Nr. 200, Zweites Blatt Sonntag den 29. August 188tz. ich en er Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. StttMIt: Schvlstraße 7. Erscheint ttglich mit »«Sncchme deS Montags. JE vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brin-erlobn. * 1 _ __________ ____________Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark K Woche« - Ueberficht. Gieße«, 28.' August. Alle Welt steht noch unter dem Eindrücke der sich überstürzenden allarmirenden Nachrichten aus Bulgarien und müffen wir deshalb in der Wochen« Chronik den Begebenheiten auf innerpolitischem Gebiete diesmal einen kleineren Raum zumeffen, was allerdings um so leichter ist, als in dieser Beziehung nur wenig von Belang vorliegt. Zunächst ist vom kaiserlichen Hofe zu melden, daß sich Kaiser Wilhelm des besten Wohlbefindens erfreut und erweist sich allem Anscheine nach der ländliche Aufenthalt auf Schloß Babelsberg als vortrefflich geeignet, die Wirkungen der Badekuren von Ems und Gastein für den greisen Monarchen zu verlängern. Der Kaiser hat durch seine körperliche und geistige Frische auch in der jüngsten Zeit die Bewunderung seiner Umgebung und der zahlreichen Gäste des kaiserlichen Hoflagers erregt und der Umstand, daß der hohe Herr in den letzten Tagen den Uebungen des Garde-Corps tro( der ungewöhnlich heißen Witterung regelmäßig mehrere Stunden beiwohnte, zeugt wohl am besten für die Rüstigkeit des Monarchen. Am Donnerstag begrüßte Kaiser Wilhelm einen erlauchten Gast an seinem Hoflager, den König Lutz (Ludwig) von Portugal, welcher auf seiner Rundreise durch Europa an dem genannten Tage in der deutschen Reichshauptstadt eingetroffen ist und mehrere Tage am kaiserlichen Hofe zu wellen gedenkt. Kaiser Wilhelm hat dem von seinem Berliner Posten scheidenden französischen Botschafter, Baron de Courcel, den Schwarzen Aoler-Orden verliehen — eine Auszeichnung, die seither nur wenigen Vertretern der fremden Mächte am Berliner Hose zu Theil geworden ist. Der Reichskanzler Fürst Bismarck hat Anfang» dieser Woche seine vom besten Erfolge gekrönte Gasteiner Nachkur beendigt und in Begleitung seiner Gemahlin am Dienstag die Rückreise angetreten. Am Abend des genannten Tages traf das sürstltchs Paar in Salzburg ein und übernachtete im Hötel de l'Europe; am nächsten Tage setzte der Reichskanzler die Reise über München-Regensburg nach Franzensbad fort, wo eine Zusammenkunft zwischen dem Fürsten Bismarck und dem russischen Ministerpräsidenten Herrn v. Giers stattgefunden hat; bemerkenswerth erscheint dabei, daß am Mittwoch der russische Botschafter in London, Staat, und der russische Geschäftsträger in Wien, Kan- takuzenos, in Franzensbad eingetroffen sind und jedenfalls an den Besprechungen Theil genommen haben. Die Reichstagr-Nachwahlen in Lauenburg und Bromberg machen die Vornahme von Stichwahlen nothmendig. In Lauenburg findet dieselbe zwischen dem freisinnigen Candidaten, Berling, und dem sreiconservativen Candidaten, Grafen Bernstorff, in Bromberg zwischen dem conservativen Candidaten Hempel und dem Candidaten der Polen, v. Komierowski, statt. In ersterem Falle gilt die Wahl des sreisinnigen, in letzterem diejenige des conservativen Candidaten als gewiß. In der altehrwürdigen Kathedrale von Metz fand am Mittwoch die feierliche Beisetzung der Leiche des Bischofs Dupont des Loge« statt. Dem Trauergottesdienste wohnten u. A. der Großherzog von Baden, der Statthalter Fürst Hohenlohe, der Staatsminister v. Hofmann, sowie zehn auswärtige Erzbischöfe und Bischöfe bei. Die „Nordd. Allg. Zeitung" äußert sich jetzt in einem anscheinend hochosficiösen Artikel über die Ablehnung der Einladung des Pesther Magistrats au das Münchener Gemeinderaths-Collegium und den Berliner Magistrat betreffs Thellnahme an der Ofener Jubelfeier. Das Blatt schreibt: Die höfliche Berliner wie die unhöfliche Münchener Art der Ablehnung zeuge von gleichem Mangel an politischem Tact. Sie, die „Nordd. Allg. Zeitung", verstehe es gern, daß das Gefühl der Deutschen durch die Behandlung der Brüder in Siebenbürgen Seitens der Ungarn verletzt sei, aber unsere Beziehungen zu Ungarn seien derart, daß wir bester thun würden, uns der Punkte zu erinnern, die uns mit Ungarn vereinen, als derer, die uns von ihm trennen. — Bei den ausgezeichneten osficiellen Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn erscheint diese Stellungnahme des Berliner Regierungs-Organs nur selbstverständlich ; indessen, das deutsche Volk hat der Auffassung des Berliner Magistrats, wie des Münchener Gemeinderaths-Collegiums in der vorliegenden Frage längst recht gegeben und kümmert sich herzlich wenig um die mehr oder minder höfliche Form, in welcher die Ablehnung erfolgt ist. Die Thronentsetzung des Fürsten Alexander von Bulgarien und die sich hieran knüpfenden Vorgänge beherrschten in dieser Woche die öffentliche Meinung Europas vollständig und das Interesse an den bulgarischen Ereignissen , steigert sich um so mehr, als inzwischen in Sofia ein vollständiger Sceneriewechsel eingetreten ist. Die provisorische Regierung mit dem Metropoliten Clement an der Spitze ist gestürzt und sind ihre Mitglieder verhaftet worden. An ihrer Stelle hat einstweilen wiederum das bisherige Ministerium Karaweloff die Zügel der Regierung ergriffen und aus allen Theilen Bulgariens und Ostrumeliens laufen Berichte über lebhafte Sympathiekundgebungen der Bevölkerung wie des Militärs für den abgesetzten Herrscher ein, namentlich in Ostrumelien ist die Stimmung entschieden für Fürst Alexander und sind alle Regimenter von Begeisterung erfüllt. In Tir- nowa, der alten Krönungsstadt der bulgarischen Herrscher, hat sich bereits eine neue provisorische Regierung mit dem Kammerpräsidenten Stambulow als Ches geblldet. Von letzterem ist eine Proklamation erlassen worden, welche erklärt, daß Stambulow einstwellen die Regierung übernehme und Oberst Mutkuroff , den Commandanten der ostrumelischen Milizen, zum General- Commandirenden mit unbeschränkten Vollmachten ernannt habe. Im Uebrigen fordert die Proklamation zum unverbrüchlichen Festhalten am Fürsten Alexander auf. Es ist nun die Frage, ob sich das Ministerium Karaweloff Herrn Stambulow unterordnen wird; wenn dies nicht geschieht, so ist natürlich die Zwietracht in der neuen provisorischen Regierung Bulgariens fertig. Jedenfalls ist die Lage im Fürstenthum trotz der sich zu Gunsten des Fürsten Alexander geltend machenden Reaction eine sehr schwankende, zumal da e& noch nicht gewiß ist, ob Fürst Alexander, der am Freitag in Lemberg angelangtist, vorläufig nach Bulgarien zurückzukehren gedenke. Wie sich nun die Mächte und besonders Rußland zu der bulgarischen Gegenrevolution stellen werden, ist noch durchaus in de» Schleier der Ungewißheit gehüllt. Zwar plaidiren einige russische Blätter für eine Intervention Rußlands in Bulgarien, aber leitenden Orts in Petersburg wird man sich hüten, diesem Verlangen sofort zu entsprechen^ allerdings ist auch die Londoner „Morningpost" der Meinung, daß die Mächte .bald zwischen einer russischen und einer türkischen Intervention zu wählen haben würden. In der Thal trifft die Türkei schon allerhand militärische Vorbereitungen, um auf alle Fälle nicht überrascht zu werden. Weitergehende Entschließungen in der bulgarischen Angelegenheit wird aber die Pforte, ehe sie.nicht Kenntniß von den Anschauungen der Mächte erlangt hat, nicht fassen und sie thut sehr wohl daran, sich in den bulgarisch - rumelischen Nesseln nicht die Finger zu verbrennen. Was schließlich die bereits aufgetauchten Can- didaturen für den bulgarischen Thron anbelangt, so dürste es sich empfehlen, den betreffenden Gerüchten bis auf Weiteres keinen sonderlichen Werth bei» zumeffen. — Die weiteren über die Ereignisse in Bulgarien eingelaufenen Meldungen sind zum Theil geeignet, die Situation nur noch verworrener erscheinen zu lassen. Offenbar ist zum Mindesten die Hälfte von dem, was jetzt täglich über die Vorgänge in Sofia depeschirt wird, ungenau oder einfach nicht den thatsächlichen Verhältnissen entsprechend und darf man wirklich begierig fein, wie sich dieses seltsame Chaos von einander direct widersprechenden Nach^ richten losen wird. Die übrigen politischen Nachrichten auf auswärttgem Gebiete müffen in dieser Woche den Meldungen aus Bulgarien natürlich den Vorrang lassen; auch gibt es in der sonst nicht viel Neues zu berichten. Aus Frankreich dürfte höchstens die Nachricht interessiren, daß Kriegsminister Boulanger in der Budget - Commission einen Credit von 3 Millionen Francs zu verlangen gedenkt, um für jedes Armeecorps das vollständige Material für Luftschifffahrt zu beschaffen. General Boulanger scheint wirklich das Zeug zu einem militärischen Reformator in sich zu fühlen. — Das Befinden des Präsidenten Grevy wird von der „Agence Havas", entgegen beunruhigenden Gerüchten, als durchaus befriedigend geschfldert. Die Beziehungen zwischen Rußland und China drohen sich in Folge der Besetzung von Port Lazareff durch die Russen zu verwickeln. Wenigstens meldet das „Reuter'sche Bureau" aus Tientsin, daß der Tsung-li- Damen, das chinesische auswärtige Amt, beschlossen habe, eine Expedition nach Korea zu entsenden, da die dortigen chinesischen Interessen durch das Vorgehen der Russen in Port Lazareff verletzt würden. Diese „Reuter"-Meldung bedarf freilich noch sehr der Bestätigung. Universität- - Chronik. — lEine Ehrenpflicht der deutschen akademischen Jugend.^ Seit gerade zehn Jahren ist der „Allgemeine deutsche Schulverein zur Erhaltung des Deutschthums im Auslande" bemüht, Mittel zur Unterstützung deutscher Schulen im Auslande aufzubringen und so werkthätig an der großen Aufgabe, den heutigen Macht- und Geltungsbereich deutscher Sprache und Eultur zu vertheidigen, theilzunehmen. In 230 deutschen Städten arbeiten die Ortsgruppen des Schulvereins, der heute über 20,000 Mitglieder zählt; doch bedeutet dieser Erfolg gegenüber der Größe der gestellten Aufgabe nur einen Anfang. Zwei Fünftel aller Deutschen auf Erden leben im Auslande und mindestens die Hälfte von ihnen steht im Kampfe um's nationale Dasein. Soll und darf das Mutterland Deutschlanb sich ihnen gegenüber kühl und teilnahmslos verhalten und sie willenlos preisgeben? Wenn irgend wer, hat vor Allem die studirende Jugend Deutschlands die Ehrenpflicht, das umfassende nationale Unternehmen des deutschen Schulvereins durch Beitritt und Propaganda für die Sache zu fördern. In Amerika gründeten wackere deutsche Männer erst kürzlich einen deutschen Eulturverein, weil sie aus der Ferne die Gefahr erkannten, die dem gesammten deutschen Volksthum durch das Vordringen slavischer Massen, durch die Leidenschaftlichkeit von Romanen, Magyaren und anderen Völkerschaften drohen. — Sollte an den Brennpunkten des deutschen Geisteslebens, an den deutschen Hochschulen eine geringere Opfer- willtgkeit, eine schwächlichere nationale Gesinnung gefunden werden? Die deutsche Studentenschaft hielt stets den nationalen deutschen Gedanken hoch, sie that es zu einer Zeit, da es noch gefährlich war, ihn zu bekennen; sie wird ihn darum nicht geringer achten, weil sie ihn heute mit Stolz hochhalten kann. Höchst erfreulich ist, daß an. unseren Hochschulen sich neuerdings eine lebhafte Bewegung zu Gunsten des Anschlusses an den deutschen Schulverein geltend macht; es gibt akademische Ortsgruppen zu Leipzig, Jena, Kiel, Straßburg, eine Reihe von studenttschen Vereinen in Halle, Breslau, Tübingen schloß sich dem Schulveretn an; neuerdings hat sich in Berlin eine akademische Ortsgruppe gebildet, die nach kurzer Zeit auf über 300 Mitglieder stieg - vor 14 Tagen etwa entstand die akademische Ortsgruppe Greifswald mit 150 Mitgliedern. In Bonn, Erlangen, Gießen und Königsberg sollen in kurzer Zeit neue Ortsgruppen erstehen. Um aber den Bestand und das Erblühen dieser Ortsgruppen zu sichern, gilt es, einen „Kartellverband der dem deutschen Schulverein angehörigen akademischen Vereinigungen" zu schaffen. Die Herren Studenten sind aber ein flüssiges Element; wer heute ein ruhiger Arbeiter für die Interessen des Vereins war, übersiedelt im nächsten Semester vielleicht schon nach einer anderen Universitätsstadt unb mit ihm schwindet das Interesse, das er rege zu erhalten wußte. Um vor solchen und ähnlichen Mißständen zu bewahren, muß eine Central-Vereinigung, ein Kartellverband, noch im nächsten Semester zu Stande kommen. verwischte-. Berlin 24. August. Wie der Polizeibericht meldet, sprang am letzten Freitag hinter dem Strahlauer Thore ein Gymnasiast aus einem Boot in's Master und ertrank lieber den Grund zu diesem Selbstmorde wird uns mitgetherlt: Der Klassenlehrer hatte den erst 15 Jahre zählenden Jungen wiederholt beim Rauchen auf der Straße betroffen und diese Unsitte ernstlich gerügt. Als er trotzdem eines Tages der vorigen Woche denselben abermals bei diesem verbotenen Vergnügen ertappte, glaubte er den Vater aufmerksam machen zu müssen und ließ diesen zu einer Unterredung zu sich bitten. Inzwischen hatte der Sohn allen Weiterungen durch einen Sprung m's Wasser ein für allemal ein Ende gemacht. — Mit dem Reichspostdampfer nach Asiens Unter den Passagieren, welche sich mit dem Reichspostdampfer „Oder" zu der ersten Fahrt der von Deutschland sub- ventionirten Dampfer nach Asien eingeschifft haben, befindet sich unter zahlreichen anderen Süddeutschen auch ein Würzburger, welcher in der -„N. W. Z." über den Verlauf des ersten Theiles der Fahrt berichtet. Er schreibt u. A.: „Es war doch em erhebendes Gefühl, uns jetzt als „Volldeutsche" zu fühlen und auf den eigenen deutschen Planken, dem ersten Postschiffe nach dem fernen Osten abzudampfen. Und was für ein Schiff, so riesig in seinen Dimensionen, allen den größten englischen und französischen stolz an die Seite zu setzen. Ein riesiges Haus, mit allem Eomfort eingerichtet, wie das beste Hotel ersten Ranges. Elektrische Beleuchtuna in allen Räumen, bei Rächt so hell wie bet Tage, eine eigene Musikcapelle, die dreimal des Tages stundenlang spielt. Eine Besatzung von über 100 Mann. Raum für ca. 300 bis 400 Passagiere 1. und 2. Elaste und wir, vorerst die einzigen drei Passagiere, denen sich noch im letzten Augenblicke fünf 3. Elasse-Passagiere anschlossen, die erst andere Pläne hatten und sich (vielleicht durch den Enthusiasmus gereizt), ohne Passage belegt zu haben, im letzten Augenblick etwas abenteuerlich der Reise anschlossen. Am Mittwoch den 30. Juni. Mittags, dampften wir von Bremen ab und am Donnerstag, um 2 Uhr Mittags, waren wir in Antwerpen. Die Fahrt war ruhig gewesen und nur die einzige Dame' unserer Reisegesellschast, die aus Mainz stammt, Verwandte in Würzburg hat und zu ihrem Manne, der in Dcli (Sumatra) etablirt ist, zurückkehrt, ganz unbedeutend erkrankt. In Antwerpen wurden wir an dein neuen prachtvollen Quai, wie ich einen solchen noch nirgends gesehen, was Breite und Ausdehnung und Bequemlichkeit betrifft, an der ersten gewissermaßen Ehrensteste angelegt. Alles beflaggt, Ehrenbegrüßung, 'Empfänge, Diners und Festlichkeiten mit Reden und Toasten; ich glaube, sünuntliche belgische Minister waren an Bord, wo ein Diner von 74 Personen stattfand. Nachdem die Ladung (was für's erste Mal sehr überraschend) vollständig completirt war und Lwar fast nur für Hongkong und Shanghai, gingen wir Samstag, Mittags 2 Uhr, wieder ab, von Flaggenschwingen, Hurrahrufen und Kanonendonner begleitet. Im Canal oder bester an seinem Ausgang nach dem Atlantischen Ocean drohte uns einer jener perfiden Nebel, ioie sie dort häufig sind. Unser Schiff fährt durchschnittlich dreizehn Knoten und so kam cs, daß wir viel zu früh, wohl um drei Tage zu früh, nach Port Said gekommen wären. Zudem ist in Suez von Cholera etwas gemeldet worden, worauf unser Postschist daselbst nicht anlegte. In Brindisi spukt es auch noch immer mit der Cholera und so wird die von uns aus Triest erwartete neueste Post am 16. bis 17. Juli nicht in Suez — via Alexandrien — sondern in Port Said an Bord genommen, so daß wir volle drei Tage da liegen müssen. . . . Hier im Mittelländischen Meer haben wir schon viel Land gesehen. Erst etwas von Spanien, dann von Afrika (Marokko), Algier, Cap Goletta, Tunis. Heute früh 4 Uhr Insel Pantellaria und heute Mittag werden wir ganr nahe Malta vorüberfahren. Dann werden wir wohl erst wieder die Berberei und Aegypten bei Alexandria und Port Said zu Gesicht bekommen. An Gethieren war unsere beharrliche Aussicht nicht gesegnet. Ein Paar Schweinfische, die man sonst als zu Hunderten sieht, in großer Entfernung, einmal ein Wall und fünf derselben, kurz ehe wir nach Gibraltar kamen drei Haifische, von denen wir auf einen sechs Schuß abgaben, um die er sich aber gar nicht im Mindesten zu kümmern schien, obgleich die Kugeln bei ihm dicht einschlugen. Dampfschiffe haben wir unzählige gesehen, thests fern, theüs nahe; sehr viele haben wir eingeholt und noch jetzt Überholen wir in kurzer Zeit alle die in gleicher Richtung gehenden. Segelschiffe haben wir sehr wenige gesehen, kaum ein Dutzend im Ganzen. Allerdings passirten wir Gibraltar in der Nacht (ca. 11 Uhr), und da werden wohl viele vor der Meerenge wie immer gekreuzt haben, um die Durchfahrt gegen die Strömung zu erzwingen. Von Malta an wurde die Schnelligkeit unseres Dampfers noch verringert auf ca. sechs Knoten (Seemeilen), da wir immer noch zu früh in Port Said eingetroffen wären; wir behielten Malta bis zur stacht in Sicht, scheinbar nicht vom Flecke kommend. . . . Die Verpflegung läßt nichts zu wünschen übrig und die Preise sind gegen französische ober englische Schiffe bedeutend geringer. Paris, 24. August. Gestern Nachmittag entlud sich plötzlich über Paris und Umgebung ein heftiges Gewitter, das namentlich außerhalb der Stadt großen Schaden anrichtete. Vermischt mit dem strömenden Regen fielen Hagelschloße», die an manchen Orten ein Gewicht bis zu 70 Gramm erreichten und Fruchtbäume wie Gemüsegärten schrecklich verwüsteten. In Montreuil, das wegen seiner schmackhaften Pfirsiche bekannt ist, wurden die noch unreifen Früchte herabgeschlagen und vom Hagel förmlich verschnitten. Nicht minder hart wurden Vincennes, Saint-Mandä und die umliegenden Ortschaften mitgenommen; die Lagelschloßcn verstopften den Abzugscanal von Bagnolet, die Wassermassen drangen in die Häuser ein und überschwemmten die Erdgeschoße. In Saint-Cloud stürzte ein Theil des Ausladungsguais ein; man wollte versuchen, das darauf befindliche Material zu entfernen, mußte aber davon absehen, da der völlige Einsturz jeden Augenblick erwartet wird. In Paris, das im Großen und Ganzen förmlich verschont blieb, ist der Tod eines .Canalarbeiters ni beklagen, der von dem Plötzlich einherstürmenden Wasserschwall mit fortgerissen wurde. Sein Leichnam konnte disher noch nicht ausgcsnnden werden. Die Polizei und Löschmannschaft hatte alle Hände vollauf damit beschäftigt, Delogirungen aus Häusern vorzunehmen, die von dem Regen so unterweicht wurden, daß man deren Einsturz befürchtete. (Fr.Z.) — sKlas Klassen.j In einer holsteinischen Dorfkirche predigte der Pastor^ über die wunderbare Speisung der fünftausend Mann durch fünf Brode und zween Fische. Im Eifer der Rede verspricht er sich und ruft aus: „Und nun, liebe Christen, frage ich Euch, welcher von uns wäre im Stande, daß er mit fünftausend Broden fünf Mann und zwee Fische speiste?" Klas Klassen erhob sich lächelnd: „Jk, Herr Pastur!" Der Pfarrer, verdutzt über diese Unterbrechung, schließt die Predigt und fragt seinen Küster in der Sakristei, wie Klassen zu dieser Antwort gekommen. Der Küster macht dem Herrn Pastor bemerklich, daß er sich versprochen und statt fünftausend Mann fünftausend Brode gesagt habe. Am folgenden Sonntag beschließt der Herr Pfarrer, das Versehen gut zu machen. Geschickt kommt er am Schluß der Predigt auf das Evangelium des vorigen Sonntags zu sprechen und ruft aus: „So konnten wir uns fragen: wem wohl von uns Menschen wäre es möglich, heut, wie der Herr das damals that, fünftausend Mann zu speisen mit fünf Broden und zween Fischen?" Klas Klassen erhebt sich wieder mit breitem Lächeln: „Jk, Herr Pastur!" Diese Verwegenheit ist dem alten Herrn auf der Kanzel doch zu viel und er fragt entrüstet! „Klassen, wie könnt Ihr Euch das unterstehen?" — „Herr Pastur," antwortete Klassen ruhig und bedeutend, „es muß ja doch wohl von den fünftausend Broden vom vorigen Sonntag noch etwas übrig geblieben sein!" ' Literarische-. — Mehr als ein Dritteljahrhundert hat jetzt das Familien - Journal die rJllustrirte 88elt* (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt, vormals Ed. Hallberger) - einen Ehrenplatz unter den deutschen Zeitschriften behauptet, und der neueste Jahrgang, der fünfunddreißigste, dessen beide erste Hefte uns jetzt vorliegen, verspricht nach dem reichhaltigen, außerordentlich sorgfältig gewählten Inhalte derselben die früheren glänzendsten Jahrgänge des beliebten Journals zu übertreffen. Die zwei Romane: „Der Oberförster von Margrabowo" von Adolf Streckfuß und „Nummer 97" von A. Duroy-Warnatz bereiten den Leser auf große Unterhaltungsgenüsse vor. Die kleinen Erzählungen „Miska, der Husar" und „Der grüne Jäger" sind, die erste geradezu reizend, ein kleines, lustiges Kabinetstück österreichisch-ungarischen Lebens, die andere eine originelle, fesselnde Novelle aus dem Schauspieler- und Künstlerleben. Die Schilderung der „Ferien in Amerika" bringt ganz Neues, bisher bei uns völlig Unbekanntes. In dem Artikel „Zahnkrankheiten und deren Verhinderung" gibt der durch seine Bleichsuchtskurcn berühmte Stabsarzt Dr. Dyes Anweisungen über Pflege und Behandlung dieser so wichtigen GesundheitserhaltcrS der Menschen, während das Essay „Der Kuß im RechtSleben", Männlein wie Weiblein in gleicher Weise anregen wird M. Lilie behandelt unterhaltend und geistreich den Federschmuck und die diesen liefernde Vogelwelt. Ungewöhnlich interessant ist auch Bild und Artikel, betreffend die Uebungen an Bord eines deutschen Kriegsschiffes — die Illustrationen nach photographischen Aufnahmen, Spiegelbilder der Wirklichkeit, wie auch ferner Abbildung der berühmten vom Papst an die Königin Christine gespendeten goldenen Rose. Die so willkommen geheißene Arbeitsschule für kleine Mädchen, die Spiele und Denkunterhaltungen für Knaben, den Gartenkalender, die Reeepte, die sehr interessanten kleineren Artikel aus allen Gebieten finden wir wieder in glücklichster Auswahl, wie auch die humoristische Rubrik, reich mit lustigen Sachen versehen. Dem Text entsvricht das Bild. Da haben wir ' Genrebilder, Landschaft, Tagesbegebenheiten, wie die Feier der Schlacht bei Sempach, die Prachtbauten und ein Portrait des unglücklichen Königs Ludwig II., alte Cultur (Aegypten), sowie eilte prächtige farbige Kunstbeilage. Wie man sieht, schwingt sich mit diesen Heften der alte bewährte Freund der Familie, die „Jllustrirte Welt", nach allen Richtungen hin auf eine höhere Stufe, trotzdem aber den seitherigen überaus billigen Preis von nur 30 H pro H R°W„k Anttntt 97» M'„; vCDens, die audcre k iunstierlebeu. $;e ; w Mä oöUifl un_- 7"/b!d-rd„ch; .ud-rWUM ° -"d d°S G, ! Seife anregen roirb ™ biefai ItefemJt f ■ntno die Hebungen $ MtogrciMchen R der berühmten ^le so willkommen Unterhaltungen für f nneren Artikel aus t die humoristische Äild. Da haben der Schlack bei : önigs Ludwig II., Wie man sieht, e. die „Warte m den seitherigen de unb\I?Q,lor über 5 itbe te’fc l^elnb: a.r°ben 1die PÄ'Herr ? SekoL^ud Jen und ffnfj s^er I vnntaa ßpUr-V^ und T1ih 6 der I 'ein!" Un^auhb er! .efem Jahre zum te um Gabe« t Sorten beä ieshäusern oder erinnert, was ^ckges dankend daß ihr Loos chen Pfarr- Sroßherzoglichenl liensien Collecten glichst für Ver^ wirken, ilisbe« Sammlungen zu tg an unseren er, einzusenden. Krankenpstege ndesverein der iliden. 140, 1.20, 1?r Meter voll ?e-"0bek- Mn Rollwagen w'failfen- ****& Fr. 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In diesem Orte besteht noch kein solches Geschäft. — Näheres Zu erfragen in der Expedition des „Betzdorfer Anzeiger" in Betzdorf a-_d.-Sieg. 5969 Qertrudis ■ Brimneite Fürstlich Solms-Brsunftts'sche Brunnen-Verwaltung zu Biskirclien, Nass. Bahn. 5747 Vorzügliches Mineral- und Tafelwasser. In einem Briefe, d. d. Ems den 5. Juli 1883, äußert sich Se. Excellenr der General-Stabs-Arzt der Armee, Prof. Dr. von Lauar, Lcibant Seiner Maiestät des Kaisers, über den Gertrudis-Brunnen wie folgt ■ _ pEs ist dasselbe ein leicht verdauliches erfrischendes Getränk von vorzügltchem Wohlgeschmäcke, welches ich für meine Person in dieser letzteren Beziehung wegen des geringeren Vorgeschmackes des Kochsalzes dem Selters-Wasser vorziehen würde. 3 Rücksichtlich der Wirkung auf die Schleimhäute dürfte dasselbe anderen ähnlichen Wässern gleichstehen. o_. Bei reichlicherem und fortgesetzten Genüsse möchte wohl auch der LtthloN'Gehall in der diesem Stoffe eigenthümlichen Richtung sich geltend machen können. ö Ich wünsche, daß das Wasser eine recht weite Verbreitung finden möge." Alleinige Niederlage bei L. Kalkhof, Seltersberg, Gießen. Patentirt in allen Ländern. Neu und bedeutender Ersparniß wegen unentbehrlich für Jedermann! Abwaschbare u. sich nicht abnutzende Terra-Vulcana- Feuerzeugständer (aus gebrannter Mineralmasse) Zur immerwährenden Entzündung schwedischer Zündhölzer. D- N.-P Nr. 33234 Preis pro Stück Mk. 1.25. Einzig -ristirendes Feuerzeug o6ne aufgc- stnch-n-Zündmass-. Jeder Besitzer eines Terra-Vulcana-Feucrzrugständers ist daher in der Lage, di- schwedischen Zündhölzer ohne thcure Schachtclmrpachinig einzukaufen. Allein-Verkauf bei 4349 Fr. Sei bei. außerdem deren Verkaufsstellen: Iriedr. Seibel, Gießen. 8 Uoehel II., Mieseck. 3ol). Heß XX., Leihgestern. K- Köhler, Lich. ^h. Kammer IV., Bellersheim. A- Buch, Hungen. $• C Maes, Nidda. Krd. Aast, Nidda. S. Kaufmann Söhne, Schotten. Programm zum Herzigsten Slirtugsrest des Turnvereins Giessen am 28. und 29. August in Steines Etablissement. Samstag den SS. August: Commers in Stein's Saal. Anfang Abends 8 Uhr. Sonntag den 19. August t Morgens 6 Uhr: 'Weckxuf. „ 8 „ : Freiatumen der Zöglinge des Vereins und Frühconcert. „ 11V2 „ Sitzung des Preisgerichts. Nachmitt. i*/2 „ : Aufstellung des Festzugs in Oswaldos Garten, Zug durch die Stadt nach dem Festplatz, Festrede, Vorführung ▼on Freiübungen des Giessener Turnvereins, sodann Beginn des Freis- turnens der activen auswärtigen und hiesigen Turner. Hierauf Schau- fechten, bestehend in Schul- und Con- trafechten mit Floretts, Säbel und Schläger. Abends 9 Uhr: Aufführung eines grossen Fackelreigens. Preisvertheilung und Ball. Das Turnen besteht in a) Gerätheübungen an Reck, Barren und Pferd, b) volkstümliche Uebungen, Freiweit- und Stabhochsprung und Stemmen. Für das Fest ist die ganze Kapelle des 116. Inf.-Rgts. (40 Mann) unter Leitung des Grossherzogi. Musikdirektors Herrn Krausse engagirt. Ausserdem hat sich zur Verherrlichung des Festes ein <*esammtclior hiesiger Männergesangvereine gebildet und dürfte somit auch der musikalische Theil der Feier in jeder Beziehung würdig ausgefüllt werden. Mitglieder und deren Familienangehörigen (äusser erwachsenen Söhnen) sowie eingeladene Gäste haben freien Zutritt. Commers und Ball können nur von Mitgliedern und eingeladenen Gästen besucht werden. Nichtmitgiieder können für den Sonntag durch Karten Eintritt erhallen und sind hierfür Familienkarten (für 5 Personen) zu Mk. 1.50, sowie Einzelkarlen zu 40 Pfg. im Vorverkauf bei den Herren D. Heil (Lindenplatz), L. Lind (Kirchenplatz), C. Stieber (Marktstrasse), C. Schwaab (Seltersweg) und W. Muhl (Bahnhofstrasse) zu haben. An der Kasse werden nur Einzelkarten zu 50 Pfg. ausgegeben. 5964____________________Der Vorstand; Alice-Schule für Frauenbildung und Erwerb Veranstaltet Dienstag den 31. August und Mittwoch den 1. September, Morgens von 10—12 Uhr, Nachmittags von 2—5 Uhr, in dem Vereinslokale auf dem Asterweg eine Ausstellung der Arbeiten der Schülerinnen wozu Eltern und Freunde der Anstalt freundlichst eingeladen werden. Die Curse im Wintersemester beginnen am 11. Oktober. Anmeldungen nimmt entgegen 6084 Gießen, im August 1886.________________Der Borstand. Zum deutschen Kaiser, Giessen, Grünbergerstrasse 10, Restauration, Gartenwirthschaft u. Kegelbahn, gute Speisen, feines Bier und Weine, letztere per Glas — V4 Liter von 25 an und höher, hält bestens empfohlen 5668 ______________Josef Luther. Mein Glasergeschäst befindet sich bis auf Weiteres bei Herrn Kaufmann J. Schmücker, Marktstrasse 8, im Hinterhaus. Eingang: Burggraben, neben dem Cafe Ebel. 5863_____ L. Schmidt, Glaser. 5848 Zum 1. Oktober wird ein kräf- 6016 Ges- z. Michaelis e. tücht. Mäd- ckiges und reinliches Dienstmädchen ge- chen, w- auch bügeln kann, sucht. Ludwigstraße 12, parterre. Z. erfr. in der Exped- d- Bl. Das Installations-Geschäft von P. Walter, Kaplanagasse 23, empfiehlt sich in Anlagen von Gas- und Wasserleitungen, Pumpen» anlageu bis zu 180 Fuß mit leichter Handhabung und unter 5» und- lOMriger Garantie. Clofet- und Badeeinrichtungeu in jeder Art. Akeparaturen werden rasch und billig besorgt. Kostenanschläge gratis. NB. Das Aufpoliren und Bronciren von Gaslüster- und Kronleuchtern wird fauBer und billig besorgt.____________________5071 Th» Hild Söhne, Cassel Feilen-Fabrik, empfiehlt sich zur Anfertigung von neuen Feilen und Raspeln aller Art, sowie für das Aufhauen von alte» Feilen «nd Raspeln. 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