M. 232 Freitag den 29. October 1886. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Schulsrrabe 7. scheint täglich mit Ausnahme deü MontagS. ^urch^die^Post^be^ogen vi^teljSHrsich . .... um „■u, I ii nrjiiiirilTlU > IggBMMUtMKWMaHMMWBWUMBCMMMMaMM11HIWillIfl’ 11 KMgWM——M—BBMKMWMB Amtlicher Hheit. Betreffend: Die Wahlen zum Kreistage des Kreises Gießen, insbesondere durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände. Bekanntmachung. Gießen, den 27. October 1886. Namens desselben: Dr. Boekmann. Da die Bevölkerung des Kreises Gießen nach dem Ergebnisse der letzten Volkszählung vom 1. December 1885 von früher 69949 Seelen auf 71916 Seelen gestiegen ist, also die Zahl von 70 000 Seelen überschritten hat, muß der Kreistag nach Vorschrift de« Art. 14 der Krnsordnung für dir Folge aus 24 Mitgliedern, statt wie seither aus 21 Mitgliedern, bestehen. Der Art. 19 der Kreisordnung besftmmt, daß, wenn eme wesenlllche Veränderung in der Zusammensetzung und der Einwohnerzahl des Kreises stattgefunden hat, alsbald eine anbetweite Bildung bet Wahlbezirke unb eint Neuwahl sämmtlichet Ktei«tag«abgeotbneten vvtzunehwen ist. Die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände haben daher demnächst 16 Abgeordnete zum Kreistage neu zu mahlen. Nach Vorschrift des Art. 21 der Kreisordnung wird zum Zwecke dieser Wahlen nachstehend das Verzeichniß der Gemeinden, aus welchen me einzelnen Wahlbezirke bestehen sollen, mit Angabe der Zahl der Bevollmächtigten, welche von jedem Gemeindevorstand zu wählen sind und der uns von der Großherzog, lichen Centralstelle für die Landes-Statistik mitgetheilten Einwohnerzahl der betreffenden Gemeinde unter dem Anfirgen zur öffentlichen Kenntmß gebracht, daß im Wahlbezirke Gießen vier Abgeordnete, in jedem anderen Wahlbezirke je ein Kreistagsabgeordneter zu wählen ist, sowie daß Beschwerden gegen bw Brttmng der Wahlbezirke und Vertheilung der zu wählenden Kreistagsabgeordneten, sowie Anträge auf Berichtigung des Verzeichnisses dervon ZU wählenden Bevollmächtigten binnen einer unerstrecklichen Frist von vier Wochen, nach Ausgabe des Blattes, durch welches dieses Verzeichniß veröffentlicht worden ist, bei Meldung späterer Nichtberücksichtigung bei dem Kreisausschuffe anzubringen sind. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen. Wahlbezirke und zugehörige Gemeinden. Seelen- - K zahl der „ 5 Ge- £ meinden. 9 p - or’j er" 3 9» hl der zu kennenden Bevoll- ächtigten. Seelen- k zahl der » S Ge- o .2 meinden. 9 2^ ec®« Seelen- 3 k zahl der Ge- meinden. c OQ ü oqc * CQÜ & I. Wahlbezirk (Gießen). Alten-Buseck Rödgen 1225 5 617 2 Muschenheim mit Hof-Gill 654 Birklar 436 3 2 Rodheim mit Hof Röthges Graß 340 279 1 1 Gießen iNefammr- Annerod 514 2 Grüningen 757 3 Steinheim 492 2 zahl der Mainzlar 433 2 Dorf-Gill 407 2 Rabertshausen 201 1 Stadtv?r- ordneten- versamm- Daubringen 629 3 4558 Holzheim 1158 4350 5 Ober-Bessingen Nieder-Bessingen 403 352 QQÄ1 2 1 19002 lung 18 11. Wahlbezirk (Heuchelheim-Wieseck). VI. Wahlbezirk (Großen-Buseck). Großen-Buseck 1684 7 IX. Wahlbezirk (Lich). 9tA 2550 9 XII. Wahlbezirk (Grünberg). Heuchelheim 1780 7 Beuern 998 4 Ettingshausen 578 2 Grünberg 2149 9 Wieseck 2411 9 Bersrod 390 2 Münster 327 1 Stockhausen 158 1 4191 Winnerod 30 1 Hattenrod 373 1 Weickartshain 332 st III. Wahlbezirk (Großen-Linden). Reiskirchen Allertshausen 706 3 240 1 Burkhardsfelden 543 4371 2 Harbach Göbelnrod 366 204 1 1 Großen-Linden 1269 5 Climbach 223 1 Queckborn 606 2 Leihgestern 1080 4 Lindenstruth 289 1 X. Wahlbezirk (tiunaen). Lauter 414 2 Lang-Göns 1446 6 Saasen 429 2 Hungen Langsdorf 1297 5 Reinhardshain 283 1 Allendorf a. d. Lahn 549 2 4989 920 4 Beltershain 315 1 4344 VII. Wahlbezirk (Steinbach). Bettenhausen 418 1 4827 IV. Wahlbezirk (Staufenberg). Albach 368 1 Obbornhofen Utphe Trais-Horloff Inheiden Bellersheim 553 510 2 2 XIII. Wahlbezirk (Londorf). Staufenberg Lollar Treis a. d. Lda. Allendorf a. d. Lda. Ruttershausen 623 2 1382 6 1052 4 1074 4 383 2 Steinbach LOOd 4 Watzenborn mit Steinberg 1462 6 Garbentcich 687 3 Hausen 354 1 Oppenrod 315 1 282 357 580 4917 1 1 2 Londorf 769 Geilshausen 476 Kesselbach 392 Lumda 346 Odenhausen mit Appenborn 294 3 2 2 1 1 4514 4189 XI. Wahlbezirk (Langd). Rüddingshausen 657 3 V. Wahlbezirk (Alten-Buseck). Klein-Linden 973 4 Trohe 167 1 VIII. Wahlbezirk (Eberstadt). Ober-Hörgern 349 1 Eberstadt mit Arnsburg 589 2 Billingen Langd Nonnenroth 900 624 350 4 2 1 Stangenrod Weitershain 306 483 3723 1 2 Betreffend: Die Wahlen zum Kreistage des Kreises Gießen, insbesondere durch die fünfzig Höchstbesteuerten. Bekanntmachung. toter SB.,«,,„6,,« «if mMenb.« M.IchrSm b-k-ff-.d Me W« |Um «rei«tae dur» M« Uftlnabme an der Wahl der fünfzig Höchstbesteuerten des Kreises Gießen Berufenen unter dem Ansugen zur össentlichen Kenntmß gebracht, g6gber mt dem mindesten Steuerbetrag Ausgenommene ein Communalsteuerkapital (s. Art. 18 der Kreisordnung und Gesetz v. la. Mai 1885 Art. 9- > 257! ^ge auf Berichtigung dieses Verzeichniffes stnd binnen einer unerstrecklichen Frist von vier Wochen nach Ausgabe des Blattes, welche» diese Bekanntmachung enthält, bei Meidung späterer Nichtberücksichtigung bei dem Kreisausschuffe vorzubrmgen. Gießen, den 27. October 1886. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen. Namens desselben: Dr. Boekmann. Verzeichnis; der zur Wahl von 8 Mitgliedern des Kreistags berufenen 50 Höchstbestenerten -es Kreises, traueret Gießen. 14. Heichelheim, Moritz Wittwe, Gießen. 30. Möser, Heinrich I., Gießen. Schwan, Karl Heinrich, Gi ftrani Wittwe Gießen. 15. Heichelheim, Sigismund, Gießen. 31. Müller, Karl, Leihgestern. 42. Solms-Braunfels, Fürst z 15. Heichelheim, Sigismund, Gießen- 16. Hessen-Rhein. Bergbauverein, Gießen. Schwan, Karl Heinrich, Gießen. Solms-Braunfels, Fürst zu, Braunfels. Solms-Hohen-Solms-Lich, Fürst zu, Lich. Solms-Laubach, Graf Friedrich zu, Laubach. Textor, Friedrich, Gießen. Walderdorf, Graf, Wiesbaden. Wasserfchleben, Erich, Gießen. Will, Dr. Heinrich, Professor, Gießen» 17. Heß, August, Gießen 18. Heyligenstädt, L. und Comp., Gießen. 19. Holzapfel, Hermann, Geh. Baurath, Gießen. 20. Homberger, Gebr. und Söhne, Gießen. 21. Jhring, Joh. Heinr., Bierbrauer, Lich. 22. Kaltenbach, Dr. Rudolf, Prof., Gießen. 23. Kempf, Ludwig Otto, Gießen- 24. Klingspor, Karl, Fabrikant, Gießen. 25. Koch, Konrad VI., Gießen. 26. Krausgrill, Johann Georg, Gießen. 27. Kretschmar, Dr. Gust., Prof-, Gießen- 28. Main-Weser-Bahn, Gießen. 29. Mettenheimer, Dr. Georg Ludwig Adolf, Gießen. ArankreiH. Paris, 27. Octbr. Nach einer Mittheilung der Paris-Lyoner Eisen- lahn-Gesellschaft sind durch Überschwemmungen in den Departements Ain und Vaucluse einige Localbahn-Stcecken unterbrochen. Von großen Linien sind keine unterbrochen, nicht einmal bedpoht. — Nach Berichten aus Avignon verursachte das Hochwasser der Rhone und der Durance Ueberschwemmungen, die in der Umgebung Avignons großen Schaden anrichteten. Die Eisenbahnen sind an verseht' denen Punkten durchbrochen, Deiche vielfach stark beschädigt. 1. Actieubrauerei Gießen. 2. Block, Franz Wittwe, Gießen. , 3. Briel. Wilh-, Rechtsanwalt, Gieren. 4. Buderus'sche Eisenwerke, Lollar und Politische Uebersicht. Gießen, 28. October. Der Empfang des neuen französischen Botschafters in Berlin, Herrn Herbette's, durch den Kaiser am vergangenen Samstag gestaltete sich weniger durch seine Aeußerltchketten, als durch die zwischen dem erlauchten Oberhaupte des Reiches und dem neuen Vertreter der französischen Republik gewechselten Reden zu einem bedeutsamen Momente. Herr Herbette wies in seiner Ansprache aus die zahlreichen, Deutschland und Frankreich gemeinsamen In* leresien hin und verlieh der Hoffnung Ausdruck, daß beide Länder in diesen Jntereffen mehr und mehr den Boden zu einer Verständigung finden würden. Der Botschafter betonte seinen guten Willen, zur Erreichung dieses ihm vorge- zeichneten Zieles mit beizutragen und versicherte, daß die französische Nation wie die Politik der französischen Negierung von den Ideen des Friedens, der Arbeit und Stabilität beherrscht würden. Der Kaiser hob in seiner Erwiderung hervor, daß er sich mit dem Botschafter in dem Gedanken einer Verstän- wgung zwischen beiden Nationen aus Grund ihrer gemeinsamen Jntereffen be gegne und sprach im Weiteren die Erwartung aus, daß cs der großen Geschäfts- Ersahrung des neuen Botschafters beschieden sein werde, an der Aufrechterhaltung der beiderseitigen guten Beziehungen mit zu arbeiten. Schließlich gab der Monarch seine lebhafte Befriedigung über die Wahl des Herrn Herbette zu erkennen und versicherte denselben seiner steten vollen Mitwirkung zur Erreichung des angedeuteten versöhnlichen und friedlichen Zieles. — Die Aeußerungen unseres Kaisers und des neuen Botschafters der französisch.n Republik sind als ein neuer Beweis auszufaffen, wie man sowohl in den leitenden Berliner als auch Pariser Kreisen aufrichtig bestrebt ist, den Weg zu einer gegenseitigen Vcr- stönoigung zu finden. Aber die letztere wird so lange unmöglich sein, so lange jenseits der Vogesen die öffentliche Meinung durch das wüste Revanchegeschrei der Patrioten'Liga beherrscht wird und es ist augenscheinlich, daß die französische Regierung dem Treiben der Revanche-Narren nicht so steuern kann, als sie woll möchte. Das Pariser Cabinet wird daher wohl oder übel genöthigt sein, di >er Stimmung in seinen officiellm Beziehungen zu Deutschland auch, fernerhin Rechnung zu tragen und um so mehr dürfte man in den frantzösiM-r Aegie- rungskreifen die wohlwollenden Worte zu schätzen wissen, mit denen Kaiser"Wil- helm die Ansprache des Herrn Herbette's beantwortete; sie laffen erkennen, daß man in Berlin Alles thun wird, dem neuen Vertreter Frankreichs die schwierige Stellung, zu der er berufen, thunlichst zu erleichtern. Jedenfalls darf Herbette mit der Aufnahme, die er beim Kaiser gesunden, sehr zusne'den sein. Ob er sich demnächst nach Varzin begeben wird, um den teilenden Staatsmann zu begrüßen, wie eine Berliner Meldung wissen wollte, steht noch sehr dahin, da es bekannt ist, daß der Kanzler amtlichen Urlaub hat und sich einer gesetzlich geregelten Stellvertretung erfreut, daher diplomatische Besuche wie alle anderen g'schästlicher Natur nur auf Einladung des Kanzlers selbst ihm gemacht werden önnen- Die Wiederbesetzung des durch den Rücktritt Burchard's erledigten Posten des Reichs - Schatzsecretärs durch den Unter-Staatsfecretär Herfnrth gilt als unmittelbar bevorstehend und sieht man der Veröffentlichung der Ernennung durch den „Reichs-Anzeiger" im Laufe dieser Tage entgegen. Der Sieg des deutschen Candidaten bei der im Reichstags- Wahlkreise Graudenz-Straßburg stattgefundenen Ersatzwahl, Hobrecht, über den Polen v. Rybinski ist deutscherseits mit berechtigter Genugthuung begrüßt worden, denn dem einmütigen Zusammengehen der deutschen Parteien ist es zu verdanken, daß der Wahlkreis jetzt den Polen, die ihn seit 1881 in Besitz ge- gehabt, wieder entrißen wurde. Die Zahl der abgegebenen deutschen Stimmen weist im Vergleiche zu der Wahl im Jahre 1884 eine Zunahme um etwa 1500 auf, die der polnischen um etwa 500. Noch nicht ganz aufgeklärt erscheint die Stellungnahme der deutschen Katholiken, doch kann man aus verschiedenen Umständen schließen, daß ein Theil derselben, wenn nicht für den deutschen Candidaten gestimmt, so sich doch wenigstens der Wahl enthalten und hiermit indirect zum Siege desselben beigetragen hat. Die „Germania" hatte es bekanntlich den deutschen Katholiken des Wahlkreises Straßburg - Graudenz zur Pflicht gemacht, für den polnischen Candidaten einzutreten; der Ausgang der Wahl beweist, daß zum Mindesten ein Theil der deutschen katholischen Wählerschaft der Parole des Berliner CentrumS'Organes keine Folge geleistet hat. Die Verschiebung der Eröffnung der großen bulgarischen Nationalversammlung vom Mittwoch auf kommenden Sonntag ist ein erstes positives Zugeständniß des Cabinets von Sofia an Rußland. Ob sich hieraus die Auflösung der Sobranje entwickeln wird, bleibt abzuwarten; vorerst beutet das Eintreffen verschiedener Mitglieder der bulgarischen Regierung in Tirnowa daraus hin, daß die Sobranje doch noch zusammentreten wird, wenngleich deren Zusammentritt nach Lage der ganzen Sache vollkommen zwecklos erscheint. Sonst dauert aber die gereizte Stimmung zwischen Rußland und Bulgarien noch an; als ein neuerliches Symptom derselben ist die beschlossene Entsendung zweier russischer Kriegsschiffe nach Varna zum Schutze der dortigen russischen Untertanen zu betrachten, die auf die Bitte des dortigen russischen Consuls hin erfolgt. Sollte hierin gar der erste Schritt zu der Occupation Bulgariens Seitens Rußlands zu erblicken sein? — Die Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen zwischen Bulgarien und Serbien ist nunmehr zur Thaljache geworden, indem der zum Vertreter Bulgariens bei der serbischen Regierung designirte Dr. Stransky am Montag in Risch eingetroffen ist. Deutschland. Berlin, 27. October. Zur morgigen Plenarsitzung des Bundesraths fegt auch ein Gesetzentwurf vor über Unfallversicherung der Seeleute, ein anderer über die bei der Schifffahrt betheiligten Personen. — Der aus Gumbinnen gemeldete Regierungs-Erlaß hebt nur die größeren Beschränkungen bezüglich der Vieheinsuhr aus Rußland, welche in bisherigen Einfuhr-Verboten enthalten waren, auf. Außer dem Schweineeinsuhr-Verbot ücibt auch das Einfuhr-Verbot laut polizeilicher Anordnung vom 13. März 1882 in Kraft. Wreslau, 27. Octoder. Der commanbirenbe General Wichmann ist heute Abend gestorben. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. Wilson, Peter, Gießen. 50. Zimmer, Georg Karl, Winnerod. Die Cholera in Deutschland? B. C. Mainz, 27. October. Während die Choleranachrichten aus dem Süden in den Zeitungen kaum mehr Beachtung finden, durchjagen seit zwei Tagen Mittheilungen unsere Stadt, daß dieser gefährliche Gaft in unserer nächsten Nähe, in den großen Gemüse- und Pflanzendörfern Finthen und Gonsenheim eingekehrt sei. Obwohl die Mittheilungen, aus angeblich guten Quellen verbreitet, sofort ihren Weg in die Presse gesunden, glaubte Ihr Corre- spondent doch von dem Gerüchte vorerst keine Notiz nehmen zu sollen, bis zunächst sich die berufenen Factoren über die Sache geäußert. Gestern Abend trat nun der Ortsgesundheitsrath von hier zusammen und wurde zunächst Folgendes festgestellt: Wie alljährig um diese Jahreszeit sind innerhalb des laufenden Monats in Gonsenheim und Finthen eine größere Anzahl Erkrankungsfälle an Brechdurchfall vorgekommen, wovon in Gonsenheim 5 ur^ in Finthen 6 den Tod bei Erwachsenen zur Folge hatten. Wie uns von Mitglied cm des Ortsgesundheitsraths mitgetheilt wird, war bei der diesjährigen Krankheitserscheinung das sehr auffallend, daß nieistens Erwachsene davon betroffen wurden — ein Factum, das sehr zu Bedenken Anlaß giebt! Während nun in den letzten 14 Tagen in Gonsenheim kein Krankheitsfall mehr vorkam, sind inzwischen beute und gestern in Finthen zwei Personen unter choleraartigen Erscheinungen gestorben, eine 60jährige Frau und deren Krankenpflegerin. In Folge 1 hiervon begab sich heute Vormittag der Kreisarzt Dr. Hellwig nach Finthen, wo er Gießen. _ 5. Bücking, Ludwig, Rentier, Gießen. 6. Burk, Ferdinand Gießen- , 7. Clemm, Friedr. Ludwig, Kanzleuath, 8. Cö^-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft, Gießen. , 9. Emmelius, Louis und Heinrich, Firma Karl Emmelius, Gießen. 10. Ferme, E. W-, Gießen. 11. Gail, Wilhelm, Gießen. 12 Georgi, Ludwig, Fabrikant. Gießen. 13* Großherzogliches Haus- und Fanntten- eigenthum, Gießen. 32. von Nordeck zur Rabenau, Freiherr Adolf Reinhard, Appenbörner Linie, Friedelhausen. 33. von Nordeck zur Rabenau, Freiherr Adalbert, Friedelhausen. 34. von Nordeck zur Rabenau, BaronkCarl, Londorf. 35. von Nordeck zur Rabenau, FreiherrfFer- dinand Carl, jOberstlieutenant und Kammerherr, Darmstadt. 36. v. Nordeck z. Rabenau, Gesammtfamilie. 37. Noll, Adolf Karl Theodor, Commerzien- rath, Gießen. 38. Nicker, Anton Franz, Gießen. 39. Schirmer, GeorgHeinr. Ludw., Gießen- 40. Schlenke, Karl, Gießen. Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr» Corresp-n-enr-Bureau« Mainz, 27. October. Durch Untersuchungen an Ort und Stelle und durch Section der unter choleraähnlichen Symptomen verstorbenen Personen ist amtlich festgestellt, daß weder in Finthen noch in Gonsenheim Todesfälle in Folge von cholera asiatica vorgekommcn sind. (Wir verweisen auch auf den heutigen Bericht unseres Mainzer Correspondenten an anderer Stelle. Red.) Berlin, 27. October. Der Kaiser empfing Vormittags den Vortrag Wil- mowski's und irahm eine Reihe militärischer Meldungen entgegen. Nachmittags 4 Uhr hat der Staatsfecretär Bismarck Vortrag, iji 5 Uhr findet ein größeres Diner ftfltt, wozu Prinz Heinrich, alle hier anwesendE,Minister, Bankpräsident Dechend und Mehrere Generale geladen sind. — Die allgemeine Conferenz der H^ernattonalen Gradmessung wurde heute Nachmittag 2 Uhr im Beisein der Minister Bötticher, Lucius, Scholz und Friedberg vom Cultusminister mit einer Begrüßungsrede-eröffnet, welche auf die hohe Bedeutung der Conferenz hinwies und des verstorbenen Generals Bayer wärmstens gedachte. Der bisherige Präsident der permanenten Commission, General Ibanez (Madrid) antwortete dankend. Zum Präsidenten der Conferenz wurde Förster-Berlin, zu Vicepräsidenten wurden Struve-Pulkowa (Rußland) und Faye-Paris, zum Schriftführer Hirsch-Neufchatel gewählt. Vertreten sind die deutschen Staaten, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Oesterreich, die Niederlande, Portugal, Rumänien, Rußland, Schweden, Norwegen, die Schweiz und Spanien. Professor Förster gab einen historischen Bericht. Dr. Struve (Rußland) brachte dem Kaiser Wilhelm Huldigungsworte dar, worauf eine Pause eintrat. Nach derselben berichtete Hirsch-Neufchatel über die seit der letzten allgemeinen Conferenz eingetretenen Ereignisse und gedachte der seitdem verstorbenen Mitglieder, namentlich des Generals Bayer. Professor Helmert erstattete den Bericht des Centralbureaus und geodätischm Instituts, wobei er mittheilte, daß die Erbauung eines geodätischen Instituts auf dem Potsdamer Telegraphenberge neben der Sonnenwarte sich der Verwirklichung nähere. Die nächste Sitzung findet morgen statt. Heute Abend ist die Conferenz beim Kultusminister, morgen IVa Uhr empfängt der Kaiser das Präsidium der Conferenz. Wien, 27. October. Cholerabulletin. Es erkrankten, resp. starben in Triest 4/2, Pesth 10/13 Personen. Petersburg, 27. October. Der „Regierungsanzeiger" sagt, durch die allenthalben in Bulgarien existirende Anarchie seien die russischen Consulate der Möglichkeit beraubt, die gesetzlichen Interessen der in diesem Lande weilenden russischen Untertanen zu schützen. Nach der Abreise des Generals Kaulbars aus Varna seien Fällt von Verhaftung russischer Untertanen unter den ungesetzlichsten Vorwänden vorgekommen. Angesichts einer solchen Sachlage seien dieser Tage nach Varna die Klipper „Zabjaka^ und „Pamät Merkuri" entsandt. Rustschuk, 27. Octsber. Eine Note des Generals Kaulbars an die russischen Consuln in Bulgarien betont, Rußland könne die Beschlüsse der Sobranje nicht berücksichtigen, selbst wenn sie die Wahl eines Rußland genehmen Fürsten beträfen oder sich auf die Entsendung einer Deputation an den russischen Kaiser erstreckten. Wie es heißt, wird die Sobranje trotzdem sofort nach ihrer Csnsiituirung eine Deputation an den russischen Kaiser entsenden; diesbezügliche Schritte seien bereits bei dem Metropoliten Clement geschehen, der sich an die Spitze der Deputation stellen solle. zuvorderst constatirte, daß die zuerst verstorbene Frau schon längere Zeit krank und ihr | Tod wahrscheinlich aus Altersschwäche eingetreten; die zuletzt verstorbene Krankenpflegerin, gleichfalls nicht von sehr gesunder Körperbeschaffenheit, hat ihren Tod höchst wahrscheinlich durch die Cholera gesunden. , t t . Die große Frage, die sich erst durch die heute Abend stattfindende Oeffnung der Leiche der zuletzt verstorbenen Person lösen läßt, ist nun aber die, ob man es mit der asiatischen Cholera oder mit der bei uns häufig vorkommenden Cholera nv8trs8 zu thun hat. Wir werden unsere Leser ohne Verzug von dem Resultat der heute Abend stattfindenden ärztlichen Untersuchung in Kenntniß setzen, inzwischen sei aber constattrt, daß in ärztlichen Kreisen allgemein die Ansicht herrscht, daß man es mit der alljährlichen Krankheitserscheinung zu thun hat, die nur durch den heftigen Witterungswechsel zu Anfang von dem Monate stärker ausgetreten. , . r „ Immerhin sind unsere Aerzte, denen besonders das Faktum, daß viele Erwachsene von der Krankheit befallen, der drohenden Gefahr und ihrer Verantwortung im Falle des Ausbruchs der gefährlichen asiatischen Krankheit vollkommen bewußt, und haben in Gemeinschaft mit der Provinzialdirection bereits alle vorbereitenden Schrille zur Bekämpfnng gethan. Die Mittheilungen in der Presse über eme Erscheinung haben bereits zahlreiche telegraphische Anfragen hierher veranlaßt und find im Laufe des heutigen Tages schon Aerzte von auswärts hierher geeilt. Nachschrift. Die heute gegen Abend unter Beisein verschiedener Aerzte vom Kreisarzt Dr. Hellwig vorgenommene Obduktion der unter choleraarttgen Symptomen in Finthen verstorbenen Krankenwärterin hat ergeben, daß die Person an einem acuten Maaem und Darmkatarrh gestorben ist. Univerfirars - Chronik. — Der Privatdocent der Psychiatrie an der Universität Bonn, Dr. med. F. Schuchardt, hat einen Ruf als Director der Jrrenheilanstalt in Sachsenberg bei Schwerin erhalten und wird diesem Ruf folgen. — In Göttingen werden in diesem Semester zwei Japaner, Miysakl und Higama, Vorlesungen über Rechtswissenschaft hören. — In Bonn hat sich Fürst Atsumaro Konoye aus Tokio in der juristischen Facultät einschreiben lassen. _ — In Freiburg (Schweiz) wird eine freie katholische Universität nach Muster der in Löwen gegründet. Dieselbe wird vorläufig nur aus einer theologischen und juristischen Facultät bestehen. B p f? a l e * Gießen, 28. October. Wcbard Wagner-Verein.) Am Tage nach der letzten Aufführung des Parsifal wurde eine Versammlung von Kunstfreunden im Saale der Sonne zu Bayreuth abgehalten, in welcher 27 000 X pro Jahr gezeichnet wurden mit der Verpflichtung, fünf Jahre die gleiche Einzahlung zu leisten. Die Berliner Mitglieder übernehmen die Garantie, daß die Summe auf 50 000 X von Berlin aus auf dem Wege freiwilliger Subscription gesteigert werde. Rechnet man die gleiche Summe von dem übrigen Deutschland hinzu, so werden vorderhand dem Fonds zur Erhaltung der Festspiele jährlich 100 000 X zufließen. Auch 2 Franzosen zeichneten je 1000 X jährlich für 5 Jahre. Die nächsten Festspiele finden in zwei Jahren statt, also tm Sommer 1888. Diese Entscheidung wurde getroffen, um allen mitwirkenden Künstlern, die Heuer ihre Ferien verloren, solche im nächsten Jahre zu gönnen. Die Uebernahme des Protectorats der Bühnenfestspiele, das bis zu seinem Tode König Ludwig von Bayern inne hatte, ist dem Prinzen Wilhelm von Preußen angetragen worden. Von ihm existirt der Ausspruch, den er hier wiederholt gethan: es wäre eine Schande für die deutsche Ration, wenn ein so großartiges Unternehmen, wie die Bayreuther Festspiele sich nicht erhalten sollte in all seinem Glanze. Die Kaiserin Augusta von Deutschland, sowie Prinz Wilhelm von Preußen traten dem Patronatsverein mit einem Beitrag von je 1000 X pro Jahr bei. Gießen, 28. October. In den letzten Tagen wurde zum wiederholten Male Frauen aus sogen. Gretchentaschen deren Inhalt gestohlen; so z. B. auf dem gestrigen Jahrmarkt in zwei Fällen. Rach Angabe der einen Bestohlenen sollen es halbwüchsige Buben sein, welche sich in diesem Metier üben. Vorsicht beim Um hängen der Gretchen- taschen dürste geboten sein. Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in der Stadt Gießen. 43. Woche. Dom 17. October bis 23. October 1886. Einwohnerzahl: 19 327. Sterblichkeitsziffer (auf das Jahr berechnet): 21,5%o. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im 1. Lebensjahr: vom 2.—15. Jahr: Lungenentzündung 1 1 — — Lungen-Rippenfellentzündung 1 1 — — Tuberkulose des Bauchselles 1 1 — — Akuter Miliar- u. Gehirntuberk. 1 1 — — Organischer Herzkrankheit 1 1 — — Gehirnentzündung 1 1 — — Altersschwäche 2 2 — — Brechdurchfall 1 — 1 — Diphtherie 1 — — 1 Summa: 10 8 1 1 GemöeL rrnd — sFünfmarkscheine.j Es tauchen nicht selten immer noch Exemplare der älteren Reichskassenscheine zu fünf Mark (blaues Wasferpapier mit den Figuren zweier Knaben, eine Guirlande haltend) im Verkehr auf. Diese scheine haben nicht mehr die Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel und besitzen keine Umlaufsfähigkeit, sondern werden nur noch bei der preußischen Controle der Staatspapiere in Berlin eingelöst. Die genaue Adresse dieser Behörde ist: Berlin 8. W., Oranien- straße Nr. 92. Limburg, 27. October. Rother Weizen, X 14.25, weißer'Weizen X 14.00, Korn X 10 35, Gerste 8.60, Hafer X 5.75, Kartoffeln ä 100 Pfund X 0.00, Erbsen ä 100 Pfund X 00.00. Frankfurt, 27. October. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter X 4.00—5.00, Eier das Hundert X 4 50—7.00, Butter per Pfund X 1.10 bis 1.20, Weißkraut per Stück 10-12 H, Nothkraut per Stück 20—25 H, Kohlrabi per Stück 3—4 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 Kalbfleisch 40—60 H, Schweinefleisch 65—70 H, Hammelfleisch 50—70 H, 1 Hahn X 0.70—1.80, 1 Huhn X 1.00—2.50, 1 Ente X 2.00-3.50, 1 Gans X 4-00—8.00 1 Taube 40—70 H, Welsche X 5.00—10 00. Nach Tisch ein Gläschen Widtfeldt's Magenbehagen ist das angenehmste und sicherste Verdauungsmittel. Niederlage u- A- b. Emil Fischbach.7735 Allgemeiner Anzeiger. Arbeitsdersteigerung. Montag den 1. Noobr. d. A, Mittags 2 lyr, soll das Verfüllen der durch das Aufschließen von Quellen uri Schiffenberger Wald entstandenen Gräben, veranschlagt zu 270,00 E s se 11} iit e* Die Nr- 4 enthält: Textlich: Und dennoch! Erzählung von C v- Hellen. (Fortsetzung). — Schlimme Gesellen. Seebild von Reinhold Werner. 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