Mr. 2O Zweites Blatt Sonntag den 24. Januar 1886 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. mteou: Schulstraß- 7. Erscheint tSgttch mit Au-nahm- d-s M°»tagS. X* Wochen - Ueberstcht. Gießen, 23. Januar. In den politischen Betrachtungen der deutschen Blätter nahm in dieser Woche neben dem RelchSLagsbeschluß über die AuSweisungSsrage die Kirchenpolitik eine hervorragende Stellung ein. Was zunächst die Annahme des Antrages Windthorst bezüglich der Ausweisungen anbelangt, so lauten hierüber die Urtheile der Presse, je nach der Parteistellung der einzelnen Blätter, sehr verschieden. Während die Organe der Conservativen und der National- liberalen diesen Beschluß als eine Beeinträchtigung der nationalen Interessen beklagen, sprechen sich die Blätter der andern Parteien hierüber höchlichst befriedigt aus, sie finden, daß der Reichstag durch sein Votum in der Polenfrage sowohl sein eigenes Ansehen erhöht, als auch die Würde und Ehre der Nation gewahrt habe. Ob dies wirklich der Fall ist, wird ja wohl die kommende Zeit lehren; vorläufig darf man aber bezüglich der Richtigkeit dieser Anschauung noch einiger# maßen Zweifel hegen. UebrigenS steht eine nochmalige parlamentarische Erörterung der Ausweisungsfrage bevor, und zwar im preußischen Abgeordnetem Hause. Allerdings hat hier die polnische Fraktion davon abgesehen, einen auf die Ausweisungen bezüglichen Antrag einzubringen, aber spätestens bei Berathung der von der Thronrede angekündigten Vorlagen zum Schutze des Deutschthums in den östlichen Provinzen wird diese Angelegenheit wiederum zur Sprache kommen, wahrscheinlich dürste dies jedoch schon vorher bei der Etatsberathung der Fall sein- Den eigentlichen Mittelpunkt der politischen Discussion bilden indessen augenblicklich die kirchenpolitischen Angelegenheiten. Der Briefwechsel zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem Papste, zu welchem die .päpstliche Vermittelung in der Karolinensrage und die sich hieran knüpfende Verleihung des Christusordens an den Fürsten Bismarck den äußeren Anlaß gaben, sowie dann die Veröffentlichung des päpstlichen Rundschreibens an den preußischen Episcopat haben eine wahre Fluch von Commentarien und die merkwürdigsten Muthmaßungen über den Stand der Dinge zwischen Berlin und Rom hervor- gerusen. Aber weder das Dankschreiben des Kanzlers an den Papst, noch dessen Encyklika an die preußischen Bischöfe lassen aus ihrem fast gleichzeitig bekannt gewordenen Inhalte die Folgerung zu, daß nunmehr das Ende des Kirchenstreites in Preußen bald bevorstehe. Die in dem Rundschreiben Leo XIII. offen ausgesprochene Forderung der Freigabe der Priester-Erziehung kann von dem leitenden Staatsmanne Preußens und Deutschlands nicht zugestanden werden, wenn Preußen in der Kirchenpolitik nicht gänzlich capituliren will und daß Fürst Bismarck keineswegs gesonnen ist, in der angedeuteten Richtung den Wünschen der Kurie weiter zu willfahren, kann man zwischen den Zeilen seines Antwortschreibens hrrauülesen. Aber der versöhnliche, fast freundschaftliche Ton, in welchem im Allgemeinen das Schreiben des Papstes, welches die Verleihung des Christusordens begleitete, wie die Erwiderung des Fürsten Bismarck gehalten ist und welcher Ton auch an verschiedenen Stellen der Encyklika durchklingt, deutet daraus hin, daß eine weitere Verständigung zwischen Preußen und dem Vati'an in anderen fprcieUcn Fragen nicht ausgeschloffen ist. Eine solche steht, nach den hierüber umlaufenden Gerüchten zu urtheilen, bezüglich der Neubesetzung des erzbischöflichen Stuhles von Posen-Gnesen mit Sicherheit zu erwarten, wenngleich über die Persönlichkeit de« designirten neuen Erzbischof« noch immer keine authentischen Miltheilungen vorliegen. Hoffentlich wird es aber ein Mann nicht nur mit deutschem Namen, sondern auch mit deutscher Gesinnung sein, denn ein solcher thut auf dem erzbischöfliche» Stuhle von Posen-Gnesen wahrlich noth. Hat e» doch das Gnesener Domkapitel abgelehnt, de« 25jährtgen Regierungs-Jubiläums Kaiser Wilhelms in geeigneter Weise zu gedenke» — wie jetzt bekannt wird — und gegenüber der allgemeinen Theilnahme, mit welcher dieses freudige Greigniß in ganz Preußen gefeiert wurde, tritt da« unpatriotische Verhalten des Gnesener Domkapitel« um so schroffer hervor. Bischof Dr. Kopp zu Fulda ist laut königlicher Cabinettordre aus allerhöchstem Vertrauen in das Herrenhaus berufen worden — das erste Mal, daß einem preußischen Bischöfe eine derartige Berufung zu Theil geworden ist. Der Reichstag hat sich in dieser Woche wieder mit verdoppeltem Eiser seinen laufenden Arbeiten zugewendet. Die Specialberathung de« Etat« ist, seit der Reichstag dieselbe am Montag wieder ausgenommen hat, um ein süchtiges Stück gefördert worden, denn die Etats der Post- und Telegraphen- Verwaltung, der Reichs-Druckerei, des auswärtigen Amte« und der Zölle sind in dieser Woche erledigt worden. Die Discussion über letzteren Etat, die am Mittwoch begann, war eine sehr ausgedehnte, wobei wieder einmal die «esammte WirthschaftSpolitik des dentschen Reiches nach den verschiedensten Seiten hin erörtert wurde. Auch an colsnialpolitischen Debatten fehlte es in dieser Woche nicht. Die eine fand am Dienstag statt und knüpfte sich an die Forderung von 300,000 für Kamerun, Togo und Angra Pequena, wobei die Redner der freisinnige» Partei und des Centrums wiederum die alten Befürchtungen hinsichtlich unserer Colonialpolitik aussprachen. Die erwähnte Position selbst wurde zur nochmaligen Prüfung au die Commission zurückoerwiesen. Die andere Debatte colonialpolitischen Charakters wurde durch den Gesetzentwurf über die Rechtspflege in den deutschen Kolonien, welcher dem Reichstage am Mittwoch in erster Lesung vorlag, veranlaßt. Es kam hierbei besonders die constitutionelle und rechtliche Seite der Frage zur Sprache und wurde von den Rednern aus dem Hause mehrfach betont, daß da noch große Unklarheit herrsche. Eine specielle Episode in der Debatte bildete die Polemik zwischen dem Abg. v. Helldorf einer- und den Herren Dr. Bamberger und Dr. Windthorst anderseits, welche sich auf die neuliche Kritik des Parlamentarismus Seitens des erstgenannten Führers der Conservativen bezog. Die Vorlage wurde schließlich au eine Commission verwiesen. — Die Reichstags-Commission zur Vorberathung des Viehseuchengesetzes bat die Regierungs-Vorlage abgelehnt. Das preußische Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag seine eigentliche Thätigkeit eröffnet, und zwar zunächst mit der Generaldebatte über den Etat. Gleich der württembergischen Central stelle für Handel und Gewerbe in Stuttgart ist nun auch von dem General-Comitö des land- wirthschaftlichen Central-Vereins des Königreichs Bayern ein dem Branntwein- Monopol-Entwurs im Princip zustimmender Beschluß gefaßt worden. Jenseits der Pyrenäen soll anscheinend ein neuer Putsch in Scene gesetzt werden. Wenigstens deuten die Verhaftungen politisch verdächtiger Persönlichkeiten, welche die spanische Regierung fortgefetzt vornehmen läßt, hierauf hin. Unter diesen Umständen ist es für das Madrider Cabinet von besonderem Werth, daß dem neuen spanischen Botschafter in Paris, Alba- reda, seitens des Ministerpräsidenten Freycinet die bestimmte Versicherung ertheilt worden ist, es seien von ihm die strengsten Maßregeln zur Ueber- wachung der französisch-spanischen Grenze getroffen worden. Da sich der alte Unruhestifter Zorilla gegenwärtig an der französischen Seite der Pyrenäen herumtreibt, so ist diese Ueberwachung nur eine freundnachbarliche Pflicht der französischen Regierung gegenüber Spanien. Der schwedische Reichstag ist Anfangs dieser Woche vom König in Person eröffnet worden. Die Thronrede bietet Bemerkenswerthes nicht dar. Die Lage im Orient bietet trotz der Ablehnung, welche die Großmächte mit ihren Abrüstungsvorschlägen in Athen, Belgrad und Sofia erfahren haben, nichts Beunruhigendes dar. Im Gegentheil, es liegen zwei Meldungen vor, welche die Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Balkanwirren nur verstärken. Die erste dieser Meldungen besagt, daß sich Serbien und Bulgarien über Bukarest als Ort für die Friedensverhandlungen geeinigt haben. Die andere Nachricht kommt aus Belgrad und ihr zufolge hat sich die Majorität des Ausschusses der Fortschrittspartei, der zur Zeit einflußreichste» Partei in Serbien, für den Abschluß des Friedens, unter Wahrung der Ehre Serbiens, wenn auch unter Verzicht auf die Herstellung der Balkanstaaten durch Verhinderung der bulgarisch - ostrumelischen Union, ausgesprochen. Die Kundgebungen im Lande in diesem Sinne nehmen zu. Es darf um so mehr auf einen baldigen entschieden friedlichen Umschwung im Orient gerechnet werben, als die Großmächte ihr Abrüstungsverlangen bei den kleinen Balkanstaaten noch einmal energisch wiederholen werden und diesmal dürste endlich in Belgrad wie in Athen und Sofia die Stimme der Vernunft siegen. Das englische Parlament ist am Donnerstag mittels Thronrede feierlichst eröffnet worden. Das neue Parlament findet die Lage der inneren englischen Politik bedeutend zugespitzt vor, denn das irische Problem schiebt sich wie ein Keil der Zwietracht in die Organisation der beiden großen Parteien Englands em und wie dieses Problem gelöst werden soll, ist noch eine Frage der Zukunft. In Kairo hat dieser Tage wieder einmal eine Berathung zwischen dem Khedive und seinen beiden Berathern, dem Türken Mukhtar Pascha und dem Briten Sir Drummond Wolff, stattgefunden. In der Conferenz wurden nur die den Sudan und die Reorganisation der egyptischen Armee betreffenden Fragen discutirt. Ein positives Resultat wurde noch nicht erzielt, doch hat es Mukthar Pascha übernommen, einen Plan für eine allgemeine Reorganisation der egyptischen Armee auszuarbeiten. Drummond Wolff hob die Nothwendig- keit für das egyptffche Heer hervor, ein wirklich tüchtiges Officiercorps heranzubilden. Das geschieht freilich nicht so im Handumdrehen. Begründung mm Branntweinmonopol. Der Wortlaut der Begründung zu dem Entwurf eines Gesetzes betreffend das Branntweinmonopol liegt jetzt vor. Er umfaßt 16 Folioseiten, bietet in den Anlagen eine Ueberstcht der in Frankreich, England, Rußland, den Bereinigten Staaten von Nordamerika, Belgien, den Niederlanden und Schweden im Ganzen und auf den Kopf der Bevölkerung kommenden Steuerbeträge aus den: Branntwein und des Branntweinoerbrauchs, ferner Uebersichten der Brennereiverhältnisse in den sieben östlichen Provinzen Preußens im Zeitraum von 1845—1884, der deutschen Branntweinbrennerei im Jahre 1883/84, der inländischen Spirituspreise in den letzten zehn Jahren, der Aus- und Einfuhr von Branntwein aller Art aus und nach dem deutschen Zollgebiet sowie aus und nach dem Gebiet der Branntweinsteuergemeinschaft in den letzten zehn Jahren und endlich eine Ueberstcht der Kleinpreise des Trinkbranntweins in Preußen. Die allgemeine Begründung lautet, der „Köln. Ztg." zufolge, wie folat: Mit dem von Anfang an erklärten und festgehaltenen Ziel, aus den der Gesetzgebung des Reichs vorbehaltenen, ohne jeden Zweifel noch weit größerer Leistungen fähigen und in den anderen Eulturstaaten auch weit ergiebiger gestalteten Einnahmequellen die ausreichenden Mittel zu gewinnen, um die eigenen finanziellen Bedürfnisse des Reichs zu befriedigen und darüber hinaus den Einzelstaaten diejenigen Einnahmen zu überweisen, die sie zur Erhaltung ihrer Selbstständigkeit und zur Erfüllung der ihnen verbliebenen Aufgaben bedürfen, aber aus den ihnen verbliebenen Einnahmequellen nicht mehr zu gewinnen vermögen, haben die verbündeten Regierungen vor acht Jahren die Reichssteuerreform unternommen und, ungeachtet aller Schwierigkeiten und Hemmnisse, die Mißverstündniß hier und Feindschaft dort zu bereiten oder zu vermehren unablässig bemüht gewesen sind, seitdem auch schon zu einem guten Theil zur -Ausführung gebracht. Die unter Zollwesen, die Tabaksteuer, die Stempelsteuer betreffenden Gesetze und deren Erfolge in den Haushaltsetats sowohl des Reichs als auch der Einzelstaaten geben hiervon Zeugniß. Mancher andere Schritt auf demselben Wege aber ist bisher vergeblich getban worden, das große und weit gesteckte Ziel also auch um so weniger schon zu erreichen gewesen. Dies darf bei der Natur der Sache und den obwaltenden politischen Parteiverhältnissen im Reich nicht Wunder nehmen, geschweige entmuthigen und zu zeitweiligem oder dauerndem Verlassen des begonnenen Unternehmens führen. Das bezeichnete Ziel ist ein durch die Existenz des Reichs selbst dergestalt unmittelbar gegebenes, nothwendiges, seine Erreichung ein so eminentes und unersetzliches Mittel zur Festigung des Reichs gegen alle Gefahren und zur dauernden Zusammenhaltung aller feiner Glieder, daß die verbündeten Regierunacn von demselben nicht ablassen können und dürfen, daß sie vielmehr, bis es endlich voll ilnd ganz erreicht sein wird, immer erneute Bemühungen, es zu erreichen, werden machen müssen. In dieser Ueberzeugung und im Hinblick auf die theils schon anerkannten, theils glicht länger zurückzudrängcnden Mehrbedürsnisse des Reichs selbst, sowie ans den Fehlbetrag im eigenen Staatshaushaltsetat und die notorischen, weit größeren Bedürfnisse im eigenen Lande, unter denen die umfassende und nachhaltige Erleichterung des Drucks der Eommunal- und Schullasten obenansteht, hat die preußische Negierung -sich angelegen sein lassen, die Weiterführung der Reichssteuerreform jetzt auf einem Gebiete vorzubereiten, auf dem es wohl möglich und unbedenklich erscheint, einen großen Schritt zu dem gesteckten Ziel hin zu machen, aus dem Gebiet der Branntweinbesteuerung. Daß der Branntwein ein vorzügliches Object der Besteuerung bildet und wirklich hohe, dem Maße der zu befriedigenden dringenden Bedürfnisse des Reichs und der Einzelstaaten annähernd entsprechende Erträge zu liefern vermag, wird fast allseitig anerkannt und ist auch angesichts des thatsächlichen Ergebnisses seiner Besteuerung in anderen Ländern nicht wohl zu bestreiten. Weitgehende Meinungsverschiedenheiten bestehen freilich über die Mittel und Wege, durch welche bei uns solche oder überhaupt nur höhere Steuereinnahmen vom Branntwein zu gewinnen seien, und den einander gegenseitig verwerfenden Urtheilen wird man dahin zustimmen müssen, daß in keinem der dieserhalb bisher gemachten Vorschläge eine annehinbare Lösung der Aufgabe zu finden ist, weil sie sämmtlich zu einer der Steuerfähigkeit des Gegenstandes entsprechenden hohen Einnahme unter den bei uns obwaltenden Verhältnissen entweder überhaupt nicht oder nur mit offenbar überwiegenden Nachtheilen und Gefahren führen würden. Dagegen hat sich bei sorgfältiger Erwägung aller in Betracht kommenden Verhältnisse die Form des Monopols als wohlgecignet herausgestellt, nm die bei einer Reform unserer Branntweinsteuer jetzt in's Auge zu fassenden Zwecke 311 erreichen. Im Wege des Monopols und nur im Wege des Monopols ist es möglich, wenn auch nicht ohne alle, so doch zweifellos ohne überwiegende Härten und Nachtheile dem Reich die erforderlichen sehr beträchtlichen Mehreinnahmen vom Branntwein zuznführen und zugleich im Interesse der Moralität und der Gesundheit des Volkes auf eine Einschränkung des übermäßigen Branntweingenusses sowie aus Fernhaltung aller an sich schädlichen Branntweinsorten mit Erfolg hinzuwirken. Von diesen Gesichtspunkten aus ist der Entwurf eines Gesetzes betreffend das Branntweinmonopol aufgestellt, und zwar für den Umfang des ganzen Reichs, indem der Voraussetzung gefolgt ist, daß die süddeutschen Staaten mit einer auf den Branntwein beschränkt bleibenden Aufgabe des entgegenstehenden Sonderrechts aus Art. 35 der Verfassung sich einverstanden erklären werden. Die Herstellung rohen Branntweins bleibt der privaten Gewerbsthätigkeit überlassen. Eine Einwirkung der Monopolverwaltung auf die Production findet nur insoweit statt, als unbedingt nothwendig erscheint, um einer übermäßigen Production entgegenzuwirken. Dagegen steht der Bezug sämmtlichen inländischen rohen Branntweins von den Herstellern, der Bezug von Branntweinen aller Art aus dem Auslande, die Reinigung des Branntweins und dessen weitere Verarbeitung zu alkoholischen Getränken, sowie der weitere Verkauf von Branntweinen aller Art, soweit das Gesetz nicht Ausnahmen macht, ausschließlich dem Reich zu und werden für Rechnung desselben betrieben. Der Absatz im Großen erfolgt durch Agenten, der Absatz im Kleinen durch Verschleißer. Demzufolge hat der Brenuereibesiher den gesammten gewonnenen Branntwein an die Monopolverwaltung abzuliefern. Eigenthum und Gefahr gehen mit der Abnahme in der Brennerei auf die Monopolverwaltung über. Um die Monopolverwaltung zu sichern, daß in der That der gesammke, im Jn- lande producirte Branntwein in ihre Hände gelangt, haben gewisse Betriebseinrichtungen und Controlen vorgeschrieben werden müssen. Für die kleinen Brennereien sind indessen sehr wesentliche Erleichterungen zugestanden. Die Ankaufspreise des Branntweins werden innerhalb gesetzlich bemessener Grenzen jeweilig vom Bundesrath bestimmt. Gesundheitsschädlicher Branntwein ist zu vernichten. Ebenso wird von dem Bundesrath innerhalb gesetzlich bemessener Grenzen jeweilig der Tarif festgesetzt, nach welchem der Preis beim Verkauf alkoholischer Getränke im Inlande von der Monopolverwaltung zu erheben ist. Zu gewerblichen, Heizungs- und Beleuchtungszwecken wird der Branntwein zu Selbstkostenpreisen abgegeben. Zum Schutz gegen die Gefahr von Defrauden dienen amtliche Revisionen, ferner eine Geräthe- und Transportcontrole. Privatpersonen, welche nicht als Agenten oder Verschleißer der Monopolverwaltung angestellt sind, dürfen nur eine bestimmte Menge von Branntwein in ihrem Besitz haben. Fremde Ansprüche auf den für die Monopol- verwaltung bereiteten Branntwein find ausgeschlossen. Die Hauptbestimmungen des Gesetzes sollen mit dem 1. August 1888 in Kraft treten. In den Uebergangsbestimmungen sind wesentlich Vorschriften über die Behandlung des am 1. August 1888 im Inlande lagernden Branntweins, ferner über die zu zahlenden Entschädigungen getroffen. Die Schlußbestimmungen beziehen sich auf den Ausschluß einzelner Theile des Reichsgebietes von den Bestimmungen des Gesetzes, auf den Maßstab zur Ver- theilung der Einnahmen unter die Bundesstaaten, endlich auf das Verhältniß zu den Gemeinden. Verwischte-. Mannheim, 20. Januar. ^Amerikanische Universalwäscbe.t Die Reihe der industriellen Unternehmungen Mannheims Mrd durch ein Etablissement bereichert, welches eine ziemlich bedeutende Arbeiterzahl beschäftigen wird. Unter der Firma „Fabrik amerikanischer Universalwäsche Lenel u. Eie." ist eine Fabrik sogenannter Gummiwäsche hier errichtet worden, deren Gebäulichkeiten und maschinelle Einrichtungen in etwa zwei Monaten zur Inbetriebsetzung fertig gestellt sein werden. Inzwischen sind die Begründer des Unternehmens, welche zugleich die bedeutendsten Theilhaber der Rheinischen Gummi- und Celluloid-Fabrik sind, durch ihre Beziehungen zu letzterem Etablissement in den Stand gesetzt, die Fabrikation schon jetzt und in ausgedehntem Maße aufzunehmen, so daß mit derselben bereits begonnen wurde. Die Vorzüge dieser amerikanischen Wäsche (Kragen, Manschetten, Vorhemden) sind so in die Augen springend, daß sie sich binnen kurzer Zeit in den weitesten Kreisen Eingang verschafft hat. In der That ist die Annehmlichkeit einer von der leinenen nicht zu unterscheidenden Wäsche, welche den Vorzug hat, in wenigen Augenblicken von dem Träger selbst gereinigt uni) Monate lang in stets unverändertem Zustande getragen werden zu können, eine so bedeutende, daß der Gebrauch dieser Erzeugnisse eine immer zunehmende Bedeutung gewinnen wird. Wir freuen uns, daß Mannheim das erste in Betrieb befindliche Etablissement dieser Branche in Deutschland aufzuweisen hat. — (Glücklicher Gewinnerf des ersten Preises der Nürnberger Ausstellungs- Lotterie ist bekanntlich ein in Rödelheim wohnender, in der Wertheim'schen Fabrik beschäftigter Arbeiter Namens Adler. Es hieß von ihm, er habe für seinen Gewinn 18,000 JL baar erhalten. Gegenüber dieser unwahren Mittheilung erhalten wir von sachverständiger und unterrichteter Seite folgende, jedenfalls interessirende Angaben: „Der erste Preis, um den es sich hier handelt, wurde anfänglich im Auftrage eines reichen Herrn, der dafür 32,000 JL bezahlen sollte, angefertigt und dem Juwelier mit dem Ersuchen, ihn wieder verkaufen zu wollen, zurückgegeben. Der Mann sandte ihn auf die Nürnberger Ausstellung und hatte das Vergnügen, ihn angekauft zu sehen als erster Werthpreis von 20,000 Jl. Nachdem dieser „Werthpreis" nun von dem Arbeiter gewonnen worden, setzte sich der Lotteriecollecteur mit dem Verfertiger in's Benehmen, der im Ganzen 6000 X für das Silber und 1000 v4L Facon dafür bot. DaS hieße, den Preis, der doch 20,000 JL werth sein soll, verschleudern, dachte der Vertreter des Gewinners, und ging nicht darauf ein, wohl aber unterhandelte er mit einer anderen Lotterie, die ihn für etwa 12,000 JL als ersten Preis anzukaufen beabsichtigt. Es ergibt sich daraus wieder die Lehre, wie unklug es ist, in solchen Lotterien, die Werthpreise geben, zu spielen. Vor der Ziehung wird großer Lärm geschlagen und die Preise werden in den Himmel gehoben, nach der Ziehung will kein Mensch den angegebenen „Werth" für die Preise geben. Hierbei sei gleichzeitig bemerkt, daß die Ziehungslisten der Nürnberger Lotterie verschiedene Fehler enthalten, die sie unzuverlässig machen. (O. Z.) Allgemeiner Anzeiger. ring Tisch)« tifltS aus per gm 54 Spanischen Sanitäts- und Dessert - Weinen VerkwwfssteBleii: Gebr. Adami, Mäusburg 14. I Ferd. Drebes, Marktplatz 21. | S„ Elsoßer. Herrn 6 1.30 1.40 1.50 1.50 2 — Madeira u. Pajarete JL Sherry u. Montilla . „ Malaga u. Madeira, alten ,, Moskatel u. Alicante „ Lacrima-Christi . . „ 7 5 1520 15 162 45 4620 10 weiß von d an em 97 Le dei D)( De C. 6 Klemhenn, Kreuzplatz 1. Conditor H. Kinkel, Marktstr. 32. Daudt, Wolfstrasse 13, Garantie der Reinheit sein Lager von direct importirten C. Ar. Conrad, Friseur, Mäusburg 15. Ohr. empfiehlt unter zu verkaufen. 513 Fr. Textor, Hardt. Der Anfang und die Zusammenkunft ist Morgens 9V2 Uhr vor der Hegheck in der Nähe von der Kreisstraße Steinbach-Annerod. Steinbach, am 20. Januar 1886. Großh. Bürgermeisterei Steinbach. Krämer. 517 ) Prior ato, reih, herb Priorato, reih, süss . „ VaMepennas, roth . „ Malaga-Xerez (Sherry) „ Malaga u. 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Stübchen mit Bett zu vermiethen. Mäusburg 9. 374 In meinem an der Marktstraße gelegenen Hause wird am 6. Februar ein Logis frei. S. Elsoffer. 308 Der 3. Stock meines Hauses, 6 Zimmer mit Zubehör u. Wasserleitung, Frankfurterstraße 76, ist wegzugshalber per 1. März zu vermiethen. I. Dern. ' 257] Mansardenloqis pr. 1. April zu vermiethen. Nord-Anlage, Weserstraße 1. 197] Kleines Familienlogis zu ver- miethen. 15. 29] Kleine schöne Wohnung an ruhige Leute zu vermiethen. Lahnstraße^ll. 485 Ein kleines Familienlogis zu ver- miethen. Kaplansgasse 18. 31 Der mittlere Stock meines Hauses, Südanlage 4, ist per 1. Mai anderweit zu vermiethen. I. Alker. 443] HolzlagerPlatz neben der Gewerbebank pr. 1. März zu vermiethen. F. Senner. vermischte Anzeigen. 542 Ein Lehrling pr. sofort oder 1. April refp Ostern gesucht. H. F. Nassauer, ___________ Colonialwaarenhandlung. a* _ • x® s^ricbf HciratSvorjchläge erhaUm 8? B nTal 11 Sie sofort im verschlossenen Couvert Q,ii!crft).^Orto2O'Pf..<;en