zu in. WwwEr SchvlPreH- 7. damit wir Wochen - lleberfkcht. OlLtt^ und Feiertagen, tuet Pfg.; für auswärtige erfolgt, den Anzeiger »ort ler, ?9. y»24 Der Reichskanzler Fürst Bismarck hat stch am Mittwoch von Berlm aus einige Tage nach Varzin zurückbegeben; wahrscheinlich erfolgt als- dann von Varzin aus die Abreise des Fürsten nach Kissingen. Der preußische Culturminister, Herr d. Goßler, ist in Be- Leitung der Geh. Regierung-- und Ministerialräthe Dr. Schneider, Dr. Kügler, Wätzholdt und des Bromberger Regierungs-Präsidenten, v. Tiedemann, "am Dienstag in Posen eingctroffen. Es handelt stch um Conserenzen mit dem Obsrpräsidenten b. Günther und dem Viceprästdenten 0. Sommerfeld, zu denen auch eine Anzahl RegierungS- und SchulrLthe, sowie Landräthe und Kreisschul- Znspectoren hinzugezogen worden sind, behuss Ausführung der neuesten Schul- Gesetze für die Provinz Posen. Die bayerische Regentschafts-Frage hat durch die Zustimmung der Reichsrathskammer zur Einsetzung der Regentschaft für die Kammer der Reichsräthe ihre vorläufige Erledigung gefunden Die geheime Commission der bayerischen Abgeordnetenkammer nahm am Mittwoch Abend den Antrag auf Genehmigung der I n* Einladung Mw Abonnement auf den Gießener Anzeiger, jt Amendrvlk eisen rgt mit und ohne :antie bei billigster 42fr zuter Lchul- ner junger 1 einer htt- zabrik als ud)L Offerten zu r, 4463 an fbodß efl , dem. KreM)‘ iotographi?^ Grösse 6 ,r Witter^- ■ S, de> Eintritt der wärmeren Jahreszeit pflegen sich auch immer wieder allerhand sensationelle Gerüchte auf dem Gebiete der hohen Politik cin- zustellen, welche die öffentliche Aufmerksamkeit eine Zeit lang in Anspruch nehmen ES*®1" *bC n ?^mirenden Meldungen Platz zu machen. Diesmal ist der Reigen durch allerlei wunderbare Mittheilungen über das Drei-Kaiser-Bündniß und speciell über die Stellung Rußlands in demselben eröffnet worden und konnte man Merkwürdiges über die Lockerung des Drei-Kaiser-Bündnisses, über Iiesgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Czaren und seinem Minister des Auswärtigen, Herrn v. Giers u. s w., hören. Das Gemachte, Künstlich- derartiger Gerüchts liegt indessen für jeden Unbefangenen auf der Hand und ™r‘:b daher gut thun, ihnen weiter keinen Werth beizulegen und sie einfach als „Versuchs-Ballons zu betrachten, wie solche von irgendwelchen politischen Speculamen von Zeit zu Zeit losgelassen werden. In dieselbe Kategorie qe- hören auch die Meldungen Pariser Blätter, wonach sich die Pforte durch die russischen Truppen-Concentrationen in Bessarabien beunruhigt fühlen und beab- sichtigen sollte, ihre Streitkräfte an der armenischen Grenze zu verstärken da man in Konstantinopel befürchte, Rußland werde im Kriegsfälle seine Haupt- stmtmacht nach Kleinasien werfen. Da« osficiöse „Journal de St. Pötersb? dementirt denn auch diese Meldungen unter Hinweis auf die guten russisch- türkischen Beziehungen und ebenso widerspricht das Blatt der oleichfalls aus franM cher Quelle stammenden Behauptung, Rußland hätte in Konstantinopel eine Beschleunigung in der Beurlaubung der türkischen Truppen verlangt P 3n Frankreich stehen alle politischen Kreise unter dem Eindrücke der nunmehr perfect gewordenen Ausweisungsmaßregeln gegen die Prinzen. Der Senat, rn dessen Hand es lag, die betreffende Vorlage zu Fall zu bringen machte allerdings anfänglich Miene, als ob er sich hierzu entschließen wolle, der energischen Beredtsamkeit des Ministerpräsidenten Freycinet qelanq es schließlich, auch im Senate die Annahme des Prinzen - Ausweisunqs- gesetzes herbeizufuhren, was mit der immerhin ansehnlichen Mehrheit von 64 Stimmen geschah. Die von der; Ausweisung zunächst betroffenen Punzen, der Gras von Paris und sein ältester Sohn, der Herzog von Orleans, und Prinz Jerome Napoleon nebst seinem ältesten Sohne, Prinz Victor, haben es nicht erst auf das Aeußerste ankommen lassen, sondern sind bereits nach dem Auslande abgereist, die beiden Ersteren nach England Prinr Jerome Napoleon nach Genf, Prinz Victor nach Brüssel, wozu es auch hohe war, da schon am Mittwoch das neue Gesetz vom „Journal officiell" veröffentlicht wurde. Außergewöhnliche Kundgebungen vollzogen sich bei der Abreife der Prinzen von Paris nicht, nur hatten sich in deren Wohnungen und auf den Bahnhöfen eine größere Anzahl ihrer Anhänger zur Verabschiedung emgefunden. — Die Wochen und Monate hindurch Frankreich in Aufregung haltende Prinzenausweisungsfrage ist somit äußerlich zum Abschluß gelangt; welche Folgen die Verbannung der Prätendenten vielleicht für die internationalen Beziehungen Frankreichs, wie auch für die monarchistische Agitation in diesem Lande selbst haben wird, muß einstweilen abgewartet werden.. - Wie dem „Journal des Debats" aus Wien gemeldet wird bat der dortige französische Botschafter, Graf Foucher du Careil, seine Entlassung. QT , m f p Gieße», 26. Juni. m c .Au« Bad Ems laufen fortgesetzt dis erfreulichsten Berichte über das . Wilhelms ein. Auf die anfängliche Trinkkur im Zimmer ist W dieselbe am Brunnen selbst, zunächst am Keffelbrunnen, gefolgt und unter- §?iser täglich Promenaden, trotz der vorwiegend noch immer veränderlichen Witterung. Am Mittwoch stattete die Kaiserin, von Koblenz, ihrem gegenwärtigen Aufenthaltsorte, kommend, ihrem hohen Gemahle einen Besuch ab. Der Bundesrath, der Reichstag und das preußische Abae^ ordnetenhaus haben in dieser Woche ihre Thätigkeit wieder ausgenommen, Doch wird diese parlamentarische Nachsession voraussichtlich nur von kurzer Dauer se n. Im preußischen Abgeordnetmhause führte die von der Regierung neu eingebrachteNothstands-Vorlage, welche 740,000 c//Z zur Beseitigung der durch die Frühjahrs-Ueberschwemmungen im unteren Weichstlgebiele herbeiae- fuhrten Schäden fordert, am Dienstag und Mittwoch zu längeren Debatten, die m letztgenannter Sitzung schließlich die unveränderte Annahme der Vorlage zur Mge hatten; außerdem beschäftigte sich das Hous nur mit Vorlagen mehr provinzieller Bedeutung. Im weiteren Fortgänge der Mittwochssttzung ergab sich der Berathung einiger Petitionen die Beschlußunfähigkeit des Hauses, in rZ-olge c, essen d:e Sitzung abgebrochen werden mußte. Es gelangte somit auch der auf der weiteren Tagesordnung stehende Antrag Hammerstein, betr. Gewährung größerer Selbstständigkeit an die evangelische Kirche, nicht mehr zur -Erledigung; der Antrag hat überhaupt das Mißgeschick gehabt, immer an die letzte Stelle der Tagesordnung gesetzt zu werden, so daß er nie erledigt wurde, W darf man ihn wohl als definitiv begraben betrachten. Am Donnerstag hielt das Abgeordnetenhaus wegen des katholischen Feiertages (Frohnleichnams- fed) ferne Sitzung ab. — Im Reichstage ist die parlamentarische Nachsession am Dienstag zunächst mit einer Sitzung der Branntweinsteuer-Commission wie- der ausgenommen worden; in Folge des mehrfachen Widerspruches, welcher die Feststellung des Berichtes erfuhr, mußte dieselbe aber auf Freitag vertagt wer- oen, an welchem Tage bekanntlich auch das Plenum des Reichstages wieder zusammengetreten ist. Die Tagesordnung: Petitionen — Literar-Convention mit England — Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen an der Berliner Universität — dürste wohl schwerlich zu besonderen Debatten geführt -haben. — Was endlich den Bundesrath ar.belangt, so sind aus dessen Beschlüssen aus der Mittwochssitzung die Genehmigung des Antrages Sachsens, betr.' Ver- längerung des über Leipzig verhängten Belagerungszustandes auf ein weiteres Jahr, sowie bie Vermessung der Vorlage über die allgemeine deutsche Jndustrie- und Gewerbe-Ausstellung in Berlin im Jahre 1888 an die zuständigen Aus- Müsse hervorzuheben. Regentschaft einstimmig an. Vorher hatte eine eingehende Verlesung des ge- sammten Actenmaterials, sowie die Anhörung der Experten der Jrrenärrte' Grashey, Hubrich, Müller und des Ober-Medicinalraths Kerschensteiner statkqe- funden; eine Discussion knüpfte sich hieran nicht. An diesem Samstag folgt die öffentliche Plenarsitzung, bei welcher die Abgg. Bonn und Schauß den Be- ruht erstatteten. Die Verwüstungen, welche durch das Austreten des Bober des Zacken u. . w. in der Gegend von Hirschberg in Schlesien angerichtet worden sind erweisen sich leider als sehr bedeutend; in vielen Gemarkungen haben di- Fluthm bie Ernte gänzlich vernichtet. Zmts- unö ÄiMgeüsall für hen Kreis gießen. . « ,®ec "^Eeßerier Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn, Ä.r Beilage „Gießener Faunlrenblatter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beiqeleqt werden? Der Abonnementspreis für den Anzeiger, frei in's Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, 2 Mark ercl. Postgebühr. , . ^therigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung «uch tm III. Quartal 1886 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen 9 »«KV at* - - ***** ,.„w„ ' «vre ^xpeortzon. ^^eigen. J’* ÜlotcrM. SÄ-Ht. 6i„. ^ftaurateur ”et '^mitten bff ■ibgen Bedingung^ u verpackten. H •eb. d. 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Zu haben ä 60 u 30 H pr. Vi u. V2 Pfund engl. in Giessen bei: Ferde ®rd>e», Frledr Carl Schwaab, 4004 eirigereicht und da derselbe als eifriger Orleanist bekannt ist, wird man seine [ Demission ohne Zweifel mit den Maßregeln gegen die Prinzen zusammenzubringen haben. Schließlich besagt noch eine Pariser Meldung, daß der Wohnsitz des Grafen von Paris in England künftig Tunbridge - Wells sein werde. Monsignor Renier, von Geburt ein Venetianer und Abkömmling eines Dogen von Venedig, päpstlicher Hausprälat und berühmter Schriftsteller, sowie Kanzelredner, 60 Jahre alt, hat, der „Köln. Ztg." zufolge, den römisch- katholischen Glauben öffentlich vor dem Pfarrer der Amerikanischen Set. Paulskirche, Mr. Verin, abgeschworen, sich der italienisch-katholischen Kirche in Rom angeschlossen und sich unter den Schutz des anglikanischen Episcopats gestellt. Der am Freitag erfolgte Schluß der Parlamentssession in England räumt auch die letzte Schranke weg, die der vollsten Entfaltung der dortigen Wahlagitation vielleicht noch entgegenstand. Mit deren Verlauf kann bis jetzt Mr. Gladstone am meisten zufrieden sein, denn seine nun beendigte Wahlreife durch Schottland gestaltete sich für den greisen Premier zu einem wahren Triumphzuge und der liberale Widerpart Gladstone's, Lord Hartington, welcher am Freitag gleichfalls eine Wahlreise nach Schottland angetreten hat, wird daher keinen leichten Stand haben. Empfindlich ist es aber trotzdem für Gladstone, daß sich wegen der irischen Frage noch immer langjährige Mitglieder der liberalen Partei von ihm lossagen, wie dies erst jüngst der Abgeordnete Caine gethan hat. Verwischtes. Coblenz, 18. Juni. (Die Kanonenboote „Rhein" und „Mosel" gestohlen.^ Die „Cobl. Ztg." veröffentlicht folgenden Steckbrief: Steckbrief: Gegen den unten beschriebenen Kaufmann Adolf Tilger, geboren zu Frechen bei Köln, früher in Coblenz und zuletzt zu Köln wohnhaft, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls zweier Rhein-Kanonenboote, genannt „Rhein" und „Mosel", verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Arresthaus zu Coblenz abzuliefern. Coblenz, den 13. Juni 1886. Königliche Staatsanwaltschaft. Beschreibung: Alter 40 Jahr§. Größe 1,54 Meter. Statur untersetzt, ziemlich corpulent. Haare dunkelblond, etwas meint, kurz geschnitten. Stirn hoch. Bart: dunkelblonder, nicht großer Schnurrbart und kleiner Mücke (Kinnbart). Augen braun. Nase gewöhnlich. Mund gewöhnlich. Kinn und Gesicht rund. Gesichtsfarbe gesund. Besondere Kennzeichen: unbekannt. Diese Nachricht ist geeignet, Ben Akiba's Spruch, daß schon alles dagewesen, zu Schanden zu machen. Kaufmann T. hatte die Boote, wie die „Cobl. Ztg." nachträglich meldet, im Auftrage einer Kölner Firma von der Regierung gekauft und dafür eine Provision bezogen, nunmehr aber die Boote nach Holland verkauft. Als die Firma durch die Zeitungsnachrichten aufmerksam wurde und die Staatsanwaltschaft benachrichtigte, waren die Boote bereits über die Grenze. Die Kanonenboote waren ursprünglich zum Schutze der Rheinhauser Brücke bestimmt und haben auch längere Zeit im Rheine bei Hochfeld gelegen. Später wurden sie nach Coblenz gebracht. — Ueber die Gugelmänner, welche beim Leichenbegängniß des Königs in München so viel Aussehen erregten, wird dem „Münchener Fremdenblatt" geschrieben: „So oft ein Mitglied des königlichen Hauses an seine letzte Ruhestätte gebracht wird, schreibt das gewöhnlich von dem Ober-Ceremonienmeisterstab ausgegebene Programm vor, daß hinter dem Erzbischof und vor dem Leichenwagen „vierundzwanzig Männer in der Gugel mit dem königl. Wappen und doppelt brennenden weißen Kerzen", ein sünfundzwanzigster aber mit dem Bildnisse des h. Georg gehe. Eine Gugel trugen bereits die alten Römer, welche an der paenula — einen mit einem Schlitzloch versehenen Mantel — angebracht war. Von den egyptischen Mönchen, welche sie getrennt als ein über Kopf und Schulter reichendes Tuch trugen, ging die Gugel in die Kapuze bei unseren Mönchsorden über und machte die verschiedensten Formen durch. Schon Karl der Große schreibt vor, daß Niemand eine Gugel trage, denn es sei ein Mönch oder kalte Witterung. Im „Parsifal" kommt die Gugel als ein Stück Thorenkleidung vor. Im 14. Jahrhundert gehörte die Gugel zur Frauenkleidung; später wurde sie von Hofnarren getragen, welche sie mit Zacken, Eselsohren, einem Hahnenkamm u. s. w. versahen. Später blieb die Gugel nur noch bei Processionen, Bitt- und Bußgängen im Gebrauche. In Constanz begleiteten Gugelmänner die Leichenzüge mit schwarzen Pechfackeln. Westenrieder erwähnt in seiner „Beschreibung von München" über die hiesigen Sitten bei einem Leichenbegängnisse: „Wer ein Wappen führt, dem hängt man sie um den Sarg und die Hauptkläger gehen in Gugel, das ist in einem langen schweren Mantel und solcher Kapuze über den Kopf." In der Gugel zu gehen und die hohe Leiche in die Gruft hinabzutragen, war in München ein Recht der „Trocken-Lader". Allgemeine Ingenieur Ed. Hauck’s undurchdringliche, wetterfeste und wafferdichte Anstrich-Farbe bietet Schutz von Holz, Metall, Stein u. Cement gegen die Ein- flüffe von Feuchtigkeit, schädlichen Niederschlägen, heißen Dämpfen, Säuren u. chemischen Agentien auf eine Reihe von Jahren. Die Farbe wird fertig zum Anstrich geliefert und ist nicht theurer als andere gute Oelfarbe. 4616 Prospekte und Zeugnisse von Firmen ersten Ranges gratis. D6M bei jFr< Seibel, Giessen. — Ueber die boshaften Streiche einer den besseren Ständen angehörendeiL jungen Dame in Hamburg wird der „Köln. Ztg." gemeldet: Den Beweggrund zu dem , boshaften Treiben bildete die — Eifersucht. Ein junger studirter Mann, welcher in der Familie der 23jährigen Dame verkehrte, wurde von derselben besonders ausgezeichnet, ohne daß er die Huldigungen, welche ihm entgegengebracht wurden, erwiderte, vielmehr schenkte er seine Zuneigung einer jungen Freundin der B. — so heißt das wegen ihrer Bosheit in Haft genommene Fräulein. In der letzteren reifte nun der Entschluß, die ihr vorgezogene Freundin moralisch zu vernichten, um dadurch den von ihr angebeteten Herrn zu bestimmen, sich von der Freundin ab- und ihr zuzuwenden. Es blieb nicht bei der Anstiftung der Teufeleien und mehr als schlechten Späße, bie in der Zustellung von Todtenkränzen, gefälschten Einladungsschreiben und Absagebriefen bestanden, das boshafte Weib erdichtete sogar schamlose Verdächtigungen, welche Ehegatten anonym zugestellt wurden und welche stellenweise geradezu eine Vernichtung des häuslichen Glückes und Friedens bewirkt haben sollen. Alle die Dinge waren indeß nur Vorbereitungen von langer Hand. Den unmittelbaren und Hauptschlag gegen ihre Nebenbuhlerin führte die Verworfene dadurch, daß sie verdächtigende Briefe an sich selbst schrieb, diese ihrem Vater mit dem Verlangen vorzeigte, nach dem geheimniß- vollen schändlichen Verfasser zu fahnden und dabei den Verdachr gegen ihre Freundin durchblicken ließ. Die Folge davon war, daß der Vater den Muthmaßungen seiner Tochter schließlich Glauben schenkte und im Hinblick auf das zur Plage gewordene- Unwesen, welches die geheime Briefschreiberei u. s. w. in der ganzen nächsten Umgebung anrichtete, Anlaß nahm, die Aufmerksamkeit der Behörden auf die besagte Freundin seiner Tochter zu lenken. Die Letztere, ein 21jähriges Mädchen, wurde denn auch zur Vernehmung vor die Staatsanwaltschaft geladen und hatte eine Reihe von Verhören zu bestehen, in denen ihr die schamlosen verleumderischen Briefe vorgelegt wurden. Es fanden Schriftoergleichungen statt, welche zu dem Ergebnisse führten,, daß mehrfache — es wird behauptet, vier verschiedene — Gutachten übereinstimmend die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit bekundeten, die Verdächtigte sei in der Thal die ihre Handschrift verstellt habende Schreiberin der Schmähbriefe. Der vernehmende Staatsanwalt sah indeß schärfer, trotz der Urtheile der Sachverständigen vermochte er an eine Schuld der Verdächtigten nicht zu glauben, so daß dieselbe schließlich unbehelligt blieb. Scheinbar wurden weitere Nachforschungen eingestellt, bis vor einigen Tagen die Polizeibehörde die Gelegenheit wahrnahm, in einen Leseclub einzudringen, an welchem die Angeberin und Beschuldigerin ihrer Freundin Theil nahm. Es wurden hierbei Bücher beschlagnahmst in welchen einzelne Briefe der Dame lagen, die sie an sich selbst gerichtet. Der Umstand, daß diese Briefe mit den Schriftzügen anderer von ihr geschriebenen große Aehnlichkeit besaßen, führte dazu, daß Fräulein B. von der Staatsanwaltschaft in ein scharfes Kreuzverhör genommen wurde, bei welchem sie sich in solche Widersprüche verwickelte, daß genügende Gründe vorhanden waren, dieselbe in Untersuchungshaft abzuführen, worin sie sich zur Zeit noch befindet und auch bis- zur Eröffnung des Hauptverfahrens verbleiben dürfte. Dies die Sachlage des teuflischen, aus Eifersucht geborenen Planes zur moralischen Vernichtung eines reinen, unschuldigen Lebens. Das Hauptoerfahren wird voraussichtlich wegen der vielen, als- 1 Beweismaterial dienenden schamlosen, verleumderischen Briefe unter Ausschluß ber . Oeffeutlichkeit stattfinden. Literarisches. — Das vierte bis sechste Heft der Zeitschrift „Friedrich Norrnemarm'S Was Ihr wollt!* enthält eine Fülle des Lesenswerten und Interessanten, so z. B. einen höchst inftructioen, eingehenden Artikel über die königliche Akademie der Künste in Berlin und ihre diesjährige Jubiläums-Kunst-Ausstellung, einen Artikel, der der hohen Bedeutung der letzteren in vollem Maße gerecht wird; ferner verschiedene reizvolle Novellen und Novelleten, wie die von A. Scholz „Aus dem Herzensleben eines Krüppels", bie jjon F. Meister „Vor Anker" und „Drei Küsse" von L-teinbeck, sodann zahlreiche Aufsätze über das Gebiet des socialen Lebens, über naturwissenschaftliche Stoffe 2C. und allerlei Curiosa, Skizzen und Plaudereien. Das hochinteressante Thema „Mormonenleben", das in vielen Punkten für den Europäer noch immer dunkel ist,, behandelt in einer längeren Erzählung der mit den amerikanischen Verhältnissen in hohem Grade vertraute Schriftsteller Max Lortzing; es war dieser in der Lage, das Tagebuch einer Dame zu verwerten, welche viele Jahre durch die verbrecherischen Ränke der Mormonenführer das höchste Leid an sich und ihren Familiengliedern zu erdulden hatte. Als Beispiel der Reichhaltigkeit fügen wir hier das Jnhaltsverzeichnitz des vierten Heftes bei: Im Hause des Todes. Novelle von Friedrich Berner. (Schluß.) Etwas vom Nigger. Von Ernst Otto Hopp. Aus dem Leben der Pflanze. Von R. A. Körnig. Kindermund. Werther's Leiden in Sexta. Eine Berliner Geschichte von Ernst von Wolzogen. Russische Characterköpfe. Anekdoten und Skizzen, nach russischen Quellen, gesammelt von A. Scholz. Ein Deutscher in Amerika. Nach, einer wahren Begebenheit erzählt von R. Jmman. Nöthen einer Schülerverbindung. Skizze aus dem Gymnasialleben. Von H. Berg. Kohlensaures. Von G. van Muydem Die lahme Taube. Fabel von August Scholz. Komische Inserate. Die „Schwaben". Eine südungarische Plauderei. Aus der Werkstätte der Natur. Von Ottomar Beta. Allerlei Humor. Naturfsrschung ohne alle Apparate. Von Ottomar Beta. Im Cabinet des ersten Napoleon. Ein Fechter in zwei Welten. Von Max Lortzing. Marie. Erzählung aus dem Schauspielerleben von Wilhelm Grothe. Sociale Plaudereien. — Somit beweisen auch diese Hefte wieder, daß das, was „Friedrich Nonnemann's Was Ihr wollt!" in einer würdig-einfachen Ausstattung bietet, bei dem j geringen Abonnementspreis (1 <Ä vierteljährlich) gediegen und außerordentlich reichhaltig ist. 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Juni er., Vormittags 11 Uhr, werden im Wege der Zwangsvollstreckung 1- Ein Faß Rüdesheimer Wein, 312 Liter, 2. Zwei Fässer Moselwein, 605 u. 614 Liter, 3. Ein Clavier, Bekanntmachung. Betreffend: Die Vergebung der Zinsen des Vermächtnisses des Christian Gerhard Hast für das Jahr 1886. Anmeldungen wegen Berücksichtigung bei Vergebung der oben bezeichneten Bureau ^ungeschehen"'" 30‘ L einschließlich auf dem Bürgermeisterei- Gießen. den 21. Juni 1886. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 4635 A. Bramm. r 4. Eine Chaise, öffentlich gegen gleich baare Zahlung an den Meistbietenden versteigert. Sammelplatz aus dem hiesigen Buttermarkte. Wetzlar, den 24. Juni 1886. 4688 Ludewig, Gerichtsvollzieher in Wetzlar. Submission. Die Bei Erbauung einer neuen Kirche zu Arnshain vorkommenden Bauarbeiten und Materiallieferungen, als: a. Mauerarbeit veranschl. zu <4 3483 20 b. Steinhauerarbeit c. Zimmerarbeit d. Dachdeckerarbeit e. Schreinerarbeit f. Schlosserarbeit Glaserarbeit h. Weißbinderarbeit i. Pflasterarbeit k. Spenglerarbeit' 1. Lieferung von 380 Ctr. Kalk, 20 Tonnen Cement und 72 qm „ 1711 - „ 2313 — „ 1225 „ 2816 - „ 700 — „ 485 - „ 1650 — „ 40 - r/ 168 - Sandsteinplatten sollen auf dem Wege Der Submission Freitag den 2. Juli l. I., Vormittags 10 Uhr, vergeben werden. Voranschlag und Pläne können vorher bei Herrn Kreis technEer Braun zu Alsfeld, die Bedingungen bei unterzeichneter Stelle eingesehen werden. Die Offerten sind bis zu obigem Termine verschlossen und mit der Aufschrift „Submission auf Kirchenbauarbeiten" versehen, portofrei bei unterzeichneter Stelle einzureichen. Arnshain (Post Kirlorf), am 21. Juni 1886. Großh. Bürgermeisterei Arnshain. Brodhäcker. 4648 Heugras- Versteigermtg. Das diesjährige Heugras von den Domanialwiesen in der Gemarkung Giessen, insbesondere von den Weidenstrauchwiesen, der Wiese am Scheidgraben und den Ochsenwiesen, einschließlich- der angekauften vormals von Schenk'schen Ochsenwiesen, wird Montag den 28. Juni, Nachmittags 2 Uhr, bei Wirth Leib im Philosophenwald wiederholt versteigert. Gießen, den 22. Juni 1886. Großherzogl. Oberförstern, Gießen. Block. 4659 Montag den 28. Juni, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dahiesigem Ortsgericht die den Erben des verstorbenen Heinrich Andreas Jughard gehörigen Immobilien Flur XXXVI Nr. 60 - 2331 Mir. Wiese unter den alten Eichen, zwischen der mittelsten und der Waldgasse, „ XXX VI Nr. 61 - 1025 Mtr. Acker daselbst, „ XXXVI Nr. 63 — 604 Mtr. Wiese daselbst, „ XXXX Nr. 95, 98 u. 99,2 — 731 Mtr. Acker an den Schwarzlachsgärten am Flutharaben, „ XXXX Nr. 95, 98 u. 99,8 — 2357 Mtr. Acker daselbst, nochmals freiwillig meistbietend versteigert zverden. Gießen, den 23. Juni 1886. Großh- Ortsgericht Gießen. I. A- Vpgt- 4658 QDc-i/mat 1886, in dze-t. oKfasöen. ”‘7'50000SKat/l darunter Hauptgewinne im Wcrthe von u. s. io., tt. 5 10. Zweiter Hauptgewinn 40000 M. W. Vierter Hauptgewinn *20000 *t, W, Dritter Hauptgewinn 30000 M.W. 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