Rr. 120 Dienstag den 25 Mai ISS« iehener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ^°int «»««» -H W« “Ä lÄrtTT «WW SSSWWSSSSWMWWWNSWNSSMSSSSSSSSWSSVSSSSSSSSSSSSS! SSSSSSSSS Amtlicher Jheil. Betreffend: Aufsicht über das Fasselvieh. Gießen, den 24. Mai 1886. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der nachbenannten Orte. Eingetretener Hindernisse wegen wird die aus Mittwoch den 26. und Donnerstag den 27. d. M. anberaumte Faffelviehbesichtigung nicht an diesen Tagen, sondern Donnerstag den 27. 1. M in Hungen, Inheiden, Trais-Horloff, Utphe, Obbornhofen und Bellersheim, Freitag den 28. l. M. in Bettenhausen, Muschenheim, Birklar und Langsdorf stattfinden, wovon Sie die Bullen- und Eberhalter in Kenntniß setzen wollen. Dr. Boekmann. Deutschland. Darmstadt, 21. Mai. Mit Genehmigung Sr. König!. Hoheit des Grobherzogs ist an die zweite Kammer der Stände eine, die Errichtung einer Zellenstrafanstalt betr. Propositton mit dem Ansinnen gelangt: 1) der Großh. Regierung für die Erbauung einer Zellenstrafanstall die Summe von 1,500,000 «X zur Verfügung zu stellen; 2) die Zustimmung dazu zu ertheilen, daß die zur Deckung dieser Summe ersorderlichen Mittel, sowie die im Laufe dieser Finanzperiode etwa fällig werdenden Zinsenbeträge im Wege des Staatskredits durch Ausnahme eines höchstens mit 4 pCt. verzinslichen Anlehens flüssig gemacht werden; 3) sich damit einverstanden zu erklären, daß die Tilgung des hiernach aufgenommenen Kapitals in der Art erfolgt, daß die jeweilig durch den Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen- und -Ausgaben dazu bestimmt werdenden Mittel zum Ankauf einer entsprechenden Anzahl von Schuldverschreibungen verwendet werden und daß dem Staat, nicht aber auch, den Inhabern der Schuldverschreibungen das Recht vorbehalten bleib die ausgegebenen Schulverschreibungen auch zur Einlösung mittelst Baarzahlung der Kapitalbeträge zu kundigen. ][ Darmstadt, 23. Mai. Der kaiserliche Statthalter von Elsaß- Lothringen, Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, ist gestern Vormittag mit dem fahrplanmäßigen Zuge 8 Uhr 58 Min. von hier nach Baden abgereist. Der Fürst wurde von dem General-Adjutanten und Hosmarschall des Großherzogs, Generalmajor Westerweller v. Anthoni Excell. zur Bahn geleitet. — In den nächsten Tagen wird dem Vernehmen nach das Großh. Hoflager von hier für einige Zeit nach dem Jagdschloß Kranichstein verlegt werden. Auch während dieser Zeit wird Se. König!. Hoheit der Großherzog an den hierzu bestimmten Vormittagen (Mittwochs und Samstags) hier Audienzen ertheilen, sowie Meldungen und Vorträge entgegennehmen. — Ein Act wissenschaftlichen StrikeS ist hier zu verzeichnen gewesen. Die Studirenden der technischen Hochschule weigerten sich in corpore die Vor- lesungen zu besuchen, weil mehrere Commilitonen polizeilich verhaftet worden waren. Eine Deputation derselben, welche bei dem Herrn Staatsminister vorstellig geworden, hatte einen ablehnenden Bescheid erhalten. Der Grund der Verhaftung war, wie man uns mittheilt, der gewesen, daß die betr. Herren in einer Duell-Angelegenheit ihr Zeugniß verweigerten. Nachdem die Herren nun gestern Morgen von dieser Weigerung Umgang genommen, wurden sie sofort wieder aus freien Fuß gesetzt. Demnach steht auch dem Besuch der Vorlesungen nichts mehr entgegen. Darmstadl, 22. Mai. sZweite Kammer der LandständeO In heutiger Sitzung wird die Berathung über das Gesetz, die Unterbringung jugendlicher Uebel- thäter und verwahrloster Kinder betr., weiter fortgesetzt und gelangt man zur Discusston über Art. 2. Derselbe lautet in der Negierungs-Vorlage wie folgt: „Dre Unterbringung zur Zwangserziehung im Falle des Art. 1 erfolgt, nachdem ote Vormundschaftsbehörde durch Beschluß den Eintritt der Voraussetzungen dieses Artikels unter Bezeichnung der für erwiesen erachteten Thatsachen festgestellt und die Unterbringung für zulässig erklärt hat." Der Ausschuß beantragt mit Stimmenmehrheit den Art. 2 wie folgt zu fassen: Die in Art. 1 vorgesehene Unterbringung erfolgt, nachdem die Vormundschaftsbehörde durch Beschluß den Eintritt der Voraussetzungen des Art. 1 sestgestellt und die Unterbringung für erforderlich erklärt hat." . Ein Ausschußmitglied (Schade) beantragt, statt der Worte „für erforderlich erklärt" zu setzen: „angeordnet." Der Ausschuß war bei Stellung seines Antrags davon ausgegangen, daß es erstens unthunlich sei, daß sich die 2 in Frage kommenden Behörden, die Verwaltungsbehörde und die Gerichtsbehörde, gegenseitig corrigirten und daß zweitens eine Vereinfachung des in Art. 10 vorgesehenen Verfahrens dringend geboten erscheine, da häufig Fälle vorkämen, die ein möglichst rasches Einschreiten nöthig machten. Staatsminister Finger Exc. tritt für die Negierungs-Vorlage em, wenn er auch zugebe, daß es genügend sei, wenn lediglich das Kreisamt, nicht das Ministerium des Innern und der Justiz, in letzter Instanz über die Unterbringung und die Verfügung bezügl. der Kosten entscheide. Die Erklärung des Abg. Ulrich, für die Negrerungs-Vorlage stimmen zu wollen, da hierdurch allein einer Zwangserziehung vorgebeugt werden könne, ruft eme Entgegnung des Abg. Schröder hervor, die wiederum zu einer Anzahl von persönlichen Bemerkungen Anlaß gibt. , „, _ , „ . . _ ,a ... . Abg. Schröder spricht sich für den Ausschußantrag aus, da der Krersrath m Folge von Arbeitsüberhäufung nie persönlich derartige Geschäfte leite, sondern sie den weniger qualiftcirten Gehülfen überließe. Für die Negierungs-Vorlage sprechen ote Abgg. v. Wedekind, Vogt, Haustein. Letzterer möchte fedoch den Necurs an die Staatsbehörde beibehalten haben. Außerdem eigne sich der Kreisrath vorzüglich zu solchen Entscheidungen, da er Vorsitzender des Schulvorstandes sei. Nach kurzen Ausführungen des Berichterstatters Abg. Ohly wird der Ausschußantrag mit 20 gegen 17 Stimmen abgelehnt, die Regierungs-Vorlage gegen 10 Stimmen angenommen. Ferner findet noch folgender Zusatzantrag ni Art. 2 des Abg. Arnold einstimmige Annahme: „Dieser Beschluß darf, wenn die Unterbringung aus Grund einer strafbaren Handlung der Eltern stattsinden soll, erst nach rechtskräftiger Verurteilung derselben erfolgen. Das eingeleitete Strafverfahren hat im Ucbrigen jedoch keinen hemmenden Einfluß auf die Einleitung oder Fortsetzung des denselben vorbereitenden, vormundschaftlichen Verfahrens." Art. 3 und 4 fallen aus in Folge der Abstimmung und des Beschlusses über Art. 1. Der Art. 5 wird gemäß eines vom Ausschuß unter Zustimmung der Großh. Staatsregierung gestellten Antrags in folgender Fassung einstimmig angenommen: „Vormundschaftsbehörde im Sinne des Art. 2 des Gesetzes ist das Amtsgericht des Wohnsitzes und in Ermangelung eines solchen des Aufenthalts der Eltern. Sind die Eltern nicht mehr am Leben, oder haben dieselben im Großherzogthunt Hessen keinen Wohnsitz und Aufenthaltsort, so ist das Amtsgericht des Aufenthaltsortes des Kindes zuständig." Durch Annahme des Art. 2 in der Fassung der Regierungsvorlage werden eine Anzahl von Abänderungen der übrigen Ausschußanträge nöthig und zieht sich deshalb der Ausschuß zu sofortiger Berathung zurück. Nach einer Pause von 20 Minuten schreitet man zur Berathung über Art. 6. Die Fassung, wie sie der Ausschuß bean- :agt und die nicht sehr wesentlich von der Regierungsvorlage abweicht, wird gegen 1 Stimme angenommen. Ein Amendement des Abg. Metz (Gießen) in Absatz 1 des Art. 6 die Worte „und 3 von Amtswegen oder" zu streichen, ferner den Absatz 3 zu streichen wird gegen 2 Stimmen abgelehnt. Desgl. ein Antrag Vogt, dahingehend, daß die Verwaltungsbehörde vor ihrer Beschlußfassung nicht nöthig habe auch das Kind selbst zu hören, welches in Folge seines Alters und seiner Individualität hierzu geeignet sei. Ein Antrag Kredel und Möhn, im Absatz 4 vor „Bürgermeisterei" das Wort „Gemeindevertretung" einzuschalten, wird mit 22 Stimmen angenommen. Art. 7 handelt von der Beschwerde gegen den Beschluß der Vormundschaftsbehörde. Es findet der Ausschußantrag einstimmige Annahme, der die Beschwerdefrist auf 1 Woche nach Zustellung des Beschlusses festsetzt. Ferner wird folgender Zusatz angenommen: „Wenn jedoch nach dem Ergebniß des stattgehabten Verfahrens und nach der Persönlichkeit der Eltern oder des Kindes der Aufschub erhebliche Nachtheile für das Kind zur Folge haben kann, so ist das Vormundschaftsgericht befugt, seine Entscheidung für vorläufig vollstreckbar und eine fürsorgliche Unterbringung des Kindes für zulässig zu erklären. Zu letzterer Maßregel ist, falls im Interesse des Kindes ein sofortiges Einschreiten dringend geboten ist, die Vormundschaftsbehörde auch schon vor abgeschlossenem Verfahren berechtigt. Art. 8 wird in Fassung der Regierungsvorlage angenommen gegen 2 Stimmen. Bei Art. 9 wird der Ausschußantrag angenommen, dem Art. 9 folgenden ersten Absatz zu geben: „Auf das Verfahren vor dem Vormundschaftsgericht finden die Vorschriften des Gesetzes vom 5. Juni 1879 und die sonstigen für diese Gerichte in Vormundschaftssachen geltenden Bestimmungen Anwendung." Ein Antrag des Abg. Schaum, dahingehend, daß der Antragsteller, falls er zurückgewiesen werde, die Kosten des Verfahrens zu tragen babe, wird gegen 5 Stimmen abgelehnt. Art. 10 wird in Fassung des Ausschußantrags einstimmig angenommen nach längerer Debatte. Ein Antrag Wasserburg, im Satze: „auf die Eonfession des Kindes sei thunlichst Rücksicht zu nehmen", das Wort „thunlichst" zu streichen, wird gegen 7 Stimmen angenommen. Ein Antrag, eine zweite Lesung des Gesetzes eintreten zu lassen, kommt erst zur. Abstimmung, nachdem die Art. 11, 12, 13 noch berathen sind. Nächste Sitzung Dienstag den 25. Mai, Vormittags 9 Uhr. Berlin, 22. Mai. Die Nachricht von einer beabstchtigten Demission- des Kriegsministers Bronsart v. Schellendorf und von Veränderungen in der Besetzung der höchsten Stelle der Admiralität sind bestem Vernehmen nach durchaus unbegründet. — Das Abgeordnetenhaus begann die zweite Lesung der Kanal-Vorlage und vertagte die Weiterberathung schließlich aus Dienstag. Minister Maybach war sehr warm für die Vorlage eingetreten. Potsdam, 22. Mai. Se. Maj. der Kaiser traf heute Vormittag 9 Uhr 35 Min. hier ein und nahm um 11 Uhr die Parade über die hiesige Garnison im Lustgarten ab. Bei derselben waren noch anwesend: Se. K. und K. Hoheit der Kronprinz, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, Prinz Max Emanuel von Bayern und die hier anwesenden fremden Officiere. Ihre K. Hoheit die Frau Großherzogin von Baden, Ihre K. und K. Hoheit die Frau Kronprinzessin mit den Prinzessinnen-Töchtern, Ihre K. Hoheit die Frau Prinzessin Wilhelm mit ihren Söhnen und die Frau Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen wohnten der Parade von den Fenstern des Stadtschloffes aus bei. Nach der Parade sand ein Frühstück im Stadtschloffe statt. Um 1 Uhr erfolgte die Rückfahrt nach Berlin. Kossand. Haag, 22. Mai. Der General-Gouverneur von Niederländisch-Jndien telegraphirt, daß der Resident in Batavia am 20. d. Mts. genöthigt gewesen ist, einen Ausstand in Tjomas, einer PrivaLbesttzung im District BuiLenzorg, mit bewaffneter Hand zu unterdrücken. Von den Ruhestörern, die bewaffnet waren und etwa 500 Mann zählten, sind 50 theils getödtet, theils verwundet worden. Die Ruhe ist wieder hergestellt und es wird angenommen, daß die Bewegung durch die Anforderungen des Eigenthümers der Besitzung hervorgerufen fei. Frankreich. Paris, 22. Mai. Der „Univers" veröffentlicht ein Manifest des Don Carlos, worin derselbe gegen die Proklamirung Alfonsos XIII. protestirt und erklärt, er werde niemals seinen Rechten entsagen. Italien. Catania, 22. Mai. Gestern Abend öffneten sich noch weitere neue Krater des Aetna, die Intensität des Lavaauswurfs ist jedoch geringer geworden. — Vormittags wurden in Paterno und Biancavilla neue Erderschütterungen verspürt. Die neu erschlossenen Krater befinden sich in dauernder Eruption. Die Ortschaften Nicolosi, Belpasso und Pedara sind noch immer gefährdet. Spanien. Madrid, 22. Mai. Die Taufe König Alfonso's XIII. hat heute stattgefunden Die Minister, der hohe Klerus, das diplomatische Corps und die obersten Staatsbehörden wohnten der Taufhandlung bei. In den Höfen und Gallerten des Königspalais hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge angesammelt. Die Ordnung wurde nirgends gestört. Portugal. Lissabon, 22. Mai. Die Vermählung des Kronprinzen mit Prinzessin Amalie, Tochter des Grafen von Paris, ist heute vollzogen worden. Türkei. Konstantinopel, 22. Mai. Ein Circular der Pforte erklärt, die feindseligen Vorgänge an der türkisch-griechischen Grenze seien ganz zufällige gewesen, falls sie nicht durch Officiere, welche Anhänger von Delyannis wären, hervorgerufen sein sollten. Uebrigens erhielt der türkische Commandant Befehl, aus der Defensivhaltung nicht herauszutreten. Kriechenlano. Athen, 22. Mai. In der Kammer befragt Philaretos die Regierung wegen der türkischen Angriffe. In Abwesenheit des Herrn Trikupis erwidert der Minister des Innern, Lombardos, es seien Schritte gethan, um diese Angelegenheit zu ordnen und er fügte hinzu, daß ohne die Zwischenfälle an der Grenze das Decret zur Entwaffnung schon veröffentlicht sein würde. — sTelegramm der „Agence Haaas".j Wie es heißt, hätten die Türken auf der Linie Melonna-Raveni und gegen Mavrelli das Feuer eröffnet. Die Griechen hätten die Türken zurückgeworfen und einige türkische Stellungen besetzt. Amerika. Newyorr, 22. Mai. Hier eingegangene Depeschen aus Washington melden, der Minister des Auswärtigen, Bayard, habe von der englischen Regierung außer der Freilassung des Fischerbootes „David Adams" auch eine Schadloshaltung der Besitzer desselben verlangt. _ , Washington, 22. Mai. Ein Schreiben des Ministers des Auswärtigen, Bayard, an den Senator Frye besagt, es seien Schritte gethan zur Aufklärung des Gerüchts über die Weigerung der kanadischen Behörden, dem amerikanischen Schiffe „Jennie und Julia" zu gestatten, in Digby (Neuschottland) Häringe zum Einsätzen zu taufen. Bayard habe sich mit directen Vorstellungen an den britischen Gesandten, West gewandt und denselben ersucht, von dem Director des Zollamts in Digbn Aus-, kunft über diese augenscheinliche Verletzung der Rechte der amerikanischen Händler zu verlangen. Was endlich das tadelnswerthe Verfahren der kanadischen Behörden gegenüber amerikanischen Schiffen angehe, so versichere er (Bayard) bestimmt, daß den Rechten amerikanischer Bürger, so lange deren Schutz in seinen Händen liege, kein Eintrag geschehen solle. Telegraphische Depesche«. rvolst's telegr. Torrespondenz-Bureau. Berlin, 23. Mai. Die Eröffnung der Jubiläums-Kunstausstellung hat programmmäßig stattgefunden. Der Kronprinz wies in seiner Ansprache an den Kaiseraus die vor hundert Jahren vollzogene Stiftung der Ausstellungen durch Friedrich den Großen hin. Nachdem dann ein Völkeraewitter ohne Gleichen vor mehr als 80 Jahren das alte Europa von Grund verändert hatte, bleibe es ewig denkwürdig, daß gerade Männer aus dem Norden, wie Winkelmann, Thorwaldsen, Carstens und Schinkel es gewesen seien, welche die Botschaft von Hellas verkündeten; eine andere Schaar, in deren Mitte Cornelius, habe die deutsche Vorzeit zurückgerufen. So erwuchs mannigfaltig, wie es deutsche Art ist, auch die deutsche Kunst; immer mehr sich -erweiternd, gewährt sie eine Fülle von Erscheinungen, die wir in der Hoffnung genießen, daß die mancherlei Gaben zuleüt in einem Geiste der Wahrheit, Gesittung und Vaterlandsliebe zusammenwachsen werden, nach dem Vorbilde der Geschicke unserer deutschen Stämme, die unter der väterlichen Leitung des Kaisers ein einiges Haus, eine starke Fmnilie geworden sind. Althergebrachter Sitte gemäß ist auch das Aus- lmrd gastlich eingeladen worden; mit freudiger Bereitwilligkeit sind die Künstler aus den Nachbarstaaten und aus weiter Ferne gefolgt. Ihnen Allen rufen wir ein freundliches Willkommen zu. Leipzig, 23. Mat. Heute fand hier die feierliche Grundsteinlegung der deutschen Buchhändlerbörse statt. Nikolajew, 23. Mai. Gestern Vormittag empfing das russische Kaiserpaar die Ständeausschüsse des Cherson'schen Gouvernements. Später fand eine Truppenschau statt und sodann besuchte das Kaiserpaar das Marinehospital und verschiedene Lehranstalten. Nachmittags 4 Uhr fand der feierliche Stapellauf des Kriegsschiffs „Katharina II." statt. Abends war großes Diner, zn welchem die Spitzen der Behörden und Verschiedene Deputationen zugegen waren; um lO^/z Uhr Abends verließ das Kaiserpaar mit oen Grdßfürsten und Gefolge Nikolajew. An allen Orten, wo sie sich öffentlich zeigten, wurden dieselben enthusiastisch empfangen. Athen, 23. Mai. (Telegramm der „Agence Havas".j Die Feindseligkeiten haben heute früh auf denselben Linien wieder begonnen. Die Türken rücken in beträchtlicher Anzahl heran. — General Sapuxdzaki meldet heute von der Grenze, daß das Feuer der Vorposten auf beiden Seiten eingestellt sei. Catania, 23. Mai. Die letzten Nachrichten vom Aetna lauten beruhigender. Die flüssige Lava aus den ersten Krateröffnungen beginnt zu stocken, die Lava aus den späteren Krateröffnungen ist noch flüssig, nimmt jedoch ab. Das unterirdische Getöse hat aufgehört. Berlin, 24. Mai. sPrivatdepesche.^ Professor Leopold von Ranke ist gestern Abend 103/4 Uhr gestorben. ' Lokale». Gießen, 24. Mai. Die gestrige Turnfahrt des Turnvereins, an welcher eine sehr große Anzahl Gießener, Licher und Wiesecker Turner Theil nahmen, hatte einen allgemein beftiedigenden Verlauf. Morgens um 6 Uhr marschirten etwa 60 jüngere Turner nach Hausen, Garbenteich und nach kurzer Rast daselbst auf herrlichen Waldpfaden nach dem freundlichen Lich. Hier nun bcriethen, während die Jüngeren Freunde und Bekannte aufsuchten, die Vertreter der Turnvereine Lich und Gießen über die zur Gründung eines neuen Gaues erforderlichen Maßnahmen. Da wir selbst den Verhandlungen nicht beiwohnten, müffen wir uns auf die freudige Mittheilung beschränken, daß ein Gau, wiewohl nur die Turnvereine Lich und Gießen umfassend, mit dem Namen „Lahn-Wetter-Gau" unter den günstigsten Auspicien zu Stande gekommen, ein provisorischer Gauausschuß gewählt und betreffs der turnerischen Feste dieses Sommers Abrede getroffen ist. Nachdem der Extrazug von Gießen noch eine sehr große Zahl Turnschwestern und älterer Turnbrüder uns zugeführt, wurde unter den luftigen Weisen eines Theils der 116er Kapelle der Marsch nach dem idyllisch gelegenen Arnsburg angetreten. Und hier entwickelte sich ein Leben und Treiben, eine Stimmung, so froh, daß selbst das drohend aufziehende Gewitter kaum bemerkt wurde. Um 5 Uhr führte uns der Gießener Turnwart eine recht nette Gruppe Freiübungen vor. Kaum aber waren diese beendet, so blitzte und donnerte es von allen Seiten und der wuchtig niederprasselnde Regen verscheuchte Alle in die geräumigen Klosterräume, wo wir dichtgedrängt warteten, bis das Gewitter sich ausgetobt hatte. Dann Rückmarsch nach Lich, wo wir im Holländischen Hof noch zwei vergnügte Stunden, gewürzt durch kernige Ansprachen und Toaste auf den neuen Gau, dessen Gründung luftreinigend wie das eben erlebte Gewitter auf gewisse faule Zustände, wirken, der stets eingedenk der Umstände bei seiner Gründung für „Wahrheit und Recht" unentwegt eintreten möae. Die Rückfahrt nach Gießen erfolgte gegen 10 Uhr. Wir müssen noch einer Scene gedenken, welche sich in Arnsburg absvielte, genau so wie vor 38 Jahren unter ähnlichen Umständen hier bei der Einweihung des Turnplatzes des Vereins. Ein knorriger Bauersmann aus der Umgegend, die recht zahlreich in Arnsburg vertreten war, bemerkte nämlich, als das Gewitter losbrach: „De Pedruß scheind scheinds aach nix von dene wisse zu wolle"; worauf ihm ein Gießener erwiderte: „Liewer Mann, der Petrus begießt's, damit's wächst"; darauf Jener: „Da konnd er aach Rüchd ho". — Auch wir wünschen dem Lahn-Wettergau, daß er wachse, blühe und gedeihe zum Wohle der Turnerei. Gieße«, 24. Mai. Der drückenden Hitze der letzten Tage folgte gestern Nachmittag ein, oder wenn man will, ein Haufen Gewitter, welche sich über unsere Gegend hinzogen. Haben wir auch in loco nicht so sehr von Schaden, welchen dieselben angerichtet, zu klagen, so sind unsere benachbarten Orte nicht so glimpflich davon gekommen. In Wetzlar bildete sich über dem Bahnhof eine Windhose, welche sehr erhebliche Verheerungen anrichtete. Der Locomotivschuppen der Nassauischen Bahn wurde abgedacht, zwei Eisenbahnwagen, mit Steinen beladen, wurden aus den Schienen geworfen und umgestülpt. Auf der chemischen Fabrik sollen große Schornsteine eingestürzt, wie auch in dem benachbarten Hermannstein zwei Häuser von dem Sturm umgeweht worden sein. Kurzum, die Verheerungen werden als ganz großartig geschildert. In der Wetterau hauste das Wetter ebenfalls arg. Es regnete derart, als ob eine Sündfluth zu erwarten wäre. Man darf sehr gespannt auf die weiteren Nachrichten sein. Geschichts-Kalender. 25. Mai. 1277. Zu Straßburg wird der Grundstein zum Bau des Münsters gelegt. 1809. Schill besetzt Stralsund. 1846. Flucht des Prinzen Louis Napoleon aus dem Gefängnisse zu Ham. 1871. Große Petroleum-Brandstiftung in Paris durch die Communards. Handel und Verkehr. Grünberg, 22. Mai. (Fruchtpreise.) Weizen vM 17.40, Korn JL 14.10, Gerste «4L 12.00, Hafer JL 13.30, Erbsen 16.00, Linsen JL. 00.00, Lein JL 00.00, Samen JL 24.00, Kartoffeln JL. 3.20, Wicken 00.00. Kepertmr der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt a. M. Opernhaus. Dienstag den 25. Mai: Gastspiel des Herrn Perotti. Teil. (Arnold: Herr Perotti.) Mittwoch den 26. Mai: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Turandot. Außer Abonnement. Donnerstag den 27. Mai: Vorletztes Auftreten des Herrn Perotti. Der Maskenball. (Richard: Herr Perotti.) Freitag den 28. Mai geschlossen. Samstag den 29. Mai: Templer und Jüdin. Sonntag den 30. Mai: Die Favoritin. Montag den 31. Mai: Abschieds-Vorstellung des Herrn Perotti. Die Hugenotten. (Raoul: Herr Perotti.) Außer Abonnement. Schauspielhaus. Dienstag den 25. Mai: Die relegirten Studenten. Mittwoch den 26. Mai: Barbier von Sevilla. Donnerstag den 27. Mai geschlossen. Freitag den 28. Mai: Zum ersten Male: Das neue Gebot. Schauspiel in 4 Akten von Ernst von Wildenbruch. Samstag den 29. Mai: Ein Tropfen Gift. Sonntag den 30. Mai: Zum ersten Male wiederholt: Das neue Gebot. Auszug aus dm Kirchenbücher« der Stadt Gietzm. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 20. Mai. Christian Jnderthal, Kaufmann zu Gießen, und Johanna Georgine Petri, Tochter des verstorbenen Bauunternehmers Louis Petri I. zu Gießen. Den 22. Mai. Franz Kronemeyer, Locomotioheizer zu Gießen, und Christine Jakobine Philippine Mahla, Tochter des Conditors Georg Mahla zu Gießen. Denselben. Jakob Peter Nolte, Schneider zu Gießen, und Anna Elisabeth Lehning, ledige Tochter des Taglöhners Peter Lehning in Laubach. Getaufte. Den 16. Mai. Dem Gärtner Johannes Schneider III. ein Sohn, Robert, geboren den 12. Januar. Denselben. Dem Restaurateur Peter Jmmel ein Sohn, Heinrich Gustav Otto, geboren den 25. April. Denselben. Dem Oeconom Wilhelm Lindenstruth III. eine Tochter, Marie Christine, geboren den 21. April. Denselben. Dem Schuhmacher Franz Neumeier eine Tochter, Sophie Susanne, geboren den 19. April. Denselben. Dem Schneider Wernhard Brück eine Tochter, Elisabeth Henriette Margarethe, geboren den 22. April. Denselben. Dem Porzellanmaler Carl Ernst Punge eine Tochter, Margarethe Henriette Katharine, geboren den 25. April. Den 17. Mai. Dem Wagenrevisor Justus Beinhauer eine Tochter, Johanna Helene Martha, geboren den 29. April. Den 21. Mai. Dem Hautboist Karl Fischer ein Sohn, Otto Max, geboren den 5. März. Beerdigte. Den 15. Mai. Lisette Kreuder, geb. Thron, Wittwe des Taglöhners Daniel Kreuder, 67 Jahre alt, starb den 13. Mai. Den 18. Mai. Ottmar Köhler, Kaufmann, 36 Jahre alt, starb den 16. Mai. Den 19. Mai. Katharine Margarethe Unverzagt, ledig, 74 Jahre alt, starb den 18. Mai. Den 20. Mai. Johanna Pfaff, geb. Schneider, Wittwe des Schuhmachermeisters Philipp Pfaff, 70 Jahre alt, starb den 18. Mai. Den 21. Mai. Johann Wilhelm Bieber, Mechaniker, lediger Sohn des ver- storbenen Stadtgärtners Christian Bieber, 21 Jahre alt, starb den 19. Mai. Kirchliche Anzeigen der evsnget. Gemeinde. Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinderschule, Matth. Kap- 7, von Vers 1 an, Pfarrer vr. Naumann- Temperatur der Lahn. Am 24. Mai, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17«, Luft 16« R. im Schatten. L. Chr. Nübsamen. tun PrrM. Die 40, Korn v* 14.10, 0.00, Lein v* 00.00, nsters gelegt. isse zu Ham. mmunards. nkfurt k. K. . Teil. (Mb: reifen. Turandot. 'rm Perotti. Der gefiert ”W ifther ffln r *®Qu" ä&T** * d°« fdbft te Gruppe Ära 5 au5««obt hm" °ch « wtS VJ "Wahrheit und j0te gegen 10 Uhr. mffiü roieö°t des^ereins. nfe u^Vur0 °er- C^Nb scheinds Witwer ,,'tö ivnnd et QQ(h r w°chse. blühe und s°lgte gestern Nach. ’ uAer unsere Gegend An dieselbm an- lrch davon gekommen, 'lehr erhebliche Per- hn wurde abgedacht, 'lenen geworfen imd nngestürzt, wie auch umgeweht worden geschildert. In der • j ob eine Sündfluth hnchten fein. Oeffeutlichr Anffstdermg. Johann Heinrich Pfefferes Wittwe, Anna Margaretha, geb. Mörschel aus Grüningen hatte in ihrem am 29. Juli 1874 errichteten Testament ihren Stiefsohn Georg Pfeffer IL von da zum Universalerben eingesetzt. Derselbe hat die Erbschaft jedoch nur unter der Rechtswohlthat des Inventars angetreten. Forderungen an den Nachlaß sind binnen 14 Tagen bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden, widrigenfalls sie bei der Regulirung Lres Nachlasses nicht berücksichtigt würden. Lich, den 20. Mai 1886. Großh. Amtsgericht Lich. Langermann. 3993 Submission. Mittwoch den 9. Juni l. I., Vormittags 11 Uhr, werden dahier zur Lieferung für 1886/87 im Submissionswege vergeben : 1. V2 Ctr. schwarze Hammelwolle, 2. 6 „ weiße „ 3. 250 Kilo frische Butter, 4. ca. 600 Ctr. Coaks, 5 „ 7000 „ Steinkohlen I. Qualität, Ruhrkohlen (Ofen- > brand), 6. „ 200 Ctr. Briketts, 7. „ 80 Stück wollene Bettteppiche. [3901 Die Lieferungsbedingungen zu O.- Nr. 1 u. 2 sind bei hiesiger Arbeits- Jnspection, die zu O.-Nr. 4—7 auf dem Bureau unseres Oekonomen am 31. Mai, 1. u. 2. Juni d. Js. einzusehen und Offerten, versehen mit der Aufschrift „Submission", bis zu obigem Termine, Vormittags 11 Uhr, in dem vor dem Direktions-Bureau aufgehängten Submissionskasten verschlossen einzulegen oder frankirt bei unterzeichneter Stelle einzureichen. Marienschloß, am 18. Mai 1886. Großh. Landeszuchthaus-Direktion. Gebot. Schachiel «. im neue Gebots >t Mßm. »i-da unb 3*'uM ■Äi 1.1« ich. L «p 6* «** H-imi-h Sufi«»» Itt, «8*4 *** 10*' ** ctt» M 1161,81 Arbeits-Vergebung. Freitag den 28. I. Mts., Nachmittags 3 Uhr, sollen in dem Gemeindehause zu Alten-Buseck Chausfir- und Pflasterer - Arbeiten, veranschl. zu 402,50 Mark, öffentlich an den Mindestfordernden vergeben werden. Gießen, am 24. Mai 1886. Senßfelder, 3994 Bezirks-Bauaufseher. Samstag den 29. Mai, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dahiesigem Ortsgericht die den Erben des verstorbenen Heinrich Andreas Jughard gehörigen Immobilien Flur XXXVI Nr. 60 - 2331 Mir. Wiese unter den alten Eichen, zwischen der mittelsten und der Wald- gasse, « XXXVI Nr. 61 - 1025 Mtr. Acker daselbst, „ XXXVI Nr. 62 — 604 Mtr. Wiese daselbst, „ XXXX Nr. 95, 98 u. 99,2 — 731 Mtr. Acker an den Schwarzlachsgärten am Flutharaben, „ XXXX Nr. 95, 98 u. 99,8 — 2357 Mtr. Acker daselbst, reiwillig meistbietend versteigert werden. Gießen, den 20. Mai 1886. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A. Vogt. 3925 Mittwoch den 26. d. Mts., Nachmittag 2 Uhr, werden auf meinem Bureau Sopha's, Kommoden, Kleiderschränke, Glasschränke, Tische, 2 Vertikow, 1 Nähmaschine, 2 Pianino, 1 Stoß- tarren, 3 vollständige Betten und 2 Pferde -gegen Baarzahlung versteigert- Geißler, 4005 Gerichtsvollzieher. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Vom 1. Juni ab wird eine Landpost zwischen Kirtorf und Alsfeld über Obergleen, Angenrod und Leusel eingerichtet, welche zugleich zur Personenbeförderung für Rechnung und Gefahr des Herrn Postagenten Pauli in Kirtorf zu dienen und wochentäglich wie folgt, zu verkehren hat. 620 645 735 755 820 Vorm. 1! n n tf •3. Kirtorf jjr Obergleen eg Angenrod v* Leusel 1 Alsfeld i 530 510 420 40 33° Nachm. fr ff ff Vom gleichen Tage ab tritt in dem zum Landbestellbezirk des Postamts in Alsfeld gehörigen Orte Leusel eine Posthülfstelle in Wirksamkeit, deren Verwaltung dem Herrn Gastwirth Andreas Fink II. übertragen worden ist. Darmstadt, den 19. Mai 1886. Der Kaiserliche Ober-Postdirector. Hagemann. Mondamin. Astoria Vaseline Lederfett; (a. d. Fabrik v. I. Goldschmidt jun., Frankfurt a/M.) Bestes Schmiermittel für alle Arten Lederzeug. Zu haben bei 3997 8Ü88, Schuhhandlung. 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I ;■LLLÄ8Z Garbenteich, 3952 statt 3860 3HÄT Unserer heutigen Nummer liegt ein Prospeet des Berliner LoealanzeigerS bei. 400q Frau Dr. Boekmanu, Gartenstraße 21. am 22. Mai 1886. Die tiefbetrübte Familie findet Dienstag den 25. Mai, Nach- 3995 3353 Ein Mädchen vom Lande wird auf sofort zu miethen gesucht. Näheres Löberstraße 3. Die Beerdigung mittags 2 Uhr statt. Gesucht wird ein tüchtiges Hausmädchen, welches nähen und bügeln kann. 4008 Ein Kindersitzwagen zu kaufen gesucht. Näheres in der Exped- d. Bl. 4001 Ein tüchtiger Hausbursche gesucht von H. Vogt, Bäcker, Seltersweg. Nach Gottes Nach erlag unerwartet schnell unser lieber Gatte und Vater Johannes Funk, Lehrer heute Morgen seinen Leiden. Mallmi- I Theater. || Oswalds Garten- ß Montag, Dienstag u. Mittwoch täglich zwei Vorstellungen. Nachmittags um 4 Uhr großes Kinderfest u. Familienvorstellung Entree 30, 20 und 10 H. Abends 8 Uhr große Vorstellung u. A-: Mattini s Enthauptung. 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