> © * dl JZJE Er. L2S Drittes Blatt Sonntag dm 30. Mm ISS® nzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Tchuk^r«ße 7. E^schtzinL L^Hlich wM AvSmchNt« b«£ Msnt«S-. Vrei- vierteljährlich 2 Mark 2V Pf. mit Bri Durch dir Post bezogen vierteljährlich 2 Mark Wochen - Ueberficht. Gießen. 29. Mai. In den Verhandlungen des Reichstages ist mit Mittwoch wieder einmal eine größere Ruhepause eingetreten, da er sich am vorhergehenden Tage nach Beendigung der ersten Lesung der Branntweinsteuer-Vorlage auf unbestimmte Zeit vertagt hat. Die Beratungen der Commission, an welche die Vorlage verwiesen wurde, machen diese Zwischenpause nothwendig und da einerseits die Commissions'Verhandlungen sich schwerlich sehr glatt abwickeln werden, anderseits aber auch für jetzt dem Plenum keine weiteren Berathungs-Gegen- stände vorliegen, so dürste die Vertagung des letzteren bis Pfingsten dauern. Was nun die zweitägige Generaldiscussion über den neuen Branntweinsteuer- Entwurf anbelangt, so gestattet dieselbe durchaus noch keinen sicheren Schluß aus das Schicksal des Entwurfes. Allerdings sprachen sich die Redner aller Parteien — mit Ausnahme der freisinnigen und der socialdemokratischen Redner — sympathisch bezüglich des Gedankens einer erhöhten Besteuerung des Branntweins aus, aber selbst von den Vertretern der conservativen Parteien wurde der vorliegende Entwurf als theilweise völlig unannehmbar bezeichnet. Namentlich sprach sich von der Reichspartei Abg. Dr. Delbrück am Dienstag unumwunden dahin aus, daß die ungenügenden Control-Bestimmungen und die Verteuerung des Fabrikats durch die Vorlage dieselbe in ihrer gegenwärtigen Form für seine politischen Freunde durchaus unannehmbar machten. Seine Partei würde ein Amendement beantragen, welches die Streichung der beiden höheren Steuerstufen über 40 H bezwecke; weiter befürwortete Abg. Dr. Delbrück eine Abstufung der Maischraumsteuer und auch die Sammlung des Spiritus in großen Centralstellen, auch sprach er sich bezüglich des vom Abg. Dr. Windthorst angeregten Gedankens eines Nothstandsgesetzes sehr sympathisch aus. Im Uebrigen befürworteten sowohl die Redner der beiden conservativen Parteien, als auch diejenigen des Centrums und der Nationalliberalen, sowie der Elsässer Zorn von Bulach die Commissions-Berathung und begeaneten sich -hierbei sämmtliche Redner in der Hoffnung, daß es in der Commission gelingen werde, den Entwurf lebensfähig zu gestalten. Allerdings erklärten sich auch die Wortführer der freisinnigen Partei mit Der Commissions-Berathung einverstanden, doch geschah dies aus rein tactischen Gründen, denn sonst bekannte sich die freisinnige Partei durch die Herren Eugen Richter und Rickert als entschiedene Gegner in der gegenwärtigen Vorlage sowohl, als überhaupt einer erhöhten Besteuerung des Branntweins. Besonders war es Herr Richter, welcher am ersten Tage der Debatte die Vorlage unbarmherzig zerpflückte und an ihr kein gutes Härchen ließ. Die Consumsteuer, gleichviel ob nach dem vorliegenden Principal- oder nach dem Eventual-Entwurf eingerichtet, die Höhe der Steuersätze, ihre Verbindung mit der Maischraumsteuer, die veränderte Gestaltung derselben zu Gunsten der producirenden Landwirthschaft, die Conttngentirung der Branntwein-Production — Alles bezeichnete der freisinnige Fraktions-Chef als verwerflich und ungeheuerlich. Von Seiten der Regierung führte an beiden Tagen Der Preußische Finanzminister, Herr v- Scholz, die Verteidigung der Vorlage ganz allein, wobei er sich am Dienstag vorzugsweise gegen Herrn Eugen Richter wandte und dessen Angriffe gegen den Entwurf und überhaupt die jetzige Finanz- und Steuerpolitik in langer Rede energisch zurückwies. Im Uebrigen war der Ton der Verhandlungen am Dienstag ein weit lebhafterer, als am Montag und trugen hierzu nicht wenig die unerquicklichen Auseinandersetzungen zwischen den freisinnigen und den nationalliberalen Rednern über die Stellung ihrer Parteien zur Branntweinsteuer-Frage bei; die Generaldebatte endete schließlich in einer Fluth gereizter persönlicher Bemerkungen. Ob sich diejenigen Parteien, welche einer erhöhten Besteuerung Des Branntweins geneigt sind, in der Commission über einen Vermittelungs-Entwurf einigen werden, muß eben abgewartet werden. Das Gerücht, der Reichskanzler werde während des ganzen Sommers von Berlin abwesend bleiben, ist unrichtig. Als Fürst Bismarck aus ärztlichen Rath kürzlich nach Friedrichsruhe abreiste, lag es in seiner Absicht, in wenigen Tagen bereits nach Berlin zurückzukehren. Nachdem sich der Reichstag nun aus Längere Zeit vertagt hat, als ursprünglich angenommen wurde, fällt damit ein Grund für die baldige Rückkehr des Fürsten fort. Immerhin darf als sicher -angenommen werden, daß er im Laufe des Sommers, voraussichtlich in der zweiten Hälfte des nächsten Monats, wieder hier eintreffen wird. Die Branntweinsteuer-Commission beendete am Donnerstag die allgemeine Berathung; die Sitzungen sind bis Montag ausgesetzt. Zur Erprobung des neuen Infanterie-Gepäcks sollen beim Lehr-Infanterie-Bataillon in Potsdam zwei Compagnieen und bei der Division in Metz ein Bataillon sormirt und damit länger ausgerüstet werden. Das provisorische Berliner Lacal-Comit6 für die deutschnationale Ausstellung für 1888 genehmigte sämmtliche Anträge des geschästs- ,führenden Ausschusses. Die Ausgaben sind auf 8 Millionen, die Einnahmen aus 31/2 Millionen veranschlagt. Zur Deckung des Unterschiedes beantragte der Oberbürgermeister Forckenbeck und die Präsidenten der Aeltesten der Kaufmannschaft beim Reichskanzler, aus Reichümitteln eine Beihülfe von 3 Millionen unter Verzicht aus Rückerstattung zu gewähren. Das ConM beschloß sofort, bei den städtischen Behörden zu beantragen, den Treptower Park unentgeltlich für die Ausstellung zu überlassen gegen die Zusicherung der Wiederherstellnng ves früheren Zustandes, sowie ferner unter Der Voraussetzung der Bewilligung des erbetenen Reichsbeitrags eine Beihülse von 2 Millionen aus den städtischen Mitteln zu gewähren. Leider, so schreiben die „Berl. Polit. Nachr.", ist die betrübende Thatsache hervorgetreten, daß seit dem Erlaß des neuen Krankenkassen-Gesetzes, insbesondere seit Erhöhung des Krankengeldes, die Simulation einen großen Umfang angenommen hat, was aus den Rechnungen vieler Krankenkassen unzweifelhaft hervorgeht. In einer Knappschaft betrug z. B. das Krankengeld int Jahre 1883 per Kopf 0,84 «X, im Jahre 1885 1,16 •tft* V erkauf 4t. 16 4-> // 0 5 2520 3 WetteFgasse Z o vr 5- K hJ p ö // u Q K P P (D P 4,50 an. 13 M II // O 32 an. an- 30 33 16 9 29 16 Herren-Anzug, gemiscktes Gewebe, schönste Dessins Nein wollene Buckskin-Anzüge von Jt. 22 bis Feiner Diagonal-Kammgarn-Anzug . . . . Jünglings-Anzüge von........ Knaben-Anzüge von......... Ueberzieher von Jb. 16 bis zu den feinsten bto. zurückgesetzte von 5U 10 bis . . Große Posten zurückgesetzte rein wollene Kinderanzüge von .......... Hosen von eX 5 bis......... b« M» Weiser. Msrkistrsße. für Giessen usidUmgegend. Eine neue Waareusendung zu nachstehenden staunend billigen Preisen: Vorstehende Preise sind feste Cassapreise, bei Creditgewährung » Proc. Ausschlag. Für Hochsommer große Auswahl Lüster-, Krepp- und Cachemirröcke. Wasch-Anzüge. Röcke, Hosen und Westen v... s. w. Zweiter Hauptgewinn 40000 M. W. Dritter Hauptgewinn 30000 M. W. Vierter Hauptgewinn 20000 M. W. 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