Nr. S2. Donnerstag den 3. Marz 8 SST Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. |Ä • durean: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. ES Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobrr. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bekanntmachung. 1528 Auf dem gestern dahier abgehaltenen Viehmarkt sind drei Kälber zurückgeblieben, dessen Eigenthümer sich bis jetzt nicht gemeldet haben. Derieniae .der Ansprüche an dltse Kälber machen zu können glaubt wird aufgefordert, seine Ansprüche binnen 4 Wochen bei der unterzeichneten Behörde vormdrinaen' Mdngenfalls die Kalber als gefundene Gegenstände behandelt werden. } a Gießen, am 2. März 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. _______ Fres enius. Politische Keberfkcht. GLeßen, 2. März. Die Parteien sind eifrig bemüht, die Gewinne und Verluste Ler Hauptwahlschlacht gegenseitig abzuwägen und selbstverständlich bietet sich da eine ganze Reihe interessanter Einzelheiten dar. Ein vollständiges Facit wird sich aber doch erst nach den Stichwahlen ziehen lassen und daher wird erst zu diesem Zeitpunkte eine erschöpsende Uebersicht über die Ergebnisse der diesmaligen ReichstagÄwahlen möglich sein. Inzwischen hat sich in der Presse bereits eine lebhafte Polemik über die Zusammensetzung des Präsidiums des neuen Reichs- tage- entspannen, da ja die Parteien unter theilweise ganz veränderten Stärkeverhältnissen in das neue Parlament eintreten. Bis jetzt lag bekanntlich das Amt des Präsidenten in den Händen des deutsch'conservativen Herrn v. Wcdell- Piesdors, während die erste Vicepräsidenten-Stelle durch den dem Zentrum angehörigen Fr ei Herrn v. Franckenstein und die zweite Vicepräsidenten-Stelle durch den deutsch.freisinnigen Abg. Hoffmann besetzt war. Diese Vertheilung der drei obersten Ehrenämter des Reichstages entsprach im Allgemeinen den bisherigen parlamentarischen Stärkemrhältniffen, wenngleich das Centrum als die weitaus stärkste Partei gerechten Anspruch auf das Hauptpräsidium gehabt hätte; indessen begnügte sich das Centrum schon feit einer Reihe von Jahren mit der ersten Viceprändenten-Stelle und überließ die Oberleitung der Verhandlungen in dem richtigen Tactgefühle, daß sich für ein überwiegend protestantisches Parlament kein katholischer Präsident paffe, freiwillig den Conservativen. Jetzt treten aber die Nationalliberalen, welche bereits in den Hauptwahlen dem Centrum an Mitgliederzahl nahe gekommen sind, als ernstliche Concurrenten auf und die Sache gestaltet sich da eigenthümlich genug. Mit dem zweiten Vicepräsidentenfitz, auf den die Deutsch-Freisinnigen natürlich verzichten müssen, werden sich die Natio- vslliberalen nicht begnügen, ebenso wenig aber auch das Centrum und soll man vielleicht den Conservativen zumuthen, vom ersten Präsidium auf die dritte Stelle herunterzusteigen? Es handelt sich hier ja eigentlich nur um eine Eüttttensrage, aber doch bieten die Präsidentenwahlen immer die erste Gelegenheit für die Parteien dar, gegenseitig ihre Kräfte zu messen und unter den obwaltenden Verhältnissen wohnt ihnen diesmal eine gewisse Bedeutung inne und darf man daher der Lösung dieser Frage mit Interesse entgegensehen Uebcr die Persönlichkeit, welche die Nationalliberalen ihrerseits für die Präsidentenwahl Vorschlägen werden, ist noch nichts bekannt; jedenfalls wird dies aber weder H.rr v. Bennigsen, noch Herr Dr. Miquel sein, denn keine Partei pflegt für die Präsidenten-Stellen ihre hervorragendsten Führer zu nominiren, da dieselben durch die Leitung der parlamentarischen Geschäfte zu sehr der Leitung der Partei entzogen werden würden. Die Eröffnung des Reichstages am morgigen Donnerstag wird, wenn irgend möglich, durch den Kaiser in Person vollzogen werden, während der Reichskanzler die Thronrede verliest. Nur wenn es der Gesundheitszustand des Kaisers nicht gestattet, daß der Monarch im Reichstage erscheint, soll die Eröffnung durch den Kronprinzen erfolgen. Aus Corsica, der Wiege des Bonapartismus, ist ein bonapart i- stischer Putsch inscenirt worden. In Sartöne stellte sich ein fanatischer Anhänger des Kaiserreichs, der Advocat Leandrie, welcher kürzlich einen revolutionären Aufruf veröffentlicht hatte, an die Spitze eines bewaffneten Volkshaufens Mld zog gegen das Präfecturgebäude. Von Ajaccio aus wurden 2 Compagnien Infanterie nach Sarlöne entsandt, denen die Wiederherstellung der Ordnung gelungen fein dürfte. Die italienische Minister krisis wird zu einem chronischen liebel. Jetzt hat auch Gras Robilant die Neubildung des Ministeriums abgelehnt und nun ist guter Rath theuer. Soll sich König Humbert nun doch an die Oppo- sttionsführer CriSpi und Cairoli als Retter in der Noth wenden, da nun einmal in den Rechen der Regierungspartei Niemand vorhanden zu sein scheint, der Depreiis und Robilant auch nur Halbwegs ersetzen könnte? CriSpi und Cairoli gelten aber doch als Gegner eines festen Zusammengehens Italiens mit Deutschland und Oesterreich, während König Humbert erklärt haben soll, daß eins derartige Politik dis Richtschnur auch für das neue Cabinet zu bilden habe — wie wurde sich da eine Berufung dreier Männer in das Ministerium mit einer auswärtigen Politik vertragen, die sie tadeln? Jedenfalls ist die italienische Ministerkrisis eine schwere Calamität nicht nur für den Apenninenstaat selber, sondern sie droht auch bei längerer Dauer zu einem Factor zu werden, der möglicher Weise auf die europäische Friedens-Constellation ungünstig einwirken wird. Deutschland. Darmstadt, 1. März. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Mergnädigst geruht: Am 19. Februar den Lehrer am Gymnasium zu Büdingen. Dr. Theodor Walter, zum Lehrer am Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt, mit Wirkung vom 1. April d. Js. an, zu ernennen. Berlin, 1. März. Der Kaiser empfing Vormittags eine Reihe militärischer Meldungen, sowie die Vorträge Albeoyll's und Caprio/s und machte Nachmittags eine Ausfahrt. — Der Congreß deutscher Landwirthe nahm einstimmig eine Resolution an, welche sich gegen eine Einschränkung der Production uno für eine anpe« meffene Erhöhung der landwirthschaftlichen Schutzzölle ausspricht, welche unbeschadet anderer volkswirthschaftlicher Maßnahmen wesentlich zur Hchung der landwirthschaftlichen Krisis beitragen werde. England. London, 1. März. Unterhaus. Ferguffon erklärt, über gewiss: Punkte an der afghanischen Grenze von Zulfikar nach dem Oxus zu werde noch verhandelt. Ais diese Angelegenheit geordnet sei, erscheine eine weitere Vorlage von Schriftstücken nicht erwünscht. Howell beantragte Untersuchung wegen her gegen den Londoner Munizipalrath erhobenen Beschuldigung unerlaubter Verausgabung öffentlicher Gelder, welche behuss Beeinflussung der Unterhaus- beschlüffe über die Reform des Londoner Munizipalraths stattgefunden hätte. Smith sagte Einleitung der Untersuchung zu, sobald Howell seine Anklagen genügend begründet hätte. Die Regierung habe die Angelegenheit erwogen, er werde morgen den Beschluß der Regierung mittheilen. — Gegenüber den gestrigen Meldungen der „Libertö" erfährt das Reu- ter'sche Bureau, daß keine Verhandlungen zwischen Frankreich und England über einen modus vivendi, bei welchem die Interessen aller detheiligten Staaten m Egypten berücksichtigt werden könnten, stattgesunden haben. Solche Verhaut- lungen könnten auch nicht stattfinden, bis England bereit sei, Vorschläge zu for« muliren, welche ganz von den Unterhandlungen Drummond Wolff's wegen Herbeiführung eines definitiven Einvernehmens mit der Pforte abhingen. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenzo Bureau. Berlin, 1. März. Heute Nachmittag fand unter dem Vorsitz des Fürsten Bismarck eine Sitzung des Staatsminifteriums statt, worin es sich vermutytlch um die Thronrede zur Reichstagseröffnung handelte. Berlin, 1. März. In einer am gestrigen Tage unter dem Vorsitze des Staatsmintsters, Staatssecretärs des Innern, v. Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzuutr erklärte sich der Bundesrath mit der Wiedervorlegung der Gesetzentwürfe über bie Feststellung des Neichshaushalts - Etats für 1887—88, über die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltung des Reichsheeres und der Marine zc., über bie Friedenspräsenzftärke des deutschen Heeres; über die unter Ausschluß der Orffentlichkett- stattfindenden Gerichtsverhandlungen, über den Servicetarif und die KlasseneintheUung der Orte, und über die Fürsorge für die Wittwen und Waisen von Angehörigen der» Reichsheeres und der Marine an den Reichstag einverstanden. Die vom statistischen Amt aufgestellte Uebersicht der nach der Verfassung unb den Gesetzen des Reiches festzustellenden Bevölkerungszahlen nach der Zählung vom 1. Decembcr 1885, sowie ein Antrag auf strafrechtliches Einschreiten gegen die Presse wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Essen, 1. März. Die „Rhein.-Westf. Ztg." melbet, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten ein neues Statut der westfällschen Bergwerkschaftskasse, wonach fie zur zwangsweisen Beschränkung der Kohlenförderung ermächtigt wird, genthmigt. Dresden, 1. März. Der außerordentliche Landtag trat heute Nachmittag nrr ersten und zweiten Präliminarsitzung zusammen. Es erfolgte die Wahl der Ao- theilungen und des vorigen Directoriums. Diorgen um 2 Uhr findet bie Eröffnung des Landtags durch den Kriegsminister Fabrice statt. Zum Präsidenten der crjitn Kammer wurde v. Zehmm wiederernannt. Paris, 1. März. Millaud begibt sich heute Abend nach den vom Erdbebe.'r betroffenen Orten. — In der heutigen Sitzung des Ministerrathes soll Boulanger mitgethestt. haben, daß die auf den Straßen verkaufte Karle der fronzöfisch-deutlchen ©treitfiaf.e nur eine Reproduction einer ungenauen Arbeit eines englischen Blattes sei. — Hier eingegangenen Meldungen zufolge ging der Dampfer „Valparaiso" aus der Fahrt nach Brasilien bei der Einfahrt in den Hafen von Digio unter. Die Pastu- giere, das Gepäck und die Postsachen wurden geborgen. Saint Etienne, 1. März. In dem Kohlenschachte von Ehatelus, wo 90 Arbeiter beschäftigt sind, fanden schlagende Wetter statt. 20 Mann retteten sich, 10, darunter 2 Todte und 6 Schwerverwundete, wurden herausgezogen. Man glaubt^ alle Uebrigen seien erstickt. Nom, 1. Marz. Die „Agencia Stefans veröffentlicht folgendes Communiquö: Nachdem Depretis das Mandat zur Cabinetsbildung abgelehnt hat, wandte sich der König an Robilant, welcher das Mandat gleichfalls nicht annahm. Der König berief alsdann den Kammerpräsidenten Biancheri und hierauf den Senator Forint. Da auch diese die Uebernahme der Cabinetsbildung ablehnten, behielt sich der König weitere Entschließungen vor." — Mehreren Blättern zufolge finden mit Saracco und Rudtni weitere Besprechungen wegen der Cabinetsbildung statt. Rudini conferirte Kestern mit dem König. — In Diano-Marina wurde heute ein leichter Erdstoß verspürt. Rom, 1. März. Der König stellte dem Municipalrathe, welcher zuerst einen Aufruf (in die Italiener zur Unterstützung der von dem jüngsten Erdbeben betroffenen Provinzen erließ, 150,000 Frcs. zur Verfügung. — Bei den gestrigen Ruhestörungen in Cagliari wurden drei Personen durch Schüsse, ein Hauptmann und zwei Soldaten durch Steinwürfe verwundet. Der Ä^rwaliungsralh der Credit-Sparkasse wurde aufgelöst und ein königlicher Commissar ernannt. — Einer Depesche aus Massauah zufolge traf dort Salimbent mit einem neuen Schreiben Rusalula's aus Asmara ein. Bukarest, 1. März. Ein hier verbreitetes Prioattelegramm aus Giurgewo meldet, ouß unter der Garnison von Siltstria Kundgebungen gegen die Regentschaft sraltgefunden haben und daß von Varna und Schumla Truppen dorthin dirigtrt meiden. Eine officielle Bestätigung der Nachricht liegt nicht vor. Universität- - Chronik. — Die bisherigen Prioat-Docenten Dr. Wiener und gerichtlicher Physikus Dr. Lesser in Breslau sind zu außerordentlichen Professoren in der medicinischen Facultät der dortigen Universität ernannt worden. — Aus Heidelberg wird dem „Fr. I." geschrieben, daß Herr Dr. Arth. Kleinschmidt am 17. v. M. zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. Lokales. Gieße«, 2. März. Samstag den 5. l. Mts., Vormittags 9 Uhr, kommt in öffentlicher Sitzung des Kreisausschusses zur Verhandlung: Gesuch des Wtlh. Reiber in Gießen um Erlaubniß zur Aufstellung einer Dampfmaschine. Gießen, 2. März. Tagesordnung für die Stadtvcrordneten-Sitzung am Donnerstag den 3. März 1887, Nachmittags 4 Uhr. 1. Geschenk für die städtischen Schulen am Kaisers Geburtstag. 2. Die Vergebung der Lony'schen und v. Krug'schcn Stiftung. 3. Einsetzung Plockischer Stistspfründen. 4. Einrichtung von Naturalverpflegungsstationen. 5. Versteigerung von Bauplätzen an der Goethestraße. 6. Versteigerung eines Bauplatzes an der Licher Chaussee. 7. Bekanntmachung der Holzversteigerungen. 8. Düngung der städtischen Wiesen. 9. Die sogen. Wodcstraße. 10. Bestimmung von Abladestellen von Schutt. 11. Bau von Isolierbaracken. 12. Gesuch des Gastwirths Ludwig Pfeil um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes. 13. Gesuch desPumpcnmachers Karl Hamel um pachtweiseUeberlassung eines Holzlagerplatzes. V Gießen, 2. März. Unsere Landsmännin Fräulein M. Langsdorfs gab vm Mittwoch den 23. v. Mts. ein Concerl in Berlin und hat in der Metropole des Deutschen Reiches einen Erfolg errungen, welcher der jungen Sängerin ohne Zweifel eine glückliche Laufbahn eröffnen wird. Von den in allen Blättern günstigen Berichten wollen wir den des Berliner Fremdenblattes hier wiedergeben. Es heißt dort nämlich: Die junge Dame besitzt eine umfangreiche und ausgiebige Altstimme von gleichmäßig schönem Klang und guter Schule; die Intonation ist rein und die Aussprache höchst lolnnswerth. Der Vortrag hält sich fern von allem Anempfundenen und Gekünsteltem Der Vortrag der Bruch scheu Arie aus „Achilleus" und der Lieder von Schubert, Schumann, Müller, Jüngst und Schnell hinterließ einen durchaus günstigen Eindruck.' Das Erdbeben vom 23. Februar. Nervi, 24. Februar. Die Nächte vom 22. auf den 23. und vom 23. auf den 24. Februar erinnerten den Besucher der Riviera lebhaft an die schlimmen Zeiten des Jahres 1854, als die heftigen Erderschütterungen in der Schweiz, welche das berüchtigte Erdbeben zu Visp herbeiführten, den geängstigten Fremden die Nachtruhe raubten Man campute jetzt dahier, wie damals dorten, im Freien oder in den untersten Räumlichkeiten der Gasthöfe, um sobald als nöthig und möglich in's Freie zu gelangen Die in größerer Zahl auf einander folgenden Erschütterungen, welche am 23. Februar unb zwar früh zwischen 6 und 10 Uhr sich in Form heftiger undulatorischer Schwingungen und Stöße auch hier bemerkbar machten, riefen eine solche Beängstigung hervor, daß Keiner ruhig dem folgenden Tage und der nächsten Nacht entgegenzusehen wagte. Diese Erschütterungen zählen wohl zu den bedeutendsten Erdbeben, welche in den zung'ten Jahrzehnten statt hatten. Das Centrum der Erdbewegungen dürfte wohl nach der Gegend zwischen Savona und Nizza zu verlegen sein, von wo aus sie sich nach verschiedenen Seiten der Riviera verbreitet zu haben scheinen. Wie es nach Wenen (in Bordlghera, San Remo, Mentone, Nizza) zugegangen, wird durch den D-leqravhen ui Deutschland wohl schon bekannt sein, im Momente, da ich diese teilen niede, schreibe Hier in Nervi, einem am Meere gelegenen Landstädtchen, wo eine große Zahl deutscher Familien ^hre Winterquartiere aufgeschlagen, hat keinerlei Un- gluckssall sich zugetrvgen. Die ersten Erdstöße wurden indessen am 23. Februar trotzdem in sehr heftiger Weise verspürt; mit Rccht verließ ein Jeder Bett und Haus «m de„ Folgen einer möglichen zweiten, vielleicht heftigeren und gefährlicheren Er- jchutterung zu entgehen Wie berechtigt diese Angst war, ging aus den im Laufe des der Nachbarschaft eingelaufenen schlimmen Nachrichten über eine zweite Erderschütterung hervor. Bis zur Nachmittagssiunde, nachdem ich Ihnen mein Telegramm übersandt hatte, waren schon gegen 40 Todesfälle und über 150 theils leichte, theils schwere Verwundungen von der Riviera di Ponente bekannt, welche die Einwohner der zwischen Mentone und Genua liegenden Städte betroffen haben. Kaum irgend einer der dortigen Orte dürfte verschont geblieben sein. Von Mentone, aus dem Hotel des Ambassadeurs kam soeben ein Veiwundeter^hier an. Die Einwohner aller Ortschaften an der Riviera di Levante kamen mit dem Schrecken davon; bis jetzt ist, abgesehen von einigen leichten Häuserbcschädigungen, kein Unglückssall gemeldet worden. In der vergangenen Dtncbt (23. zum 24. Februar), welche ebenfalls einige leichtere Erschütterungen brachte, flüchtete eine große Zahl von Genuesern und Fremden aus genuesischen Gasthäusern zu uns herüber. Hier waren in Folge dessen beute früh alle Gasthäuser überfüllt, jetzt aber, nachdem wieder einige Beruhigung Platz gegriffen, kehren die genuesischen Kaufleute nach ihrer benachbarten Heimath zurück, um ihre Geschäfte zu ordnen, jedoch mit der Absicht, in dieser Nacht wieder nach hier sich zu begeben, woselbst die Erschütterungen beider vorangegangener Nächte wett weniger empfunden worden sind, als in dem zwölf Kilometer ven hier entfernten Genua. Viele Gebäude in der prächtigen Terrassenstadt, insbesondere solche, die in der Nähe des Meeres liegen, erhielten bedeutende Risse. Der erste Stoß am 23. Februar (um 6 Uhr 25 Min. Morgens) fand in dem berühmten Teatro Carlo Felice die letzten Gäste eines Carnevalsfestcs. Die noch anwesenden Besucher flohen noch dem ersten, etwa 10 bis 15 Sekunden dauernden Stoße. Hätte das Erdbeben zwei Slunden früher stattgefunden, großes Unglück infolge der Flucht der Tausenden von Fcstgästen wäre wohl unvermeidlich gewesen. Die elektrischen Lampen verlöschten unter eigenthümlichcn Klängen, indem die prächtigen Krystalle des Kronleuchters klirrend aneinander schlugen. Einige Festbesucher wurden denn auch von herabfallenden Krystallstücken getroffen und verletzt. Auf den Straßen begegneten die Fliehenden einer stets anwachsenden Menschenmenge in den verschiedensten Nachtcostümen. Von einem, dem Theater gegenüber liegenden Gasthause, Hotel de Genes, war eine große, den Giebel' des Daches zierende Marmorvase auf die Straße gestürzt, glücklicherweise ohne Jemanden zu verletzen. — Die Erdstöße wiederholten sich an der ganzen Riviera bis 10 Uhr Morgens: der dritte Stoß (um 8 Uhr 55 Min.) war für die meisten Orte der verderbenbringende gewesen. Um 10 Uhr fand eine vierte, aber leichtere Erschütterung statt. Obwohl die Apparate I des Observatoriums zu Genua im Laufe des Nachmittags absolute Rübe zeigten und ' die dortigen Tagesblätter eine ungestörte Nacht prophezeiten, traten, wie schon oben angedeutet, die in der verflossenen Nacht (vom 23. auf den 24. Februai) bemerkten Störungen auf; um halb drei Uhr Morgens waren die gesammte Einwohnerschaft, sowie die Insassen des von dem Referenten bewohnten Gasthauses — vcrmrtthlich auch diejenigen aller übrigen Hotels — wieder auf den Beinen, um in den Hotelgärten den Morgen zu erwarten. Erst nach sechs Uhr, als der Tag graute, beruhigte man sich und gegen sieben Uhr suchte Jeder wieder die ihm zugelheilten Wohnräume auf. (Fr. Z.) VeArrrischteS. △ Mainz, 1. März. Unter den Fuhrunternehmern und Landwirthen von Kästet und der jenseitigen Provinzen circulirt eben eine Petition an das Ministerium um Ermäßigung des Brückengeldes für die Fuhrwerke auf der Straßenbrücke zwischen hier und Kastel. Motioirt ist die Petition im Wesentlichen mit denselben Gründen, die seiner Zeit von dem Abgeordneten Wasserburg in der zweiten Kammer um vollständige Aufhebung des Brückengeldes geltend gemacht wurden. Der genannte Abgeordnete hat bekanntlich den Standpunkt vertreten, daß die Brücke als einfache Staatsstraße zu betrachten und daß deshalb ebensowenig wie auf diesen Letzteren die Erhebung einer Uebergangsgebühr zulässig erscheine. A Vom Rhein, 1. März. Der Verwalter der Mumm'schen Gutsbesitzung zu Johannisberg, Herr Merten, hat sich verflossene Nacht erschossen. Wie verlautet, soll Herr v. Mumm durch ein anonymes Schreiben auf verschiedene Unregelmäßigkeiten seines Verwalters aufmerksam gemacht und in Folge dessen gestern unverhofft in Johannisberg erschienen sein. Herr Merten, der schon lange Jahre das Gut verwaltet, genoß bei der Familie Mumm ein unbegrenztes Vertrauen. ,r Heute Vormittag wurde in Weisenau (oberhalb Mainz) die Leiche eines gutgekleideten Mannes in mittlerem Alter geländet. Bei der Leiche sand man keinerlei Papiere, die über die Person des Gelandeten Auskunft geben konnten. ™ m brcf°nntt herrliche Besitzung des verstorbenen Rentners Jakob Dietrich in Eltville ist letzter Tage um den geringen Preis von 97,000 JL in den Besitz eines H^rn l^arl Schwarz von Coblenz übergegangcn. Die mit vielen Weinbergen nm- SeS^erofM8 ,Tu6mn ®ef’Set °>°hl das Doppel,- des Heu,- gezahlten In die ^aklltmasse eines vor einigen Wochen in Falliment gerathenen Mainzer Kaufmannes wurden vorgestern durch einen latholischen Pfarrer JL 1800 als der Masse weitere Aufklärung a? ^Ucr|ld,t au^ ba$ Beichtgeheimnis lehnte der Geistliche jcbe Rohseidene Bastkleider (ganz Seide) Mk. 16.80 p. Staff zur kompl. Robe, sowie Mk. 22.80.28—, 34.—, 42.-, 47,50 nabelfertig. seid, bedruckte Foulards Mk. 1.90 p Met. bis 6.25 üerfenbet in einzelnen Roben zollfrei in's Haus das Seidenfabrik - Depbt Henneberg (K. und S Hoflief) Zürich. Muster umgchend Briese kosten 20 Pf. Porto. 1515 emige Mrmen zur Aufgabe gemacht haben, dem Publikum ui bikliaeuL 8SWKÄÄÄ KSSft.- ««.”»»■ »SÄ Gebr. Stamm. 1317 Tie neuen Damen-Regeumantel und -^aquettes sowie Kleiderstoffe sind ein- getroffen bei Kleinkinder Bewahranstalt. . Von nächster Woche an werden die Beiträge für unsere Anstalt Mr Sn« 1. Vierteljahr I., mit denen zugleich der (&m^ ^lablt »erben fann, erhoben werden durch unsere Vereinsdienerin Glise Sterner Indem wir dies den Wohllhätern und ftreunben her *' richten wir an biefelben die herzliche Sitte un« lichste Unterstützung gewähren zu wollin ' * " blcfem 3^rc Ü-und- XJW*"'a*“ >»m Gießen, den 26. Februar 1887. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewabranstalt. Dr. Raumann. ^DOGGG'GG'TGGGTMDOGGVGGGGMK 8 Konrad Hamel G D empfiehlt sich zur Anlage von q 8 Wasserleitungen, G G Bade- und Closet Girrrichtuugen $ K u"ter d-r Zusicherung, daß ich nur Prima echtes Rohr ver- X • Versicherung gegen Wasserleitungs- K X schaden säst gänzlich unnöthig ist. ® J Sachgemäße Ausführung. Billige preise. @ •y*1ew@8 Hotel Kaltwasser, Wetzlar. 8on Jeute ab stets im Anstich , 3 acherlbräu " von in München. 1236* Holz-Versteigerung int Gießener Stadtwalde. Montag den 7. März 1887, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwald in den Distri.teu Hochwart, Mühlberg und Atcröbrunnen nachoerzeichnetes Holz versteigert werden: A. Bau-, Werk, und Nutzholz. 53 Elchenstämme mit 28,32 Festm. (von 14—57 Ctm. Durchm), 7 Buchenstämme mit 7,61 Festm. (von 41—52 Ctm. Durchm.), 9 Nadelstämme mit 2,85 Festm-, 1 Pappelstamm „ 1,31 „ 3034 Fnchtenstangen „ 32,86 „ (zu Spalierholz geeignet). B. Brennholz. Scheith. Prügelh. Stockh. Reish. R a u m m e t e r Wellen Buchen 352,8 137,5 1U5,7 447'j Elchen 90,5 46,2 50,7 970 Erlen 2 — — — Pappel 3 — — — Nadel 2 5 2 670 Die Zusammenkunft ist auf der Grünberger Chaussee, an den Altentischwiesen. Die benachbarten Großh. Bürgermeistereien werden ersucht, Vorstehendes im Interesse ihrer OrtSange- hörigen bekannt machen zu lasten. Gießen, den 26. Februar 1887. Großh. Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 1447 Holzversteigerung. Montag den 7. März sollen im LangSdorfer Gemeindewald nachverzeichnete Holzsortimente versteigert werden: 26 Stück Fichtenstämme von 18 bis 27 Ctm. Durchm., 18—27 Mtr. Länge, 350 Stück Kiefernstämme von 16 bis 47 Ctm. Durchm., enthaltend 230 Festm-, darunter ist vieles Schnitlholz enthalten. Dtensrag den 8. März wird folgendes Brennholz versteigert: 300 Nmtr. Vuchen-Scheitholz, 320 „ „ Knüppel, 60 „ Eichen- „ 8 „ Lmden „ 400 „ Buchen-Reifer, 220 „ gemischte Reiser, 180 „ Stockholz. Der Anfang ist Morgens 9Y2 Uhr den ersten Tag am Stockweier, den zweiten Tag am Ronnenrother Weg. Langsdorf, den 1. März 1887. Großh. Bürgermeisterei Langsdorf. ________ Köhler._______1516 Holzversteigerung. Donnerstag den 3. März, Vormittags um 10 Uhr anfangend, sollen in den hiesigen Gemeindewal- dungen nachstehende Holzsortimente öffentlich versteigert werden: 26 Nm. Buchen-Scheit, 18 „ „ Knüppel, 7 „ „ Stock, 22^0 Buchen-Wellen. 23 Nm. Eichen-Scheit, 31 „ „ Knüppel, 15 „ „ Stock, 2250 Elchen-Wellen, 35 Rm. Radel'Scheit, 74 „ „ Knüppel, 4 „ ., Stock, 3650 Radel-Wellen, 79 Elchenstämme mit 23,06 Festm, 39 Radelstamme „ 7,33 „ 28 Eichenstangen „ 1,51 „ 128 vtadelstangen „ 6,53 „ Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. Juli 1887 gestattet. Der Anfang ist im Distrikt Ziegen- berq oberhalb des Orts. Rödgen, am 28. Februar 1887. Großh. Bürgermeisterei Rödgen Jnderthal. 1491 Hohversteigerungrn in Gräflicher Oberforfterei Zaubach. I. Mittwoch den 9. März d. I. in Villingen im Hirschroth: 450 rm Buchen-Scheiter, 150 rm Prügel, 144 rm Stöcke, 434 rm Reiser; im Hölzchen (unvorgezeigt): 640 rm Buchen-Stammreiser in Schichten, 74 rm Fichtenftangen (Leiterbäume, Hopsen- und Lattenstangen), 14 Fichtenstangen von 11 und 12 cm Durchm., 1 Fichtenstamm — 0,35 cbm; im Lenzesberg und in der Silbach: Lesholz und Kohlreiser abtheilungsweise. n. Freitag den 11. März d. I. bei der Friedrichshütte in E i ch b erg: 493 rm Buchen-Scheiter, 151 rm .Prügel, 73 rm -Stöcke, 127 rm -Reiser, 4 Buchenstämme mit 4,11 cbm Inhalt; im Biberloh, Vol- pertskops und Glashau: Kohlreiser und Lesholz abtheilungsweise, Zusammenkunft jedesmal Vormittags 97? Uhr; am ersten Tage im Wendergrund am Hirschroth, am zweiten bei der Eichbergswiese. Die Schichthaufen im Hölzchen kommen Nachmittags gegen 2 Uhr im Hirschroth zum Ausgebot. Laubach, den 23. Februar 1887. 1527 Gräfliche Forslverwaltung. Holzversteigerung in der Königlichen Obersörsterei Krofdorf. Dienstag, 8. März. 9 Uhr. bei Wirth Kahlert zu Krofdorf. Forstschutz- bejirf Krofdorf und Wchmar. Distr. Kreuzschläge 31». Eichen: 12 Stämme mit 7,25 fm, 5 rm Scheit, 1 rm Knüppel, 33 rm Reiser. Buchen: 41 rm Scheit, 3 rm Knüppel, 80 rm Reiser. Daselbst Distr. 31b. Buchen: 33 rm Scheit, 21 rm Knüppel, 5 rm Stöcke, 80 rm Reiser. Daselbst Distt. 39. Buchen: 4 rm Nutzholz (Kammholz^, 34 rm Scheit, 45 rm Knüppel, 14 rm Stöcke, 262 rm Reiser. Distr. Bauerstädt 35. Buchen: 3 rm Nutzholz (Felgen), 92 rm Scheit, 38 rm Knüppel, 1296 rm Reiser. Distr. Lichtenberg 50. Eichen: 1,5 rm Nutzholz. Buchen: 10 rm Scheit, 5 rm Knüppel, 212.0 rm Reiser. Daselbst Distr. 53. Buchen: 3 rm Scheit, 5 rm Knüppel, 977 rm Reiser. Daselbst Distr. 57. Buchen: 132 rm Scheit, 86 rm Knüppel, 365 rm Reiser. Weich- Holz : 2 rm Scheit. 1526 Krofdorf, den 26. Februar 1887. Müller, Königlicher Oberförster. Holzversteigerung. Samstag den 5. März d. I., Vormittags 10 Uhr anfangend, kommt in dem Gemeindewald zu Crumbach folgendes Holz zur Versteigerung : 16,5 Fstm. Eichenholz, zu Wagner- Holz sich eignend. 12 Fstm. Fichten von 8—16 Meter Länge. 120 Rmtr. Buchen-Scheit u. Knüppel. 40 „ Buchen-Stockholz. 4250 Buchen-Wellen, meistens Durchforstung. und 600 Kiefern-Wellen. Der Anfang ist um die genannte Stunde aus der Langhecke, unweit der Gießen-Gladenbacher Straße. Der Bürgermeister: Wagner.______1538 Montag den 14. März d. I., Vormittags 10 Uhr anfangend, kommt in hiesigem Markwald zur Ver- steigerung: __ 47 Eichenstämme mit 36,40 Festm. Inhalt (1 Stamm mit 81 Ctm. Durchm., 5 36 Festm. haltend), 2 Buchenstämme mit 7,35 Festm. Inhalt, 69 Nadelstämme mit 18,11 Festm. Inhalt, 2 Kirschenstämme mit 0,46 Festm. Inhalt, 23 Nadel - Derbstangen mit 0,49 Festm. Inhalt, , 3 Eichen - Derbstangen nut 0,27 Festm. Inhalt, 1115 Nadelreisstangen mit 8,13 Festm. Inhalt. Der Anfang ist im Distrikt Streubel bei Stamm Nr. 1. Bellersheim, am 1. März 1887. Der fürstl. Markmeister. 1522 Bopp. Mehrere Centner Pferdefett hat abzugeben 1414 M. Keßler, Pferdcmetzger. Holz-Versteigerung. Freitag den 4. März er., Vormittags 9 Uhr, sollen in dem hiesigen Gemeindewald, Distrikt Launscheid und DernburgSwald versteigert werden:' 46 Eichen-Stämme mit 11,80 Fstm. 55 „ Stangen „ 2,60 „ 23 Erlen-Stämme „ 10,57 „ erster Qualität. 29 Fichten-Stämme „ 8,50 „ erster Qualität. 810 Fichten-Stangen u 31,45 „ 15 Rmtr. Eiche-Scheit. 16 „ „ Knüppel. 75 „ „ Reiser. 21 g Buche-Scheit. 50 „ Knüppel. 65 u „ Reiser. 14 „ Nadel-Scheit. 16 „ „ Knüppel. 120 „ „ Reiser. 21 „ Erlen-Knüppel. 45 „ „ Reiser. 55 „ Stockholz. Die Zusammenkunft ist um die bestimmte Stunde im Distrikt Launscheid. Rodheim a. d. Bieber, 1. März 1887. Der Bürgermeister: Schneider. 1537 Arbeitsversteigerung. Montag den 7. März d. I., Nachmittags 3 Uhr, sollen bei unterzeichneter Stolle die zum Neubau des K. Dietz Aschen Hauses dahier erforderlichen Arbeiten, bestehend in Maurer-, Zimmer-, Schreiner-, Schlosser-, Glafer- und Weißbinderarbeit, unter den alsdann bekannt gemacht werdenden Bedingungen in Accord gegeben werden. Londorf, am 28. Februar 1887. Der Curator: Aumann, 1482 Gr. Bürgermeister. Keilgeöolenes. BuckSkinhosen, Westen, Säckchen, Joppen, Arbeiterhosen, Hemden, Blousen, Unterhosen, Metzgerkittel, blaue Hosen u. Kittel, Knaven-An- züge, 200 BuckSkinwesten, schön gearbeitet, in la. Qualitäten, k «4L 2,25 u. s. ro. bei LouiS Rothenberger, Neuenweg 22. RS* Getrag. Kleider, Schuhe re. halte wie seither ebenfalls bestens em- psohlen-_______________________________§25 Schwalhelmer Bailly-Quelle b. Bad-Nauheim. Natürlich kohlensaures Mineralwasser von medizinischen Autoritäten empfohlen; eingeführt im Großherzoglichen Landes- Hospital Hofheim, Kurhospital in Bad- Nauheim rc. rc. _ Ä _ liefert per Fuhre franko 25 Vi Krüge zu 2— ohne Krug. G Bailly, Hoflieferant Sr. König!. 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