Donnerstag den 4 August -!r. 178 1887. Anlts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. viilreaur Schul st raße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. '»rch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. iv dr in Gießen, o Betreff: Den Feldschutz. -cS und Sterbekaffe der Tischler zu Hamburg Heuchelheim, Klein-Linden, Steinberg, Wieseck, und Sterbekaffe der Schuhmacher zu Hamburg Gießen, N 1-2 Klli _■ ll't 2) die Central-Kranken- in in in in 3) die Central-Kranken- in 4) die Central-Kranken- Daubringen, Gießen, Lollar, Rödgen, Wieseck, Reiskirchen, Hausen, Reichskanzler zur Zeit vorliegen. Die Ausarbeitung eines vollständigen Entwurfes erfolgt erst nach den Aeußerungen der einzelnen Regierungen. In Frankreich, dem klassischen Lande der Duelle, machen zwei Duelle politischen Ursprungs, die entweder schon stattgefunden haben oder unmittelbar bevorstehen, von sich reden. TNS eine Mal handelt es sich um einen Waffengang zwischen Jules Ferry und General Boulanger; letzterer fühlte sich durch die kürzliche Rede des Chefs der Opportunisten, in welcher das Gebühren der Boulangisten und Intranstgenten scharf kritistrt wurde, beleidigt und sandte Ferry seine Zeugen. Letzterer nahm auch an und sollte das Duell am Montag oder Dienstag stattfinden. Bei dem zweiten Duell sind der radikale Deputirte Laur und der bonapartistische Deputirte Delafoffe die Gegner. Laur hatte in einer an die „France" gerichteten Zuschrift Delafoffe als eine derjenigen Persönlichkeiten bezeichnet, welche dem General Boulanger einen Staatsstreich vorgeschlagen hätten. Delafoffe hat nun diese Behauptung nicht nur formell dementirt, sondern auch Laur gefordert. Außerdem schwebt zwischen Letzterem und dem bekannten bonapartistischen Kampshahn Paul de Cassagnac eine Strett- Affaire. Caffagnac hatte Laur wegen deffen Behauptung, es sei eine monarchi- 6) die Central-Kranken- und Sterbekaffe der Bäcker und verwandten Be- russgenoffen zu Dresden in Gießen. l. ^Gem der Dienstmann Rr. 12 Christian Lemp erklärt hat, sein Gewerbe niederlegen zu wollen, werden alle diejenigen, welche etwa Ansprüche !.Jlc von dem Genannten bei uns hinterlegte Caution aus demselben erthellten Aufträgen geltend machen zu können glauben, hiermit aufqefordert, solche «n acht Tagen bei uns anzumelden. Gießen, am 1. August 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. __________________________________________Fresenius. 'M Xi in in in in in in in in Gidßen, in Wieseck, in Rödgen, 5) die Central-Kranken- und Sterbekaffe der deutschen Wagenbauer zrt Hamburg m und Begräbmßkaffe für Frauen der Buchbinder, Portefeurller und anderer Geschäftszweige jeder Art in Deutschland zu Offenbach ^Pslichttt^worden^^ist^^ ö^entIi^en ^^nntniß gebracht, daß Heinrich Müller von Gießen zum Feldschützen der Stadt Gießen bestellt und als solcher Gießen, am 2. August 1887. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. ___ Fresenius. Dienstmann Heinrich Müller (Nr. 11) hat in Folge Ernennung zum Feldschützen sein Gewerbe als Dienstmann niedergelegt und um Mckaabe von chm gestellten Caution gebeten. werden hiernach alle Diejenigen, welche Ansprüche an solche aus den rc. Müller ertheilten Aufträgen geltend machen zu können glauben, auf- swert, mnerhalb acht Tagen dieselben bei uns anzumelden. Gießen, am 1. August 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ■---------------------------------------Fresenius.__ K Berz e i ch niß her im Kresse Gießen bestehenden eingeschriebenen Hülfskaffen. A) die eingeschriebene Hülfskaffe der Cigarren- und Tabacksarbeiter in Gießen und Umgegend zu Wieseck, 22) die allgemeine Arbeiter-Kranken- und Sterbekaffe zu Großen-Linden, B) die Kranken- und Sterbekaffe zu Heuchelheim, S) die Kranken- und Sterbekasse zu Watzenborn-Steinberg, v) die allgemeine Arbeiter-Kranken- und Sterbekaffe zu Steinbach, S3) die Kranken- und Sterbekaffe zu Garbenteich, 7) die Kaufmännische Kranken- und Begräbmßkaffe zu Gießen. Politische Ueberficht. m GieHen, 3. August. .Berlin sand am Sonntag Mittag im großen Ehrensaale des die feierliche Eröffnung der diesjährigen großen Kunstausstellung statt. Dem Eröffnungsacte, welchen der Secretär , , . V Kunstakademie, Geh. Regierungsrath Zöllner, vollzog, wohnte ein 0' W) r8 Publikum, das die hervorragendsten Namen der Berliner Künstler- rnbft er®elt auswies, bei, das Staatsministerium war durch den Cultus- ®°6ler vertreten. Aus der Rede Zöllner'« ist zu erwähnen, daß ; 787 Aussteller, von ihnen 732 Deutsche, die Ausstellung mit 1383 ^«Wwerken beschickt haben. ^Usd^m^eloung, daß den Bundesregierungen die Vorlage i^^rsversicherung der Arbeiter bereits zugegangen fei, war verfrüht; P'v u 'JL i ™ Bundesstaaten noch kein bezügliches Material zugegangen. Auch Reichsamte des Innern bislang noch gar keinen vollständigen Ent- L-r , sondern es handelt sich noch immer um die bekannten Grundoer Alters- und Invaliditäts-Versicherung der Arbeiter, welche dem V e r z e i ch n i ß ta außerhalb des Kreises Gießen domicllirten Hülfskaffen, welche in dem Kreise örtliche Verwaltungsstellen errichtet haben. II) die allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter zu Hamburg in Alten-Buseck, Betreffend: Die Zulassung eingeschriebener Hülfskaffen. Gießen, den 1. August 1887. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreise». Auf Grund der Gesetze über die eingeschriebenen Hülfskaffen vom 7. April 1876 und 1. Juni 1884 theilen wir Ihnen nachstehend die Namen der Kreise Gießen zugelaffenen eingeschriebenen Hülfskaffen, sowie bezüglich der außerhalb des Kreises Gießen domicllirten Wfskaffen die Namen der in dem Kmft eruchteten örtlichen Verwaltungsstellen unter dem Anfügen mit, daß diese Kaffen dem § 75 des Gesetzes vom 15. Juni 1883, die Krankenversicheruna fa Arbeiter betr., entsprechen und daß bie Mitglieder dieser Kaffen von dem Beitritte zur Gemeinde-Kranken-Versicherungskaffe befreit sind. $ 9 Dr. Boekmann. 2. 4. ’M k i? des wohlverstandenen Interesses führte ihn zu dem Anschluß Italiens an die deutsche und österr. Friedenspolitik, und seine große administrative Begabung, die er als Minister in sehr verschiedenartigen Refforts (Finanzen, Marine, Inneres re.) bethätigte, ließ seine Intelligenz und Arbeitskrast als saft unentbehrlich für das Wohl des Lande- auch in den Augen mancher Gegner erscheinen. König Humbert ließ sich den Rath Depretis in allen entscheidenden Fragen zur Richtschnur dienen und er verweilte noch Stunden lang am Krankenbette,ves sterbenden Staatsmannes. Depretis hat Schule gemacht. Die persönliche Neigung dem Staatsinteresse zu opfern ist in Italien heute eine anerkannte Maxime des Patrioten. Findet er würdige Nachfolger im Cabinet, so wird dies sein eigenes Verdienst sein. Um Italien hat sich Depretis hoch verdient gemacht. 14. Juli 1887. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes betr. Anzeige gegen dcn Iw Mw. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Eorrespondenz-Bureau« Gastein, 2. August. Der Kaiser nahm Morgens ein Bad und hörte Vortrage. Zum Diner waren Feldzeugmeister Abele und General Ritter gelabt® Am gestrigen Diner nahmen Theil Fürst und Fürstin Hohenlohe, (Stattbaltn Thun, die Gräfinnen Grünne und Lehndorff. ?rFu,1lSa Pforten zum lebhaften Ausdruck brachte; ein schön gewählter Festplatz mit hnruq Aussicht; die starke Betheiligung der eingeladenen Turnvereine (Gießen, Laubach, r Nidda und Wteseck waren erschienen; die ebenfalls eingeladenen Turnvereine Grünberg und Krofdorf hatten lokaler Festlichkeiten wegen nicht kommen können)- Programmmäßig setzte sich der Festzug um V/z Uhr von der Langsdorser vir» aus in Bewegung; voran Festreiter mit dem Stadlwappen, dann ein Mustkcorps j der anziehendste Theil des Zuges, die lieblichen Festjungfrauen mit der noch veryi'^ Fahne; es folgen die fremden TuLn- und die verschiedenen hiesigen Vereine W Gießen, 3. August. (Landtagswähl). Gewählt wurde gestern in Gießen'Land: Dr. Gutfleisch, Lich-Hungen: Forstmeister Theobald, Nidda: Müller Erk, Romrod: Oeconom Schade, Büdingen-Altenstadt: Pachter Westernacher, Bad Nauheim: Gutsbes. Weith, Vilbel: Gras Oriola. Prov. Starkenburg: Groß-Gerau: Dr. Osann, Gernsheim: Kreisrath Haas, Heppenheim: Oberlandesgerichtsrath Franck, Seligenstadt: Bürgermeister Wolz, Langen: Director Kugler, Bensheim: Oberlandesgerichtsrath Hein- zerling, Bessungen: Gymnasiallehrer Friedrich, Beerfelden-Hirschhorn: Rentner Voerg, Lindenfels: Rendant Hermann, Höchst: Buchhändler Berg- sträßer. Provinz Rheinhessen: Alzey: Gutsbesitzer Karl Römer, Castel- Hechtsheim: Bürgermstr. Möhn, Gau-Algesheim: Kaufm. Rgckö, Nieder-Olm: Gutsbesitzer Wilh Wern her II., Osthofen: Kaufm. Stephan, Wöllstein: Bürgermeister Michel, Wörrstadt: Mühlenbesitzer Matthäi. Darmstadt, 2. August. Auf Grund Allerhöchster Entschließung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs vom 30. Juli ist dem Herrn Friedrich Feldheim das Exequatur als Consul der Vereinigten Staaten von Mexiko in Mainz ertheilt worden. — Se. Durch!. Prinz Ludwig von Battenberg ist zum ersten Osficier an Bord des englischen Panzerschiffes „Dreadnought" ernannt und reist Samstag den 6. August über England nach Gibraltar, wo sich das Mittelmeergeschva!^ unter dem Befehl Sr. Königl. Hoheit de» Herzogs von Edinburgh, iu rotl6^ der „Dreadnought" gehört, demnächst aushalten wird. Gießen, 3. August. Die heute zur Ausgabe gelangte Nr. 8 der Verwaltungsblätter hat folgenden Inhalt: 1. Zwanzigste öffentliche Sitzung des Kreistags des Kreises Gießen vom Paris, 2. August. Der Schwurgerichtshof in Korsika sprach die Gebrüder Landrt wegen des von ihnen Ende Februar erlassenen aufrührerischen Ausrufs frei Die Angeklagten erklärten, sie hätten nicht zum Bürgerkriege auffordern, sondern lediglich auf Mißbräuche bei den Gerichten und Behörden Korsikas aufmerksam machen wollen. Die Bevölkerung bereitete den Freigesprochenen Ovationen. London, 2. August. Im Oberhause erklärt Salisbury, Deutschland, Cyanien und Belgien halten sich unter gewissen Bedingungen bereit erklärt, die beabsichtigte Zuckerprämienkonferenz zu beschicken. Hinsichtlich Frankreichs konnte er noch nichts Bestimmtes sagen. Im weiteren Verlaufe erfolgte in dritter Lesung die Annahmt da Novelle zum Handelsmarkenschutzgesetze. — Im Untcrhause erklärte der Handelsamts - Secretär Worms aus eine bezügliche Anfrage, daß die Beschlagnahme der Ftschersmack „Lady Godiva" innerhalb der deutschen Gewässer erfolgt sein soll. Die Bestimmungen der Nordseefischerei-bon- vention berührten den Fall nicht. Ein Bericht über den Proceß, der mit der Freisprechung des Capitäns geendigt habe, liege dem Handelsamte noch nicht vor, daher könnten vorher etwaige Schritte hinsichtlich einer Entschädigung nicht erfolgen, otnn solche überhaupt gethan werden. — Die amtliche „London Gazette" meldet die Einverleibung des Gebiets „Rode Valley" (Südafrika) in die Kapkolonie. Belgrad, 2. August. Die Königin ist Morgens aus Arangyelovacj jinüfc gekehrt, um sich von dem Könige und dem Kronprinzen zu verabschieden, welch letztere am Freitag über Pesth abreisen. — Zur Ausarbeitung des Verfassungsentwurfs ist eine 16gliederige Commission eingesetzt, in der alle Parteien vertreten sind. Vermischte-. Hungen, 2. August. Prächtig und so recht im Sinne echter, deutscher Turnrni verlief das am Sonntag hier gefeierte Fest der Wethe der Fahne, welche Hungens- Frauen und Jungfrauen ihrem vaterstädtischen Turnverein gestiftet und vorgestern überreicht haben. Alle Bedingungen für einen schönen Verlauf waren ja auch gegeben - Herrliches Wetter (nur vorübergehend drohte ein Gewitter bei Aufstellung des tfWj zuges dem Feste ein frühes Ende zu bereiten); die Sympathien der ganzen Levolkerun« unseres hübschen Städtchens, welches dieselben durch seinen reichen Lehrer Otto Hahn zu Pfaffen-Beerfurth wegen Körperverletzung. 5. Entscheidung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz bdr. dir Beanstandung eines Beschlusses des Gemeinderathes zu Holzheim wegen der Gemeindejagd durch Großh. Kreisamt Gießen. 6. Oeffentliche Sitzung des Prooinzialausschusses der Provinz Oberhessen vom 4. Juni 1887. iSchluß.) , Abonnements auf die Verwaltungsblätter nimmt die Expedition des Gießener Anzeiger entgegen und zwar für die Abonnenten letzteren Blattes zum ermäßigten Preise von 50 pro Quartal. d -orig MtzM! flramit । 8 fau n OB 1 rü ccditt ijufoauti Mdlui itr-Fra' i tzt'Me In Indjti ’üdi'bcr iflratil'ti Men ä:g aiit Schulverwalter Lorey zu Bonswether wegen Mißhandlung. 3. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes betr. Anzeige gegen die Lehrer Eckhard und Rothmann zu Ober-Saulheim wegen Mißhandlung. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes betr. Strafsache gegen den die freiheitlichste Gesinnung zugetraut hätte, aber eben so gewiß ist es, daß in dieser bewegten Zeit, wie später in ruhigeren Perioden, die große Klugheit, und versöhnliche Mäßigung des Staatsmannes aus Stradella den Ausschlag gab. Er wußte diese Mäßigung auch andern fortgeschrittenen Elementen der Linken einzuflößen und so eine parlamentarische Regierung zu bilden, die unter dem « Ull|VtV9 yuv|u#v*l kuitvyt» V»|WVWI VUliy |(UKU habenden Opferrnuth patriotischer Könige dar große Werk der Consoltdirung Flaggen, Gnirlanden, Kränzen, turnerischen Inschriften und Emblemen und 7 ° , r' r T , . r rr V n n r. rrsa cn ...'M ■ ttfnrf<>n mm iphnnfft-n 9Tii8nritrf hrnmtp- Ptn frhnn npmnhlfpr SfeMtnlflH MU des neuen Staatswesens mehr und mehr sicher zu stellen wußte. Die Politik -Mg iihtir W a l'gtOrti * tat, teil -Ha. UlU ii UM SN *n-ge fr* -‘w in aüci W' $ von ,^.Ä0h> •ypib, n d MM ferfll't Viirbtn. »üt $ vuf Mn i ■ iMalt Lehndorff ein. Berlin, 2. August. „ . „ ______w Mtul. Mittag ihren Stiftungstag. Der Feier wohnten der Gouverneur von Berlin, ®rof Schlieffen, bei, ferner Mtnisterialdirector Greiff, die Generalärzte Köhler und Zarde- leben, Generalmajor Blume, die Professoren Helmholtz, Dubois Reymond, Hofmarm Leyden und Koch, ebenso die Garnisonsärzte Berlins und zahlreiche OberstabS- und Stabsärzte. Freiburg i. B., 2. August. Der Großherzog und die Frau GroßhnzoM welche gestern hier eintrafen, besuchten heute Vormittag die Gewerdeausstellung M werden derselben morgen einen zweiten Besuch abstatten. Heute Abend findet zu Ehrtn des Großh. Paares ein Gartenfest im Ausstellungsparke statt. te ool i Sil Lfludd Wi: _______ M? Abends nahm der Kaiser Die militärärztlichen Bildungsanstalten feierten heule tin )er Feier wohnten der Gouverneur von Berlin ra,.r MM da'" ^‘1, "Hi stische Deputation bei Boulanger erschienen, um ihm einen Staatsstreich vorzu- j schlagen, verschiedene zweifelhafte Ehrentitel an den Kopf geworfen, wofür Caffagnac von Laur gefordert wurde. Caffagnac nahm aber nicht an und erklärte, fo lange Laur keinen Namen nenne, werde er ihn al» einen Verleumder betrachten und mit einem solchen schlage er sich nicht. Jedenfalls findet die politische Klatschwelt der französischen Hauptstadt in diesen scandalösen Vorgängen hinreichend Stoff für pikante Erörterungen. In Pari» kam es am Samstag Abend in einer politischen Versammlung der Radikalen, welcher der ehemalige Handelsminister Lockroy prästdtrte, zu einem großartigen Scandal. Die anwesenden Anarchisten griffen aus ihre Weise in die Debatte ein, woraus sich schließlich eine allgemeine „Holzerei" entwickelte, bei der es nicht wenig blutige Köpfe gab. Die „Schlacht" endete mit dem Siege der Anarchisten, welche die gemäßigteren Elemente zum Saale hinauswarsen. Die Anarchisten hatten es eigentlich auf Lockroy abgesehen, doch entkam derselbe noch rechtzeitig aus dem Tumulte; übel wurde der Führer der anarchistischen Störenfriede, ein gewisser Sondey, zugerichtet. Derselbe mußte sich seine Wunden in der nächsten Apotheke zubinden lassen und wurde dann von der Polizei zum Ueberfluß noch verhaftet. Zur „Erleichterung des Geldverkehres" ordnet ein Ukas des Czaren an den Finanzmintster an, daß zur Tilgung der Schuld der Reichsbank für die provisorisch emtttirte Creditbillets im Betrage von 330 Mill. Rubel dem Um- । wechslungssonds 40 Mill. Gold aus der Betriebskaffe der Bank zu überweisen sind. Weiter verfügt der Ukas, daß die fernere Tilgung der Schuld durch Ein- । zahlung von Gold in den Umwechslungsfonds oder durch Vernichtung von i Credit-Rubelbillets ohne Störung des Geldverkehres zu bewirken ist. Es fragt ! sich nur, wie lange die Betriebskaffe der russischen Reichsbank diese Goldab- zapsung aushalten wird! Da« Hinscheiden des italienischen Ministerpräsidenten Depretis hat ganz Italien in tiefe Trauer versetzt. Auf allen öffentlichen Gebäuden hängen als äußeres Zeichen der Landestrauer schwarze Flaggen aus. In Rom und Neapel wurden am Samstag beim Bekanntwerden der Trauerkunde die Börsen, in Turin alle größeren Geschäfte, in Messina die Theater geschloffen. Das Leichenbegängniß Depretis' findet am 4. August auf Staatskosten statt, und zwar in Stradella, der Vaterstadt Depretis. lieber das Ableben Depretis' schreibt man aus Rom: Italien ist durch den Tod feines leitenden Staatsmannes, des 74jähriaen Premier-Ministers Depretis in Trauer versetzt. Bis zum letzten Augenblicke hat der patriotische und scharfsinnige Politiker, welcher auf seiner Besitzung in Stradella vom Leben geschieden ist, seine Gaben und Kräfte eifrigst dem Vaterlande gewidmet und sich so den Anspruch aus ein ehrendes Andenken bei Allen, auf einen hervorragenden Platz in der Geschichte seiner Nation gesichert. Gleich wie Crispi, der ihm in der jüngsten Zeit zur Seite stand und vermuthlich fein Nachfolger als leitender Minister fein wird, (wenn auch das ganze Cabinet aus Anlaß des Todesfalles feine Demission aus Ehrerbietung vor den freien Entschlüssen der Krone einreichte), hatte Depretis die weitestgehenden freisinnigen Tendenzen, die ihn zu Garibaldi'» Freund und Arbeitsgenoffen machten, mit der größten Umsicht und Klugheit im Dienste de» Landes zu vereinigen gewußt. Er war kein Fanatiker. Man könnte eher sagen, daß er zu den Enkeln eines Macchiaoelli zu rechnen wäre, was die Unterordnung der persönlichen Neigung unter, »bic. Nothwendigkeit und die kühle kritische Würdigung der realen Sachlage, den rückhaltlosen Gebrauch der zum öffentlichen Wohl dienenden Mittel betrifft. Die Vaterlandsliebe war ihm der Boden, auf dem sich ehrliche Männer verschiedener Parteifarbe zusammenfinden und verbinden können, und nie fehlte es an Depretis Gewandtheit und gutem Willen, wo es eine solche Combtnation zu Stande zu bringen galt. Sicher war der Mann, der zur 1848er Zeit das gegen Oesterreich ausgesiandene Bosnien verwaltete, ein kühner und freihettsbegeisterter Politiker, gewiß auch hätte Garibaldi, der ihm die dictatorifche Gewalt über Sicilien, bei der Einverleibung dieser Insel in’« neue Königreich Italien übertrug, solche nicht einem Manne übergeben, dem er nicht den wärmsten Patriotismus und wehr, Gesangs-, Krieger-, zuletzt Turnverein). ir! . Bei dem Marsche durch die Stadt äußerten sich die Sympathien der Emw y für die turnerischen Bestrebungen recht ansprechend in den vielen, vielen # sträußchen und Willkommrufen, welche allenthalben den Turnern zu Theil wur • Nach Ankunft auf dem Festplatze fand unter entsprechenden Ansprache hüllung und Uebergabe der Fahne statt. Und hierauf entwickelte sich em turn i Treiben, an dem jeder wahre und einsichtige Turnersmann und Tur^sreui innige Freude haben konnte. Alles, was vorgeführt wurde, war umtteryas. i einem hiesigen Freunde unseres Blattes wird uns dies bestätigt und besonoe gehoben, daß gerade der noch junge Hungener Turnverein sich in ganz ausg z Weise vorstellte. Anm. der Red.) .. . M q-nrN Das Turnen bestand in Freiübungen, Wettturnen von Musternegen, * der Hungener Zöglinge. Zum Musterriegenturnen traten 6 Riegen an, den 6 genannten Vereinen; eine derselben (die Gießener), welche durcy oa^ die letzte Stelle verwiesen war, mußte auf den Mitbewerb verzichten, oa 1 dem Abendzug nach Hause zurückfahren wollte; die Uebrigen iuntten an _ Pferd und erhielten jede einen Preis und zwar in der Reihemolg . - 2. Nidda, 3. Wteseck, 4. Laubach, 5. Lich. Hieran reihten sich bk Uebunßen v linge; Turnwart Frutig zeigte eine recht hübsche Gruppe brillant zur Ausführung kamen. Turnlehrer Bender stellte bk ersteZ g en klasse in Marschbewegungen (Reihen- und Frontmarsch, Schwenkungen, vor und erntete damit den lebhaftesten Beifall der zahlreichen ’unb PfM turnte die kleine (klein an Wuchs, gezählt warens 50) Schaar an ^drückt Viele der fremden Turner sollen ihr Erstaunen über diese Leistungen » tn ein« versprochen haben, zu Hause davon zu erzählen und zu betonen,. ® ueüetücbt'P . solchen Stamme von gut ausgebildeten Zöglingen eine nicht versiege herein Turnermateriales für jeden Turnverein liege. Im Ganzen: 9 jLe|lien ge,;« W'TU zufrieden sein mit dem Verlaufe des Festes; er hat sich den o streben hat * tz über als ebenbürtig erwiesen; sein redliches, ernstes hn^n bk aiid) von verschied^ gebührenden Lohn und wohlverdiente Anerkennung gefunden, d e Effolgei l» » Rednern ausgesprochen würbe. Und wem verdank' der Ber in 6er Allem jenem von seinen Gründern und Förderern hochgehaltener il, I n kfer Ansprache des Obmanns des Kampfgerichts, Herrn C. Jo ft, hervorgehoben Iittoe: Das Turnen solle nicht glänzende Einzelletstungen, sondern tüchtige Gesammt- i^mlaen erzielen; nur dann erfülle es seine nationale Aufgabe. Nach vollbrachter ernster Arbeit traten Fest-Jubel und fröhliches Festtreiben voll j Ifore Rechte. A Mainz, 1. August. Vier Burschen der hiesigen Acttenbrauerei machten ,,ixn Avend eine Nachenfahrt auf dem Rhein. Des Fahrens nur wenig kundig, wurde S dichtes Fahrzeug von den Wellen eines Trajectbootes ersaht und schlug um. jLjg der Burschen konnten sich mit knapper Noth retten, während ein dritter sofort sl«gtng und in den Wellen verschwand. Der vierte der Burschen machte vergebet Anstrengungen, sich über Wasser zu halten, wurde aber immer mehr von dm erfaßt; da gewahrte plötzlich von der Nheinbrücke aus ein Pionier den Kampf ^Ertrinkenden; rasch entschlossen warf er Seitengewehr, Rock und Mütze ab und H2U0 von der hohen Brücke in die Fluthen, gerade noch rechtzeitig genug, um den rirben Wellen Kämpfenden vor dem sicheren Tode zu retten. Stürmische Zurufe MM der einstweilige Dank, der dem wackeren Menschenretter von den zahlreichen Dauern, welche die Reltungsscene von der Brücke und den Ufern aus mit an- &tn, wurde. Mainz, 2. August. Der kühne Schwimmer, der seine eigene Person ver- .«ifltb am Sonntag Abend den hohen Sprung von der Straßenbrücke in den Rhein viele, um ein Menschenleben zu retten, ist hier der Held des Tages. Mit Recht schätzt ei«: hier in allen Kreisen die That des unerschrockenen Mannes — Louis Glöckner jö dessen Name — höher als so viele nutz- und brodlose Bravourstückchen, die in der IiM Zeit von verschiedenen tollkühnen Müßiggängern hier und dort ausgeführt Eilten. Obwohl es unzweifelhaft ist, daß dem Braven eine staatliche Anerkennung in Theil wird, erheben sich in der Presse Stimmen, die zur Sammlung von Beiträgen eiiftordern, um dem edlen Menschenretter durch ein Geschenk die Anerkennung und den rauk der Allgemeinheit öffentlich zu bethätigen. A Aus dem Rheingau. Mit Rücksicht auf das Vorsinden der Reblaus in rimm Garten in Biebrich ist von dem Regierungspräsidenten von Wiesbaden eine Bymaüge sorgsame Untersuchung aller Weinpflanzungen im ganzen Rheingau an- mrdnet worden. Die Untersuchung erfolgt durch eine eigens ernannte Commission, .^ welcher die Bürgermeister der jeweils untersuchenden Gemeinde, sowie Sachver- HLndige aus verschiedenen Weinbau treibenden Gegenden Deutschlands zugezogen sind. Zr Rheinhessen ist man eben mit der alljährlichen Besichtigung der Weinberge zu Me. Allenthalben wurde constattrt, daß die Rebstöcke ein gesundes Aussehen zeigen M nirgendwie verdächtige Anzeichen vorhanden sind. :r. Gingesandt. Gießen, 3. August. Am vorigen Samstag Mittag etwa um 2 Uhr fand an der Ecke der Licher- urfo Grünbergerstratze ein Auflauf statt. Ein Mann, der aus Ltch sein soll und an Mktlagen mit einem kleinen Pferdchen hierherfährt, gab seinen Zärtlichkeitsgefühlen sii seine Frau mit der (eigentlich für das Pferdchen bestimmten) Peitsche so lebhaften ÄlÄdruck, daß der Eindruck, den diese eigenthümlichen Liebesbetheuerungen auf die ßhsgatttn machten, bis nach der „Germania" schallte. — „Gott sei Dank", soll eine in tetr Zuschauermenge stehende Frau gerufen haben, „datz meine Schwester tobt und bei Mißhandlungen dieses Menschen entgangen ist!" Der Brave probirte nämlich an diesem Samstag seine Peitsche an seiner zweiten grau. Begleitet von einer „Schaar von Gaffern groß und klein" ging die M die Licherstraße hinauf bis zum letzten Hause, Wirthschaft von Külbach. Hier Me sich der Biedermann durch einige „Spirituosen", die seine Zärtlichkeit zu ntEtn Beweisen anregten, daß man es weit hin hören konnte. Müssen derartige Vorgänge auf offener Straße und vor vielen Menschen nicht MheiUg wirken? Hat Geistlichkeit, Gericht, Schutzmannschast, Gensdarmerie u. s. w. und reine Gewalt - und sind sie alle nicht im Stande, einer armen Frau gegen brutale Gewalt zu helfen? Eiland, wo die Weiber bekanntermaßen von ihren rohen Männern mehr als in irgend einem Lande der Welt, hat man im Parlamente den Antrag etngebracht, die Frauen doch wenigstens unter den Schutz — des Thierschutz- veretns zu stellen. m.hr Ask A3" England hat jedes Thier mehr gesetzlichen Schutz und mehr Hilfe gegen Mißhandlung als eine Frau. Und wir sollten so wett zurück sein, wir trotz der vielen Gesetze, trotz der behaupteten hohen Bildung nicht einmal im NN?, einer schwachen Frau zu helfen. Ist es nicht ein Zustand von gründ« ein Lehrer, wenn er einen ungezogenen und unerzogenen Jungen straft, sich der Gefahr aussetzt, vor Gerichl gestellt zu werden; daß aber ein roher Mann seine Frau ganz furchtbar mißhandeln kann und kein Gericht das Recht haben soll, sich da hinein zu mischen? Literarische-. ~ ^ie Sonnenfinsterniß am 19. August 1887.] Deutschland sieht in der Zeit vom Jahre 1700 bis 2000 keine so große Sonnenfinsterniß als die bevorstehende, und es wird daher sehr erwünscht sein, wenn wir auf eine Veranschaulichung dieses hochwichtigen Ereignisses aufmerksam machen, wie sie besser und erschöpfender nicht gedacht werden kann. Es ist dies eine höchst elegante, von Rich. Schurig bearbeitete, in dem rühmlichst bekannten graphischen Institut von Ed. Gäbler in Neustadt aus- gefuhrte und in der Verlagsbuchhandlung von Karl Fr. Pfau in Leipzig erschienene Karte unter dem Titel: »Die große Sonnenfinsterniß am Morgen des Ist. August 1887". Die Größe (75 zu 64 Zentimeter) und die Einrichtung derselben ermöglicht es, daß jeder Deutsche seinen Wohn- bezw. Beobachtungsort auffinden und sich über die näheren Umstände des daselbst sichtbaren Ereignisses — Aufgang der Sonne, Zeit und Größe der größten Verfinsterung und Ende der Finsterniß — in verständlichster und ausführlichster Weise unterrichten kann. Die blauen Linien und die beigegebene Tabelle von 191 Orten belehren uns, datz die Sonnenfinsterniß in einem sich mitten durch ganz Deutschland ziehenden, 180—184 Kilometer breiten, auf der Karte blau schraffirten Streifen total ist, die Sonne für die Orte dieses Streifens also auf einige Zeit — bis 2.3 Min. — ganz verdeckt wird, und daß die Sonne zur Zeit der größten Verfinsterung auch für die von diesem Streifen entferntesten Orte fast ganz verschwindet. Zugleich verbreitet sich die Karte über die bei der Finsterniß auftretenden eigenartigen Erscheinungen und über die Art der besten Beobachtung. Zugleich kann dieselbe als sehr specielle Karte von Deutschland benutzt werden und darum ist der Preis — 40 Pfg. — ein wunderbar billiger. Temperatur in Gießen. Juli 1887. Niederste....... + 3,0 OB. Mittlere....... + 15,87 Mittel früherer Jahre..... + 14,46 „ 1874 ....... + 16,41 „ 1859 ....... + 16,79 Höchste........ + 26,5 Niederschlag an 8 Tagen .... 3,93 Par. Zoll. „ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,81 H ff Wärmegrade der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 3. August, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17Vs Grad, Luft im Schatten 15 Grad. L. Ehr. Rübsarnen. 5Die Anfertigung von Baumgruben ÄI Dieses karbolsaure Anstreich - Oel schützt alle im Freien oder in Feuchtigkeit liegenden Holzarten vor Fäulniß und vor dem lästigen Hausschwamm und ebenso auch das Mauerwerk. Vermöge seiner Dünnflüssigkeit dringt es tief in das Holz ein und giebt demselben eine nußbraune Farbe. Die Gegenstände können später auch noch mit Oelfarbe gestrichen werden. 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Piet ich) in Gtitz«. , , $ * Heu g« Stummer enthält 1 Blatt u 1 fttHagt, sowie eine Extrabeilage, betr. Carbolineum Giest" 5798] Aushülfst-llner für nächM Sonntag gesucht in Stein s Garten^—, □ 5/8 8 Uhr. Obi j 5786__________ Frische Sendung achter Emmenth. Schweizerkäse eingetroffen bei 5306 CarR Lßvlvr, Kreuzplatz 6. r 5753 Ein Kinder-Titzwügelchen wird billig abgegeben._________Alicestraße 24. 579Ö Eine gebrauchte eiserne Dreh- bank mit Kreuzsupport zu verkaufen. Näheres in der Exped. d. Bl- Restauration Lahnjlein. Sonntag den 7. August, Abends 8 llljr: Grosses Zither-Co» mit italienischer Nacht aurgeftihrt vom Gießener Zither-Club (WohlthätigkeUEM Es kommen u. A. zum Vortrag: „Deutscher Schützenfestmarsch" von Keller. „O du himmelblauer See" von Millöcker. „Zwiegespräch auf der Alm" von Zaubitzer. Er,tree 25 Pfg. Der Vorstand. NB. Mitglieder gegen Vorzeigen der Vereinskarte frei. 5795 Bauer scher Gesangverein. Sommerfest Sonnlag den 7. August in Stein's «arte«, mit Betheiligung der Bundes ° Gesangvereine von Biedenkopf Wetzlar, Marburg und Weilburg, sowie der hiefigen Militär, kapelle, unter Leitung des Herrn Musikdirector Krauste. Eintritt an der Kaffe ä Person 60 Pfg., im Vorverkauf b* oen Herren D. Heil, Lindenplatz, Friseur Conrad, Mäusburg und Friseur Muhl, Bahnhofstraße, ä Person 40 Pfg. Tüchtige solide Gigm«; wacher finden in einer figen Fabrik dauernde unb lohnende Beschäftigung Näheres in der Exped. 5481 5751 Ein fleißiger gewandterArheÜtt bei gutem Lohn und dauernder tigung gesucht. Georg PHUtppGsÜ, Wohnungs-Veränderung. Von jetzt an wohne.ich Katharinengaffe 8. fd)on gelegen, Nahe der dahn, zu verk. durch 0787___I. Blitz. 5780 Ein blühender Oleander billig zu verkaufen. Zu erfragen in der Exped. d. Bl. Zur Iagdsaison empfiehlt: Lefaucheux- Centralfeuer f Doppelflinten