Nr. 2^0 Zweites Blatt. Donnerstag den 1. December 1887. Amts- und Anzeigcblatt für dm Kreis Gießen. Bureaur Schulftraße 7. rirri iumm n Srf^dot täglich mit Ausnahme deS Montags. PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher HHeiü Betreffend: Maßregeln gegen das Lagantenthum. lieber den Inhalt der in der Thronrede angekündigten Vorlage wegen Erhöhung der Wehrkraft der Reiches durch Reorganisation von Landwehr und Landsturm sind verschiedene wenig beglaubigte Gerüchte verbreitet. Sicher soll sein, daß durch das Gesetz keine wesentlichen finanziellen Forderungen bedingt werden. Im Uebrigen wird über das Gesetz, welche» im Kriegsmini- sterium ausgearbettet wird, strengstes Geheimniß bewahrt. In die geheimnißvolle Angelegenheit der „gefälschten Bismarck- Depeschen" wird nun wohl bald Licht kommen. Nach Versicherungen Berliner Blätter sollen die betr. Acten von Petersburg bereits an das deutsche auswärtige Amt eingeliefert worden sein und hoffentlich wird der Wottlaut der Depeschen vollinhaltlich veröffentlicht werden, damit das gegen die deutsche Frie- denrpolitik gesponnene Jntriguennetz sich vor Aller Augen enthülle. Inzwischen werden aus der Unterredung zwischen dem Czaren und dem Fürsten Bismarck noch immer weitere Einzelheiten bekannt. So veröffentlicht der in nahen Be- ziehungen zu der ungarischen Regierung stehende „Pesther Lloyd" einen Berliner Brief, in welchem ausgeführt wird, Fürst Bismarck habe den Czaren auf da» Bür.dniß mit Oesterreich verwiesen, worauf seitens des russischen Kaiser» die Erklärung gefolgt sei, daß er keinen Angriff gegen Oesterreich plane. Die Wiener „Press;" bemerkt hierzu, durch diese Mitthetlungen seien erst die Enthüllungen zu einem glaubwürdigen Bilde abgerundet worden. Um so auffallen, der ist es, daß das Gerücht von einer ernstlichen Spannung zwischen Rußland und Oesterreich entstehen konnte, wobei allerdings die beunruhigenden Nachrichten von Truppenansammlungen im westlichen Rußland, in der Nähe der galizischen Grenze, mit eingewirkt haben mögen. Nach den nun bekannt gewordenen Er- klärungen de» Czaren wird auch diese» Gerücht wohl wieder verschwinden. Die Schutzzollpolitik gelangt auch in Italien mehr und mehr zum Ausdruck; Senat wie Deputtrtenkammer genehmigten mit großer Mehrheit den Antrag des Finanzministers Magliani, eine sofortige Zollerhöhung auf Zucker, Traubenzucker und Essigsäure einzuführen. Politische Ueberficht. Gießen, 30. November. Der Kaiser empfing am Sonntag Nachmittag da» Reichstag»- Präsidium in feierlicher Audienz und verbreitete sich der hohe Herr hierbei in bedeutungsvoller Weise über verschiedene der schwebende« Fragen. Als Präfi- dent o. Wedell-Piesdorf die ehrsurchtvollste Thetlnahme de» Retch»tage» an der schweren Krankheit des Kronprinzen ausdrückte, erwiderte der Kaiser, da» Leiden des Kronprinzen sei eine schwere Schickung, besonder» wenn man an die hohe Stellung dieses Manne« denke und an seine hohe Befähigung, die deutsche und preußische Politik in einer solchen Weife weiter zu leiten, daß Er (der Kaiser) mit Ruhe seine Augen hätte schließen können. Was Gottes Fügung weiter be- stimmte, das könne Niemand wissen, in Gotte» unerforschlichen Willen habe man sich zu fügen. Dis allgemeine Teilnahme habe sich in der erhebendsten Weife in Deutschland, in Europa, ja über dessen Grenzen hinau« gezeigt, das fei ein großer Trost. Darauf sprach der Kaiser sein Bedauern aus, daß er den Reichstag nicht habe in Person eröffnen und die Thronrede verlesen können, befonoers wegen des Schlußsatzes derselben, um der Welt zu sagen, daß Er den Frieden wolle, daß Deutschland aber vollkommen gerüstet sei, um etwaigen Angriffen zu begegnen. — Erfreulich sei die Besse- rurm her Finanzen, die sich auch in den Einzelstaaten zeige. Au» San Remo wird berichtet, daß der Kronprinz seine regel- mäßigen Ausfahrten und Spaziergänge nach längerer Unterbrechung, die lediglich durch dis sehr ungünstige Witterung bedingt war, wieder ausgenommen hat. Die Nachrichten über das Befinden des Kronprinzen lauten fortwährend recht Dem Bundesrathe ist der Entwurf eines Gesetzes, betr. den Erlaß der Wittwen- und Waisen - Geldbeiträge an Angehörige der Reich» - Civiloer- waltuna, des Reich-Heere» und der kaiserlichen Marine, zugegangen. Von den Haupt-Vorlagen der gegenwärtigen ReichrtagS-L-espon ist nun auch diejenige über die Erhöhung der Getreidezölle dem Reichstage zugegangen. Im Wesentlichen entspricht sie den Beschlüssen de» Landwirthschafls- rathes, indem die bisherigen Zollsätze für Weizen, Korn und Hafer um das Doppelte erhöht worden find; für einige andere landwirthschafliiche Products sind die Zollerhöhungen gegenüber den Vorschlägen des Landwir-hschaftSrathe» etwas mäßige und bte Viehzölle sind ganz aus Dem Rahmen der Vorlage fort- aeblieben. Bemerkenswerth ist an letzterer die Schlußbestimmung über die Nach- Verzollung. Nach dieser Bestimmung sollen die betreffenden neuen Zollsätze schon vom 26 November ab giltig sein, d. h. es soll, wenn der Reichstag zustnnmt, für die von diesem Tage an eingeführten Products die Zollerhöhung nachgezah t werden E» ist denn bereits auch Vorsorge getroffen, daß bet der Zollabfertt- auna von Getreide die beim Inkrafttreten des Gesetzes eventuell der Nachver- zolluna unterliegenden Posten notirt werden, und daß eine amtliche Feststellung d-s auoenblicklichen Bestandes der Niederlagen an den in Betracht kommenden Artikeln eintritt. Die Maßregel hat offenbar eine prompte Durchführung de» Gesetzes und eine Verhinderung von Speculationen zum Zwecke. Aber sie kann leicht in ganz anderer Richtung bedenklich wirken. Es können Käufer , die vor diesem Termin unter ganz anderen Bedingungen und Zollsätzen abgeschlossen haben, sehr hart getroffen werde«. Außerdem rst es nicht ganz unmöglich, wenn auch nicht wahrscheinlich, daß der Reichstag dem Gesetze rückwirkende Kraft nicht beilegt; in diesem Falle würde der Verkehr, wenn er die Nachverzollung voraussetzt^ und zur Richtschnur nimmt, den ärgsten Enttäuschungen und Ver- Wirrungen ausgesetzt sein. So kann der ungesunden Specula ion man vorbeugen will, gerade durch diese Bestimmung Vorschub geleistet werden. Bekannt m achung. Nachdem der Kreistag die Errichtung von Naturalverpflegungsstationen in Gießen, Hungen und Grünberg genehmigt hat, ist diese Einrichtung bei 20. November l. I. in's Leben getreten. In diesen Verpflegungsstationen erhält jeder unbemittelte Durchreisende freie Verpflegung und freie» Nachtlager. Durch diese Einrichtung ist für die Unterstützung von armen Reisenden hinlänglich Sorge getragen. Die Unterstützungen werden gegen eine entsprechende Arbeitsleistung der Nachsuchenden gewährt. Durch die Errichtung dieser Stationen soll dem Haus- und Straßenbettel Durchreisender entgegengewirkt werden. Qur wirksamen Durchführung dieser Anordnung ist aber vor Allem erforderlich, daß die durchreisenden Bettler keine Unterstützung von Privatpersonen mehr erhalten Die Bewohner des Kreises werden daher dringend ersucht, keinerlei Almosen an Durchreisende vom 20. d. Mts. an «ehr zu gewahren, sondern dieselben an die Sraturalverpflegungsstationeu zu verweisen. Die Naturalverpflegungsstationen befinden sich: 1) in der Herberge zur Heimath zu Gießen, 2) bei Herrn Konrad Groß in Grünberg, 3) bei Herrn Wilhelm Heßler in Hungen. u r x _ . Die Vorstände der Naturalverpflegungsstationen sind in Gießen das Großherzogliche Polizeiamt und in Grünberg und in Hungen die betreffenden Großherz^lichm^B^g^E^sterei^^ $ nun au$ cine Arbeitsnachweisestelle verbunden worden. Wir richten daher an alle Industrielle, Gewerbtreibende und Landwirthe, welche Gehülfen und Arbeiter bedürfen, das Ersuchen, die Vorstände der Naturalverpflegungsstationen hiervon in Kenntmß zu setzen, damit ihnen vorkommenden Falles die die Stationshülse in Anspruch nehmenden Arbeitsuchenden zugewiesen werden können. Gießen, im November 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann.__——— Darmstadt, 26. November. Fortsetzung des Vortrags des Herrn Präsidenten des Großh. Ministeriums der Finanzen, Wirklichen Geheimenraths Weber Excellenz, den Hauplvoranschlag über die Staats-Einnahmen und Ausgaben für die Finanzperiode 1888—91 betreffend. Ich gehe hiernach über zu den ordentlichen Ausgaben. Der Mehrbedarf gegenüber der vorigen Anforderung, welcher hier in der Haupt- abtheilung !, 'Lasten und Abgänge, mit 96 000 erscheint, erklärt sich einestherls aus der bereits vorhin erwähnten Wiedereinstellung des dritten Holzerntezahres, welche auch eine Mehrverrechnung eines weiteren Jahresbetrags von 46 300 an Grund- lasten auf Forst-Domänen (Kap. 2, Tit. 1) mit sich führt, anderntherls aus den ver- mebrten Nachlässen auf Grund von Neclamationen re. und uneinbrin^ichen Posten von directen Steuern mit 45 000 JL (Kap. 8, welche mit dem Wachsthum d^ directen Steuererträge verhältnißmäßig gleichen Schritt halten. Daneben sind> auch die auf den Forstdomänen lastenden Besoldungen an Pfarrer, Schullehrer und Kirchendiener (Kap. 3, Tit. 2) infolge des erhöhten Holzpreistartfs um 9000 JL ^estregen. otener II behandelte Staatsschuld erfährt in der aujenben Finanjperi-de, hauptsächlich durch Siückjahlung der p°rletzten R°"°ufde»s,Z, °°n d-r Reichskass- b-huss ©mhSuJig Verminderung um 690 000 X Außerdem ist in dsts-r Perwde °°n d» «esa-, summ- d-rj-uig-n Geldmittel, weide nach früheren Beschlüssen ur £ ü ordentlicher Bedürfnisse ursprünglich im Wege der Anleihe h-ii-«s besch m °e^ sollen, mit Ihrer Zustimmung em Betrag von 1 000 000 au» par ' Mitteln der Staatskasse gebecft worden (nämlich das ursprünglich b sch st 1 g . WLLl-h-n »ur Linderung der 1882/83« “SÄ“ 625 000 JL und ein Betrag von 375 000 JL von Kosthetmn M:ucrm 9 \ W «Bedarf für Sud. renttonirung der Herstellung von Nebenbahnen die Summe von 101000 JL erspart worden. Von den in der Ftnanzperiode 1882/85 beschlossenen Staatsanlehen find Beträge von 188 800 JL (für den Mainzer Brückenbau), von 243 000 JL (für die neue Offenbacher Brücke) und von 2 313 300 (für Nebenbahnen) bis jetzt noch nicht ausgenommen worden, ebenso sind die sämmtllchen Anlehen, zu deren Aufnahme Sie in 5er laufenden Finanzperiode Ihre verfassungsmäßige Zustimmung ertheilt haben (für Herstellung weiterer Nebenbahnen, für den Bau und die Einrichtung von Untversttäts- klintken und für Erbauung einer Zellenstrafanstalt) bis jetzt noch nicht ausgegeben worden. _ . Die gefammtc Staatsschuld beläuft sich hiernach hente auf 35 878 526 JC. 97 worunter 31 545 140 JL Oberhessische Eisenbahnschuld. Als Zugang ist noch in Aussicht zu nehmen: 1) auf Grund von Bewilligungen aus der Finanzperiode 1882/85 ein Betrag von.......... 3 319 200 JL — 2) auf Grund von solchen «u8 der laufenden Periode 1885/88 ein Betrag von.......... 2 458000 JL — und da Ihnen 3) in dem vorliegenden Hauptvoranschlage proponirt wird, zur Deckung von außerordentlichen Ausgaben einen Betrag von 3 000 000 JL im Wege der Anleihe zu beschaffen, so wird sich die Staatsschuld voraussichtlich demnächst weiter vermehren^um nominal etwa 2 857 000 JL — und hiernach die Gesammtsumme von..... 44 512 726 X 97 erreichen, welche sich aber schon im Laufe der nächsten Finanzperiode durch die im Staatsbudget vorgesehene Tilgung wieder um............ 637 392 JL 75 vermindern wird. Wenn dieser Tilgungsbetrag, zu welchem noch die auch in dieser Periode weiter- gehende Tilgung des Lapitalbetrags der Staatsrentenschuld mit 108000 JL htnzutrttt, scheinbar gering ist, so muß dagegen einerseits erwogen werden, daß bei dem hohen Kursstand unserer Staatspapiere Kündigungen zur Rückzahlung den Obligationsinhabern unerwünscht, weil schadenbringend sind, andererseits muß der Umstand in die Wagschale gelegt werden, daß Ihnen diesmal gleichzeitig vorgeschlagen wird, den Betrag von 2 000000 JL aus den Überschüssen der Hauptstaatskasse zur Deckung solcher außerordentlichen Ausgaben zu verwenden, für welche die Geldmittel im Wege der Anleihe aufzubringen bet einer weniger günstigen Lage der Staatssinanzen, als solche thatsächlich vorhanden ist, sonst durchaus gerechtfertigt und dem Herkommen entsprechend wäre. Eventuell, für den Fall des Eintreffens gewisser Bedingungen, ist die Der« Wendung dieser 2 000 000 JL aus den Ueberschüssen auch geradezu für den Zweck der Schuldentilgung in dem neuen Budget vorgesehen worden. Jenen Passiven stehen übrigens zur Zeit an Aktiven der Hauptstaatskasse (Einnahme Kapitel 7) — 13 600000 Jü und an solchen Der Staatsschulden - Verwaltung (Ausgabe Kapitel 9) rund ............. 6 400 000 „ . UVUIUIUI WV VVV VfV* gegenüber, während die Oberhessischen Bahnen, für welche die Eisenbahnschuld kontrahirt ist, im Durchschnitt der letzten Jahre einen Reinertrag ausbringen, welcher, zu 4 pCt. kapttalisirt, immerhin einen rentbaren Kapitalwerth von........ 4 000000 „ repräsentirt. Der für Verzinsung der Staatsschuld im diesmaligen Budget eingestellte Mehrbedarf von rund 137,000 v* ist übrigens durch die vorhin erwähnte Mehreinnahme aus angelegten Aktiven der Hauptstaatskasse von 227,000 JL mehr wie ausgeglichen. Eine Verminderung der Einnahme an Tilgungsrenten wegen Ablösung fiskalischer und nichtfiskalischer Grundrenten um jährlich rund 250,000 JL fällt schwerer in's Gewicht. Jrn Ganzen schließt das Kapitel mit einem Mehrbedarf für Verzinsung und Tilgung der Staatsschuld von rund 370,000 JL ab. * In der Hauptabtheilung III, Pensionen, werden Sie ein neues Kapitel (12) angefügt finden, durch welches diejenigen Geldleistungen, welche dem Staat als Betriebsunternehmer in Folge der vier Reichs-Unfall- und Kranken-Versicherungsgesetze, sowie des hessischen Fürsorgegesetzes für Beamte bei Betriebsunfällen, zur Last fallen, in einem, vorerst allerdings nach nothgedrungen, ziemlich willkürlichen Posten von 23,000 marfirt sind. Die Hauptabtheilungen Ia-> V. und VI. weisen nur bei der Oberrechnungskammer (Kap. 18) einen erheblicheren Mehrbedarf (7000 JC) aus, welcher wesentlich durch die in Folge gewachsener Arbeitsbelastung dieser Behörde nothwendig gewordene Vermehrung des Personals bedingt ist. Im Ressort des Ministeriums deS Innern und der Justiz (Hauptabtheilung VII) und zwar zunächst bei dem Etat der Sektion für innere Verwaltung ist bei dem Kapitel 29, Gensdarmerie, eine Mehrforderung von 2680 JL durch Erhöhung der Bekleidungszulagen und Gewährung von Hufbeschlagungskosten für die Gensdarmen entstanden. Die Eriminal- und Polizeikassen der drei Provinzen (Kap. 30—32) erfordern, obwvhl ein erfreuliches Sinken der Verpflegungskosten für polizeilich Verbastete und Schüblinge hervortritt, doch einen Mehraufwand von im Ganzen etwa 8000 JL, weil dieselben mit dem Kostenantheil des Staates für Unterbringung jugendlicher liebel; thäter und verwahrloster Kinder auf Grund des Gesetzes vom 11. Juni ds. Js. neu belastet worden sind. Dagegen wird das Arbeitshaus in Dieburg (Kap. 33) in Folge der sich immer mehr bewährenden Kostbeschasfung in eigener Küche mit jährlich 9000 JL weniger ausreichen. Für die Bedürfniffe der evangelischen Kirche ist in Kapitel 35 ein um 24 000 X erhöhter Jahresbeitrag eingestellt worden. Mit dem allmaligen Verschwinden des seitherigen Mangels an Pfarramts- candidaten werden bald sämmtliche erledigte evangelische Pfarrstellen besetzt werden können; hiermit wirb aber zugleich der evangelische Eentralkirchenfonds durch Wegfall seiner Einnahmen aus den Bacanzerträgnissen eine erhebliche Einbuße erleiden, deren Ersatz ihm durch einen erhöhten Staatszuschuß erleichtert werden soll. Die Mehranforderung für die Landeruniversität (Kap. 37) mit 25 000 ist, — trotz einer um 8000 JL gewachsenen Einnahme an Pflegegeldern in den akademischen Hospitälern — neben der Reduction des Zinsfußes von Stifkungskapitalien, theils in einer Erhöhung der persönlichen Ausgaben um 12 000 Jt, theils in dem gesteigerten Bedarf für die Kliniken und Institute (uu; rund 20 000 jl) begründet. (Fortsetzung folgt.) Berlin, 28. November. (Das Befinden des Kronprinzen.) Wir können heute mittheilen, daß die fernere Behanvlung des Kranprinzen nach ganz bestimmten Wonnen erfalgt, und zwar beschränkt sie sich im Wesentlichen auf das Bestreuen der kranken Stellen mit einem Pulaer, besten Wirkung eine außerordentliche sein fall. Vermittelst eines aus Gummi gefertigten, mit einer Röhre versehenen Balles, der das Pulver enthält, wird durch Drücken auf den Ball das Mebicament mit leichtar Mühe den asfi- cirten Theilen deS Halses zugeführt. Das Pulver hat eine theils ätzende, theils «uf- tracknenbe Kraft. Bis jetzt sind die Erfolge ganz vorzüglich gewesen, denn ber Patient fühlt sich erleichtert unb »erspürt so gut wie gar keine Beschwerden weder beim Esten noch beim Sprechen. Daß ihm beim Schlucken keinerlei Zumuthungen gemacht werden, indem für breiartige Speisen gesorgt wird, »ersteht sich van selbst. Lei dem definitiven Verzicht auf jedwede Operation wirb es für möglich gehalten, das dem Patienten »er; ordnete, aus Sabinablättern gewonnene Pulver werde die kranken Stellen ausheilen. (Diese Blätter sind ein altbekanntes Mittel gegen bösartige Geschwüre u. s. w. D. Red.) Es braucht kaum gesagt zu werden, daß das Heilverfahren ein langwieriges sein wird, was indeß nichts verschlägt. Gleichzeitig mit jeder Zuführung des Pulvers findet eine täglich sich wiederholende Besichtigung der kranke» Stelle statt, um sich zu vergewissern, ob eine Veränderung nicht stattgefunden hat. Weder die Puloeraufstreuung noch die Untersuchung ist für den Patienten schmerzhaft. — General v. Winterfeld, der von der Kaiserin in Koblenz und dem Kaiser in Berlin empfangen wurde, war, wie verlautet, Ueberbringer von Schreiben des Kronprinzen an beide Majestäten. Wie verlautet, hat der Kronprinz auch an Professor Curtius einen Brief gerichtet, in welchem er sich in der gleichen zuversichtlichen Weise ausspricht wie in dem Telegramm an den Reichstag. — Man schreibt der „Kreuz - Zeitung": Die innige unb weitgehende Teilnahme aller Schichten des Volkes an dem Leiden Sr. K. u. K. Hoheit des Kronprinzen gibt sich namentlich auch in dem Anbieten von Geheimmitteln kund und keiner dieser Offerten fehlt als begleitende Bemerkung der Ausdruck zuversichtlicher Ueberzeugung von dem „untrüglichen Erfolge" gerade dieser „Heilmethode". Natürlich fehlen auch die sogenannten „sympathischen" Mittel unter diesen Darbietungen nicht; ja, die Hof- marschallämier, sowie die dem kronprinzlichen Hause nahestehenden Persönlichkeiten werden mit Anerbieten derselben geradezu überschüttet. Leute aus den entferntesten Gegenden Deutschlands kommen nach Berlin und erklären sich bereit, auf eigene Kosten nach San Remo reifen zu wollen, falls man ihnen den Zutritt zu dem erlauchten Patienten verstatten werde. So kam neulich ein armer Bergmann aus Dortmund hier an, er war 4. Elaste gereift; während seiner Abwesenheit vom Heimathsorte verdiene er zwar nichts, aber das sei ihm Alles gleich. Seine Frau habe ihm keine Ruhe gelassen, weil er ein Mittel besitze, welches dem Kronprinzen helfen würde. Solche Züge rührender Anhänglichkeit könnten fast täglich berichtet werden. Verfälschte schwarze Seide. £Kt;in Müsterchen des Stoffe?, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich brennen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidenfabrik-Döpüt von Ilenne- berg (ft. u. ft. Hoflief.) Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke zollfrei in's Haus. 7872 Loefloßds Algäuer-Rabin Milch vollkr°7eD ohne Zucker condensirt, unverdünnt als frischer Rahm, mit Master als Alvenmilch zu gebrauchen. 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