Nr. ZS8 Freitag den 27. Angust 1886. Gießener Anzeiger Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vttrea«: Schulstraße 7. —- 1 " ........ (■■■—■ Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 60 Pf. Politische Ueberficht. Gießen, 26. August. Der Kaiser hat durch seine körperliche und geistige Frische in den letzten Tagen die Verwunderung seiner Umgebung und der zahlreichen Gäste des kaiserlichen Hoflagers hervorgerufen. Mir der lebhastesten Teilnahme sieht der Kaiser den bevorstehenden Manöoern in den Neichslanden entgegen, wo wiederum die umsaffendsten Vorbereitungen für den Empfang des Monarchen getroffen werden. Wie übrigens nachträglich bekannt wird, hatte sich der Statt« Halter in den Reichslanden, Fürst v. Hohenlohe, in Gastein Seilens des Kaisers wie des Fürsten Bismarck einer überaus lebhaften Anerkennung seiner Verwaltung zu erfreuen. Es ist nicht unbemerkt geblieben, mit welcher Auszeichnung der bisherige Botschafter Frankreichs am diesseitigen Hofe, Baron v. Courcel, von den Majestäten vor seinem Scheiden von seinem jetzigen Posten bedacht worden ist. Der Kaiser hat dem scheidenden Diplomaten den Schwarzen Adler-Orden verliehen, eine Auszeichnung, welche nur wenigen Vorgängern des Botschafters zu Theil wurde. Die deutsche Regierung wollte damit offenbar zu erkennen geben, wie großes Gewicht sie auf die guten Beziehungen mit Frankreich lege, für welche allerdings der bisherige Botschafter mit voller Kraft eingetreten war. Derselbe zieht sich zunächst von dem Schauplatz der öffentlichen Thätigkeit zurück und sein Nachfolger wird Herr Lesebre de Äehaine. Herr Waddington bleibt als Vertreter Frankreichs in London. Nach den bisher bekannt gewordenen Dispositionen wird Kaiser Wilhelm am 9. September seine Reise zu den Manövern des 15.Armee- Corps nach Straßburg und Metz antreten. Ein glänzender Kreis von Fürstlich« fetten wird den allerhöchsten Kriegsherrn auf seinen bevorstehenden Manöverreisen umgeben und nennt man in dieser Beziehung außer dem Kronprinzen und den Prinzen des preußischen Königshauses den König Albert und den Prinzen Georg von Sachsen, die Großherzöge von Hessen und Baden, den Prinzen Karl von Schweden, den Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt und den Prinzen Wilhelm von Württemberg. Bis zum 19. September dürfte der Kaiser in Straßburg weilen und sich hierauf nach Metz begeben, woselbst ein Aufenthalt bis zum 23. k. Mts. in Aussicht genommen ist. Gleich nach Beendigung der großen Manöver begiebt sich der Kaiser, wie alljährlich um diese Zeit, nach Baden- Baden, um hier noch einige Wochen zuzubringen und wird in Baden-Baden, wie herkömmlich, am 30. September der Geburtstag der Kaiserin im Kreise der grobherzoglich badischen Herrschaften gefeiert werden. Aus Hamburg geht der „M. Ztg." folgender Bericht ihres Correspon- denten ;u: Die Untersuchung gegen die verhafteten Führer der Socialdemokraten scheint großen Umfang anzunehmen. Man hat anscheinend jetzt die Fäden gefunden, mittelst welcher es voraussichtlich möglich sein wird, einen Einblick in die Organisation der Socialdemokraten nicht blos in Deutschland, sondern auch außerhalb Deutschlands zu erlangen. So viel aus den sehr geheimgesührten Vernehmungen an die Oeffentlichkeit gedrungen ist, war Hamburg die Finanzstelle der socialdemokratischen Bewegung in Deutschland. Es hatten nicht weniger als 17 freie Kaffen für die verschiedenen deutschen Arbeiterzweige ihren Sitz in Hamburg. Mit der Verwaltung der Kaffen war eine weitgehende Agitation in Deutschland verbunden; auch nach der Schweiz sollen namhafte Summen von Hamburg aus abgegangen sein. Im Zusammenhänge mit der in Altona geführten Untersuchung gegen die Socialistensührer soll sowohl die Verhaftung des Nagelschmieds Schlichtwg in Schleswig als die dieser Tage in der Vorstadt St. Pauli vorgenommene Verhaftung von Drei Cigarrenarbeitern stehen. Letztere wurden ebenfalls nach Altona gebracht, während der Führer der Socialdemokraten in Schleswig vorläufig dort vernommen werden wird. Während über die in Schleswig bei mehreren Verdächtigen vorgenommenen Haussuchungen nach socialdemokratischen Schriften nichts Bestimmtes verlautet, soll man in dem nahen Ottensen, wo fich viele socialdemokratische Cigarrenarbeiter aushalten, viele Exemplare des „Socialdemokrat" beschlagnahmt haben. Man geht überhaupt gegen die Tabak- und Cigarrenarbeiter, welche in Altona und Ottensen einen sehr großen Theil der socialdemokratischen Partei bilden, sehr scharf vor. In Folge verschiedener demonstrativer Vorgänge, welche sich in jüngster Zeit bei Begräbnissen von Gesinnungsgenossen breit gemacht haben, waren die Mttglieder des Ottenser Unterstützungsvereins deutscher Tabaksarbeiter aus Anweisung der Regie- rung in Schleswig unter staatliche Controle gestellt worden, welche nach den Reichsgesetzen bekanntlich zulässig, aber bisher noch nicht zur Anwendung gebracht worden ist. Die Mitglieder haben sich darüber beschwert, aber von einer Auflösung des Vereins, über welche die „Kreuz-Ztg." berichtete, ist hier nichts bekannt. Die Beschwerde wird den Mitgliedern wohl wenig nützen. Als ein Redner dieser Tage in einer Versammlung erklärte, die staatliche Ueberwachung sei ein Eingriff in die Coalitionsfreiheit der Arbeiter, löste der überwachende Polizeibeamte die Versammlung auf. Auch in Frankreich beginnt man höheren Werth aus den Unterricht in den neueren Sprachen zu legen, wie ein an die Rectoren der Facultas des lettres gerichtete Verfügung des Unterrichts-Ministers Ren6 Goblet zeigt. Der Minister ist zwar der Ansicht, daß die Studirenden der neueren Sprachen, welche die vorschriftsmäßigen Studien mit Erfolg durchgemacht haben, durchaus zweckmäßig für ihren Beruf vorbereitet sind — „die Ausbildung würde aber zweifellos eine noch bessere fein, wenn die Studirenden sich längere Zeit in [ Deutschland ober England aufhalten könnten. Sie würden sich dann nicht aiur die Sprache jener Völker besser aneignen, sondern auch die Sitten und Ge- 1 Darmstadt, 25. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 25. August dem Staatsminister, Minister des Großherzogl. Hauses und des Aeußern, sowie Minister des Innern und der Justiz, Jakob Finger, das Großkreuz des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen und dem Präsidenten des Ministeriums der Finanzen, August Weber, das Ritterkreuz 1. Klasse des Ludewigs-Ordens zu verleihen. bräuche, sowie die Culturverhältniffe derselben genauer kennen lernen." Der Minister beabsichtigt daher, diejenigen Studirenden der neueren Sprachen nach dem ersten Jahre ihrer Studien von Juli bis December nach Deutschland und England zu schicken, welche dazu wegen ihres Fleißes und wegen ihrer Fähigkeiten von der Fakultät als geeignet bezeichnet werden. Die Absicht des Ministers sollte schon in diesem Jahre ausgesührt werden, und die Fakultäten werden in der Verfügung ausgesordert, bis zum 1. Juni d. Js. Vorschläge zu machen. Die Kosten der Reise und des Aufenthaltes bestreitet der Staat. Die ausgewählten Studirenden erhalten vom Minister durch Vermittelung des Rectors der Facultds des lettres genauere Anweisung für die Ausnützung ihres Ausent-- Halles im Auslande. Gegenüber den das allgemeine Interesse beanspruchenden Vorgängen in Bulgarien müssen wir uns Heute in dem Resumö über die anderen politi» schen Begebenheiten des Tages sehr kurz fassen. Die englische Regierung trifft jetzt energische Anstalten zur Niederwerfung der Erhebung in Birma, da binnen Kurzem zu den 17,000 Mann englischer Truppen in Birma 10,000 Mann Verstärkungen stoßen werden. — Die Nachricht, England habe da» Protectorat Über die Ellice-Jnseln Übernommen, ist unbegründet. — Die Cutting-Angelegenheit zwischen Mexiko und Nordamerika wird demnächst ihre Erledigung finden. Die mexikanische Regierung hat den Redacteur Cutting in Freiheit gesetzt, erklärte jedoch zugleich, daß sie das Princip, welches zur Verhaftung Culting's geführt, nicht aufgeben werde. Mrst Alexander von Bulgarien — frei. Gießen, 26. August. Wir konnten in gestriger Nummer unserer Blattes bereits melden, daß das bulgarische Volk sich von seiner Ueberrumpelung aufgerafft und die Revolutionäre gefangen gesetzt habe, welche den um das Bulgarenoolk so hoch verdienten Fürsten schmählich behandelt und über die Landesgrenze schaffen ließen. Heute meldet nun der Telegraph, daß Fürst Alexander frei ist und auf dem Wege nach Darmstadt fei. Wir stellen die diesbezüglichen Nachrichten im Nachstehenden zusammen: Jugenheim, 25. August. Se. Großh. Hoheit Prinz Alexander erhielt heute folgende Nachrichten: Fürst Alexander mit seinem Bruder Franz Joseph wurde am 24. ds., Abends, in Neni an der Donau, auf russischem Boden, gelandet; der Kapitän des Schiffes wendete sich um weitere Befehle nach Sofia. Da unterdessen die revolutionäre Regierung gestürzt worden war, so erhielt der Kapitän von der neuen fürstlichen Regierung, den Befehl, sofort den Fürsten nach Sivosto in Bulgarien zu bringen. Darmstadt, 25. August. Die „N. H. V." melden ferner: Nach einem um 5 Uhr in Jugenheim bei dem Prinzen Alexander eingetroffenen Telegramm des Fürsten von Bulgarien ist derselbe in Nisi (Reni?) von dem Kapitän des Schiffes, welches ihn entführt hatte, an's Land gesetzt und russischen Gensdarmen übergeben worden. Aus Petersburg traf hierauf der Befebl ein, den Fürsten frei zu geben. Derselbe reist aus der Lemberger Bahn über Breslau nach Darmstadt. Prinz Ludwig von Battenberg reift heute Abend seinen Brüdern entgegen. Aus Sofia meldet Cabinetsrath Menges, nachdem der Telegraph wieder freigegeben und die „Revolutions-Regierung", gestürzt, Karawelow, Stambulow und Nikiforow beseitigt. Neue Negierung bilden Radoslooow, Stoilow, Geschow und Panow. Die ganze Armee ist für den Fürsten. Das Land ist ruhig. Die neue Regierung für Ostrumelien unter Oberst Mitkouroff ersuchte telegraphisch den Prinzen Alexander, er möge den Fürsten beschwören, in sein Land zurückzukehren, welches ihn mit dem größten Enthusiasmus empfangen werde. Ebenso gingen aus Tirnowa und aus Philippope! Delegirte ab, welche den Fürsten aufsuchen und mitbringen wollen. AuS Widdin fuhr eine Deputation gestern die Donau hinab, um den Fürsten abzuholen. Hofprediger Koch begleitet diese Deputation. (N. H. V.) Wien, 25. August. Die „Pol. Corr." meldet: Die Begegnung Bismarck's mit Giers findet morgen in Franzensbad statt. Der hiesige russische Geschäftsträger, Fürst Cantacuzene, reist heute Abend nach Franzensbad. In hiesigen russischen Kreisen spricht man die bestimmte Ueberzeugung aus, daß Fürst Alexander am Leben ist und seiner persönlichen Sicherheit keine Gefahr droht. Beglaubigte Meldungen über sein Schicksal fehlen immer noch. . Bukarest, 25. August. Nach hier eingegangenen Mittheilungen hat Major Panow in Sofia einstweilen die Regierungsgewalt übernommen. Der Commandant der Nacht, auf welcher Fürst Alexander sich befand, hatte Befehl, den Fürsten unter allen Umständen in Reni zu lassen, trotzdem der Fürst den Wunsch geäußert hatte, am rumänischen Ufer gelandet zu werden. Nach einem Telegramm aus, Galatz war es dem Fürsten von den russischen Behörden freigestellt, die Reffe m beliebiger Richtung fortzusetzen. Der Fürst, welcher um 2 Uhr Nachmittags sich noch in Renr befand, wartete den nächsten Zug ab, um in der Richtung nach Oesterreich ferne Neffe fortzuichcm^ August, Nachmittags. Fürst Alexander ist gestern in Reni angelangt und über Wolotschisk nach Oesterreich luellergeretft, jedoch keineswegs als Gefangener. . „ Giurgewo, 25. August. Eine von Tirnowa datirte, von Stambulow als Präsidenten der Volksvertretung und von Mutkurow als General-Commandirenden der Armee unterzeichnete Proclamation lautet: „Im Namen des ffursten Alexander und der Volksvertretung gebe ich kund, daß ich einstweilen die provi orische Regierung in Sofia übernommen habe und Jeden, der sich den Gesetzen nicht fügt, standrechtlich behandeln werde. Ich ernenne Mutkurow zum General-Commandirenden und über- trage demselben alle Cioil- und Militärgewalt, daher hat Jeder seinen Befehlen sich ru fügen. Ich fordere das bulgarische Volk auf, den Thron und das Vaterland vor den Verräthern zu schützen, welche unfern heldenmüthigen geliebten Fürsten vom Throne stürzen wollen, der Allmächtige kräftige die Hand des Volkes und der Armee, damit wir den vom Volke gewählten Fürsten schützen. Es lebe Alexander, der Fürst von Bulgarien." Konstantinopel, 25. August. Meldung von Reuter's Bureaus Der Kriegsminister suspendirte anläßlich der Vorgänge in Bulgarien die weitere Demobilisirung der Redif-Truppen, wies den Obercommandirenden von Macedonien an, sich nach Uskus zu begeben und ernannte Galib Pascha anstatt Hassan Pascha's zum General- Gouverneur in Salonichi. Der Truppenbesehlshaber von Salonichi ist angewiesen, die Truppen zu concentriren. In der bulgarischen Angelegenheit selber wird die Pforte, wie verlautet, keinerlei Entschließung fassen, bevor nicht die Antworten der Mächte auf ihr letztes Rundschreiben eingegangen sind. — Die Meldungen aus Phi- lippopel vom 24. Abends wiederholen, daß die Bevölkerung und alle rumelischen Regimenter sich begeistert für Alexander ausgesprochen haben. Die vom Oberst Mutkurow erlassene Proklamation fordert zur Vertheidigung der Ehre des Fürsten und Bulgariens auf, die Ruhe wurde nirgends gestört. London, 25. August. Die „Times" sagt, die weitere Entwickelung der Ereignisse in Bulgarien rücke die Gefährdung des europäischen Friedens näher. Wenn Fürst Alexander friedlich entthront wäre, wenn der Wille der bulgarischen Bevölkerung sich mit der Entthronung einverstanden ausgesprochen hätte, wäre guter Grund zu der Erwartung gewesen, daß die Aufrechterhaltung des Friedens gewahrt worden wäre. Rußland scheine jedoch in einer Weise zu Werke gegangen zu sein, welches den Bürgerkrieg in Bulgarien unvermeidlich und fruchtlos mache, damit derselbe einen Vorwand für die Intervention Rußlands liefern solle. Eine solche Invention würde die Interessen mehr als einer europäischen Macht compromittiren. — Die „Morning Post" meint, die Mächte würden bald zwischen der russischen oder der türkischen Intervention in Bulgarien zu wählen haben. Petersburg, 25. August. Die „Nowosti" und die russische „Petersburger Zeitung" halten eine russische Intervention in Bulgarien umsomehr geboten, als daselbst eine Anarchie ausgebrochen ist. Erstere betonen, nur eine russische Intervention könne einer weiteren Verbreitung der Bewegung über die ganze Balkan- Halbinsel vorbeugen. Letztere meint, Rußland solle zur militärischen Occupation Bulgariens zunächst nicht schreiten, da die Ruhe Bulgariens allein etwaige neue Blutopfer nicht werth sei. Sofia, 26. August. (Privatdepesche.^ Karaweloff bildete eine neue Regierung mit Stambuloff und Nikiseroff als Regenten, Stoiloff, Radostaroff, Geschoss, Orochakoff, Panoff und Jovanokoff als Ministern. Hier herrscht völlige Ruhe. XtWWW DepeHkN. Wallys Lsrwrrprmdsm > Berlin, 25. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt, die Einladung zur Theil- nahme an dem Feste der Wiedereroberung Ofens sei von Berlin in gesucht artiger Form, aber dennoch mit nicht stichhaltiger Motioirung, von München in schroffer Weise abgelehnt worden. Die höfliche sowohl wie die unhöfliche Art der Ablehnung zeuge von gleichem Mangel an politischem Takt. „Wir verstehen es gern, daß das Gefühl der Deutschen durch die Behandlung ihrer Brüder in Siebenbürgen seitens der Ungarn verletzt sei, aber unsere Beziehungen zu Ungarn sind derart, daß wir besser thun, uns der Punkte zu erinnern, die uns mit Ungarn vereinen, als derer, die uns von ihm trennen." — Der „Nat.-Ztg." zufolge wäre Ober-Justizrath Stölzel zum Vorsitzenden der Justiz-Prüfungscommission designirt. Bromberg, 25. August. Definitives Wahlresultat: Hahn 4822, Komirowski 3912, Schröder 2895. Die Stichwahl findet am 10. September statt. Metz, 25. August. Die Beisetzung der Leiche des Bischofs fand heute feierlich unter großer Theilnahme in der Kathedrale statt. Dem Trauergottesdienste wohnten Äer Großherzog von Baden, der Statthalter Fürst Hohenlohe, Staatsminister Hofmann und 10 auswärtige Erzbischöfe und Bischöfe bei. Wien, 25. August. Der russische Botschafter in London, Staal, ist in Franzensbad eingetroffen. Salzburg, 25. August. Fürst Bismarck besuchte hier den Grafen Thun und reiste um la/< Uhr nach München und Regensburg weiter. Paris, 25. August. Dem Vernehmen nach wird Kriegsminister Boulanger in der Budet-Commission einen Credit von 3 Millionen verlangen, um für jedes Armeecorps vollständiges Material für Luftschifffahrt zu beschaffen. London, 25. August. Das Unterhaus setzte die Adreßdebatte fort und vertagte dieselbe bis morgen. Beyrut, 25. August. Das englische Mittelmeergeschwader unter Befehl des Herzogs von Edinburg ist gestern hier angekommen. UniverfitätS - Chronik. Marburg, 24. Auguu. Dr. Georg Wissowa, bisher Privatdocent für klassische Philologie in Breslau, ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität ernannt worden. — Durch einen wunderbaren Zufall ist in der Zahl der feierlich am 5. August in der Heiligengeist-Kirche in Heidelberg zu Ehrendoctoren der Rechte proklamirten Personen in allen Zeitungen vergessen, schreibt die „Heidelb. Ztg.": Johann Gustav ö. ßoeper, königl. preußischer Wirkl. Geh. Ober - Regierungs - Rath , Director des königl. Hausarchios zu Berlin, welcher als fachkundiger Herausgeber und geistvoller Ausleger unseres großen Dichterfürsten in weitesten Kreisen bekannt, zugleich als gründlicher Kenner der königlichen Hausverfassung und des deutschen Fürstenrechts, seit länger als einem Menschenalter in den wichtigsten Rechtssachen der bewährte Rathgeber des preußischen Königshauses gewesen ist." — Geh. Hofrath Dr. Wilhelm Hankel, Professor der Physik an der Universität Leipzig, feiert am 1. September das 50jährige Jubiläum seiner definitiven Anstellung als Oberlehrer an der höheren Realschule in Halle. — Der außerordentliche Professor der reinen technischen und analytischen Chemie an der technischen Hochschule in Graz, Dr. Richard Maly, ist zum ordentlichen Professor der Chemie an der Universität mit deutscher Vortragssprache in Prag ernannt. — Der Privatdocent und Adjunct der forstlichen Versuchsstation in Wien, Dr. Joseph Möller, ist zum ordentlichen Professor der Pharmakognosie in Innsbruck ernannt worden. Vermischtes Bingen, 24. August. Während eines heute Mittag eingetretenen Gewitters von selten dagewesener Heftigkeit schlug der Blitz sowohl in das hiesige Rathhaus als auch in die katholische Pfarrkirche, glücklicherweise ohne zu zünden. An beiden Gebäuden wurde nur das Dach ganz unerheblich beschädigt. — Der Schrecken und die Erregung der Bewohner der angrenzenden Häuser und Straßen sind leicht begreiflich. (Fr. Z.) Mainz, 22. August. sSubmissionswesen.j lieber die Anfrage der Großh Centralstelle in Darmstadt wegen Veranstaltung einer Enquete über die Lage des Kleingewerbes haben die hiesigen Jnnungsausschüsse eine Eingabe betreffs des Submissionswesens du Centralstelle übermittelt. Nachdem das heutige Submissionswesen als ein Hebel bezeichnet wird, welches wie ein Krebsschaden sich immer tiefer in das @eroerb§leben einfreffe, heißt es in der Eingabe weiter: „Die Submissionen ganz abzuschaffen, dem wollen wir unter keiner Bedingung das Wort reden, denn sie sollen ^quasi den Markt bilden, der allen zugängig ist, um ihre gewerblichen Erzeugnisse preis- werth aus- oder anzubieien, aber sie sollen nicht handwerklichen Jobbern oder Vabanaue- sprelern Gelegenheit geben können, das Feld allein einzunehmen und den ehrbaren Handwerksmann bei Seite zu setzen. Wir lassen nachstehend jene Grundsätze folgen, die bei Aufstellung von Submlssionen unter die allgemeinen Bedingungen aufzunehmen dringend nothwendig sind und welche sich als das Product jahrelanger Conirooersen und reicher Erfahrungen wohl durchdacht in allen Handwerkerkreisen, deren Resolutionen und Protokolle zugängig, herausgebildet haben. Offeranten, die allgemein als zahlungsunfähig bekannt sind, und solche, die innerhalb verflossener drei Jahre genötigt waren, ihre Zahlungen einzustellen, sind vom Zuschlag ausgeschlossen. Bei Einreichung von Offerten muß zugleich die angesetzte Kaution, die in keinem Falle hoher wie 5 pEt. des Lieferungsbetrags sein darf, eingezahlt, resp. deponirt werden. Dieselbe bleibt für die zwei nächstfolgenden Mindestbietenden, welche nach dem den Zuschlag erhaltenen Offeranten kommen, so lange der Arbeits- oder Lieserungsvergebung zur Verfügung, bis dieselbe die Ueberzeugung gewinnt, daß der den Zuschlag Erhaltene auch wirklich in Ausführung des ihm übertragenen Verdinggegenstandes ist. Tritt jedoch der den Zuschlag erhaltene Offerant vor Ausführung der Sache zurück, so verfällt die depo- nirte Kaution als Neugeld und der nächstfolgende Mindestfordernde tritt zur Ausführung heran. Der Mindestbietende ist unter allen Umständen vom Zuschlag ausgeschlossen. Die Ausfüllung der Preise im Einzelnen und nach dem angesetzten Massenverzeichniß hat durch den Offeranten selbst zu geschehen. Innungen, die sich als Körperschaft an Submissionsofferten betheiligen, sind als eine Vereinigung von Gewerbetreibenden mit gemeinschaftlichem Geschäftsbetrieb nach § 97a, Absatz 4, der Gewerbeordnung anzusehen. Im Uebrigen sollten sich die Bestimmungen über das Submissionsoerfahren dem diesbezüglichen Erlasse des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 17. Juni 1885 in seiner Tendenz außer vorgenannten Punkten streng anlehnen. Dieselben sind in allen Theilen acceptabel und nach folgenden extractiven Grundsätzen ausgearbeitet: 1) die Ausschreibung muß den Bewerbern einen vollen Einblick in den zu verdingenden Gegenstand gewähren; 2) die ermittelten Preisansätze dürfen in den Ausschreiben nicht enthalten fein; 3) umfangreiche Arbeiten müssen auch kleinen Gewerbtreibenden und Handwerkern zugängig gemacht werden; 4) die nöthigen Fristen zur Fertigstellung und Lieferung der zu verdingenden Gegenstände sind ausreichend zu bemessen; 5) die niedrigste Geldforderung als solche ist keineswegs vorzugsweise zu berücksichtigen; 6) die Verbindlichkeiten, welche den Submittenten auferlegt werden, dürfen dasjenige Maß nicht übersteigen, welches Privatpersonen in ähnlichen Fällen sich auszubedingen pflegen; 7) die Zahlungen sind auf's Aeußerstc zu beschleunigen und haben sich Abschlagszahlungen auf die ganze Höhe des jeweiligen verdienten Guthabens zu erstrecken; 8) die Kaution ist nicht höher als 5 pCt. zu bemessen; 9) eine Veröffentlichung der abgegebenen Gebote ist nicht gestattet; 10) die Abrechnungen haben schnellstens nach der Abnahme der Arbeiten oder Lieferungen zu erfolgen. Diese von uns angegebenen Punkte, wenn sie von allen ausschreibenden Behörden zur Geltung kommen, müssen sowohl die Offertnehmer, wie die Offeranten befriedigen und dem Submissionswesen seinen verderblichen Character nehmen." Frankfurt, 23. August. Die Constabler-Wache ist zum Verkauf ausgeboten. Die zu bebauende Fläche beträgt 1322 Quadratmeter, wovon 1092 Quadratmeter bebaut werden können, da 230 Quadratmeter für den Hof übrig bleiben müssen. Das jetzige Terrain erfährt nach Osten und Westen (Fahrgasse und Durchgang von der Zeil nach dem Baugraben) eine Einschränkung, dagegen erhalt es einen Zuwachs nach Süden, d. h. nach der Bornheimer Straße hin. Die Häuser Fahrgasse 121 und 123 werden niedergelegt. Als Kaufpreis werden 700,000 JL gefordert, geboten sind bis jetzt 610,000 JL Bei der Uebergabe sind 20pEt. des Kaufpreises baar anzuzahlen. Der Rest bleibt bei einer Verzinsung von 4pCt. mindestens drei Jahre als erste Hypothek stehen. Wenn ein Jahr nach der Uebergabe noch nicht mit der Herstellung von Gebäultchkeiten begonnen worden fein sollte, sind weitere lOpCt. des Kaufpreises zu zahlen. Lübeck, 23. August. Unweit des an der Secundärbahn Lübeck-Travemünde belegenen Dsrfe Serentz ereignete sich gestern Abend um 9 Uhr ein entsetzliches Brand- unglück, dessen Ursachen heute noch nicht bekannt waren. Um die genannte Zeit aing in dem isolirt belegenen, von dem Anbauer Stüv mit dessen Frau und 3 Kindern bewohnten sog. Ausbau ein Feuer auf, welches die früh zur Ruhe gehenden Bewohner anscheinend im Schlafe überrascht hat. Frau Stüv und die drei Kinder kamen in den Flammen um, während Stüv schwer verletzt an die nächste Bahnstation gebracht wurde. Auch 8 Haupt Rindvieh gingen mit zu Grunde. (F. Z.) Bern, 23. August, lieber das Eisenbahnunglück bei Düdingen entnehmen wir der „Z. P." noch einige Einzelheiten. Wenige Minuten, nachdem der Zug die Station Schmitten hinter sich hatte, singen die Wagen an zu rütteln und zu schütteln, sie wurden aus dem Geleise herausgehoben, schienen in den Boden sich eingraben zu wollen, wurden aber quer über die Bahnlinie und zum Theil an die Böschung geworfen. Die Passagiere erlebten schreckliche Momente. In dem einen Wagen ertönten die Worte: „Die Beine auf die Bänke", und Jung und Alt, Herren und Damen kamen dem Kommando unwillkürlich nach. Dann ein furchtbares Geraffel und der Zug stand still. Die Passagiere stiegen aus, soweit sie hierzu im Stande waren. Und da sahen sie, wie die zwei Gepäckwagen förmlich zermalmt waren. Der erste hatte sich augenscheinlich überschlagen und der zweite sich in ihn hineingebohrt. Vom Gepäck war das meiste gar nicht mehr erkennbar. Die eiserne Barriere war gebrochen, ebenso lagen, zum Theil auf weite Entfernung, Eisen- und Holzstücke herum. Elf weitere Wagen, lauter Personenwagen, waren entgleist und weil die nachfolgenden an den vorderen jeweilen ein Hinderniß in der Vorwärtsbewegung gefunden, standen sie in dm verschiedensten Richtungen auf dem Bahngeleise und an der Böschung- Das Ende des Zuges, sieben Wagen, der Postfourgon inbegriffen, hatte sich vom übrigen Theile des Zuges losgelöst und stand unbeschädigt auf den Schienen, ebenso die beiden Loco- motiven. Die eine brauste jedoch bald Düdingen und Freiburg zu, um dort den Vorfall zur Kenntniß zu bringen. Inwieweit Personen verletzt waren, ließ sich nicht sofort genau erkennen. Von verschiedenen Seiten her ertönte Hilfegeschrei. Daß die zwei Zugführer übel davongekommen, trat sofort zu Tage; dem einen war ein Bein förmlich abgeschnitten und auch der andere war verstümmelt. Die Barriörenwarterin lag blutüberströmt am Boden; sie hatte Wunden an der Brust und einen Fuß so verletzt, daß eine Amputation von vornherein sich als nothwendig zeigte. Ein Kindlein, das sie kurz vorher auf den Armen getragen, war vermuthlich durch den Luftdruck in einen nahen Acker geschleudert worden, nahm jedoch keinen nennenswerthen Schaden. Ebensowenig ein Conducteur, der, er weiß nicht, wie es gekommen war, plötzlich hinter einer Hecke am Boden lag. Alle aber priesen sich glücklich, daß das Unglück nicht einige hundert Meter vorher, wo die Wagen in die Tiefe hätten kollern müssen, erfolgt war und ebenso, daß auch der zweite Wagen hinter der Locomotive ein Packwagen gewesen. Verletzt wurden schwer: 2 Zugführer, eine Barriörmwärterin, 1 Passagier; leicht: etwa 12 Personen. Paris, 18. August. Vor den Geschworenen des Lot-Departements stand dieser Tage ein vierzehnjähriger Schäfer unter der Anklage des versuchten Vatermords. Der Junge hatte sich ohne die Erlaubniß seiner Eltern bei Bauersleuten verdungen und wurde von dem Vater etwas unsanft heimgeholt. Er schien sich übrigens in diese Maßregel, zu finden und versprach sogar, seinen Eltern nicht mehr den Kummer an- zuthun, sie ohne ihr Vorwiffen zu verlassen; allein er brütete heimlich Rache und überfiel mitten in der Nacht seinen Vater im Schlafe. Nur die Zipfelmütze des Mannes diente ihm als Anhaltspunkt für den Hieb, den er mit einer kleinen Axt führte. Statt den Hals zu treffen, wie dies seine Absicht gewesen war, zerichmetterte er dem Schlafenden die Kinnlade und sprang bann, heulend und schreiend: „Diebe! Mörder! Wir sind bestohlen. Wir werden nichts mehr zu essen haben!" zum Fenster hinaus. Tie Nachbarn liefern herbei, der Taugenichts betrat mit ihnen die Kammer, wo er den Mordversuch begangen hatte, aber hier erhob sich der Alte ungeachtet der zerschlagenen Zähne und des aus dem Munde strömenden Bluts und sperrte ihn selbst in eine Tenne ein, bis die Gensdarmm kamen. Vor Gericht gab Jean Lapeyriere zu, daß er allerdings seinem Vater hätte den Garaus machen wollen, verwahrte sich aber dagegen, als ob es seine Absicht gewesen wäre, demselben Schmerzen zu verursachen. Ter Junge war wegen seines störrischen Charakters und wegen seiner Grausamkeit gegen Thiere verrufen. Die Geschworenen erkannten, daß er mit Vorbedacht gehandelt hatte und wurde er zu 20jähriger Einsperrung verurtheilt. — (Stürme in Texas.j Nach einer Depesche aus Galveston haben daselbst verheerende Stürme gewüthet. Der ganze südliche und südöstliche Stadttheil ist über- .schwemmt. Man fürchtet für die Sicherheit der an den exponirten Punkten wohnenden Familien. Der Ort Haric in Sinora ist vollkommen von den Fluthen hinweggeschwemmt worden und blieb nicht ein Haus stehen. Die Stadt hatte 700 Einwohner. ist noch nicht bekannt, wie viele Menschenleben verloren gegangen sind und wie hoch sich der Verlust an zerstörtem Eigenthum beläuft. — [23ranbunglü(f.] Von zwei verheerenden Bränden an einem Tage ist das 4m Sauerlande gelegene westfälische Grenzstäbtchcn Brilon abermals heimgesucht worden, nachdem cs im Laufe dieses Jahres bereits vier- oder fünfmal von schweren Brand- ■fä'üen betroffen wurde. Bet den beiden letzten im Frühjahr ausgebrochenen Bränden wurden jedesmal 15 bis 16 Gebäude eingeäschert. Wie in den früheren Fällen so enfftand auch diesmal auf unerklärliche Weise Feuer in einem Hause in der Nähe der evangelischen Kirche, wo leider größtentheils noch mit Stroh gedeckte Häuser stehen. Durch diesen Umstand und den herrschenden Wind griff das entfesselte Element mit rasender Schnelligkeit um sich und die Feuerwehren vermochten nur wenig zu thun. Erst nachdem 14 Häuser mit Nebengebäuden abgebrannt waren, gelang es, das Feuer .einzudämmen. Alles athmete erleichtert auf, man glaubte die Gefahr für diesmal beseitigt und gebannt, als plötzlich in der Nacht um 3 Uhr zum größte» Entsetzen der Bürger abermals Feuer in jener Gegend ausbrach und allen Löschungsoersuchen rum Trotz noch weitere 8 Häuser und Stallungen abbrannten. Der Schaden ist be- oeutend und die Noth sehr groß, denn fast keiner der Abgebrannten, die in dürftigen Verhältnissen leben, hat versichert. Sie stehen am Grabe ihrer Habe. Man vermuthet, daß hier Brandstiftung vorliegt. — sZoll auf „Bleameln".j Vor kurzer Zeit kam eine Bauersfrau aus Bayern nach Salzburg, um sich künstliche Blumen primitivster Art — bunte Seidenpapierblätter mit Draht zusammengebunden — zur Decorirung ihres Haushaltes zu kaufen. Als sie nun zum Zweck der Heimfahrt den Bahnhofsperron in Salzburg betrat, wurde sie vom Conducteur auf die Zollpflicht aufmerksam gemacht und sie begab sich in das Zollbureau, wo ihr der Zollbeamte, nachdem er die Blumen besichtigt, die Schachtel gewogen und in seinen Tarif geschaut, erklärte: „Das macht 14 Mark 70 Pfg. Zoll." Die Bäuerin, ganz verdutzt, erwiedert: „Ja, die ganzen Bleameln hab'n grab 1 Gulben 20 Kreuzer kost', da laß ich doch glei lieber die ganz' Schachtel da." Sprach's, verlieb mit Zurücklassung der Schachtel das Local und fuhr ohne Bleameln mach Hause. — Ein bischen Alexander steckt in jedem Berliner. Können sie auch noch keine Staats-Eisenbahn um den Aequator ziehen, so berechnen sie einstweilen, was die Berliner Trambahnen allein fertig brächten, wenn die sämmtlichen Wagen sammt Pferden über den Aequator vertheilt wären. Wie weit fährt täglich die Berliner Pferdebahn? Die Frage wurde neulich, wie die „Kreuz-Ztg." zu berichten weiß, auf einem Pferdebahnwagen-Perron aufgeworfen. Die Antwort: „Einmal um die Erde und noch tausend Meilen weiter," erregte allgemeinen Unglauben, der sich aber in Staunen verwandelte, als man den Beweis vernahm: Allein die „Große Berliner Pferdebahn-Gesellschaft" habe rund 450 Wagen in Betrieb; das mache auf die etwa 30 jetzt im Betrieb stehenden Linien dieser Gesellschaft durchschnittlich je 15 Wagen. Jeder Wagen durchfahre bei jeder Tour durchschnittlich 3/4 Meilen, das ergebe bei etwa sechszehnstündiger Fahrbauer und zwanzig täglichen Touren für jeden Wagen eine zurückgelegte Strecke von täglich rund 15 Meilen. Es sollen aber nur 14 Meilen sein 14 >< 450 „== 6100 Meilen, welche die Wagen der „Großen Berliner Pferdebahn^ ungefähr täglich zurücklegen. Der Aequator mißt nur 5400 geogr. Meilen. Folglich werden die Berliner Pferdebahnwagen täglich eine den Erdumfang bei Weitem über- fteigenbe Strecke zurücklegen. Haube! rurb Verkehr. — Es kursiven zur Zeit folgende falsche Münzsorten: Falsche 2O-Markstücke. Dieselben tragen die Jahreszahl 1879 und das Münzzeichen D. Sie fühlen sich fettig an und sind schlecht gerändert. Auf dem Avers im Kopfe des Reichsadlers ist ein Sprung ausgeprägt. Falsche lO-Markstücke. Dieselben bestehen aus einer Legirung von Silber und Kupfer und sind auf galvanischem Wege vergoldet. Sie sind so täuschend nachgemacht , daß nur der dünnere Klang und das leichtere Gewicht die Fälschung erkennen lassen. Falsche goldene 5-Markstücke. Dieselben tragen badisches Gepräge mit. der Jahreszahl 1878. Die Masse ist so weich, daß sich in derselben leicht Nägeleindrücke machen lassen. Falsche 2-Markstücke sind in letzter Zeit angehalten worden. Dieselben tragen theils das Bildniß des Königs von Sackten mit der Jahreszahl 1876, theils das Hamburger Wappen, die Jahreszahl 1876 und das Münz- zeicken I. Falscke 2O-Pfennigstücke: 1. Aus Neusilber, Münzzeichen A, Jahreszahl 1874; 2. Jahreszahl 1876, Münzzeichen A, die Prägung ist gut, der Rand schlecht; 3. aus Messing, etwas größer als die echten Stücke, galvanisch versilbert, nach kurzem Gebrauche aber gelb werdend. Die Prägung der Schriftseite ist scharf, der Adler jedoch unklar, Jahreszahl 1875, Münzzeichen A. Falsche 10-Pfennigstücke sind ebenfalls an- gehalten worden. Limburg, 25. August. Rother Weizen, JL. 1470, weißer Weizen JL 00.00, Korn X 10 20, Gerste JL 0.00, Hafer Ju 6.50, Kartoffeln ä 100 Pfund 0.00, Erbsen ä 100 Pfund 00.00. Frankfurt, 25. August. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter JL 4.00—5.00, Eier das Hundert 5 00—5.50, Butter per Pfund JL 0.90 bis 1.05, Weißkraut per Stück 16—20 H, Rothkraut per Stück 20—30 H, Kohlrabi per Stück 3—4 Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 Kalbfleisch 40—60 H, Schweinefleisch 65—70 H, Hammelfleisch 50—70 H, 1 Hahn JL 0.70-1.80, 1 Huhn X 1.00—2.50, 1 Ente Jü 2.00—3.00, 1 Gans JL 3.00—7.00 1 Taube 40—70 H, Welsche JL 0.00—00.00. Temperatur der Lahn. Am 26. August, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17°, Lust 21« R. im Schatter. L. Ehr. Rubsamen. Freitag den 3. September, Vormittags 10 Uhr, findet auf dem Hofe der Zeughaus» Kaserne der Verkauf von alten aus- rangirten Utensilien, altem Eifen ic. -gegen Meistgebot und Baarzahlung statt, wozu Kaufliebhaber eingeladen Werden. 6065 Gießen, den 26. August 1886. Großh. Garnissn-Verwaltung. Grummetgras- Verfteigerungeu -er Fürstlich Solmsischrn Rentei Lich. Das Grummetgras von den Fürstlichen Wiesen rc. wird versteigert: Freitag den 3. September, Vormittags präcis 8 Uhr, von den Wiesen in der Gemarkung Lich, oberhalb der Stadt, zusammen 115 Morgen- Zusammenkunft an der Saubrücke, nächst der Peinmühle. An demselben Tage, Nachmittags präcis 1 Uhr, von den Wiesen unterhalb der Stadt Lich, sowie Thurm und Bleichgarten und von der großen Teichwiese, Gemarkung Hof Albach zunächst der Staatsstraße Lich- Gießen, zusammen ca. 20 Morgen. Zusammenkunft im Schloßgarten an der Eisenbahnbrücke. Montag den 8. September, Vormittags präcis 8 Uhr, von den Fürstlichen Wiesen in den Gemarkungen Mühlsachsen, Ober- und Niederbesstngen, im Ganzen 130 Morgen. Zusammenkunft in Mühlsachsen. Dienstag den 7. September, Vormittags präcis 9 Uhr, von der Fürstlichen Mönch- und Strauchwaldwiese, GemarkungBurkhardsselden, zusammen 70 Morgen. Zusammenkunft in der Mönchwiese. Die Ausgebote geschehen in Abtheilungen von 1 bis 2 Morgen. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis Martini b- I. gestattet. Lich, am 23. August 1886. Fürstlich Solmsische Nentei. Kreiling. 6013 Zu jeder Tageszeit wird verabreicht: Warmer Sauerbraten ä Portion 20 H, warme Mschwurfl S Pfund 40 x warme Rnobtauchs- würstchen, ä Stück 10 H. M. Kessler, Pferdemetzger, 5922 Neuenweg 33. Allgemeiner Anzeiger. Ausverkauf zurückgejetzter MidMofle, per Meter von 30 Pfennig an, bei 4674 Seltersweg 9. Garantie f« ndrakeit und blau & weiss 6 ar Feit, Säurebest giftfreier Emaille Für Ausstattungen empfehle ich 1 Parthie Dawen-Hemden mit Spitze per Stck. JL 1-40, 1 Parthie Damerr-Jacken mit Stickerei „ „ „ 1.20, 12/4 Betttuch Leinen per Meter «/& 1.30, Halb-Leinen und feine Cretonnes für Kiffen per Meter von 40 und 50 H, Hausmacher Tischtücher und