Mr. io Freitag den 25 Juni JH86 ießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. yreiO virrteljLhrlich 2 Mark 2t Pf. «tt Bdn««tbte Durch die Post be-ogen vierteljährlich 2 Natt 5t Pf. QgfcSMes «4«!ira|e I Erscheint «N MOmcher« deS Einladung zum Abonnement auf den Gießener Anzeiger, Zmis- unö Lnzeigebtall für öen -Kreis Riegen. Der „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, tncL der Beilage „Gießener Familienblatter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden. Der Abonnementspreis für den Anzeiger, frei in s Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg.; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, 2 Mark erd. Postgebühr. Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im III. Quartal 1886 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen. Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige , ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, damit wir Vollzählige Exemplare liefern können. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, d'aß den Abonnenten des Anzeigers die „Derwaltuugsblätter" zum ermäßigten Preise von 50 pro Quartal geliefert werden und ersuchen wir Reflektanten sich des der gestrigen Nummer beiliegenden Bestellzettels gefl. bedienen zu wollen. Die Expedition. Amtlicher Th eil. Nr. 18 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 21. d. M., enthält: (Nr. 1669.) Verordnung, betreffend die Einfuhr und die Ausfuhr von Gewächsen, sowie von sonstigen Gegenständen des Wein- und Gattenbaues. Vom 16. Juni 1836. (Nr. 1670.) Vertrag zwischen Deutschland, den Niederlanden und ter Schweizbetreffend die Regelung der Lachsfischerei im Stromgebiete des Rheins. Vom 30. Juni 1885. Gießen, am 23. Juni 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. Politische Ueberficht. Gießen, 24. Juni. Die gesetzgeberische Thätigkeit in den beiden größten deutschen Parlamenten, im Reichstage und im preußischen Landtage, wird diesmal in außergewöhnlichem Maße in Anspruch genommen. Obwohl die Session des ersteren schon seit dem 19. November des vorigen Jahres währt und auch der preußische Landtag bereits seit dem 14. Januar dieses Jahres versammelt ist, tonnte weder dort noch hier bis zum Pfingstfeste, trotzdem daß dasselbe Heuer so ungewöhnlich spät fiel, der definitive Schluß der Arbeiten bewerkstelligt werden, und somit ist der bei uns nicht allzuhäufige Fall eingetreten, daß sich die parlamentarische Winter-Campagne bis in den Sommer hinein erstreckt. Das preußische Abgeordnetenhaus hat am vergangenen Dienstag seine Arbeiten wieder ausgenommen, während der Tag der Wiedereinberufung des Herrenhauses noch nicht festgesetzt zu sein scheint; in beiden Häusern wird aber die Erledigung des Restes des Arbeitsprogramms voraussichtlich nur noch wenige Sitzungen erfordern. In beiden Häusern ist noch die Nothstands Vorlage bezüglich der Ueber- schwemmungen im Weichselgebiete zu berathen, daneben hat sich das Abgeordnetenhaus mit der nochmaligen Durchberathung der vom Herrenhause abgeänderten Kreisordnung für Westfalen und einiger untergeordneter Gesetzentwürfe zu befassen, indessen das Herrenhaus außer durch die Nothstands - Vorlage im Wesentlichen nur durch die dritte Lesung des Lehrer-Anstellungsgesetzes für Posen und Westpreußen in Anspruch genommen werden dürste. — Nicht ganz so klar stehen die Dinge hinsichtlich des letzten Abschnittes der Reichstags-Session. Wie bekannt, tritt der Reichstag nicht am 30. Juni oder 1. Juli, wie ursprünglich -verlautete, sondern an diesem Freitag wieder zusammen und stehen für diese Sitzung Petitionen, die Literar-Convention mit England und die erste Lesung des Gesetzentwurfes, tetr, die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen an der Berliner Universität, auf der Tagesordnung; am Samstag soll die Speeialberathung der in der Commission gescheiterten Branntweinsteuer- Vorlage folgen. Es ist begreiflich, daß die Regierung eine endliche positive -Lösung der Branntweinsteuer-Frage dringend wünscht, aber die Vorgänge in der Commission müßten doch an leitender Stelle die Ueberzmgung hervorgerusen haben, daß an eine Verständigung über diese Frage für sitzt nicht mehr zu denken ist. Wenn trotzdem nun der Reichstag an letztere nochmals herantreten soll, so deutet dies darauf hin, daß man regierungsseitig noch immer gewisse Hoffnungen hegt, die aber in Hinblick auf die so wenig entgegenkommende gegenseitige Stimmung der Parteien als durchaus leere bezeichnet werden müssen und die Pfingstpause wird in dieser Beziehung schwerlich einen plötzlichen Umschwung bewirkt "haben. Es wird daher auch die zweite Lesung der Branntweinsteuer- Vorlage im Plenum jedenfalls nur zu einem negativen Resultate führen und bei der gegenwärtigen Stimmung im Reichstage ist etwas Anderes auch-gar nicht ru erwarten. — Nach officiösen Andeutungen wäre aber hiermit das Arbeits- material des Reichstages noch keineswegs erschöpft, die Regierung soll vielmehr beabsichtigen, demselben auch den Nachtragsetat, der durch mehrere Beschlüsse des vorhergehenden Sessions-Abschnittes nöthig geworden ist, ferner das dem Bundes- rathe bereits zugegangene Militär-Relictengesetz und außerdem einige kleinere Gesetzentwürfe, wie denjenigen über die Revidirung des Servistarifs, vorzulegen, was eine Verlängerung des Reichstages bis in den Juli hinein bedeuten würde. Es ist aber ziemlich zweifelhaft, ob sich der Reichstag hierzu bereit finden lassen wird; das Haus tagt nunmehr bereits über 7 Monate und wenngleich zu Weih- nachten, dann zu Ostern und jetzt zu Pfingsten größere Pausen in seiner parlamentarischen Thätigkeit zu verzeichnen waren, so läßt sich doch nicht leugnen, daß die Arbeitskraft und Leistungsfähigkeit des Reichstages nunmehr an ihrer äußersten Grenze angelangt sind. Zum Mindesten würde die Qualität der Arbeiten bei einer nochmaligen Verlängerung der Session entschieden leiden und gerade das Militär-Relictengesetz will nicht über das Knie gebrochen fein, sondern verlangt eine sorgfältige und gewissenhafte Prüfung. Im Uebrigen kann ja der Reichstag in feiner gegenwärtigen Session, der längsten, welche es überhaupt gegeben hat, auf eine ganze Reihe positiver und erfreulicher Leistungen zurückblicken, so daß dieselben trotz des Scheiterns des Monopol-Projectes und der Branntweinsteuer-Vorlage mit zu den fruchtbarsten Sessionen gehött und ihr definitiver Abschluß könnte nunmehr mit Fug und Recht erfolgen. Der Bundesrath wird sich in dieser Woche u. A. über die Vorlage, welche 3 Millionen J-L aus Reichsmitteln für die im Jahre 1888 in Berlin zu veranstaltende deutsche nationale Gewerbe-Ausstellung fordert, zu entscheiden haben. Desgleichen wird auch die Berliner Stadtverordneten-Versammlung in diesen Tagen über die Vorlage des Magistrats, die 2 Millionen «4L als successive zu zahlenden städtischen Beitrag zu dem Unternehmen fordert, Beschluß fassen. Man kann nur lebhaft wünschen, daß die Entscheidung beim Reiche wie bei der Stadt in einem dem Zustandekommen dieses friedlichen und fruchtbringenden Unternehmens günstigen Sinne ausfallen möge, welches zum ersten Male feit der Neuerstehung des Reiches die Erzeugnisse des Kunstfleißes und der Gewerbe- thätigkeit aller deutschen Stämme vereinigt darstellen will. In sämmtlichen katholischen Kirchen der Stadt Pofen wurde am Sonntag der erste Hirtenbrief des Erzbischofs Dinder verlesen; in der Franziskanerkirche erfolgte die Verlesung in deutscher Sprache. Der österreichische Reichsrath wird sich in diesen Tagen bis zum Herbst vertagen, da mit der Beendigung der Berathungen über den neuen Zolltarif fein vorläufiges Arbeitsmaterial erschöpft ist. Bezüglich des vielumstrittenen Petroleumzolles ist es bekanntlich zwischen der Regierung und der Majorität des Abgeordnetenhauses zu einem Compromiß gekommen, wonach künftig der Zoll für Rohpetroleum 2 Gulden betragen soll. Es macht dies jedoch neue Verhandlungen mit der ungarischen Regierung nothwendig, weshalb der Gesetzentwurf über den abgeänderten Zolltarif im ungarischen Reichstage nicht mehr zur Berathung gelangt und wird dessen Session am kommenden Samstag geschlossen. Die am Montag im französischen Senate begonnene Special- berathung der Prinzen-Vorlage hatte zur Folge, daß die Ausweisungs-Maßregeln gegen die Prinzen die Billigung des Senats gefunden haben. Das Ausweisungs-Gesetz ist gestern veröffentlicht worden un) sämmtliche davon betroffene Prinzen haben Frankreich bereits verlassen. Am kommenden Freitag wird in England der Schluß des Parlamentes erfolgen, woran sich am nächsten Tage die Auflösung des erst im vorigen Herbste neu gewählten Unterhauses schließt. Die Auflösung des letzteren geht diesmal bereits mitten unter den Wogen des Wahlkampfes vor sich und überall sind die Vorbereitungen zu den Neuwahlen schon so weit vorgeschritten, daß die Regierung der Auflösung des Unterhauses eigentlich die Vornahme der Neuwahlen sosor^ folgen lassen könnte, wenn eben nicht der von der Verfassung vorgeschriebene Zwischenraum zwischen beiden Terminen innegehalten werden müßte. Fast jeder Tag bringt von jenseits des Kanals neue Wahlreden und neue Wahlmanifeste und anscheinend hat die Wahlbewegung noch immer nicht ihren Höhepunkt erreicht. Eine beme^kenswerthe Zwischen-Episode in derselben bildet Die lebhafte Anteilnahme der amerikanisch-irischen Nationalisten, welche Mr. Parnell, dem Ches der irischen National-Partei, 20,000 Dollars zu Wahlzwecken übermittelt haben. Gegenüber den Ungeheuern Geldmitteln, mit denen die conservativen und unionistisch-liberalen Gegner der irischen Partei im Allgemeinen operiren können, will die genannte Summe freilich herzlich wenig bedeuten. Bezüglich der Hebriden-Frage ist noch nichts Neues zu verzeichnen. In der Montagssitzung des Unterhauses erklärte Unterstaatssecretär Bryce, daß er feinen letzten Mittheilungen hinsichtlich der Neuen Hebriden nichts Neues hinzuzufügen habe, die englische Regierung könne sich nicht über die Haltung der französischen Regierung in dieser Angelegenheit beklagen, beide Regierungen hätten bie Übereinkommen aus den Jahren 1878 und 1883 als bindend anerkannt. Der russische Minister des Auswärtigen, Herr v. Giers, wird am 6. Juli zum Kurgebrauch in Franzensbad eintreffen und darf man diese Badereise des leitenden russischen Ministers wohl als ein weiteres beruhigendes Symptom für die Orientlage auffaffen. Ob Herr v. Giers vor seinem Eintreffen in Franzensbad dem deutschen Reichskanzler den schon mehrfach angekündigten Besuch abstatten wird, ist zu bezweifeln, einfach aus dem Grunde, weil sich Fürst Bismarck zu diesem Zeitpunkte schon in Kissingen befinden dürste. Wahrscheinlich wird aber Herr v. Giers nach Beendigung seiner Franzensbader Kur Zeit und Gelegenheit zu einer Zusammenkunft mit dem Fürsten Bismarck wahrnehmen. Die Vertagung der griechischen Deputirtenkammer bis zum 4. November ist geeignet, die Zuversicht auf den Bestand des Friedens im Orient ungemein zu erhöhen und darf nunmehr bie Gefahr, daß Griechenland in abermalige chauvinistische Anwandlungen zurückfallen werde, als gänzlich beseitigt betrachtet werden. Telegraphische Depesche«. wolss'S telegr. Lorrespo«-e«r - Bvreav. EmS, 23. Juni. Seine Majestät der Kaiser machte gestern Nachmittag eine Ausfahrt. Heute früh fand nach der Trinkkur die Promenade statt, dann wurden Vor-» träge Perponcher's und Wilmowsky's erledigt. Gegen 1 Uhr Mittags wird der Besuch der Kaiserin aus Coblenz erwartet. Berlin, 23. Juni. Fürst Bismarck ist heute Morgen nach Varzin ab- gcreist. Berlin, 23. Juni. Der Bundesrath überwies die Vorlage in Betreff der Veranstaltung einer allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu Berlin im Jahre 1888 den Ausschüssen für Handel und Rechnungswesen. Dem Entwürfe einer Verordnung zu dem Gesetze über die Ausdehnung der Kranken- und Unfallversicherung vom 28. Mai 1885 wurde die Zustimmung ertheilt. Ein Antrag Sachsens wegen erneuter Anordnungen auf Grund des Gesetzes gegen die Socialdemokratie (Kleiner Belagerungszustand in Leipzig) und ein Ausschußbericht über den Gesetzentwurf in Betreff der Fürsorge für Wittwen und Waisen der Angehörigen des Reichsheeres und der Marine wurden angenommen. Berlin, 23. Juni. Das Regulativ für die Jmmediat-Commission zur Ausführung des Ansiedelungsgesetzes erhielt die königliche Genehmigung. Berlin, 23. Juni. Im Abgeordnetenhause wurde heute die Weichsel-Nothstands- Vorlage in der Fassung der Regierungsvorlage in zweiter Lesung angenommen. Bei der ersten zur Berathung stehenden Petition stellte sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus, wetzhalb die Sitzung geschlossen wurde. — Nächste Sitzung Freitag. Posen, 23. Juni. Der Cultusminister v. Gotzler ist heute, von Danzig kommend, hier eingetroffen. Unter dem Vorsitze v. Gotzler's findet eineEonferenz, betr. das Volksschulwesen, statt. — Der Cultusminister v. Gotzler stattete dem Erzbischof einen Besuch ab, welchen dieser Nachmittags erwiderte. Pinneberg, 23. Juni. Im hiesigen Wahlkreise wurde Rechtsanwalt Peters in Kiel (Nationalliberal) ^um Landtagsabgeordneten gewählt. Prag, 23. Juni. Bei Kozerad schlug gestern beim Ueberfahren über den Sazawa ein Kahn mit 50 Firmlingen um; bisher wurden 25 Leichen herausgezogen. Paris, 23. Juni. Das „Journal officiell" veröffentlicht das Gesetz über die Ausweitung der Prinzen. — Der Graf von Paris und sein Sohn reisen morgen von Jreport nach England ab; der Herzog von Aumale begab sich gestern nach Eu; Prinz Napoleon reist heute nach Genf und Prinz Victor nach Brüssel. — Die republikanischen Blätter sind getheilter Ansicht über die Folgen der Prinzen-Ausweisung; die gemäßigten beharren darauf, die Ausweisung sei ungerechtfertigt; die opportunistischen fordern, die Regierung solle den Intransigenten gegenüber das Visir lüften; die radicalen wünschen eine bestimmtere, republikanische Politik; die monarchistischen meinen, die Revolution steige und die Republik gehe darnieder. — Heute fand beim Prinzen Victor Empfang statt, wozu zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der bonapartistischen Partei erschienen waren. — Prinz Victor ist um 6Va Uhr Abends nach Brüssel abgereist. Einige bonapartistische Notabilitäten, darunter der Marquis Lavalette, Levert, Haußmann, geleiteten den Prinzen nach Brüssel. Bei der Abfahrt des Zuges wurde gerufen: „Es lebe der Kaiser, auf Wiedersehen", andererseits auch: „Es lebe die Republik." Vielfach wurde gepfiffen. Einige Verhaftungen fanden auf dem Bahnhofe statt. — Einem Wiener Telegramm des „Journal des Debats" zufolge gab der französische Botschafter Foucher Decareil seine Demission. — Der Graf von Paris nimmt in Tunbridgewells (Grafschaft Kent) seinen Wohnsitz. L ondon, 23. Juni. Gladstone hielt gestern in Glasgow eine Rede und trat sodann die Rückreise nach London an. An allen Bahnhöfen Schottlands wurde er von großen Menschenmengen begeistert begrüßt. — Lord Hartington beabsichtigt, am Freitag sich nach Glasgow zu begeben und dort in einer großen Versammlung der Unionisten eine Rede zu halten. — John Bright richtete an den liberalen Abgeordneten Eaine, welcher sich in der irischen Frage von Gladstone trennte, ein Schreiben, worin er seinen Wünschen für den Erfolg der Candidatur Caine's bei den nächsten Wahlen Ausdruck gibt. — Das Oberhaus nahm in dritter Lesung die Wahlbeamtenkostenbill, die Medicinalbill, die Weinzollbill und die Finanzbill an. Lissabon, 23. Juni. Der König beabsichtigt nach Ems zu zehen. Rom, 23. Juni. Cholera-Bericht. Vom 22. bis 23. Juni, Mittags, kamen in Venedig 3 Erkrankungen und 2 Todesfälle vor, in Brindisi 18 Erkrankungen und 7 Todesfälle, in Sanvito 4 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Oria 3 Erkankungen und 1 Todesfall, in Latiano 2 Erkrankungen. Petersburg, 23. Juni. Das „Journal de St. Petersbourg" bezeichnet die Behauptungen der Pariser Journale bezüglich angeblicher Schritte Rußlands in Konstantinopel, die auf Beschleunigung in der Beurlaubuna türkischer Truppen gerichtet wären, als falsch. — Das „Journal" dementirt ferner Die Information der „Polit. Correfp." aus Sofia, daß Nabokow bemüht sei, die Spuren feiner Mitschuld an der sogenannten Verschwörung verschwinden zu machen. Nabokow verlange im Gegen- theile richterliches Verfahren, aber in den legalen Verhältnissen gemäß den Kapitulationen. Diese Genugthuung werde ihm verweigert. Das Blatt wiederholt, die Verschwörung sei eine Fabel. Petersburg, 23. Juni. Das „Journal de St. Petersbourg" dementirt die Gerüchte über Concentrationen russischer Truppen in Bessarabien und die Sendung, von Verstärkungen an die armenische Grenze seitens der Pforte als den Beziehungen zwischen Rußland und der Türkei nicht entsprechend. Belgrad, 23. Juni. Die Skupschtina wurde auf den 12. Juli einberufen. Konstantinopel, 23. Juni, lieber die Provenienzen aus Montenegro wurde eine 5tägige Observation verhängt. Bukarest, 23. Juni. Gutem Vernehmen nach beschloß der Ministerrath, den Kammern einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher die Regierung ermächtigt, während der Zeit, worin die Kammer nicht versammelt ist, provisorische Abmachungen mit solchen Staaten abzuschließen, welche mit Rumänien in Handelsbeziehungen stehen. Diese Abmachungen sollen auf derselben Grundlage abgeschlossen werden, wie der jüngste schweizerisch-rumänische Handelsvertrag; auch dürfen dieselben provisorisch in Vollzug gesetzt werden, sind aber den Kammern bei deren Wiederzusammentritt zur nachträglichen Genehmigung vorzulegen. Lokale-. Gießen, 23. Juni. sSchwurgericht.] Des Verbrechens wider die Sittlichkeit int Sinne des 8 176,1 des R. St. G. B. angeklagt ist heute der ledige Johannes Loth von Rüddingshausen. Die näheren Umstände des Falles entziehen sich der öffentlichen Besprechung; bemerkt fei nur, daß der Angeklagte seine Handlungsweise als eine Züchtigung darzustellen versuchte, welche er, im Zorn über die ihm Seitens der Verletzten widerfahrene Abweisung seiner Heirathsanträge, der Verletzten ertheilt habe. Die Geschworenen pflichteten dieser Darstellung nicht bei, denn sie bejahten die gestellte Schuldfrage und wurde deshalb der Angeklagte in eine Gefängnitzstrafe von 8 Monaten verurtheilt. Universität- - Ghronik. Halle a.- <5. Die Zahl der Jmmatriculationen beträgt in diesem Sommersemester hier 1518 (gegen 1498 im Winter-Semester), davon entfallen 616 auf die theologische, 101 auf die juristische, 329 auf die medicinische und 472 auf die philosophische Facultät. Mit dem 1. Juli geht das Rectorat von Prof. Dr. Conrad auf Prof. Dr. Dittenberger über. Freiburg. Nach dem Adreßbuch der Universität Freiburg i. Br. venheilen sich die 1319 immatriculirten Studenten in folgender Weife auf die vier Facultäten: Theologen 112, Juristen 263, Mediciner und Pharmaceuten 585, Angehörige der philosophischen Facultät 359. Die Zabl der Badener beträgt 303, die der Nicht-Badener 1016. Da zu diesen immatriculirten Studenten noch 85 Hospitanten kommen, so- nehmen an den Vorlesungen im Ganzen 1404 Theil. — Dr. Wach, Professor des Staatsrechts zu Leipzig, hat einen Rus nach Berlin angenommen. — Prof. Dr. Lipsius, Mitdirector des philologischen Seminars zu Leipzig, erhielt einen Ruf nach Heidelberg an Stelle des nach Leipzig berufenen Professor Wachsmuth. — Prof. Dr. v. Pflugk-Harttung zu Tübingen hat einen Ruf als ordentlicher Professor der Geschichte zu Basel an Stelle von I. Burckhardt (und des verstorbenen W. Vischer) angenommen. — Prof. Dr. Kräpelin, Oberarzt für Geistes-und Nervenkranke am städtischen Krankenhause zu Dresden, hat einen Ruf als ord. Professor der Psychiatrie und Director der psychiatrischen Klinik nach Dorpat angenommen. Vermischtes. Berlin, 16. Juni. Das Polizei-Präsidium erläßt folgende Warnung: „Durch - eine hiesige Firma ist ein Taschenfeuerzeug in Form eines Kanonenrohrs angefertigt und in den Handel gebracht worben, bei welchem Demjenigen, welcher dasselbe durch einen Druck auf den Verschlutz zu öffnen versucht, eine Nadel von lf/j Millimeter Länge in den Finger fährt. Der Gebrauch dieser Feuerzeuge erscheint gesundheitsgefährlich , insbesondere dann, wenn die Nadelspitze mit Unreinigkeiten behaftet und dadurch geeignet ist, Entzündungen oder selbst Blutvergiftungen herbeizuführen." München. sKönig Otto.] Ungefähr zwei Stunden von München auf der Straße nach Starnberg steht das alte, jetzt aber comfortabel umgebaute Jagdschloß Fürstenried. Auf Anordnung des verstorbenen Königs wurde dasselbe vor circa 10 Jahren für den Prinzen Otto total umgebaut und neu hergerichtet. Eine 12 Schuh hohe Mauer umgiebt Garten und Park, in dessen Mitte mit der Front auf eine große Lindenallee das nun prachtvoll hergerichtete Schloßgebäude steht. Zu beiden Seiten lehnen sich Stallgebäude und Dienerwohnungen an dasselbe an. Die Frontseite der Mauer ist links und rechts mit je einem Häuschen versehen, welches die Gensdarmerie und der Hofgärtner bewohnt. Seil der Prinz König geworden, hat auch Fürstenried eine etwas veränderte Gestalt angenommen. Während nämlich früher dortselbst nur eine kleinere Gensdarmeriestation domieilirte, welche dem Landbezirke angehörte, ist dieselbe seit der Proclarnation ziemlich verstärkt worden durch Gensdarmerie aus der Stadt. Die Proclamation, wodurch die bayerische Majestät auf König Otto übertragen wurde, ist ihm durch seine beiden Curatoren, General Freiherr von Prankh- und Obersthofmarschall Freiherr von Massen, überbracht worden. Er weiß davon, daß er König und sein Bruder tobt sei. Die Tobesursache kennt er nicht. König Otto ist schon feit längerer Zeit auf mehrere Zeitungen abonnirt, welche von bemselben mit Vergnügen gelesen werben. In ber letzten Zeit bürsten keine vorgelegt worben sein. König Otto raucht gerne Cigaretten, fährt aber selten aus, will jeboch demnächst in die Stadt fahren, lieber das österreichische Kaiserhaus pflegt derselbe gerne zu sprechen, wie er überhaupt für dasselbe sehr eingenommen zu sein scheint. König Otto kommt selten aus seinem Schlosse ober Schloßparke heraus; man kann sich nur erinnern, daß er im vorigen Herbste einmal in dem nahen Walde Erdbeeren suchte. Das Schloß mit seiner hohen Mauer macht den Totaleindruck eines noblen Gefängnisses und dies umsomehr, als die Bewachung der Gensdarmerie übertragen ist. Die Cavalier-Umgebung des jetzigen Königs von Bayern besteht aus dem Rittmeister Baron Redwitz als funct. Hofmarschall und dem Hauptman-i Baron v. Stengel, bann bem Rittmeister v. Schubart als Begleiter. Die Aerzte, welche monatlich wechseln, sind Assistenzärzte ber hiesigen Irrenanstalt; außerbem sinb 3 Wärter ba, von benen jebesmal einer im schwarzen Anzuge bei ber Spazierfahrt neben bem Kutscher sitzt. Sein alter Kammerdiener Vögele bilbet immer noch ben Chef ber Hausbienerfchaft. In einer Wiener Zeitung werben Aeußerungen eines Arztes des nunmehrigen Königs über den Zustand desselben und über sein Verhältniß zu König Ludwig mitgetheilt. Der erwähnte Arzt war verpflichtet, den Prinzen mit dem Aufgebot seiner ganzen Kunst zu behandeln, aber es blieb ihm verwehrt, in äußersten Fällen auch nur ein einziges der Mittel anzuwenden, welche bie moderne Jrrenheilkunde gestattet uub empfiehlt. Rur mit milbem Zuspruch sollten unb bürsten bie Aerzte dem kranken Bruder des Königs- nahen; schon bie Drohung mit ber Gewalt war ihnen von Lubwig II. strengstens verboten. Wenn Prinz Otto sich schlechterbings nicht mehr fügen wollte, bann wurde als höchste Instanz der König aufgerufen. Mehr als einmal fuhr Ludwig II. dann in Fürstenried ein; am liebsten bei nachtschlafender Zeit. Mehr als einmal trat er denr Tobenden gegenüber. Und mehr als einmal soll Prinz Otto inmitten ber heftigsten Wahnsinnsanfälle der Autorität des Königs sich gebeugt haben, von dem Blick der Majestät zum Gehorsam gebracht worden sein. Ein erschütternder Gedanke, daß der in brüderlicher Liebe wirkende königliche Arzt bestimmt war, dereinst Selbst in Wahnsinnsnacht zu fallen! König Otto ist von Wahnvorstellungen besangen. Er sieht Personen und Dinge, die nicht vorhanden sind. Er hat aber lichte Stunden. — Mit Bezug aus die erbliche Belastung, welche das Geschick Ludwigs II. und seines Bruders Otto herbeigeführt hat, bemerkt die „Schles. Zlg.": Ganz zweifellos hat die Inzucht, die Eheschließung unter Verwandten, ihren Antheil an der erblichen Geistesstörung. Aber noch eins tritt hinzu: Den „Geschlechtern", d. h. denjenigen Familien, welche ihren Stammbaum nachweisen können und welche bei Eheschließungen an bestimmte, durchweg höhere Stände gebunden sind, scheint die Natur eine gewisse Zeit frist gefetzt zu haben, über welche sie nicht dauern sollen. Fachgelehrte sind der Ansicht, daß diese Lebensgrenze über etwa 1000 Jahre nicht hinausreiche und daß eine weitere Fortpflanzung der Familien nur möglich sei, wenn wieder frisches Blut aus Volkskreisen eingeführt werde, welche der Natur näher stehen als der Cultur und darum von geistigen Anstrengungen und Aufregungen, von verfeinerten materiellen Genüssen und abnormen Lebensgewohnheiten weniger berührt werden. Das Haus Wirtelsbach zählt zu den ältesten Geschlechtern. — Wachtmeister: „Sie, Ströbel, warum sind die Husarensäbel krumm?" Ströbel: „Um dem Hiebe mehr Wucht zu geben." Wachtmeister: „Die Husarensäbel sind krumm, weil die Scheiden gebogen sind, sonst gingen sie nicht rin!" Geschichts-Dalender- 25. J«ni. 1804. Georges Cadoudal, das Haupt einer Verschwörung gegen Napoleon, hingerichtet. 1849. Gefecht bei Durlach. Der Prinz von Preußen rückt in Karlsruhe ein. 1868. Enthüllung des Luther-Denkmals in Worms. Handel und Vermehr. Limburg, 23. Juni. Rother Weizen A 15.10, weißer Weizen A 00.00, Korn A 10 75, Gerste A 7.65, Hafer A 6.70, Kartoffeln ä 100 Pfund A 0.00 Erbsen ä 100 Pfund A 00.00. Frankfurt, 23. Juni. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter A 4.00—5.00, Eier das Hundert A 4.50—5.00, Butter per Pfund A 0.90 bis 1.10, Weißkraut per Stück 00—00 H, Rothkraut per Stück 30—40 Kohlrabi per Stück 10—12 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 X Kalbfleisch 40—60 H, Schweinefleisch 65—70 H, Hammelfleisch 50—70 1 Hahn A 0.70-1.80, 1 Huhn A 1.00—2.50, 1 Ente A 2.00—3.50, 1 Gans A 6.00—8.o6 1 Taube 40—50 H, Welsche A 5.00—10.00. Verfälschte schwarze Seide. brenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert) und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht- Das Seiden - Fabrik - D6pot von G. Henneberg (K- u. K- Hoflief.) in Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke zollfrei in's Haus, ohne Zollberechnung. Ein Brief nach der Schweiz kostet 20 Pf. Porto- 2431 Temperatur der Lahm Am 24. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 11°, Luft 11° R. im Schatten. L. Cbr. Rübsamen. Allgemeiner Anzeiger. Bauverding. Zum Neubau eines Kreisamts-Ge- bäudes zu Friedberg sollen im Wege schriftlicher Unterbietung folgende Arbeiten und Lieferungen vergeben werden : im Betrage von . 1. Erd- und Maurer- • arbeit JL 7907,40 2. Steinhauerarbeit mit Material „ . 3. Zimmerarbeit „ 4. Dachdeckerarbeit „ 5. Schreinerarbeit „ 6. Schlofserarbeit „ 7. Glaserarbeit „ 8. Weißbinderarbeit „ 9. Spengleraroeit „ 10. Tapezierarbeit „ 11. Lieferung von 530 cbm Bruchsteinen „ 12. Steinjetzen (530 cbm) „ 13. Lieferung v. 17500 \ Stück halben Ber- j blendsteinen, / Lieferung v. 17500 I Stück viertel Ber- > „ blendsteinen, I Lieferung von 400 I Stück ganzen Bo- J gensieinen ' 14 Lieferg. v. 150060 \ Stück Feldbrand- i backsteinen, \ Lieferung v. 17000 / " Stück % Feld-1 drandbacksteinen ' 15. Lieferung von 6400 Stück Tuffsteinen „ 16. Lieferung von 110 cbm Schwarzkalk „ 17. Lieferung von 275 cbm reinem Mauersand „ 18. Lieferung von 10 Tonnen Cement „ Pläne, Voranschlag und ungen können bei unterzeichneter Stelle eingefehen werden. Liebhaber zur Uebernahme dieser Arbeiten ' haben ihre Angebote in Procenten der Schlußsumme versiegelt und portofrei mit entsprechender Aufschrift versehen bis längstens Mittwoch den 30. Juni, Vormittags 11 Uhr, hierher einzureichen, um welche Zeit die Eröffnung der eingegangenen Angebote im Beisein der etwa erschienenen Bieter erfolgt. In den Offerten muß ausdrücklich angegeben fein, daß von den Bedingungen Kenntniß genommen wurde. Friedberg, den 19. Juni 1886. Großherzogl. Kreisbauamt Friedberg. Kranz, 4592 Gr. Baumeister/ 1664,40 3272,- 224,- 2200,- 962,50 108- Beding- 2650,- 106,— 5170,65 8362,06 2319,04 5683,17 2692,86 2768,- 3983,86 1857 — 903,— Wafferwerk Gießen. Die Ausführung der Maurer- und Steinhauerarbeiten, sowie die hierzu gehörigen Erdarbeiten zum Bau des Quellenausschlußkanals und der Hauptsammelstube bei Großen-Buseck und des Hochreservoirs auf dem Lutherberg soll vergeben werden. Die Werkzeichnungen, Bedingungen und Anschlagsformulare sind in meinem Bureau, Steins Garten, einzusehen und wird daselbst jede gewünschte Auskunft erthellt. Offerten sind bis DienStag den 29. d. MtS. bei mir einzureichen. Carl Rosenfeld, 4682 __________________________________________Ingenieur.____________ Ausverkauf zurückgesttzter Kleiderstoffe, per Meter von 30 Pfennig an, bei August Mtendetsohn, 4674 Seltersweg 9. Dritter Hauptgewinn 30000 M.W. Zweiter Hauptgewinn 40000 M.W. Hauptgewinn 60000 M.W. Vierter Hauptgewinn 20000 M.W. Aer Morstand der Ständigen Ausstellung, Weimar. Loose sind auch zu haben bei: QO&i'tnaz 1886, in cWt aKfasoe-n. 150007500005HCaz1t darunter Hauptgewinne im Wert he von 60000OK, 40000OK.,30000OK.,2000001c. 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Louis Lenz, Restaurateur, (Felsenkeller).__________ 4652] Geübte Glasergesellen finden Beschäftigung, je nach Leistungen mit 8 -10 Wochenlohn nebst Kost und Logis, ohne solches das Doppelte, bei Bonifaz Traut, Glasermeister, Fulda. Plakat-Fahrplan aller auf Station Gießen ankommenden und abgehenden Züge für den Sommerdienft 1886 ist in der Expedition diefes Blattes, sowie durck die Zeitungsträger zum Preise von 20 Pf. zu haben. «0 a 2 d o L S « 3 u « £ 1 | ■e g <3 a 3 Q S S S = j* 2 - a. II 1 co s i <-5 5 O E=