Nr. 250. Mittwoch den 27. October L88tz. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. t Schukstraßs 7. Erscheint tSqktch mit Skirnnhm« de« Montag». 8 SBat* “W- mit SMnjwfabt ö Durch die Post bezogen viertelltihrkch 2 Mart ÖO Pf. — wh^mibw '"'i111 uaptn—mb—aw Amtlicher Hheil. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß unter den Schafherden zu Grün berg die Räudekrankheit ausaebrochen iü. Gießen, am 26. October 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _______________ Dr. Boekmann. Politische Übersicht. Gieße«, 26. October. In recht gemüthbewegender Weise hat Kaiser Wilhelm diesmal Abschied von seinem lieben Baden-Baden genommen. Bei der Abreise äußerte der kaiserliche Herr zum dortigen Oberbürgermeister ungefähr, daß e« in Gottes Hand stünde, ob er noch einmal wiederkommen werde und wies er hierbei auf jein hohes Alter hin. Weiter sprach der Kaiser seine Freude für die Freundlichkeiten, welche ihm und der Kaiserin auch bei dem jetzigen Aufenthalte Seitens der Stadt erwiesen worden seien, aus. „Sagen Sie", — schloß der greise Monarch — „der Bürgerschaft nochmals meinen Dank dafür. Ich würde mich freuen, wiederkommen zu können und sage deshalb auf Wiedersehen — vielleicht." Die Reichstags-Ersatzwahl im Wahlkreise Graudenz - Straßburg i. W. hat erfreulicher Weise mit dem Stege des deutschen Candidaten über feinen polnischen Gegner geendigt und nur mit Genugtuung kann man es begrüßen, daß dem Deutschthum dieser Wahlkreis wieder zurückgewonnen worden ist. Auf den deutschen Candidaten, Staatsminister a. D. Hobrecht (nat.-lib.) fielen 9335, auf den polnischen Candidaten, Rittergutsbesitzer Rybinski, 8486 Stimmen. Offenbar haben nicht nur die Conservativen und Deutsch-Freisinnigen, sondern auch zum überwiegenden Theile die deutschen Katholiken für den nationalliberalen Candidaten gestimmt. Der Bunbesrath hielt am Donnerstag eine Plenarsitzung ab, fr welcher jedoch nur Gegenstände untergeordneter Bedeutung erledigt wurden. Die amtlichen „Braunschweigischen Anzeigen" bestätigen, daß Verhandlungen über verschiedene Seitens des Herzogs von Cumberland an den Privatnachlaß des Herzogs von Braunschweig erhobene Forderungen eingeleitet worden, daß aber die hierüber gebrachten Zeitungs-Meldungen theils unvollständig, theils ganz unzutreffend seien; einstweilen würden bie Verhandlungen geheim geführt. Das Oberlandesgericht in Breslau hat die wichtige Entscheidung getroffen, daß dem Fiscus das Confiscationsrecht hinsichtlich auswärtiger Lotterie-Gewinne zustehe. Für die zahlreichen Personen in Preußen, welche in auswärtigen Lotterien spielen, ist diese Entscheidung von schwerwiegender Bedeutung. In Wilhelmshaven ist ein englisches Panzer-Geschwader, aus den Schlachtschiffen „Minotaur", Monarch", Sultan" und „Agincourt" bestehend, eingetroffen. Die schweizerische Bundes-Versammlung tritt laut Erlaß des Bundesrathes am 29. November zu ihrer ordentlichen Winter-Session zusammen. Die Verhandlungen derselben werden auch für uns in Deutschland Interesse haben, da z. B. auch die Frage der Branntwein-Monopolisirung in den Debatten eine hervorragende Rolle spielen wird. Die französische Politik in Bezug aus Egypten beginnt sich durch die Erklärungen, welche Frankreich vom Londoner Cabinet über die Zeitdauer der englischen Occupation in Egypten verlangt hat oder noch fordern will, schärfer zu accentuiren. Interessant ist hierbei der Umstand, daß die französischen Forderungen durch Rußland und die Pforte unterstützt werden, was daraus hindeutet, daß die französische Diplomatie in letzter Zeit in Konstantinopel nicht erfolglos gearbeitet hat. Ob indessen diese Unterstützung mehr als einen „moralischen Werth" haben wird, steht noch sehr dahin; Rußland wird zufrieden sein, wenn das französische Vorgehen in der egyptischen Frage die Aufmerksamkeit der enalischen Politiker von den bulgarischen Angelegenheiten abwendet und mehr den Dingen am Nil zulenkt und die Türkei dürfte es sich zweimal überlegen, «he sie für Frankreich die egyptischen Kastanien aus dem Feuer holt. FranMschersetts bemüht man sich auch, den Engländern hinsichtlich ihrer internationalen Verpflichtung in Egypten bange zu machen, wie aus einem bezüglichen Artikel des „Journal des Döbats" hervorgeht; vorläufig scheint man in London das drohende Auftreten Frankreichs sehr kaltblütig zu nehmen. Das Garantie-Comitä für die internationale Pariser Ausstellung im Jahre 1889 hat sich am Freitag constituirt. Das Garantie-Kapital beträgt gegenwärtig mebr als 22 Millionen Frcs. und sprach der Handelsminister Lockroy den Zeichnern desselben für ihr energisches Eintreten seinen Dank aus. In dem merkwürdigen Duell zwischen Rußland und der bulgarischen Regierung ist bis jetzt noch keine Entscheidung eingetreten, doch kann kaum bezweifelt werden, daß das Cabinet von Sofia trotz seiner mühevollen Haltung schließlich den Kürzeren wird ziehen müssen. Ueber die augenblickliche Hauptfrage, ob die gewählte große Sobranje wirklich am kommenden Mittwoch in Tirnowa zusammentreten wird, ist ebenfalls noch nichts Entscheidendes bekannt, jedenfalls wird aber ihr Zusammentritt unter allen Umständen zwecklos fern. Inzwischen ist General Kaulbars von seiner berühmten Rundreise am letzten Donnerstag wieder in Sofia eingetroffen und hat nichts Eiligeres zu thun gehabt, als der bulgarischen Regierung eine neue Beschwerdenote über die angebliche Mißhandlung russischer Untertanen an den Hals zu werfen, worauf aber die Regierung sehr kühl antwortete, die behaupteten Gewalttätigkeiten müßten erst erwiesen fein, ehe man die Urheber bestrafen könne. Die Meldung des „Journal des Däbats" von einem Ueberein* kommen zwischen Deutschland, Oesterreich und Rußland, wonach sich letzteres verpflichtet habe, Bulgarien nicht zu besetzen, während die beiden Centralmächte dafür wed?r die Regentschaft noch die Wahl eines neuen Fürsten ohne die Zustimmung Rußlands anerkennen würden und daß Rußland die Initiative in der Candidatenfrage überlassen bleiben solle, wird vom Wiener „Fremdenblatt" in aller Form dementirt. Der englische Aviso „Jmogene", welcher den interimistischen eng- ltschen Botschafter White nach Konstantinopel bringen sollte, ist bei Gallipoli gescheitert. Menschenleben sink) nicht zu beklagen. Darmstadt, 23. October. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hält am Donnerstag, 28. October, eine Sitzung ab. Außer mit der Vorlage über das neue Zellen-Gefängniß wird sich der Ausschuß auch mit dem Mainzer v 'werfitätsfonds zu beschäftigen haben, dessen Verwaltung bekanntlich ein von den ultramontanen Abgeordneten gestellter Antrag in die Hände der katholischen Kirche gelegt wissen will. Da in der nächsten Session auch noch die Beantwortung der Interpellation über den Stand der kirchlichen Frage in Hessen aussteht, wird es voraussichtlich an lebhaften Debatten nicht fehlen. Einen Haupt-Gegenstand der Berathung wird auch das umfangreiche Feldbereinigungs- Gesetz bilden. Blankenburg i. Harz, 24. October. Der Kaiser ist heute Nachmittag im besten Wohlsein hier eingetroffen. Derselbe wurde von dem Prinz- Regenten Albrecht uno den Spitzen der Behörden empfangen und von der zahlreich herbeigeströmten Menschenmenge mit jubelnden Zurufen begrüßt. Die Stadt ist reich geschmückt. Auf die Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Rittmeyer erwiderte der Kaiser mit Worten des Dankes für den ihm bereiteten Empfang. Er freue sich, die Stätte wiederzusehen, wo er so viele frohe Stunden verlebt habe, er danke besonders für die dem Regenten gegenüber bekundeten Gesinnungen; derselbe habe sich auf dem Schlachtfelds wie in der Regierung des Her- zogthums bewährt. Blankenburg, 25. October. Der Kaiser wohnte gestern Abend der Theatervorstellung bei. Heute nimmt er an dem zweiten Jagen Theil, welches um 12 Uhr Mittags stattfindet. — Der Kaiser nahm heute Mittag an der Jagd Theil und erlegte 19 Stück Hochwild und 9 Sauen. Später kehrte derselbe dann hierher zurück. Telegraphische Depeschen. Wolfps telegr«. CorrespondenL-Bnreair. Wilhelmshaven, 25. October. Das englische Panzergeschwader hat heute früh 7 Uhr die hiesige Rhede wieder verlassen und die Richtung nach der englischen Küste eingeschlagen. Wien, 25. October. Wie der „Polit. Corresp." aus Odessa gemeldet wird, hat das russische Consulat in Varna wegen der dort herrschenden aufgeregten Stimmung um die Entsendung eines russischen Kriegsschiffes nachgesucht. In Folge dessen sollen zwei kleinere russische Fahrzeuge zum Schutze der russischen Untertanen nach Varna entsendet werden. Wien, 22. October. Cholerabulletin. Es erkrankten, resp. starben in Triest 10/1, Pesth 14/4 Personen. Nisch, 25. October. Zum Vertreter Bulgariens bei der diesseitigen Negierung ist Dr. Stransky aus Sofia hier eingetroffen. Bukarest, 25. October. s„Haoas"-Meldung.^ Depeschen aus Calafat vom 25. October zufolge wurde in Lompalanka am 23. October ein Complott zum Sturze der Regentschaft entdeckt. Die Hauptverschwörung ist der Militärcommandant Kotavoff. Zwei aus Widdin entsandte Compagnien nahmen Kotavoff gefangen, seine Mitschuldigen entkamen. Petersburg, 25. October. Großfürst und Großfürstin Wladimir sind nach Skierniewice abgemft Lokales. Gießen, 26. October. Frau Amalie Joachim, die berühmte Liedersängerin, wird am Dienstag den 2. November im Clubsaale mit Fräulein Anna Bock, Pianistin aus New-Aork, ein Concert veranstalten. Wir haben wohl nicht nöthip, indem wir auf dieses Concert Hinweisen, die ganz ausgezeichneten künstlerischen Leistungen beider Damen noch besonders hervorzuheben; die Namen derselben sind ja so ehrenvoll bekannt, daß das musikalische Publikum auch ohnedies sich den sicherlich hohen Kunstgenuß zu verschaffen suchen wird. Gießen, 26. Octsber. Gestern Abend fand im „Frankfurter Hof" eine Versammlung von Interessenten der Wasserleitung statt. Nach eingehendem Referate und. Besprechungen wurde folgende Resolution gefaßt und gleich von den zahlreich Anwesenden unterschrieben: „Die Versammlung geht von der Ansicht auS, daß dem Publikum der Bezug des Wassers von Seiten Der Stadt zu sehr erschwert wird und zwar: 1. durch xu theure Zuleitung, 2. durch den abnorm hohen Wasserprcis, 3. durch zu hohe Wassermessermiethe, und schlägt deshalb vor: 1. die Zuleitung incl. Aufstellung des Wassermessers für die bis zum 1. April 1887 angemeldeten Anschlüsse (gleichviel ob der Bezug bis dahin möglich ist oder nicht) gratis herzustellen, nach diesem Termin eine Pauschalsumme von 25 A pr. Anschluß zu nehmen und zwar in beiden Fällen für eine Länge von 10—12 m; 2. den Preis des Wassers auf 20 4 pr. obm zu ermäßigen; ebenso einen Minimalsatz von 15 A pro Haushaltung festzusetzen. Die Tarifirung für den Wasserbezug für andere als häusliche Zwecke sind besonderen Bestimmungen zu unterwerfen; 3. die Wassermessermiethe incl. Reparaturen des Wassermessers auf 8 pr. Jahr zu normiren." Diese Resolution und deren Begründung wurde heute behufs weiterer Unter- -eichnung in C-irculation gesetzt. Wir lassen die „Begründung" in nächster Nummer dieses Blattes folgen. Gießen, 26. October. Die heute zur Ausgabe gelangte Nr. 11 der Verwaltungsblätter hat folgenden Inhalt: 1. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes in Betreff der Fegung und Unterhaltung des Landgrabens, hier der Beitragspflicht der Gemeinde Arheilgen. (Fortsetzung.) 2. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofs in Betreff der Klage des Karl Kirste zu Mainz gegen den Großh. Fiscus wegen Herausgabe beschlagnahmter Schriften. 3. Oeffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen vom 9. October 1886. Abonnements auf die Verwaltungsblätter nimmt die Expedition des Gießener Anzeiger entgegen und zwar für die Abonnenten letzteren Blattes zum ermäßigten Preise von 50 4 pro Quartal. Universität- - Chronik. Marburg, 22. October. Heute früh starb Hierselbst der Universitätsprofessor Albert Wiegand, Ritter des rothen Adlerordens vierter Klasse, Doctor der Philosophie, ordentlicher Professor der Botanik, Director des botanischen Gartens und des Pharmacognoftischen Instituts, Geheimer Regierungsrath. Der Verblichene war zu Treysa am 21. April 1821 geboren. Er hat sich um den hiesigen botanischen Garten große Verdienste erworben, auch die Wissenschaft verliert in ihm einen hervorragenden und gründlichen Forscher. Vermischte-. Aus Oberhessen wird der „N. Fr. P." geschrieben: Am Fuße des Basaltkegels der Amöneburg, die sich, 680 Melcr yoch, steil aufsteigend aus dem weiten Ohmthal erhebt, steht im Hofe einer alten baufälligen Mühle ein hochragendes Stein- denkmal in Form eines Obelisken. Verwundert hemmt der Tourist, den der Weg zufällig dort vorüberführt, den Schritt. Beim Nähertreten gewahrt er mit wachsendem Staunen die künstlerische Vollendung der Ornamente und Wappen, die sich in halber Höhe des Denkmals befinden. Dasselbe ist etwa fünf Meter hoch und wurde im Jahre 1762 errichtet. In diesem Jahre, wie überhaupt zur Zeit des siebenjährigen Krieges, bildete das Ohmthal einen Haupttummelplatz der Kriegsschaaren. Ein Gefetzt zwl'chm den Franzosen unter Soubise und Den Alliirten unter Herzog Ferdinand von Braunschweig wurde durch die Nachricht von abgeschlossenen Friedens-Präliminarien u"Ui brachen und zur Erinnerung daran ließen die beiden Heerführer jenes Denkmal ei rich'en, das die Wappen Frankreichs und des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, Symbole des Krieges und auf das vorerwähnte historische Ereigniß sich beziehende Inschriften aufweist. So steht das interessante Denkmal, dessen Existenz über die Grenzen des Hessenlandes hinaus wohl kaum bekannt oder längst vergessen sein dürfte, einsam und unbeachtet im Hofe Der alten zerfallenen Mühle. Die Witterungseinflüffe haben im Laufe der Jahrzehnte die lateinischen Inschriften ein wenig verwischt, die Linien der Wappen sind theilweise vom Steinpilze überwuchert worden, zwischen den Fugen der Sandsteinblöcke wächst das Gras hervor. Welchem historischen Ereignisse das Denkmal seine Entstehung verdankt, das wissen die wenigsten der umwohnenden Landleute. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß man von zuständiger Seite Maßregeln zur Perhütung des wetteren Verfalls des imposanten historischen Denksteines treffe. Mainz, 25. October. Heute Nacht um 1 Uhr gerieten in der Wirthschaft pjum Goldstein", Ecke der Rochusstraße, zwei junge Bursche in Streit, der sich auf Die Straße fortpflanzte. Plötzlich zog dort einer der Burschen, der 17 Jahre alte Barbier Otto Rechter aus Kreuznach, einen Revolver und feuerte auf seinen Gegner, einen Schuhmacherssohn Namens Blitz von hier, vier Schüsse, von denen einer so traf, daß Blitz auf der Stelle tobt blieb. Der Mörder wurde sofort verhaftet und von der erbitterten Menge übel zugerichtet. Man will wissen, daß Eifersucht den Grund des Streites und der schrecklichen That bilde. Berlin. Bier ist ein Anti-Choleramittel, der möglichst lange ausgedehnte Aufenthalt am Kneiptisch kann also als eine sehr heilsame vorbeugende Maßregel angesehen werden. Diese Wissenschaft kommt uns von der „Allgemeinen Zeitschrift für Bierbrauerei"; das Organ von Hopsen und Malz schreibt nämlich: „Während man früher das Bier zur Cholerazeit als schädlich und die Krankheit fördernd ansah, weiß man jetzt, daß in dem Wassergenuß, besonders in dem Genuß des von Hausbrunnen stammenden Wassers, die größte Gefahr liegt, ebenso in Nahrungsmitteln, die der Luft ausgesetzt waren und vielleicht durch Staub verunreinigt sind; besonders gilt dies vom Obst. Dagegen ist zur Cholerazeit das Bier nicht nur nicht schädlich, sondern sogar vortheilhaft; es kann dadurch nicht nur keine Ansteckung erfolgen, denn das Wasser darin ist gekocht und der Bacillus stirbt im Biere, noch mehr: durch Biergenuß würde sogar die Entwicklung von Bacillen, welche in die Verdauungsorgane gelangt sind, verhindert werden. Bemerkenswerth ist, daß im Jahre 1873, als die Cholera in Wien und dessen Umgebung ziemlich stark auftrat, in keiner Brauerei daselbst ein derartiger Krankheitsfall vorkam. Das Bier ist also ein sehr werthvolles Anti- Choleramittel." — Das Berliner Polizeipräsidium hat folgende Bekanntmachung erlassen: Wie die diesseitigen Beobachtungen ergeben haben, ist auf eine Verbindung von Mörtel und Mauersteinen bei einer Kälte von mehr als 2° R. nicht zu rechnen. Zur Verhütung von Unglücksfällen wird daher hierdurch bestimmt, daß bei Kälte über 2« R. nicht gemauert werden darf. Dieses Verbot wird mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß die diesseitigen Executivbeamten auf Befolgung desselben streng zu halten haben. Aus dem Wupperthal, 21. October. Ein grauenhafter Raubmord ist vorgestern Abend an dem Landmann Voft auf Hasencleff bei Remscheid verübt morden. Derselbe hatte 200 A einkassirt und wurde auf dem Heimwege von zwei Männern, Vater und Sohn, überfallen und durch achtzehn Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Nachdem die Mörder ihrem Opfer das Geld abgenommen, warfen sie die vermeintliche Leiche in einen Teich, wo der Unglüchliche indeß noch, da er am Ufer im Gebüsch hängen geblieben, bis zum anderen Morgen lebte. Die beiden Raubmörder wurden sofort ermittelt und verhaftet. Eisenach, 21. October. Ein tragisches Familiendrama hat sich heute hier ereignet. Der Schuhmacher H. hat aus Schwermuth in dem Hörselflusse den Tod gesucht und gefunden. Die Frau desselben ist aus Schrecken darüber in Irrsinn verfallen. Diese Seelenkrankheit der Melancholie scheint ein erbliches Familienstück zu fein. Der Vater des Unglücklichen hat sich erschossen, die Mutter erhängt und ein Bruder ersäuft — alle aus Melancholie sich das Leben genommen. — lieber den Gebrauch von Petroleum-Lampen hat eine technische Commission in Dresden Verhaltungsmaßregeln aufgestellt, die der Veröffentlichung werth sind; wir wollen daher auf einige dieser Regeln aufmerksam machen. 1) Das Petroleum ist an kühlen Orten und thunlich in Blechgefäßen aufzubewahren. 2) Das Einfüllen des Petroleums ist bei Tageslicht vorzunehmen. 3) Der Docht muß beim Einziehen in die Lampe völlig rein und trocken fein und gut passen, er darf nicht zu dünn sein. 4) Docht und Brenner müssen täglich von allen kohligen Resten befreit werden. 5) Der Docht muß ganz gleichmäßig abgeschnitten werden. 6) Die Luftzüge des Brenners sind täglich zu reinigen. 7) Schadhafte Brenner sind sofort durch neue zu ersetzen. 8) Das Oel im Behälter darf nie vollständig ausbrennen. 9) Der Behälter muß vor jeder Erwärmung bewahrt werden. 10) Die Lampe darf nicht in zurückgedrehtem Zustande gebrannt werden. 11) Das Auslöschen der Lampe ist durch leichtes Ucbcrblafen des Cylinders nach vorherigem geringem Niederdrehen des Dochtes zu bewirken. 12) In Kinderstuben sind Hängelampen zu empfehlen. Handel nnd Verkehr. Gießen, 26. October. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund A 0.90 -0.95, Hühnereier pr. St. 7—0 4, Enteneier St. 0—0 4, Käse pr. St. 5—10 4, Kasematte 3—0 4, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen 32 4, Tauben per Paar 50 bil 65 4, Hühner per Stück A 0 90—1.30, Hahnen pr. Stück A 0.60—1.30, Enten per Stück A 1.30—2.00, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 4, Kuh- und Rindfle.sch 54—56 4, Schweinefleisch 56—60 4, Hammelfleisch 50—66 4, Kalbfleisch 46—50 4, Kartoffeln per 100 Kilo A 3.40—5.00. Milch per Liter 12—18 4, Zwiebeln per Gentner A 3.00—4.00* Zwetschen A 5.00—0.00. Repertoir der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt a. W. Opernhaus. Mittwoch den 27. October: Letzte Gastdarstellung von Mr. R. D'Oyly Garte's en gl. Opern-Gesellschaft. Der Mikado. Außer Abonnement. Große Preise. Donnerstag den 28. October: Der Prophet. Große Preise. Freitag den 29. October geschlossen. Samstag den 30. October: Für einen ausgefallenen Dienstag. Johann von Lothringen. Große Preise. Sonntag den 31. October: Für einen ausgefallenen Donnerstag. Die Afrikanerin. Letzte Vorstellung im Abonnement. Große Preise. ScharrspielharrS. Mittwoch den 27. October: Ueberzählige Vorstellung im Abonnement B. Der schwarze Schleier. Große Preise. Donnerstag den 28. October geschlossen. Freitag den 29. October: Letzte Vorstellung im Abonnement A. Fromont jun. und Risler een. Große Preise. Samstag den 30. October: Letzte Vorstellung im Abonnement B. Zum ersten Male: Brigitta. Trauerspiel in 4 Akten von Richard Voß. Große Preise. Sonntag den 31. October: Ueberzählige Vorstellung im Abonnement C. Hum ersten Male wiederholt: Brigitta. Große Preise. Allgemeiner Anzeiger. 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