Sir. 179. 1886. Schvßß-s-s 1. scheint tKMch *tt AM» M Hewlett^ BrH# »irrtelMüch 2 Mark M W. Durch He P-st »e-sgrn »ierteljAhrlich 2 Stert 52 * Politische Ueberficht. . Gießen, 30. Juli. Kaiser Wilhelm setzt seine Gasteiner Badekur mit bestem Erfolge fort; im Uebrigen erledigt der Monarch auch in Gastein in gewohnter Weise die laufenden Regierungs-Angelegenheiten. Die Kissinger Minister-Begegnung steht noch immer im Mittel- Punkte der Preßbetrachtungen. Es tritt hierbei namentlich bte beachtenswerte Thatsache hervor, daß die österreichische Presse ohne Unterschied der Partei- ßellung und sogar mit Einschluß der Slavenblätter in warmen Worten die Besprechungen mit dem Fürsten Bismarck und dem Grasen Kalnoky feiert und ist dies jedenfalls als ein Beweis zu betrachten, daß man auch in den nicht- deutschen Bevölkerunqskreisen Oesterreichs das deutsch österreichische Bündniß als eine durch die Verhältnisse gegebene Nothwendigkeit ansteht. Daß die sranzöst- schen Preßorgane die Kissinger Minister-Conferenzen mit nicht besonders freund- lichen Kommentaren begleiten würden, war vorauszusehen und in der That wollen verschiedene tonangebende Pariser Zeitungen, wie „Ternps", „Röpubl. Franyaise" u. s. w. finden, daß die Kisfinger Besprechungen eine an die Aoresse Rußlands gerichtete Drohung bedeuten, während man in ihnen doch einzig und allein eine neue Stärkung des deutsch-österreichischen Bündniffes zu erblicken hat. Selbstverständlich hat auch die abermalige Verschiebung der Reise des Herrn v. Giers in's Ausland, wobei bekanntlich ein Besuch des russischen Staatsmannes beim Reichskanzler In Kissingen mit auf dem Programm stand, die verschiedensten Kombinationen hervorgerusen. Von denselben werden vielleich diejenigen der Wahrheit am nächsten kommen, welche die Verzögerung in den Reisedispofitionen des Herrn v. Giers mit dem bevorstehenden Besuche des Erzherzogs Karl Ludwig von Oesterreich und seiner Gemahlin in Peterhof, der augenblicklichen Sommerrestdenz des russischen Kaiserpaares, in Zusammenhang bringen. Run weilt auch Herr v. Giers gegenwärtig in Peterhof und es wäre doch mindestens seltsam, wenn er vor dem Eintreffen der österreichischen Herrschaften abreiste und als Minister des Auswärtigen nicht an den Festlichkeiten iheilnähme, die man in Peterhof einem auswärtigen Fürstenpaare zu Ehren veranstalten wird. Als gänzlich unhaltbar hat sich dagegen die Version herausgestellt, wonach der Minister feine Reife in's Ausland wegen der bevorstehenden Vermählung seiner Tochter aufgeschoben habe, denn die Familie des Herrn v. Giers weilt mit der bräutlichen Tochter eben schon in Franzensbad und letzterer Badeort wurde ja immer als das vorläufige Reiseziel des Ministers genannt. — An Stelle des russischen Staatsmannes wird dafür Fürst Bismarck in diesen Tagen einen anderen interessanten diplomatischen Besuch erhalten, nämlich den des chinesischen Gesandten in London, Marquis Tseng. Derselbe chal die englische Hauptstadt bereits verlassen und darf man den Besuch, den der Vertreter des „himmlischen Reiches der Mitte" beim deutschen Reichskanzler in Kissingen abstattet, als ein besonders markantes Zeichen der zwischen Deutschland und Khina bestehenden freundschaftlichen Beziehungen betrachten. Die Dispositionen für die Fahrten der Retchspostdampfer «ach Ostasien und Australien haben insofern eine kleine Veränderung erlitten, als die Dampfer künftig auch Southampton anlaufen werden. Es geschieht dies, -um etwaigen englischen Passagieren nach Ostasien und Khina Gelegenheit zu geben, die Fahrt auch mit den deutschen Dampfern machen zu können. Seitens der Reichsregierung ist dieser von der Direction des „Rordd. Lloyd" vorgeschlagenen Veränderung hes Fahrplanes bereits zugestimmt worden. Ein eigenartiges und bedeutungsvolles Jubiläum wurde dieser Tage in Spandau gefeiert: Die Herstellung des hunderttausendsten Repetirgewehres in der dortigen königlichen Gewehrfabrik. Deutschland hat somit Frankreich in der Gewehrfrage überholt, da in letzterem Lande bis dato erst 60,000 Repetirgewehre zur Verausgabung gelangt sind. Jedenfalls muß die Einführung dieser neuen Schußwaffe beim deutschen wie beim französischen Heere als vollendete Thatsache bezeichnet werden und hiermit vollzieht sich wiederum eine tiefgreifende Veränderung in der Bewaffnung der europäischen Heere. Was wohl nach dem Repetirgewehr kommen mag? Amsterdam, die reiche Hauptstadt der Niederlande, scheint in neuerer Zeit zu einem Sammelpunkte mißvergnügter, unruhiger und dunkler Elemente geworden zu sein, deren auch das Reich der behäbigen „Mynhers" trotz seiner fast sprichwörtlich gewordenen wirthschastlichen Solidität und großen Wohlhabenheit mehr als genug zählt. Das holländische Handels-Emporium ist in diesem und im vergangenen Jahre der Schauplatz wiederholter Unruhen gewesen, bei denen die socialistischen Agitatoren eine „maßgebende" Rolle gespielt haben, aber einen so blutigen, fast revolutionären Kharakter trugen die Amsterdamer Unruhen noch nie, wie die am Montag stattgefundenen Straßentumulte. Den äußerlichen Anlaß hierzu gab das Verbot eines Volksfestes, welches am Sonntag Nachmittag abgehalten werden sollte, weshalb es schon an diesem Tage in verschiedenen Stadtvierteln zu Pöbel-Exceffen kam. Dieselben wiederholten sich am folgenden Tage und vergrößerten sich zu einer förmlichen Straßen- Revolte, da von den Aufrührern sogar Barrikaden gebaut wurden. Das Militär mußte der Polizei zu Hilfe kommen und wiederholt von seinen Schußwaffen Gebrauch machen; erst nach Mitternacht gelang die Wiederherstellung der Ruhe. Die Gesammtzahl der Todten und Verwundeten läßt sich noch gar nicht genau ermitteln; allein in den Hospitälern liegen 14 Todte und 34 Verwundete , von der bewaffneten Macht sind 2 Soldaten und 40 Polizisten verwundet. Auch am Dienstag erneuerten sich die Ruhestörungen, doch genügten die die Straßen durchziehenden Patrouillen, um die Menge zu zerstreuen und war um 10 Uhr Abends die Ruhe vollständig wieder hergestellt. Wie sich bis zu diesem letzteren Zeitpunkte herausstellte, beträgt die Zahl der bei den Unruhen geiödteten Personen 25, diejenigen der Verwundeten gegen 90 und befinden sich unter letzteren 40 Polizeibeamte. Aus Frankreich liegt heute die sehr bemerkenswerthe Nachricht vor, daß die Regierung beabsichtige, die für das Jahr 1889 geplante Pariser Weltausstellung auf das Jahr 1890 zu verschieben. Es heißt, daß mehrere Konti* nental-Staaten sich geweigert hätten, die Ausstellung zu beschicken, da dieselbe mit der Kentennialfeier der französischen Revolution zusammensalle und diese Weigerung sch für die Verschiebung der Weltausstellung maßgebend gewesen sein. Falls sich diese Meldung bestätigen sollte, so würde man sie nur als einen erfreulichen Beweis zu betrachten haben, daß das Ministerium Freycinet durchaus nicht gesonnen ist, den Wünschen der Radikalen zu Liebe — die letzteren erblicken bekanntlich in der Weltausstellung von 1889 nur den Rahmen 8» der großen Pariser Revolutionsfeier — die guten auswärtigen Beziehungen Frankreichs zu opfern. Die „Neue Hebriden-Frage" zwischen Frankreich und England präsentirt sich plötzlich aus's Neue. Die australischen Kolonien haben nämlich das von dem Botschafter Frankreichs in London, Waddington, der englischen Regierung bezüglich der genannten Inselgruppe vorgeschlagene Abkommen abge- lehnt oder wenigstens ihre Abgeneigtheit, dasselbe anzuerkennen, ausgesprochen. In Folge dessen dürfte die vollständige Unabhängigkeit der Neuen Hebriden proklamirt werden. Deutschland. Berlin, 29. Juli. Der „Reichs-Anzeiger" theilt mit: Der Kaiser ernannte zu dauernden Mitgliedern der Ansiedelungs-Kommission für Westpreußen und Posen den Oberpräsidenten v. Zedlitz - Trützschler (Präsident), den Oberpräsidenten Ernsthausen (Stellvertreter des Präsidenten), ferner zu Mitgliedern aus 3 Jahre den General-Commifsions-Präsidenten Beutner (Bromberg), den General'Landschafts-Director Staudy (Posen), die Rittergutsbesitzer Kennemann (Klerikal, Müller (Gurschno), Wehle (Bulgowo), Kries (Smarszewo), endlich den General-Landschafts.Director Körber-Körberode (Grandenz). München, 29. Juli. Die „Allgemeine Zeitung" dementirt das Zei- tungSgerücht, betreffend Theilnahme des Prmz- Regenten an dem elsässischen Kaiser-Manöver. Kollarrd. Amsterdam, 27. Juli. Einer ausführlichen Mittheilung der „Jndepend. beige" über die Unruhen in Amsterdam entnehmen wir folgende Einzelheiten: Eine große Anzahl Einwohner des Lindengracht und der benachbarten Straßen hatten sich vereinigt, um am Sonntag dem unter dem Namen palingtrekken bekannten und häufig aufgeführten Volksspiele beizuwohnen. (Dabei wird ein Aal an einem Bindfaden, der über den Kanal gespannt ist, aufgehängt und mit Seife bestrichen. In ihren Booten fahren dann die Schiffer unter dem Faden durch und versuchen, den Rumpf des Thieres abzureißen, was wegen der durch die Seife erhöhten Glätte desselben meistens erst nach vielen vergeblichen Versuchen gelingt.) Aus Grund der bestehenden Thierschutzgesetze verbot die Polizei das grausame Spiel. Daher der Scandal. Das ganze Stadtviertel der Lindengracht ist sehr bevölkert. Die Einwohner eilten herbei und unterstützten die Veranstalter des Spieles gegen die Polizei. Die Menge riß das Pflaster auf, um die Steine auf die bewaffnete Macht zu "schleudern. Ein Polizist wurde in einen Keller geworfen; ein Polizeicommissar entging nur mit Mühe der Gefahr, in das Wasser geworfen zu werden. Das Fenster eines Bäckerladens, wohin sich ein anderer Polizeiofficier geflüchtet hatte, wurde zerbrochen. Verschiedene Individuen waren auf die Speicher ihrer Wohnungen gestiegen, um von dort auf die Polizei Dachziegel, Blumentöpfe, Bretter und selbst eiserne Fleischtöpfe regnen zu lassen. Die Polizisten verteidigten sich mit ihren Säbeln und ihren Knütteln, wobei einige Bürger Perwundungen erhielten, welche ihre Aufnahme in's Hospital nothwendig machten. Van Doesburgh, der Ehef der Amsterdamer Polizei, kam schließlich, als das Handgemenge seinen Höhepunkt erreicht hatte, mit einer beträchtlichen Verstärkung, und es gelang endlich, nachdem gegen 30 Verhaftungen vorgenommen waren, die Angreiferin die Flucht zu schlagen. Der gleichzeitig beginnende Regen that das Uebrige und um 9 Uhr schien die Ordnung wieder hergestellt zu, sein; 4 Bürger und 18 Polizisten waren verwundet. Unter den während der Ruhestörungen dieses Tages Verhafteten befinden sich auch die Socialtsten Eckhardt und Megem; der Letztere trug noch Steine in den Taschen. — Gestern (Montag) Nachmittag bildeten sich neue Ansammlungen auf dem Lindengracht. Zwei Fahnen, eine rothe und eine schwarze, wurden auf der Brücke vor der Guedsbloemdwarsstraat aufgepflanzt. Zu gleicher Zeit durchzog ein Haufen Socialisten, eine rothe Fahne schwenkend und revolutionäre Lieder singend, das volkreiche Viertel von Jourdan. Diesmal intervenirte die Polizei nicht, sondern begnügte sich damit, Zuschauerin zu bleiben, hielt sich aber bereit, falls es nothwendig wäre, einzuschreiten. Im Laufe des Abends kamen dann neue und ernste Zwischen- älle vor dem Polizei - Kommissariat in Noordenmarkt vor. Die Behörden hatten in aller Eile Truppen aus dem Haag zur Unterstützung requirirt und ein Infanterie- Lieutenant wurde nach Ankunft der Verstärkungen nach dem Lindengracht geschickt, um die von der Menge gesperrte Straße frei zu machen. Der Lieutenant ließ, als er nach dreimaliger Aufforderung zum Auseinandergehen kein Resultat erzielte und sich einem drohenden Haufen gegenüber sah, auf die Menge schießen. Vier Personen wurden sofort getödtet, drei andere verwundet. Die Leichen der vier Getödteten wurden unmittelbar darauf aufgehoben und in's Spital gebracht. Mehr bedurfte es nicht, um das ganze Stadtviertel in Aufruhr zu versetzen. Das Straßenpflaster wurde auf's Neue aufgerissen und in wenigen Augenblicken entspann sich der Kampf zwischen dem Pöbel und der Polizei mit erneuter Heftigkeit in der Prinzengracht, der Angeliersstraat und der Prinzenstraat. Um 8^2 Uhr zählte man 13 Todte, 23 Verwundete und 50 Verhaftete. Die Ruhestörer hatten überall die Straßeilkandelaber zertrümmert. Um 11 Uhr Abends waren die Straßen noch voller Menschen und die Truppen befanden sich unter Waffen. Heute (Dienstag) Morgens um 1 Uhr constatirte man, daß bie. vahl der Tobten 14, die der Verwundeten 28 betrug, ungerechnet diejenigen Todten And Verwundeten, die in die Privathäuser gebracht worden sein mochten. Die Truppen, welche aufgeboten worden waren, bestanden aus 400 Mann Infanterie unter dem Lieutenant Wynandts, 150 Artilleristen unter dem Eapitän Verwey und einer Escadron Husaren. m r .... . , OA . , Späteren Berichten zufolge wurden 2o Personen getodtet und 90 verwundet (die „Jndepev. belge" spricht dok 106 Verwundeten), darunter 40 Polizisten und zwei Soldaten. , , . m t , .. Haag, 29. Juli. In der zweiten Kammer fragt Bernaert, ob die Regierung die Ausrechthaltung der Ordnung mit den bestehenden Gesetzen verbürgen zu können glaube. Minister Heemskerk bejahte diese Frage und fügte hinzu, die Regierung werde ihre Pflichten zu erfüllen wissen, selbst wenn ein noch strengerer Schutz gegen die Angriffe von Böswilligen, die das Volk irre- sührten, nothwendig würde- Belgien. Mons, 29. Juli. In dem Prcc ß gegen die Theilnehmer an der Zerstörung der Glasfabrik von Roux verurteilte der Asstsengerichtshof 2 Angeklagte zu lebenslänglicher, 2 zu fünfzehnjähriger, 3 zu zwölfjähriger Zwangsarbeit, 1 zu zehnjährigem, 2 zu fünfjährigem und 7 zu dreimonatlichem Ge- sängniß. Vier Angeklagte wurden sreigesprochen. England. London, 29. Juli. Folgende Ernennungen für das neue Cabinet werden noch mitgetheilt: Lord Cranbrook Präsident des geheimen Raths, Chaplin Präsident des Lokal« Government, Stanhope Präsident des Handelsamts, Lord John Manners General-Postmeister, Plunket Arbeitsminister, Webster Staatsanwalt und Lord Ashbourne Lordkanzler von Irland. — Wie das „Bureau Reuter" erfährt, ist in Peking eine Convention zwischen England und China unterzeichnet worden. In derselben erklärt sich China mit der englischen Herrschaft in Birma einverstanden und verspricht eine Förderung des Handels, welcher durch ein besonderes Abkommen geregelt werden soll. — Oberst Frederick Stanley ist zum Staatssecretär für Indien ernannt worden. ___ Telegraphische Depesche«. Wolff'S SeSegr. CEsWvWserrr - SSEa«. Gastein, 29. Juli. Seine Majestät der Kaiser machte gestern vor dem Diner eine kurze Ausfahrt, nahm Abends den Thee iin Kreife der Familie des Grafen Lehndorff ein, wo er bis gegen 10 Uhr verweilte. Heute früh nahm der Kaiser ein Bad; um 11 Uhr hatte v. Albedyll Vortrag, um 12 Uhr machte der Kaiser eine Spazwr- fahrt. Die Kaiserin von Oesterreich trifft bereits übermorgen ein und steigt in der Villa Meran ab. t p rr ,£ Heidelberg, 29. Juli. Unter Theilnahme der Professoren mit ihren Frauen, der Studenten und der städtischen Notabilitäten fand heute Nachmittag 5 Uhr in der neuen Aula der erste öffentliche Festact statt; derselbe bestand in der Ueberreichung eines von den Frauen der Docenten gestifteten prachtvollen neuen Universitätsbanners. Die Tochter be§ Ophtalmologen Becker sprach ein schwungvolles Festgedicht, die Gemahlin des Professors Buelmerincq verlas die Schenkungsurkunde, welche bestimmt, das; der Prorector das Banner wohl der Gesammtheit der Studentenschaft, niemals aber einer einzelnen Körperschaft überlassen darf. Hierauf überreichte Professor Holsten ein von den Professoren gestiftetes, in Silber und Gold meisterhaft gearbeitetes Schreibzeug. Prorector Belker dankte zunächst dem Großherzog und der Stadt für die glänzende Herstellung der Aula, hierauf den Frauen der Professoren für ihre kostbaren Geschenke und empfahl schließlich das neue Univcrsitätsbanner der Hut der Studentenschaft. Der Vorsitzende des Studentenausschusses, Klaus, antwortete mit dem Gelöb- niß, die Studentenschaft werde das Banner stets hüten und in Ehren halten. Eist Festgesang eröffnete und schloß die Feier. Wien, 29. Juli. Graf Kalnoky begab sich zu einem mehrtägigen Aufenthalt nach Ischl. — Erzherzog Karl Ludwig und Gemahlin reisten heute Vormittag nach Rußland ab zum Besuche der kaiserlichen Familie. Wien, 29. Juli. Eholerabericht In den letzten 24 Stunden sind an der Cholera in Fiume 3 Personen erkrankt und 3 gestorben, in Triest 10 erkrankt und eine gestorben. Amsterdam, 29. Juli. Ter Socialistenführer Fortuyn wurde heute Morgen wegen Aufreizung der Bevölkerung durch aufrührerische Schriften verhaftet und in's Gefängniß abgeführt. Konstantinopel, 29. Juli. Die Provenienzen aus Montenegro unterliegen einer lOtägigen Quarantäne. Lokales. Gießen, 30. Juli. Die hiesige Rudergesellschaft wird, nachdem die Mannschaften für diese Saison außer Training sind, auch dieses Jahr wieder ein Sommerfest auf ihrem Bootsplatz arrangiren und zwar ist hierfür Sonntag der 8. August in Aussicht genommen. Wie uns mitgetheilt wird, hat der Wetzlarer Ruderclub seine Betheiligung zu- aesagt und werden die blau- und rothweißen Farben vereint für den sportlichen Theil, bestehend in Auf- und Wettfahrten Sorge tragen, während unsere Regimentsmusik für den musikalischen Theil des Festes engagirt ist. Bei eintretender Dunkelheit ist bengalische Beleuchtung der beiden Lahnufer, sowie ein reichhaltiges Feuerwerk vorgesehen. Mitglieder und deren Familien-Angehörige haben freien Zutritt, während für Nichtmitglieder der Eintrittspreis auf 50 Pfg. festgesetzt ist. —h. Gießen, 29. Juli. sVon der letzten Einquartierung.j Ein biederer Landwehrmann aus dem Vogelsberg erhielt dahier ein Quartier, das in der Erwartung eines Einjährig-Freiwilligen gut ausgestattet worden war. Der Landwehrmann schien den Gebrauch einzelner in diesem ZimMer befindlichen Geräthschaften nicht zu kennen. Wenigstens benutzte er ein mit einem Henkel versehenes Gefäß von weißem Porzellan zur Aufbewahrung einer aus seiner Heimath mitgebrachten Leberwurst. Rur durch einen Zufall entging diese gute Wurst der Ausleerung durch das Dienstmädchen. Vermischtes. Offenbach, 28. Juli. Kreisrath F. Hallwachs von hier ist in Falkenstein im Taunus heute gestorben. Mainz, 27. Juli. In einem Hause der Welschnonnengasse entleibte sich gestern Abend eine verheirathete Frau, wie es heißt, aus Nahrungsiorgen. Als der Mann von der Arbeit nach Hause kam, fand er die Frau erhängt vor. Schon am Vormittag soll die Unglückliche einen Selbstmordversuch gemacht haben, an dessen Ausführung aber durch eines ihrer Kinder gehindert worden sein. Der Mann, der erst seit Kurzem aus Württemberg hierher gezogen ist, war über sein Mißgeschick so entsetzt, daß er ohnmächtig wurde und später in das Hospital gebracht werden mußte. Drang- salirung Seitens eines Gläubigers soll die Familie so in Roth versetzt haben. Kassel, 28. Juli. In der sechsten Nachmittagsstunde ereignete sich gestern in der Nähe des zwei knappe Wegstunden von hier entfernten Dorfes Altenbauna ein Unfall, der einem Knaben das Leben kostete, drei andere Personen aber in die größte Lebensgefahr versetzte. In einer Lehmgrube beschäftigt, wurde plötzlich die Ehefrau des Arbeiters Weineck aus Oberzwehren mit ihren beiden 13 und 10 Jahre alten Söhnen und ein Knecht von einer gewaltigen Lehmschicht gänzlich verschüttet. Zwei des Weges kommende blutjunge Bürschchen von hier waren Zeuge der Katastrophe und besaßen Verständniß und Muth genug, sofort mit eigener Hand das Rettungswerk zu ver- versuchen. Es war'ein saueres Stück Arbeit, dessen sich dieselben unterzogen. Dafür wurde ihnen aber auch die freudige Genugtbuung zu Theil, drei Menschenleben gerettet ru haben. Das jüngste Kind der Frau Weineck konnte leider nicht mehr lebend an s Tageslicht befördert werden. Die unglückliche Mutter und ihr ältester Sohn hatten so schwere Verletzungen davongetragen, daß sie in das Landkrankenhaus nach Bettenhausen geschafft werden mußten. Den so hart Geprüften begegnete auf dem Transport dahin der ahnungslos von der Arbeit aus Kassel nach Hause zuruckkehrende Ehemann und Vater. Gewiß ein schmerzlich-trauriges Wiedersehen. Bad Ems, 25. Juli. Seit gestern befindet sich die hiesige Badegesellschaft wegen eines an sich bedauernswerthen Vorfalles in ziemlicher Aufregung. Eme junge Ausländerin nämlich, den besseren Ständen angehörig, welche sich mit ihrem Vater zum Kurgebrauche hier aufhält und heute von hier abreifen wollte, war des Diebstahls von Schmucksachen beschuldigt worden. Bei der gestern Abend vorgenommenen polizeilichen Durchsuchung in der Wohnung der Beschuldigten fanden fick dann eine Menge Sachen von theils größerem, theils geringerem Werthe, welche in hiesigen Juwelier- und Galanteriewaarenläden entwendet worden waren. Ob, wie hier und da behauptet wird, die bedauerliche That der jungen erst 18jährigen Person in einem krankhaftem Zustande derselben seine Erklärung zu finden hat, wird die Untersuchung aufklären, da die gerichtlichen Behörden mit der Sache befaßt sind. Während der Vornahme der Haussuchung war das Haus von einer großen, Menschenmenge umstellt, da sich das Gerücht von dem Vorgekommenen schnell verbreitet hatte. Rotenburg, 24. Juli. Bei Obergude ackerte gestern ein Bauer auf einem seit 7 Jahren mit Esparsette bestandenen Land, als plötzlich unter einem der Zug- thiere die Erde etwas nachgab; dieselben bewegten sich jedoch rasch vorwärts und als der den Pflug führende Besitzer auf jene Stelle gekommen, fest auftritt, stürzt die Erde unter ihm mit furchtbarem Getöse in die Tiefe und er rettete sich nur dadurch, daß er sich an dem sich vorwärts bewegenden Pfluge festhielt. Zur Zeit sieht man nur ein circa 14 bis 15 Meter tiefes, oben an der Oeffnung nur circa 1 Meter breites, sich aber nach unten kegelförmig bis zu ungefähr 10 Meter erweiterntes Erdloch. Die Formation des Bodens ist verwitterter Kalk, wie er vielfach in hiesiger Gemarkung zu Tage tritt. London, 19. Juli. Auf eine wahrhaft schauerliche Weise fand am vorigen Samstag in Woolwich ein Arsenalarbeiter seinen Tod: er verbrannte in glühender Gußmasse Gegen Mittag ward geschmolzenes Metall in eine Eylinderform zum Guß einer 68-Tonnen-Kanone gelassen. Zur Abkühlung bedarf es gewöhnlich einer Zeit von zwei Stunden, diesmal aber wartete der Werkmeister, wahrscheinlich im Interesse des freien Samstag-Nachmittag, diese Dauer nicht ab, sondern beauftragte schon nach einer Stunde obigen Arbeiter Namens Moriarty, Hebeketle zwischen, die,Eylinderform und den eisernen Fußboden der Gußgrube, auf welchem die Gußmaße ruhte, einzuzwängen, um die Aufwindung der Form zu ermöglichen. Kaum fand die Hebung statt, als die noch nicht fest gewordene Gußmasse von unten auf zu beiden Seiten aufschäumte und den Arbeiter in glühender Umarmung bedeckte, so daß bald jede Spur von ihm verschwunden war. Der Oberpolizeiinspector des Arsenals ließ darauf mit Haken und Ruthen die stetig fester werdende Masse bearbeiten, um für die Leichenschau wenigstens einen Theil der Leiche hervorzuholen, ohne aber mehr als gestaltlose, verkohlte Ueberrefte zu finden. Später doch ragten aus dem harten Block ,mehrere Gliedmaßen hervor. Der Verstorbene war 32 Jahre alt und hinterläßt eine Wittwe mit 5 Kindern. Bei der gestern stattgehabten Todtenschau ließ sich eben nur feststellen, daß die Masse in Anbetracht des schwülen Wetters und des Formmatcrials, welches ein schlechter Wärmeleiter war, seine flüssigen Eigenschaften später als gewöhnlich einbüßte. — Die Verdeutschung der Speisezettel, welche der Gastwirthstag in Anregung. gebracht hat, macht entschiedene Fortschritte. Der hannoversche Zweigverein des Allgemeinen deutschen Sprachvereins, dessen Vorsitzender Rudolf v. Bennigsen ist, ist jetzt ' mit der Aufforderung an die Gasthalter vorangegangen, die fremden Bezeichnungen 1 der Speise und Getränke von den Speisezetteln zu verbannen und hat vielfach seine . Bestrebungen von Erfolg begleitet gesehen. HsmdeL MÄ Veek'rtzL. — sFalsche 100 ^L-Reichsbanknoten.^ Wie von verschiedenen Seiten gemeldet' wird, coursiren zur Zeit gefälschte Reichsbanknoten zu 100 X. Dieselben sind an' folgenden Zeichen kenntlich: 1) Die Buchstaben der Strafordnung unter dem rothen Kontrollstempel sind etwas zusammengedrängt -und größer als auf den echten Scheinen. Die blaue Färbung der Vorder- und Rückseite ist Heller. 2) Die am oberen Rande der Kehrseite eingedruckten Ziffern sind größer als bei den echten Noten und braun- roth statt hellroth. Die Farbe der Banknoten ist fast immer weißlich-grau statt hellblau. 3) Das Wasserzeichen fehlt den falschen Noten und der Druck der Strafandrohung aus der Vorderseite ist schlecht, auch der des Adlers undeutlich. Die v Nummern der falschen Noten find nicht gleichlautend, sondern verschieden. Die rothen - Nummern auf der Rückseite sind nicht aufgedruckt, sondern vermittelst eines Pinsels aufgetuscht. 4) Die Ausführung der Schraffierungen, Muster und Reliefs ist , ungenau. Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 29. Juli. Auf den heutigen ' hiesigen Markt wurden gebracht: 797 Stück Rindvieh und 750 Stück Schweine. Der - nächste Markt ist am Montag den 23. August d. I. — Die erste Ziehung der Baden-Badener Lotterie, auf welche wir vor einiger Zeit.unsere geschätzten Leser hingewiesen haben, findet am nächsten Montag den 2. August statt, und wollen wir nicht unterlassen, nochmals hierauf aufmerksam zu machen, damit Jeder noch die Gelegenheit wahrnehmen kann, mit geringem Einsatz großartige und werthvolle Gewinne zu erreichen. — Die Verkaufsstellen der betreffenden • Loose sind im Jnseratentheil unseres Blattes angegeben. Kirchliche Anzeigen der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Samstag den 31. Juli. Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer vr. Naumann. 6. Sonntag nach Trinitatis, 1. August. Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Dingeldey. Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 3 Uhr: Pfarrer Schlosser. Die Kinderkirche fallt aus. Katechismuslehre für die Gymnasiasten und Stadtschüler, Nachmittags 2 Uhr m der Kirche: Pfarrer Schlosser. ben Kirchbaufon ds sind weiter eingegangen: An Kapitalzinsen im Rechnungssahr 1885/86 — 260 X 5 aus den Opferbüchsen in der Kirche im Aprils Mai und Juni d- I. = 34 X 14 Gesammtbetrag bis jetzt 6862 X 09 H. Pfarre^Din^eVdeV ™ bCr 2Bod^e vom h bis 7. August besorgt Katholische Gemeinde. 7. Sonntag nach Pfingsten. Von 6 Uhr an Beichte. Um , .A ör: Ir^meffe und Ausiheilung der h. Communion. „ VzlO Uhr: Hochamt und Predigt. „ 2 Uhr: Andacht. „ Gottesd ienst in der Synagoge. 5287 Ein gebrauchtes Belociped billig abzugeben bei Fr. Krvgmann. Glas- und Porzellanhandlung, Kirchenplatz 15. Großherzogliches Kreisbauamt Friedberg. Kran z. 5461 Ich bin willens, meine noch im besten Zustande befindliche Brauerei billig zu verkaufen. Kessel-Inhalt: 554 Liter. Bottich: 1324 Liter- Rödgen, den 29. Juli 1886. Wirth Wilhelm Baltzer. Beste weiße Ksrmseisen, engi. 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