1886 Freitag d.n 26. November Nr. 27« Erscheint mit AvSiuchrne bet «onick-s Bwreeut Schulstraße 7. ®rti# vierteljährlich 2 Marl 20 Pf mit Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Marl W 'f|. Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Correspondenz-Brrreau. »erli«, 25. November. (Privatdepefche) ^Eröffnung des Reichtags.) Die Eröffnungsrede motivirt die Vorlage über die geplante Heeresverstärkung durch die Entwicklung der Heereseinrichtungen der Jiachbarstaatcn. Die zu dieser Erhöhung nöthigen Geldmittel sollen durch erhöhte Matrtkularbeiträge und im Credirwege gedeckt werden. Die Reichspolitik sei bei den friedlichen Beziehungm zu allen Staaten bestrebt für Erhaltung der Einigkeit aller Mächte ihren Einfluß zu verwerthen, der aus ihrer bewährten Friedensliebe, Mangel an eigenem Interesse in den schwebenden Fragen, sowie aus der engen Freundschaft des Kaisers mit beiden benachbarten Kaiserhösen erwächst. Auf neue Steuervorlagen werde so lange verzichtet, bis das Bedurfniß hierfür im Volke anerkannt und bei den Wahlen zum Ausdruck kommen werbe. In Weilersührung der focialpolitischen Gesetzgebung werde die Unfallversicherung für Seeleute und Bauarbeiter dem Reichstage vorgelegt. Berlin. 24. November. Der Kaiser empfing Vormittags den russischen Militär- bevollmächtigten Kutusow und nahm später den Vorttag Wrlmowski s entgegen. Gestern besuchte^der^Kaisn d^Oper.^ z^cht der „Times", wonach bezüglich der Uebertraauna des Schutzes russischer Untertanen in .Bulgarien Untatanblun0en »wischendem deutschen Vertreter und Kaulbars stattgefunden hatten, welche resultatlo^ verlaufen^en ei vollkommen unbegründet; es erhelle dies auch schon daraus, daß derartige Verhandlungen sich nicht zwischen den Vertretern, sondern nur zwischen den Der Landesverrachsproeeß wn Prahl wurde heute beendet; morgen Nachmittag findet die Publikation des Urthells statt. , M-tschtt schuldig des Auslaufs, Spdow und Titiel schuldig. Die Gerichtshof verurtheilte Saebischka und Korn zusätzlich zu 1^2 Jahre, Kuchar zu I ^Zavr und 8 Monaten, Rietschel zu 3 Monaten Gefangniß. Kuchar und Rretschel wuroe eure zweimonatlich- U-tt-rsuchungshast angerechnet. Saebischka, Korn und kuchar wmden in Hast behalten. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Politische Ueb-rficht. Gießer«, 25. November. Die neue Septennats-Vorlage ist bereit» zum Brennpunkt der politischen Dircusston geworden, ohne daß deren Inhalt schon allgemein bekannt wäre — ein hinlänglicher Beweis, welche Bedeutung der Vorlage allsettig bei« gemessen wird. Am Montag Vormittag hielten die zuständigen Ausschüsse des Bundesraihes eine Sitzung behuf» Feststellung des mündlichen Berichts über die neue Militär-Vorlage ab, worauf am Nachmittag das Plenum zur Verhand- luna über den Bericht zusammentrat. Danach wäre also die Annahme, daß der Bundesralh diese Angelegenheit in einer einzigen Sitzung erledigen werde, zutreffend gewesen und es steht nun zu erwarten, daß die Vorlage, die nicht sehrumsangreich sein soll, dem Reichstage sofort bei seinem Zusammentritte gleichzeitig mit dem Etat, vielleicht noch vor demselben, zugehen werde. In parlamentarischen Kreisen wird die Thatsache, daß der Entwurf über bie neue Feststellung der FriedenS-Präseuzstärke des ReichrheereS so zeitig an den Reich», wa gelangt, sicherlich nur mit Genngthuung begrüßt werden, denn hierdurch ermöglicht sich ein- eingehendere und sachlichere Prüfung be» Entwürfe», als dies vielleicht bei Einbringung desselben erst in einem späteren Sessionsabschnitte der Fall gewesen wäre. Außerdem erleichtert die so frühzeitige Vorlegung des Entwmss die Etatsberathung ganz ungemein, da das künftige Mehrb-dürsmß, soweit ei durch die militärischen Ausgaben bedingt ist, sich nunmehr mit dem des Etatsjahres 1887/88 zugleich beurteilen lassen wird. Was die Aussichten für die neue Militär-Vorlage im Reichstage anbelangt, so wird man natürlich erst die allgemeine Berathung abzuwarten haben, ehe ein einigermaßen sicherer Schluß auf das Schicksal der Vorlage gestattet ist. Wenn man sich indessen erinnert, daß die beiden früheren Gesetze über die Friedens-Präsenzstärke der leeres nur der damaligen eonservatio-nationalliberalen ReichstagS'Mehrheit zu verdanken sind, daß aber diese srühere Mehrheit jetzt durch eine Coalition oppo- sitioneller Elemente ersetzt ist, so wirb man die Chancen für das Zustandekommen der neuen Militär-Vorlage gerade nicht als sehr günstige bezeichnen können. Uebrinens findet sich in Berliner Blätter eine merkwürdige Erklärung für das so unerroartet frühzeitige Einbringen der Vorlage; dasselbe soll wesentlich durch otTänaebli(6 bevorstehende Uebernahme de» CommandoS bei 6. Armee-Corp» in Breslau seitens des bisherigen preußischen KriegSmtnisters Bronsart v. Schellenborff bedingt fein, da man diese» wichtige Commando nicht zu lange in den Händen eines Stellvertreters lassen wolle. Diese ganze Version ist ledoch durch da» entschiedene osficiöse Dementi, welches die Gerüchte über den angeb. lichen Personalwechsel im Kriegsministerium inzwischen ersahren haben, hmfalltg 8 Das Vorkommen eines Todesfalles an asiatischer Cholera in Bre»lau ist durch die gerichtliche Section der Leiche des Betreffenden, eines uoqarifchen Auswanderer», amtlich constatirt worden. In Folge dessen hat dte Provinzial-Regierung eine schärfere Uederwachung der Oberschlesien passirenden Auswanderer angeordnet und wurden außer in Oderberg auch noch in Oppeln unb Ratibor ärztliche Untersuchungs-Slationen für dte durchpassirenden Au«, wand-rer eingerichtet; in letzterer Stadt werden dieselben überdies auch KTer Sutel rembirt. In Breslau selbst find unter der Bevötterung irgenowelche choleraoerdächtigen Krankhsits.Spmptome glücklicher Weife noch Nicht deobach^ine ^nsationelle Meldung kommt aus unteren Kolonien in der ©übfee. Einer Depesche des Landeshauptmannes von Kaiser - Mhelms . Land (Neu-Guinea), Herrn v. Schleinitz, zufolge ist am Huon-Golf Gold Stunden worden; ob die Quantität de» aufgefundenen edlen Metalles etue grobe^ist, laßt sich aus der erwähnten Depesche nicht beurteilen. Vielleicht daß da ein deut «'= M,-.d to 1860 Professor am Polytechnikum in Zürich, ist bafelbst am Montag im Altervon 69 fahren gestorben. Scherr hat sich namentlich durch seine culturgeschtch.liehen Werke einen hervorragenden Namen gemacht, wie z. B. durch die „Germania. Außer feinen literaturgeschichllicheu Werken schrieb Scherr noch eine ganze Reihe von Novellen, Romanen, historischen Essay» u. s. w. Mit einer eclatanten Bert rauens «Kundgebung für die au» wattige Politik Oesterreich«Ungarn» unb beren Leiter, ben Grafen Kalnoky, haben bie Verhandlungen bet in P-sth versammelten Delegationen, über bie bul aarische Frage geenbigt. Die österreichische wie bie ungarische Delegation stimmen barin überein, daß die vom Grafen Kalnoky vertretene orientalische Dolitik den Interessen und der Würde der österreichischen Monarchie vollständig entfvreche und daß sich Ungarn wie Deutsche, Czechen wie Polen und Slovenen - in dieser Anschauung begegnen, ist ein in diesem vom Nationalitaten-Hader zer> riffenen Reiche seltenes Bild von Einmüthigkeit aller Stämme. Freilich sucht das deutschgefchriebene Prager Czechenblatt, die „Politik", selbst hieraus Kapital tür k(e ci-chifchen Aspirationen zu schlagen, indem er triumphirend daraus hm weist daß mit der zum größeren Theile slavischen Mehrheit der österreichischen Delegation eTne erfprie§li|e au8wärtifle ^011«!. leicht gemacht werden könne — ob Graf Kalnoky diesen Wink verstehen wird? Die franiösischen Monarchisten haben in einem Departement bas bis setzt al» eine ihrer unanfechtbarsten Domänen gatt, eine empfindliche <5iHarme erlitten Bei der im Departement du Nord am Sonntag vorgenommenen Ersatzwahl zur Deputirtenkammer wurde der Republikaner Trystram mit 147,000 St. gewählt, der conservative Gegencandidat blieb mit 121,000 St. in der Minderheit. Bei den allgemeinen Wahlen im October des vergangenen Jahres wurden in diesem Departement sämmtliche Canoidaten der conferpatwen Partei gewählt; es scheint demnach der ihr ungünstige Ausgang der jetzigen Ersatzwahl QUf einen bedeutsamen StimmungS-Umschwung der Wählerschaft des Departements du Nord hinzudeuten. Die so kläglich verlaufene jüngste Versammlung der Londoner Socialisten aus Trafalgar Square wird hoffentlich die Herren Arrangeure veranlaffen, einmal diese Kundgebungen für längere Zeit auszusetzen, da sichtlich das Jntereffe der Londoner Arbeiter an diesen „Maffenversammlungen erlahmt. Von der Versammlung, die überaus schwach besucht war, wurde u. 31. eine sich gegen den Premierminister Lord Salisbury richtende Entrüstungs-Resolution angenommen, da Salisbury einer Abordnung der Versammlung klüglich aus dem Wege gegangen war. . , . . n, . Der englische Thronfolger, ber Prinz von Wale» wirb sich im December nach Athen begeben, um an ben Festlichkeiten anläßlich ber Münbig. keitserklärung des griechischen Kronprinzen theilzunehmen. Da« Kaulbars'sche Intermezzo im bulgarischen Drama ist also glücklich überstanden; welche neue Komödie die Russen nunmehr in Bul« garien arrangiren werden, bleibt abzuwarten. Die Abreise des „Confucts- Generals" aus Sofia vollzog sich in höchst einfacher Weise und vermied die Bevölkerung kluger Weise jede Demonstration gegen den mißliebigen General, auch bei der Abreise der übrigen osficiellen Vertreter Rußlands aus Philippopel; Varna, Widdin u. s. w. scheint es zu keinerlei Zwischenfällen gekommen zu lein. Am Montag sah man dem Eintreffen des Generals Kaulbars in Konstantinopel via Adrianopel entgegen und heißt es, derselbe werde nach einer Besprechung mit dem russischen Botschafter v. Nelidoff über Odeffa nach Petersburg weikrr^'sen^^^l ^QU^Qr6> welcher am Montag früh Philippopel passirte, hatte mit dem Polizeicommiffar auf dem Bahnhose einen Wortwechsel, da der Beamte die Vertheilung von Flugblättern gegen die bulgarische Regierung, welche der Secretär Kaulbars' vornahm, verhindern wollte. Am Montag Nachmittag Kaulbars in Begleitung des russischen Consu s Jgelström in Kon- stantinopel ein. Ueberhaupt ist es.bei der Abreise der russischen Vertreter aus Bulgarien doch nicht ohne einige Zwischenfälle abgegangen. Bei der Abreise des russischen ConsulS aus Rustschuk hielten der Prüfe t von Rustschuk und der Führer der bulgarischen Oppositionspartei, Stojanoff, Ansprachen an den Consul, in welchen dem Bedauern über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und Bulgarien Ausdruck verliehen und alle Schuld dem Ge- neral Kaulbars zugesprochen wurde. Sie erklärten schließlich, die Bulgaren seien bereit, die russischen Bedingungen anzunehmen, wenn nur die Verfassung gewahrt bliebe._____ _ Darmstadt, 24?November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnadigst geruht.m^er Präsidenten des Ober-Consistoriums, wirklichen Gebeimen Rath Dr. Theodor Gold mann, sowie den Hüttenbesitzer Hugo Buderus zu Hirzenhain zu lebenslänglichen Mitgliedern der ersten Kammer der Stände des Großherzogthums zu ernennen. iches braves Timst, arbeit auf Weihnachten el^Liebigstraße 41. *00 u. 1800 Mark bek auszuleihen. * d. Vl. • 0,15 A ' 0,30 L • 0,22 • 0,40 & ; 0,40 d> 1,85 • 0,5 5t m. HOS liethen, nonatlich. mnning. tadolph, -Handlung. ’ ip 4 dtllMprM ’ 80»2 von , «öhrlc ar as * । 9^* £ 8 enthält: noch! Erzählung m it Silo- (Sortfebung). - Der Schluß 7 KünM mit> 'm Leben.-UwIW sarft ääitoiit! i« Stig» Ibe von Eouaro London, 24. November. Lord Salisbury hatte heute mit dem russischen Botschafter v. Stual eine Besprechung. — In der vergangenen Nacht kam es unweit Castle Island in der Grafschaft Kerry (Irland) -wischen der Polizei und einer Anzahl bewaffneter Mitglieder der sog. Mondscheinler zu einem Zusammenstöße, wobei beiderseits von der Feuerwaffe Gebrauch gemacht wurde. Die Polizei brachte 5 Gefangene ein. Odessa, 24. November. Der Klipper „Zabiaka" mit dem russischen Consul in Burgas, Emtlianow, ferner Nabokow, Zalewski nebst 7 bulgarischen Emigranten ist eingetroffen. Lokale». Gießen, 25. November. Wie die Leser an anderer Stelle dieses Blattes ersehen, hat Se. König!. Hoheit der Großherzog Herrn Hugo Buderus zu Hirzenhain zum lebenslänglichen Mitglied der ersten Kammer der Landstände ernannt. Wie wir hören, war diese hohe Auszeichnung dem Herrn Georg Buderus in Lollar zuerst angetragen, der indessen aus geschäftlichen R-ücksichten zu Gunsten seines Bruders verzichtete. Gießen, 25. November. Gestern Nachmittag wurde ein junges Mädchen, die Tochter eines früheren hiesigen Wirths, irrsinnig und tobsüchtig; die Bedauernswerthe wurde vorläufig im hiesigen Bürgerhospital untergebracht. Gießen, 25. Nov. sTheater.^ Die Muse — welche übrigens ihre Herren Söhne etwas fleißiger in's Theater schicken könnte —, pflegte kürzlich anzukündigen, sie werde sich Mittwochs leichter schürzen. Nun, das hat sie gestern in der „Schönen Ungarin" auch redlich gethan. Der kleine Kobold Humor trieb sein Spiel in der ausgelassensten Weise und fand dafür donnernden Beifall. Das Theater war wiederum ausoerkauft. Sämmtliche Darsteller waren nach bestem Können bemüht, das Publikum gut zu amüsiren und ist ihnen dieses auch gelungen. Der große Beifall war eine dankbare Quittung dafür. Vermischte». A Mainz, 24. November. Im Anschluß an die von der Regierung den Kammern in Betreff der Erbauung eines neuen Landesgefängnisses gemachten Vorlage wird eben von mehreren rheinhessischen Abgeordneten ein Antrag vorbereitet, welcher eine Vermehrung und Veränderung der Untersuchungsgefängnisse in Mainz bezweckt. Abgesehen, daß die Räume für die Untersuchungsgefangenen schon seit Jahrenrnichl mehr ausreichen, entsprechen dieselben weder der Humanität noch den Erfordernissen der Strafproceßordnung, indem die Verwaltung wegen der Raumbeschränkung nicht in der Lage ist, eine Trennung der Untersuchungsgefangenen nach Verbrechen oder Vergehen und Stand oder Person durchzuführen. Zu dem tritt noch, daß, wie jüngst bei einer größeren Assisenprocedur constatirt worden, die Eintheilung und Einrichtung der heutigen Untersuchungsgefängnisse eine Communication der Gefangenen unter sich auf verschiedenen Wegen — durch die Aborte, Heizung rc. — unverhütbar gestatten und hierdurch die Untersuchung in vielen Fällen sehr erschweren. Der hiesigen Staatsanwaltschaft wie der übrigen Justizverwaltung sind diese Mängel all' sehr gut bekannt, mit dem bellen Willen läßt sich aber bei den dermaligen beschränkten Räumen eine Abhilfe nicht schaffen, auch dann nicht, wenn die für das Frühjahr vorgesehene kleine bauliche Veränderung des Justizpalastes vollendet sein wird. Der eben in Vorbereitung begriffene Bauplan bezweckt keine Abänderung der bestehenden Gebäude, sondern die Errichtung eines Neubaues, in welchem die heutigen Mängel vermieden sind. — Das Gesammterträgniß von dem hier abgehaltenen Wohlthätigkeitsbazar beläuft sich auf rund 30,000 J4. A Mainz, 24. November. Der Reichstagsabgeordnete Racks hat an den Staatsminister Finger nachstehende Eingabe gerichtet: Ew. Excellenz dürfte vielleicht bekannt fein, daß verschiedene Orte des Großherzogthums fast ausschließlich auf den Gemüsebau angewiesen sind. Schon seit einer längeren Reihe von Jahren macht sich nun die Concurrenz des unter wesentlich günstigeren klimatischen Bodenverhältnissen arbeitenden Auslandes in der empfindlichsten Weise geltend. Die betreffenden Orte — insbesondere Gonsenheim und Mombach — wo der Gemüsebau durch den Fleiß und die Intelligenz der Bewohner allmälig zu großer Blüthe gelangte, sehen in Folge dessen die Resultate Jahrzehnte langer Bemühungen in Frage gestellt und sich in ihrer Existenz bedroht. Dieselben sind bei der Reichsregierung wiederholt vorstellig geworden um Einführung eines mäßigen Schutzzolls und durften diese Petitionen um so gerechter erscheinen, als den weitesten Kreisen der Landwirthschast und der Jndustrik bereits dasjenige bewilligt ist, um was hier petitionirt wird. Aus diesem Grunde und weil es in der That ungerechtfertigt erscheinen muß, dem Einen zu versagen, was dem anderen gewährt ift, habe ich mich im Vereine mit mehreren Collegen des Reichstags wiederholt bemüht, den gerechten Forderungen der Petenten Gehör zu verschaffen. Man hat sich namentlich unter Hinweis auf den deutsch-schweizerischen Handelsvertrag bisher nicht dazu verstehen können, der Sache näher zu treten. Da nun aber diesen Monat die Verhandlungen über den schweizerischen Handelsvertrag noch neu auf genommen werden sollen, so erlaubt sich der Unterzeichnete an Ew. Excellenz die Bitte zu richten • „Die Großh. Regierung möge bei dem hohen Bundesrathe die Petitionen der Eingangs erwähnten Orte geneigteft befürworten." Wenn überdies es im Interesse der Allgemeinheit nothwendig erscheinen sollte, so ließe sich ja der Zoll auf Gemüse soweit beschränken, daß derselbe nur in jenen Monaten zur Erhebung gelangt, wo den klimatischen Verhältnissen entsprechend, die deutschen Gemüsebauern mit ihren Producten an den Markt kommen können. Auch würden sich die Petenten wohl mit Berücksichtigung nur der feineren Sorten zufrieden geben, um jeden Anlaß zu Klagen zu vermeiden. Frankfurt a. M. Der hessische Feuerwehroerband tagte am Sonntag hier unter dem Vorsitze des Herrn Branddirectors Justus aus Darmstadt. Die Tagesordnung, auf welcher auch mehrere technische Fragen standen, war sehr umfangreich. Aus dem Bericht über den derzeitigen Stand des Verbandes ergab sich, daß durch Hinzmritt von 16 neuen freiwilligen Feuerwehren der Verband nun 126 Wehren zählt. Die Unterstützungskasse hatte eine Ausgabe von 521.73 JL, der Kassavorrath beträgt 2621.14 JL Der Antrag auf Einführung von Ehrendiplomen für zwanzigjährige Dienstzeit seitens des Verbandes wurde abgelehnt, dagegen der Verleihung eines Ehrenzeichens für 25jährige Dienstzeit zugestimmt. Aus einer weiteren Mittheilung erhellt, daß, man feit dem Jahre 1880 mit dem Bestreben der Einführung eines Norrnal- gewindes für Druckschläuche nach dem Metz'fchen System noch nicht weiter gekommen ist und sich der Wunsch nur nach und nach bei Neuanschaffungen realifirt. — Die in Büdingen erscheinende „Feuerwehrzeitung" wurde als Verbandsorgan anerkannt. Der nächstjähnge hessische Feuerwehrtag soll in Butzbach abgehalten werden. — Von der Berathung fort begaben sich die Mitglieder des Feuerwehrtags hinaus auf den Jur- platz, um einem Experiment der Würzburger Seperatorfabrik mit dem feuersicheren, mineralischen Filz beizuwohnen. Die Probe fiel vollständig befriedigend aus; ein mit diesem Material überzogenes Kistchen, in welches Eier, Siegellack, Streichhölzer Uhr Paprergeld rc. gelegt worden waren, wurde etwa 30 Minuten lang einer bedeutenden Hitze ausgesetzt (es lag mitten im Feuer), fand sich vollständig tntoct vor. Den Schluß bildete eine Besichtigung der Centralstation der hiesigen Berufsfeuerwehr und wurden verschiedene Exercttien ausgeführt, welche allgemein befriedigend ausfielen und einen neuen Beweis von der Schlagfertigkeit der hiesigen Wehr und der Mustergültigkeit der hiesigen Einrichtungen lieferte. — Eine interessante Entscheidung hat, wie bekannt, die Prüfungs-Commission für Einjährig Freiwillige in Minden getroffen, indem sie zwei Handwerkern auf Grund ihrer vorzüglichen Fachleistungen die Berechtigung zum einjährig - freiwilligen Militärdienst ertheilte, ohne von denselben einen Beweis für ihre wissenschaftliche Befähigung zu verlangen. Solche Entscheidungen sind zwar längst gesetzlich zulässig, aber sie wurden bisher nur bei angehenden Künstlern rc. gefällt. Daß Handwerkern Liese Vergünstigung ertheilt worden, ist bisher nicht allgemein bekannt geworden und um so mehr verdient also der Fall in Minden Beachtung. Allerdings ist diese Vergünstigung — allgemein betrachtet — sehr zweifelhafter Natur. Wenn auch noch anderen jungen Handwerkern auf Grund ihrer gewerblichen Leistungen die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst ertheilt würde, immerhin würde, der finanziellen Verhältnisse wegen, nur eine kleine Zahl von der Vergünstigung wirklich Gebrauch machen können. Um diese Bestimmung xu einer wirklich praktischen zu machen, müßten auch Mittel vorhanden fein, welche in jedem Einzelfalle den einjährig-freiwilligen Dienst ermöglichten. Vielleicht kommt dieser Geldpunkt einmal in einem deutschen Parlament zur Besprechung und finde! dort Befürwortung. Die schlechteste Kapitalanlage würde damit sicher nicht gemacht. Sn Entscheidung der Mindener Kommission ist aber noch ein Punkt, der vor Allem Beachtung verdient und für dessen richtige Erkenntniß Sorge getragen werben mufj. Es ist ja eine bekannte, wenn auch nicht erfreuliche Thatsache, daß, von -?cnVx ?cr modernen Gesellschaft wenigstens, der Handwerkerstand noch sehr über die Achseln und von oben herab angesehen wird. Viele Eltern halten ihre Kinder für zu gut, einen gewöhnlichen Handwerkslehrling zu spielen, und die Eltern, welche ihre Sohne einem Handwerker in die Lehre geben, glauben wieder nur zu oft, daß zum Handwerker nicht mehr gehöre, als Schreiben, Lesen und das Einmaleins. Beiden total verkehrten Anschauungen entspringt auch, zum Theil wenigstens, die 'Tiere Thatsache, daß die Arbeit eines Klein - Industriellen vielfach unterschätzt Weil vielleicht einzelne Artikel von der Groß-Industrie zu niedrigerem Preise geliefert werden, wird kurzweg über die gesammte Handwerker - Arbeit der Stab gebrochen. Das muß vor allen Dingen anders werden, wenn eine wirkliche und allgemeine Aufbesserung des Handwerkerstandes erfolgen soll, und wir meinen, zur äußeren Hebung des Handwerks muß ein Beschluß wie der in Minden viel beitragen. Der § K'^TwillMn-Dienst galt bisher als das Privilegium der ftudirten Kreise und der höheren Klasse, sowie des Beamtenthums. Handwerker und Einjährig-Freiwilliger vereinte sich bisher nur in seltenen Fällen; denn nicht ein jeder junge Mann, der al Berechtigung zum einjährigen Dienst erworben, hat Neigung, in der Werkstatt dcn Lehrling zu spielen, und ohne Lehrling bekanntlich kein Meister. Indessen ist es in einzelnen Hallen doch geschehen und das soll rühmlich anerkannt werden. Auf der Hand liegt es, daß die Aussicht, nur ein Jahr Soldat fein zu brauchen, ouf junge Handwerker anspornend und lusterweckend wirken muß, und wenn auch nicht Jkater, wie oben gesagt, im Stande ist, feinem Sohne die Mittel zum einjährigen ®jenft zu geben, eine Anzahl wird doch immer dazu vermögend fein und in den anderen Zallen konnte ja etwas Unterstützung eintreten. Vor Allem ist aber nöthig, daß das Beispiel in Minden Nachahmung findet. Wenn in einer Stadt wie Minden in einem 3abre zwei so tüchtige junge Handwerker gefunden werden, fo muß es im deutschen Reiche eine ganze Zahl nicht geringerer Kräfte geben, man mag nur recht darauf atmen. Das wird den Stolz des Handwerkerstandes — jedes ordentliche Gewerbe muß feine Portion Stolz haben — heben, und dann dem Publikum, welches dem Handwerk kühl gegenübersteht, die Augen gründlich öffnen. Die Handwerkerlausbahn wird mit einem Schlage eine ganz andere, wenn tüchtige Kräfte in ihr es bis zum Ein- lahrigen-Dienst bringen. Die Welt gibt viel, fast alles auf Aeußerlichkeiten und an solchen fehlt es dem einfachen Handwerk noch sehr. Tie Mindener Commission hat sehr richtig gezeigt, was leicht geschehen kann, um hier eine Aenderung Nichts ^ON^^H nicht Alles, aber doch Etwas, und das ist besser als i^stie geschäftliche Mahnung.^ Das Publikum wird zur Zeit wieder förmlich überschwemmt mit Zusendungen von Empfehlungsbriefen und brochirten Jnhalts- Waarenlagern auswärtiger Firmen und Großhändler, die mit angeblich spottbilligen Angeboten die Leute für Einkäufe zu ködern suchen. Es soll nicht behauptet werden, daß alle derartigen Offerten Schwindel seien, denn es finden sich unter den anbietenden Manufacturisten, Grossisten und Fabrikanten so respectable bekannte Namen, daß unsaubere Manöver als ausgeschlossen gelten müssen. Allein die hiesigen Ein- wohner sollten doch Anstand nehmen, von den angepriesenen, billigen Preisen sich dazu ?E^^eilen zu lassen, sofort ihre Bestellungen bei den fremden Herren zu machen. Denn in Wirklichkeit ist der „billigere Preis" ein scheinbarer. Der hiesige Kaufmann würde bet r..e ,.T 1 Heren und treuen Kunden als reeller Geschäftsmann schon wegen der persönlichen Beziehungen oder wegen seines eigenen Ansehens, das dem ordentlichen Mitbürger nicht gleichgiltig ift, kaum höhere Preise machen. Ueberdies hütet sich der reelle Kaufmann, seine Geschäftsehre dadurch zu verletzen, daß er für den entsprechenden B^eis eme nicht entsprechende, d. h. schlechte Waare liefert; dadurch würde er ja auch meisten schaden, denn sein Geschäft käme in Mißcredit und der ange- wäre ihm verloren. Die freie Concurrenz bewahrt den anständigen Geschäftsmann vor bedenklichen Praktiken. Wenn aber auch selbst der Geschäftsmann am Platze einen unbedeutend höheren Satz haben sollte, wie der auswärtige Grossist oder Fabrikant, so wäre es doch nicht rathsam, das heimische Geschäft sofort im Stiche iu lassen und anstatt des Mitbürgers den Fremden unterstützen zu helfen. Bei den gleichen Artikeln kann unmöglich die Differenz der Preise für Privrste eine nennenswerthe fein, da der Bedarf des Einzelnen kein fo großer ist; will man aber der vermeintlichen Ersparniß halber große Quantitäten auf einmal bestellen, nun, fo macht der Zinsverlust für die größere Geldvorlage doch auch etwas aus. Abgesehen davon, daß der hiesige Kaufmann gewiß auch seinen Kunden bei einer Bestellung von sicher Größe und sofortiger Baarzahlung durch entsprechenden Rabatt den gleichen Vortheil eingeräumt hätte, sind die Kosten für Porti's der Bestellung, Waarenver- fenoung, Geldeinzahlung u. dgl. doch auch zu rechnen; ferner sind die Mühe des Schreibens, be§, Verpackens und Versendens, der Mangel an einer größeren Auswahl und einer praktischen Garantie rc. nicht außer Ansatz zu lassen. Ein Hauptgrund für aue Bewohner eines und desselben Ortes, den Fremden nicht ohne Weiteres den einheimischen Kauf- und Geschäftsleuten vorzuziehen, ist der, daß der hiesige Verkäufer als Mitbürger alle Lasten des Platzes und des Gemeinwesens mittragen muß, während oer Fremde um unsere Steuern und Gemeindeumlagen rc. sich nicht zu kümmern braucht. Ueberdies sucht man bei irgend einer Sammlung für wohlthätige und kirch- liche Zwecke nicht den Fremden zur Beisteuer auf, wohl aber den Einheimischen. Darum gebe man fein Geld lieber den einheimischen Geschäftsleuten zu verdienen. Das Hemd muß uns auch im geschäftlichen Verkehr näher liegen als der Rock. Hier gilt es, einen Lokalpatriotismus zu üben und nach dem alten Grundsätze zu handeln: Leben und leben lassen! — sDer Unterschied.j Frau: „Mann, ich glaube, Du haft Deine Pfeife lieber als mich.' — Mann: „Ja, die geht auch nicht so oft aus wie Du." Literarische». — Im Verlage von Emil Roth in Gießen ist soeben erschienen: Der Alt« katholicismus. Geschichte seiner Entwickelung, inneren Gestaltung und rechtlichen Stellung in Deutschland. Aus den Akten und anderen authentischen Quellen dar- gcfteHt non Dr. Joh. Friedrich von Schulte, Geheimem Justizrathe und ordentlichem Professor der Rechte in Bonn. 683 Seiten auf holzfreiem Papier in größtem Lexikon-8o, gediegen ausgeftattet. Preis geheftet 12 JL, solid gebunden in Halbfranz 14 JÄ 50 H — Das Werk gibt auf Grund authentischen Materials eine Darstellung der Bemühungen in Deutschland, die Bischöfe der Minorität in ihrem zu Rom bekundeten Glauben zu erhalten, es zeigt ferner, wie die entschiedensten Gegner des Dogma von der Unfehlbarkeit und Allgewalt des Papstes auf dem Konzil bald nachher die heftigsten Verfolger wurden, so namentlich Melchers, Krementz, Scherr u. a.; wie die Herren v. Ketteler, Hffele, Stroßrnayer, Kardinäle Rauscher, F. Schwarzenberg u. s. w. im graben Widerspruche mit ihrem zu Rom bekundeten Glauben sich unter: warfen; wie Martin von Paderborn sogar in seinem eigenen Religionshandbuche Gegner der päpstlichen Jnfallibilität war .... W- ?afür wird eine ganze Reihe von hier zum ersten Male veröffentlichten Onginalbriefen mitgetheilt, fo besonders von Hefele, Strohmayer, Rauscher, S^^?^ubera, sowie anderer deutscher und auswärtiger Bischöfe, ferner die Erklärungen verschiedener Bischöfe auf dem Konzile selbst. m^den. unter Abdruck der wichtigeren bisher nicht veröffentlichten und nur ganz Wenigen bekannten Aktenstücke aktenmäßig geschildert: die Drangsalirung der Geistlichen durch die Bischöfe; die Stellungnahme der deutschen und österreichischen Regierungen unter Beifügung der Schreiben oder authentischen Äußerungen von König Ludwig II., Bismarck, Falk, v. Lutz rc. rc.; die Verhandlungen mit den deutschen Regierungen wegen Anerkennung des Bischofs Dr. Reinkens; die Stellung der Regierungen von Baden, Hessen, Preußen seit erfolgter Anerkennung nach allen Richtungen (Bildung von Gemeinden , Altkatholikengesetze, finanzielle Unterstützungen u. f. w.); die Bedrängung der AUkatholiken; die innere Entwickelung des Altkatholicismus auf den Kongressen und Synoden, auf dem Gebiete der Lehre, des Kultus, Rechts; die innere Verwaltung u. s. w. S^£r *u °h' ewr?' di, « «*4^561 fet:w^ 6riw 1 Diel beitral.^^en -r ftubirten 1 ;r ®« ?SNs ^Sä; ÄSÄi ° ««btn b«** *®äÄ*rtS Äi»ft "l »ddleä b,m ß”? iÄb"6n^ ’Oi es bl§ lym rc:n, ÄWeitm md Qn ° »dm-r Lmmilfim m‘ Aendnan, 0 ist besser als ur Zeit wieder förmlich ' brochirtm Inhalt % die mit angeblich Es soll mcht behauptet stnden sich unter den ctable bekannte Namen, llem die hiesigen Einigen Preisen sich dazu 'm zu machen. Denn :sige Kaufmann würde mn schon wegen der das dem ordentlichen eberdies hütet sich der : für den entsprechenden urch würde er ja auch Kredit und der ange- ahrt den anständigen 'ft der Mäftfmajin r auswärtige Grossist Haft sofort im Stiche u helfen. r Preise für zrvtzer \W\ will man einmal bestellen, nun, etwas aus. Abgesehen i einer Bestellung von en Rabatt den gleichen Zestellung, Waarenver- ; sind die Mühe des ner größeren Auswahl Ein Hauptgrund für )hne Weiteres den ein- j der hiesige Verkäufer littragen muß, während ich nicht zu kümmern wohlthätige und kirch- ;er dm Einheimischen, stsleuten zu verdienen. ;n als der Rock. M ^mndsahe zu handeln. Ä«Ä M (ebunben t« v $flr, MKFÄ-r ssss** 1?a*r' hen von Kon'ö Xs** ;ast Deine Pfeife lieber oie Du." Das Buch ist eine unbedingt authentische Darstellung und erbringt durch die Fülle der Aktenstücke (Briefe, Protokolle, Regierungserlasse u. s. w.) eine Geschichte der religiösen Bewegung in Deutschland seit dem Vatikanischen Konzil, welche uns der Verfasser liefern konnte, weil ihm allein in Folge seiner Stellung das gejammte Material zur Verfügung stand. I. Löwen berg: Die EntdeckungS- und Forschungsreisen in den vetden Polarzonen. (Das Wissen der Gegenwart. 58. Band.) Leipzig: G. Freytag. — Prag: F. Tempsky. 8°. 152 Seiten. Preis gebunden 1 Mark — 60 Kreuzer. Unser Wissen von der Erde hat durch die bisherigen Entdeckunas- und Forschungsreisen einen achtenswerthen Zuwachs erhalten. Der unermüdliche Menschengeist, der in seinem Lerntriebe sich nur ungern Grenzen setzen läßt, hat alle Schwierigkeiten zu überwinden getrachtet. Geld und Leben wurde geopfert, um die Summe unserer Kenntnisse zu bereichern. Mil Glück hat der Verfasser des obengenannten Buches versucht, eine Geschichte dieser heldenhaften Anstrengungen zu schreiben. Nach einer sehr übersichtlichen geographischen Rück- und Rundschau belehrt er uns über die Wiederaufnahme der Polarreisen im Jahre 1818. Wir begleiten Franklin und später die Franklinsucher auf ihren Fahrten, steuern neuerdings durch das offene Meer zum Pol, reisen mit den „deutschen arktischen Argonauten" Koldewey, Dorst, Bessel, v. Heuglin, v. Zeil, Weyprecht, Payer, Roß, Challenger u. a. m. nach dem äußersten Norden und Süden; auch Nordenskjölds berühmte Unternehmung machen wir mit. Hochinteressante Erörterungen über Ballonexpeditionen zum Pol und die Polarforschung der Zukunft schließen das Werk ab, welches glänzend ausgestattet, mit instructiven Karten und ausführlichen Register versehen, schon deshalb, weil es einen zeitgemäßen Stoff in ungemein anregender Weise behandelt, für ältere wie für jüngere Leser hohen Reiz und bildende Belehrung in reicher Fülle bietet und bald auf keinem Büchertische fehlen wird. — „Kurz und gut, Ist was noth thut" steht als Wahlspruch an der Spitze des „Suchbuch", eines Sammelwerkes, welches den als echt deutschen Volksschriftsteller rühmlichst bekannten Straßburger Bibliothekar Dr. Ehr. G. Hollinger zum Verfasser hat. Und das Mollo wird in dem Buche gehalten. Auf den Raum von 40 Bogen, so daß der Band handlich bleibt, ist zusammengedrängt, was ein Wörterbuch, ein Noth- und Hilfsbuch, ein Liederbuch, eine Gedichte- und Spruchsammlung, ein Haushaltungs- und Kochbuch, ein Wegweiser in Rechtssällen, im Berufsleben, ein Conversationslexikon bieten. Die Fülle und Mannigfaltigkeit des Gebotenen ist geradezu eine unglaubliche; keine Seile des Lebens ist vergeben, dem Fröhlichen wie dem Traurigen, der Hausfrau wie dem Hausvater, dem Landmanne, dem Gewerbs- manne, dem Lehrer, dem Schüler Airregung, Belehrung, Rath und Aufmunterung geboten. Dabei eine einfache, klare Sprache, keine Redensarten; immer ist genau und kurz gesagt, was zur Antwort auf jede an das Buch gerichtete Frage noth thut. Das Buch selbst ist aber auch ein Bedürfniß; denn es ersetzt Jedermann eine kleine Büchersammlung und weiß für die harmlose Lebensfreude ebenso den richtigen Ausdruck wie für den Ernst und die trüben stunden des Lebens, und es enthält Hottinger's Luchbuch kurz und gut, was den Familien, dem Einzelnen wirklich noth thut. Zahlreiche Abbildungen, Landkarten, Tabellen, ein immerwährender Kalender (auch Geschichts- kalender), ein gefälliges Aeußere vermehren die Vorzüge des Buches. Wir sind überzeugt, daß das „Suchbuch" jedem seiner Besitzer als ein Freund, jeder Familie als ein wahrer Schatz in fröhlichen und ernsten Stunden erscheinen wird. Der Preis von 3 jl, um den es schön gebunden in jeder Buchhandlung zu haben ist, macht es Jeder- mann möglich, des Besitzes deffelben sich zu erfreuen. Schiff-- Bewegung der Postdampffchiffe der Hamburg-Amerikanischen Packeffahrt-Actien-Gesellschast. Hamburg, 16. November. Das Hamburg - New-Aorker Post-Dampfschiff „Gellert", Capitän Kühlewein, welches am 7. November von hier und am 9. November von Havre abgegangen, ist am 20. November, Nachmittags 4 Uhr, wohlbehalten in New - Z)ork angekommen. Handel und Verkehr. Limburg, 24. November. Rother Weizen, JL 1435, weißer Weizen 14 20, Korn JL 10.30, Gerste JL 8.60, Hafer JL 5.85, Kartoffeln ä 100 Pfund JL 0.00, Erbsen ä 100 Pfund JL 00.00. Frankfurt, 24. November. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter JL 4.50—5.50, das Gescheit) 8—10 H, Eier das Hundert JL 5.00—8.00, das Stück 7—10 H, Butter im Großen JL 95.00—100.00, im Detail das Pfund JL 1.20 bis 1.40 Weißkraut per Stück 10-12 H, Rothkraut per Stück 20-00 H, Kohlrabi per Stück 3-4 H, Ochsenfleisch per Pfund 45-70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45-60 Kalbfleisch 40—65 Schweinefleisch 65—75 H, Hammelfleisch 50—70 H, 1 Hahn vtl 0.80-1.50, 1 Huhn JL 1.50—2.50, 1 Ente JL 2.00—3.00, 1 Gans JL 4.00-8.00 1 Taube 40—60 H, Welsche JC 5.00—12 00. Gestreifte u. karr. Seidenstoffe v. Mk. 1.35 bis 9.80 p. Mtr. (ca. 250 verseh. Dess.) — Grisailles, Armurea, Cristallique, Louisine, Glase, Mille-Carreaux, Changeant etc. — verf. roben- und stückweise zollfrei in's Haus das Seidenfabrik-Depot G. Henneberg (K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 H Porto. [8427 Prüfet Alles und behaltet das Beste. Dieser Satz auf die vielen Tafel- liqueure kritisch angewendet, wird fast Jedermann zum Beibehalten des Widtfeldt'schcn Magenbehagen veranlassen. Nieder!, u. A. b. Emil Fischbach. 8443 — Herr Doctor, was soll ich gegen meinen Husten thun k Das ist die Frage, tue namenilich nach Eintritt der kälteren Jahreszeit wohl unzahligemale an die Aerzre gerichtet wird. Der Arzt wird dann sicher etwas Schleim-LösendeS, die Reizzustände der Athmungsorgane Milderndes anrathen, und die Stoffe, welche er den von Katarrh Befallenen verschreibt, werden so ziemlich übereinftimmen mit denjenigen, welche die Natur selbst in die Heilquellen Sodens gelegt hat, jenes beliebten Taunusbades, wohin Katarrh-Leidende aus allen Ländern so gerne reisen. Mit großer Sorgfalt, unter Aufsicht des König!. Sanitätsraths Herrn Dr. W. Stöltzing in Bad Soden werden seit einiger Zeit die Sodener Mineral-Pastillen durch Abdampfung der in den besten Quellen enthaltenen Salze gewonnen und sie üben die nämliche Heilwirkung wie die Brunnenkur selbst. Erhältlich in den Apotheken ä 85 H per Schachtel. 8440 Samstag den 27. l. MtS., Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem städtischen Baubureau 2 Loose Grundarrffüllung veranschlagt zu 2280 versteigert werden. 8463 Gießen, am 25. November 1886. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Keller, Beigeordneter. Versteigerung. Samstag den 27. d. MtS, BortLittags 10 Uhr, soll auf unterzeichneter Bürgermeisterei die Fertigung einer Dach- Kandel an hiesiger Kirche, 15 cm breit, im Mittel 9 cm tief, von Zink Nr. 13, in Gefall zu legen und zu befestigen, einschließlich der erforderlichen Riementräger, und einer Auslaufsröhre, mit 3 maligem Oelfarb- anstrich, wenigstnehmend versteigert werden. Albach, den 23. November 1886. Großh. Bürgermeisterei Albach. Balser. 8439 Schafversteigerung. Donnerstag d. 2. Dezember, von Vormittags 10 Uhr an, läßt die hiesige Schäferei-Gesellschaft circa 130 Schafe, 60 Hammellämmer u. 15 Mutterlämmer, ssämmtlich gutes Bastardvieh) versteigern. Eberstadt, am 23. November 1886. 8444 I. A.: Görlach, Bürgermeister. Erne Parthie Damen- u. Kinderkaputzen Wolltücher u. f. w. empfiehlt enorm billig Rob. Haas, 8459 Seltersweg 18. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Nach Vorschrift des Artikels 13 der Städte - Ordnung wird die nachstehende Bestimmung bezüglich der Stimmfähigkeit bei der Wahl der Stadtverordneten hiermit bekannt gemacht: Stimmfähig sind: 1) alle in der Gemeinde gründ-, gewerb- oder einkommensteuerpfiichtigen Ortsbürger derselben; 2) alle männlichen Einwohner, welche die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen — unter Ausschluß der bayerischen Staatsangehörigen, weil im Königreich Bayern das Reichsgesetz vom 6. Juni 1870 nicht eingesührt ist —, und welche seit zwei Jahren ihren Unterstützungswohnsitz in der Gemeinde erworben haben, jedoch unter der Voraussetzung, daß sie zur Zeit der Wahl 25 Jahre alt sind und vom 1. Januar des dem Jahre, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergehenden Jahres an zur Einkommensteuer zugezogen worden sind. Die Stimmberechtigung jedes der unter 2 bezeichneten Stimmfähigen ist davon abhängig, daß derselbe spätestens vor dem Schluß des Jahres, welches dem Jahre, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergegangen ist, bet dem Bürgermeister, in dessen Amtslokal die mündliche Erklärung abgegeben hat, daß er sein Stimmrecht in Anspruch nehme, wobei er gleichzeitig auch Jahr und Tag seiner Geburt, den Tag, seit welchem er in der Gemeinde wohnt und den Zeitpunkt, seit welchem er Einkommensteuer bezahlt, anzugeben und auf Erfordern nachzuweisen hat. Stimmfähige der eben bezeichneten Art, welche die Abgabe dieser Erklärung bis zum 31. December dieses Jahres unterlassen, können bei einer im Laufe des Jahres 1887 etwa nothwendig werdenden Wahl zur Stadtverordneten- Versammlung oder bei einer solchen Wahl, für welche die Stimmberechtigung durch die Stimmberechtigung zur Stadtverordnetenwahl bedingt ist, kein Stimmrecht in Anspruch nehmen. Gießen, den 24. November 1886. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 8438 A. Bramm. Bekmnmnachung. Wegen Vornahme von Maurerarbeiten am Stadtbach muß das Wasser für nächsten Freitag bis Samstag Abend abgestellt werden. Gießen, 24. November 1886. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Kell er, Beigeordneter.8462 Carl Geismar-, Uhrmacher, Kreuzplatz 4 empfiehlt sich im Nepariren von Taschen-Uhren, Regulators, Pendules, Weckern etc. und werden Reparaturen gut und billig ausgeführt. 8334 Freitag den 26. November Nachmittag» 2 Uhr, sollen Neustadt 3 3 die zum Nachlaß deS Fuhrmann Carl Schmidt gehörigen HauSgeräthe, Möbel, Bettwerk, 1- und 2-thürige Kleiderschränke u. dgl. versteigert werden. Iw Auftrag F. Müller, 8415 OrtsgerichtSmann. Aeikgeöotenes. Wallliüssc und ital. Haselnüsse in schöner Waare, empfiehlt billigst JFerd. Drehes, 8461 Marktplatz 21. Hamburger Handlung A. Koch Nachf empfiehlt heute und täglich eintreffend: la. frische Schellfische u. 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Cassenöffnuug 7 Uhr - Anfang präcise 8 Uhr. sffls™ Gewöhnliche Preise. ™™ Sonntag den 28. November: Die schöne Bäckerin. Volksstück mit Gesang. 8449 Das IV. Abonnements-Cooeert fällt für heute aus und wird Donnerstag den 2. December abgehalten. Kraus se, Liederkram, Samstag den 27. November: Abend - Unterhaltung im Cafe Leib in allen Stoffen, sowie StÜhfie, SpiegcS, Bettfedern etc. Lieferung vollständiger Betten. Das Anfertigen von WelBanaehts- tiesebenken, sowie allen in mein Fach einschlagenden Arbeiten wird auf's feinste und billigste ausgeführt. C* JLei*lers Tapezier, 8278 Neustadt 3 3._______ Pferdedecken, Schlafdeck«« re. ^Heinrich Wallach Die Heilung der Lungenschwindsucht (Tubercutose). Die fürchterliche Krankheit, welche jährlich Tausende von Menschen dem ist noch selbst in den bedenklichsten Fällen heilbar. "SüfeE auf jahrelange Forschungen ist es mir endlich gelungen diese Krankheit welche bisher als Geißel der Menschheit gesurchtet wurde und die meist hoffnungsvolle Personen in der zartesten Bluihe ihres Lebens überfallt “nb mir“«“» nicht möglich ist, di-bcreits durch di-Ba-tcri-n zcr- ftörten Lung-nth-il- neu zu ersetzen, so b-w-ü-n doch b« täglich cuilaufenben Danksagungen zur Genüge, daß meine Heilmethode dem ^ortwuchern dieser ge^ fährlichen Spaltpilze Einhalt gebietet, d. h. den Batterien den zur H-ortpflan- zung geeigneten Boden entzieht, somit die übrigen Lungentheile vor werterer Jnfettion und Vernichtung schützt und den Patienten durch Heilung seines Leidens noch auf lange Zeit den Seinen erhält. Nickt immer ist Husten und Auswurf das Zeichen von Schwindsucht, sondern Beklemmungen, Brust- und Seitenstechen, Abmagerung, Schwäche und Nachtschweiße u. s. w. find tit vielen Fallen Symp ome der Tuberkulose, die in der Regel erst wahrgenommeu wird, wenn die Zerstörungen in der Lunge bereits soweit vorgeschritten sind, daß sich Athembezchwerden und umschleierte Stimme bemerkbar machen, dann haben dre Schwindsuchls- Baeterien schon längst festen Fuß gefaßt, ihr Zerstörungswerk begonnen und es ist hohe Zeit, sich meiner Heilmethode zu bedienen, um nach Gebrauch derselben, schon nach wenigen Tagen durch Linderung der betreffenden Leiden von der fortschreitenden Heilung überzeugt zu sein. Briefliche Anfragen erbittet: Richard Berger, Dresden, Marschallstr. 29, ii. gffiggr Zeugnisse und Dankschreiben über Hunderte meiner neuesten Heil- erfolgefende ich vorher gratis und franco. Geehrter Herr Berger! Ihre werthe Adresse dem Herrn Sattlermeister Vorneis von Grünberg i. H.-D. zu verdanken erfuhr ich von demselben, daß Heilmittel gegen das Lungenleiden seiner Tochter sich wunderbar gut bewährt haben Da ich auch lungenkrank und schon alle möglichen Mrttel angewandt habe,'so komme ich vertrauensvoll mit der Bitte mich auch von mein ent 2eiben LL"d-n 15. N°°. Hoch« Grünbergerstr. 30. Geudlach, Bauführer. 8401 Durch Versetzung des Herrn Lieutenant Teltz ist dessen Wohnung (mittlere Etage) sofort oder später zu öcr= miethen. A. Petri, Neuenweg 41. 7990 Zwei ineinandergehende möblirte Parterrezrmmer zu vermiethen. Bleichstraße 26. Arac-Puusch = Punsch Punsch ’ X Trieotagen Cravatten G • Weifiwaareu Shlipse ® X Handschuhe Kragen G • Schürzen Manschetten • 2 empfiehlt in reichhaltigster Auswahl zu enorm billigen Preisen 5 Wermiethungen. 8456] Schön möbl- Zimmer zu Der; miethen bei Carl Bieler, Kreuzplatz 6. 8451 Ein Zimmer mit Küche zu ver- miethen.__________H. Plank, Friseur. 7948 Ein kleines Familienlogis an eine ruhige Familie zu vermiethen. Ang. 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Bedingungen nebst Bezeichnung der erforderlichen Fuhr- leistungen liegen auf unserem Bureau zur Einsicht offen, woselbst auch Offerten bis zum 29. d M. entgegengenommen werden. Gießen, den 22. Novbr. 1886. Städtisches Gaswerk Gießen. Otto Bergen. 8396 Freitag den 26. November, Vormittags 10 Uhr. wirb im Hofe des Herrn Oeconomen Co st dahier — r Äul) = zwangsweise öffentlich gegen Baarzahlung versteigert — Versteigerung findet bestimmt statt. Gießen, den 23. November 1836. Bühner, 8411 Gerichtsvollzieher. Aeilgevsterres. Rum, Arrac, Cognac, Punschessenzen in vorzüglicher Güte bei 8095 Carl Bieler, __________________Kreuz 6.________ Strickwolle, Kockwolle in guter Qualität empfehlen billigst Geschw. Heerz, 7531 Neuenweg. Winterüberzieher, Säckchen, Röcke, Hosen, Westen, Hemden, Unterhosen habe stets zu billigsten Preisen abzugeben. 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