschlands im Jahre 1875 Niemand an einen Ueberfall Frankreichs gedacht hat und daß die betr. Beschuldigungen lediglich von französischen Agenten im Einverständniffe mit dem früheren russischen Kanzler Fürsten Gortschakoff erfunden worden sind, um Deutschland beim russischen Kaiser zu verdächtigen und ein russisch-französisches Bündniß herzustellen. Die deutsche und französische Regierung haben eine lieberem* fünft abgeschlossen, nach welcher die deutschen und französischen Besitzungen an der Sclaoenküste in Afrika ein einheitliches Zollgebiet bilden sollen, ohne Zwischen-Zollgrenze dergestalt, daß irr diesem Gebiete ein und dieselben Zölle erhoben werden und daß die auf einem Gebiet verzollten Maaren, ohne einer neuen Abgabe zu unterliegen, in das andere eingesührt werden können. In Folge des Streites zwischen Jung-Czechen und Alt-Czechen fanden während der Pfingstfeiertage in Prag studentische Demonstrationen statt. Dem Cfechensührer Rieger wurde eine Katzenmusik gebracht und in den Häusern der Blätter „Politik" und „Glas Nowodova" wurden die Fensterscheiben zertrümmert. Fünf Studenten sind verhaftet. Später hielten die Studenten eine Versammlung ab, im welcher eine Kundgebung des Mißtrauens gegen die Alt- Czechen und Votirung des Vertrauens für die jungczechischen Abgeordneten und Pereal-Ruftn auf Rieger, Blanc, Martinitz und Zeitbammer beschlossen wurde, weil der czechische Club den Antrag Gregr's aus Aushebung der deutschen Prüfungen an der böhmischen Universität nicht unterstützte. — In letzter Woche wurde in Oesterreich die parlamentarische Session beendigt, indem sich am Dienstag auch das Herrenhaus des Reichsraths vertagte. ■SnSranfreid) vollzog sich in Bezug auf die künftige Gestaltung der Geschicke der Republik in letzter Woche ein hochwichtiges Ereigniß. Die Opportumsten und gemäßigten Republikaner bildeten unter Rouvier's Präsidentschaft em neues Ministerium, Flourens wurde Minister des Aeußeren, General Ferron Kriegsminister und der revanchelüsterne Boulanger wurde Anhänger dieses Mannes, der es verstand, eine Zeitlang den gefährlichen Nimbus der „Gloire" an sich zu fesseln, haben ganz plötzlich von ihrem Abgotte gelassen und nur einige Haufen wüster Schreier verlangten am Dienstag und Mittwoch die Wiedereinsetzung des Generals Boulanger. Dis politische Vernunft beherrschte offenbar in den letzten Tagen vollständig die Situation in Frankreich. Das Programm des neuen Cabinets wurde auch von den Kammern gut aufgenommen und bezieht sich auf eine weise Finanzpolitik, auf die Consolidirung der Republik und die Erhaltung der Würde Frankreichs. Aus Rußland wird wieder einmal von einem Nihilistenprocesse be- richtet. Es ist dies der Proceß Sabatnikow. In ihm steht ein Führer des Nihilismus vor Gericht. Denn Sabatnikow ist bei sieben der letzten nihilistischen Verbrechen betheiligt. Abermals ist das polnische Element in diesem Processe stark vertreten, auch mehrere Frauen befinden sich unter den 21 Angeklagten. Die Aburtheilung erfolgt diesmal durch ein Kriegsgericht, welches am 2. Juni feine Sitzungen begonnen hat. Die Verlesung der 575 Druckseiten starken sehr ausführlichen Anklageschrift wird allein einige Tage dauern. Die Griechen haben auf der Insel Creta wieder einmal eine Com- vüssion erwählt, welche dem Sultan begreiflich machen soll, daß die Insel Creta von Rechtswegen an Griechenland abgetreten werden müsse. Die Commission gedenkt sich erst nach Athen und dann nach Konstantinopel zu begeben wird aber wohl unverrichteter Sache heimkehren müssen, da weder der Sultan noch die Großmächte geneigt fein dürften, der Petition der Cretenser Gebör zu schenken. y Der Kampf gegen das Uagabundenthum. Das Vagabundenthum hat sich in Deutschland allmalig zu einem socialen Uebel herangebildet, dessen Wirkungen sich auch nach der wirthschaftlichen wie moralischen Seite hin bedenklich entwickeln. ift cie Behauptung aufgestellt worden, daß Deutschland durchschnittlich von 2UUUUU „wandernden Handwerksburschen" im Jahre durchzogen werde und wenn vlelletcht diese Zahl auch zu hoch gegriffen sein mag, so ändert dies doch an der That- sache nichts, daß das Stromerthum au einer wahren Landplage geworden ift; auf einige Tausende ab und zu kommt es da gar nicht mehr an. Mit polizeilichen Maßregeln ist da aber herzlich wenig auszurichten, das wird allseitig anerkannt — die Erfahrung lehrte dies einfach — und von dieser Erkenntniß ausgehend, hat man in den letzten Jahren den Kampf gegen die Dagabondage von einer ganz anderen Grundlage aus begonnen. Zunächst sind die Arbeitercolonien zu erwähnen, die in verschiedenen Gegenden Deutschlands angelegt worden sind und denen die von dem Pastor v. Bodelschwtngh in Wilhelmsdorf bei Bielefeld eingerichtete Anstalt mehr oder weniger als Muster gedient hat. Schon heute bezeugen die aus den verschiedenen Arbeitscolonien vorliegenden Berichte — wir machen namentlich auf die Berichte aus der unter der Aegide des Königlich sächsischen Ministeriums der Finanzen stehenden Colonie Schneckengrün t. D. aufmerksam — daß derartige Versuche, die noch nicht gänzlich der Vagabondage anheim gefallenen Individuen wieder zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu machen, von einem unerwarteten Erfolge begleitet gewesen sind. Umsomehr steht zu hoffen, daß dieses eigenartige Colonirungssystem bei weiterer Ausdehnung noch ersprießlichere Früchte tragen wird! Im Anschlüsse an die Arbeitercolonien sind weiter Verpflegungsstattonen errichtet worden, denen dasselbe Princip wie bei jenen zu Grunde gelegt ist, daß nämlich der diese Wohlthaten in Anspruch Nehmende eine Arbeitsleistung ausführen muß. Gerade die Verpflegungsstationen haben sich aber als ein Kampfmittel gegen das Vagabonden- thum bewährt, denn in gewissen Bezirken, in denen man ein förmliches Netz von Verpflegungsstationen errichtete, wie z. B. in verschiedenen Gegenden Thüringens und Sachsens, kann jetzt eine ganz bedeutende Abnahme jener Landplage constatirt werden. Zugleich wird durch die Verpflegungsstationen auch dem unüberlegten Almosengeben entgegengewirkt und daß letzteres auf die Mitglieder der Stromerzunft einen bessernden Einfluß ausüben sollte, wird wohl Niemand zu behaupten wagen. . Wohlthaten zu spenden ift gewiß Pflicht für Jeden, der dazu irgend in der Lage ist, aber als eine ebenso große Pflicbt muß es bezeichnet werden, zu fragen, ob die Spendung nicht mehr Schaden als Nutzen für den Empfänger stiftet. Wenn aber, wie es hier und da geschieht, das Almosengeben unter behördliche Controle gestellt und der Geber nach Befinden sogar bestraft wird, so ift das unseres Erachtens eine ganz falsche Methode. Wie der Einzelne, mehr oder weniger Begüterte seinen socialen Pflichten gegenüber vacirenden Personen nachzukommen hat, darüber dürften doch wohl nicht allein die Behörden zu entscheiden haben, andernfalls würde durch derartige behördliche Verbote das allgemeine Interesse an der Lösung der socialen Probleme nur geschwächt werden. BerrMLsOteS. Darmstadt, 2. Juni. fBlumenpflege in Arbeiterfamilien.^ In der Hauptstadt des Großherzogthums Hessen besteht ein Verein, der mit ganz kleinen Mitteln — Einnahme und Ausgabe belaufen sich auf etwa 300 JC. — doch recht hübsche Ergebnisse erzielt und seiner Eigenartigkeit wegen eines Hinweises verdient. Derselbe ver- theilt nämlich jahraus, jahrein an etwa 300 Arbeiterfamilien je drei gut gezogene Topfpflanzen zum Verkaufspreise von 30 so daß ihm selbst ein Erlös von 90 OL erwächst, während die außerdem seinerseits zum Ankauf der Pflanzen benöthigterr Mittel aus obigen 300 Jt ergänzt werden. Der Verein bezweckt also, was wir hervorheben möchten, keine Almosenspende in Form von Blumen. Steht auch der Verkaufspreis von 30 H weit unter dem Marktwerte der dafür von der Vereinsstelle erhaltenen Pflanzen, so nimmt doch auch der Empfänger das Bewußtsein mit, dem Geber die Sache erleichtert und selbst zum Kaufe beigetragen zu haben. Es herrscht demgemäß bet jeder jährlichen Austheilung eine ganz regelmäßige Nachfrage seitens dortiger, wenig bemittelter Blumenfreunde, und der Verein hatte bisher über Ladenhüter niemals zu klagen. Seine Vorkehrungen sind aber auch so sachlich und zweckdienlich getroffen, daß sie den Familien sowohl Anreiz zur Blumenpflege geben, als auch ihrer Thätigkeit ein bestimmtes Ziel stecken und an diesem Ziele noch einen besonderen Lohn in Aussicht stellen. Die Thätigkeit der häuslichen Pflanzenpflege wird darauf gerichtet, neben und im Wettbewerb mit den 299 anderen Blumenzüchtern, innerhalb der Wachsthumszeit möglichst schöne Pflanzen zu erzielen, weil jetzt eine Ausstellung der Pfleglinge und -die Preiskrönung der bestgezogenen Stücke mit 3, 2 oder 1 JL unmittelbar bevorsteht. Diese Ausstellung ist, wie der letztjährige Vereinsbericht ausführt, ein Fest für Darmstadt. Der Darmstädter Verein zur Förderung der Blumenpflege in Arbeiterfamilien steht unter der Oberleitung des dortigen Gartenbauvereins, dessen zeitiger Vorsitzender, Herr Wilhelm Schwab, die Einrichtnng vor mehreren Jahren in Holland kennen lernte, wo sie sich in den Städten großer Beliebtheit und Verbreitung erfreut In Darmstadt trat sie im Jahre 1878 in's Leben und hat sich dann rasch und sicher die Herzen der Arbetterbevölkerung erworben, welche darin nicht etwas ihr Fremdes und Aufdringliches erblickt, sondern dem guten Gedanken und seiner, wie wir sahen, ziel- bewußten Durchführung von Herzen gewonnen ift und bleibt. Möchten doch gleiche Vereine und gleich ersprießliche Blumenpflege der Arbeiterfamilien auch in anderen deutschen Städten hervorgerufen werden. Herne, 27. Mai. Noch nicht dagewesen ist folgender Fall, der sich bei dem hiesigen Standesamt ereignet hat. Ein Bräutigam hat innerhalb eines Vierteljahres dreimal sein Aufgebot und zwar stets mit einer anderen Braut bestellt. Als er das erste Mal auf dem Standesamte erschien, konnte die Aufgebotsverhandlung nicht von Statten gehen, weil die Papiere der Braut nicht in Ordnung waren. Nach einigen Wochen kam der Mann mit einer anderen Braut wieder und das Aufgebot erfolgte, jedoch keine Eheschließung. Wieder nach einigen Wochen erschien der Bräutigam mit der ersten Braut wieder, aber wieder wurde aus dem Aufgebot nichts, da die Papiere noch immer nicht in Ordnung waren. Endlich dieser Tage erschien der hartnackige Bräutigam mit einer dritten Braut, bestellte wieder das Aufgebot und wird nun wohl, endlich in den ersehnten Hafen der Ehe einlaufen. I aus 6 Beiträge: 165 4 bis 56404,64 566 36 67 9 2 6 44 1 6 2 2 6 4 80 8 32 20 1 28 165 4 5 5 25 11 21 16 11 3 5 16 1 3 3 3 1 3 1 2 10 17 1885/1886 81 8 36 20 1866 1867 1868-1869 1869-1870 1870-1871 1871-1872 1872—1873 1873—1874 1874-1875 1875-1876 1876—1877 1877—1878 1878—1879 1879-1880 1880—1881 1881—1882 1882-1883 1883-1884 1884—1885 1885—1886 1886—1887 März 1887 zus. hierzu Mitgliederbeiträge . . gegen in 1885/86 .... Altenstadt. . . Braunfels. . . Büdingen . . . Ehringshausen . Gießen .... Großen-Linden . Grünberg . . . Haiger . . . . Homberg a. Ohm Lauterbach . . Lich Lollar .... Nidda .... Reiskirchen . . Ruppertenrod Schlitz .... Schotten . . . Ulrichstein . . . Weilburg . . . Wetzlar.... 1886/87 JL 148,- 16,— 79,50 43,50 2,— 43,50 392,— 6,— 7,50 11,50 57,50 16,50 46,— 24,— 23,50 4,50 7,50 25,50 12,50 58,50 153,- 8,58 13,07 12,20 6,58 103,77 —,50 13,39 40,— -,70 11,81 6,36 27,92 1,08 3,— 2,80 5,— 8,28 16,26 68,45 478,35 3570,- 2559,— 2868,17 3097,50 1280,10 1665,65 3713,25 2353,— 2771,70 2413,— 2459,- 2830,85 1799,30 4692,— 4566,50 3998,90 3102,- 2451,— 2259,75 1475,62 1885/86 JL 150,— 16,— 85,50 43,50 Alsfeld Altenstadt ..... Braunfels ..._. Büdingen ..../, Dillenburg Ehringshausen . . . . Gießen Großen-Linden . . . . Grünberg Homberg a. Ohm . . . Lauterbach und Angersbach Lollar Nastätten Nidda Reiskirchen Schlitz ...... Schotten ..... Ulrichstein Weilburg Wetzlar mes « 393,20 6,— 11,50 57,70 16,50 4V- 3,— 4,50 7,50 33,50 12,— 22,50 140,50 1178,50 1052,40 25 11 23 Mitglieder: 1886/87 ------ 144 128 68 59 60 59 40 145 63 104 74 64 29 25 122 113 97 88 64 32 31 1609 5150,50 5737,50 5689,50 6462,50 5725,— 6125,- 6250,— 6500,- 6576,40 6800- 6883,35 6900,— 6977,— 7396,80 89173,55 20 7 13 60 487 — Ein strafbarer Verbrauch übermäßiger Summen durch Aufwand Seitens eines später insolvent gewordenen Schuldners liegt nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 25. Februar d. I., vor, wenn derselbe für seine über das Maß des nach seinen Lebensverhältnissen Nothwendigen und Ueblichen gehenden Aufwendungen Summen verbraucht hat, welche seine zeitigen Vermögens-und Einkommensverhaltnisse überstiegen haben. Dagegen liegt kein strafbarer Verbrauch durch Aufwand vor, wenn der Schuldner zwar übertriebenen Aufwand gemacht, der dadurch bewirkte Verbrauch aber seiner zeitigen Vermögenslage entsprochen hat oder wenn er die Brutto- Einnahmen seines einen Reingewinn nicht abwcrfenden Geschäfts zu seinem und seiner Familie nothdürfttgen Unterhalt verbraucht hat. Die Motive des Aufwands — sittliche oder unsittliche — sind für die Feststellung des Thatbestandes des einfachen Bankerutts unerheblich; ebenso unerheblich ist, ob der Aufwand vom Schuldner durch eigene Thatigkeit oder infolge der vom Schuldner verschuldeten mangelnden Controle seines Haushalts gemacht worden ist, ohne daß der übertriebene Aufwand für den Schuldner und seine Angehörigen besondere Annehmlichkeiten bewirkt hat. e , r . "T Württembergische Freischärler, lauter kräftige Jünglinge, narbenbedeckt, kehrtenln die Hetmath zuruck aus den Schlachten der Freiheitskriege. Als sie sich der alten Musenstadt Tübingen näherten, stimmten sie wohlgemuth ein Lied an — das Stet) vom „braven Kameraden". Ein schlichter Mann kam des Weges daher und blieb stehen, als er in seiner Nähe den Sang vernahm. Die Burschen kamen just an dem Manne vorbei, als sie die letzte Strophe sangen. Beim letzten Verse trat Einer über- muthig an den einsamen Zuhörer heran, schlug ihn kräftig auf die Schulter und sang unter dem Lachen der Kameraden die Variation: „Als wär's ein Stück von Dir!" Dem schlichten Manne aber, den die Gesellen nicht kannten, traten Thränen tn's Auge Es war Uhl and. ö — Ein Farmer in Missouri, welcher mit seiner hübschen Tochter einer Betversammlung beiwohnte, unterbrach plötzlich die Andacht der Gläubigen durch folgende Rede: „Ich möchte gern fromm sein und in den Himmel kommen, aber — wenn jene ©d)lin0el auf der anderen Seite nicht aufhören, meiner Tochter verliebte Gesichter zu schneiden, so wird es erst gehörige Prügel setzen, ehe wir mit dem Beten fortfabren können. . m 7" VW man vor 50 Jahren auf der Eisenbahn fuhr, geht aus einer Schrift des Rechnungsrathes Ulbricht in Berlin hervor, worin es heißt: „Von den Personen- "ur di- der ersten Wagenklasse ganz geschlossen; die Wagen zweiter Klasse hatten zwar eine feste Bedachung, waren aber an den Seitenwänden r!""M^°mhängen zum Auf- und Zuziehen versehen. Die Personenwagen dritter Klasse waren ganz offen. Die Reisenden in dieser Wagenklasse waren daher vielfachen Belästigungen durch die Witterungsverhältnisse, durch Staub und Funken ausgesetzt In einer Leipziger Zeitung wurden deßhalb für Eisenbahnfahrende Halbmasken mit Gaze, das Stuck für 20 H als Schutz gegen Asche und Staub, sowie auch Dampfwagenbrillen von Gewerbtreibenden zum Kaufe angeboten. Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. BezirkS'Berein Gießen und Umgebung. an.,, 9ür das abgelaufene Berichtsjahr muß für unseren B-zirksoercin ein- erfreuliche Weitcrausdchnung und Zunahme von Mitgliedern constatirt werden und WäVn 8etMten firtb bem ®ciM: Dillenburg. EhringShans-n, Er-h-n-Linden -.Der Netto-Zugang an Mitgliedern beträgt 84 mit M. 134,80 Jahresbeiträgen- nm Schlüsse des Jahres verthellcn sich die Mitglieder auf: V 8 ’ „ 349,75 JL “449,75 „ 1178,50 v*L 1628,25 „ 1421,38 mithin mehr 1886/87 jl 206 87 er6ebUnS ber Sd,rä8C- Kennung neuer Mit- t; puni'5crl?u^ d/s letzten Jahres wurde mchrfach, bei Beurtheilung der üertbetltpn wsrwisstk richtigen Beurthettung der vertheilten Prämien muß aber mit in Betracht ae'waen Rcrb.e.n die leweilig geretteten Personen und muß dann, wenn nur selten Veranlassuna -Orlag, ihrem heldenmüthigenBerufe nachzukommen 1er zur Detthellungi kommende! Prainienbetrag auch verhältnißmäßig geringer ausfallen 0 ^^•ru=tI^tt0iIIl0tflC5O0cn. werden, daß der Gesellschaftsoorstand selt Zähren die Statlonsmannschaften bei einer Lebensversicherungsaesellsckast versichert hat und dafür namhafte Beträge verausgabt. Mrungsgeieufchaft Tabelle veranschaulicht die seit Anfang der Gesellschaft erzielten Rettungen, dre gezahlten Prämien rote auch die erwachsenen Lebensoersicherungsprämien Es wurden gerettet Personen Dafür bezahlte Prämien Für Lebensversicherung ' der Rettungsmannschaften sind bezahlt: JL An sonstigen Zuwendungen empfing der Bezirksoerein: n f,on emem ungenannten Gönner aus Gießen, welcher dem Gesellsck»nsts- vorstande dlrect nach Bremen einsandte, am 25. Januar 1887 J ino ' ?/w - b-n an dieser Stelle der «ärmste Dank äuSgel7r°ch-n wird.' 10°- ärStfLn • aÄfe0tcn Sammelbüchsen inclusive Thurm und zwar: iinien in Alsfeld . . - --- Allgemeiner Anzeiger. 3869 Empfehlen ferner: la. Pvrtland- Eement, la. Patent- und Puzellan-Cewent, Thon- und gußeiserne AbtrittSröhre», Mofaikplatten in div. Mustern. Nester Plakat-Fabrplan nfler in Gießen ankommenden und abgehenden Eiscnbahniüae in ^ Expedition des „Gießener Anzeiger" sowie büdn Zestungstragern zu haben. Preis 20 Pfg. 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Wer die Termine nicht benutzen will, muß auf eigene Kosten die Impfung vornehmen lassen. Kinder, deren Zurückstellung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können in den Terminen gleichfalls dem Jmpfarzt vorgestellt werden. Carbolineum. Aufklärungen über die zahlreich angebotenen minderwerthigen Carbolineum-Nachahmungen werden gratis und franco versandt. 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