Nr. 178 Donnerstag den 29. Juli 1886 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. 'Weiteres DrsiS »isrteljkhrNch Durch tts Arst Erscheint tch-söch *r6t SS«v»ch»« M M-ntchgO. Betreffend: Das Feldstrafgesetz und die Instruction für die Feldschützen. Gr eß en, am 26. Juli 1886. Gießen, am 28. Juli 1886. 5437 hauend idi-11 Art 9tl' Nr 1(U >el. ilter * 5100 l;501X rd- ■still 5398- clkitungs- Gange sein. Dagegen dürften die dortigen Centrumswähler für den polnischen Candtdaten stimmen; wenigstens bringt die „Germania" eine Auslassung, in welcher eine Verständigung zwischen den deutschen und den polnischen Katholiken des Wahlkreises als im Zuge befindlich verkündigt und Herr Hobrecht als „Culturkämpfer" und Polenfeind hingestellt wird. Unter den bevorstehenden Personal-Veränderungen im diplomatischen auswärtigen Dienste des deutschen Reiches wird vielfach auch die angebliche Neubesetzung des Pariser Botschafterpostens genannt. Der gegenwärtige Inhaber desselben, Graf Münster, soll den entschiedenen Wunsch geäußert haben, den Londoner Botschasterposten wieder übernehmen zu dürfen, andernfalls hätte er seinen Rücktritt in Ausficht gestellt. Bis jetzt liegt jedoch keine Bestätigung dieser Nachricht vor und dürfte letztere um so mehr zu bezweifeln sein, als doch offenbar diejenigen Gründe, welche für Uebernahme des Pariser Postens durch den Grafen Münster maßgebend waren, noch sortwirken. In Italien beschäftigt die öffentliche Meinung die Doppelwahl des Galeeren'Sträflings Cipriani in Ravenna und Forli zur Deputirtenkammer noch immer. Mit Recht bezeichnet die gemäßigte Presse diese Verirrung der Wähler von Ravenna und Forli als ein erschreckendes Zeichen der Entfittlichung und diese Anschauung kann durch die Art und Weise, in welcher die radikalen Blätter die Wahl Cipriani'S feiern, nur verstärkt werden. Freilich wird der Cynismus der radikalen Presse durch das Gebühren der Wähler Cipriani'S nur unterstützt, denn diese haben durch die Vorsitzenden von 35 Wahlkollegien der Romagna ein Schreiben an den Minister des Innern gerichtet, in welchem in drohendem Tone die Anerkennung der Wahl Cipriani'S gefordert wird. Einem solchen Acte müßte die Begnadigung Cipriani'S vorhergehen, aber daß der König einen wegen gemeiner Verbrechen zur Galeere Verurtheilten begnadigen sollte, blos, damit derselbe seinen Sitz in der Deputirtenkammer einnehmen kann, ist undenkbar und die Begnadigung wird um so weniger erfolgen, als es in Forli wegen der Wahl Cipriani'S bereits zu ernsten Ruhestörungen Seitens der Rothen gekommen ist; ein Nachgeben der Regierung würde in diesem Falle als eine unverzeihliche Schwäche erscheinen. Jedenfalls beweist aber die Affaire Cipriani, wie nothwendig es für die italienische Regierung ist, in Zukunst ähnlichen Verirrungen des Volksbewußtseins durch scharfe Gesetzes-Bestimmungen vorzubeugen. Rußland arbeitet mit bemerkenswerthem Eifer an der Vergrößerung seiner Kriegsflotte Eine Petersburger Depesche melvet, daß am Samstag in Gegenwart des kaiserlichen Paares der Stapellauf des Torpedo-Kreuzers „Lieutenant Iljin" und die Kiellegung zweier neuer Panzerschiffe stattgesunden habe. Offenbar ist Rußland entschlossen, auch seine Kriegsflotte in der Ostsee auf einen Achtung gebietenden Stand zu bringen, wie ihm dies mit seiner Schwarzen Meerflotille gelungen ist und so wird denn die russische Ostse.flotte vielleicht schon binnen wenigen Jahren ein ganz anderes Aussehen haben, als dies zur Zeit des Krimkrieges der Fall war. Der Präsident des dänischen Folkethings, Berg, zugleich einer der Führer der radikalen Partei Dänemarks, ist am Samstag nach sechs- monatlicher Haft, die er wegen Majestätsbeleidigung verbüßte, aus dem Gefäng- niß entlassen worden. Die Radikalen wollten aus diesem Anlasse eine große Kundgebung für Berg veranstalten, die jedoch — wenigstens für die Hauptstadt , _ Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz dem Vorstand der Gewerbehalle M Darmstadt die Erlaubniß zur Abhaltung einer Verloosung von Jndustriegegenständen im Monat December d. I. auf Grund des vorgelegten Verloosunas- Plans unter der Bedingung ertheilt hat, daß höchstens 15 OOO Loose a 1 ausgegeben und mindestens 65% des Bruttoerlöses hieraus zum Ankäufe -von Gewrnngegenständen verwendet werden. Der Vertrieb der Loose im Großherzogthum ist gestattet worden. Gießen, am 27. Juli 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen. . ______________________ Dr. Boekmann. iooceri, 50 Pf Heben. 1 Großherzogliche Staatsanwaltschaft. Zimmermann. Politische Ueberficht. „ „ . , Gießen, 28. Juli. Nach dreitägigem Aufenthalte hat Graf Kalnoky Kissingen am Samstag Abend wieder verlassen und sich nach Wien zurückbegeben. Die Besprechungen, welche zwischen dem österreichischen Minister und dem Fürsten Bismarck in dem unterfränkischen Badeorte gepflogen worden sind, entziehen sich zwar der Kenntniß weiterer Kreise, aber sie lassen sich doch errathen und daß es sich da in erster Linie um die Erneuerung des Bündniß- und Freundschafts- Vertrages zwischen Deutschland und Oesterreich gehanoelt hat, erscheint als gewiß. Bekanntlich ist die deutsch-österreichische Allianz im Jahre 1884 aus Zwei Jahre verlängert worden, der Vertrag wäre demnach in diesem Jahre abgelaufen, doch umerliegt es — wie schon angedeutet — keinem Zweifel, daß er in, Kissingen soeben seine Verlängerung auf weitere zwei Jahre erfahren hat. Es ist schon verschiedentlich über diesen „Freundschafts-Vertrag auf Kündigung" gespöttelt worden; aber Kaiser Wilhelm selbst soll unter Hinweis aus sein hohes Alter gewünscht haben, daß der Vertrag mit Oesterreich immer nur aus diese verhältnißmäßig kurze Zett hinaus verlängert werde und daß letzterer durch seine sich immer wiederholende Erneuerung an innerer Kraft und Stärke nicht das Geringste einbüßt, dürste allseitig klar sein. Nicht ohne Bedeutung erscheint es, daß die Besprechungen zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grasen Kalnoky noch vor dem Eintreffen des Herrn v. Giers in Kissingen stattgefunden haben, man kann hieraus den Schluß ziehen, daß zwischen den Cabineten von Berlin und Wien eine Verständigung erzielt worden ist, ehe Fürst Bismarck durch Herrn v. Giers mit dem Petersburger Cabinet in Fühlung tritt. Als selbstverständlich ist es indessen zu betrachten, daß in biefer Verständigung keinerlei Mißtrauen Deutschlands und Oesterreichs gegen Rußland zum Ausdruck gelangt, vielmehr werden die Conferenzen auch zwischen dem Reichskanzler und dem russischen Staatsmanne nur dazu beitragen, das freund- schastliche Verhältniß des Czarenreiches zu den beiden mitteleuropäischen Kaiserreichen von Neuem in Hellem Lichte erscheinen zu lassen. Die kaiserliche Cabinetsordre über die Beschränkung der Theil- nahme der Officiere an öffentlichen Rennen liegt jetzt in ihrem Wortlaute vor. Besonders bemerkenswerth find die Bestimmungen, wonach es den Officieren künftig verboten ist, mit Jokeys oder mit Herren, die nach dem 1. Juli 1886 in Deutschland mit Jokeys geritten haben, zu concurriren, Geldentschädigungen — gleichviel in welcher Form — anzunehmen, mit Buchmachern oder sonstigen nicht standesgemäßen Personen zu wetten u. s. w. Unter den Nach- und Ersatzwahlen zum Reichstage, die sich in den nächsten Wochen nothwendig machen, beansprucht die im Wahlkreise Graudenz - Straßburg für den verstorbenen Abg. v. Lyrkowrky (Pole) stattfindende Ersatzwahl ein besonderes Interesse. Der Wahlkreis war bis-1884 immer In den Händen der Nationalliberalen; im genannten Jahre gelang es der polnischen Partei, den Wahlkreis zu erobern. Die Nationalliberalen machen nun jetzt den Versuch, den Wahlkreis zurückzugewinnen und haben sie als Candidaten Herrn Hobrecht aufgestellt. Der Sieg Hobrecht'S ist fast gewiß, wenn die Candidatur von dm freisinnigen Wählern des Kreises unterstützt wird und sollen erfreulicher Weise in dieser Beziehung auch Unterhandlungen zwischen den Nationalliberalen und den Deutsch-Freisinnigen in Graudenz - Straßburg im Steckbrief. Ju der Nacht vom 20 /21. l. M. sind aus hiesigem Provinzial-Arresthause entsprungen: Wmann, Ferdinand, von Stumpertenrod, Maschineningenieur, 25 Jahre alt, 1,68 m groß, mit blonden Haaren und blondem Vollbart, und Muller, Hemrrch VI., von Weitershain, Baumgärtner, 28 Jahre alt, 1,67 m groß, mit blonden Haaren, bartlos. Dieselben sollen sich in den Wäldern bei Weitershain aufhalten und wird gebeten, nach ihnen recherchiren und sie im Betretungsfalle verhaften und uns zuführen zu lassen. vvrt-eikr wünscht Bietzen inlichkeit rten, wel- on roßgen rekt «■ t. Ebiffre Erved. d. 5400 -urek finden hohem Lohn- renneister- mg- Wenveg t für DdhelNl- jnjJiBi* zeigen. Hrgemeistcrei ispange abge- fann dieselbe ijeralgebühren n. ^er 1. August Wt 32. blirt oder un- blolkstraße 2. leiiL «rthe von: zwei mal «• s. w, 10 Pf. -! beziehen in ger*, Schal- 5262 Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. . Wir schärfen Ihnen pünktlichste Erledigung unserer Verfügung vom 30. Juni l. 3., betr. Dienstweisungen über die Anwendung des S 361 Nr 9 'des Strafgesetzbuchs (Anzeiger Nr. 151) bis spätestens zum 1. August l. I. ein. ___________ Dr. Boekmann. — von der Regierung verboten wurde. In Folge dessen veranstalteten die Anhänger Berges am Sonntag in dem Baveorte Marienlyst bei Kopenhagen ein großes Meeting, das von nahezu 10,000 Personen besucht war. Berg hielt auf demselben eine äußerst heftige Rede gegen das Ministerium Estrup, doch verlies sonst die Versammlung in vollständiger Ruhe. Lord Salisbury, der künftige englische Premier, hatte am Sonntag eine wichtige Unterredung mit Lord Hartington, dem Führer der unionistischen Liberalen. Dem Vernehmen nach soll Hartington Lord Salisbury die Unterstützung der diffentirenden Liberalen in der Irland gegenüber zu verfolgenden Politik zugestchert haben, jedoch unter der Bedingung, daß dem Parlamente keine hierauf bezügliche Bill vorgelegt werde, die nicht vorher die Zustimmung Lord Hartington's erhalten habe. Heber die Zusammensetzung des Cabinets selbst verlaut et noch immer nichts Bestimmtes; nur heißt es, daß zum Staats- secretär des Auswärtigen der Graf von Jddesleigh, welchen Titel Marquis Northcote, der Chef der bisherigen conservativen Oppofition im Unterhause, führt, ausersehen sei. Northcote ist ein gewandter Redner und schneidiger Parteiführer, aber ob er sich gerade zur Leitung der auswärtigen Angelegenheiten eignet, muß denn doch noch abgewarlet werden; jedenfalls ist das bisherige liberale Cabinet mit Lord Roseberry als Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Englands sehr gut gefahren. Aeutschland. Mainz, 25. Juli. Der Hirtenbrief des Herrn Bischof Dr. Haffner ist heute im Vertage von Franz Kirchheim hier erschienen. Wir heben aus demselben folgende Stellen hervor: „Die Verständigung über die Wiederbesetzung des heiligen Stuhles von Mainz, welche zwischen dem Papste und dem Großherzog ohne Schwierigkeit bewirkt wurde, läßt uns mit Sicherheit hoffen, daß auch eine Verständigung über die Abänderung der Gesetze erreicht werden wird, welche die zuvor für Kirche und Staat befriedigend geordneten Verhältnisse verwirrt haben. . . . Unsere Zeit zeigt ein eifriges Streben, die Heranwachsende Jugend mit mannigfachen Kenntnissen und Fertigkeiten auszustatten. Ein mächtig entfaltetes Schulwesen arbeitet an der weltlichen Bildung aller Kreise der Gesellschaft. Große Ausgaben werden gemacht, um die Wissenschaft und Kunst zu pflegen, welche man als Stärke und Schmuck der Nationen feiert. Ferne sei es von uns, Bildung und Wissenschaft zu verwerfen, diese edelsten Gaben des Menschengeistes, welche nirgends Heller glänzen und nirgends sorgfältiger gepflegt werden, als in der christlichen Kirche, der Mutter aller Eivilisation. Dem heutigen Streben nach Bildung aber kann man wohl mit Grund die Worte entgegenstellen, welche der Herr zu Martha sprach: „Du bist besorgt und kümmerst dich um Vieles, Eines ist nothwendig." . . . Die wahre Bildung muß in der Erkenntniß und Liebe Gottes den Anfang, die Mitte und das Ende, haben. . . . Wie stolz eine gottentfremdete Wissenschaft und Kunst sich ihrer Werke rühmen mag, sie ist in allen Jahrhunderten und wird auch in unserem Jahrhundert dem Gottesgericht verfallen, welches über den Thurmbau zu Babel herein- gebrochen ist. . . . Mit erhabenen Worten hat jüngst unser Heiliger Vater Leo XIII. die Fürsten und Völker daran erinnert, daß die Religion die unerläßliche Bedingung aller gesellschaftlichen, bürgerlichen und staatlichen Ordnung ist. . . . Weder einen Gott noch einen Herrn wollen die Männer anerkennen, welche den Umsturz in allen Ländern Europas schüren. Fürchte Gott und den König! so hat von jeher die Kirche mit den Worten des Waisen uns ermahnt. Es ist dringend nothwendig, daß in unserer gefahrvollen Zeit dieser folgerichtige Zusammenhang zwischen Gottesleugnung und Unbotmäßigkeit, wie zwischen Gottesfurcht und Königstreue erkannt werde. Nichts ist thörichter als der Versuch, die Einheit und Macht der Staaten nur durch äußere Mittel zu sichern. Mächtig und einig ist nur ein aottesfürchtiges und sittenreines Volk; darum sind die besten Patrioten jene, welche diese Tugenden in sich und Andern pflegen; Hochverräter aber der schlimmsten Art jene, welche den Glauben und die Sittlichkeit des Volkes untergraben. Daß die Religion die geheimnißvolle Quelle alles gesellschaftlichen Lebens sei, wird leider ganz besonders auch von Jenen vergessen, welche gegenwärtig die Verbesserung der Arbeits- und Wirthschafts-Verhältnisse theils auf gewaltsamem, theils auf gesetzlichem Wege erstreben. Gewaltthätigkeiten haben den Völkern niemals Nutzen gebracht, das lehren im Einklang mit der ernsten Mahnung des Herrn: „Alle, die das Schwert ergreifen, werden durch das Schwert umkommen", die bitteren Erfahrungen aller Zeiten und namentlich des verflossenen Jahrhunderts. Eine gesetzliche und friedliche Ordnung jener in der That vielfach mißlichen Verhältnisse zu erstreben, ist dagegen nicht nur erlaubt und berechtigt, sondern auch nothwendig. Dieses Streben ist darum stets von den Bischöfen und Priestern der katholischen Kirche mit allem Eifer unterstützt worden. Ich will nur an den Ernst und die Liebe erinnern, mit welcher mein hochseliger Vorgänger Wilhelm Emanuel vor vielen Jahren sich mit der Lage der Arbeiter beschäftigte. Nichts ist unredlicher als der Versuch, die Priester als Gegner des Arbeiterstandes und die Kirche als Hinderniß ihres Wohles darzustellen. Ganz im Gegentheil ist alles Das, was die Arbeit so schwer belastet, aus Kreisen erwachsen, welche den Grundsätzen des Christenthums und der Religion mehr und mehr entftemdet sind. Andererseits haben alle Versuche der jüngsten Zeit, die Arbeiterverhältnisse zu bessern, bei jenen Männern die lebhafteste Unterstützung gefunden, welche durch die Liebe zur Kirche sich auszeichnen. Eine vollständige Abschaffung von Mühe und Roth freilich kann von der Kirche und Denen, die ihren Glauben^ bekennen, niemals den Arbeitern versprochen werden. Wer solches verspricht, ist ein Schwärmer oder Betrüger. „Arme werdet ihr immer bei Euch haben" spricht der Herr, und die Jahrhunderte haben dieses Wort bestätigt. Zugleich aber hat auch m allen Jahrhunderten die heilige christliche Kirche sich als eine treue Mutter der Armen bewiesen." Kossand. Amsterdam, 26. Juli. Gestern Abend kam es in einigen Stadtvierteln anläßlich des Verbotes eines Volksfestes zu Streitigkeiten zwischen dem Pöbel und der Polizei. Nachdem aus beiden Seiten einige Verwundungen vorgekommen, wurde die Ruhe gegen 9 Uhr wieder hergestellt. Die Aufregung dauerte auch heute noch fort, ohne daß zunächst die Ruhe gestört wurde. Um o Uhr Nachmittags indessen wiederholten sich die Ruhestörungen. Die Aufrührer hatten Barrikaden erbaut, so daß die bereits zujammengezogene Infanterie und Kavallerie aus dem Platze erschien und die Aufrührer aufforderte, auseinander zu gehen. Da die Ausrührer der Aufforderung nicht Folge leisteten, so gab die Infanterie Feuer, wobei eine Person getödtet und mehrere verwundet wurden. Die zur Aufrechthaltung der Ordnung abgesandten Truppen wurden verstärkt. Die Ruhestörungen wiederholten sich im Laufe des Abends, so daß das Militär noch mehrmale von der Feuerwaffe Gebrauch machen mußte; gegen halb 10 Uhr Abends wurde an einem andern Punkte des Stadtviertels, das den Haupt-Schauplatz der Unruhen bildete, abermals mit dem Bau von Barrikaden begonnen. Das Militär schritt indeß sofort ein und trieb die Ruhe- störer durch Gewehrseuer auseinander. Telegraphische Depesche«. tele-r. Corresvorrdeirr« »mir guSft 27'Ä'. Im Processi gegen den Redacteur der „Freisinnigen Zeitung" X™1, wEgen Beleidigung des Staatsanwalts Schoene, des Gefängnißinspectors des Gefangenenaufsehers Kühne in Halberstadt durch den an die ^etcb§tag§; 9?rHMnC C? Hewe Uber seine Behandlung im Gefängniß zu Halberstadt Leknupstcn Artikel erkannte die Strafkammer des Landgerichts den Angeklagten der Beleidigung, begangen durch die Presse, für schuldig und sprach gegen ihn eine G'elL. strafe von 500 JL. aus. Wien, 27. Juli. Kalnoky ist aus Kissingen hier eingetroffen. Amsterdam, 27. Juli. Heute Morgen fanden noch einige Zusammenrottungen statt, sonst verlief der Tag ohne Ruhestörungen. Heute Abend kam es zwar zu unbedeutenden Zusammenstößen des Pöbels mit der Polizei, die Patrouillen zerstreuten jedoch die Menge und gegen 10 Uhr war die Rübe vollständig wieder hergestellt. Im. Ganzen sind am Montag Abend 25 Personen getödtet und gegen 90, darunter 40 Polizisten, verwundet worden. Amsterdam, 27. Juli. Die Ruhestörungen wiederholten sich im Laufe des Abends. Das Militär mußte wiederholt von der Feuerwaffe Gebrauch machen. Gegen 9V2 Uhr wurde an einem anderen Punkte des Stadtviertels, welches den Hauptschauplatz der Unruhen bildeten, abermals ein Barrikadenbau begonnen. Das Militär schritt sofort ein und trieb die Ruhestörer durch Gewehrfeuer auseinander. Die Zahl der Getödteten wird auf 8—10 geschätzt. — Gegen 1 Uhr Nachts wurde die Ruhe wieder hergestellt. Die Grsammt- zahl der Verwundeten und Todten ist noch unbekannt. In Hospitälern befinden sich 14 Todte und 34 Verwundete. Außerdem sind 2 Soldaten und 40 Polizisten verwundet. London, 27. Juli. Wie das Bureau Reuter meldet, zeigte Lord Rosebery Herrn Waddington an, England könne auf Grund der Antworten der australischen Regierungen keiner Aenderung des englisch-französischen Abkommens über die beiderseitig zu respectirenbe Unabhängigkeit der Neu-Hebriden zustimmen. London, 27. Juli. In der heutigen conservativen Versammlung des Carlton- Club sagte Salisbury, Hartington hätte an der Bildung eines conservativen Cabinets nicht theilnehmen wollen, aber den lebhaften Wunsch ausgedrückt, die irländische Politik gemäß seinen letzten Erklärungen zu unterstützen. Salisbury hofft, eine dauernde Regelung der irischen Frage zu finden. Die Versammlung beschloß, das Parlament müsse sofort Eredite und sonstige dringende Angelegenheiten berathen, ohne die Herbstsession abzuwarten, alsdann sich Ende August vertagen und im Januar oder Februar wieder zusammentreten. Nifch, 27. Juli. Die Skupschtina ist heute durch Verlesung eines Ukas des Königs eröffnet worden. In das Präsidium und den Verificationsausschuß wurden durchweg Abgeordnete von der Regierungspartei gewählt. Der König bestätigte Paw- lovics als Präsidenten und Zunics als Vicepräsidenten. Deutschlands Handelsflotte. Antwerpen, im Juli. Wer dieser Tage auf der schönen Rheede von Antwerpen die drei mächtigen Dampfer des Norddeutschen Lloyd und den prächtigen Dreimaster von Wätjen in Bremen nebeneinander liegen sah, dem mußte der Gedanke kommen, daß die Zeit des- neuen Aufblühens der deutschen Schifffahrt entweder schon gekommen sei oder nahe bevorstehe. Jetzt schon fahren unsere Schiffe in allen Meeren und bereits können wir mit Stolz sagen, Deutschlands Handelsmarine gehört zu den größten und bedeutendsten des Erdballs. Nach den Aufnahmen vom 1. Januar 1884 führten die deutsche Flagge 3712 Segler und 603 Dampfer mit einem Nettoraumgehalt von 894,778, bezw. 374,699 Negistertons und einer Besatzung von etwa 40,000 Manm Vergleicht man diese Zahlen mit den für Großbritannien und Frankreich gegebenen Daten, so hat es freilich den Anschein, als ob wir gegen die genannten Länder mit unserer Schifffahrt noch sehr weit zurück seien; wenn dies jedoch auch Großbritannien gegenüber zuzugestehen ist, so dürfen wir wohl wagen, in Bezug auf Frankreich Ebenbürtigkeit der Schifffahrt zu beanspruchen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil in den über 15,000 nachgewiesenen französischen Schiffen nur 3530 mit einem Raumgehaltc von 50 und mehr Registertons enthalten sind, mährend von den 4315 deutschen Schiffen nicht weniger als 3455 mehr als 50 Tonnen haben. Auch wir haben eine Reihe von kleineren Fahrzeugen, welche zur Fischerei und ähnlichen Zwecken benutzt werden, dieselben werden aber amtlich nicht aufgeführt, weil dies that- sächlich nur zu Täuschungen führen kann. Hierin liegt aber auch der Grund für die im Publikum allgemein verbreitete Annahme, daß unsere Handelsflotte so weit hinter der französischen zurückstehe. Vergleicht man die gegebenen Zahlen mit den Angaben für die Zeit vor zehn Jahren, so tritt zunächst die Thatsache vor Augen, daß sowohl bei Deutschland als bei den anderen Ländern die Zahl der Dampfer im Verhältniß zu derjenigen der Segler nicht nur bedeutend zugenommen hat, sondern auch daß erstere durch letztere immer mehr und mehr verdrängt werden. Heute fahren unter deutscher. Flagge 603 Dampser mit 374,699 Tons, während sich 1874 die Ziffer der ersteren nur auf 253 mit 167,633 Tons belief. Die Zunahme der Gesammtzahl der Schiffe nach dem Raumgehalte beträgt etwa 25 pCt. bei thatsächlicher Abnahme der Anzahl der Schiffe um 180 Stück. Eine Erklärung für diese Thatsache liegt in dem Umstande, daß durch. Verbesserungen in dem Schiffsbau einerseits und durch die Entwickelung der Industrie, welche auch in den überseeischen Ländern zu möglichst ausgedehnter Verarbeitung der Rohstoffe geführt hat, anderseits den zu befördernden Waaren ein erhöhter Werth gegeben worden ist, so daß der bei langen Seereisen der Segelschiffe unvermeidliche Zinsverlust und die hohe Versicherungssumme den Versandt mit Dampfern, als ertragbringender erscheinen lassen. r r die engere Staatsangehörigkeit der deutschen Handelsflotte anbetrifft, so hat nach der Anzahl der Schiffe Preußen den größten Antheil an derselben; eine eingehende Untersuchung der Verhältnisse lehrt jedoch, daß wir den Hansastädten den Aufschwung in den letzten Jahrzehnten zu verdanken haben, indem von diesen dep £eJ>m?an0 zur Dampfschiffs-Rhederei ausgegangen ist. Hinsichtlich des Baues der x a • verwandten Summen, welche zur Entwickelung, de? Schiffsbaues in Deutschland beigetragen haben, noch immer zu beklagen, daß die «"6“ AnM der deutschen See- und Flußschiffe in Holland und England gebaut sm!?» ^ottentluf) wirb 6*«™ mit dem Bau der Reichspostdampfer auf einer dcutscheir L"'W ^ntreten! Eine ganz besondere Aufmerksamkeit im E-^Esverkchr erheischt die Thatsache, daß fast der Hauptoerkchr in den d-u ch-n Wen durch fremde Schiffe vermittelt wirb. Der G-sammtverkehr in allen bc«beziffert sich aus 46,007 mit Labung an- ÄE&Ä L ? 8£°Ä Tonnen Gehalt, barunter 16,067 Dampfe? mit Äff n^bnlsth war bas Verhältniß bei ben mit Labung aus? gegangenen Schiffen. Von allen biefen Schiffen führten etwa drei Viertel bi- Retchs- ^°'?obrcnd dagegen, nach bem Tonnengehalt berechnet, welches ja allein ein Bild ^nn, die Halste des Verkehrs aus Rechnung der fremden flaggen zu schreiben ist. Gewiß kann man nicht verlangen, daß nur deutsche Schiffe burÄuttA? fff?Aff"Jünb ?n6 ganze Versandtgeschäft für Deutschland ß werden soll, denn dies hieße einem Systeme huldigen,. - rnntär m,:?!? n±rb«UÄn b!r> Cromwell'schen Navtgationsacte hinansgtnge c t r Uttsiv Bestreben sein, unsere Schifffahrt so weit au fördern und mrtornb'etbbeH§iatU1iftrC uÄi minbefteng in einem solchen Maß/ an bem Welt- dTä 'n ben deutschen Hafen gleichkommt. Ob es gerade em idealer Zustand ist, daß so viele kleine deutscke Ochtfff iabrous beutföe Süftenfabrkreuzen müssen, während fremde Fahrzeuge bie ero^unVroCr^ift 6 ’ 0 ’ ft e,ne Sra0e- welche unserer Ansicht nach wohl ber weniger als 8976 mit einem Raum- fieb auf runb W 000™mit man' daß bie Gesammtzahl der Reisen Härt b ei bie 2 Zoumgehalte von über 13 Millionen beläuft, so er= aulroirbe bennau*hl?3UJ ®el'ii8£- Von bleiern Gesichtspunkte, üüterftüht n sürnüfer in n, 6?X 6 ?It6e,lt- ob es zweckmäßig wäre, bie vom Reiche unieriiutzlen Oampfer in außerdcutschen europäischen Häfen anleaen au lasten Wie ^rauszusehen ^ar, suchten Bremen und Hamburg dies zu vereiteln, indeß waren dis um aenüaaibtt ffiirfuna1 Sm Ä ^deutschen Großgewerbe und Handeltreibenden Sa* 8;?U?™Cr ?iunn' um Widerstand zurückzudrängen. Es liegt auf der Hand» n?« ^ geographische Lage und die vorhandenen Verkehrswege, Wasserstraßen und Eisenbahnen für den Versandt von den rheinisch-westfälischen und süddeutschen Jndustrie- gegenden den Versandt nach holländischen oder belgischen Häfen vortheilhafter erscheinen,: £lfn Dampl Ganz bl insofern g"nstl Ä-M 7' feuer u.J- 80,000 ju ' Den di hat, wünschen und zum Nut ausrüstet und Mw Les Mrnenöa in feine Heim Marbu das Amtsjahr - Der ordentlichen Pr München ern - Ober in Breslau > - Das Senats auf 2 consilium abenr mit bayrischen - Der Studircnden de er in Münster liefe, mit der zu belegen. , — Gin betroffen - de wo er sich Dort der Geschichtslv abberufen wori Max Duncker Wissenschaften Geburtstag gehl ihn unausgesetzt Frledrich's des1 der Berliner Ho - An Herrn Siadtsec in Gichen „ Mainz H Darmstai z/ Offenbach „ Worms /, ®ieücn ,, Mainz . ii Darmstadt h Offenbach ii Worms n Gießen ii Mainz .. Darmstadt n Offenbach n Worms H Gießen ii Mainz ii Darmstadt n Offenbach ,, Worms ürankfa >Ä ‘4 W faum beq ton Ms $ta; r ®Qr lum e l aubiger, btr, & “3ft mi S b°ben, unb Mage, mj. Nnmer Gütee! fit eo„Uln» W*' zwei r SNtitn •®eU ließ, mit der Strafe der Entfernung unter Abrechnung des erwähnten Semesters der Mark, tn von u einige Wochen lassen als über Bremen oder Hamburg. Welche Bedeutung dieser Frage seitens der holländischen und belgischen Regierung beigelegt wurde, beweisen die Verhandlungen über die Frage, ob Holland oder Belgien den Vortheil haben sollte, die deutschen unterstützten Dampfer auf ihren Rheden zu sehen. Ganz besonders waren die seitens der belgischen Regierung gebotenen Vortheile insofern günstig, als den Reichspostdampfern die beste Stelle der Rhede als Landeplatz zugesichert wurde, zugleich mit Entbindung von allen Abgaben für Lootsen, Leuchtfeuer u. s. w. nebst einer an den Norddeutschen Lloyd zu zahlenden Unterstützung von 80,000 Fr. für das Jahr. Den deutschen Reichspostdampfern, deren erster kürzlich unfern Hafen besucht hat, wünschen wir Glück und Segen auf ihrer fernen Fahrt zum Heile Deutschlands und zum Nutzen der großen Schifffahrts - Gesellschaft, welche sie mit deutschem Fleiß ausrüstet und mit deutschem Muth aussendet. (Köln. Ztg.) Lokale-. Gießen, 28. Juli. Gestern Nachmittag fiel ein Maurer vom oberen Stockwerk des Casernenbaues am Trieb herunter und zerbrach mehrere Rippen. Derselbe wurde in seine Heimath nach Staufenberg verbracht. । sich zu seiner Er- zu pflegen. Er hatte zu belegen. — Ein schwerer Verlust hat die Wissenschaft und die Berliner gelehrte Welt betroffen — der ausgezeichnete Historiker Max Duncker ist am 21. Juli in Ansbach, wo er sich vorübergehend aufhiett, am Herzschlag gestorben. So sind die drei Leuchten der Geschichtswissenschaft in Berlin, Ranke, Waitz und Duncker kurz hinter einander abberufen worden, während Droyseu ihnen nur ein weniges vorausgegangen war. Max Duncker war noch in der vollen Kraft des Schaffens; in der Akademie der Wissenschaften hqtte er in geistiger und körperlicher Frische die Festrede an Kaisers Geburtstag gehalten; die Weiterführung seiner Geschichte des Alterthums beschäftigte ihn unausgesetzt. Daneben wirkte er in der Commission zur Herausgabe der Schriften Friedrich's des Großen. Einen an ihn ergangenen Ruf, die Professur Droysens an der Berliner Hochschule zu übernehmen, glaubte er ablehnen zu sollen. holung nach Wiesbaden, um daselbst ...... ____... _______ „ w es sich kaum bequem gemacht, als auch schon am zweiten Tage seines Dortseins zwei Herren aus Frankfurt sich bei ihm melden ließen. Die Beiden wurden vorgelassen. Es war zum Schrecken des Gesuchten dessen Hauptgläubiger, der ihn verklagt und bereits ein Urtheil in Händen hatte. Der zweite war der Gerichtsvollzieher. Der Gläubiger, der nicht gerne Möbel und derartige Dinge pfänden ließ, hatte sich einfach gesagt: „Ist mein Schuldner nach Wiesbaden in's Bad, so muß er baares Geld bei sich haben, und dieses Geld will ich mir schleunigst holen!" Der Gläubiger war schlau, der Schuldner jedoch noch viel mehr. Als die beiden Herren dem lieber: raschten den Zweck ihres Kommens auseinandergesetzt hatten, erklärte er, daß er gegen eine Personalpfändung nichts einzuwenden habe und lies sich alsdann ruhig pfänden. Man durchstöberte seine sämmtlichen Taschen und fand außer einem Notizbuch einen einzigen Thaler, den man ihm nicht nehmen durfte, da laut Gesetz nur dasjenige Geld, was ein zu Pfändender über 3 JL bei sich habe, genommen werden kann. Auf die Frage, wie er denn seine Kurkosten bestreite, erklärte er, daß er mit seiner Frau in getrennter Gütergemeinschaft lebe und dieselbe allwöchentlich die Kosten an den Hotelbesitzer zahle. Mit langen Gesichtern empfahlen sich der Gläubiger und der Gerichtsvollzieher. Um wenigstens nicht ganz umsonst in Wiesbaden gewesen zu sein, wohnten sie dem Concert im Kurgarten bei und besichtigten ein wenig die Stadt. Abends mit dem letzten Zuge fuhren Beide nach Frunkfmt zurück. (O. Z.) Frankfurt a. M., 23. Juli. Vor etwa 9 Monaten hatte der Chef einer hiesigen Firma das Malheur, seinem Commis, als er demselben etwas auseinandersetzte, mit der Feder in die rechte Hand zu stechen. Aus dieser unbedeutenden Verletzung entstand nach und nach ein böses Uebel, das sich derart verschlimmerte, daß zwei sehr geschickte und erfahrene Aerzte, die man zu Rathe zog, erklärten, die Hand müsse amputirt werden. Am 9. Juni wurde denn auch die Amputation vorgenommen. Der junge Mann ist nun durch dieses Unglück erwerbsunfähig und verlangt er nun von seinem Chef eine jährliche Entschädigung von mindestens 1800 X bis an sein Lebensende. Der Geschäftsinhaber wollte sich mit ihm durch eine einmalige Zahlung von 1000 Jt verständigen, worauf der Invalide jedoch nicht einging. Emden, 24. Juli. Eine prtncipiell wichtige Entscheidung ist in Betreff des Unfallversicherungsgesetzes vorgestern von dem Schiedsgericht für die Buchdrucker- Genossenschaft gefällt worden. Der seit einigen Jahren in der Buchdruckerei der „Emder Zeitung" beschäftigte Arbeiter Dirks hatte im Januar d. I. das Unglück, bei dem herrschenden Glatteise von den Vorstufen des Hauses abzugleiten und sich dabei einen so schweren Bruch des rechten Beines zuzuziehen, daß dasselbe amputirt werden mußte. Der Verunglückte ist erst seit Kurzem aus dem städtischen Krankenhause ent: lassen und, wenigstens zur Zeit, gänzlich arbeitsunfähig. Entgegen dem Bescheide der deutschen Buchdrucker-Genossenschaft, welche den vom Geschäftsinhaber behaupteten ursächlichen Zusammenhang des Unfalles mit dem Betriebe bestritt, hat das Schiedsgericht anerkannt, daß ein Betriebsunfall vorliege und daß demnach dem Verletzten eine nach den Bestimmungen des Gesetzes festzusetzendc Entschädigung zustehe. Breslau, 21. Juli, lieber die grausige That einer zwölfjährigen Mörderin wurde vor Kurzem aus Berlin berichtet. Ein schreckliches Seitenstück, ein elfjähriger Mörder, wird jetzt aus Kreuzburg in Oberschlesien gemeldet. Man schreibt von dort ier „Bresl. Ztg.": Eine wahrhaft bestialische Unthat wurde in Lofkowitz, hiesigen Universität- - Chronik. Marburg, 26. Juli. Der akademische Senat hiesiger Universität wählte für das Amtsjahr 1886—87 Herrn Professor Dr. v. Liszt zum Rector Magnificus. — Der Professor am Lyceum in Passau Priester vr. A. Knöpfler ist zum ordentlichen Professor der Kirchengeschichte in der theologischen Facultät der Universität München ernannt worden. — Oberbibliothekar Dr. Hartwig hat die ihm angetragene Oberbibliothekarstelle in Breslau abgelehnt. — Das Corps Bavaria in Erlangen wurde durch Beschluß des akademischen Senats auf 2 Semester aufgehoben; 2 Mitglieder desselben erhielten zugleich das consilium abeundi, berichtet die „Tägl. Rundsch." Der Maßregel sollen Ehrenhändel mit bayrischen Offizieren zu Grunde liegen. — Der Senat der Akademie zu Münster hat sich veranlaßt gesehen, einen Studirenden der Theologie, welcher das Semester in Innsbruck zubrachte, während er in Münster durch einen Anderen bestimmte Vorlesungen belegen und teftiren Vermischtes. — An Gemeindesteuern sind nach einer vergleichenden Zusammenstellung des Stadtsecretärs Schmitt in Offenbach erhoben worden: Kreises, von dem elfjährigen Schulknaben Johann Joschke verübt. Derselbe ging in den Mlttagstunden nut dem sechsjährigen Bernhard Ollek und einem siebenjährigen Mädchen von den Lofkowitzer Grenzhäusern nach dem Dorfe Lofkowitz zur Sckule Der elfjährige Joschke forderte von dem kleinen sechsjährigen Ollek ein Messer um ihm' wle er dem Knaben vorspiegelte, aus einem Strohhalm eine Mühle zu machen Y lockte dann den Kleinen in ein Roggenfeld, wo er ihn zu Boden warf, sich auf ibn stemmte und ihm mit aller Gewalt die Luftröhre durchschnitt. Das siebenjäbriae Mädchen lief voller Angst fort zur Mutter des Gestochenen und erzählte ihr das Vorgefallene. Inzwischen nahm der junge Verbrecher den Olleck und zerrte ihn gewaltsam an emen nahe gelegenen Teich, zerschlug dort den Kopf und das Gesicht des bedauerns- werthen Kmdes mit Steinen und warf dann den Knaben in den Teich. Die herbeigeeilte Mutter konnte ihr Söhnchen nicht finden und holte Hilfe aus dem Dorfe. Erft um 5 Uhr Nachmittags wurde das Kind, am Teiche sitzend, vollständig durchnäßt und starr aufgefunden. Der Knabe war kaum im Stande, mit schwacher Stimme auszusagen, daß ihn Joschke gestochen und in den Teich geworfen habe. Der jugendliche Attentäter leugnete frech die That, erst später gestand er dem Amtsvorsteher, daß er den Olleck geschnitten und in den Teich geworfen habe, ohne jedoch ein Motiv anzu- geöen. Joschke mußte, da er das 12. Jahr noch nicht erreicht hat, auf freiem Fuße belaßen werden. Bernhard Olleck ist unter unsäglichen Schmerzen gestorben. n r rvT Mit dem neuen Infanterie-Gepäck ist jetzt ein Theil der Mannschaften des Lehr-Jnfanterle-Bataillons in Potsdam ausgerüstet. Die Mannschaften haben gleichzeitig Repetiergewehre und kurze Seitengewehre erhalten. Bei oem Gepäck handelt es sich nicht nur um eine den Mannschaften zu gewährende Gewichtserleichterung, die übrigens sehr beträchtlich ist, da dieselbe für die Ausrüstungsgegenstände der Infanterie ca. 3 Kilogramm (bei der Cavallerie ea. 6 Kilogramm) beträgt, sondern besonders auch um eine gleichmäßigere Verkeilung und eine bequemere Trageart der Gepäckstücke. Sämmtlrche Ausrüstungsgegenstände haben dementsprechend eine zierliche Form erhalten, ohne deshalb an ihrer Handlichkeit und Dauerhaftigkeit Einbuße zu erleiden. Besonders in's Auge fallend ist die Sorgfalt, mit welcher man es vermieden hat, die Brust durch darüber hinlaufende Riemen und Gurte zu beengen; Brodbeutel, Feldflasche und das kleine Schanzzeug werden direct an die Koppel befestigt. Eine weitere Neuerung sind die drei (früher zwei) Patronentaschen, von denen zwei wie bisher vorn, die dritte unmittelbar unter dem Tornister getragen werden; dieselben hängen nicht mehr lose am Leibriemen, sondern sind fest an denselben geschnallt und zwar so, daß ihre obere Kante über der des Leibriemens liegt. Eine gründliche Aenderung hat auch der Tornister erfahren, der zweitheilig ist. Das soll nun nicht heißen, daß der Tornister zerlegt werden kann, derselbe enthält vielmehr nur einen sogenannten Lebensmittel- beutel aus braunem Segeltuch, welcher unter der Klappe seinen Platz hat, und wenn bei starken Märschen und im Gefecht zur Erleichterung der Mannschaften das Gepäck abgelegt wird, herausgenommen und selbstständig als Tornister getragen werden kann. Mail scheint mit dem „neuen Gepäck" einen großen Schritt vorwärts in der Lösung der wichtigen Frage gethan zu haben, die Mannschaften soweit wie möglich von tobtem Gewicht zu entlasten und sie bewegungsfähiger zu machen. — Für unsere Hausfrauen dürfte es interessant sein, von einem Mittel Kenntniß zu nehmen, welches die Japaner anwenden, um Fleisch im Sommer frisch zu erhalten. Sie legen es in eine Porzellanterrine und gießen sehr heißes Wasser daraus, so daß das Fleisch davon vollkommen bedeckt ist, dann schütten sie Oel auf das Wasser. Die Luft wird auf diese Weise vollkommen abgehalten und das Fleisch bleibt gut. Das Gerinnen des Eiweißes durch das heiße Wasser auf der Oberfläche des Fleisches scheint dabei ebenfalls mitzuwirken. — Der König!. Cabinetsbefehl, betr. die Betheiligung der Offiziere an den öffentlichen Wettrennen ist nunmehr ergangen. Es werden darin den preußischen Offizieren hinsichtlich der Rennen sehr bedeutende Beschränkungen auferlegt; insbesondere wird ihnen jeder Verkehr mit den sog. Buchmachern streng untersagt. Sie dürfen fortan nur in Uniform mitreiten und dürfen nicht die Pferde solcher Sportsleute benutzen, die aus den Rennen ein Geschäft machen. Der Cabinetsbefehl entspricht den Vorschlägen jener Commission höherer Offiziere, die die neue Cavallerie-Bestimmung ausgearbeitet und .die sich zur Beratung der Rennfrage aus Offizieren aller Waffen- gattungen verstärkt hatte. — Ein Rechtsanwalt von Ruf verkehrt freundschaftlich in der Familie eines seiner Klienten, für den er einen langwierigen Prozeß führt. Bei seinen Besuchen im Hause des Klienten will es ihm nicht gelingen, die Freundschaft des vierjährigen Stammhalters zu erringen, im Gegenteil, das Bübchen zieht sich sogar ängstlich vor ihm zurück. Dem Rechtsanwalt fällt diese Scheu des Knaben auf und eines Tages läßt er sich herbei, dem Knaben gütig zuzureden: „Du fürchtest Dich wohl vor mir?" — Der Knabe nickt bejahend. — „Weil ich „Doctor" genannt werde?" — Wiederholtes Nicken. — „Du glaubst wohl, ich werde Dir eine bittere Medicin verschreiben?" — Fortgesetztes Nicken. — „Nein, mein Junge, ein solcher Doctor bin ich nicht, — ich thue Niemanden was zu Leide." — „Doch", wirft jetzt der Knabe ein, „Papa hat schon oft gesagt: Der Doctor zieht mir die Haut über die Ohren und da habe ich Angst, daß Sie mir auch die Haut abziehen." Literarische-. — Ein Werk von ganz eigenartiger Anziehungskraft steht, wie wir Horen, auf literarischem Gebiet in Aussicht. Das Leben des unglücklichen Königs Ludwig II., das vermöge der extravaganten Eigenthümlichkeiten dieses Monarchen und noch mehr vermöge des geheimnißvollen Dunkels, in das er sein persönliches Thun und Treiben zu hüllen liebte, längst die Wißbegier der Welt in ganz besonders hohem Maße reizte, hatte schon vor Jahren den Verfasser des zeitgeschichtlichen Roman-Cyklus „Um Szepter und Kronen", Gregor Samarow, dazu angeregt, umfassende Studien und Vorarbeiten zu einer ähnlichen Behandlung dieses Lebens im Gewände des auf streng historischer Grundlage fußenden Romans zu machen. Jetzt, da das tragische Ende des Königs das allgemein ihm zugewendete Interesse noch wesentlich gesteigert hat, weisen alle äußeren Umstände den rühmlichst bekannten Schriftsteller auf Ausführung seines vielversprechenden Planes hin, die denn auch nunmehr unverzüglich erfolgen soll. Da dem Verfasser zur vollen Klarlegung seines Stoffes außerordentliche Hilfsquellen zu Gebote stehen, wird dieser neue Zeitroman, der in „lieber Land und Meer", dein berühmten Familien- und Weltblatt, erscheinen wird, ohne Zweifel weitgehendes Aussehen erregen. Dr. August Fournier: Napoleon I* Eine Biographie. Erster Band: Von Napoleons Geburt bis zur Begründung seiner Alleinherrschaft über Frankreich. („Wissen der Gegenwart" 50. Band.) Leipzig: G. Freytag. — Prag: F. Tempskv. 1886. 241 Seiten. 8«. Mit dem Bildniß 'Napoleons (nach David). Preis 1 JÄ = 60 Kreuzer. Die Forschungen über die Geschichte Napoleons I. sind bis heute nicht abgeschlossen. In Frankreich selbst hat das historische Andenken des gewaltigei^Corscn durchgreifende Üßanblungen erfahren; Bäranger's Hymnen nnb Barbier's Satyren, Thiers rühmende Erzählung und Laufrey's vernichtende Kritik, sind , hierfür die sprechendsten Beweise. Es hält unendlich schwer, den richtigen Maßstab für die gerechte Beurteilung des gewaltigen Corsen zu finden. Ein Geschichtsforscher ersten Ranges, Professor Fournier, hat sich der schwierigen, aber im Interesse der Sache selbst dankens- werthen Aufgabe unterzogen, das Werden, Wagen und Wirken des großen.Mannes in knapper Erzählung den weitesten Kreisen der Gebildeten darzustellen. Diese Biographie ist auf zwei Bände berechnet; der erste ist bereits zur Ausgabe gelangt. Die Arbeit bafirt durchwegs auf genauestem Quellenstudium; mit sicherem Blicke hält sich der Verfasser frei von politischer Befangenheit auf der einen und bloß moralisirenden Kritteln auf der anderen Seite. Die Geschichte der Bonapartes auf Corsika, Napoleons Geburt und Lehrjahre, die Revolution, Napoleons corfische Abenteuer, die Belagerung von Toulon und die Vcrtheidigung des Convents, Josephinens Eingreifen in Napoleons Leben, die italienischen Feldzüge und der Friede von Eampio Formio, die Kämpfe in Aegypten, der Staatsstreich und 'Napoleons Consulat, das neue Frankreich und dessen Monarch — kurz, die inhaltsschwere große Zeit von 1769-1802 wird vorn Autor in vornehm-schlichter Form erschöpfend und dabei doch überall kurz und bündig geschildert. Am Schlüsse des vorliegenden ersten Theiles ist in dankenswerter Weise eine Fülle literarischer Nachweise mitgetheilt, welche den Leser, der sich durch dieses Buch gewiß zu tiefer gehender Beschäftigung mit dem Gegenstände angeregt fühlen wird, auf Werke im $uli, 1 drei mächtigen von Wätjenin JQB die Zeit drö n sei oder nahe :eits können mir en und bedeu- .884 führten die »raumgehalt von ),000 Mann, ib Frankreich ge- lenannten Länder :bod) auch Groh- sezug aus Frank- 5 bnn einsachen n nur 3530 mit Ehrend von den m haben. Auch i unh ähnlichen weil bid /Hat- Grund füx die : so weit hinter ie Zeit vor zehn Deutschland als i derjenigen der - ;trt durch letztere deutscher Flagge trftntn nur auf Zchiffe nach dm nzahl der «e iiiinbf, daß durch idduns btr> usjtbtjidtt W , ®wttn tin «= , Stetiw ibt mit Tampfeni «nbdriffU» ddta; tint i'infaft»™ b®i n con i* " i M*** ur aVMIn* 5Säü N1U , Reichs- Lj '«*>■ it * atze de -E ugt die ! n» M!, '-Ä ui lasse'" tzj- j 'S?“* ’J« 8aUfe b(, ÄWlitär htt- ddttn befinde« 40 Wta >b Nekri "*«IiHen "der bte beider- Carllon- aüven Eabineis Mdlsche Politik - crne dauernde Parlament ohne die Herbff- lr oder Februar 'int$ Ufa de« Euß wurden benötigte Pay- Gießen in 1883/84 48,479 v. fl. <= Steuerfapital oder 28,6 , Mainz u ii 48,6 „ „ „ „ 28,35 Darmstadt „ „ 40,510 „ „ ii H 23,63 Offenbach „ „ 38,929 „ „ „ „ 22,70 Worms „ „ 37,977 „ „ „ „ 22,15 Gießen „ 1884/85 52,5 „ „ „ „ 30,6 Mainz „ „ 48,6 „ „ n u 28,35 Darmstadt „ „ 40,509 „ „ „ „ 23,63 Offenbach „ it 39,222 „ „ „ „ 22,88 , Worms it H 37,972 „ „ „ „ 22,15 Gießen „ 1885/86 23,336 H von der Mark Steuerkapital, Mainz „ „ 22,2 „ „ ff ff ff Darmstadt iq R it // lviw ii ii Offenbach ii ii 20,13 „ „ ff ff ff Worms „ „ 19,8878 „ „ Gießen „ 1886/87 25,980 „ „ ff ff ff Mainz it ii 22,2 „ „ ff ff ff Darmstadt „ „ 20,5107 „ „ ff ff ff Offenbach „ „ 19,781 „ „ ff ff ff Worms „ „ 19,7101 „ „ ff ff ,/ Frankfurt a. 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Irüi, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Flett' fchen Hofraithe dahier 1 Kassaschrank, Sopha, Sessel, 1 Pia- nlno, Spiegel, Schränke, Kommode, 1 Pult und 1 Wanduhr öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert. 5175 Ein Logis zu vermiethen bei Metzger Hofmann, Wnllthorstraße. 3529 Zwei unmöblirte große Parterrezimmer, mit besonderem Eingang, sind Frankfurterftraße 24 zu vermietben 4827] Logis, 5 Zimmer u. f- w-, zu vermiethen._____________Seltersweg 31. 4852 In dem Hause des Herrn Finanzrath Dr Muhl (Alicenstraße) ist der untere Stock auf den 1. October zu vermiethen. Nähere Auskunft bei Agenten Klees, Ludwigsstraße 5. 9 5039 Ein möblirtes Zimmer zu ver- miethen-__________Bahnhofstraße 24 III. 5265 Ein Mansardenzimmer mit Gai binet zu verm. Teufelslustgärtchen 20. 5205 Ein kleines Mansarden-Logis zu vermiethen.__Seltersweg 1. 5259 Zwei Zimmer, parterre, zu ver- Imiethen. L. 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